Fischer: Studien

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Zitation

Fischer, Hanns: Studien zur deutschen Märendichtung. Tübingen 1968

Fischer, Hanns: Studien zur deutschen Märendichtung. 2., durchgesehene und erweiterte Auflage, besorgt von Johannes Janota. Tübingen 1983

Beschreibung

Äußerst einflussreiche Monographie, die die Märendichtung zum ersten Mal als Textgruppe untersuchte und als Gattung etablieren wollte. Insbesondere die Definition des Märes und seine Ausdifferenzierung in Subgenres wurden sowohl intensiv verwendet als auch kritisiert.

Inhalt

  • Grundlinien einer Geschichte der Märenforschung
    • Vorgeschichte der Märenforschung: einzelne Nachrichten über Märenhandschriften, vereinzelte Textabdrucke; der Theologe Georg Litzel (Megalissus) lässt als erster den „Pfaffen in der Reuse“ 1730 drucken (2).
    • Frühgeschichte der Märenforschung: Neuentdeckung des Märe durch Friedrich Heinrich von der Hagen und Johann Gustav Büsching um 1812, 1850 Herausgabe des „Gesamtabenteuers“ (1f.): unkritische Textgestalt (7), mangelnde Vollständigkeit (8), fehlende einheitliche Gattungskonzeption (9)
    • Periode zwischen den beiden Gesamtabenteuern: viel Primärerschließungsarbeit (10), kritische Zweit- und Drittveröffentlichungen lachmannscher Manier unter Einbezug aller Textzeugen: Moriz Haupt, Hans Lambel, Edward Schröder (11); das Märe erscheint in Literaturgeschichten, wenngleich auch lediglich in Absetzung von den „frivoleren“ französischen Fabilaux (15)
    • Periode des „Neuen Gesamtabenteuers“: Niewöhner fasst 1917 den Plan einer grundsätzlichen Erneuerung des Gesamtabenteuers nach Lachmannschen Editionsprinzipien, neue Zusammenstellung, wovon aber nur der erste Teilband gedruckt wird (17); Problematik der Idee einer Rekonstruktion des Originals: Voraussetzung eines „guten“ Originals, Ignorieren der lebendigen Tradition der Mären (19); zwei Typen der Märenedition (Einzelausgaben): monographische Dissertation, Übungstexte für den akademischen Unterricht (21); Hervortreten einer literaturhistorischen Fragestellung gegen die quellenkundliche: Märe wird Träger gedanklicher Aussagen (23)
    • Soweit die Gattung als Ganze in Frage steht, sind noch so gut wie alle Fragen offen (26)
  • Die Gattung „Märe“: Begriff und Bereich
    • Methodenfrage: Ältere Forschung wendet den neuzeitlichen Novellenbegriff auf das Mittelalter an, was dahingehend irre geht, dass es einen einheitlichen Novellenbegriff nicht gibt (30) und dass ein Rückbezug eines modernen Begriffs auf das Mittelalter nicht zulässig ist (31)
    • Terminologische Konsequenz: Anwendung des Begriffs Märe für die mittelalterliche Novellistik
    • Auch ein Deduktionsversuch von einem Urtyp Novelle ist nicht zulässig: Induktiver Weg (31)
      • Ein Denkmälerkomplex muss zur Ausgangsbasis gewählt werden, woraus durch fortschreitende Exklusion des Andersartigen das Gesuchte eruiert wird (32)
      • Ausgangsbasis: in Reimpaaren abgefasste Kleindichtung (durchschnittlich zwischen 150 und 300 Versen) (32)
      • Familienbildung der kleinen Reimpaardichtung mittels der äußeren Form, weshalb eine Unterklassifizierung inhaltliche Kriterien heranziehen muss (33f.)
    • Grundsätzliche Zweigliederung: Reden (stagnierende Erörterung vorherrschend) und Erzählungen (Einzelereignisse in zeitlicher Sukzession), Bispel als Zwischenform
      • Rededichtung:
        • Geistliche Rede: älteste Gattung; Stricker, Heinrich der Teichner, Heinrich Kaufringer, Rosenplüt, Folz; religiöse Thematik (35f.)
        • Weltlich-didaktische Rede: Unterweisung zum rechten Weltverhalten unter moralischem Aspekt (36)
        • Kurzgnomik: ideal in Freidanks „Bescheidenheit“ (37)
        • Fachliterarisches Spruchgedicht: ideal bei Folz, Hausratbüchlein, Branntweinbüchlein (38)
        • Politisch-didaktische Rede: kritische Bewertung politischer Umstände, politische Ermahnung und politische Theorie (38)
        • Aktuell-zeitbezogene Reden:
          • politisch-enkomiastische Rede: Lobgedicht auf historische Persönlichkeit (38)
          • politisch-skommatische Rede: Schmähgedicht (39)
        • Ehrenreden: mehr gesellschaftlicher Charakter (39)
        • Minnerede: reflektierende, bekennende, panegyrische, didaktische Kleindichtung mit Minnethematik; Sonderform: Minneallegorie (40)
        • Streitgespräch: besondere Darstellungsform von Reden
        • komisch-volkstümliche Reden (von Fischer problematisierte Komplexzusammenfassung, S. 42): niederliterarisch, komisch
          • Persönliche Reden: Berufsliteratenpoesie, vereinzelt
          • Quodlibet: Folge logisch-syntaktischer Einheiten in beziehungsloser Reihung (43)
          • Parodien religiöser Texte: ahmen Bibel-, Predigt- und Gebetstexte nach, Füllung mit unpassendem Inhalt (44)
          • Zechreden: Preis guten Essens und Trinkens
          • Obszönreden: Sexualscherze in Redeform (45)
          • Klopfan-Spruch: regionale Verbreitung (Nürnberg), bei Neujahrsumzügen vorgetragen (v.a. Hans Folz und Hans Rosenplüt) (47)
          • Priamel: parallele Reihung von Einzelphänomenen, deren Gemeinsamkeit in einem Schlusssatz konstatiert wird (48f.)
      • Erzählungen:
        • Geistliche Erzählungen:
          • Legenden: poetische Lebensbeschreibungen göttlicher und heiliger Personen (50)
          • Mirakelerzählungen: Bericht eines einzelnen Ereignisses in der Atmosphäre des Wunderbaren (51)
          • Teufelserzählungen: negative Mirakel (51f.)
          • Fromme Welterzählungen: von einem religiösen Aspekt bestimmte Erzählung, die thematisch auf irdisch-natürliche Vorgänge beschränkt bleiben (52f.)
        • Weltliche Erzählungen:
          • Historischer Ereignisbericht: gegenwartschronikalisches Spruchgedicht, das nicht-fiktive Geschehnisse zum Gegenstand hat (54)
          • Fabel: Kleinerzählungen didaktischer Zielsetzung, die als Personal denkende, redende und handelnde Tiere, Pflanzen, Körperteile oder unbelebte Gegenstände verwenden (54f.)
    • Positionsbestimmung der Formverwandten kreist das Märe hinsichtlich seiner Formalkriterien ein:
    • Stofflicher Gegenstand des Märe: fiktiver, innerweltlich-profaner und von menschlichen Personagen getragener Vorgang (55)
    • Es ergeben sich neue Inhaltsverwandte mit dem Märe: neuer Exklusionsvorgang: formale Unterscheidungsmerkmale auf der Basis gemeinsamen Inhalts (55)
      • Weltliches Spiel: kein Erzähler (56)
      • Strophische Kleindichtung heldenepischen Charakters: keine Reimpaardichtung
      • Erzählendes Lied: keine Reimpaardichtung
      • Roman: größere innere Quantität (57), größere Verszahl: Grenzwert für Mären 2000 Verse (58)
      • Bispel: Große Abgrenzungsschwierigkeiten; Annahme von drei theoretischen Größenordnungen: Größenordnung III (1000er): Roman; Größenordnung II (100er): Märe; Größenordnung I (10er): Kleinstform; die Bispel (vornehmlich Größenordnung I) hat an Erzählung und Rede Anteil; innere Qualität: auf Skizze des Handlungsskeletts reduziert (doch nur ungefährer Niederschlag in absoluten Verszahlen) (60)
    • Kompromiss: Texte unter 90-100 Versen sind als Bispeln, Texte über 150 Verse sind als Mären zu bezeichnen (61)
    • Definition Märe: Ein Märe ist eine in paarweise gereimten Viertaktern versifizierte, selbständige und eigenzweckliche Erzählung mittleren (150 – 2000 Verse) Umfangs, deren Gegenstand fiktive, diesseitig-profane und unter weltlichem Aspekt betrachtete, mit ausschließlich (oder vorwiegend) menschlichen Personal vorgestellte Vorgänge sind (62f.)
    • Komplex von 220 Mären (65ff.)
    • Komplex von 44 Grenzfällen (72ff.)
    • Frage nach einem mittelalterlichen Gattungsbewusstsein: Zugang über Untersuchung der Terminologie und der Überlieferungssymbiose (78)
      • Vorfindbare terminologische Oppositionen: geistlich – weltlich; Spruch – Lied; Rede – Märe (nicht direkt nachweisbar, 79); Bispel – Märe (unsicher, 79f.)
      • In Märendichtung tritt am häufigsten die Bezeichnung Märe auf, allerdings hauptsächlich unterminologisch (80)
      • Der Gebrauch von maerlin kann auf eine terminologische Unterscheidung kurzer und langer Erzählung hinweisen (83)
      • Konkurrenten von maere (hauptsächlich unterminologisch gebraucht): aventiure, bispel, rede, gelaeze, reimlein, histori, spruch, gediht, buoch, büechelin
      • Maere ist nicht als Gattungsterminus für Mären im Gebrauch, wo aber Märe terminologisch bezeichnet wird, kommt nur maere oder maerlin zur Anwendung (88)
      • Gattungsreine Sammlungen von Märentexten gibt es nicht, doch Sammlungen des Oevre-Typs ordnen Mären in Serien an (z.B. Stricker, 91)
  • Thematik und Personal der Märendichtung und das Phänomen ihrer Typisierung
    • Binnenzeichnung der Mären durch spezifische Thematik und spezifisches Personal (93); Themenklassifikation:
      • Schwankhafte Mären:
        • Listiges Arrangement des Ehebetrugs (94f.)
        • Schlaue Rettung aus drohender Gefahr (95f.)
        • Geglückte Entdeckung und Bestrafung des Ehebruchs (96)
        • Eheliche Kraft- und Treueproben (96f.)
        • Verführung und erotische Naivität (97)
        • Priapeia (97f.)
        • Verspottung von Liebhabern und Rache der Verspotteten (98)
        • Schelmenstreiche und schlaue Betrügereien (98)
        • Komische Missverständnisse (98f.)
      • Höfisch-galante Mären:
        • Ritterliche Aventiuren (99)
        • Treue Minne (99)
      • Moralisch-exemplarische Mären:
        • Demonstration allgemein-menschlicher Laster (99f.)
    • Schwankhaftes Märe:
      • Entscheidendes Merkmal des ridiculums (101)
      • Vier Grundarten der Komik: Figurenkomik, Situationskomik, Wortkomik, Handlungskomik (102)
      • Das erotische Element ist nur akzessorisch (103)
      • Erweckung des Lachens bei der Hörerschaft ist ursprüngliches Ziel (vgl. Prologbemerkungen) (104ff.)
      • Verhältnis zur meist expliziten Moralisation: für den mittelalterlichen Konsumenten keine strikte Trennung zwischen Moral und Komik (106); oft auch gemeinplatzmäßige Moralisation, die sich kaum auf die Geschichte bezieht (107)
    • Höfisch-galantes Märe:
      • Fehlen des jocosen Elements (109)
      • Bewährung der beiden höfischen Kardinalstugenden chevalier und amour (109) in konflikthaften Situationen
      • Ziel: höfisch-gesellschaftliche Erbauung (111)
    • Moralisch-exemplarisches Märe:
      • Didaktisches Ziel: Propagierung und Illustration bestimmter moralischer Positionen (111)
      • Mischungserscheinungen: Entlehnung von Stoffelementen, Verpflanzung von Modus oder Intention eines anderen Typs; drei Varianten pro Grundtyp (112f.)
      • Ca. 80% aller Mären gehören dem Schwanktypus an, 15% dem höfisch-galanten, 5% dem moralisch-exemplarischen Märe
      • Die Form des Märe ist ursprünglich für den Schwank geschaffen, der damit der Urtyp des Märe ist (115)
      • Grundkonstellationen des Rollenprinzips:
        • Ehekonstellation: listig-überlegener Ehemann : überlistet-unterlegene Ehefrau oder listig-überlegene Ehefrau : überlistet-unterlegener Ehemann (117)
        • Liebesverhältnisse: Treuer Liebhaber : Treue Liebende oder Werbender : Umworbene (117f.)
        • Unerotische Verhältnisse: Listiger : Überlisteter (118), Betrüger : Betrogener, Dieb : Bestohlener, Verspotter : Verspotteter
      • Normung des Figurenmaterials: Ständetypik (für das Märe wesentlich, 119)
        • Ritterlicher Adel: Häufigster Stand (119f.), eigene Domäne: höfisch-galantes Märe; positiv bewertete Liebhaberrolle
        • Pfaffe: typischer Verführer und Ehebrecher (120); leistungsfähiger Bettgefährte, oft schwer bestraft
        • Student: Lieblingsrolle des Märes (121), v.A. des Schwankes; witzig und lebensklug, Ehebrecher und Verführer, niemals bestraft
        • Bauer: tritt fast nur im Schwank auf (123); ungehobelt und einfältig, überlisteter Hahnrei, Betrogener und Bestohlener; Bäuerin ist komplementär: listige Treulose, Ehesiegerin; später wird dem Bauer natürliche Lebensklugheit zugeordnet (124)
        • Bürgertum: keine geschlossene Gruppe (124), kommen in allen schwankhaften Rollen vor
      • Keine ausnahmslos gültigen Rollenprivilegien
      • Bevorzugung bestimmter Verbindungen zwischen Stand und Rolle (125)
      • Zwei Typen von Mären:
        • Spielen in geschlossener Gesellschaft (v.a. höfisch-galant)
        • Spielen in gemischten Gesellschaften (v.a. Schwank): soziale Unterschiede werden kaum handlungstragend relevant (126)
    • Realismus: Traditionell wurde das Märe als realistischer als der Roman eingestuft (unhöfisches Leben, auch negative und lustige Menschenschilderung); doch eher Folge des Erzählstils: Gelächter entzündet sich am Tadelswerten und Grotesken (129), am Spannungsbogen zwischen Klug und Dumm; das Märe zeichnet ebenfalls keine normale, alltägliche Welt (130)
    • Detailrealismus: realistisches Interesse am Nebensächlichkeiten (132)
  • Die Autoren der Märendichtung
    • Das Gesetz, nach dem Verfassernamen auftreten, ist nicht deutlich erkennbar; Signieren von Mären ist kein allgemeinverbindlicher Usus (141)
    • Quelle des Einflusses zum Signieren: Roman (Autorennennung im Rahmen von Bitte um Fürbitte oder Frauendank, Huldigung, Lohnheische, Neidabwehr), Einwirkung in das Märe bereits im 13. Jhd. (142)
    • Zweite Hälfte des 14. Jhd.: stereotype Verfassernennung im Schlussreim (142)
    • Kurzbiographien (145-205)
    • Schriftstellerischer Typus des Märenautors:
      • Kein Dichter schreibt nur Mären (207)
      • Die Gattungen geistliche oder weltlich-didaktische Rede sind regelmäßig mit vertreten (207)
      • Soziale Gruppen:
        • Klerus: kein Märenautor in höherer und niederer Geistlichkeit, lediglich Scholaren (208)
        • Adel: Herrand von Wildonie (210)
        • Bürgertum: gebildeter Mittelstand und Handwerker (211)
        • Berufsschreiber (212)
        • Berufsdichter: Stricker, Konrad v.W., Hans Schneider, Schondoch, Sibote, Augustijn, Heinrich der Teichner: Wichtig, aber nicht die wichtigste Gruppe (215)
        • Deklamatoren: Mittlerschicht zwischen Dichter und Publikum, kürzen, erweitern und umerzählen Mären (215f.)
  • Das Publikum der Märendichtung
    • Analyse der Aussagen der Mären selbst:
      • Mäzenatennennung: sehr selten => in der Regel nicht subventionierte Auftragswerke (221f.)
      • Berufung auf Standespersonen als Stoffvermittler und Wahrheitszeugen => wahrscheinlich sind die Dichtungen in der Umgebung der Genannten entstanden (222) und vorgetragen worden
      • Apostrophen des Publikums: zielen auf adeligen Hörerkreis (223f.)
      • Mären des Aventiure-Minne-Typs haben wahrscheinlich ein höfisch-ritterliches Publikum; bei schwankhaften Mären ist dies nur dort vorauszusetzen, wo stoffliche Elemente eine höfische Orientierung zeigen (225)
    • Analyse der literarischen Anspielungen:
      • Zeichnen literarische Position des Märenpublikums (227)
      • Anspielungen vornehmlich aus dem epischen Kreis:
        • Antikendichtung: Karlssage, Aeneasstoff, Trojasage, Ovid, Virgil (229)
        • Spielmannsepen: Morolf, Herzog Ernst, Asprian
        • Matiere de Bretagne: Kurneval, Parzival, Gawan, Gahmuret, Tristan, Erec, Enite, Belakane, Feirefiz, Artus, Ginover
        • Heldenepik: die meisten Anspielungen: Dietrich-Kreis, Kudrun, Nibelungenlied (229)
      • Anspielungen finden sich nur in wenigen Mären
      • Nimmt man diese als repräsentativ, dann steht das Märe seiner literarischen Bestimmung nach mit dem Heldenroman auf einer Stufe (231)
      • Literarisches Standort des Märenpublikums: Märendichtung ist an eine kunstverständige, gebildete Hörerschaft gerichtet: gehobenes Unterhaltungsschrifttum, ähnlich wie die Heldenepik; ständisch: zunächst ausschließlich Nobilität bis zum Grafen- und Fürstenstand, auch höherer Klerus; später auf das arrivierte Bürgertum ausgeweitet; seit dem späteren 14. Jhd. auch mittelständische städtische Literaturliebhaber (245) – jedoch zusätzlich zum Adel: Kein soziologischer Wandel der Gattung
  • Das Märe zwischen Autor und Publikum
    • Entstehungsprozess: Anlässe Schriftstellerei aus Erwerbsgründen und zum Zeitvertreib
    • Stoffrezeption: Quellenberufungen
      • Berufung auf eine schriftliche Quelle: verhältnismäßig selten (247)
      • Berufung auf einen mündlichen Bericht: die meisten Quellenberufungen => mündliche Vermittlung der Stoffe ist das Normale (249)
      • Berufung auf Autopsie: Oft Eingehen auf Zweifel von Seiten des Publikums an die Glaubwürdigkeit => künstliche Erhöhung der Glaubwürdigkeit durch Nominierung glaubhafter Zeugen (250) – auch komisch ironisiert (251)
    • Die Hauptarbeit sehen die Dichter im Reimen, also im Umsetzen der Quelle in die Form der Reimpaardichtung (253)
    • Durchschnittliche Abfassungsdauer: „Der Mönch als Liebesbote A“ (Pseudo-Konrad): 4 Tage (255)
    • Verbreitung: eher durch mündliche Rezitation als durch schriftliche, zunächst durch Selbstrezitation des Autors (255), danach berufsmäßige Rezitatoren (berufsmäßiges Hervortreten ab 13. Jhd, 256)
    • Vortragsfloskeln: Audite- und Tacete-Eröffnungen (262), Schlusswendung: Lohnforderung und Trunkheische (265)
    • Aufführungsform: Wahrscheinlich monodramatische Aufführungspraxis (268)
    • Aufführungssituation: Wahrscheinlich Abendunterhaltung (272)
    • Schriftliche Märentradition: Originalkonzept des Autors – Dedikationsexemplar für den Gönner – Oeuvre-Sammlung – größere Sammelhandschriften (schriftliche Aufzeichnungen ermöglichen die Herauslösungen des Märes aus seinem sozialen Aufführungsrahmens, 274ff.)
    • Kommerzielle Verbreitung der Märentexte hauptsächlich in Einzeltexten (275)
    • Wahrscheinlich ist das Märe vom mittelalterlichen Publikum gut aufgenommen worden (276)

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