Stroszeck, Hauke: Pointe und poetische Dominante

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Zitation

Stroszeck, Hauke: Pointe und poetische Dominante. Deutsche Kurzprosa im 16. Jahrhundert. Frankfurt am Main 1970

Beschreibung

Inhalt

Exzerpiert wurde bislang lediglich der Abschnitt über Schimpf und Ernst (Johannes Pauli).

  • Paulis Schimpf und Ernst ist über die Kapitel gut gegliedert, was einem Ordo-Gedanken entspricht, der sich nicht ästhetisch orientiert, sondern möglichst viele Lebensbereiche möglichst gleichmäßig abdecken will. Ziel ist die Wiederspiegelung einer vielseitigen Welt unter Einbezug einer unveränderlichen Größe, der Moral. (34)
  • Vorrede:
    • Pauli erweist sich als Kritiker bloß unterhaltsamer, säkularer literarischer Neuartigkeit und richtet seine persuasio auf ein auratisches Ziel hin aus (35).
    • Unterhaltungscharakter können seine Texte für Kleriker haben, die ohnehin dem auratischen Prinzip verpflichtet sind. Damit richtet sich die Sammlung insgesamt auf einen auratisch ausgerichteten Rezipientenkreis. (35)
    • Darüber hinaus ist die Sammlung auch der Praxis der Predigt gewidmet.
    • Damit bringt Pauli Vergnügen und Besserung in Einklang. (36)
  • Mit dem pauschalen Verweis auf den exemplarisch-auratischen Charakter aller seiner Texte und nach einer vorsorglichen Vergebungsheische in Richtung Maria schafft Pauli die Grundlage für das umfangreichste Kapitel „Etliche Exempel kurtzweiliche Reden von mancherlei dingen ...“, bei dessen Texten der strukturelle Nexus zwischen Text und Morale zerstört ist und seine Herstellung dem Leser anheimgegeben ist. (37f.)
  • Struktureigentümlichkeiten im Dienste der auratischen Dimension innerhalb der Schwänke:
    • Das spezifisch theologische Morale: In Schwank 645 und 541 bspw. wird das Erzählte über das Epimythion zu einer höheren Wahrheit verdichtet, die als ausgegliederte Pointe fungiert. Schwank 563 ist ein Beispiel für eine stimmige, lange Exegese, bei der das Exemplarische im Exemplifizierten parabelhaft aufgeht. (38f.)
    • Theologische Morale mit größerer Selbständigkeit: Statt einer durchgehenden Parallelisierung aller Zeichen zwischen Geschichte und Moral tritt die Umfunktionierung meist nur noch eines Zeichens (z.B. Schwank 525). Die komplexe Eigenstruktur des Morale und der Erzählung birgt die Gefahr der Entfremdung beider Textteile. (40f.)
    • Morale ohne direkten Zeichen-Nexus zur Erzählung: Bisweilen fehlt die deutliche Umfunktionalisierung auch nur eines Zeichens aus der Erzählung in der Morale. Stattdessen werden lediglich vage Hinweise gegeben (z.B. Schwank 283). Dadurch entwertet sich das Morale zu einer vom initiatorischen Text abtrennbaren Rede (z.B. Schwank 280), die auf Vergleiche angewiesen ist. (41-43)
      • Dabei wird das Metaphorische in das Morale hineinversetzt. (43)
      • Die Erzählung gewinnt eine eigene Pointe, die nicht mit der Pointe des Morale übereinstimmt. (43f.)
      • Die geistliche Dimension ist der Geschichte nurmehr aufgesetzt, womit es „in den Rang eines beliebig anschließbaren, stereotypen Vergleichs gestellt“ wird. (44)
    • Morale vollkommen ohne Zeichen-Nexus zur Erzählung: Mitunter bezieht sich das Morale auf die Qualität des Textes und nicht auf seine auratische Aussage (z.B. Schwank 476, 608). (44-46)
    • Schwänke mit autonom wirksamer Sprache: Das Exemplifizierende fällt unmittelbar mit der exemplifizierten auratischen Ermahnung innerhalb der Erzählung zusammen (z.B. Schwank 391, 266). (46f.)
      • In Wundergeschichten sind in der Erzählung auratische und reale Welt unauflöslich miteinander verwoben, wodurch die diesseitige Welt stets die Kraft der Aura bestätigt (z.B. Schwank 458, 685) (47)
  • Ergebnis: Zum Verständnis jedes Schwanks kann auf die Implikation der Aura nicht verzichtet werden. (52)