Mühlherr, Anna: Gewaltsame Gaben

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Zitation

Mühlherr, Anna: Gewaltsame Gaben. Zu Heinrich Kaufringers Rache des Ehemanns. In: Wagner, Silvan (Hg.): Mären als Grenzphänomen. Berlin 2018, S. 209-224

Beschreibung

Anna Mühlherr leistet eine gabentheoretische Interpretation von Kaufringers Die Rache des Ehemanns und dem anonymen Märe Der Zahn: Mit Augenmerk auf die ausführliche Schilderung der aufwendigen, kunstvollen Verzierung der Körperartefakte Zähne und Hoden fokussiert sie diese als enorm hochwertige Gaben, die im Märe zirkulieren. Der schlussendlich ultimativ Schenkende – der gabentheoretisch damit am meisten Macht für sich beanspruchen kann – ist der eingangs gehörnte Ehemann, der im Ausgang der Geschichte auch die lädierte Ehefrau nebst einer enormen Abfindung ihrer Familie übergibt. Wie diese als intradiegetisches Publikum mit der Gabe und ihrer zugehörigen Geschichte überfordert ist, so geschieht es auch dem extradiegetischen Publikum des Märes: Der so grausame wie kunstvolle Text erweist sich selbst als gewaltsame Gabe an das (höfische) Publikum und lässt dieses mit dem paradoxalen In-Eins-Fallen von milte und Grausamkeit allein.

(Wagner, Silvan: Vorwort, S. 10f.)

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