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	<title>Brevitas Wiki - Benutzerbeiträge [de]</title>
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		<id>https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Der_Mann_vom_Galgen_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=26266</id>
		<title>Der Mann vom Galgen (Erzählstoff)</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| namen              = Der Mann vom Galgen&lt;br /&gt;
| regest             = Einem Gehenkten wird ein Körperteil abgeschnitten und als Nahrung zubereitet. Der Erhängte erscheint und verlangt das Körperteil vom Dieb zurück.&lt;br /&gt;
| fassungen          = &#039;Die gewürgte Bierwirtin&#039; (1596). In: [[Widmann, Enoch: Chronik der Stadt Hof]], Edition: [[Rösler, Maria (Hrsg): Enoch Widman]], S. 292&amp;lt;br /&amp;gt;Der Mann vom Galgen (1856). In: [[Grimm, Jakob/Grimm, Wilhelm: Kinder- und Hausmärchen]], 3. Aufl., Bd. 3 (Anmerkungsband), S. 267&amp;lt;br /&amp;gt;Lumpl und Leber (1902). In: Das deutsche Volkslied 4, Nr. 7 (1902), S. 103f. ([https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=ddv&amp;amp;datum=1902&amp;amp;page=107&amp;amp;size=57 online])&lt;br /&gt;
| forschung          = [[Bolte, Johannes: Anmerkungen zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm]], Bd. 3, S. 478-483&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==&#039;Die gewürgte Bierwirtin&#039; (Widmann: Chronik der Stadt Hof, 1596)== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Do ein aberglaubisches unbedechtiges weib, uff einen tag fru morgens, hinaus zu dem gericht gangen, innwendig im galgen hinauffgestigen und einen dieb, welcher kurtz zuvorn war gehencket worden, verschneiden und diselbe materien ins bier hencken wollen, damit die leut desto mehr zulauffen und das bier sehr holen solten, hat Gott der Allmechtig solchs ihr furnehmen sichtiglich gestraffet, daß der todte corper mit den fussen ihr umb den halß gefallen und sie so fest gehalten hat, daß, wo nicht leut, die ettwa in der nähe geschnitten oder sonsten furuber gangen, sie schreien und winseln gehöret und ihr geholffen hetten, sie umb ihr leben kommen were. Die leut aber, so zugelauffen, haben des todten cörpers fuß mit grosser muh und arbeit voneinander bringen und die Frau ledig machen konnen. Welches dann furwitzigen, losen leuten (die noch heutigs tags bißweilen mit solchen bösen stucken umbgehen, den dieben ihre finger, daumen, zehen etc. abschneiden und in die fässer hengen) zur treuen warnung dienen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Mann vom Galgen (Grimm: Kinder- und Hausmärchen, 1856)==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine alte Frau bekommt spät Abends Gäste und hat nichts mehr von Speise über, weiß nicht, was sie ihnen kochen soll, geht zum Galgen, wo ein Todter hängt, schneidet ihm die Leber aus und brät sie den Fremden, welche sie aufessen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Um Mitternacht klopfts an der Hütte, die Frau macht auf, es ist ein Todter mit kahlem Haupt, ohne Augen und mit einer Wunde im Leib.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Wo sind deine Haare?“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Die hat mir der Wind abgeweht.“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Wo sind deine Augen?“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Die haben mir die Raben ausgehackt.“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Wo haste deine Leber?“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Die hast du gefressen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Lumpl und Leber&amp;lt;ref&amp;gt;Anmerkung: „Lumpl aus Lunpl, Lungel, Lunge.“&amp;lt;/ref&amp;gt; (Das deutsche Volkslied, 1902)&amp;lt;ref&amp;gt;Das deutsche Volkslied 4, Nr. 7 (1902), S. 103f. ([https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=ddv&amp;amp;datum=1902&amp;amp;page=107&amp;amp;size=57 online])&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
Es war einmal ein böser Mann, der musste immer Lumpl und Leber zum Nachtessen haben; wenn er vom Hause fortgieng, sagte er jedesmal zu seiner Frau: „Dass ih Lumpl und Leber zum Essen haͦb‘, waͦnn ih ham komm‘, sonst bring‘ ih di um!“ Die Frau sagte darauf: Jaͦ, jaͦ, du wirst schon᷉ ane haͦb’n, und hat es jedesmal verstanden, ihm die so dringend begehrte Speise zu verschaffen. Einmal hat sie aber überall nachgefragt und nirgends eine Leber und Lumpl auftreiben können; traurig ist sie nach Hause gegangen, denn sie hat gewußt, ihr Mann bringt sie wirklich um, wenn er nicht seine gewohnte Speise findet. Wie sie so hingeht, kommt sie beim Galgen vorbei, an welchen sie am selben Tage einen aufgehängt hatten. „Der hat auch eine Lumpl und Leber!“ denkt die Frau, „und wenn ich sie hätt‘, so möcht‘ ih nicht um‘braͦcht werden!“ Sie nimmt den Gehenkten herunter, schneidet ihm Lumpl [104] und Leber aus, trägt sie nach Hause und bereitet sie gut zu. Als der Mann abends kam, ließ er sich das Essen gut schmecken und lobte dasselbe als überaus gelungen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Mann und Frau gingen schlafen. Als es aber Mitternacht geschlagen hatte, klopfte es an das Fenster und man sah einen Mann in der Finsternis stehen, der den Kopf auf die Brust hängen hatte. „Gib mir mein᷉ Lumpl und Leber!“ sagte er mit dumpfer Stimme zu dem Man im Zimmer, der zum Fenster gekommen war. „Ich hab‘ sie nicht“ erwiderte der. – „Gib mir mei‘ Lumpl und Leber!“ „Ich hab‘ sie nicht, sag‘ ich schon!“ (Mit holer Stimme gedehnt): „Gib mir mein᷉ Lumpl und Leber!“ „Ich hab sie nicht!“ – (plötzlich stark und heftig): „&#039;&#039;Du hast sie!&#039;&#039;“&amp;lt;ref&amp;gt;Quellennachweis: „Erzählt von Karl Kronfuss, a. – 29./4. 1902. Die Geschichte vom „Lumpl und Leber“ ist auch belegt von Herrn Alfred Wolfram, a., der sie von seiner über 90 Jahre alten Großmutter, gebürtig aus Raabs in N.Ö. erzählen gehört hat, - von Herrn Rudolf Wolf, a., aus Guntramsdorf und von Herrn Anton Baumann, a., dessen Vater, aus Joachimsthal in Böhmen gebürtig, sie ihm erzählt hat.“&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Der_Mann_vom_Galgen_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=26265</id>
		<title>Der Mann vom Galgen (Erzählstoff)</title>
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		<updated>2025-03-21T21:58:36Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| namen              = Der Mann vom Galgen&lt;br /&gt;
| regest             = Einem Gehenkten wird ein Körperteil abgeschnitten und als Nahrung zubereitet. Der Erhängte erscheint und verlangt das Körperteil vom Dieb zurück.&lt;br /&gt;
| fassungen          = &#039;Die gewürgte Bierwirtin&#039; (1596). In: [[Widmann, Enoch: Chronik der Stadt Hof]], Edition: [[Rösler, Maria (Hrsg): Enoch Widman]], S. 292&amp;lt;br /&amp;gt;Der Mann vom Galgen (1856). In: [[Grimm, Jakob/Grimm, Wilhelm: Kinder- und Hausmärchen]], 3. Aufl., Bd. 3 (Anmerkungsband), S. 267&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Lumpl und Leber (1902). In: Das deutsche Volkslied 4, Nr. 7 (1902), S. 103f. ([https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=ddv&amp;amp;datum=1902&amp;amp;page=107&amp;amp;size=57 online])&lt;br /&gt;
| forschung          = [[Bolte, Johannes: Anmerkungen zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm]], Bd. 3, S. 478-483&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==&#039;Die gewürgte Bierwirtin&#039; (Widmann: Chronik der Stadt Hof, 1596)== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Do ein aberglaubisches unbedechtiges weib, uff einen tag fru morgens, hinaus zu dem gericht gangen, innwendig im galgen hinauffgestigen und einen dieb, welcher kurtz zuvorn war gehencket worden, verschneiden und diselbe materien ins bier hencken wollen, damit die leut desto mehr zulauffen und das bier sehr holen solten, hat Gott der Allmechtig solchs ihr furnehmen sichtiglich gestraffet, daß der todte corper mit den fussen ihr umb den halß gefallen und sie so fest gehalten hat, daß, wo nicht leut, die ettwa in der nähe geschnitten oder sonsten furuber gangen, sie schreien und winseln gehöret und ihr geholffen hetten, sie umb ihr leben kommen were. Die leut aber, so zugelauffen, haben des todten cörpers fuß mit grosser muh und arbeit voneinander bringen und die Frau ledig machen konnen. Welches dann furwitzigen, losen leuten (die noch heutigs tags bißweilen mit solchen bösen stucken umbgehen, den dieben ihre finger, daumen, zehen etc. abschneiden und in die fässer hengen) zur treuen warnung dienen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Mann vom Galgen (Grimm: Kinder- und Hausmärchen, 1856)==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine alte Frau bekommt spät Abends Gäste und hat nichts mehr von Speise über, weiß nicht, was sie ihnen kochen soll, geht zum Galgen, wo ein Todter hängt, schneidet ihm die Leber aus und brät sie den Fremden, welche sie aufessen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Um Mitternacht klopfts an der Hütte, die Frau macht auf, es ist ein Todter mit kahlem Haupt, ohne Augen und mit einer Wunde im Leib.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Wo sind deine Haare?“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Die hat mir der Wind abgeweht.“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Wo sind deine Augen?“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Die haben mir die Raben ausgehackt.“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Wo haste deine Leber?“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Die hast du gefressen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Lumpl und Leber&amp;lt;ref&amp;gt;Anmerkung: „Lumpl aus Lunpl, Lungel, Lunge.“&amp;lt;/ref&amp;gt; (Das deutsche Volkslied, 1902)&amp;lt;ref&amp;gt;Das deutsche Volkslied 4, Nr. 7 (1902), S. 103f. ([https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=ddv&amp;amp;datum=1902&amp;amp;page=107&amp;amp;size=57 online])&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
Es war einmal ein böser Mann, der musste immer Lumpl und Leber zum Nachtessen haben; wenn er vom Hause fortgieng, sagte er jedesmal zu seiner Frau: „Dass ih Lumpl und Leber zum Essen haͦb‘, waͦnn ih ham komm‘, sonst bring‘ ih di um!“ Die Frau sagte darauf: Jaͦ, jaͦ, du wirst schon᷉ ane haͦb’n, und hat es jedesmal verstanden, ihm die so dringend begehrte Speise zu verschaffen. Einmal hat sie aber überall nachgefragt und nirgends eine Leber und Lumpl auftreiben können; traurig ist sie nach Hause gegangen, denn sie hat gewußt, ihr Mann bringt sie wirklich um, wenn er nicht seine gewohnte Speise findet. Wie sie so hingeht, kommt sie beim Galgen vorbei, an welchen sie am selben Tage einen aufgehängt hatten. „Der hat auch eine Lumpl und Leber!“ denkt die Frau, „und wenn ich sie hätt‘, so möcht‘ ih nicht um‘braͦcht werden!“ Sie nimmt den Gehenkten herunter, schneidet ihm Lumpl [104] und Leber aus, trägt sie nach Hause und bereitet sie gut zu. Als der Mann abends kam, ließ er sich das Essen gut schmecken und lobte dasselbe als überaus gelungen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Mann und Frau gingen schlafen. Als es aber Mitternacht geschlagen hatte, klopfte es an das Fenster und man sah einen Mann in der Finsternis stehen, der den Kopf auf die Brust hängen hatte. „Gib mir mein᷉ Lumpl und Leber!“ sagte er mit dumpfer Stimme zu dem Man im Zimmer, der zum Fenster gekommen war. „Ich hab‘ sie nicht“ erwiderte der. – „Gib mir mei‘ Lumpl und Leber!“ „Ich hab‘ sie nicht, sag‘ ich schon!“ (Mit holer Stimme gedehnt): „Gib mir mein᷉ Lumpl und Leber!“ „Ich hab sie nicht!“ – (plötzlich stark und heftig): „&#039;&#039;Du hast sie!&#039;&#039;“&amp;lt;ref&amp;gt;Quellennachweis: „Erzählt von Karl Kronfuss, a. – 29./4. 1902. Die Geschichte vom „Lumpl und Leber“ ist auch belegt von Herrn Alfred Wolfram, a., der sie von seiner über 90 Jahre alten Großmutter, gebürtig aus Raabs in N.Ö. erzählen gehört hat, - von Herrn Rudolf Wolf, a., aus Guntramsdorf und von Herrn Anton Baumann, a., dessen Vater, aus Joachimsthal in Böhmen gebürtig, sie ihm erzählt hat.“&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
	</entry>
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		<title>Der Mann vom Galgen (Erzählstoff)</title>
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		<updated>2025-03-21T21:54:24Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| namen              = Der Mann vom Galgen&lt;br /&gt;
| regest             = Einem Gehenkten wird ein Körperteil abgeschnitten und als Nahrung zubereitet. Der Erhängte erscheint und verlangt das Körperteil vom Dieb zurück.&lt;br /&gt;
| fassungen          = &#039;Die gewürgte Bierwirtin&#039; (1596). In: [[Widmann, Enoch: Chronik der Stadt Hof]], Edition: [[Rösler, Maria (Hrsg): Enoch Widman]], S. 292&amp;lt;br /&amp;gt;Der Mann vom Galgen (1856). In: [[Grimm, Jakob/Grimm, Wilhelm: Kinder- und Hausmärchen]], 3. Aufl., Bd. 3 (Anmerkungsband), S. 267&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Lumpl und Leber (1902). In: Das deutsche Volkslied 4, Nr. 7 (1902), S. 103f. ([https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=ddv&amp;amp;datum=1902&amp;amp;page=107&amp;amp;size=57 online])&lt;br /&gt;
| forschung          = &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==&#039;Die gewürgte Bierwirtin&#039; (Widmann: Chronik der Stadt Hof, 1596)== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Do ein aberglaubisches unbedechtiges weib, uff einen tag fru morgens, hinaus zu dem gericht gangen, innwendig im galgen hinauffgestigen und einen dieb, welcher kurtz zuvorn war gehencket worden, verschneiden und diselbe materien ins bier hencken wollen, damit die leut desto mehr zulauffen und das bier sehr holen solten, hat Gott der Allmechtig solchs ihr furnehmen sichtiglich gestraffet, daß der todte corper mit den fussen ihr umb den halß gefallen und sie so fest gehalten hat, daß, wo nicht leut, die ettwa in der nähe geschnitten oder sonsten furuber gangen, sie schreien und winseln gehöret und ihr geholffen hetten, sie umb ihr leben kommen were. Die leut aber, so zugelauffen, haben des todten cörpers fuß mit grosser muh und arbeit voneinander bringen und die Frau ledig machen konnen. Welches dann furwitzigen, losen leuten (die noch heutigs tags bißweilen mit solchen bösen stucken umbgehen, den dieben ihre finger, daumen, zehen etc. abschneiden und in die fässer hengen) zur treuen warnung dienen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Mann vom Galgen (Grimm: Kinder- und Hausmärchen, 1856)==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine alte Frau bekommt spät Abends Gäste und hat nichts mehr von Speise über, weiß nicht, was sie ihnen kochen soll, geht zum Galgen, wo ein Todter hängt, schneidet ihm die Leber aus und brät sie den Fremden, welche sie aufessen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Um Mitternacht klopfts an der Hütte, die Frau macht auf, es ist ein Todter mit kahlem Haupt, ohne Augen und mit einer Wunde im Leib.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Wo sind deine Haare?“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Die hat mir der Wind abgeweht.“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Wo sind deine Augen?“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Die haben mir die Raben ausgehackt.“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Wo haste deine Leber?“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Die hast du gefressen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Lumpl und Leber&amp;lt;ref&amp;gt;Anmerkung: „Lumpl aus Lunpl, Lungel, Lunge.“&amp;lt;/ref&amp;gt; (Das deutsche Volkslied, 1902)&amp;lt;ref&amp;gt;Das deutsche Volkslied 4, Nr. 7 (1902), S. 103f. ([https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=ddv&amp;amp;datum=1902&amp;amp;page=107&amp;amp;size=57 online])&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
Es war einmal ein böser Mann, der musste immer Lumpl und Leber zum Nachtessen haben; wenn er vom Hause fortgieng, sagte er jedesmal zu seiner Frau: „Dass ih Lumpl und Leber zum Essen haͦb‘, waͦnn ih ham komm‘, sonst bring‘ ih di um!“ Die Frau sagte darauf: Jaͦ, jaͦ, du wirst schon᷉ ane haͦb’n, und hat es jedesmal verstanden, ihm die so dringend begehrte Speise zu verschaffen. Einmal hat sie aber überall nachgefragt und nirgends eine Leber und Lumpl auftreiben können; traurig ist sie nach Hause gegangen, denn sie hat gewußt, ihr Mann bringt sie wirklich um, wenn er nicht seine gewohnte Speise findet. Wie sie so hingeht, kommt sie beim Galgen vorbei, an welchen sie am selben Tage einen aufgehängt hatten. „Der hat auch eine Lumpl und Leber!“ denkt die Frau, „und wenn ich sie hätt‘, so möcht‘ ih nicht um‘braͦcht werden!“ Sie nimmt den Gehenkten herunter, schneidet ihm Lumpl [104] und Leber aus, trägt sie nach Hause und bereitet sie gut zu. Als der Mann abends kam, ließ er sich das Essen gut schmecken und lobte dasselbe als überaus gelungen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Mann und Frau gingen schlafen. Als es aber Mitternacht geschlagen hatte, klopfte es an das Fenster und man sah einen Mann in der Finsternis stehen, der den Kopf auf die Brust hängen hatte. „Gib mir mein᷉ Lumpl und Leber!“ sagte er mit dumpfer Stimme zu dem Man im Zimmer, der zum Fenster gekommen war. „Ich hab‘ sie nicht“ erwiderte der. – „Gib mir mei‘ Lumpl und Leber!“ „Ich hab‘ sie nicht, sag‘ ich schon!“ (Mit holer Stimme gedehnt): „Gib mir mein᷉ Lumpl und Leber!“ „Ich hab sie nicht!“ – (plötzlich stark und heftig): „&#039;&#039;Du hast sie!&#039;&#039;“&amp;lt;ref&amp;gt;Quellennachweis: „Erzählt von Karl Kronfuss, a. – 29./4. 1902. Die Geschichte vom „Lumpl und Leber“ ist auch belegt von Herrn Alfred Wolfram, a., der sie von seiner über 90 Jahre alten Großmutter, gebürtig aus Raabs in N.Ö. erzählen gehört hat, - von Herrn Rudolf Wolf, a., aus Guntramsdorf und von Herrn Anton Baumann, a., dessen Vater, aus Joachimsthal in Böhmen gebürtig, sie ihm erzählt hat.“&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| namen              = Der Mann vom Galgen&lt;br /&gt;
| regest             = Einem Gehenkten wird ein Körperteil abgeschnitten und als Nahrung zubereitet. Der Erhängte erscheint und verlangt das Körperteil vom Dieb zurück.&lt;br /&gt;
| fassungen          = &#039;Die gewürgte Bierwirtin&#039; (1596). In: [[Widmann, Enoch: Chronik der Stadt Hof]], Edition: [[Rösler, Maria (Hrsg): Enoch Widman]], S. 292&amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der Mann vom Galgen (1856). In: [[Grimm, Jakob/Grimm, Wilhelm: Kinder- und Hausmärchen]], 3. Aufl., Bd. 3 (Anmerkungsband), S. 267.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Lumpl und Leber (1902). In: Das deutsche Volkslied 4, Nr. 7 (1902), S. 103f. ([https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=ddv&amp;amp;datum=1902&amp;amp;page=107&amp;amp;size=57 online])&lt;br /&gt;
| forschung          = &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==&#039;Die gewürgte Bierwirtin&#039; (Widmann: Chronik der Stadt Hof, 1596)== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Do ein aberglaubisches unbedechtiges weib, uff einen tag fru morgens, hinaus zu dem gericht gangen, innwendig im galgen hinauffgestigen und einen dieb, welcher kurtz zuvorn war gehencket worden, verschneiden und diselbe materien ins bier hencken wollen, damit die leut desto mehr zulauffen und das bier sehr holen solten, hat Gott der Allmechtig solchs ihr furnehmen sichtiglich gestraffet, daß der todte corper mit den fussen ihr umb den halß gefallen und sie so fest gehalten hat, daß, wo nicht leut, die ettwa in der nähe geschnitten oder sonsten furuber gangen, sie schreien und winseln gehöret und ihr geholffen hetten, sie umb ihr leben kommen were. Die leut aber, so zugelauffen, haben des todten cörpers fuß mit grosser muh und arbeit voneinander bringen und die Frau ledig machen konnen. Welches dann furwitzigen, losen leuten (die noch heutigs tags bißweilen mit solchen bösen stucken umbgehen, den dieben ihre finger, daumen, zehen etc. abschneiden und in die fässer hengen) zur treuen warnung dienen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Mann vom Galgen (Grimm: Kinder- und Hausmärchen, 1856)==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine alte Frau bekommt spät Abends Gäste und hat nichts mehr von Speise über, weiß nicht, was sie ihnen kochen soll, geht zum Galgen, wo ein Todter hängt, schneidet ihm die Leber aus und brät sie den Fremden, welche sie aufessen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Um Mitternacht klopfts an der Hütte, die Frau macht auf, es ist ein Todter mit kahlem Haupt, ohne Augen und mit einer Wunde im Leib.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Wo sind deine Haare?“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Die hat mir der Wind abgeweht.“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Wo sind deine Augen?“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Die haben mir die Raben ausgehackt.“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Wo haste deine Leber?“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Die hast du gefressen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Lumpl und Leber&amp;lt;ref&amp;gt;Anmerkung: „Lumpl aus Lunpl, Lungel, Lunge.“&amp;lt;/ref&amp;gt; (Das deutsche Volkslied, 1902)&amp;lt;ref&amp;gt;Das deutsche Volkslied 4, Nr. 7 (1902), S. 103f. ([https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=ddv&amp;amp;datum=1902&amp;amp;page=107&amp;amp;size=57 online])&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
Es war einmal ein böser Mann, der musste immer Lumpl und Leber zum Nachtessen haben; wenn er vom Hause fortgieng, sagte er jedesmal zu seiner Frau: „Dass ih Lumpl und Leber zum Essen haͦb‘, waͦnn ih ham komm‘, sonst bring‘ ih di um!“ Die Frau sagte darauf: Jaͦ, jaͦ, du wirst schon᷉ ane haͦb’n, und hat es jedesmal verstanden, ihm die so dringend begehrte Speise zu verschaffen. Einmal hat sie aber überall nachgefragt und nirgends eine Leber und Lumpl auftreiben können; traurig ist sie nach Hause gegangen, denn sie hat gewußt, ihr Mann bringt sie wirklich um, wenn er nicht seine gewohnte Speise findet. Wie sie so hingeht, kommt sie beim Galgen vorbei, an welchen sie am selben Tage einen aufgehängt hatten. „Der hat auch eine Lumpl und Leber!“ denkt die Frau, „und wenn ich sie hätt‘, so möcht‘ ih nicht um‘braͦcht werden!“ Sie nimmt den Gehenkten herunter, schneidet ihm Lumpl [104] und Leber aus, trägt sie nach Hause und bereitet sie gut zu. Als der Mann abends kam, ließ er sich das Essen gut schmecken und lobte dasselbe als überaus gelungen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Mann und Frau gingen schlafen. Als es aber Mitternacht geschlagen hatte, klopfte es an das Fenster und man sah einen Mann in der Finsternis stehen, der den Kopf auf die Brust hängen hatte. „Gib mir mein᷉ Lumpl und Leber!“ sagte er mit dumpfer Stimme zu dem Man im Zimmer, der zum Fenster gekommen war. „Ich hab‘ sie nicht“ erwiderte der. – „Gib mir mei‘ Lumpl und Leber!“ „Ich hab‘ sie nicht, sag‘ ich schon!“ (Mit holer Stimme gedehnt): „Gib mir mein᷉ Lumpl und Leber!“ „Ich hab sie nicht!“ – (plötzlich stark und heftig): „&#039;&#039;Du hast sie!&#039;&#039;“&amp;lt;ref&amp;gt;Quellennachweis: „Erzählt von Karl Kronfuss, a. – 29./4. 1902. Die Geschichte vom „Lumpl und Leber“ ist auch belegt von Herrn Alfred Wolfram, a., der sie von seiner über 90 Jahre alten Großmutter, gebürtig aus Raabs in N.Ö. erzählen gehört hat, - von Herrn Rudolf Wolf, a., aus Guntramsdorf und von Herrn Anton Baumann, a., dessen Vater, aus Joachimsthal in Böhmen gebürtig, sie ihm erzählt hat.“&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Der_Mann_vom_Galgen_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=26260</id>
		<title>Der Mann vom Galgen (Erzählstoff)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Der_Mann_vom_Galgen_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=26260"/>
		<updated>2025-03-21T21:45:41Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: /* &amp;#039;Die gewürgte Bierwirtin&amp;#039; (Widmann, Chronik Stadt Hof, 1596) */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| namen              = Der Mann vom Galgen&lt;br /&gt;
| regest             = Einem Gehenkten wird ein Körperteil abgeschnitten und als Nahrung zubereitet. Der Erhängte erscheint und verlangt das Körperteil vom Dieb zurück.&lt;br /&gt;
| fassungen          = Der Mann vom Galgen (1856). In: [[Grimm, Jakob/Grimm, Wilhelm: Kinder- und Hausmärchen]], 3. Aufl., Bd. 3 (Anmerkungsband), S. 267.&lt;br /&gt;
| forschung          = &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==&#039;Die gewürgte Bierwirtin&#039; (Widmann: Chronik der Stadt Hof, 1596)== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Do ein aberglaubisches unbedechtiges weib, uff einen tag fru morgens, hinaus zu dem gericht gangen, innwendig im galgen hinauffgestigen und einen dieb, welcher kurtz zuvorn war gehencket worden, verschneiden und diselbe materien ins bier hencken wollen, damit die leut desto mehr zulauffen und das bier sehr holen solten, hat Gott der Allmechtig solchs ihr furnehmen sichtiglich gestraffet, daß der todte corper mit den fussen ihr umb den halß gefallen und sie so fest gehalten hat, daß, wo nicht leut, die ettwa in der nähe geschnitten oder sonsten furuber gangen, sie schreien und winseln gehöret und ihr geholffen hetten, sie umb ihr leben kommen were. Die leut aber, so zugelauffen, haben des todten cörpers fuß mit grosser muh und arbeit voneinander bringen und die Frau ledig machen konnen. Welches dann furwitzigen, losen leuten (die noch heutigs tags bißweilen mit solchen bösen stucken umbgehen, den dieben ihre finger, daumen, zehen etc. abschneiden und in die fässer hengen) zur treuen warnung dienen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Mann vom Galgen (Grimm: Kinder- und Hausmärchen, 1856)==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine alte Frau bekommt spät Abends Gäste und hat nichts mehr von Speise über, weiß nicht, was sie ihnen kochen soll, geht zum Galgen, wo ein Todter hängt, schneidet ihm die Leber aus und brät sie den Fremden, welche sie aufessen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Um Mitternacht klopfts an der Hütte, die Frau macht auf, es ist ein Todter mit kahlem Haupt, ohne Augen und mit einer Wunde im Leib.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Wo sind deine Haare?“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Die hat mir der Wind abgeweht.“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Wo sind deine Augen?“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Die haben mir die Raben ausgehackt.“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Wo haste deine Leber?“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Die hast du gefressen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Lumpl und Leber&amp;lt;ref&amp;gt;Anmerkung: „Lumpl aus Lunpl, Lungel, Lunge.“&amp;lt;/ref&amp;gt; (Das deutsche Volkslied, 1902)&amp;lt;ref&amp;gt;Das deutsche Volkslied 4, Nr. 7 (1902), S. 103f. ([https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=ddv&amp;amp;datum=1902&amp;amp;page=107&amp;amp;size=57 online])&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
Es war einmal ein böser Mann, der musste immer Lumpl und Leber zum Nachtessen haben; wenn er vom Hause fortgieng, sagte er jedesmal zu seiner Frau: „Dass ih Lumpl und Leber zum Essen haͦb‘, waͦnn ih ham komm‘, sonst bring‘ ih di um!“ Die Frau sagte darauf: Jaͦ, jaͦ, du wirst schon᷉ ane haͦb’n, und hat es jedesmal verstanden, ihm die so dringend begehrte Speise zu verschaffen. Einmal hat sie aber überall nachgefragt und nirgends eine Leber und Lumpl auftreiben können; traurig ist sie nach Hause gegangen, denn sie hat gewußt, ihr Mann bringt sie wirklich um, wenn er nicht seine gewohnte Speise findet. Wie sie so hingeht, kommt sie beim Galgen vorbei, an welchen sie am selben Tage einen aufgehängt hatten. „Der hat auch eine Lumpl und Leber!“ denkt die Frau, „und wenn ich sie hätt‘, so möcht‘ ih nicht um‘braͦcht werden!“ Sie nimmt den Gehenkten herunter, schneidet ihm Lumpl [104] und Leber aus, trägt sie nach Hause und bereitet sie gut zu. Als der Mann abends kam, ließ er sich das Essen gut schmecken und lobte dasselbe als überaus gelungen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Mann und Frau gingen schlafen. Als es aber Mitternacht geschlagen hatte, klopfte es an das Fenster und man sah einen Mann in der Finsternis stehen, der den Kopf auf die Brust hängen hatte. „Gib mir mein᷉ Lumpl und Leber!“ sagte er mit dumpfer Stimme zu dem Man im Zimmer, der zum Fenster gekommen war. „Ich hab‘ sie nicht“ erwiderte der. – „Gib mir mei‘ Lumpl und Leber!“ „Ich hab‘ sie nicht, sag‘ ich schon!“ (Mit holer Stimme gedehnt): „Gib mir mein᷉ Lumpl und Leber!“ „Ich hab sie nicht!“ – (plötzlich stark und heftig): „‚‚Du hast sie!‚‚“&amp;lt;ref&amp;gt;Quellennachweis: „Erzählt von Karl Kronfuss, a. – 29./4. 1902. Die Geschichte vom „Lumpl und Leber“ ist auch belegt von Herrn Alfred Wolfram, a., der sie von seiner über 90 Jahre alten Großmutter, gebürtig aus Raabs in N.Ö. erzählen gehört hat, - von Herrn Rudolf Wolf, a., aus Guntramsdorf und von Herrn Anton Baumann, a., dessen Vater, aus Joachimsthal in Böhmen gebürtig, sie ihm erzählt hat.“&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
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		<title>Der Mann vom Galgen (Erzählstoff)</title>
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		<updated>2025-03-21T21:44:18Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: /* Die gewürgte Bierwirtin */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| namen              = Der Mann vom Galgen&lt;br /&gt;
| regest             = Einem Gehenkten wird ein Körperteil abgeschnitten und als Nahrung zubereitet. Der Erhängte erscheint und verlangt das Körperteil vom Dieb zurück.&lt;br /&gt;
| fassungen          = Der Mann vom Galgen (1856). In: [[Grimm, Jakob/Grimm, Wilhelm: Kinder- und Hausmärchen]], 3. Aufl., Bd. 3 (Anmerkungsband), S. 267.&lt;br /&gt;
| forschung          = &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==&#039;Die gewürgte Bierwirtin&#039; (Widmann, Chronik Stadt Hof, 1596)== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Do ein aberglaubisches unbedechtiges weib, uff einen tag fru morgens, hinaus zu dem gericht gangen, innwendig im galgen hinauffgestigen und einen dieb, welcher kurtz zuvorn war gehencket worden, verschneiden und diselbe materien ins bier hencken wollen, damit die leut desto mehr zulauffen und das bier sehr holen solten, hat Gott der Allmechtig solchs ihr furnehmen sichtiglich gestraffet, daß der todte corper mit den fussen ihr umb den halß gefallen und sie so fest gehalten hat, daß, wo nicht leut, die ettwa in der nähe geschnitten oder sonsten furuber gangen, sie schreien und winseln gehöret und ihr geholffen hetten, sie umb ihr leben kommen were. Die leut aber, so zugelauffen, haben des todten cörpers fuß mit grosser muh und arbeit voneinander bringen und die Frau ledig machen konnen. Welches dann furwitzigen, losen leuten (die noch heutigs tags bißweilen mit solchen bösen stucken umbgehen, den dieben ihre finger, daumen, zehen etc. abschneiden und in die fässer hengen) zur treuen warnung dienen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Mann vom Galgen (Grimm: Kinder- und Hausmärchen, 1856)==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine alte Frau bekommt spät Abends Gäste und hat nichts mehr von Speise über, weiß nicht, was sie ihnen kochen soll, geht zum Galgen, wo ein Todter hängt, schneidet ihm die Leber aus und brät sie den Fremden, welche sie aufessen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Um Mitternacht klopfts an der Hütte, die Frau macht auf, es ist ein Todter mit kahlem Haupt, ohne Augen und mit einer Wunde im Leib.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Wo sind deine Haare?“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Die hat mir der Wind abgeweht.“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Wo sind deine Augen?“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Die haben mir die Raben ausgehackt.“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Wo haste deine Leber?“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Die hast du gefressen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Lumpl und Leber&amp;lt;ref&amp;gt;Anmerkung: „Lumpl aus Lunpl, Lungel, Lunge.“&amp;lt;/ref&amp;gt; (Das deutsche Volkslied, 1902)&amp;lt;ref&amp;gt;Das deutsche Volkslied 4, Nr. 7 (1902), S. 103f. ([https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=ddv&amp;amp;datum=1902&amp;amp;page=107&amp;amp;size=57 online])&amp;lt;/ref&amp;gt;==&lt;br /&gt;
Es war einmal ein böser Mann, der musste immer Lumpl und Leber zum Nachtessen haben; wenn er vom Hause fortgieng, sagte er jedesmal zu seiner Frau: „Dass ih Lumpl und Leber zum Essen haͦb‘, waͦnn ih ham komm‘, sonst bring‘ ih di um!“ Die Frau sagte darauf: Jaͦ, jaͦ, du wirst schon᷉ ane haͦb’n, und hat es jedesmal verstanden, ihm die so dringend begehrte Speise zu verschaffen. Einmal hat sie aber überall nachgefragt und nirgends eine Leber und Lumpl auftreiben können; traurig ist sie nach Hause gegangen, denn sie hat gewußt, ihr Mann bringt sie wirklich um, wenn er nicht seine gewohnte Speise findet. Wie sie so hingeht, kommt sie beim Galgen vorbei, an welchen sie am selben Tage einen aufgehängt hatten. „Der hat auch eine Lumpl und Leber!“ denkt die Frau, „und wenn ich sie hätt‘, so möcht‘ ih nicht um‘braͦcht werden!“ Sie nimmt den Gehenkten herunter, schneidet ihm Lumpl [104] und Leber aus, trägt sie nach Hause und bereitet sie gut zu. Als der Mann abends kam, ließ er sich das Essen gut schmecken und lobte dasselbe als überaus gelungen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Mann und Frau gingen schlafen. Als es aber Mitternacht geschlagen hatte, klopfte es an das Fenster und man sah einen Mann in der Finsternis stehen, der den Kopf auf die Brust hängen hatte. „Gib mir mein᷉ Lumpl und Leber!“ sagte er mit dumpfer Stimme zu dem Man im Zimmer, der zum Fenster gekommen war. „Ich hab‘ sie nicht“ erwiderte der. – „Gib mir mei‘ Lumpl und Leber!“ „Ich hab‘ sie nicht, sag‘ ich schon!“ (Mit holer Stimme gedehnt): „Gib mir mein᷉ Lumpl und Leber!“ „Ich hab sie nicht!“ – (plötzlich stark und heftig): „‚‚Du hast sie!‚‚“&amp;lt;ref&amp;gt;Quellennachweis: „Erzählt von Karl Kronfuss, a. – 29./4. 1902. Die Geschichte vom „Lumpl und Leber“ ist auch belegt von Herrn Alfred Wolfram, a., der sie von seiner über 90 Jahre alten Großmutter, gebürtig aus Raabs in N.Ö. erzählen gehört hat, - von Herrn Rudolf Wolf, a., aus Guntramsdorf und von Herrn Anton Baumann, a., dessen Vater, aus Joachimsthal in Böhmen gebürtig, sie ihm erzählt hat.“&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
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		<title>Der Mann vom Galgen (Erzählstoff)</title>
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		<updated>2025-03-21T21:41:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| namen              = Der Mann vom Galgen&lt;br /&gt;
| regest             = Einem Gehenkten wird ein Körperteil abgeschnitten und als Nahrung zubereitet. Der Erhängte erscheint und verlangt das Körperteil vom Dieb zurück.&lt;br /&gt;
| fassungen          = Der Mann vom Galgen (1856). In: [[Grimm, Jakob/Grimm, Wilhelm: Kinder- und Hausmärchen]], 3. Aufl., Bd. 3 (Anmerkungsband), S. 267.&lt;br /&gt;
| forschung          = &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Die gewürgte Bierwirtin==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Do ein aberglaubisches unbedechtiges weib, uff einen tag fru morgens, hinaus zu dem gericht gangen, innwendig im galgen hinauffgestigen und einen dieb, welcher kurtz zuvorn war gehencket worden, verschneiden und diselbe materien ins bier hencken wollen, damit die leut desto mehr zulauffen und das bier sehr holen solten, hat Gott der Allmechtig solchs ihr furnehmen sichtiglich gestraffet, daß der todte corper mit den fussen ihr umb den halß gefallen und sie so fest gehalten hat, daß, wo nicht leut, die ettwa in der nähe geschnitten oder sonsten furuber gangen, sie schreien und winseln gehöret und ihr geholffen hetten, sie umb ihr leben kommen were. Die leut aber, so zugelauffen, haben des todten cörpers fuß mit grosser muh und arbeit voneinander bringen und die Frau ledig machen konnen. Welches dann furwitzigen, losen leuten (die noch heutigs tags bißweilen mit solchen bösen stucken umbgehen, den dieben ihre finger, daumen, zehen etc. abschneiden und in die fässer hengen) zur treuen warnung dienen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Mann vom Galgen (Grimm: Kinder- und Hausmärchen, 1856)==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine alte Frau bekommt spät Abends Gäste und hat nichts mehr von Speise über, weiß nicht, was sie ihnen kochen soll, geht zum Galgen, wo ein Todter hängt, schneidet ihm die Leber aus und brät sie den Fremden, welche sie aufessen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Um Mitternacht klopfts an der Hütte, die Frau macht auf, es ist ein Todter mit kahlem Haupt, ohne Augen und mit einer Wunde im Leib.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Wo sind deine Haare?“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Die hat mir der Wind abgeweht.“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Wo sind deine Augen?“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Die haben mir die Raben ausgehackt.“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Wo haste deine Leber?“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
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		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| namen              = Der Mann vom Galgen&lt;br /&gt;
| regest             = Einem Gehenkten wird ein Körperteil abgeschnitten und als Nahrung zubereitet. Der Erhängte erscheint und verlangt das Körperteil vom Dieb zurück.&lt;br /&gt;
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| forschung          = &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Der Mann vom Galgen (Grimm: Kinder- und Hausmärchen, 1856)==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine alte Frau bekommt spät Abends Gäste und hat nichts mehr von Speise über, weiß nicht, was sie ihnen kochen soll, geht zum Galgen, wo ein Todter hängt, schneidet ihm die Leber aus und brät sie den Fremden, welche sie aufessen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Um Mitternacht klopfts an der Hütte, die Frau macht auf, es ist ein Todter mit kahlem Haupt, ohne Augen und mit einer Wunde im Leib.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Wo sind deine Haare?“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Die hat mir der Wind abgeweht.“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Wo sind deine Augen?“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Die haben mir die Raben ausgehackt.“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| namen              = Der Mann vom Galgen&lt;br /&gt;
| regest             = Einem Gehenkten wird ein Körperteil abgeschnitten und als Nahrung zubereitet. Der Erhängte erscheint und verlangt das Körperteil vom Dieb zurück.&lt;br /&gt;
| fassungen          = &lt;br /&gt;
*Der Mann vom Galgen (1856). In: [[Grimm, Jakob/Grimm, Wilhelm: Kinder- und Hausmärchen]], 3. Aufl., Bd. 3, S. 267.&lt;br /&gt;
| forschung          = &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Der Mann vom Galgen (Grimm: Kinder- und Hausmärchen, 1856)==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine alte Frau bekommt spät Abends Gäste und hat nichts mehr von Speise über, weiß nicht, was sie ihnen kochen soll, geht zum Galgen, wo ein Todter hängt, schneidet ihm die Leber aus und brät sie den Fremden, welche sie aufessen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Um Mitternacht klopfts an der Hütte, die Frau macht auf, es ist ein Todter mit kahlem Haupt, ohne Augen und mit einer Wunde im Leib.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Wo sind deine Haare?“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Die hat mir der Wind abgeweht.“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Wo sind deine Augen?“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Die haben mir die Raben ausgehackt.“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Wo haste deine Leber?“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Die hast du gefressen.“&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
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		<title>Der Mann vom Galgen (Erzählstoff)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Der_Mann_vom_Galgen_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=26250"/>
		<updated>2025-03-21T20:20:35Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| namen              = Der Mann vom Galgen&lt;br /&gt;
| regest             = Einem Gehenkten wird ein Körperteil abgeschnitten und als Nahrung zubereitet. Der Erhängte erscheint und verlangt das Körperteil vom Dieb zurück.&lt;br /&gt;
| fassungen          = *Der Mann vom Galgen (1856). In: [[Grimm, Jakob/Grimm, Wilhelm: Kinder- und Hausmärchen]], 3. Aufl., Bd. 3, S. 267.&lt;br /&gt;
| forschung          = &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Der Mann vom Galgen (Grimm: Kinder- und Hausmärchen, 1856)==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine alte Frau bekommt spät Abends Gäste und hat nichts mehr von Speise über, weiß nicht, was sie ihnen kochen soll, geht zum Galgen, wo ein Todter hängt, schneidet ihm die Leber aus und brät sie den Fremden, welche sie aufessen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Um Mitternacht klopfts an der Hütte, die Frau macht auf, es ist ein Todter mit kahlem Haupt, ohne Augen und mit einer Wunde im Leib.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Wo sind deine Haare?“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Die hat mir der Wind abgeweht.“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Wo sind deine Augen?“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Die haben mir die Raben ausgehackt.“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Wo haste deine Leber?“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Die hast du gefressen.“&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Der_Mann_vom_Galgen_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=26249</id>
		<title>Der Mann vom Galgen (Erzählstoff)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Der_Mann_vom_Galgen_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=26249"/>
		<updated>2025-03-21T20:16:18Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: /* Der Mann vom Galgen (Grimm: Kinder- und Hausmärchen, 1865) */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| namen              = Der Mann vom Galgen&lt;br /&gt;
| regest             = Einem Gehenkten wird ein Körperteil abgeschnitten und als Nahrung zubereitet. Der Erhängte erscheint und verlangt das Körperteil vom Dieb zurück.&lt;br /&gt;
| fassungen          = &lt;br /&gt;
| forschung          = &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Mann vom Galgen (Grimm: Kinder- und Hausmärchen, 1856)==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine alte Frau bekommt spät Abends Gäste und hat nichts mehr von Speise über, weiß nicht, was sie ihnen kochen soll, geht zum Galgen, wo ein Todter hängt, schneidet ihm die Leber aus und brät sie den Fremden, welche sie aufessen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Um Mitternacht klopfts an der Hütte, die Frau macht auf, es ist ein Todter mit kahlem Haupt, ohne Augen und mit einer Wunde im Leib.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Wo sind deine Haare?“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Die hat mir der Wind abgeweht.“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Wo sind deine Augen?“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Die haben mir die Raben ausgehackt.“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Wo haste deine Leber?“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Die hast du gefressen.“&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
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		<title>Der Mann vom Galgen (Erzählstoff)</title>
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		<updated>2025-03-21T20:15:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| namen              = Der Mann vom Galgen&lt;br /&gt;
| regest             = Einem Gehenkten wird ein Körperteil abgeschnitten und als Nahrung zubereitet. Der Erhängte erscheint und verlangt das Körperteil vom Dieb zurück.&lt;br /&gt;
| fassungen          = &lt;br /&gt;
| forschung          = &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Mann vom Galgen (Grimm: Kinder- und Hausmärchen, 1865)==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine alte Frau bekommt spät Abends Gäste und hat nichts mehr von Speise über, weiß nicht, was sie ihnen kochen soll, geht zum Galgen, wo ein Todter hängt, schneidet ihm die Leber aus und brät sie den Fremden, welche sie aufessen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Um Mitternacht klopfts an der Hütte, die Frau macht auf, es ist ein Todter mit kahlem Haupt, ohne Augen und mit einer Wunde im Leib.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Wo sind deine Haare?“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Die hat mir der Wind abgeweht.“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Wo sind deine Augen?“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Die haben mir die Raben ausgehackt.“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Wo haste deine Leber?“&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Die hast du gefressen.“&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Der_Mann_vom_Galgen_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=26247</id>
		<title>Der Mann vom Galgen (Erzählstoff)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Der_Mann_vom_Galgen_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=26247"/>
		<updated>2025-03-21T20:07:11Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: Die Seite wurde neu angelegt: „{{Infobox Erzählstoff  | namen              = Der Mann vom Galgen | regest             = Einem Gehenkten wird ein Körperteil abgeschnitten und als Nahrung zubereitet. Der Erhängte erscheint und verlangt das Körperteil vom Dieb zurück. | fassungen          =  | forschung          =   }}“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| namen              = Der Mann vom Galgen&lt;br /&gt;
| regest             = Einem Gehenkten wird ein Körperteil abgeschnitten und als Nahrung zubereitet. Der Erhängte erscheint und verlangt das Körperteil vom Dieb zurück.&lt;br /&gt;
| fassungen          = &lt;br /&gt;
| forschung          = &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Rose,_Lilie_und_Feigenbaum_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20642</id>
		<title>Rose, Lilie und Feigenbaum (Erzählstoff)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Rose,_Lilie_und_Feigenbaum_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20642"/>
		<updated>2022-02-02T23:40:55Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: /* Deutsche Versionen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
| namen              = Rose, Lilie und Feigenbaum&lt;br /&gt;
| regest             = Der Feigenbaum fragt Rose und Lilie, warum sie Blüten aber keine Früchte tragen; sie verweisen auf ihre Jungfräulichkeit, in der es keinen Unterschied zwischen Blüte und Frucht gäbe. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 576)&lt;br /&gt;
| fassungen          = [[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. IV, 9&amp;lt;br /&amp;gt;[[Buch von der Weisheit]], Nr. IV, 9&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. IV, 9, Bl. 81v-82r&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 93, Bl. 295v-298r&lt;br /&gt;
| forschung          = [[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 576; [[Günthart, Romy (Hg.): Sebastian Münster, Spiegel der wyßheit]], Band 2, S. 134-137&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Lateinische Version (Cyrillus, Nr. IV, 9), 1. Hälfte 14. Jhd. ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die deutsche Tradition baut auf einer lateinischen Quelle auf (Cyrillus, Nr. IV, 9 ([https://archive.org/details/diebeidenltesten00grss/page/114/mode/2up Grässe, Johann Georg Theodor (Hg.): Die beiden ältesten lateinischen Fabelbücher des Mittelalters.] Tübingen 1880, S. 115f.)). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 232.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Übersetzung&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 233.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Proverbium ad laudem virginitatis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rosa et lilium iuxta ficulneam sunt exortae. Quae cum expandissent floribunda folia nitore splendentia ac rorem suavitatis manantia aromaticique odoris fragrantiam effudissent, et illa floris orbata luce acerbum in fructum pariter pullulasset, lacte quidem invidentiae pruriens, commota mox invectivam proposuit dicens: &amp;quot;Post tam amoenissimam rutilantiam floridam ubi fructus vestri intenta genitura finaliter? Sanum est quippe florere sine fructu. Ligat enim natura sagax fructum in flore et ob ipsum tam vernantissimum germinat in florem.&amp;quot; At illae mox radicem eloquii sentientes pacifica ratione dixerunt: &amp;quot;Bene scimus, quod propter pruritum generationis perdidisti gloriam floris et idcirco iam exspoliata es sie loquens; nempe fructum paris dulcissimum, sed tamen pateris in radice pruritum, quo florem amisisti, nobis autem ex plena puritate et suavitate substantiae flos ipse fructus est. Unde in nobis flos et fructus minime distinguitur, quoniam abundante nimis mellitae puritatis et odoriferae sublimitatis humore id ipsum factum est in nobis flos et fructus. Nonne vapor terrae purissimus totum floridum in aurum concrescit et ros dulcissimus caeli virginitate vernante margaritam congemmascit? Igitur rosa et lilium et flores fruetiferi et fructus floridi sunt. An nescivisti, quod virginitatis manantis puritate, aromate et suavitate virtus ipsa clarissimus flos est et fructus? Mirabile igitur germen virginitatis sine germine non est. Nunquam est fructus sine fructu, immo totus et ipse fructus est. Sic et sancta virginitas ipsum naturae et virtutis est germen pretiosissimum, flos amoenissimus et splendor clarissimus, fructus dulcissimus, decor praestantissimus, odor suavissimus, valor totus. Nimirum ipsa est naturae ac virtutis clarissima gemma, inviolata integritas, caelestina serenitas, summa temperantia, perfecta victoria spiritus super germen, gloria tota. Ut rosa igitur fragrans et lilium rutilans est sancta virginitas, flos et fructus, ad cuius quidem fragrantiam unicornis tractus suaviter currit, cuius dulcedine ferocitas mansuescit, cuius puritate eius tam valida delectata potestas quasi victa in nitido gremio virginali reverentialiter prostrata recumbit. O nimirum magnes nimiae validitatis virginitatis ad se trahens naturam! O saphirus mirabilis castitatis omnem fugans et destruens famam veneuosam! O smaragdus rutilans viriditatis, perpetua puritas, inviolatae integritatis amatrix, foetidam Veneris nullatenus patiens corruptelam!&amp;quot; Ad haec ficulnea stupefacta conticuit.&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Ein Beispiel zum Lob der Jungfräulichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Rose und eine Lilie wuchsen neben einem Feigenbaum. Diese hatten ihre Blütenblätter entfaltet, die glänzten und strahlten, über sie rann süßer Tau und sie hatten den Wohlgeruch eines aromatischen Duftes verströmt. Jener aber hatte ohne Blütenglanz zugleich eine unreife Frucht hervortreiben lassen und hielt aufgebracht bald darauf folgende Scheltrede, da er durch den Saft des Neides brannte: &amp;quot;Wo ist schließlich nach solche einem anmutigen Blütenglanz die erstrebte Nachkommenschaft eurer Frucht? Es ist freilich gescheit, ohne Frucht zu blühen. Es bindet nämlich die weise Natur die Frucht an die Blüte, und deswegen treibt sie eine so glänzende Blüte hervor.&amp;quot; Aber da jene die Quelle der Rede bemerkten, sprachen sie in friedlicher Absicht: &amp;quot;Wir wissen gut, daß du wegen der Begierde nach Nachkommenschaft die Zierde deiner Blüte verloren hast und deshalb so sprichst, weil du von jetzt an ihrer beraubt bist; du bringst freilich eine sehr süße Frucht hervor, aber dennoch duldest du an der Wurzel die Begierde, wodurch du die Blüte verloren hast; aber aufgrund der vollen Reinheit und Süße unseres Wesens ist die Blüte selbst die Frucht. Daher unterscheidet man bei uns keineswegs Blüte und Frucht, weil bei uns durch den überreich vorhandenen Pflanzensaft von überaus süßer Reinheit und wohlriechender Vorzüglichkeit gerade das zu Blüte und Frucht geworden ist. Verdichtet nicht die reinste Wärme der Erde alles Glänzende zu Gold und läßt nicht der süßeste Tau des Himmels eine Perle in Jugendlichkeit und Jungfräulichkeit entstehen? Daher sind Rose und Lilie sowohl fruchttragende Blüten als auch blühende Früchte. Wußtest du nicht, daß gerade die Tugend der Jungfräulichkeit, die sich mit Reinheit, Wohlgeruch und Süße verbreitet, die edelste Blüte und zugleich Frucht ist? Daher gibt es keinen wunderbaren Sproß der Jungfräulichkeit ohne einen Keim. Niemals gibt es eine Frucht ohne Frucht, sondern im Gegenteil ist die Frucht selbst alles. So ist auch die heilige Jungfräulichkeit selbst der kostbarste Sproß, die anmutigste Blume, der hellste Glanz, die süßeste Frucht, die vorzüglichste Zierde, der lieblichste Duft und der ganze Wert der Natur und der Tugend. Zweifellos ist sie selbst der hellste Edelstein der Natur und der Tugend, unverletzbare Unschuld, himmlische Reinheit, höchste Selbstbeherrschung, vollkommener Sieg des Geistes über den Trieb, vollkommener Ruhm. Wie die duftende Rose und die rötlich schimmernde Lilie ist die heilige Jungfräulichkeit Blüte und Frucht, von deren Duft angezogen das Einhorn sanft herbeiläuft. Durch ihre Süße wird seine Wildheit bezähmt und durch ihre Reinheit legt sich ehrerbietig seine so starke Kraft voll Freude gleichsam besiegt in den glänzenden Schoß der Jungfrau. Oh Magnet von zweifellos außerordentlicher Stärke der Jungfräulichkeit, der du die Natur anziehst! Oh Saphir von wunderbarer Reinheit, der du das ganze giftige Gerede vertreibst und vernichtest! Oh Smaragd, der du von Jugendkraft glänzest, immerwährende Reinheit, Freundin unverletzbarer Unschuld, die du in keiner Weise die schädliche Verführung der Venus duldest!&amp;quot; Auf diese Worte hin verstummte betrübt der Feigenbaum.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutsche Versionen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. IV, 9 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490)&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. IV, 9, Bl. 81v-82r&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 93, Bl. 295v-298r&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Den iunckfrauen zuo lobe&amp;amp;middot;&amp;lt;br /&amp;gt;Das &amp;amp;middot;ix&amp;amp;middot; Capitel&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Junckfrowschafft ist&#039;&#039;&#039; alles lobs wert/ das zeigt an dise fabel von der Rosen und Lilien. Cap. ix.&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Junckfrawschafft ist alles lobs werdt. Von der Rosen und Lilien.&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;Die drey und nünczigst Fabel &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[109vb] EIn Rosen und auch ein Gilgen dye wuochssen miteina(n)der bey einem feygenbaum&amp;amp;middot; und do der selb feygenbaum ir schoengeferbte pletter die irer farbe gar lustige warend und suessen taw miltiklich außgusse(n) mit wolriechendem schmack in die weytte  außpraitet&amp;amp;middot; Nu(n) waren doch die rosen un(d) auch die gilgen die sellben zeit außwendiklich ires scheines und irer plue genczlich un(d) gar beraubt und gruonten beide(n)halben dannocht allein zuo iren summerfrüchten als sy die frau die frey natur kund maysteren und layten&amp;amp;middot; Darnach ward der feyge(n)baum neydiklich erwegt und sprach in hohem muot d(er) Rosen und der gilgen zuo&amp;amp;middot; Sagt mir des bit ich eüch wo seind eür su(m)mer früchtt/ wo sihet man eüer fruchtigs gepern nach so plueenreicher zeit des freüde(n)reiche(n) maien die sich bis her v(er)lauffen hatt wz mag so eitel und so gar vernichtet sein als so sich plue erzayget der doch kei(n) frucht nachvolget/ wa(n)n die natur aller weyßheit maisterin v(er)pindt mit fleyß die frucht in d(er) pluome(n)/ daru(m)be so wirt die mayenreich plue vil ee gesehen und gepüret&amp;amp;middot; Und darnach erst dye frücht verstuonden [110ra] so gar schnaell das dye straff gefaerlich waz&amp;amp;middot; Un(d) das auch sy entspra(n)g und wuochs auß nediger wurczen&amp;amp;middot; Do sprachen sy züchtiklich/ wir wissen wol das du vo(n) deins geperens wegen das kiczlig an im selber ist die aller schoenesten pluomen der maegetlichen eren williklich verlorn hast un(d) seyt du der emploeßt bist so redestu auch wz du wilt nach ganczem deym willen/ damit du dein übetmuot&amp;lt;ref&amp;gt;übermuot?&amp;lt;/ref&amp;gt; erzaigest&amp;amp;middot; Auch wilttu nit erkennen das uns die pluom die frucht ist&amp;amp;middot; Und dasselb fleüßset auß übertraeffelicher reinikeite und suessikeit d(er) weselichen listikeit/ wann unser wesen steett also das an uns beyden die pluomen die frucht un(d) die frücht der pluomer ist und seind dye beyde an in selbs ein ainigs wesen&amp;amp;middot; darumb so ist kein underschayde d(er) frucht unnd auch der pluomen in uns wesenlich/ wa(n)n seyd die gancz feüchtikeit d(er) hoenigsuessen reinikeit und wolriechenden suesikeit überflüssige in uns seynd darumb so seind die beyde dye frucht und auch die pluom ein ainiges wesen&amp;amp;middot; Und dasselb ding sage du uns ob du das wayßt wie der aller reynest und lauterest tunst der auß der erden dringet sich in die plue verschlechte/ und verwandlet&amp;amp;middot; und darjnne(n) [110rb] wechßt&amp;amp;middot; Und der sueß himeltaw das edel un(d) das scheinreich perlin das schoen in keüscheit leücht verporgenlich adelt&amp;amp;middot; Daru(m)be so mügen wir wol sein die roß auch die gilge(n) gar fruchtig pluome(n) und pluome(n) der frucht&amp;amp;middot; Od(er) haßt du nie gehoert das die tugendtt die unverhalte(n) ju(n)ckfraeulicheitt die allzeit rayn und schmackhafte ist die clarest frucht und pluome mitenand(er) ist hie niden auff d(er) erden und in de(m) hoechsten reich Auch wiß hie&amp;amp;middot; Als wenig ei(n) fruchte on frucht mag sein als wenige mag d(er) saum der junckfraeulichen reinigkeit on samen sein/ wann junckfraeuliche reinigkeyt die ist die frucht auch d(er) saume d(er) tugent und d(er) natur die niema(n)t widerwegen mag&amp;amp;middot; Si ist die hochgültest saum d(er) pringet fruchte die hundertfeltige ist&amp;amp;middot; Sy istt die freüdenreichest pluom und d(er) allerklaerest schein so er in himel und auf erd mage gesehen werden&amp;amp;middot; Sy ist die allersuessest fruchte und ein zier über all zier Sy ist der aller senfftes geschmache und ein riechen daz in den himel dringet&amp;amp;middot; Sy ist ein krafft unnd ein vermügen daz sich den engelen geleichet&amp;amp;middot; Der ding aller laß dych nymmer wundern seyd sy ist der teürest stain unnd der aller costlichost darzuo istt&amp;amp;middot; In der [110va] Monstra(n)cz der tugent und der natur&amp;amp;middot; Sy ist on alles verrucken gancz sy ist die hymlisch hayter&amp;amp;middot; sy ist die höchst maessigkeyt/ sy ist der syg den niemant überwindet&amp;amp;middot; sy ist der geist d(er) de(m) fleysche herrschet&amp;amp;middot; sy ist die er/ sy istt die freüd&amp;amp;middot; sy ist gelück&amp;amp;middot; sy ist saellikeit und würd&amp;amp;middot; Darumb istt junckfraeulicheit die aller saeligeste heilikeit/ seyt sy ist die pluom mitsampt der frucht als die gilge und rosen ist die des riechens kreftige seind und des scheynes reich. Dz riechen zeühet senftiklichen mit suessen kreften an sich dz stolcz und frej ainhirn wie wilde das an im selber ist das seyn hochtragender muot und scharpffer zoren gezaempt und gestillet wirt&amp;amp;middot; O junckfraeliche reinigkeit wz mag sich dir geleychen Seyd das dz wild einhyrn das muotige ist und zorns vol unnd schnaell on all maß vonn deiner lautern reinikeit genoet un(d) zwu(n)gen wirt das es sich mit ga(n)czer gir in dein schoß beschleüßt&amp;amp;middot; Un(d) darjnn nach seym lust rastet&amp;amp;middot; O saphyr des teüren gelts d(er) wundersamen reinikeit d(er) ayter und das do gift ist wievil des ist zerbricht gewaltiklich&amp;amp;middot; O gruengeferbter schmaragd d(er) immerwerenden reinikeit&amp;amp;middot; Ein lyebhaber d(er) unverruckten keüscheyt d(er) nit [110vb] leiden mage der stinckenden unkeüsch schwaches werck&amp;amp;middot; Darmit geschwaig der feigenbaum der sich der frucht der er gepare gar üppiklichen geruempt hette und ließ von seinem gloriern&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;By einem Fygen&#039;&#039;&#039;baum sin uffgangen ein Roß und Lilig/ und han ire schynbare bletter wyt ußgespreyt/ dar von auch suesser taw mit anderem wolriechendem geschmack ußgeflossen ist. Do aber der fygenbaum beraubt ist gewesen der bletter/ un(d) doch ußgesprosselt het bittere frucht/ hat er uß mißgoennu(n)g also gesproche(n). Jr han ein groß schinbare bluost gehabt/ wo sind nuon üwer frücht? Jst es nit ein torheit/ blueen on frucht? Die kluge natur hefft die frucht in die bluomen/ und der frucht halb bricht sy uß in solich lustige bluomen.&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Die unkuesche(n) verachten die jungfrowen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als die Roß und Lilg vermerckt han den grund diser red/ haben sy senfftmuetigliche gesproche(n). Wir wissen wol/ das du von hitziger begird wegen zuo der geburt hast verloren die ere der bluomen/ darumb redst du also. Du gebirst wol suesse frucht aber hast doch in der wurtzel stecken ein boese neyglicheit nach dem du die bluom verlore(n) hast. Aber wir uß gantzer reynigkeit und suessigkeit/ han die bluom für die frucht. [82r] Die bluom und frucht werde(n) in uns nit von einander gescheiden/ dan(n) uß honigsuesser reynigkeit und füchte wolriechender erhebung/ sin in uns die bluost und frucht ungeteylt worden. Jst im nit also/ der aller luterst dampff des ertrichs wechßt in bluende golt/ und der süß himmeltaw wechßt in edel gestein? Darumb sind rosen/ lilgen und bluomen bluende frücht. &amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Junckfrowschafft ist ein edel frucht.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weystu nit das die klar bluom und frucht der iunckfrowschafft/ flüßt mit reynikeit un(d) geschmack suesser tugenden? Daru(m)b ist die iungfrowschafft nymmer on bluost und frucht/ ia sy ist selbst die frucht. Also sichstu ist die heilige iungfrowschafft ein edel bluost der natur und tugent/ ein anmuetige bluom un(d) klarer schyn/ ein suesse frucht un(d) hübsche gezierd/ ein suesser geschmack und aller ding wirdig. Ja iunckfrowschafft ist ein kostbarlich edelgestein der natur un(d) der tugent/ sy ist ein unzerstoert band und ein himlische heyterkeit/ sy ist die hoechste messigkeit/ die volkummend überwindung und seygung des geists über das fleisch. Darumb wie ein wolschmeckende Roß und schynbare Lilg also ist heilige iungfrowschafft bluost un(d) frucht. Zuo irem suessen geschmack wirt lieblich gezoge(n) das Einhorn/ un(d) legt von jm alle grimmigkeit/ ia gibt sich glych gefange(n) solich geweltigs thier in den iunckfrowlichen schoß/ den(n) es allein der reynigkeit halb also ersamliche begert und ruow in jm hat. Jst nit die iungfrowschafft ein krefftiger Magnet/ der zuo jm zücht die natur? Ist sy nit ein wunderbarer Saphir/ der do vertrybt alle gifftige gespenst? Ist sy nit ein schoen gruener glitze(n)der Smaragd/ der ein liebhaber ist der unzerstoerten küscheit/ Und nit dulden mag unstetige zerstoerung gebürlicher glider?&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;white-space: pre; vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;B&#039;&#039;&#039;Ey ainem Feygenbaum sehr groß/&lt;br /&gt;
Wuochs auff ain Gilgen und ain Ros&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Dise hond ire Bletter weyt/&lt;br /&gt;
Außgebraittet in sonderheyt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Davon ain suesser Schmack zumal/&lt;br /&gt;
Lieblich davon gieng überal&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Als nun der Feygenbaum gemein/&lt;br /&gt;
Beraubet war der Bletter sein&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Yedoch Er von jm geben hett/&lt;br /&gt;
Ain bittere frucht an der stett&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sprach Er an auß mißgunnung gar/&lt;br /&gt;
Die Gilgen und die Rosen klar&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Vil Scheyn und Blue habt gehabt ir/&lt;br /&gt;
Wa seind Ewr Früchten zaigt die mir&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Es ist ain Thorhait und Unzucht/&lt;br /&gt;
Vil Blue haben und doch kain Frucht&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Die kluog Natur thuot hefften sich/&lt;br /&gt;
Jn die Frücht der Bluomen warlich&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
[296v] Hernach der Frucht halben Sy thuot/&lt;br /&gt;
Außbrechen in die Bluomen guot&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Als die Gilg und die Roß den grund/&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Die Unkeüschen verachten die Junckfrawen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
(Der Red) vermerkten zuo der stund&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Hond Sy dem Feygenbaum die wort/&lt;br /&gt;
Gar saenfft verantwurt an dem ort&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Und sprachen vorhin wissen wir/&lt;br /&gt;
Das die Bluo ist genommen dir&amp;amp;middot;&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Der Feygenbau(m) bluoet nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Von wegen deiner Begird fast/&lt;br /&gt;
Die du zuo dem Frucht bringen hast&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Darumb ist also die Red dein/&lt;br /&gt;
Du bringst wol guote Frucht so fein&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Doch in deiner Wurczel allzeit/&lt;br /&gt;
Steckt ain boese Naiglistigkeit&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Nach woellicher du hast verloren/&lt;br /&gt;
Die Edel Bluomen außerkoren&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Wir aber hond mit rainer zucht/&lt;br /&gt;
Allzeyt die Bluomen für die Frucht&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Die Bluom und die Frucht beede sander/&lt;br /&gt;
Werden bey uns nit von ainander&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Geschaiden/ Sonder überal/&lt;br /&gt;
Beysamen gefunden zumal&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Der aller beste Gschmack und Krafft/&lt;br /&gt;
Und Honig suesser rainer Safft&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Die thuond bey uns behalten wir/&lt;br /&gt;
Jn Blue und Früchten für und für&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Der aller beste dampff so klar/&lt;br /&gt;
Wechßt blueend in das Gold fürwar&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
[297r] Und des sueß Himelthaw so fein/&lt;br /&gt;
Wechßt in das klar Edel Gestain&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Darumb Rosen und Gilgen zart/&lt;br /&gt;
Seind blueend Frücht und guoter art&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Waist du nit das die klare frucht/&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalgrlosse: Junckfraschafft ist ain edle frucht&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der rainen Junckfraewlichen zucht&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Fleüßt allezeyt in jrer Jugent/&lt;br /&gt;
Darumb die Junckfrawschafft all frist/&lt;br /&gt;
Nimmer on Blue und Früchten ist&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Ja Sy ist selbst mit grossem fleyß/&lt;br /&gt;
Die Edel Frucht lieblicher weyß&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Junckfrawschafft ist vil besser noch/&lt;br /&gt;
Dann Edel Gstain kostlich und hoch&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sy ist ain unzerstoerlichs bandt/&lt;br /&gt;
Ain himelische Gab genandt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sy ist die hoechste Maessigkeit/&lt;br /&gt;
In allem Flaisch zuo aller zeit&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Wie ain schmeckende Gilgen krafft/&lt;br /&gt;
Also ist auch die Junckfrawschafft&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Zuo jrem suessen Gschmack erkoren/&lt;br /&gt;
Wirt dargezogen das Ainhoren&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Wirt von jrem Geruch bewegt/&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Man lißt/ dz des Ainhorn die ju(n)ckfrawschaft so lieb habe/ das es sein haubt in jr schoß legt/ on alle(n) schaden oder zoren&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das es sein Grimmigkait hinlegt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Ja gibt sich gefangen und bloß/&lt;br /&gt;
Der rainen Junckfraw in jr Schoß&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Dann es ain sollichen lust hat/&lt;br /&gt;
Zuo der Rainigkait fruo und spat&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
[297v] Jst nit die Junckfrawschafft so klar/&lt;br /&gt;
Ain Magnet starck und krefftig gar&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Der gegen jm zeücht für und für/&lt;br /&gt;
Jst Sy nit ain Edler Saphir&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Der da vertreibet alle Gifft/&lt;br /&gt;
Und alle boese Gspenst vergifft&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Ain glantzender Schmaragk allzeit/&lt;br /&gt;
Der liebt die unzerstoert Keüschheit&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Und das unflaetig duldet nicht/&lt;br /&gt;
So die zarten Glider zerbricht&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Morale&amp;amp;middot;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;A&#039;&#039;&#039;Uß der Fabel wirt uns bekandt/&lt;br /&gt;
Wie das ain Junckfraewlicher staedt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Die hoechste Gab auff Erden sey/&lt;br /&gt;
Ain wonung aller Tugent frey&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Wer Frawen oder Junckfraw schendt/&lt;br /&gt;
Der nimbt gwonlich ain boeses Endt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Als [Dina] Jacobs Tochter zart/&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Genesis 34&amp;amp;middot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Von (Hemors) Sun geschendet wart&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Umb dise that kamen zur Erdt/&lt;br /&gt;
All Sichemiten mit dem Schwerdt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sextus bezwang Lucretiam/&lt;br /&gt;
Des Rom in grossen schaden kam&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Seinen Vatter thet man verjagen/&lt;br /&gt;
Auch wurd Sextus darumb erschlagen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Ain Junckfraw hat nicht hoehers mehr/&lt;br /&gt;
Dann raine Junckfraewliche Ehr&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
[298r] Wer ain Junckfraw bezwingen thuot/&lt;br /&gt;
Der raubet jr das hoechste guot&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Des man weder mit Guot noch Gelt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Mag wenden in der gantzen Welt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Doctor Freydanck spricht dise wort/&lt;br /&gt;
Diser darff wagen auch ain Mordt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Woelcher Fraw oder Junckfraw zwingt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Nach besserem Er auch nit ringt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Miniaturen und gedruckte Bilder==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Cgm 254, 76v).png|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Cgm 254, 76v)&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Cgm 340, 116v).png|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Cgm 340, 116v)&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Mgf 459, 254v).png|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Mgf 459, 254v)&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Druck 1490, 109v).jpg|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Druck 1490, 109v)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Druck 1571, 296r).png|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Druck 1571, 296r)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verwandte Erzählstoffe==&lt;br /&gt;
===[[Dornbusch und Feigenbaum (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
Der Dornbusch rühmt sich vor dem Feigenbaum seiner frühen Blüte, der Feigenbaum aber weist auf seine Früchte hin, die besser seien als leere Blüten. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 81)&lt;br /&gt;
===[[Lorbeer, Ölbaum, Lärche, Palme und Feigenbaum (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
Lorbeer, Ölbaum, Lärche (Orangenbaum / Buchsbaum) und Palme erklären dem Feigenbaum, warum sie auch im Winter ihr Grün behalten. (Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, S. 480)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Quelle Fabel]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Rose,_Lilie_und_Feigenbaum_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20641</id>
		<title>Rose, Lilie und Feigenbaum (Erzählstoff)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Rose,_Lilie_und_Feigenbaum_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20641"/>
		<updated>2022-02-02T23:38:25Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: /* Deutsche Versionen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
| namen              = Rose, Lilie und Feigenbaum&lt;br /&gt;
| regest             = Der Feigenbaum fragt Rose und Lilie, warum sie Blüten aber keine Früchte tragen; sie verweisen auf ihre Jungfräulichkeit, in der es keinen Unterschied zwischen Blüte und Frucht gäbe. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 576)&lt;br /&gt;
| fassungen          = [[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. IV, 9&amp;lt;br /&amp;gt;[[Buch von der Weisheit]], Nr. IV, 9&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. IV, 9, Bl. 81v-82r&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 93, Bl. 295v-298r&lt;br /&gt;
| forschung          = [[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 576; [[Günthart, Romy (Hg.): Sebastian Münster, Spiegel der wyßheit]], Band 2, S. 134-137&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Lateinische Version (Cyrillus, Nr. IV, 9), 1. Hälfte 14. Jhd. ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die deutsche Tradition baut auf einer lateinischen Quelle auf (Cyrillus, Nr. IV, 9 ([https://archive.org/details/diebeidenltesten00grss/page/114/mode/2up Grässe, Johann Georg Theodor (Hg.): Die beiden ältesten lateinischen Fabelbücher des Mittelalters.] Tübingen 1880, S. 115f.)). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 232.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Übersetzung&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 233.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Proverbium ad laudem virginitatis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rosa et lilium iuxta ficulneam sunt exortae. Quae cum expandissent floribunda folia nitore splendentia ac rorem suavitatis manantia aromaticique odoris fragrantiam effudissent, et illa floris orbata luce acerbum in fructum pariter pullulasset, lacte quidem invidentiae pruriens, commota mox invectivam proposuit dicens: &amp;quot;Post tam amoenissimam rutilantiam floridam ubi fructus vestri intenta genitura finaliter? Sanum est quippe florere sine fructu. Ligat enim natura sagax fructum in flore et ob ipsum tam vernantissimum germinat in florem.&amp;quot; At illae mox radicem eloquii sentientes pacifica ratione dixerunt: &amp;quot;Bene scimus, quod propter pruritum generationis perdidisti gloriam floris et idcirco iam exspoliata es sie loquens; nempe fructum paris dulcissimum, sed tamen pateris in radice pruritum, quo florem amisisti, nobis autem ex plena puritate et suavitate substantiae flos ipse fructus est. Unde in nobis flos et fructus minime distinguitur, quoniam abundante nimis mellitae puritatis et odoriferae sublimitatis humore id ipsum factum est in nobis flos et fructus. Nonne vapor terrae purissimus totum floridum in aurum concrescit et ros dulcissimus caeli virginitate vernante margaritam congemmascit? Igitur rosa et lilium et flores fruetiferi et fructus floridi sunt. An nescivisti, quod virginitatis manantis puritate, aromate et suavitate virtus ipsa clarissimus flos est et fructus? Mirabile igitur germen virginitatis sine germine non est. Nunquam est fructus sine fructu, immo totus et ipse fructus est. Sic et sancta virginitas ipsum naturae et virtutis est germen pretiosissimum, flos amoenissimus et splendor clarissimus, fructus dulcissimus, decor praestantissimus, odor suavissimus, valor totus. Nimirum ipsa est naturae ac virtutis clarissima gemma, inviolata integritas, caelestina serenitas, summa temperantia, perfecta victoria spiritus super germen, gloria tota. Ut rosa igitur fragrans et lilium rutilans est sancta virginitas, flos et fructus, ad cuius quidem fragrantiam unicornis tractus suaviter currit, cuius dulcedine ferocitas mansuescit, cuius puritate eius tam valida delectata potestas quasi victa in nitido gremio virginali reverentialiter prostrata recumbit. O nimirum magnes nimiae validitatis virginitatis ad se trahens naturam! O saphirus mirabilis castitatis omnem fugans et destruens famam veneuosam! O smaragdus rutilans viriditatis, perpetua puritas, inviolatae integritatis amatrix, foetidam Veneris nullatenus patiens corruptelam!&amp;quot; Ad haec ficulnea stupefacta conticuit.&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Ein Beispiel zum Lob der Jungfräulichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Rose und eine Lilie wuchsen neben einem Feigenbaum. Diese hatten ihre Blütenblätter entfaltet, die glänzten und strahlten, über sie rann süßer Tau und sie hatten den Wohlgeruch eines aromatischen Duftes verströmt. Jener aber hatte ohne Blütenglanz zugleich eine unreife Frucht hervortreiben lassen und hielt aufgebracht bald darauf folgende Scheltrede, da er durch den Saft des Neides brannte: &amp;quot;Wo ist schließlich nach solche einem anmutigen Blütenglanz die erstrebte Nachkommenschaft eurer Frucht? Es ist freilich gescheit, ohne Frucht zu blühen. Es bindet nämlich die weise Natur die Frucht an die Blüte, und deswegen treibt sie eine so glänzende Blüte hervor.&amp;quot; Aber da jene die Quelle der Rede bemerkten, sprachen sie in friedlicher Absicht: &amp;quot;Wir wissen gut, daß du wegen der Begierde nach Nachkommenschaft die Zierde deiner Blüte verloren hast und deshalb so sprichst, weil du von jetzt an ihrer beraubt bist; du bringst freilich eine sehr süße Frucht hervor, aber dennoch duldest du an der Wurzel die Begierde, wodurch du die Blüte verloren hast; aber aufgrund der vollen Reinheit und Süße unseres Wesens ist die Blüte selbst die Frucht. Daher unterscheidet man bei uns keineswegs Blüte und Frucht, weil bei uns durch den überreich vorhandenen Pflanzensaft von überaus süßer Reinheit und wohlriechender Vorzüglichkeit gerade das zu Blüte und Frucht geworden ist. Verdichtet nicht die reinste Wärme der Erde alles Glänzende zu Gold und läßt nicht der süßeste Tau des Himmels eine Perle in Jugendlichkeit und Jungfräulichkeit entstehen? Daher sind Rose und Lilie sowohl fruchttragende Blüten als auch blühende Früchte. Wußtest du nicht, daß gerade die Tugend der Jungfräulichkeit, die sich mit Reinheit, Wohlgeruch und Süße verbreitet, die edelste Blüte und zugleich Frucht ist? Daher gibt es keinen wunderbaren Sproß der Jungfräulichkeit ohne einen Keim. Niemals gibt es eine Frucht ohne Frucht, sondern im Gegenteil ist die Frucht selbst alles. So ist auch die heilige Jungfräulichkeit selbst der kostbarste Sproß, die anmutigste Blume, der hellste Glanz, die süßeste Frucht, die vorzüglichste Zierde, der lieblichste Duft und der ganze Wert der Natur und der Tugend. Zweifellos ist sie selbst der hellste Edelstein der Natur und der Tugend, unverletzbare Unschuld, himmlische Reinheit, höchste Selbstbeherrschung, vollkommener Sieg des Geistes über den Trieb, vollkommener Ruhm. Wie die duftende Rose und die rötlich schimmernde Lilie ist die heilige Jungfräulichkeit Blüte und Frucht, von deren Duft angezogen das Einhorn sanft herbeiläuft. Durch ihre Süße wird seine Wildheit bezähmt und durch ihre Reinheit legt sich ehrerbietig seine so starke Kraft voll Freude gleichsam besiegt in den glänzenden Schoß der Jungfrau. Oh Magnet von zweifellos außerordentlicher Stärke der Jungfräulichkeit, der du die Natur anziehst! Oh Saphir von wunderbarer Reinheit, der du das ganze giftige Gerede vertreibst und vernichtest! Oh Smaragd, der du von Jugendkraft glänzest, immerwährende Reinheit, Freundin unverletzbarer Unschuld, die du in keiner Weise die schädliche Verführung der Venus duldest!&amp;quot; Auf diese Worte hin verstummte betrübt der Feigenbaum.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutsche Versionen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. IV, 9 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490)&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. IV, 9, Bl. 81v-82r&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 93, Bl. 295v-298r&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Den iunckfrauen zuo lobe&amp;amp;middot;&amp;lt;br /&amp;gt;Das &amp;amp;middot;ix&amp;amp;middot; Capitel&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Junckfrowschafft ist&#039;&#039;&#039; alles lobs wert/ das zeigt an dise fabel von der Rosen und Lilien. Cap. ix.&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Junckfrawschafft ist alles lobs werdt. Von der Rosen und Lilien.&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;Die drey und nünczigst Fabel &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[109vb] EIn Rosen und auch ein Gilgen dye wuochssen miteina(n)der bey einem feygenbaum&amp;amp;middot; und do der selb feygenbaum ir schoengeferbte pletter die irer farbe gar lustige warend und suessen taw miltiklich außgusse(n) mit wolriechendem schmack in die weytte  außpraitet&amp;amp;middot; Nu(n) waren doch die rosen un(d) auch die gilgen die sellben zeit außwendiklich ires scheines und irer plue genczlich un(d) gar beraubt und gruonten beide(n)halben dannocht allein zuo iren summerfrüchten als sy die frau die frey natur kund maysteren und layten&amp;amp;middot; Darnach ward der feyge(n)baum neydiklich erwegt und sprach in hohem muot d(er) Rosen und der gilgen zuo&amp;amp;middot; Sagt mir des bit ich eüch wo seind eür su(m)mer früchtt/ wo sihet man eüer fruchtigs gepern nach so plueenreicher zeit des freüde(n)reiche(n) maien die sich bis her v(er)lauffen hatt wz mag so eitel und so gar vernichtet sein als so sich plue erzayget der doch kei(n) frucht nachvolget/ wa(n)n die natur aller weyßheit maisterin v(er)pindt mit fleyß die frucht in d(er) pluome(n)/ daru(m)be so wirt die mayenreich plue vil ee gesehen und gepüret&amp;amp;middot; Und darnach erst dye frücht verstuonden [110ra] so gar schnaell das dye straff gefaerlich waz&amp;amp;middot; Un(d) das auch sy entspra(n)g und wuochs auß nediger wurczen&amp;amp;middot; Do sprachen sy züchtiklich/ wir wissen wol das du vo(n) deins geperens wegen das kiczlig an im selber ist die aller schoenesten pluomen der maegetlichen eren williklich verlorn hast un(d) seyt du der emploeßt bist so redestu auch wz du wilt nach ganczem deym willen/ damit du dein übetmuot&amp;lt;ref&amp;gt;übermuot?&amp;lt;/ref&amp;gt; erzaigest&amp;amp;middot; Auch wilttu nit erkennen das uns die pluom die frucht ist&amp;amp;middot; Und dasselb fleüßset auß übertraeffelicher reinikeite und suessikeit d(er) weselichen listikeit/ wann unser wesen steett also das an uns beyden die pluomen die frucht un(d) die frücht der pluomer ist und seind dye beyde an in selbs ein ainigs wesen&amp;amp;middot; darumb so ist kein underschayde d(er) frucht unnd auch der pluomen in uns wesenlich/ wa(n)n seyd die gancz feüchtikeit d(er) hoenigsuessen reinikeit und wolriechenden suesikeit überflüssige in uns seynd darumb so seind die beyde dye frucht und auch die pluom ein ainiges wesen&amp;amp;middot; Und dasselb ding sage du uns ob du das wayßt wie der aller reynest und lauterest tunst der auß der erden dringet sich in die plue verschlechte/ und verwandlet&amp;amp;middot; und darjnne(n) [110rb] wechßt&amp;amp;middot; Und der sueß himeltaw das edel un(d) das scheinreich perlin das schoen in keüscheit leücht verporgenlich adelt&amp;amp;middot; Daru(m)be so mügen wir wol sein die roß auch die gilge(n) gar fruchtig pluome(n) und pluome(n) der frucht&amp;amp;middot; Od(er) haßt du nie gehoert das die tugendtt die unverhalte(n) ju(n)ckfraeulicheitt die allzeit rayn und schmackhafte ist die clarest frucht und pluome mitenand(er) ist hie niden auff d(er) erden und in de(m) hoechsten reich Auch wiß hie&amp;amp;middot; Als wenig ei(n) fruchte on frucht mag sein als wenige mag d(er) saum der junckfraeulichen reinigkeit on samen sein/ wann junckfraeuliche reinigkeyt die ist die frucht auch d(er) saume d(er) tugent und d(er) natur die niema(n)t widerwegen mag&amp;amp;middot; Si ist die hochgültest saum d(er) pringet fruchte die hundertfeltige ist&amp;amp;middot; Sy istt die freüdenreichest pluom und d(er) allerklaerest schein so er in himel und auf erd mage gesehen werden&amp;amp;middot; Sy ist die allersuessest fruchte und ein zier über all zier Sy ist der aller senfftes geschmache und ein riechen daz in den himel dringet&amp;amp;middot; Sy ist ein krafft unnd ein vermügen daz sich den engelen geleichet&amp;amp;middot; Der ding aller laß dych nymmer wundern seyd sy ist der teürest stain unnd der aller costlichost darzuo istt&amp;amp;middot; In der [110va] Monstra(n)cz der tugent und der natur&amp;amp;middot; Sy ist on alles verrucken gancz sy ist die hymlisch hayter&amp;amp;middot; sy ist die höchst maessigkeyt/ sy ist der syg den niemant überwindet&amp;amp;middot; sy ist der geist d(er) de(m) fleysche herrschet&amp;amp;middot; sy ist die er/ sy istt die freüd&amp;amp;middot; sy ist gelück&amp;amp;middot; sy ist saellikeit und würd&amp;amp;middot; Darumb istt junckfraeulicheit die aller saeligeste heilikeit/ seyt sy ist die pluom mitsampt der frucht als die gilge und rosen ist die des riechens kreftige seind und des scheynes reich. Dz riechen zeühet senftiklichen mit suessen kreften an sich dz stolcz und frej ainhirn wie wilde das an im selber ist das seyn hochtragender muot und scharpffer zoren gezaempt und gestillet wirt&amp;amp;middot; O junckfraeliche reinigkeit wz mag sich dir geleychen Seyd das dz wild einhyrn das muotige ist und zorns vol unnd schnaell on all maß vonn deiner lautern reinikeit genoet un(d) zwu(n)gen wirt das es sich mit ga(n)czer gir in dein schoß beschleüßt&amp;amp;middot; Un(d) darjnn nach seym lust rastet&amp;amp;middot; O saphyr des teüren gelts d(er) wundersamen reinikeit d(er) ayter und das do gift ist wievil des ist zerbricht gewaltiklich&amp;amp;middot; O gruengeferbter schmaragd d(er) immerwerenden reinikeit&amp;amp;middot; Ein lyebhaber d(er) unverruckten keüscheyt d(er) nit [110vb] leiden mage der stinckenden unkeusch schwaches werck&amp;amp;middot; Darmit geschwaig der feigenbaum der sich der frucht der er gepare gar üppiklichen geruempt hette und ließ von seinem gloriern&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;By einem Fygen&#039;&#039;&#039;baum sin uffgangen ein Roß und Lilig/ und han ire schynbare bletter wyt ußgespreyt/ dar von auch suesser taw mit anderem wolriechendem geschmack ußgeflossen ist. Do aber der fygenbaum beraubt ist gewesen der bletter/ un(d) doch ußgesprosselt het bittere frucht/ hat er uß mißgoennu(n)g also gesproche(n). Jr han ein groß schinbare bluost gehabt/ wo sind nuon üwer frücht? Jst es nit ein torheit/ blueen on frucht? Die kluge natur hefft die frucht in die bluomen/ und der frucht halb bricht sy uß in solich lustige bluomen.&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Die unkuesche(n) verachten die jungfrowen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als die Roß und Lilg vermerckt han den grund diser red/ haben sy senfftmuetigliche gesproche(n). Wir wissen wol/ das du von hitziger begird wegen zuo der geburt hast verloren die ere der bluomen/ darumb redst du also. Du gebirst wol suesse frucht aber hast doch in der wurtzel stecken ein boese neyglicheit nach dem du die bluom verlore(n) hast. Aber wir uß gantzer reynigkeit und suessigkeit/ han die bluom für die frucht. [82r] Die bluom und frucht werde(n) in uns nit von einander gescheiden/ dan(n) uß honigsuesser reynigkeit und füchte wolriechender erhebung/ sin in uns die bluost und frucht ungeteylt worden. Jst im nit also/ der aller luterst dampff des ertrichs wechßt in bluende golt/ und der süß himmeltaw wechßt in edel gestein? Darumb sind rosen/ lilgen und bluomen bluende frücht. &amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Junckfrowschafft ist ein edel frucht.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weystu nit das die klar bluom und frucht der iunckfrowschafft/ flüßt mit reynikeit un(d) geschmack suesser tugenden? Daru(m)b ist die iungfrowschafft nymmer on bluost und frucht/ ia sy ist selbst die frucht. Also sichstu ist die heilige iungfrowschafft ein edel bluost der natur und tugent/ ein anmuetige bluom un(d) klarer schyn/ ein suesse frucht un(d) hübsche gezierd/ ein suesser geschmack und aller ding wirdig. Ja iunckfrowschafft ist ein kostbarlich edelgestein der natur un(d) der tugent/ sy ist ein unzerstoert band und ein himlische heyterkeit/ sy ist die hoechste messigkeit/ die volkummend überwindung und seygung des geists über das fleisch. Darumb wie ein wolschmeckende Roß und schynbare Lilg also ist heilige iungfrowschafft bluost un(d) frucht. Zuo irem suessen geschmack wirt lieblich gezoge(n) das Einhorn/ un(d) legt von jm alle grimmigkeit/ ia gibt sich glych gefange(n) solich geweltigs thier in den iunckfrowlichen schoß/ den(n) es allein der reynigkeit halb also ersamliche begert und ruow in jm hat. Jst nit die iungfrowschafft ein krefftiger Magnet/ der zuo jm zücht die natur? Ist sy nit ein wunderbarer Saphir/ der do vertrybt alle gifftige gespenst? Ist sy nit ein schoen gruener glitze(n)der Smaragd/ der ein liebhaber ist der unzerstoerten küscheit/ Und nit dulden mag unstetige zerstoerung gebürlicher glider?&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;white-space: pre; vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;B&#039;&#039;&#039;Ey ainem Feygenbaum sehr groß/&lt;br /&gt;
Wuochs auff ain Gilgen und ain Ros&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Dise hond ire Bletter weyt/&lt;br /&gt;
Außgebraittet in sonderheyt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Davon ain suesser Schmack zumal/&lt;br /&gt;
Lieblich davon gieng überal&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Als nun der Feygenbaum gemein/&lt;br /&gt;
Beraubet war der Bletter sein&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Yedoch Er von jm geben hett/&lt;br /&gt;
Ain bittere frucht an der stett&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sprach Er an auß mißgunnung gar/&lt;br /&gt;
Die Gilgen und die Rosen klar&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Vil Scheyn und Blue habt gehabt ir/&lt;br /&gt;
Wa seind Ewr Früchten zaigt die mir&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Es ist ain Thorhait und Unzucht/&lt;br /&gt;
Vil Blue haben und doch kain Frucht&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Die kluog Natur thuot hefften sich/&lt;br /&gt;
Jn die Frücht der Bluomen warlich&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
[296v] Hernach der Frucht halben Sy thuot/&lt;br /&gt;
Außbrechen in die Bluomen guot&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Als die Gilg und die Roß den grund/&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Die Unkeüschen verachten die Junckfrawen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
(Der Red) vermerkten zuo der stund&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Hond Sy dem Feygenbaum die wort/&lt;br /&gt;
Gar saenfft verantwurt an dem ort&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Und sprachen vorhin wissen wir/&lt;br /&gt;
Das die Bluo ist genommen dir&amp;amp;middot;&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Der Feygenbau(m) bluoet nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Von wegen deiner Begird fast/&lt;br /&gt;
Die du zuo dem Frucht bringen hast&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Darumb ist also die Red dein/&lt;br /&gt;
Du bringst wol guote Frucht so fein&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Doch in deiner Wurczel allzeit/&lt;br /&gt;
Steckt ain boese Naiglistigkeit&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Nach woellicher du hast verloren/&lt;br /&gt;
Die Edel Bluomen außerkoren&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Wir aber hond mit rainer zucht/&lt;br /&gt;
Allzeyt die Bluomen für die Frucht&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Die Bluom und die Frucht beede sander/&lt;br /&gt;
Werden bey uns nit von ainander&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Geschaiden/ Sonder überal/&lt;br /&gt;
Beysamen gefunden zumal&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Der aller beste Gschmack und Krafft/&lt;br /&gt;
Und Honig suesser rainer Safft&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Die thuond bey uns behalten wir/&lt;br /&gt;
Jn Blue und Früchten für und für&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Der aller beste dampff so klar/&lt;br /&gt;
Wechßt blueend in das Gold fürwar&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
[297r] Und des sueß Himelthaw so fein/&lt;br /&gt;
Wechßt in das klar Edel Gestain&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Darumb Rosen und Gilgen zart/&lt;br /&gt;
Seind blueend Frücht und guoter art&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Waist du nit das die klare frucht/&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalgrlosse: Junckfraschafft ist ain edle frucht&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der rainen Junckfraewlichen zucht&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Fleüßt allezeyt in jrer Jugent/&lt;br /&gt;
Darumb die Junckfrawschafft all frist/&lt;br /&gt;
Nimmer on Blue und Früchten ist&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Ja Sy ist selbst mit grossem fleyß/&lt;br /&gt;
Die Edel Frucht lieblicher weyß&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Junckfrawschafft ist vil besser noch/&lt;br /&gt;
Dann Edel Gstain kostlich und hoch&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sy ist ain unzerstoerlichs bandt/&lt;br /&gt;
Ain himelische Gab genandt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sy ist die hoechste Maessigkeit/&lt;br /&gt;
In allem Flaisch zuo aller zeit&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Wie ain schmeckende Gilgen krafft/&lt;br /&gt;
Also ist auch die Junckfrawschafft&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Zuo jrem suessen Gschmack erkoren/&lt;br /&gt;
Wirt dargezogen das Ainhoren&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Wirt von jrem Geruch bewegt/&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Man lißt/ dz des Ainhorn die ju(n)ckfrawschaft so lieb habe/ das es sein haubt in jr schoß legt/ on alle(n) schaden oder zoren&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das es sein Grimmigkait hinlegt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Ja gibt sich gefangen und bloß/&lt;br /&gt;
Der rainen Junckfraw in jr Schoß&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Dann es ain sollichen lust hat/&lt;br /&gt;
Zuo der Rainigkait fruo und spat&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
[297v] Jst nit die Junckfrawschafft so klar/&lt;br /&gt;
Ain Magnet starck und krefftig gar&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Der gegen jm zeücht für und für/&lt;br /&gt;
Jst Sy nit ain Edler Saphir&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Der da vertreibet alle Gifft/&lt;br /&gt;
Und alle boese Gspenst vergifft&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Ain glantzender Schmaragk allzeit/&lt;br /&gt;
Der liebt die unzerstoert Keüschheit&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Und das unflaetig duldet nicht/&lt;br /&gt;
So die zarten Glider zerbricht&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Morale&amp;amp;middot;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;A&#039;&#039;&#039;Uß der Fabel wirt uns bekandt/&lt;br /&gt;
Wie das ain Junckfraewlicher staedt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Die hoechste Gab auff Erden sey/&lt;br /&gt;
Ain wonung aller Tugent frey&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Wer Frawen oder Junckfraw schendt/&lt;br /&gt;
Der nimbt gwonlich ain boeses Endt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Als [Dina] Jacobs Tochter zart/&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Genesis 34&amp;amp;middot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Von (Hemors) Sun geschendet wart&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Umb dise that kamen zur Erdt/&lt;br /&gt;
All Sichemiten mit dem Schwerdt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sextus bezwang Lucretiam/&lt;br /&gt;
Des Rom in grossen schaden kam&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Seinen Vatter thet man verjagen/&lt;br /&gt;
Auch wurd Sextus darumb erschlagen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Ain Junckfraw hat nicht hoehers mehr/&lt;br /&gt;
Dann raine Junckfraewliche Ehr&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
[298r] Wer ain Junckfraw bezwingen thuot/&lt;br /&gt;
Der raubet jr das hoechste guot&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Des man weder mit Guot noch Gelt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Mag wenden in der gantzen Welt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Doctor Freydanck spricht dise wort/&lt;br /&gt;
Diser darff wagen auch ain Mordt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Woelcher Fraw oder Junckfraw zwingt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Nach besserem Er auch nit ringt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Miniaturen und gedruckte Bilder==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Cgm 254, 76v).png|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Cgm 254, 76v)&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Cgm 340, 116v).png|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Cgm 340, 116v)&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Mgf 459, 254v).png|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Mgf 459, 254v)&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Druck 1490, 109v).jpg|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Druck 1490, 109v)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Druck 1571, 296r).png|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Druck 1571, 296r)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verwandte Erzählstoffe==&lt;br /&gt;
===[[Dornbusch und Feigenbaum (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
Der Dornbusch rühmt sich vor dem Feigenbaum seiner frühen Blüte, der Feigenbaum aber weist auf seine Früchte hin, die besser seien als leere Blüten. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 81)&lt;br /&gt;
===[[Lorbeer, Ölbaum, Lärche, Palme und Feigenbaum (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
Lorbeer, Ölbaum, Lärche (Orangenbaum / Buchsbaum) und Palme erklären dem Feigenbaum, warum sie auch im Winter ihr Grün behalten. (Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, S. 480)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Quelle Fabel]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Rose,_Lilie_und_Feigenbaum_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20640</id>
		<title>Rose, Lilie und Feigenbaum (Erzählstoff)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Rose,_Lilie_und_Feigenbaum_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20640"/>
		<updated>2022-02-02T23:15:22Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: /* Deutsche Versionen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
| namen              = Rose, Lilie und Feigenbaum&lt;br /&gt;
| regest             = Der Feigenbaum fragt Rose und Lilie, warum sie Blüten aber keine Früchte tragen; sie verweisen auf ihre Jungfräulichkeit, in der es keinen Unterschied zwischen Blüte und Frucht gäbe. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 576)&lt;br /&gt;
| fassungen          = [[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. IV, 9&amp;lt;br /&amp;gt;[[Buch von der Weisheit]], Nr. IV, 9&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. IV, 9, Bl. 81v-82r&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 93, Bl. 295v-298r&lt;br /&gt;
| forschung          = [[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 576; [[Günthart, Romy (Hg.): Sebastian Münster, Spiegel der wyßheit]], Band 2, S. 134-137&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Lateinische Version (Cyrillus, Nr. IV, 9), 1. Hälfte 14. Jhd. ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die deutsche Tradition baut auf einer lateinischen Quelle auf (Cyrillus, Nr. IV, 9 ([https://archive.org/details/diebeidenltesten00grss/page/114/mode/2up Grässe, Johann Georg Theodor (Hg.): Die beiden ältesten lateinischen Fabelbücher des Mittelalters.] Tübingen 1880, S. 115f.)). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 232.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Übersetzung&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 233.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Proverbium ad laudem virginitatis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rosa et lilium iuxta ficulneam sunt exortae. Quae cum expandissent floribunda folia nitore splendentia ac rorem suavitatis manantia aromaticique odoris fragrantiam effudissent, et illa floris orbata luce acerbum in fructum pariter pullulasset, lacte quidem invidentiae pruriens, commota mox invectivam proposuit dicens: &amp;quot;Post tam amoenissimam rutilantiam floridam ubi fructus vestri intenta genitura finaliter? Sanum est quippe florere sine fructu. Ligat enim natura sagax fructum in flore et ob ipsum tam vernantissimum germinat in florem.&amp;quot; At illae mox radicem eloquii sentientes pacifica ratione dixerunt: &amp;quot;Bene scimus, quod propter pruritum generationis perdidisti gloriam floris et idcirco iam exspoliata es sie loquens; nempe fructum paris dulcissimum, sed tamen pateris in radice pruritum, quo florem amisisti, nobis autem ex plena puritate et suavitate substantiae flos ipse fructus est. Unde in nobis flos et fructus minime distinguitur, quoniam abundante nimis mellitae puritatis et odoriferae sublimitatis humore id ipsum factum est in nobis flos et fructus. Nonne vapor terrae purissimus totum floridum in aurum concrescit et ros dulcissimus caeli virginitate vernante margaritam congemmascit? Igitur rosa et lilium et flores fruetiferi et fructus floridi sunt. An nescivisti, quod virginitatis manantis puritate, aromate et suavitate virtus ipsa clarissimus flos est et fructus? Mirabile igitur germen virginitatis sine germine non est. Nunquam est fructus sine fructu, immo totus et ipse fructus est. Sic et sancta virginitas ipsum naturae et virtutis est germen pretiosissimum, flos amoenissimus et splendor clarissimus, fructus dulcissimus, decor praestantissimus, odor suavissimus, valor totus. Nimirum ipsa est naturae ac virtutis clarissima gemma, inviolata integritas, caelestina serenitas, summa temperantia, perfecta victoria spiritus super germen, gloria tota. Ut rosa igitur fragrans et lilium rutilans est sancta virginitas, flos et fructus, ad cuius quidem fragrantiam unicornis tractus suaviter currit, cuius dulcedine ferocitas mansuescit, cuius puritate eius tam valida delectata potestas quasi victa in nitido gremio virginali reverentialiter prostrata recumbit. O nimirum magnes nimiae validitatis virginitatis ad se trahens naturam! O saphirus mirabilis castitatis omnem fugans et destruens famam veneuosam! O smaragdus rutilans viriditatis, perpetua puritas, inviolatae integritatis amatrix, foetidam Veneris nullatenus patiens corruptelam!&amp;quot; Ad haec ficulnea stupefacta conticuit.&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Ein Beispiel zum Lob der Jungfräulichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Rose und eine Lilie wuchsen neben einem Feigenbaum. Diese hatten ihre Blütenblätter entfaltet, die glänzten und strahlten, über sie rann süßer Tau und sie hatten den Wohlgeruch eines aromatischen Duftes verströmt. Jener aber hatte ohne Blütenglanz zugleich eine unreife Frucht hervortreiben lassen und hielt aufgebracht bald darauf folgende Scheltrede, da er durch den Saft des Neides brannte: &amp;quot;Wo ist schließlich nach solche einem anmutigen Blütenglanz die erstrebte Nachkommenschaft eurer Frucht? Es ist freilich gescheit, ohne Frucht zu blühen. Es bindet nämlich die weise Natur die Frucht an die Blüte, und deswegen treibt sie eine so glänzende Blüte hervor.&amp;quot; Aber da jene die Quelle der Rede bemerkten, sprachen sie in friedlicher Absicht: &amp;quot;Wir wissen gut, daß du wegen der Begierde nach Nachkommenschaft die Zierde deiner Blüte verloren hast und deshalb so sprichst, weil du von jetzt an ihrer beraubt bist; du bringst freilich eine sehr süße Frucht hervor, aber dennoch duldest du an der Wurzel die Begierde, wodurch du die Blüte verloren hast; aber aufgrund der vollen Reinheit und Süße unseres Wesens ist die Blüte selbst die Frucht. Daher unterscheidet man bei uns keineswegs Blüte und Frucht, weil bei uns durch den überreich vorhandenen Pflanzensaft von überaus süßer Reinheit und wohlriechender Vorzüglichkeit gerade das zu Blüte und Frucht geworden ist. Verdichtet nicht die reinste Wärme der Erde alles Glänzende zu Gold und läßt nicht der süßeste Tau des Himmels eine Perle in Jugendlichkeit und Jungfräulichkeit entstehen? Daher sind Rose und Lilie sowohl fruchttragende Blüten als auch blühende Früchte. Wußtest du nicht, daß gerade die Tugend der Jungfräulichkeit, die sich mit Reinheit, Wohlgeruch und Süße verbreitet, die edelste Blüte und zugleich Frucht ist? Daher gibt es keinen wunderbaren Sproß der Jungfräulichkeit ohne einen Keim. Niemals gibt es eine Frucht ohne Frucht, sondern im Gegenteil ist die Frucht selbst alles. So ist auch die heilige Jungfräulichkeit selbst der kostbarste Sproß, die anmutigste Blume, der hellste Glanz, die süßeste Frucht, die vorzüglichste Zierde, der lieblichste Duft und der ganze Wert der Natur und der Tugend. Zweifellos ist sie selbst der hellste Edelstein der Natur und der Tugend, unverletzbare Unschuld, himmlische Reinheit, höchste Selbstbeherrschung, vollkommener Sieg des Geistes über den Trieb, vollkommener Ruhm. Wie die duftende Rose und die rötlich schimmernde Lilie ist die heilige Jungfräulichkeit Blüte und Frucht, von deren Duft angezogen das Einhorn sanft herbeiläuft. Durch ihre Süße wird seine Wildheit bezähmt und durch ihre Reinheit legt sich ehrerbietig seine so starke Kraft voll Freude gleichsam besiegt in den glänzenden Schoß der Jungfrau. Oh Magnet von zweifellos außerordentlicher Stärke der Jungfräulichkeit, der du die Natur anziehst! Oh Saphir von wunderbarer Reinheit, der du das ganze giftige Gerede vertreibst und vernichtest! Oh Smaragd, der du von Jugendkraft glänzest, immerwährende Reinheit, Freundin unverletzbarer Unschuld, die du in keiner Weise die schädliche Verführung der Venus duldest!&amp;quot; Auf diese Worte hin verstummte betrübt der Feigenbaum.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutsche Versionen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. IV, 9 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490)&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. IV, 9, Bl. 81v-82r&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 93, Bl. 295v-298r&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Den iunckfrauen zuo lobe&amp;amp;middot;&amp;lt;br /&amp;gt;Das &amp;amp;middot;ix&amp;amp;middot; Capitel&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Junckfrowschafft ist&#039;&#039;&#039; alles lobs wert/ das zeigt an dise fabel von der Rosen und Lilien. Cap. ix.&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Junckfrawschafft ist alles lobs werdt. Von der Rosen und Lilien.&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;Die drey und nünczigst Fabel &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[109vb] EIn Rosen und auch ein Gilgen dye wuochssen miteina(n)der bey einem feygenbaum&amp;amp;middot; und do der selb feygenbaum ir schoengeferbte pletter die irer farbe gar lustige warend und suessen taw miltiklich außgusse(n) mit wolriechendem schmack in die weytte  außpraitet&amp;amp;middot; Nu(n) waren doch die rosen un(d) auch die gilgen die sellben zeit außwendiklich ires scheines und irer plue genczlich un(d) gar beraubt und gruonten beide(n)halben dannocht allein zuo iren summerfrüchten als sy die frau die frey natur kund maysteren und layten&amp;amp;middot; Darnach ward der feyge(n)baum neydiklich erwegt und sprach in hohem muot d(er) Rosen und der gilgen zuo&amp;amp;middot; Sagt mir des bit ich eüch wo seind eür su(m)mer früchtt/ wo sihet man eüer fruchtigs gepern nach so plueenreicher zeit des freüde(n)reiche(n) maien die sich bis her v(er)lauffen hatt wz mag so eitel und so gar vernichtet sein als so sich plue erzayget der doch kei(n) frucht nachvolget/ wa(n)n die natur aller weyßheit maisterin v(er)pindt mit fleyß die frucht in d(er) pluome(n)/ daru(m)be so wirt die mayenreich plue vil ee gesehen und gepüret&amp;amp;middot; Und darnach erst dye frücht verstuonden [110ra] so gar schnaell das dye straff gefaerlich waz&amp;amp;middot; Un(d) das auch sy entspra(n)g und wuochs auß nediger wurczen&amp;amp;middot; Do sprachen sy züchtiklich/ wir wissen wol das du vo(n) deins geperens wegen das kiczlig an im selber ist die aller schoenesten pluomen der maegetlichen eren williklich verlorn hast un(d) seyt du der emploeßt bist so redestu auch wz du wilt nach ganczem deym willen/ damit du dein übetmuot&amp;lt;ref&amp;gt;übermuot?&amp;lt;/ref&amp;gt; erzaigest&amp;amp;middot; Auch wilttu nit erkennen das uns die pluom die frucht ist&amp;amp;middot; Und dasselb fleüßset auß übertraeffelicher reinikeite und suessikeit d(er) weselichen listikeit/ wann unser wesen steett also das an uns beyden die pluomen die frucht un(d) die frücht der pluomer ist und seind dye beyde an in selbs ein ainigs wesen&amp;amp;middot; darumb so ist kein underschayde d(er) frucht unnd auch der pluomen in uns wesenlich/ wa(n)n seyd die gancz feüchtikeit d(er) hoenigsuessen reinikeit und wolriechenden suesikeit überflüssige in uns seynd darumb so seind die beyde dye frucht und auch die pluom ein ainiges wesen&amp;amp;middot; Und dasselb ding sage du uns ob du das wayßt wie der aller reynest und lauterest tunst der auß der erden dringet sich in die plue verschlechte/ und verwandlet&amp;amp;middot; und darjnne(n) [110rb] wechßt&amp;amp;middot; Und der sueß himeltaw das edel un(d) das scheinreich perlin das schoen in keüscheit leücht verporgenlich adelt&amp;amp;middot; Daru(m)be so mügen wir wol sein die roß auch die gilge(n) gar fruchtig pluome(n) und pluome(n) der frucht&amp;amp;middot; Od(er) haßt du nie gehoert das die tugendtt die unverhalte(n) ju(n)ckfraeulicheitt die allzeit rayn und schmackhafte ist die clarest frucht und pluome mitenand(er) ist hie niden auff d(er) erden und in de(m) hoechsten reich Auch wiß hie&amp;amp;middot; Als wenig ei(n) fruchte on frucht mag sein als wenige mag d(er) saum der junckfraeulichen reinigkeit on samen sein/ wann junckfraeuliche reinigkeyt die ist die frucht auch d(er) saume d(er) tugent und d(er) natur die niema(n)t widerwegen mag&amp;amp;middot; Si ist die hochgültest saum d(er) pringet fruchte die hundertfeltige ist&amp;amp;middot; Sy istt die freüdenreichest pluom und d(er) allerklaerest schein so er in himel und auf erd mage gesehen werden&amp;amp;middot; Sy ist die allersuessest fruchte und ein zier über all zier Sy ist der aller senfftes geschmache und ein riechen daz in den himel dringet&amp;amp;middot; Sy ist ein krafft unnd ein vermügen daz sich den engelen geleichet&amp;amp;middot; Der ding aller laß dych nymmer wundern seyd sy ist der teürest stain unnd der aller costlichost darzuo istt&amp;amp;middot; In der [110va] Monstra(n)cz der tugent und der natur&amp;amp;middot; Sy ist on alles verrucken gancz sy ist die hymlisch hayter&amp;amp;middot; sy ist die höchst maessigkeyt/ sy ist der syg den niemant überwindet&amp;amp;middot; sy ist der geist d(er) de(m) fleysche herrschet&amp;amp;middot; sy ist die er/ sy istt die freüd&amp;amp;middot; sy ist gelück&amp;amp;middot; sy ist saellikeit und würd&amp;amp;middot; Darumb istt junckfraeulicheit die aller saeligeste heilikeit/ seyt sy ist die pluom mitsampt der frucht als die gilge und rosen ist die des riechens kreftige seind und des scheynes reich. Dz riechen zeühet senftiklichen mit suessen kreften an sich dz stolcz und frej ainhirn wie wilde das an im selber ist das seyn hochtragender muot und scharpffer zoren gezaempt und gestillet wirt&amp;amp;middot; O junckfraeliche reinigkeit wz mag sich dir geleychen Seyd das dz wild einhyrn das muotige ist und zorns vol unnd schnaell on all maß vonn deiner lautern reinikeit genoet un(d) zwu(n)gen wirt das es sich mit ga(n)czer gir in dein schoß beschleüßt&amp;amp;middot; Un(d) darjnn nach seym lust rastet&amp;amp;middot; O saphyr des teüren gelts d(er) wundersamen reinikeit d(er) ayter und das do gift ist wievil des ist zerbricht gewaltiklich&amp;amp;middot; O gruengeferbter schmaragd d(er) immerwerenden reinikeit&amp;amp;middot; Ein lyebhaber d(er) unverruckten keüscheyt d(ie) nit [110vb] leiden mage der stinckenden unkeusch schwaches werck&amp;amp;middot; Darmit geschwaig der feigenbaum der sich der frucht der er gepare gar üppiklichen geruempt hette und ließ von seinem gloriern&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;By einem Fygen&#039;&#039;&#039;baum sin uffgangen ein Roß und Lilig/ und han ire schynbare bletter wyt ußgespreyt/ dar von auch suesser taw mit anderem wolriechendem geschmack ußgeflossen ist. Do aber der fygenbaum beraubt ist gewesen der bletter/ un(d) doch ußgesprosselt het bittere frucht/ hat er uß mißgoennu(n)g also gesproche(n). Jr han ein groß schinbare bluost gehabt/ wo sind nuon üwer frücht? Jst es nit ein torheit/ blueen on frucht? Die kluge natur hefft die frucht in die bluomen/ und der frucht halb bricht sy uß in solich lustige bluomen.&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Die unkuesche(n) verachten die jungfrowen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als die Roß und Lilg vermerckt han den grund diser red/ haben sy senfftmuetigliche gesproche(n). Wir wissen wol/ das du von hitziger begird wegen zuo der geburt hast verloren die ere der bluomen/ darumb redst du also. Du gebirst wol suesse frucht aber hast doch in der wurtzel stecken ein boese neyglicheit nach dem du die bluom verlore(n) hast. Aber wir uß gantzer reynigkeit und suessigkeit/ han die bluom für die frucht. [82r] Die bluom und frucht werde(n) in uns nit von einander gescheiden/ dan(n) uß honigsuesser reynigkeit und füchte wolriechender erhebung/ sin in uns die bluost und frucht ungeteylt worden. Jst im nit also/ der aller luterst dampff des ertrichs wechßt in bluende golt/ und der süß himmeltaw wechßt in edel gestein? Darumb sind rosen/ lilgen und bluomen bluende frücht. &amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Junckfrowschafft ist ein edel frucht.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weystu nit das die klar bluom und frucht der iunckfrowschafft/ flüßt mit reynikeit un(d) geschmack suesser tugenden? Daru(m)b ist die iungfrowschafft nymmer on bluost und frucht/ ia sy ist selbst die frucht. Also sichstu ist die heilige iungfrowschafft ein edel bluost der natur und tugent/ ein anmuetige bluom un(d) klarer schyn/ ein suesse frucht un(d) hübsche gezierd/ ein suesser geschmack und aller ding wirdig. Ja iunckfrowschafft ist ein kostbarlich edelgestein der natur un(d) der tugent/ sy ist ein unzerstoert band und ein himlische heyterkeit/ sy ist die hoechste messigkeit/ die volkummend überwindung und seygung des geists über das fleisch. Darumb wie ein wolschmeckende Roß und schynbare Lilg also ist heilige iungfrowschafft bluost un(d) frucht. Zuo irem suessen geschmack wirt lieblich gezoge(n) das Einhorn/ un(d) legt von jm alle grimmigkeit/ ia gibt sich glych gefange(n) solich geweltigs thier in den iunckfrowlichen schoß/ den(n) es allein der reynigkeit halb also ersamliche begert und ruow in jm hat. Jst nit die iungfrowschafft ein krefftiger Magnet/ der zuo jm zücht die natur? Ist sy nit ein wunderbarer Saphir/ der do vertrybt alle gifftige gespenst? Ist sy nit ein schoen gruener glitze(n)der Smaragd/ der ein liebhaber ist der unzerstoerten küscheit/ Und nit dulden mag unstetige zerstoerung gebürlicher glider?&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;white-space: pre; vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;B&#039;&#039;&#039;Ey ainem Feygenbaum sehr groß/&lt;br /&gt;
Wuochs auff ain Gilgen und ain Ros&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Dise hond ire Bletter weyt/&lt;br /&gt;
Außgebraittet in sonderheyt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Davon ain suesser Schmack zumal/&lt;br /&gt;
Lieblich davon gieng überal&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Als nun der Feygenbaum gemein/&lt;br /&gt;
Beraubet war der Bletter sein&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Yedoch Er von jm geben hett/&lt;br /&gt;
Ain bittere frucht an der stett&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sprach Er an auß mißgunnung gar/&lt;br /&gt;
Die Gilgen und die Rosen klar&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Vil Scheyn und Blue habt gehabt ir/&lt;br /&gt;
Wa seind Ewr Früchten zaigt die mir&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Es ist ain Thorhait und Unzucht/&lt;br /&gt;
Vil Blue haben und doch kain Frucht&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Die kluog Natur thuot hefften sich/&lt;br /&gt;
Jn die Frücht der Bluomen warlich&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
[296v] Hernach der Frucht halben Sy thuot/&lt;br /&gt;
Außbrechen in die Bluomen guot&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Als die Gilg und die Roß den grund/&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Die Unkeüschen verachten die Junckfrawen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
(Der Red) vermerkten zuo der stund&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Hond Sy dem Feygenbaum die wort/&lt;br /&gt;
Gar saenfft verantwurt an dem ort&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Und sprachen vorhin wissen wir/&lt;br /&gt;
Das die Bluo ist genommen dir&amp;amp;middot;&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Der Feygenbau(m) bluoet nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Von wegen deiner Begird fast/&lt;br /&gt;
Die du zuo dem Frucht bringen hast&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Darumb ist also die Red dein/&lt;br /&gt;
Du bringst wol guote Frucht so fein&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Doch in deiner Wurczel allzeit/&lt;br /&gt;
Steckt ain boese Naiglistigkeit&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Nach woellicher du hast verloren/&lt;br /&gt;
Die Edel Bluomen außerkoren&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Wir aber hond mit rainer zucht/&lt;br /&gt;
Allzeyt die Bluomen für die Frucht&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Die Bluom und die Frucht beede sander/&lt;br /&gt;
Werden bey uns nit von ainander&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Geschaiden/ Sonder überal/&lt;br /&gt;
Beysamen gefunden zumal&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Der aller beste Gschmack und Krafft/&lt;br /&gt;
Und Honig suesser rainer Safft&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Die thuond bey uns behalten wir/&lt;br /&gt;
Jn Blue und Früchten für und für&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Der aller beste dampff so klar/&lt;br /&gt;
Wechßt blueend in das Gold fürwar&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
[297r] Und des sueß Himelthaw so fein/&lt;br /&gt;
Wechßt in das klar Edel Gestain&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Darumb Rosen und Gilgen zart/&lt;br /&gt;
Seind blueend Frücht und guoter art&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Waist du nit das die klare frucht/&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalgrlosse: Junckfraschafft ist ain edle frucht&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der rainen Junckfraewlichen zucht&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Fleüßt allezeyt in jrer Jugent/&lt;br /&gt;
Darumb die Junckfrawschafft all frist/&lt;br /&gt;
Nimmer on Blue und Früchten ist&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Ja Sy ist selbst mit grossem fleyß/&lt;br /&gt;
Die Edel Frucht lieblicher weyß&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Junckfrawschafft ist vil besser noch/&lt;br /&gt;
Dann Edel Gstain kostlich und hoch&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sy ist ain unzerstoerlichs bandt/&lt;br /&gt;
Ain himelische Gab genandt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sy ist die hoechste Maessigkeit/&lt;br /&gt;
In allem Flaisch zuo aller zeit&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Wie ain schmeckende Gilgen krafft/&lt;br /&gt;
Also ist auch die Junckfrawschafft&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Zuo jrem suessen Gschmack erkoren/&lt;br /&gt;
Wirt dargezogen das Ainhoren&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Wirt von jrem Geruch bewegt/&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Man lißt/ dz des Ainhorn die ju(n)ckfrawschaft so lieb habe/ das es sein haubt in jr schoß legt/ on alle(n) schaden oder zoren&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das es sein Grimmigkait hinlegt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Ja gibt sich gefangen und bloß/&lt;br /&gt;
Der rainen Junckfraw in jr Schoß&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Dann es ain sollichen lust hat/&lt;br /&gt;
Zuo der Rainigkait fruo und spat&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
[297v] Jst nit die Junckfrawschafft so klar/&lt;br /&gt;
Ain Magnet starck und krefftig gar&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Der gegen jm zeücht für und für/&lt;br /&gt;
Jst Sy nit ain Edler Saphir&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Der da vertreibet alle Gifft/&lt;br /&gt;
Und alle boese Gspenst vergifft&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Ain glantzender Schmaragk allzeit/&lt;br /&gt;
Der liebt die unzerstoert Keüschheit&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Und das unflaetig duldet nicht/&lt;br /&gt;
So die zarten Glider zerbricht&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Morale&amp;amp;middot;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;A&#039;&#039;&#039;Uß der Fabel wirt uns bekandt/&lt;br /&gt;
Wie das ain Junckfraewlicher staedt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Die hoechste Gab auff Erden sey/&lt;br /&gt;
Ain wonung aller Tugent frey&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Wer Frawen oder Junckfraw schendt/&lt;br /&gt;
Der nimbt gwonlich ain boeses Endt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Als [Dina] Jacobs Tochter zart/&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Genesis 34&amp;amp;middot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Von (Hemors) Sun geschendet wart&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Umb dise that kamen zur Erdt/&lt;br /&gt;
All Sichemiten mit dem Schwerdt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sextus bezwang Lucretiam/&lt;br /&gt;
Des Rom in grossen schaden kam&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Seinen Vatter thet man verjagen/&lt;br /&gt;
Auch wurd Sextus darumb erschlagen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Ain Junckfraw hat nicht hoehers mehr/&lt;br /&gt;
Dann raine Junckfraewliche Ehr&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
[298r] Wer ain Junckfraw bezwingen thuot/&lt;br /&gt;
Der raubet jr das hoechste guot&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Des man weder mit Guot noch Gelt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Mag wenden in der gantzen Welt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Doctor Freydanck spricht dise wort/&lt;br /&gt;
Diser darff wagen auch ain Mordt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Woelcher Fraw oder Junckfraw zwingt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Nach besserem Er auch nit ringt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Miniaturen und gedruckte Bilder==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Cgm 254, 76v).png|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Cgm 254, 76v)&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Cgm 340, 116v).png|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Cgm 340, 116v)&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Mgf 459, 254v).png|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Mgf 459, 254v)&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Druck 1490, 109v).jpg|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Druck 1490, 109v)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Druck 1571, 296r).png|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Druck 1571, 296r)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verwandte Erzählstoffe==&lt;br /&gt;
===[[Dornbusch und Feigenbaum (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
Der Dornbusch rühmt sich vor dem Feigenbaum seiner frühen Blüte, der Feigenbaum aber weist auf seine Früchte hin, die besser seien als leere Blüten. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 81)&lt;br /&gt;
===[[Lorbeer, Ölbaum, Lärche, Palme und Feigenbaum (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
Lorbeer, Ölbaum, Lärche (Orangenbaum / Buchsbaum) und Palme erklären dem Feigenbaum, warum sie auch im Winter ihr Grün behalten. (Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, S. 480)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Quelle Fabel]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Rose,_Lilie_und_Feigenbaum_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20639</id>
		<title>Rose, Lilie und Feigenbaum (Erzählstoff)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Rose,_Lilie_und_Feigenbaum_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20639"/>
		<updated>2022-02-02T23:03:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: /* Deutsche Versionen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
| namen              = Rose, Lilie und Feigenbaum&lt;br /&gt;
| regest             = Der Feigenbaum fragt Rose und Lilie, warum sie Blüten aber keine Früchte tragen; sie verweisen auf ihre Jungfräulichkeit, in der es keinen Unterschied zwischen Blüte und Frucht gäbe. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 576)&lt;br /&gt;
| fassungen          = [[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. IV, 9&amp;lt;br /&amp;gt;[[Buch von der Weisheit]], Nr. IV, 9&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. IV, 9, Bl. 81v-82r&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 93, Bl. 295v-298r&lt;br /&gt;
| forschung          = [[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 576; [[Günthart, Romy (Hg.): Sebastian Münster, Spiegel der wyßheit]], Band 2, S. 134-137&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Lateinische Version (Cyrillus, Nr. IV, 9), 1. Hälfte 14. Jhd. ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die deutsche Tradition baut auf einer lateinischen Quelle auf (Cyrillus, Nr. IV, 9 ([https://archive.org/details/diebeidenltesten00grss/page/114/mode/2up Grässe, Johann Georg Theodor (Hg.): Die beiden ältesten lateinischen Fabelbücher des Mittelalters.] Tübingen 1880, S. 115f.)). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 232.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Übersetzung&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 233.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Proverbium ad laudem virginitatis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rosa et lilium iuxta ficulneam sunt exortae. Quae cum expandissent floribunda folia nitore splendentia ac rorem suavitatis manantia aromaticique odoris fragrantiam effudissent, et illa floris orbata luce acerbum in fructum pariter pullulasset, lacte quidem invidentiae pruriens, commota mox invectivam proposuit dicens: &amp;quot;Post tam amoenissimam rutilantiam floridam ubi fructus vestri intenta genitura finaliter? Sanum est quippe florere sine fructu. Ligat enim natura sagax fructum in flore et ob ipsum tam vernantissimum germinat in florem.&amp;quot; At illae mox radicem eloquii sentientes pacifica ratione dixerunt: &amp;quot;Bene scimus, quod propter pruritum generationis perdidisti gloriam floris et idcirco iam exspoliata es sie loquens; nempe fructum paris dulcissimum, sed tamen pateris in radice pruritum, quo florem amisisti, nobis autem ex plena puritate et suavitate substantiae flos ipse fructus est. Unde in nobis flos et fructus minime distinguitur, quoniam abundante nimis mellitae puritatis et odoriferae sublimitatis humore id ipsum factum est in nobis flos et fructus. Nonne vapor terrae purissimus totum floridum in aurum concrescit et ros dulcissimus caeli virginitate vernante margaritam congemmascit? Igitur rosa et lilium et flores fruetiferi et fructus floridi sunt. An nescivisti, quod virginitatis manantis puritate, aromate et suavitate virtus ipsa clarissimus flos est et fructus? Mirabile igitur germen virginitatis sine germine non est. Nunquam est fructus sine fructu, immo totus et ipse fructus est. Sic et sancta virginitas ipsum naturae et virtutis est germen pretiosissimum, flos amoenissimus et splendor clarissimus, fructus dulcissimus, decor praestantissimus, odor suavissimus, valor totus. Nimirum ipsa est naturae ac virtutis clarissima gemma, inviolata integritas, caelestina serenitas, summa temperantia, perfecta victoria spiritus super germen, gloria tota. Ut rosa igitur fragrans et lilium rutilans est sancta virginitas, flos et fructus, ad cuius quidem fragrantiam unicornis tractus suaviter currit, cuius dulcedine ferocitas mansuescit, cuius puritate eius tam valida delectata potestas quasi victa in nitido gremio virginali reverentialiter prostrata recumbit. O nimirum magnes nimiae validitatis virginitatis ad se trahens naturam! O saphirus mirabilis castitatis omnem fugans et destruens famam veneuosam! O smaragdus rutilans viriditatis, perpetua puritas, inviolatae integritatis amatrix, foetidam Veneris nullatenus patiens corruptelam!&amp;quot; Ad haec ficulnea stupefacta conticuit.&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Ein Beispiel zum Lob der Jungfräulichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Rose und eine Lilie wuchsen neben einem Feigenbaum. Diese hatten ihre Blütenblätter entfaltet, die glänzten und strahlten, über sie rann süßer Tau und sie hatten den Wohlgeruch eines aromatischen Duftes verströmt. Jener aber hatte ohne Blütenglanz zugleich eine unreife Frucht hervortreiben lassen und hielt aufgebracht bald darauf folgende Scheltrede, da er durch den Saft des Neides brannte: &amp;quot;Wo ist schließlich nach solche einem anmutigen Blütenglanz die erstrebte Nachkommenschaft eurer Frucht? Es ist freilich gescheit, ohne Frucht zu blühen. Es bindet nämlich die weise Natur die Frucht an die Blüte, und deswegen treibt sie eine so glänzende Blüte hervor.&amp;quot; Aber da jene die Quelle der Rede bemerkten, sprachen sie in friedlicher Absicht: &amp;quot;Wir wissen gut, daß du wegen der Begierde nach Nachkommenschaft die Zierde deiner Blüte verloren hast und deshalb so sprichst, weil du von jetzt an ihrer beraubt bist; du bringst freilich eine sehr süße Frucht hervor, aber dennoch duldest du an der Wurzel die Begierde, wodurch du die Blüte verloren hast; aber aufgrund der vollen Reinheit und Süße unseres Wesens ist die Blüte selbst die Frucht. Daher unterscheidet man bei uns keineswegs Blüte und Frucht, weil bei uns durch den überreich vorhandenen Pflanzensaft von überaus süßer Reinheit und wohlriechender Vorzüglichkeit gerade das zu Blüte und Frucht geworden ist. Verdichtet nicht die reinste Wärme der Erde alles Glänzende zu Gold und läßt nicht der süßeste Tau des Himmels eine Perle in Jugendlichkeit und Jungfräulichkeit entstehen? Daher sind Rose und Lilie sowohl fruchttragende Blüten als auch blühende Früchte. Wußtest du nicht, daß gerade die Tugend der Jungfräulichkeit, die sich mit Reinheit, Wohlgeruch und Süße verbreitet, die edelste Blüte und zugleich Frucht ist? Daher gibt es keinen wunderbaren Sproß der Jungfräulichkeit ohne einen Keim. Niemals gibt es eine Frucht ohne Frucht, sondern im Gegenteil ist die Frucht selbst alles. So ist auch die heilige Jungfräulichkeit selbst der kostbarste Sproß, die anmutigste Blume, der hellste Glanz, die süßeste Frucht, die vorzüglichste Zierde, der lieblichste Duft und der ganze Wert der Natur und der Tugend. Zweifellos ist sie selbst der hellste Edelstein der Natur und der Tugend, unverletzbare Unschuld, himmlische Reinheit, höchste Selbstbeherrschung, vollkommener Sieg des Geistes über den Trieb, vollkommener Ruhm. Wie die duftende Rose und die rötlich schimmernde Lilie ist die heilige Jungfräulichkeit Blüte und Frucht, von deren Duft angezogen das Einhorn sanft herbeiläuft. Durch ihre Süße wird seine Wildheit bezähmt und durch ihre Reinheit legt sich ehrerbietig seine so starke Kraft voll Freude gleichsam besiegt in den glänzenden Schoß der Jungfrau. Oh Magnet von zweifellos außerordentlicher Stärke der Jungfräulichkeit, der du die Natur anziehst! Oh Saphir von wunderbarer Reinheit, der du das ganze giftige Gerede vertreibst und vernichtest! Oh Smaragd, der du von Jugendkraft glänzest, immerwährende Reinheit, Freundin unverletzbarer Unschuld, die du in keiner Weise die schädliche Verführung der Venus duldest!&amp;quot; Auf diese Worte hin verstummte betrübt der Feigenbaum.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutsche Versionen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. IV, 9 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490)&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. IV, 9, Bl. 81v-82r&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 93, Bl. 295v-298r&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Den iunckfrauen zuo lobe&amp;amp;middot;&amp;lt;br /&amp;gt;Das &amp;amp;middot;ix&amp;amp;middot; Capitel&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Junckfrowschafft ist&#039;&#039;&#039; alles lobs wert/ das zeigt an dise fabel von der Rosen und Lilien. Cap. ix.&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Junckfrawschafft ist alles lobs werdt. Von der Rosen und Lilien.&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;Die drey und nünczigst Fabel &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[109vb] EIn Rosen und auch ein Gilgen dye wuochssen miteina(n)der bey einem feygenbaum&amp;amp;middot; und do der selb feygenbaum ir schoengeferbte pletter die irer farbe gar lustige warend und suessen taw miltiklich außgusse(n) mit wolriechendem schmack in die weytte  außpraitet&amp;amp;middot; Nu(n) waren doch die rosen un(d) auch die gilgen die sellben zeit außwendiklich ires scheines und irer plue genczlich un(d) gar beraubt und gruonten beide(n)halben dannocht allein zuo iren summerfrüchten als sy die frau die frey natur kund maysteren und layten&amp;amp;middot; Darnach ward der feyge(n)baum neydiklich erwegt und sprach in hohem muot d(er) Rosen und der gilgen zuo&amp;amp;middot; Sagt mir des bit ich eüch wo seind eür su(m)mer früchtt/ wo sihet man eüer fruchtigs gepern nach so plueenreicher zeit des freüde(n)reiche(n) maien die sich bis her v(er)lauffen hatt wz mag so eitel und so gar vernichtet sein als so sich plue erzayget der doch kei(n) frucht nachvolget/ wa(n)n die natur aller weyßheit maisterin v(er)pindt mit fleyß die frucht in d(er) pluome(n)/ daru(m)be so wirt die mayenreich plue vil ee gesehen und gepüret&amp;amp;middot; Und darnach erst dye frücht verstuonden [110ra] so gar schnaell das dye straff gefaerlich waz&amp;amp;middot; Un(d) das auch sy entspra(n)g und wuochs auß nediger wurczen&amp;amp;middot; Do sprachen sy züchtiklich/ wir wissen wol das du vo(n) deins geperens wegen das kiczlig an im selber ist die aller schoenesten pluomen der maegetlichen eren williklich verlorn hast un(d) seyt du der emploeßt bist so redestu auch wz du wilt nach ganczem deym willen/ damit du dein übetmuot&amp;lt;ref&amp;gt;übermuot?&amp;lt;/ref&amp;gt; erzaigest&amp;amp;middot; Auch wilttu nit erkennen das uns die pluom die frucht ist&amp;amp;middot; Und dasselb fleüßset auß übertraeffelicher reinikeite und suessikeit d(er) weselichen listikeit/ wann unser wesen steett also das an uns beyden die pluomen die frucht un(d) die frücht der pluomer ist und seind dye beyde an in selbs ein ainigs wesen&amp;amp;middot; darumb so ist kein underschayde d(er) frucht unnd auch der pluomen in uns wesenlich/ wa(n)n seyd die gancz feüchtikeit d(er) hoenigsuessen reinikeit und wolriechenden suesikeit überflüssige in uns seynd darumb so seind die beyde dye frucht und auch die pluom ein ainiges wesen&amp;amp;middot; Und dasselb ding sage du uns ob du das wayßt wie der aller reynest und lauterest tunst der auß der erden dringet sich in die plue verschlechte/ und verwandlet&amp;amp;middot; und darjnne(n) [110rb] wechßt&amp;amp;middot; Und der sueß himeltaw das edel un(d) das scheinreich perlin das schoen in keüscheit leücht verporgenlich adelt&amp;amp;middot; Daru(m)be so mügen wir wol sein die roß auch die gilge(n) gar fruchtig pluome(n) und pluome(n) der frucht&amp;amp;middot; Od(er) haßt du nie gehoert das die tugendtt die unverhalte(n) ju(n)ckfraeulicheitt die allzeit rayn und schmackhafte ist die clarest frucht und pluome mitenand(er) ist hie niden auff d(er) erden und in de(m) hoechsten reich Auch wiß hie&amp;amp;middot; Als wenig ei(n) fruchte on frucht mag sein als wenige mag d(er) saum der junckfraeulichen reinigkeit on samen sein/ wann junckfraeuliche reinigkeyt die ist die frucht auch d(er) saume d(er) tugent und d(er) natur die niema(n)t widerwegen mag&amp;amp;middot; Si ist die hochgültest saum d(er) pringet fruchte die hundertfeltige ist&amp;amp;middot; Sy istt die freüdenreichest pluom und d(er) allerklaerest schein so er in himel und auf erd mage gesehen werden&amp;amp;middot; Sy ist die allersuessest fruchte und ein zier über all zier Sy ist der aller senfftes geschmache und ein riechen daz in den himel dringet&amp;amp;middot; Sy ist ein krafft unnd ein vermügen daz sich den engelen geleichet&amp;amp;middot; Der ding aller laß dych nymmer wundern seyd sy ist der teürest stain unnd der aller costlichost darzuo istt&amp;amp;middot; In der [110va] Monstra(n)cz der tugent und der natur&amp;amp;middot; Sy ist on alles verrucken gancz sy ist die hymlisch hayter&amp;amp;middot; sy ist die höchst maessigkeyt/ sy ist der syg den niemant überwindet&amp;amp;middot; sy ist der geist d(er) de(m) fleysche herrschet&amp;amp;middot; sy ist die er/ sy istt die freüd&amp;amp;middot; sy ist gelück&amp;amp;middot; sy ist saellikeit und würd&amp;amp;middot; Darumb istt junckfraeulicheit die aller saeligeste heilikeit/ seyt sy ist die pluom mitsampt der frucht als die gilge und rosen ist die des riechens kreftige seind und des scheynes reich. Dz riechen zeühet senftiklichen mit suessen kreften an sich dz stolcz und frej ainhirn wie wilde das an im selber ist das seyn hochtragender muot und scharpffer zoren gezaempt und gestillet wirt&amp;amp;middot; O junckfraeliche reinigkeit wz mag sich dir geleychen Seyd das dz wild einhyrn das muotige ist und zorns vol unnd schnaell on all maß vonn deiner lautern reinikeit genoet un(d) zwu(n)gen wirt das es sich mit ga(n)czer gir in dein schoß beschleüßt&amp;amp;middot; Un(d) darjnn nach seym luft rastet&amp;amp;middot; O saphyr des teüren gelts d(er) wundersamen reinikeit d(er) ayter und das do gift ist wievil des ist zerbricht gewaltiklich&amp;amp;middot; O gruengeferbter schmaragd d(er) immerwerenden reinikeit&amp;amp;middot; Ein lyebhaber d(er) unverruckten keüscheyt d(ie) nit [110vb] leiden mage der stinckenden unkeusch schwaches werck&amp;amp;middot; Darmit geschwaig der feigenbaum der sich der frucht der er gepare gar üppiklichen geruempt hette und ließ von seinem gloriern&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;By einem Fygen&#039;&#039;&#039;baum sin uffgangen ein Roß und Lilig/ und han ire schynbare bletter wyt ußgespreyt/ dar von auch suesser taw mit anderem wolriechendem geschmack ußgeflossen ist. Do aber der fygenbaum beraubt ist gewesen der bletter/ un(d) doch ußgesprosselt het bittere frucht/ hat er uß mißgoennu(n)g also gesproche(n). Jr han ein groß schinbare bluost gehabt/ wo sind nuon üwer frücht? Jst es nit ein torheit/ blueen on frucht? Die kluge natur hefft die frucht in die bluomen/ und der frucht halb bricht sy uß in solich lustige bluomen.&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Die unkuesche(n) verachten die jungfrowen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als die Roß und Lilg vermerckt han den grund diser red/ haben sy senfftmuetigliche gesproche(n). Wir wissen wol/ das du von hitziger begird wegen zuo der geburt hast verloren die ere der bluomen/ darumb redst du also. Du gebirst wol suesse frucht aber hast doch in der wurtzel stecken ein boese neyglicheit nach dem du die bluom verlore(n) hast. Aber wir uß gantzer reynigkeit und suessigkeit/ han die bluom für die frucht. [82r] Die bluom und frucht werde(n) in uns nit von einander gescheiden/ dan(n) uß honigsuesser reynigkeit und füchte wolriechender erhebung/ sin in uns die bluost und frucht ungeteylt worden. Jst im nit also/ der aller luterst dampff des ertrichs wechßt in bluende golt/ und der süß himmeltaw wechßt in edel gestein? Darumb sind rosen/ lilgen und bluomen bluende frücht. &amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Junckfrowschafft ist ein edel frucht.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weystu nit das die klar bluom und frucht der iunckfrowschafft/ flüßt mit reynikeit un(d) geschmack suesser tugenden? Daru(m)b ist die iungfrowschafft nymmer on bluost und frucht/ ia sy ist selbst die frucht. Also sichstu ist die heilige iungfrowschafft ein edel bluost der natur und tugent/ ein anmuetige bluom un(d) klarer schyn/ ein suesse frucht un(d) hübsche gezierd/ ein suesser geschmack und aller ding wirdig. Ja iunckfrowschafft ist ein kostbarlich edelgestein der natur un(d) der tugent/ sy ist ein unzerstoert band und ein himlische heyterkeit/ sy ist die hoechste messigkeit/ die volkummend überwindung und seygung des geists über das fleisch. Darumb wie ein wolschmeckende Roß und schynbare Lilg also ist heilige iungfrowschafft bluost un(d) frucht. Zuo irem suessen geschmack wirt lieblich gezoge(n) das Einhorn/ un(d) legt von jm alle grimmigkeit/ ia gibt sich glych gefange(n) solich geweltigs thier in den iunckfrowlichen schoß/ den(n) es allein der reynigkeit halb also ersamliche begert und ruow in jm hat. Jst nit die iungfrowschafft ein krefftiger Magnet/ der zuo jm zücht die natur? Ist sy nit ein wunderbarer Saphir/ der do vertrybt alle gifftige gespenst? Ist sy nit ein schoen gruener glitze(n)der Smaragd/ der ein liebhaber ist der unzerstoerten küscheit/ Und nit dulden mag unstetige zerstoerung gebürlicher glider?&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;white-space: pre; vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;B&#039;&#039;&#039;Ey ainem Feygenbaum sehr groß/&lt;br /&gt;
Wuochs auff ain Gilgen und ain Ros&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Dise hond ire Bletter weyt/&lt;br /&gt;
Außgebraittet in sonderheyt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Davon ain suesser Schmack zumal/&lt;br /&gt;
Lieblich davon gieng überal&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Als nun der Feygenbaum gemein/&lt;br /&gt;
Beraubet war der Bletter sein&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Yedoch Er von jm geben hett/&lt;br /&gt;
Ain bittere frucht an der stett&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sprach Er an auß mißgunnung gar/&lt;br /&gt;
Die Gilgen und die Rosen klar&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Vil Scheyn und Blue habt gehabt ir/&lt;br /&gt;
Wa seind Ewr Früchten zaigt die mir&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Es ist ain Thorhait und Unzucht/&lt;br /&gt;
Vil Blue haben und doch kain Frucht&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Die kluog Natur thuot hefften sich/&lt;br /&gt;
Jn die Frücht der Bluomen warlich&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
[296v] Hernach der Frucht halben Sy thuot/&lt;br /&gt;
Außbrechen in die Bluomen guot&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Als die Gilg und die Roß den grund/&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Die Unkeüschen verachten die Junckfrawen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
(Der Red) vermerkten zuo der stund&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Hond Sy dem Feygenbaum die wort/&lt;br /&gt;
Gar saenfft verantwurt an dem ort&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Und sprachen vorhin wissen wir/&lt;br /&gt;
Das die Bluo ist genommen dir&amp;amp;middot;&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Der Feygenbau(m) bluoet nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Von wegen deiner Begird fast/&lt;br /&gt;
Die du zuo dem Frucht bringen hast&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Darumb ist also die Red dein/&lt;br /&gt;
Du bringst wol guote Frucht so fein&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Doch in deiner Wurczel allzeit/&lt;br /&gt;
Steckt ain boese Naiglistigkeit&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Nach woellicher du hast verloren/&lt;br /&gt;
Die Edel Bluomen außerkoren&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Wir aber hond mit rainer zucht/&lt;br /&gt;
Allzeyt die Bluomen für die Frucht&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Die Bluom und die Frucht beede sander/&lt;br /&gt;
Werden bey uns nit von ainander&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Geschaiden/ Sonder überal/&lt;br /&gt;
Beysamen gefunden zumal&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Der aller beste Gschmack und Krafft/&lt;br /&gt;
Und Honig suesser rainer Safft&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Die thuond bey uns behalten wir/&lt;br /&gt;
Jn Blue und Früchten für und für&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Der aller beste dampff so klar/&lt;br /&gt;
Wechßt blueend in das Gold fürwar&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
[297r] Und des sueß Himelthaw so fein/&lt;br /&gt;
Wechßt in das klar Edel Gestain&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Darumb Rosen und Gilgen zart/&lt;br /&gt;
Seind blueend Frücht und guoter art&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Waist du nit das die klare frucht/&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalgrlosse: Junckfraschafft ist ain edle frucht&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der rainen Junckfraewlichen zucht&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Fleüßt allezeyt in jrer Jugent/&lt;br /&gt;
Darumb die Junckfrawschafft all frist/&lt;br /&gt;
Nimmer on Blue und Früchten ist&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Ja Sy ist selbst mit grossem fleyß/&lt;br /&gt;
Die Edel Frucht lieblicher weyß&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Junckfrawschafft ist vil besser noch/&lt;br /&gt;
Dann Edel Gstain kostlich und hoch&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sy ist ain unzerstoerlichs bandt/&lt;br /&gt;
Ain himelische Gab genandt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sy ist die hoechste Maessigkeit/&lt;br /&gt;
In allem Flaisch zuo aller zeit&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Wie ain schmeckende Gilgen krafft/&lt;br /&gt;
Also ist auch die Junckfrawschafft&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Zuo jrem suessen Gschmack erkoren/&lt;br /&gt;
Wirt dargezogen das Ainhoren&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Wirt von jrem Geruch bewegt/&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Man lißt/ dz des Ainhorn die ju(n)ckfrawschaft so lieb habe/ das es sein haubt in jr schoß legt/ on alle(n) schaden oder zoren&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das es sein Grimmigkait hinlegt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Ja gibt sich gefangen und bloß/&lt;br /&gt;
Der rainen Junckfraw in jr Schoß&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Dann es ain sollichen lust hat/&lt;br /&gt;
Zuo der Rainigkait fruo und spat&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
[297v] Jst nit die Junckfrawschafft so klar/&lt;br /&gt;
Ain Magnet starck und krefftig gar&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Der gegen jm zeücht für und für/&lt;br /&gt;
Jst Sy nit ain Edler Saphir&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Der da vertreibet alle Gifft/&lt;br /&gt;
Und alle boese Gspenst vergifft&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Ain glantzender Schmaragk allzeit/&lt;br /&gt;
Der liebt die unzerstoert Keüschheit&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Und das unflaetig duldet nicht/&lt;br /&gt;
So die zarten Glider zerbricht&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Morale&amp;amp;middot;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;A&#039;&#039;&#039;Uß der Fabel wirt uns bekandt/&lt;br /&gt;
Wie das ain Junckfraewlicher staedt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Die hoechste Gab auff Erden sey/&lt;br /&gt;
Ain wonung aller Tugent frey&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Wer Frawen oder Junckfraw schendt/&lt;br /&gt;
Der nimbt gwonlich ain boeses Endt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Als [Dina] Jacobs Tochter zart/&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Genesis 34&amp;amp;middot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Von (Hemors) Sun geschendet wart&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Umb dise that kamen zur Erdt/&lt;br /&gt;
All Sichemiten mit dem Schwerdt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sextus bezwang Lucretiam/&lt;br /&gt;
Des Rom in grossen schaden kam&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Seinen Vatter thet man verjagen/&lt;br /&gt;
Auch wurd Sextus darumb erschlagen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Ain Junckfraw hat nicht hoehers mehr/&lt;br /&gt;
Dann raine Junckfraewliche Ehr&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
[298r] Wer ain Junckfraw bezwingen thuot/&lt;br /&gt;
Der raubet jr das hoechste guot&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Des man weder mit Guot noch Gelt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Mag wenden in der gantzen Welt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Doctor Freydanck spricht dise wort/&lt;br /&gt;
Diser darff wagen auch ain Mordt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Woelcher Fraw oder Junckfraw zwingt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Nach besserem Er auch nit ringt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Miniaturen und gedruckte Bilder==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Cgm 254, 76v).png|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Cgm 254, 76v)&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Cgm 340, 116v).png|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Cgm 340, 116v)&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Mgf 459, 254v).png|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Mgf 459, 254v)&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Druck 1490, 109v).jpg|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Druck 1490, 109v)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Druck 1571, 296r).png|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Druck 1571, 296r)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verwandte Erzählstoffe==&lt;br /&gt;
===[[Dornbusch und Feigenbaum (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
Der Dornbusch rühmt sich vor dem Feigenbaum seiner frühen Blüte, der Feigenbaum aber weist auf seine Früchte hin, die besser seien als leere Blüten. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 81)&lt;br /&gt;
===[[Lorbeer, Ölbaum, Lärche, Palme und Feigenbaum (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
Lorbeer, Ölbaum, Lärche (Orangenbaum / Buchsbaum) und Palme erklären dem Feigenbaum, warum sie auch im Winter ihr Grün behalten. (Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, S. 480)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Quelle Fabel]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Rose,_Lilie_und_Feigenbaum_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20638</id>
		<title>Rose, Lilie und Feigenbaum (Erzählstoff)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Rose,_Lilie_und_Feigenbaum_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20638"/>
		<updated>2022-02-02T21:35:19Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: /* Deutsche Versionen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
| namen              = Rose, Lilie und Feigenbaum&lt;br /&gt;
| regest             = Der Feigenbaum fragt Rose und Lilie, warum sie Blüten aber keine Früchte tragen; sie verweisen auf ihre Jungfräulichkeit, in der es keinen Unterschied zwischen Blüte und Frucht gäbe. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 576)&lt;br /&gt;
| fassungen          = [[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. IV, 9&amp;lt;br /&amp;gt;[[Buch von der Weisheit]], Nr. IV, 9&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. IV, 9, Bl. 81v-82r&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 93, Bl. 295v-298r&lt;br /&gt;
| forschung          = [[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 576; [[Günthart, Romy (Hg.): Sebastian Münster, Spiegel der wyßheit]], Band 2, S. 134-137&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Lateinische Version (Cyrillus, Nr. IV, 9), 1. Hälfte 14. Jhd. ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die deutsche Tradition baut auf einer lateinischen Quelle auf (Cyrillus, Nr. IV, 9 ([https://archive.org/details/diebeidenltesten00grss/page/114/mode/2up Grässe, Johann Georg Theodor (Hg.): Die beiden ältesten lateinischen Fabelbücher des Mittelalters.] Tübingen 1880, S. 115f.)). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 232.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Übersetzung&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 233.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Proverbium ad laudem virginitatis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rosa et lilium iuxta ficulneam sunt exortae. Quae cum expandissent floribunda folia nitore splendentia ac rorem suavitatis manantia aromaticique odoris fragrantiam effudissent, et illa floris orbata luce acerbum in fructum pariter pullulasset, lacte quidem invidentiae pruriens, commota mox invectivam proposuit dicens: &amp;quot;Post tam amoenissimam rutilantiam floridam ubi fructus vestri intenta genitura finaliter? Sanum est quippe florere sine fructu. Ligat enim natura sagax fructum in flore et ob ipsum tam vernantissimum germinat in florem.&amp;quot; At illae mox radicem eloquii sentientes pacifica ratione dixerunt: &amp;quot;Bene scimus, quod propter pruritum generationis perdidisti gloriam floris et idcirco iam exspoliata es sie loquens; nempe fructum paris dulcissimum, sed tamen pateris in radice pruritum, quo florem amisisti, nobis autem ex plena puritate et suavitate substantiae flos ipse fructus est. Unde in nobis flos et fructus minime distinguitur, quoniam abundante nimis mellitae puritatis et odoriferae sublimitatis humore id ipsum factum est in nobis flos et fructus. Nonne vapor terrae purissimus totum floridum in aurum concrescit et ros dulcissimus caeli virginitate vernante margaritam congemmascit? Igitur rosa et lilium et flores fruetiferi et fructus floridi sunt. An nescivisti, quod virginitatis manantis puritate, aromate et suavitate virtus ipsa clarissimus flos est et fructus? Mirabile igitur germen virginitatis sine germine non est. Nunquam est fructus sine fructu, immo totus et ipse fructus est. Sic et sancta virginitas ipsum naturae et virtutis est germen pretiosissimum, flos amoenissimus et splendor clarissimus, fructus dulcissimus, decor praestantissimus, odor suavissimus, valor totus. Nimirum ipsa est naturae ac virtutis clarissima gemma, inviolata integritas, caelestina serenitas, summa temperantia, perfecta victoria spiritus super germen, gloria tota. Ut rosa igitur fragrans et lilium rutilans est sancta virginitas, flos et fructus, ad cuius quidem fragrantiam unicornis tractus suaviter currit, cuius dulcedine ferocitas mansuescit, cuius puritate eius tam valida delectata potestas quasi victa in nitido gremio virginali reverentialiter prostrata recumbit. O nimirum magnes nimiae validitatis virginitatis ad se trahens naturam! O saphirus mirabilis castitatis omnem fugans et destruens famam veneuosam! O smaragdus rutilans viriditatis, perpetua puritas, inviolatae integritatis amatrix, foetidam Veneris nullatenus patiens corruptelam!&amp;quot; Ad haec ficulnea stupefacta conticuit.&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Ein Beispiel zum Lob der Jungfräulichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Rose und eine Lilie wuchsen neben einem Feigenbaum. Diese hatten ihre Blütenblätter entfaltet, die glänzten und strahlten, über sie rann süßer Tau und sie hatten den Wohlgeruch eines aromatischen Duftes verströmt. Jener aber hatte ohne Blütenglanz zugleich eine unreife Frucht hervortreiben lassen und hielt aufgebracht bald darauf folgende Scheltrede, da er durch den Saft des Neides brannte: &amp;quot;Wo ist schließlich nach solche einem anmutigen Blütenglanz die erstrebte Nachkommenschaft eurer Frucht? Es ist freilich gescheit, ohne Frucht zu blühen. Es bindet nämlich die weise Natur die Frucht an die Blüte, und deswegen treibt sie eine so glänzende Blüte hervor.&amp;quot; Aber da jene die Quelle der Rede bemerkten, sprachen sie in friedlicher Absicht: &amp;quot;Wir wissen gut, daß du wegen der Begierde nach Nachkommenschaft die Zierde deiner Blüte verloren hast und deshalb so sprichst, weil du von jetzt an ihrer beraubt bist; du bringst freilich eine sehr süße Frucht hervor, aber dennoch duldest du an der Wurzel die Begierde, wodurch du die Blüte verloren hast; aber aufgrund der vollen Reinheit und Süße unseres Wesens ist die Blüte selbst die Frucht. Daher unterscheidet man bei uns keineswegs Blüte und Frucht, weil bei uns durch den überreich vorhandenen Pflanzensaft von überaus süßer Reinheit und wohlriechender Vorzüglichkeit gerade das zu Blüte und Frucht geworden ist. Verdichtet nicht die reinste Wärme der Erde alles Glänzende zu Gold und läßt nicht der süßeste Tau des Himmels eine Perle in Jugendlichkeit und Jungfräulichkeit entstehen? Daher sind Rose und Lilie sowohl fruchttragende Blüten als auch blühende Früchte. Wußtest du nicht, daß gerade die Tugend der Jungfräulichkeit, die sich mit Reinheit, Wohlgeruch und Süße verbreitet, die edelste Blüte und zugleich Frucht ist? Daher gibt es keinen wunderbaren Sproß der Jungfräulichkeit ohne einen Keim. Niemals gibt es eine Frucht ohne Frucht, sondern im Gegenteil ist die Frucht selbst alles. So ist auch die heilige Jungfräulichkeit selbst der kostbarste Sproß, die anmutigste Blume, der hellste Glanz, die süßeste Frucht, die vorzüglichste Zierde, der lieblichste Duft und der ganze Wert der Natur und der Tugend. Zweifellos ist sie selbst der hellste Edelstein der Natur und der Tugend, unverletzbare Unschuld, himmlische Reinheit, höchste Selbstbeherrschung, vollkommener Sieg des Geistes über den Trieb, vollkommener Ruhm. Wie die duftende Rose und die rötlich schimmernde Lilie ist die heilige Jungfräulichkeit Blüte und Frucht, von deren Duft angezogen das Einhorn sanft herbeiläuft. Durch ihre Süße wird seine Wildheit bezähmt und durch ihre Reinheit legt sich ehrerbietig seine so starke Kraft voll Freude gleichsam besiegt in den glänzenden Schoß der Jungfrau. Oh Magnet von zweifellos außerordentlicher Stärke der Jungfräulichkeit, der du die Natur anziehst! Oh Saphir von wunderbarer Reinheit, der du das ganze giftige Gerede vertreibst und vernichtest! Oh Smaragd, der du von Jugendkraft glänzest, immerwährende Reinheit, Freundin unverletzbarer Unschuld, die du in keiner Weise die schädliche Verführung der Venus duldest!&amp;quot; Auf diese Worte hin verstummte betrübt der Feigenbaum.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutsche Versionen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. IV, 9 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490)&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. IV, 9, Bl. 81v-82r&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 93, Bl. 295v-298r&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Den iunckfrauen zuo lobe&amp;amp;middot;&amp;lt;br /&amp;gt;Das &amp;amp;middot;ix&amp;amp;middot; Capitel&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Junckfrowschafft ist&#039;&#039;&#039; alles lobs wert/ das zeigt an dise fabel von der Rosen und Lilien. Cap. ix.&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Junckfrawschafft ist alles lobs werdt. Von der Rosen und Lilien.&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;Die drey und nünczigst Fabel &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[109vb] EIn Rosen und auch ein Gilgen dye wuochssen miteina(n)der bey einem feygenbaum&amp;amp;middot; und do der selb feygenbaum ir schoengeferbte pletter die irer farbe gar lustige warend und suessen taw miltiklich außgusse(n) mit wolriechendem schmack in die weytte  außpraitet&amp;amp;middot; Nu(n) waren doch die rosen un(d) auch die gilgen die sellben zeit außwendiklich ires scheines und irer plue genczlich un(d) gar beraubt und gruonten beide(n)halben dannocht allein zuo iren summerfrüchten als sy die frau die frey natur kund maysteren und layten&amp;amp;middot; Darnach ward der feyge(n)baum neydiklich erwegt und sprach in hohem muot d(er) Rosen und der gilgen zuo&amp;amp;middot; Sagt mir des bit ich eüch wo seind eür su(m)mer früchtt/ wo sihet man eüer fruchtigs gepern nach so plueenreicher zeit des freüde(n)reiche(n) maien die sich bis her v(er)lauffen hatt wz mag so eitel und so gar vernichtet sein als so sich plue erzayget der doch kei(n) frucht nachvolget/ wa(n)n die natur aller weyßheit maisterin v(er)pindt mit fleyß die frucht in d(er) pluome(n)/ daru(m)be so wirt die mayenreich plue vil ee gesehen und gepüret&amp;amp;middot; Und darnach erst dye frücht verstuonden [110ra] so gar schnaell das dye straff gefaerlich waz&amp;amp;middot; Un(d) das auch sy entspra(n)g und wuochs auß nediger wurczen&amp;amp;middot; Do sprachen sy züchtiklich/ wir wissen wol das du vo(n) deins geperens wegen das kiczlig an im selber ist die aller schoenesten pluomen der maegetlichen eren williklich verlorn hast un(d) seyt du der emploeßt bist so redestu auch wz du wilt nach ganczem deym willen/ damit du dein übetmuot&amp;lt;ref&amp;gt;übermuot?&amp;lt;/ref&amp;gt; erzaigest&amp;amp;middot; Auch wilttu nit erkennen das uns die pluom die frucht ist&amp;amp;middot; Und dasselb fleüßset auß übertraeffelicher reinikeite und suessikeit d(er) weselichen listikeit/ wann unser wesen steett also das an uns beyden die pluomen die frucht un(d) die frücht der pluomer ist und seind dye beyde an in selbs ein ainigs wesen&amp;amp;middot; darumb so ist kein underschayde d(er) frucht unnd auch der pluomen in uns wesenlich/ wa(n)n seyd die gancz feüchtikeit d(er) hoenigsuessen reinikeit und wolriechenden suesikeit überflüssige in uns seynd darumb so seind die beyde dye frucht und auch die pluom ein ainiges wesen&amp;amp;middot; Und dasselb ding sage du uns ob du das wayßt wie der aller reynest und lauterest tunst der auß der erden dringet sich in die plue verschlechte/ und verwandlet&amp;amp;middot; und darjnne(n) [110rb] wechßt&amp;amp;middot; Und der sueß himeltaw das edel un(d) das scheinreich perlin das schoen in keüscheit leücht verporgenlich adelt&amp;amp;middot; Daru(m)be so mügen wir wol sein die roß auch die gilge(n) gar fruchtig pluome(n) und pluome(n) der frucht&amp;amp;middot; Od(er) haßt du nie gehoert das die tugendtt die unverhalte(n) ju(n)ckfraeulicheitt die allzeit rayn und schmackhafte ist die clarest frucht und pluome mitenand(er) ist hie niden auff d(er) erden und in de(m) hoechsten reich Auch wiß hie&amp;amp;middot; Als wenig ei(n) fruchte on frucht mag sein als wenige mag d(er) saum der junckfraeulichen reinigkeit on samen sein/ wann junckfraeuliche reinigkeyt die ist die frucht auch d(er) saume d(er) tugent und d(er) natur die niema(n)t widerwegen mag&amp;amp;middot; Si ist die hochgültest saum d(er) pringet fruchte die hundertfeltige ist&amp;amp;middot; Sy istt die freüdenreichest pluom und d(er) allerklaerest schein so er in himel und auf erd mage gesehen werden&amp;amp;middot; Sy ist die allersuessest fruchte und ein zier über all zier Sy ist der aller senfftes geschmache und ein riechen daz in den himel dringet&amp;amp;middot; Sy ist ein krafft unnd ein vermügen daz sich den engelen geleichet&amp;amp;middot; Der ding aller laß dych nymmer wundern seyd sy ist der teürest stain unnd der aller costlichost darzuo istt&amp;amp;middot; In der [110va] Monstra(n)cz der tugent und der natur&amp;amp;middot; Sy ist on alles verrucken gancz sy ist die hymlisch hayter&amp;amp;middot; sy ist die höchst maessigkeyt/ sy ist der syg den niemant überwindet&amp;amp;middot; sy ist der geist d(er) de(m) fleysche herrschet&amp;amp;middot; sy ist die er/ sy istt die freüd&amp;amp;middot; sy ist gelück&amp;amp;middot; sy ist saellikeit und würd&amp;amp;middot; Darumb istt junckfraeulicheit die aller saeligeste heilikeit/ seyt sy ist die pluom mitsampt der frucht als die gilge und rosen ist die des riechens kreftige seind und des scheynes reich. Dz riechen zeühet senftiklichen mit suessen kreften an sich dz stolcz und frei ainhirn wie wilde das an im selber ist das seyn hochtragender muot und scharpffer zoren gezaempt und gestillet wirt&amp;amp;middot; O junckfraeliche reinigkeit wz mag sich dir geleychen Seyd das dz wild einhyrn das muotige ist und zorns vol unnd schnaell on all maß vonn deiner lautern reinikeit genoet un(d) zwu(n)gen wirt das es sich mit ga(n)czer gir in dein schoß beschleüßt&amp;amp;middot; Un(d) darjnn nach seym luft rastet&amp;amp;middot; O saphyr des teüren gelts d(er) wundersamen reinikeit d(er) ayter und das do gift ist wievil des ist zerbricht gewaltiklich&amp;amp;middot; O gruengeferbter schmaragd d(er) immerwerenden reinikeit&amp;amp;middot; Ein lyebhaber d(er) unverruckten keüscheyt d(ie) nit [110vb] leiden mage der stinckenden unkeusch schwaches werck&amp;amp;middot; Darmit geschwaig der feigenbaum der sich der frucht der er gepare gar üppiklichen geruempt hette und ließ von seinem gloriern&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;By einem Fygen&#039;&#039;&#039;baum sin uffgangen ein Roß und Lilig/ und han ire schynbare bletter wyt ußgespreyt/ dar von auch suesser taw mit anderem wolriechendem geschmack ußgeflossen ist. Do aber der fygenbaum beraubt ist gewesen der bletter/ un(d) doch ußgesprosselt het bittere frucht/ hat er uß mißgoennu(n)g also gesproche(n). Jr han ein groß schinbare bluost gehabt/ wo sind nuon üwer frücht? Jst es nit ein torheit/ blueen on frucht? Die kluge natur hefft die frucht in die bluomen/ und der frucht halb bricht sy uß in solich lustige bluomen.&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Die unkuesche(n) verachten die jungfrowen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als die Roß und Lilg vermerckt han den grund diser red/ haben sy senfftmuetigliche gesproche(n). Wir wissen wol/ das du von hitziger begird wegen zuo der geburt hast verloren die ere der bluomen/ darumb redst du also. Du gebirst wol suesse frucht aber hast doch in der wurtzel stecken ein boese neyglicheit nach dem du die bluom verlore(n) hast. Aber wir uß gantzer reynigkeit und suessigkeit/ han die bluom für die frucht. [82r] Die bluom und frucht werde(n) in uns nit von einander gescheiden/ dan(n) uß honigsuesser reynigkeit und füchte wolriechender erhebung/ sin in uns die bluost und frucht ungeteylt worden. Jst im nit also/ der aller luterst dampff des ertrichs wechßt in bluende golt/ und der süß himmeltaw wechßt in edel gestein? Darumb sind rosen/ lilgen und bluomen bluende frücht. &amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Junckfrowschafft ist ein edel frucht.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weystu nit das die klar bluom und frucht der iunckfrowschafft/ flüßt mit reynikeit un(d) geschmack suesser tugenden? Daru(m)b ist die iungfrowschafft nymmer on bluost und frucht/ ia sy ist selbst die frucht. Also sichstu ist die heilige iungfrowschafft ein edel bluost der natur und tugent/ ein anmuetige bluom un(d) klarer schyn/ ein suesse frucht un(d) hübsche gezierd/ ein suesser geschmack und aller ding wirdig. Ja iunckfrowschafft ist ein kostbarlich edelgestein der natur un(d) der tugent/ sy ist ein unzerstoert band und ein himlische heyterkeit/ sy ist die hoechste messigkeit/ die volkummend überwindung und seygung des geists über das fleisch. Darumb wie ein wolschmeckende Roß und schynbare Lilg also ist heilige iungfrowschafft bluost un(d) frucht. Zuo irem suessen geschmack wirt lieblich gezoge(n) das Einhorn/ un(d) legt von jm alle grimmigkeit/ ia gibt sich glych gefange(n) solich geweltigs thier in den iunckfrowlichen schoß/ den(n) es allein der reynigkeit halb also ersamliche begert und ruow in jm hat. Jst nit die iungfrowschafft ein krefftiger Magnet/ der zuo jm zücht die natur? Ist sy nit ein wunderbarer Saphir/ der do vertrybt alle gifftige gespenst? Ist sy nit ein schoen gruener glitze(n)der Smaragd/ der ein liebhaber ist der unzerstoerten küscheit/ Und nit dulden mag unstetige zerstoerung gebürlicher glider?&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;white-space: pre; vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;B&#039;&#039;&#039;Ey ainem Feygenbaum sehr groß/&lt;br /&gt;
Wuochs auff ain Gilgen und ain Ros&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Dise hond ire Bletter weyt/&lt;br /&gt;
Außgebraittet in sonderheyt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Davon ain suesser Schmack zumal/&lt;br /&gt;
Lieblich davon gieng überal&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Als nun der Feygenbaum gemein/&lt;br /&gt;
Beraubet war der Bletter sein&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Yedoch Er von jm geben hett/&lt;br /&gt;
Ain bittere frucht an der stett&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sprach Er an auß mißgunnung gar/&lt;br /&gt;
Die Gilgen und die Rosen klar&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Vil Scheyn und Blue habt gehabt ir/&lt;br /&gt;
Wa seind Ewr Früchten zaigt die mir&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Es ist ain Thorhait und Unzucht/&lt;br /&gt;
Vil Blue haben und doch kain Frucht&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Die kluog Natur thuot hefften sich/&lt;br /&gt;
Jn die Frücht der Bluomen warlich&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
[296v] Hernach der Frucht halben Sy thuot/&lt;br /&gt;
Außbrechen in die Bluomen guot&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Als die Gilg und die Roß den grund/&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Die Unkeüschen verachten die Junckfrawen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
(Der Red) vermerkten zuo der stund&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Hond Sy dem Feygenbaum die wort/&lt;br /&gt;
Gar saenfft verantwurt an dem ort&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Und sprachen vorhin wissen wir/&lt;br /&gt;
Das die Bluo ist genommen dir&amp;amp;middot;&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Der Feygenbau(m) bluoet nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Von wegen deiner Begird fast/&lt;br /&gt;
Die du zuo dem Frucht bringen hast&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Darumb ist also die Red dein/&lt;br /&gt;
Du bringst wol guote Frucht so fein&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Doch in deiner Wurczel allzeit/&lt;br /&gt;
Steckt ain boese Naiglistigkeit&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Nach woellicher du hast verloren/&lt;br /&gt;
Die Edel Bluomen außerkoren&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Wir aber hond mit rainer zucht/&lt;br /&gt;
Allzeyt die Bluomen für die Frucht&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Die Bluom und die Frucht beede sander/&lt;br /&gt;
Werden bey uns nit von ainander&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Geschaiden/ Sonder überal/&lt;br /&gt;
Beysamen gefunden zumal&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Der aller beste Gschmack und Krafft/&lt;br /&gt;
Und Honig suesser rainer Safft&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Die thuond bey uns behalten wir/&lt;br /&gt;
Jn Blue und Früchten für und für&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Der aller beste dampff so klar/&lt;br /&gt;
Wechßt blueend in das Gold fürwar&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
[297r] Und des sueß Himelthaw so fein/&lt;br /&gt;
Wechßt in das klar Edel Gestain&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Darumb Rosen und Gilgen zart/&lt;br /&gt;
Seind blueend Frücht und guoter art&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Waist du nit das die klare frucht/&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalgrlosse: Junckfraschafft ist ain edle frucht&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der rainen Junckfraewlichen zucht&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Fleüßt allezeyt in jrer Jugent/&lt;br /&gt;
Darumb die Junckfrawschafft all frist/&lt;br /&gt;
Nimmer on Blue und Früchten ist&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Ja Sy ist selbst mit grossem fleyß/&lt;br /&gt;
Die Edel Frucht lieblicher weyß&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Junckfrawschafft ist vil besser noch/&lt;br /&gt;
Dann Edel Gstain kostlich und hoch&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sy ist ain unzerstoerlichs bandt/&lt;br /&gt;
Ain himelische Gab genandt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sy ist die hoechste Maessigkeit/&lt;br /&gt;
In allem Flaisch zuo aller zeit&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Wie ain schmeckende Gilgen krafft/&lt;br /&gt;
Also ist auch die Junckfrawschafft&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Zuo jrem suessen Gschmack erkoren/&lt;br /&gt;
Wirt dargezogen das Ainhoren&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Wirt von jrem Geruch bewegt/&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Man lißt/ dz des Ainhorn die ju(n)ckfrawschaft so lieb habe/ das es sein haubt in jr schoß legt/ on alle(n) schaden oder zoren&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das es sein Grimmigkait hinlegt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Ja gibt sich gefangen und bloß/&lt;br /&gt;
Der rainen Junckfraw in jr Schoß&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Dann es ain sollichen lust hat/&lt;br /&gt;
Zuo der Rainigkait fruo und spat&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
[297v] Jst nit die Junckfrawschafft so klar/&lt;br /&gt;
Ain Magnet starck und krefftig gar&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Der gegen jm zeücht für und für/&lt;br /&gt;
Jst Sy nit ain Edler Saphir&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Der da vertreibet alle Gifft/&lt;br /&gt;
Und alle boese Gspenst vergifft&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Ain glantzender Schmaragk allzeit/&lt;br /&gt;
Der liebt die unzerstoert Keüschheit&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Und das unflaetig duldet nicht/&lt;br /&gt;
So die zarten Glider zerbricht&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Morale&amp;amp;middot;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;A&#039;&#039;&#039;Uß der Fabel wirt uns bekandt/&lt;br /&gt;
Wie das ain Junckfraewlicher staedt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Die hoechste Gab auff Erden sey/&lt;br /&gt;
Ain wonung aller Tugent frey&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Wer Frawen oder Junckfraw schendt/&lt;br /&gt;
Der nimbt gwonlich ain boeses Endt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Als [Dina] Jacobs Tochter zart/&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Genesis 34&amp;amp;middot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Von (Hemors) Sun geschendet wart&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Umb dise that kamen zur Erdt/&lt;br /&gt;
All Sichemiten mit dem Schwerdt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sextus bezwang Lucretiam/&lt;br /&gt;
Des Rom in grossen schaden kam&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Seinen Vatter thet man verjagen/&lt;br /&gt;
Auch wurd Sextus darumb erschlagen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Ain Junckfraw hat nicht hoehers mehr/&lt;br /&gt;
Dann raine Junckfraewliche Ehr&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
[298r] Wer ain Junckfraw bezwingen thuot/&lt;br /&gt;
Der raubet jr das hoechste guot&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Des man weder mit Guot noch Gelt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Mag wenden in der gantzen Welt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Doctor Freydanck spricht dise wort/&lt;br /&gt;
Diser darff wagen auch ain Mordt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Woelcher Fraw oder Junckfraw zwingt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Nach besserem Er auch nit ringt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Miniaturen und gedruckte Bilder==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Cgm 254, 76v).png|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Cgm 254, 76v)&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Cgm 340, 116v).png|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Cgm 340, 116v)&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Mgf 459, 254v).png|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Mgf 459, 254v)&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Druck 1490, 109v).jpg|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Druck 1490, 109v)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Druck 1571, 296r).png|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Druck 1571, 296r)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verwandte Erzählstoffe==&lt;br /&gt;
===[[Dornbusch und Feigenbaum (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
Der Dornbusch rühmt sich vor dem Feigenbaum seiner frühen Blüte, der Feigenbaum aber weist auf seine Früchte hin, die besser seien als leere Blüten. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 81)&lt;br /&gt;
===[[Lorbeer, Ölbaum, Lärche, Palme und Feigenbaum (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
Lorbeer, Ölbaum, Lärche (Orangenbaum / Buchsbaum) und Palme erklären dem Feigenbaum, warum sie auch im Winter ihr Grün behalten. (Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, S. 480)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Quelle Fabel]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Rose,_Lilie_und_Feigenbaum_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20637</id>
		<title>Rose, Lilie und Feigenbaum (Erzählstoff)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Rose,_Lilie_und_Feigenbaum_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20637"/>
		<updated>2022-02-02T21:31:08Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: /* Deutsche Versionen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
| namen              = Rose, Lilie und Feigenbaum&lt;br /&gt;
| regest             = Der Feigenbaum fragt Rose und Lilie, warum sie Blüten aber keine Früchte tragen; sie verweisen auf ihre Jungfräulichkeit, in der es keinen Unterschied zwischen Blüte und Frucht gäbe. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 576)&lt;br /&gt;
| fassungen          = [[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. IV, 9&amp;lt;br /&amp;gt;[[Buch von der Weisheit]], Nr. IV, 9&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. IV, 9, Bl. 81v-82r&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 93, Bl. 295v-298r&lt;br /&gt;
| forschung          = [[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 576; [[Günthart, Romy (Hg.): Sebastian Münster, Spiegel der wyßheit]], Band 2, S. 134-137&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Lateinische Version (Cyrillus, Nr. IV, 9), 1. Hälfte 14. Jhd. ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die deutsche Tradition baut auf einer lateinischen Quelle auf (Cyrillus, Nr. IV, 9 ([https://archive.org/details/diebeidenltesten00grss/page/114/mode/2up Grässe, Johann Georg Theodor (Hg.): Die beiden ältesten lateinischen Fabelbücher des Mittelalters.] Tübingen 1880, S. 115f.)). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 232.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Übersetzung&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 233.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Proverbium ad laudem virginitatis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rosa et lilium iuxta ficulneam sunt exortae. Quae cum expandissent floribunda folia nitore splendentia ac rorem suavitatis manantia aromaticique odoris fragrantiam effudissent, et illa floris orbata luce acerbum in fructum pariter pullulasset, lacte quidem invidentiae pruriens, commota mox invectivam proposuit dicens: &amp;quot;Post tam amoenissimam rutilantiam floridam ubi fructus vestri intenta genitura finaliter? Sanum est quippe florere sine fructu. Ligat enim natura sagax fructum in flore et ob ipsum tam vernantissimum germinat in florem.&amp;quot; At illae mox radicem eloquii sentientes pacifica ratione dixerunt: &amp;quot;Bene scimus, quod propter pruritum generationis perdidisti gloriam floris et idcirco iam exspoliata es sie loquens; nempe fructum paris dulcissimum, sed tamen pateris in radice pruritum, quo florem amisisti, nobis autem ex plena puritate et suavitate substantiae flos ipse fructus est. Unde in nobis flos et fructus minime distinguitur, quoniam abundante nimis mellitae puritatis et odoriferae sublimitatis humore id ipsum factum est in nobis flos et fructus. Nonne vapor terrae purissimus totum floridum in aurum concrescit et ros dulcissimus caeli virginitate vernante margaritam congemmascit? Igitur rosa et lilium et flores fruetiferi et fructus floridi sunt. An nescivisti, quod virginitatis manantis puritate, aromate et suavitate virtus ipsa clarissimus flos est et fructus? Mirabile igitur germen virginitatis sine germine non est. Nunquam est fructus sine fructu, immo totus et ipse fructus est. Sic et sancta virginitas ipsum naturae et virtutis est germen pretiosissimum, flos amoenissimus et splendor clarissimus, fructus dulcissimus, decor praestantissimus, odor suavissimus, valor totus. Nimirum ipsa est naturae ac virtutis clarissima gemma, inviolata integritas, caelestina serenitas, summa temperantia, perfecta victoria spiritus super germen, gloria tota. Ut rosa igitur fragrans et lilium rutilans est sancta virginitas, flos et fructus, ad cuius quidem fragrantiam unicornis tractus suaviter currit, cuius dulcedine ferocitas mansuescit, cuius puritate eius tam valida delectata potestas quasi victa in nitido gremio virginali reverentialiter prostrata recumbit. O nimirum magnes nimiae validitatis virginitatis ad se trahens naturam! O saphirus mirabilis castitatis omnem fugans et destruens famam veneuosam! O smaragdus rutilans viriditatis, perpetua puritas, inviolatae integritatis amatrix, foetidam Veneris nullatenus patiens corruptelam!&amp;quot; Ad haec ficulnea stupefacta conticuit.&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Ein Beispiel zum Lob der Jungfräulichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Rose und eine Lilie wuchsen neben einem Feigenbaum. Diese hatten ihre Blütenblätter entfaltet, die glänzten und strahlten, über sie rann süßer Tau und sie hatten den Wohlgeruch eines aromatischen Duftes verströmt. Jener aber hatte ohne Blütenglanz zugleich eine unreife Frucht hervortreiben lassen und hielt aufgebracht bald darauf folgende Scheltrede, da er durch den Saft des Neides brannte: &amp;quot;Wo ist schließlich nach solche einem anmutigen Blütenglanz die erstrebte Nachkommenschaft eurer Frucht? Es ist freilich gescheit, ohne Frucht zu blühen. Es bindet nämlich die weise Natur die Frucht an die Blüte, und deswegen treibt sie eine so glänzende Blüte hervor.&amp;quot; Aber da jene die Quelle der Rede bemerkten, sprachen sie in friedlicher Absicht: &amp;quot;Wir wissen gut, daß du wegen der Begierde nach Nachkommenschaft die Zierde deiner Blüte verloren hast und deshalb so sprichst, weil du von jetzt an ihrer beraubt bist; du bringst freilich eine sehr süße Frucht hervor, aber dennoch duldest du an der Wurzel die Begierde, wodurch du die Blüte verloren hast; aber aufgrund der vollen Reinheit und Süße unseres Wesens ist die Blüte selbst die Frucht. Daher unterscheidet man bei uns keineswegs Blüte und Frucht, weil bei uns durch den überreich vorhandenen Pflanzensaft von überaus süßer Reinheit und wohlriechender Vorzüglichkeit gerade das zu Blüte und Frucht geworden ist. Verdichtet nicht die reinste Wärme der Erde alles Glänzende zu Gold und läßt nicht der süßeste Tau des Himmels eine Perle in Jugendlichkeit und Jungfräulichkeit entstehen? Daher sind Rose und Lilie sowohl fruchttragende Blüten als auch blühende Früchte. Wußtest du nicht, daß gerade die Tugend der Jungfräulichkeit, die sich mit Reinheit, Wohlgeruch und Süße verbreitet, die edelste Blüte und zugleich Frucht ist? Daher gibt es keinen wunderbaren Sproß der Jungfräulichkeit ohne einen Keim. Niemals gibt es eine Frucht ohne Frucht, sondern im Gegenteil ist die Frucht selbst alles. So ist auch die heilige Jungfräulichkeit selbst der kostbarste Sproß, die anmutigste Blume, der hellste Glanz, die süßeste Frucht, die vorzüglichste Zierde, der lieblichste Duft und der ganze Wert der Natur und der Tugend. Zweifellos ist sie selbst der hellste Edelstein der Natur und der Tugend, unverletzbare Unschuld, himmlische Reinheit, höchste Selbstbeherrschung, vollkommener Sieg des Geistes über den Trieb, vollkommener Ruhm. Wie die duftende Rose und die rötlich schimmernde Lilie ist die heilige Jungfräulichkeit Blüte und Frucht, von deren Duft angezogen das Einhorn sanft herbeiläuft. Durch ihre Süße wird seine Wildheit bezähmt und durch ihre Reinheit legt sich ehrerbietig seine so starke Kraft voll Freude gleichsam besiegt in den glänzenden Schoß der Jungfrau. Oh Magnet von zweifellos außerordentlicher Stärke der Jungfräulichkeit, der du die Natur anziehst! Oh Saphir von wunderbarer Reinheit, der du das ganze giftige Gerede vertreibst und vernichtest! Oh Smaragd, der du von Jugendkraft glänzest, immerwährende Reinheit, Freundin unverletzbarer Unschuld, die du in keiner Weise die schädliche Verführung der Venus duldest!&amp;quot; Auf diese Worte hin verstummte betrübt der Feigenbaum.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutsche Versionen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. IV, 9 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490)&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. IV, 9, Bl. 81v-82r&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 93, Bl. 295v-298r&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Den iunckfrauen zuo lobe&amp;amp;middot;&amp;lt;br /&amp;gt;Das &amp;amp;middot;ix&amp;amp;middot; Capitel&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Junckfrowschafft ist&#039;&#039;&#039; alles lobs wert/ das zeigt an dise fabel von der Rosen und Lilien. Cap. ix.&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Junckfrawschafft ist alles lobs werdt. Von der Rosen und Lilien.&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;Die drey und nünczigst Fabel &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[109vb] EIn Rosen und auch ein Gilgen dye wuochssen miteina(n)der bey einem feygenbaum&amp;amp;middot; und do der selb feygenbaum ir schoengeferbte pletter die irer farbe gar lustige warend und suessen taw miltiklich außgusse(n) mit wolriechendem schmack in die weytte  außpraitet&amp;amp;middot; Nu(n) waren doch die rosen un(d) auch die gilgen die sellben zeit außwendiklich ires scheines und irer plue genczlich un(d) gar beraubt und gruonten beide(n)halben dannocht allein zuo iren summerfrüchten als sy die frau die frey natur kund maysteren und layten&amp;amp;middot; Darnach ward der feyge(n)baum neydiklich erwegt und sprach in hohem muot d(er) Rosen und der gilgen zuo&amp;amp;middot; Sagt mir des bit ich eüch wo seind eür su(m)mer früchtt/ wo sihet man eüer fruchtigs gepern nach so plueenreicher zeit des freüde(n)reiche(n) maien die sich bis her v(er)lauffen hatt wz mag so eitel und so gar vernichtet sein als so sich plue erzayget der doch kei(n) frucht nachvolget/ wa(n)n die natur aller weyßheit maisterin v(er)pindt mit fleyß die frucht in d(er) pluome(n)/ daru(m)be so wirt die mayenreich plue vil ee gesehen und gepüret&amp;amp;middot; Und darnach erst dye frücht verstuonden [110ra] so gar schnaell das dye straff gefaerlich waz&amp;amp;middot; Un(d) das auch sy entspra(n)g und wuochs auß nediger wurczen&amp;amp;middot; Do sprachen sy züchtiklich/ wir wissen wol das du vo(n) deins geperens wegen das kiczlig an im selber ist die aller schoenesten pluomen der maegetlichen eren williklich verlorn hast un(d) seyt du der emploeßt bist so redestu auch wz du wilt nach ganczem deym willen/ damit du dein übetmuot&amp;lt;ref&amp;gt;übermuot?&amp;lt;/ref&amp;gt; erzaigest&amp;amp;middot; Auch wilttu nit erkennen das uns die pluom die frucht ist&amp;amp;middot; Und dasselb fleüßset auß übertraeffelicher reinikeite und suessikeit d(er) weselichen listikeit/ wann unser wesen steett also das an uns beyden die pluomen die frucht un(d) die frücht der pluomer ist und seind dye beyde an in selbs ein ainigs wesen&amp;amp;middot; darumb so ist kein underschayde d(er) frucht unnd auch der pluomen in uns wesenlich/ wa(n)n seyd die gancz feüchtikeit d(er) hoenigsuessen reinikeit und wolriechenden suesikeit überflüssige in uns seynd darumb so seind die beyde dye frucht und auch die pluom ein ainiges wesen&amp;amp;middot; Und dasselb ding sage du uns ob du das wayßt wie der aller reynest und lauterest tunst der auß der erden dringet sich in die plue verschlechte/ und verwandlet&amp;amp;middot; und darjnne(n) [110rb] wechßt&amp;amp;middot; Und der sueß himeltaw das edel un(d) das scheinreich perlin das schoen in keüscheit leücht verporgenlich adelt&amp;amp;middot; Daru(m)be so mügen wir wol sein die roß auch die gilge(n) gar fruchtig pluome(n) und pluome(n) der frucht&amp;amp;middot; Od(er) haßt du nie gehoert das die tugendtt die unverhalte(n) ju(n)ckfraeulicheitt die allzeit rayn und schmackhafte ist die clarest frucht und pluome mitenand(er) ist hie niden auff d(er) erden und in de(m) hoechsten reich Auch wiß hie&amp;amp;middot; Als wenig ei(n) fruchte on frucht mag sein als wenige mag d(er) saum der junckfraeulichen reinigkeit on samen sein/ wann junckfraeuliche reinigkeyt die ist die frucht auch d(er) saume d(er) tugent und d(er) natur die niema(n)t widerwegen mag&amp;amp;middot; Si ist die hochgültest saum d(er) pringet fruchte die hundertfeltige ist&amp;amp;middot; Sy istt die freüdenreichest pluom und d(er) allerklaerest schein so er in himel und auf erd mage gesehen werden&amp;amp;middot; Sy ist die allersuessest fruchte und ein zier über all zier Sy ist der aller senfftes geschmache und ein riechen daz in den himel dringet&amp;amp;middot; Sy ist ein krafft unnd ein vermügen daz sich den engelen geleichet&amp;amp;middot; Der ding aller laß dych nymmer wundern seyd sy ist der teürest stain unnd der aller costlichost darzuo istt&amp;amp;middot; In der [110va] Monstra(n)cz der tugent und der natur&amp;amp;middot; Sy ist on alles verrucken gancz sy ist die hymlisch hayter&amp;amp;middot; sy ist die höchst maessigkeyt/ sy ist der syg den niemant überwindet&amp;amp;middot; sy ist der geist d(er) de(m) fleysche herrschet&amp;amp;middot; sy ist die er/ sy istt die freüd&amp;amp;middot; sy ist gelück&amp;amp;middot; sy ist sällikeit und würd&amp;amp;middot; Darumb istt junckfraeulicheit die aller saeligeste heilikeit/ seyt sy ist die pluom mitsampt der frucht als die gilge und rosen ist die des riechens kreftige seind und des scheynes reich. Dz riechen zeühet senftiklichen mit suessen kreften an sich dz stolcz und frei ainhirn wie wilde das an im selber ist das seyn hochtragender muot und scharpffer zoren gezaempt und gestillet wirt&amp;amp;middot; O junckfraeliche reinigkeit wz mag sich dir geleychen Seyd das dz wild einhyrn das muotige ist und zorns vol unnd schnaell on all maß vonn deiner lautern reinikeit genoet un(d) zwu(n)gen wirt das es sich mit ga(n)czer gir in dein schoß beschleüßt&amp;amp;middot; Un(d) darjnn nach seym luft rastet&amp;amp;middot; O saphyr des teüren gelts d(er) wundersamen reinikeit d(er) ayter und das do gift ist wievil des ist zerbricht gewaltiklich&amp;amp;middot; O gruengeferbter schmaragd d(er) immerwerenden reinikeit&amp;amp;middot; Ein lyebhaber d(er) unverruckten keüscheyt d(ie) nit [110vb] leiden mage der stinckenden unkeusch schwaches werck&amp;amp;middot; Darmit geschwaig der feigenbaum der sich der frucht der er gepare gar üppiklichen geruempt hette und ließ von seinem gloriern&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;By einem Fygen&#039;&#039;&#039;baum sin uffgangen ein Roß und Lilig/ und han ire schynbare bletter wyt ußgespreyt/ dar von auch suesser taw mit anderem wolriechendem geschmack ußgeflossen ist. Do aber der fygenbaum beraubt ist gewesen der bletter/ un(d) doch ußgesprosselt het bittere frucht/ hat er uß mißgoennu(n)g also gesproche(n). Jr han ein groß schinbare bluost gehabt/ wo sind nuon üwer frücht? Jst es nit ein torheit/ blueen on frucht? Die kluge natur hefft die frucht in die bluomen/ und der frucht halb bricht sy uß in solich lustige bluomen.&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Die unkuesche(n) verachten die jungfrowen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als die Roß und Lilg vermerckt han den grund diser red/ haben sy senfftmuetigliche gesproche(n). Wir wissen wol/ das du von hitziger begird wegen zuo der geburt hast verloren die ere der bluomen/ darumb redst du also. Du gebirst wol suesse frucht aber hast doch in der wurtzel stecken ein boese neyglicheit nach dem du die bluom verlore(n) hast. Aber wir uß gantzer reynigkeit und suessigkeit/ han die bluom für die frucht. [82r] Die bluom und frucht werde(n) in uns nit von einander gescheiden/ dan(n) uß honigsuesser reynigkeit und füchte wolriechender erhebung/ sin in uns die bluost und frucht ungeteylt worden. Jst im nit also/ der aller luterst dampff des ertrichs wechßt in bluende golt/ und der süß himmeltaw wechßt in edel gestein? Darumb sind rosen/ lilgen und bluomen bluende frücht. &amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Junckfrowschafft ist ein edel frucht.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weystu nit das die klar bluom und frucht der iunckfrowschafft/ flüßt mit reynikeit un(d) geschmack suesser tugenden? Daru(m)b ist die iungfrowschafft nymmer on bluost und frucht/ ia sy ist selbst die frucht. Also sichstu ist die heilige iungfrowschafft ein edel bluost der natur und tugent/ ein anmuetige bluom un(d) klarer schyn/ ein suesse frucht un(d) hübsche gezierd/ ein suesser geschmack und aller ding wirdig. Ja iunckfrowschafft ist ein kostbarlich edelgestein der natur un(d) der tugent/ sy ist ein unzerstoert band und ein himlische heyterkeit/ sy ist die hoechste messigkeit/ die volkummend überwindung und seygung des geists über das fleisch. Darumb wie ein wolschmeckende Roß und schynbare Lilg also ist heilige iungfrowschafft bluost un(d) frucht. Zuo irem suessen geschmack wirt lieblich gezoge(n) das Einhorn/ un(d) legt von jm alle grimmigkeit/ ia gibt sich glych gefange(n) solich geweltigs thier in den iunckfrowlichen schoß/ den(n) es allein der reynigkeit halb also ersamliche begert und ruow in jm hat. Jst nit die iungfrowschafft ein krefftiger Magnet/ der zuo jm zücht die natur? Ist sy nit ein wunderbarer Saphir/ der do vertrybt alle gifftige gespenst? Ist sy nit ein schoen gruener glitze(n)der Smaragd/ der ein liebhaber ist der unzerstoerten küscheit/ Und nit dulden mag unstetige zerstoerung gebürlicher glider?&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;white-space: pre; vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;B&#039;&#039;&#039;Ey ainem Feygenbaum sehr groß/&lt;br /&gt;
Wuochs auff ain Gilgen und ain Ros&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Dise hond ire Bletter weyt/&lt;br /&gt;
Außgebraittet in sonderheyt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Davon ain suesser Schmack zumal/&lt;br /&gt;
Lieblich davon gieng überal&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Als nun der Feygenbaum gemein/&lt;br /&gt;
Beraubet war der Bletter sein&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Yedoch Er von jm geben hett/&lt;br /&gt;
Ain bittere frucht an der stett&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sprach Er an auß mißgunnung gar/&lt;br /&gt;
Die Gilgen und die Rosen klar&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Vil Scheyn und Blue habt gehabt ir/&lt;br /&gt;
Wa seind Ewr Früchten zaigt die mir&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Es ist ain Thorhait und Unzucht/&lt;br /&gt;
Vil Blue haben und doch kain Frucht&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Die kluog Natur thuot hefften sich/&lt;br /&gt;
Jn die Frücht der Bluomen warlich&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
[296v] Hernach der Frucht halben Sy thuot/&lt;br /&gt;
Außbrechen in die Bluomen guot&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Als die Gilg und die Roß den grund/&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Die Unkeüschen verachten die Junckfrawen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
(Der Red) vermerkten zuo der stund&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Hond Sy dem Feygenbaum die wort/&lt;br /&gt;
Gar saenfft verantwurt an dem ort&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Und sprachen vorhin wissen wir/&lt;br /&gt;
Das die Bluo ist genommen dir&amp;amp;middot;&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Der Feygenbau(m) bluoet nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Von wegen deiner Begird fast/&lt;br /&gt;
Die du zuo dem Frucht bringen hast&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Darumb ist also die Red dein/&lt;br /&gt;
Du bringst wol guote Frucht so fein&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Doch in deiner Wurczel allzeit/&lt;br /&gt;
Steckt ain boese Naiglistigkeit&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Nach woellicher du hast verloren/&lt;br /&gt;
Die Edel Bluomen außerkoren&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Wir aber hond mit rainer zucht/&lt;br /&gt;
Allzeyt die Bluomen für die Frucht&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Die Bluom und die Frucht beede sander/&lt;br /&gt;
Werden bey uns nit von ainander&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Geschaiden/ Sonder überal/&lt;br /&gt;
Beysamen gefunden zumal&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Der aller beste Gschmack und Krafft/&lt;br /&gt;
Und Honig suesser rainer Safft&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Die thuond bey uns behalten wir/&lt;br /&gt;
Jn Blue und Früchten für und für&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Der aller beste dampff so klar/&lt;br /&gt;
Wechßt blueend in das Gold fürwar&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
[297r] Und des sueß Himelthaw so fein/&lt;br /&gt;
Wechßt in das klar Edel Gestain&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Darumb Rosen und Gilgen zart/&lt;br /&gt;
Seind blueend Frücht und guoter art&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Waist du nit das die klare frucht/&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalgrlosse: Junckfraschafft ist ain edle frucht&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der rainen Junckfraewlichen zucht&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Fleüßt allezeyt in jrer Jugent/&lt;br /&gt;
Darumb die Junckfrawschafft all frist/&lt;br /&gt;
Nimmer on Blue und Früchten ist&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Ja Sy ist selbst mit grossem fleyß/&lt;br /&gt;
Die Edel Frucht lieblicher weyß&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Junckfrawschafft ist vil besser noch/&lt;br /&gt;
Dann Edel Gstain kostlich und hoch&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sy ist ain unzerstoerlichs bandt/&lt;br /&gt;
Ain himelische Gab genandt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sy ist die hoechste Maessigkeit/&lt;br /&gt;
In allem Flaisch zuo aller zeit&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Wie ain schmeckende Gilgen krafft/&lt;br /&gt;
Also ist auch die Junckfrawschafft&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Zuo jrem suessen Gschmack erkoren/&lt;br /&gt;
Wirt dargezogen das Ainhoren&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Wirt von jrem Geruch bewegt/&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Man lißt/ dz des Ainhorn die ju(n)ckfrawschaft so lieb habe/ das es sein haubt in jr schoß legt/ on alle(n) schaden oder zoren&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das es sein Grimmigkait hinlegt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Ja gibt sich gefangen und bloß/&lt;br /&gt;
Der rainen Junckfraw in jr Schoß&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Dann es ain sollichen lust hat/&lt;br /&gt;
Zuo der Rainigkait fruo und spat&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
[297v] Jst nit die Junckfrawschafft so klar/&lt;br /&gt;
Ain Magnet starck und krefftig gar&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Der gegen jm zeücht für und für/&lt;br /&gt;
Jst Sy nit ain Edler Saphir&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Der da vertreibet alle Gifft/&lt;br /&gt;
Und alle boese Gspenst vergifft&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Ain glantzender Schmaragk allzeit/&lt;br /&gt;
Der liebt die unzerstoert Keüschheit&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Und das unflaetig duldet nicht/&lt;br /&gt;
So die zarten Glider zerbricht&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Morale&amp;amp;middot;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;A&#039;&#039;&#039;Uß der Fabel wirt uns bekandt/&lt;br /&gt;
Wie das ain Junckfraewlicher staedt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Die hoechste Gab auff Erden sey/&lt;br /&gt;
Ain wonung aller Tugent frey&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Wer Frawen oder Junckfraw schendt/&lt;br /&gt;
Der nimbt gwonlich ain boeses Endt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Als [Dina] Jacobs Tochter zart/&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Genesis 34&amp;amp;middot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Von (Hemors) Sun geschendet wart&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Umb dise that kamen zur Erdt/&lt;br /&gt;
All Sichemiten mit dem Schwerdt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sextus bezwang Lucretiam/&lt;br /&gt;
Des Rom in grossen schaden kam&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Seinen Vatter thet man verjagen/&lt;br /&gt;
Auch wurd Sextus darumb erschlagen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Ain Junckfraw hat nicht hoehers mehr/&lt;br /&gt;
Dann raine Junckfraewliche Ehr&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
[298r] Wer ain Junckfraw bezwingen thuot/&lt;br /&gt;
Der raubet jr das hoechste guot&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Des man weder mit Guot noch Gelt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Mag wenden in der gantzen Welt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Doctor Freydanck spricht dise wort/&lt;br /&gt;
Diser darff wagen auch ain Mordt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Woelcher Fraw oder Junckfraw zwingt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Nach besserem Er auch nit ringt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Miniaturen und gedruckte Bilder==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Cgm 254, 76v).png|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Cgm 254, 76v)&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Cgm 340, 116v).png|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Cgm 340, 116v)&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Mgf 459, 254v).png|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Mgf 459, 254v)&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Druck 1490, 109v).jpg|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Druck 1490, 109v)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Druck 1571, 296r).png|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Druck 1571, 296r)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verwandte Erzählstoffe==&lt;br /&gt;
===[[Dornbusch und Feigenbaum (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
Der Dornbusch rühmt sich vor dem Feigenbaum seiner frühen Blüte, der Feigenbaum aber weist auf seine Früchte hin, die besser seien als leere Blüten. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 81)&lt;br /&gt;
===[[Lorbeer, Ölbaum, Lärche, Palme und Feigenbaum (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
Lorbeer, Ölbaum, Lärche (Orangenbaum / Buchsbaum) und Palme erklären dem Feigenbaum, warum sie auch im Winter ihr Grün behalten. (Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, S. 480)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Quelle Fabel]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Rose,_Lilie_und_Feigenbaum_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20636</id>
		<title>Rose, Lilie und Feigenbaum (Erzählstoff)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Rose,_Lilie_und_Feigenbaum_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20636"/>
		<updated>2022-02-02T21:26:00Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: /* Deutsche Versionen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
| namen              = Rose, Lilie und Feigenbaum&lt;br /&gt;
| regest             = Der Feigenbaum fragt Rose und Lilie, warum sie Blüten aber keine Früchte tragen; sie verweisen auf ihre Jungfräulichkeit, in der es keinen Unterschied zwischen Blüte und Frucht gäbe. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 576)&lt;br /&gt;
| fassungen          = [[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. IV, 9&amp;lt;br /&amp;gt;[[Buch von der Weisheit]], Nr. IV, 9&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. IV, 9, Bl. 81v-82r&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 93, Bl. 295v-298r&lt;br /&gt;
| forschung          = [[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 576; [[Günthart, Romy (Hg.): Sebastian Münster, Spiegel der wyßheit]], Band 2, S. 134-137&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Lateinische Version (Cyrillus, Nr. IV, 9), 1. Hälfte 14. Jhd. ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die deutsche Tradition baut auf einer lateinischen Quelle auf (Cyrillus, Nr. IV, 9 ([https://archive.org/details/diebeidenltesten00grss/page/114/mode/2up Grässe, Johann Georg Theodor (Hg.): Die beiden ältesten lateinischen Fabelbücher des Mittelalters.] Tübingen 1880, S. 115f.)). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 232.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Übersetzung&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 233.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Proverbium ad laudem virginitatis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rosa et lilium iuxta ficulneam sunt exortae. Quae cum expandissent floribunda folia nitore splendentia ac rorem suavitatis manantia aromaticique odoris fragrantiam effudissent, et illa floris orbata luce acerbum in fructum pariter pullulasset, lacte quidem invidentiae pruriens, commota mox invectivam proposuit dicens: &amp;quot;Post tam amoenissimam rutilantiam floridam ubi fructus vestri intenta genitura finaliter? Sanum est quippe florere sine fructu. Ligat enim natura sagax fructum in flore et ob ipsum tam vernantissimum germinat in florem.&amp;quot; At illae mox radicem eloquii sentientes pacifica ratione dixerunt: &amp;quot;Bene scimus, quod propter pruritum generationis perdidisti gloriam floris et idcirco iam exspoliata es sie loquens; nempe fructum paris dulcissimum, sed tamen pateris in radice pruritum, quo florem amisisti, nobis autem ex plena puritate et suavitate substantiae flos ipse fructus est. Unde in nobis flos et fructus minime distinguitur, quoniam abundante nimis mellitae puritatis et odoriferae sublimitatis humore id ipsum factum est in nobis flos et fructus. Nonne vapor terrae purissimus totum floridum in aurum concrescit et ros dulcissimus caeli virginitate vernante margaritam congemmascit? Igitur rosa et lilium et flores fruetiferi et fructus floridi sunt. An nescivisti, quod virginitatis manantis puritate, aromate et suavitate virtus ipsa clarissimus flos est et fructus? Mirabile igitur germen virginitatis sine germine non est. Nunquam est fructus sine fructu, immo totus et ipse fructus est. Sic et sancta virginitas ipsum naturae et virtutis est germen pretiosissimum, flos amoenissimus et splendor clarissimus, fructus dulcissimus, decor praestantissimus, odor suavissimus, valor totus. Nimirum ipsa est naturae ac virtutis clarissima gemma, inviolata integritas, caelestina serenitas, summa temperantia, perfecta victoria spiritus super germen, gloria tota. Ut rosa igitur fragrans et lilium rutilans est sancta virginitas, flos et fructus, ad cuius quidem fragrantiam unicornis tractus suaviter currit, cuius dulcedine ferocitas mansuescit, cuius puritate eius tam valida delectata potestas quasi victa in nitido gremio virginali reverentialiter prostrata recumbit. O nimirum magnes nimiae validitatis virginitatis ad se trahens naturam! O saphirus mirabilis castitatis omnem fugans et destruens famam veneuosam! O smaragdus rutilans viriditatis, perpetua puritas, inviolatae integritatis amatrix, foetidam Veneris nullatenus patiens corruptelam!&amp;quot; Ad haec ficulnea stupefacta conticuit.&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Ein Beispiel zum Lob der Jungfräulichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Rose und eine Lilie wuchsen neben einem Feigenbaum. Diese hatten ihre Blütenblätter entfaltet, die glänzten und strahlten, über sie rann süßer Tau und sie hatten den Wohlgeruch eines aromatischen Duftes verströmt. Jener aber hatte ohne Blütenglanz zugleich eine unreife Frucht hervortreiben lassen und hielt aufgebracht bald darauf folgende Scheltrede, da er durch den Saft des Neides brannte: &amp;quot;Wo ist schließlich nach solche einem anmutigen Blütenglanz die erstrebte Nachkommenschaft eurer Frucht? Es ist freilich gescheit, ohne Frucht zu blühen. Es bindet nämlich die weise Natur die Frucht an die Blüte, und deswegen treibt sie eine so glänzende Blüte hervor.&amp;quot; Aber da jene die Quelle der Rede bemerkten, sprachen sie in friedlicher Absicht: &amp;quot;Wir wissen gut, daß du wegen der Begierde nach Nachkommenschaft die Zierde deiner Blüte verloren hast und deshalb so sprichst, weil du von jetzt an ihrer beraubt bist; du bringst freilich eine sehr süße Frucht hervor, aber dennoch duldest du an der Wurzel die Begierde, wodurch du die Blüte verloren hast; aber aufgrund der vollen Reinheit und Süße unseres Wesens ist die Blüte selbst die Frucht. Daher unterscheidet man bei uns keineswegs Blüte und Frucht, weil bei uns durch den überreich vorhandenen Pflanzensaft von überaus süßer Reinheit und wohlriechender Vorzüglichkeit gerade das zu Blüte und Frucht geworden ist. Verdichtet nicht die reinste Wärme der Erde alles Glänzende zu Gold und läßt nicht der süßeste Tau des Himmels eine Perle in Jugendlichkeit und Jungfräulichkeit entstehen? Daher sind Rose und Lilie sowohl fruchttragende Blüten als auch blühende Früchte. Wußtest du nicht, daß gerade die Tugend der Jungfräulichkeit, die sich mit Reinheit, Wohlgeruch und Süße verbreitet, die edelste Blüte und zugleich Frucht ist? Daher gibt es keinen wunderbaren Sproß der Jungfräulichkeit ohne einen Keim. Niemals gibt es eine Frucht ohne Frucht, sondern im Gegenteil ist die Frucht selbst alles. So ist auch die heilige Jungfräulichkeit selbst der kostbarste Sproß, die anmutigste Blume, der hellste Glanz, die süßeste Frucht, die vorzüglichste Zierde, der lieblichste Duft und der ganze Wert der Natur und der Tugend. Zweifellos ist sie selbst der hellste Edelstein der Natur und der Tugend, unverletzbare Unschuld, himmlische Reinheit, höchste Selbstbeherrschung, vollkommener Sieg des Geistes über den Trieb, vollkommener Ruhm. Wie die duftende Rose und die rötlich schimmernde Lilie ist die heilige Jungfräulichkeit Blüte und Frucht, von deren Duft angezogen das Einhorn sanft herbeiläuft. Durch ihre Süße wird seine Wildheit bezähmt und durch ihre Reinheit legt sich ehrerbietig seine so starke Kraft voll Freude gleichsam besiegt in den glänzenden Schoß der Jungfrau. Oh Magnet von zweifellos außerordentlicher Stärke der Jungfräulichkeit, der du die Natur anziehst! Oh Saphir von wunderbarer Reinheit, der du das ganze giftige Gerede vertreibst und vernichtest! Oh Smaragd, der du von Jugendkraft glänzest, immerwährende Reinheit, Freundin unverletzbarer Unschuld, die du in keiner Weise die schädliche Verführung der Venus duldest!&amp;quot; Auf diese Worte hin verstummte betrübt der Feigenbaum.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutsche Versionen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. IV, 9 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490)&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. IV, 9, Bl. 81v-82r&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 93, Bl. 295v-298r&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Den iunckfrauen zuo lobe&amp;amp;middot;&amp;lt;br /&amp;gt;Das &amp;amp;middot;ix&amp;amp;middot; Capitel&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Junckfrowschafft ist&#039;&#039;&#039; alles lobs wert/ das zeigt an dise fabel von der Rosen und Lilien. Cap. ix.&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Junckfrawschafft ist alles lobs werdt. Von der Rosen und Lilien.&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;Die drey und nünczigst Fabel &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[109vb] EIn Rosen und auch ein Gilgen dye wuochssen miteina(n)der bey einem feygenbaum&amp;amp;middot; und do der selb feygenbaum ir schoengeferbte pletter die irer farbe gar lustige warend und suessen taw miltiklich außgusse(n) mit wolriechendem schmack in die weytte  außpraitet&amp;amp;middot; Nu(n) waren doch die rosen un(d) auch die gilgen die sellben zeit außwendiklich ires scheines und irer plue genczlich un(d) gar beraubt und gruonten beide(n)halben dannocht allein zuo iren summerfrüchten als sy die frau die frey natur kund maysteren und layten&amp;amp;middot; Darnach ward der feyge(n)baum neydiklich erwegt und sprach in hohem muot d(er) Rosen und der gilgen zuo&amp;amp;middot; Sagt mir des bit ich eüch wo seind eür su(m)mer früchtt/ wo sihet man eüer fruchtigs gepern nach so plueenreicher zeit des freüde(n)reiche(n) maien die sich bis her v(er)lauffen hatt wz mag so eitel und so gar vernichtet sein als so sich plue erzayget der doch kei(n) frucht nachvolget/ wa(n)n die natur aller weyßheit maisterin v(er)pindt mit fleyß die frucht in d(er) pluome(n)/ daru(m)be so wirt die mayenreich plue vil ee gesehen und gepüret&amp;amp;middot; Und darnach erst dye frücht verstuonden [110ra] so gar schnaell das dye straff gefaerlich waz&amp;amp;middot; Un(d) das auch sy entspra(n)g und wuochs auß nediger wurczen&amp;amp;middot; Do sprachen sy züchtiklich/ wir wissen wol das du vo(n) deins geperens wegen das kiczlig an im selber ist die aller schoenesten pluomen der maegetlichen eren williklich verlorn hast un(d) seyt du der emploeßt bist so redestu auch wz du wilt nach ganczem deym willen/ damit du dein übetmuot&amp;lt;ref&amp;gt;übermuot?&amp;lt;/ref&amp;gt; erzaigest&amp;amp;middot; Auch wilttu nit erkennen das uns die pluom die frucht ist&amp;amp;middot; Und dasselb fleüßset auß übertraeffelicher reinikeite und suessikeit d(er) weselichen listikeit/ wann unser wesen steett also das an uns beyden die pluomen die frucht un(d) die frücht der pluomer ist und seind dye beyde an in selbs ein ainigs wesen&amp;amp;middot; darumb so ist kein underschayde d(er) frucht unnd auch der pluomen in uns wesenlich/ wa(n)n seyd die gancz feüchtikeit d(er) hoenigsuessen reinikeit und wolriechenden suesikeit überflüssige in uns seynd darumb so seind die beyde dye frucht und auch die pluom ein ainiges wesen&amp;amp;middot; Und dasselb ding sage du uns ob du das wayßt wie der aller reynest und lauterest tunst der auß der erden dringet sich in die plue verschlechte/ und verwandlet&amp;amp;middot; und darjnne(n) [110rb] wechßt&amp;amp;middot; Und der sueß himeltaw das edel un(d) das scheinreich perlin das schoen in keüscheit leücht verporgenlich adelt&amp;amp;middot; Daru(m)be so mügen wir wol sein die roß auch die gilge(n) gar fruchtig pluome(n) und pluome(n) der frucht&amp;amp;middot; Od(er) haßt du nie gehoert das die tugendtt die unverhalte(n) ju(n)ckfraeulicheitt die allzeit rayn und schmackhafte ist die clarest frucht und pluome mitenand(er) ist hie niden auff d(er) erden und in de(m) hoechsten reich Auch wiß hie&amp;amp;middot; Als wenig ei(n) fruchte on frucht mag sein als wenige mag d(er) saum der junckfraeulichen reinigkeit on samen sein/ wann junckfraeuliche reinigkeyt die ist die frucht auch d(er) saume d(er) tugent und d(er) natur die niema(n)t widerwegen mag&amp;amp;middot; Si ist die hochgültest saum d(er) pringet fruchte die hundertfeltige ist&amp;amp;middot; Sy istt die freüdenreichest pluom und d(er) allerklaerest schein so er in himel und auf erd mage gesehen werden&amp;amp;middot; Sy ist die allersuessest fruchte und ein zier über all zier Sy ist der aller senfftes geschmache und ein riechen daz in den himel dringet&amp;amp;middot; Sy ist ein krafft unnd ein vermügen daz sich den engelen geleichet&amp;amp;middot; Der ding aller laß dych nymmer wundern seyd sy ist der teürest stain unnd der aller costlichost darzuo istt&amp;amp;middot; In der [110va] Monstra(n)cz der tugent und der natur&amp;amp;middot; Sy ist on alles verrucken gancz sy ist die hymlisch hayter&amp;amp;middot; sy ist die höchst mässigkeyt/ sy ist der syg den niemant überwindet&amp;amp;middot; sy ist der geist d(er) de(m) fleysche herrschet&amp;amp;middot; sy ist die er/ sy istt die freüd&amp;amp;middot; sy ist gelück&amp;amp;middot; sy ist sällikeit und würd&amp;amp;middot; Darumb istt junckfraeulicheit die aller saeligeste heilikeit/ seyt sy ist die pluom mitsampt der frucht als die gilge und rosen ist die des riechens kreftige seind und des scheynes reich. Dz riechen zeühet senftiklichen mit suessen kreften an sich dz stolcz und frei ainhirn wie wilde das an im selber ist das seyn hochtragender muot und scharpffer zoren gezaempt und gestillet wirt&amp;amp;middot; O junckfraeliche reinigkeit wz mag sich dir geleychen Seyd das dz wild einhyrn das muotige ist und zorns vol unnd schnaell on all maß vonn deiner lautern reinikeit genoet un(d) zwu(n)gen wirt das es sich mit ga(n)czer gir in dein schoß beschleüßt&amp;amp;middot; Un(d) darjnn nach seym luft rastet&amp;amp;middot; O saphyr des teüren gelts d(er) wundersamen reinikeit d(er) ayter und das do gift ist wievil des ist zerbricht gewaltiklich&amp;amp;middot; O gruengeferbter schmaragd d(er) immerwerenden reinikeit&amp;amp;middot; Ein lyebhaber d(er) unverruckten keüscheyt d(ie) nit [110vb] leiden mage der stinckenden unkeusch schwaches werck&amp;amp;middot; Darmit geschwaig der feigenbaum der sich der frucht der er gepare gar üppiklichen geruempt hette und ließ von seinem gloriern&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;By einem Fygen&#039;&#039;&#039;baum sin uffgangen ein Roß und Lilig/ und han ire schynbare bletter wyt ußgespreyt/ dar von auch suesser taw mit anderem wolriechendem geschmack ußgeflossen ist. Do aber der fygenbaum beraubt ist gewesen der bletter/ un(d) doch ußgesprosselt het bittere frucht/ hat er uß mißgoennu(n)g also gesproche(n). Jr han ein groß schinbare bluost gehabt/ wo sind nuon üwer frücht? Jst es nit ein torheit/ blueen on frucht? Die kluge natur hefft die frucht in die bluomen/ und der frucht halb bricht sy uß in solich lustige bluomen.&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Die unkuesche(n) verachten die jungfrowen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als die Roß und Lilg vermerckt han den grund diser red/ haben sy senfftmuetigliche gesproche(n). Wir wissen wol/ das du von hitziger begird wegen zuo der geburt hast verloren die ere der bluomen/ darumb redst du also. Du gebirst wol suesse frucht aber hast doch in der wurtzel stecken ein boese neyglicheit nach dem du die bluom verlore(n) hast. Aber wir uß gantzer reynigkeit und suessigkeit/ han die bluom für die frucht. [82r] Die bluom und frucht werde(n) in uns nit von einander gescheiden/ dan(n) uß honigsuesser reynigkeit und füchte wolriechender erhebung/ sin in uns die bluost und frucht ungeteylt worden. Jst im nit also/ der aller luterst dampff des ertrichs wechßt in bluende golt/ und der süß himmeltaw wechßt in edel gestein? Darumb sind rosen/ lilgen und bluomen bluende frücht. &amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Junckfrowschafft ist ein edel frucht.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weystu nit das die klar bluom und frucht der iunckfrowschafft/ flüßt mit reynikeit un(d) geschmack suesser tugenden? Daru(m)b ist die iungfrowschafft nymmer on bluost und frucht/ ia sy ist selbst die frucht. Also sichstu ist die heilige iungfrowschafft ein edel bluost der natur und tugent/ ein anmuetige bluom un(d) klarer schyn/ ein suesse frucht un(d) hübsche gezierd/ ein suesser geschmack und aller ding wirdig. Ja iunckfrowschafft ist ein kostbarlich edelgestein der natur un(d) der tugent/ sy ist ein unzerstoert band und ein himlische heyterkeit/ sy ist die hoechste messigkeit/ die volkummend überwindung und seygung des geists über das fleisch. Darumb wie ein wolschmeckende Roß und schynbare Lilg also ist heilige iungfrowschafft bluost un(d) frucht. Zuo irem suessen geschmack wirt lieblich gezoge(n) das Einhorn/ un(d) legt von jm alle grimmigkeit/ ia gibt sich glych gefange(n) solich geweltigs thier in den iunckfrowlichen schoß/ den(n) es allein der reynigkeit halb also ersamliche begert und ruow in jm hat. Jst nit die iungfrowschafft ein krefftiger Magnet/ der zuo jm zücht die natur? Ist sy nit ein wunderbarer Saphir/ der do vertrybt alle gifftige gespenst? Ist sy nit ein schoen gruener glitze(n)der Smaragd/ der ein liebhaber ist der unzerstoerten küscheit/ Und nit dulden mag unstetige zerstoerung gebürlicher glider?&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;white-space: pre; vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;B&#039;&#039;&#039;Ey ainem Feygenbaum sehr groß/&lt;br /&gt;
Wuochs auff ain Gilgen und ain Ros&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Dise hond ire Bletter weyt/&lt;br /&gt;
Außgebraittet in sonderheyt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Davon ain suesser Schmack zumal/&lt;br /&gt;
Lieblich davon gieng überal&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Als nun der Feygenbaum gemein/&lt;br /&gt;
Beraubet war der Bletter sein&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Yedoch Er von jm geben hett/&lt;br /&gt;
Ain bittere frucht an der stett&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sprach Er an auß mißgunnung gar/&lt;br /&gt;
Die Gilgen und die Rosen klar&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Vil Scheyn und Blue habt gehabt ir/&lt;br /&gt;
Wa seind Ewr Früchten zaigt die mir&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Es ist ain Thorhait und Unzucht/&lt;br /&gt;
Vil Blue haben und doch kain Frucht&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Die kluog Natur thuot hefften sich/&lt;br /&gt;
Jn die Frücht der Bluomen warlich&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
[296v] Hernach der Frucht halben Sy thuot/&lt;br /&gt;
Außbrechen in die Bluomen guot&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Als die Gilg und die Roß den grund/&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Die Unkeüschen verachten die Junckfrawen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
(Der Red) vermerkten zuo der stund&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Hond Sy dem Feygenbaum die wort/&lt;br /&gt;
Gar saenfft verantwurt an dem ort&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Und sprachen vorhin wissen wir/&lt;br /&gt;
Das die Bluo ist genommen dir&amp;amp;middot;&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Der Feygenbau(m) bluoet nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Von wegen deiner Begird fast/&lt;br /&gt;
Die du zuo dem Frucht bringen hast&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Darumb ist also die Red dein/&lt;br /&gt;
Du bringst wol guote Frucht so fein&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Doch in deiner Wurczel allzeit/&lt;br /&gt;
Steckt ain boese Naiglistigkeit&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Nach woellicher du hast verloren/&lt;br /&gt;
Die Edel Bluomen außerkoren&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Wir aber hond mit rainer zucht/&lt;br /&gt;
Allzeyt die Bluomen für die Frucht&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Die Bluom und die Frucht beede sander/&lt;br /&gt;
Werden bey uns nit von ainander&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Geschaiden/ Sonder überal/&lt;br /&gt;
Beysamen gefunden zumal&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Der aller beste Gschmack und Krafft/&lt;br /&gt;
Und Honig suesser rainer Safft&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Die thuond bey uns behalten wir/&lt;br /&gt;
Jn Blue und Früchten für und für&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Der aller beste dampff so klar/&lt;br /&gt;
Wechßt blueend in das Gold fürwar&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
[297r] Und des sueß Himelthaw so fein/&lt;br /&gt;
Wechßt in das klar Edel Gestain&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Darumb Rosen und Gilgen zart/&lt;br /&gt;
Seind blueend Frücht und guoter art&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Waist du nit das die klare frucht/&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalgrlosse: Junckfraschafft ist ain edle frucht&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der rainen Junckfraewlichen zucht&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Fleüßt allezeyt in jrer Jugent/&lt;br /&gt;
Darumb die Junckfrawschafft all frist/&lt;br /&gt;
Nimmer on Blue und Früchten ist&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Ja Sy ist selbst mit grossem fleyß/&lt;br /&gt;
Die Edel Frucht lieblicher weyß&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Junckfrawschafft ist vil besser noch/&lt;br /&gt;
Dann Edel Gstain kostlich und hoch&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sy ist ain unzerstoerlichs bandt/&lt;br /&gt;
Ain himelische Gab genandt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sy ist die hoechste Maessigkeit/&lt;br /&gt;
In allem Flaisch zuo aller zeit&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Wie ain schmeckende Gilgen krafft/&lt;br /&gt;
Also ist auch die Junckfrawschafft&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Zuo jrem suessen Gschmack erkoren/&lt;br /&gt;
Wirt dargezogen das Ainhoren&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Wirt von jrem Geruch bewegt/&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Man lißt/ dz des Ainhorn die ju(n)ckfrawschaft so lieb habe/ das es sein haubt in jr schoß legt/ on alle(n) schaden oder zoren&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das es sein Grimmigkait hinlegt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Ja gibt sich gefangen und bloß/&lt;br /&gt;
Der rainen Junckfraw in jr Schoß&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Dann es ain sollichen lust hat/&lt;br /&gt;
Zuo der Rainigkait fruo und spat&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
[297v] Jst nit die Junckfrawschafft so klar/&lt;br /&gt;
Ain Magnet starck und krefftig gar&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Der gegen jm zeücht für und für/&lt;br /&gt;
Jst Sy nit ain Edler Saphir&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Der da vertreibet alle Gifft/&lt;br /&gt;
Und alle boese Gspenst vergifft&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Ain glantzender Schmaragk allzeit/&lt;br /&gt;
Der liebt die unzerstoert Keüschheit&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Und das unflaetig duldet nicht/&lt;br /&gt;
So die zarten Glider zerbricht&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Morale&amp;amp;middot;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;A&#039;&#039;&#039;Uß der Fabel wirt uns bekandt/&lt;br /&gt;
Wie das ain Junckfraewlicher staedt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Die hoechste Gab auff Erden sey/&lt;br /&gt;
Ain wonung aller Tugent frey&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Wer Frawen oder Junckfraw schendt/&lt;br /&gt;
Der nimbt gwonlich ain boeses Endt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Als [Dina] Jacobs Tochter zart/&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Genesis 34&amp;amp;middot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Von (Hemors) Sun geschendet wart&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Umb dise that kamen zur Erdt/&lt;br /&gt;
All Sichemiten mit dem Schwerdt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sextus bezwang Lucretiam/&lt;br /&gt;
Des Rom in grossen schaden kam&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Seinen Vatter thet man verjagen/&lt;br /&gt;
Auch wurd Sextus darumb erschlagen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Ain Junckfraw hat nicht hoehers mehr/&lt;br /&gt;
Dann raine Junckfraewliche Ehr&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
[298r] Wer ain Junckfraw bezwingen thuot/&lt;br /&gt;
Der raubet jr das hoechste guot&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Des man weder mit Guot noch Gelt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Mag wenden in der gantzen Welt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Doctor Freydanck spricht dise wort/&lt;br /&gt;
Diser darff wagen auch ain Mordt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Woelcher Fraw oder Junckfraw zwingt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Nach besserem Er auch nit ringt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Miniaturen und gedruckte Bilder==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Cgm 254, 76v).png|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Cgm 254, 76v)&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Cgm 340, 116v).png|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Cgm 340, 116v)&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Mgf 459, 254v).png|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Mgf 459, 254v)&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Druck 1490, 109v).jpg|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Druck 1490, 109v)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Druck 1571, 296r).png|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Druck 1571, 296r)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verwandte Erzählstoffe==&lt;br /&gt;
===[[Dornbusch und Feigenbaum (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
Der Dornbusch rühmt sich vor dem Feigenbaum seiner frühen Blüte, der Feigenbaum aber weist auf seine Früchte hin, die besser seien als leere Blüten. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 81)&lt;br /&gt;
===[[Lorbeer, Ölbaum, Lärche, Palme und Feigenbaum (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
Lorbeer, Ölbaum, Lärche (Orangenbaum / Buchsbaum) und Palme erklären dem Feigenbaum, warum sie auch im Winter ihr Grün behalten. (Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, S. 480)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Quelle Fabel]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Rose,_Lilie_und_Feigenbaum_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20635</id>
		<title>Rose, Lilie und Feigenbaum (Erzählstoff)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Rose,_Lilie_und_Feigenbaum_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20635"/>
		<updated>2022-02-02T21:00:29Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: /* Deutsche Versionen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
| namen              = Rose, Lilie und Feigenbaum&lt;br /&gt;
| regest             = Der Feigenbaum fragt Rose und Lilie, warum sie Blüten aber keine Früchte tragen; sie verweisen auf ihre Jungfräulichkeit, in der es keinen Unterschied zwischen Blüte und Frucht gäbe. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 576)&lt;br /&gt;
| fassungen          = [[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. IV, 9&amp;lt;br /&amp;gt;[[Buch von der Weisheit]], Nr. IV, 9&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. IV, 9, Bl. 81v-82r&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 93, Bl. 295v-298r&lt;br /&gt;
| forschung          = [[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 576; [[Günthart, Romy (Hg.): Sebastian Münster, Spiegel der wyßheit]], Band 2, S. 134-137&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Lateinische Version (Cyrillus, Nr. IV, 9), 1. Hälfte 14. Jhd. ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die deutsche Tradition baut auf einer lateinischen Quelle auf (Cyrillus, Nr. IV, 9 ([https://archive.org/details/diebeidenltesten00grss/page/114/mode/2up Grässe, Johann Georg Theodor (Hg.): Die beiden ältesten lateinischen Fabelbücher des Mittelalters.] Tübingen 1880, S. 115f.)). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 232.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Übersetzung&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 233.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Proverbium ad laudem virginitatis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rosa et lilium iuxta ficulneam sunt exortae. Quae cum expandissent floribunda folia nitore splendentia ac rorem suavitatis manantia aromaticique odoris fragrantiam effudissent, et illa floris orbata luce acerbum in fructum pariter pullulasset, lacte quidem invidentiae pruriens, commota mox invectivam proposuit dicens: &amp;quot;Post tam amoenissimam rutilantiam floridam ubi fructus vestri intenta genitura finaliter? Sanum est quippe florere sine fructu. Ligat enim natura sagax fructum in flore et ob ipsum tam vernantissimum germinat in florem.&amp;quot; At illae mox radicem eloquii sentientes pacifica ratione dixerunt: &amp;quot;Bene scimus, quod propter pruritum generationis perdidisti gloriam floris et idcirco iam exspoliata es sie loquens; nempe fructum paris dulcissimum, sed tamen pateris in radice pruritum, quo florem amisisti, nobis autem ex plena puritate et suavitate substantiae flos ipse fructus est. Unde in nobis flos et fructus minime distinguitur, quoniam abundante nimis mellitae puritatis et odoriferae sublimitatis humore id ipsum factum est in nobis flos et fructus. Nonne vapor terrae purissimus totum floridum in aurum concrescit et ros dulcissimus caeli virginitate vernante margaritam congemmascit? Igitur rosa et lilium et flores fruetiferi et fructus floridi sunt. An nescivisti, quod virginitatis manantis puritate, aromate et suavitate virtus ipsa clarissimus flos est et fructus? Mirabile igitur germen virginitatis sine germine non est. Nunquam est fructus sine fructu, immo totus et ipse fructus est. Sic et sancta virginitas ipsum naturae et virtutis est germen pretiosissimum, flos amoenissimus et splendor clarissimus, fructus dulcissimus, decor praestantissimus, odor suavissimus, valor totus. Nimirum ipsa est naturae ac virtutis clarissima gemma, inviolata integritas, caelestina serenitas, summa temperantia, perfecta victoria spiritus super germen, gloria tota. Ut rosa igitur fragrans et lilium rutilans est sancta virginitas, flos et fructus, ad cuius quidem fragrantiam unicornis tractus suaviter currit, cuius dulcedine ferocitas mansuescit, cuius puritate eius tam valida delectata potestas quasi victa in nitido gremio virginali reverentialiter prostrata recumbit. O nimirum magnes nimiae validitatis virginitatis ad se trahens naturam! O saphirus mirabilis castitatis omnem fugans et destruens famam veneuosam! O smaragdus rutilans viriditatis, perpetua puritas, inviolatae integritatis amatrix, foetidam Veneris nullatenus patiens corruptelam!&amp;quot; Ad haec ficulnea stupefacta conticuit.&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Ein Beispiel zum Lob der Jungfräulichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Rose und eine Lilie wuchsen neben einem Feigenbaum. Diese hatten ihre Blütenblätter entfaltet, die glänzten und strahlten, über sie rann süßer Tau und sie hatten den Wohlgeruch eines aromatischen Duftes verströmt. Jener aber hatte ohne Blütenglanz zugleich eine unreife Frucht hervortreiben lassen und hielt aufgebracht bald darauf folgende Scheltrede, da er durch den Saft des Neides brannte: &amp;quot;Wo ist schließlich nach solche einem anmutigen Blütenglanz die erstrebte Nachkommenschaft eurer Frucht? Es ist freilich gescheit, ohne Frucht zu blühen. Es bindet nämlich die weise Natur die Frucht an die Blüte, und deswegen treibt sie eine so glänzende Blüte hervor.&amp;quot; Aber da jene die Quelle der Rede bemerkten, sprachen sie in friedlicher Absicht: &amp;quot;Wir wissen gut, daß du wegen der Begierde nach Nachkommenschaft die Zierde deiner Blüte verloren hast und deshalb so sprichst, weil du von jetzt an ihrer beraubt bist; du bringst freilich eine sehr süße Frucht hervor, aber dennoch duldest du an der Wurzel die Begierde, wodurch du die Blüte verloren hast; aber aufgrund der vollen Reinheit und Süße unseres Wesens ist die Blüte selbst die Frucht. Daher unterscheidet man bei uns keineswegs Blüte und Frucht, weil bei uns durch den überreich vorhandenen Pflanzensaft von überaus süßer Reinheit und wohlriechender Vorzüglichkeit gerade das zu Blüte und Frucht geworden ist. Verdichtet nicht die reinste Wärme der Erde alles Glänzende zu Gold und läßt nicht der süßeste Tau des Himmels eine Perle in Jugendlichkeit und Jungfräulichkeit entstehen? Daher sind Rose und Lilie sowohl fruchttragende Blüten als auch blühende Früchte. Wußtest du nicht, daß gerade die Tugend der Jungfräulichkeit, die sich mit Reinheit, Wohlgeruch und Süße verbreitet, die edelste Blüte und zugleich Frucht ist? Daher gibt es keinen wunderbaren Sproß der Jungfräulichkeit ohne einen Keim. Niemals gibt es eine Frucht ohne Frucht, sondern im Gegenteil ist die Frucht selbst alles. So ist auch die heilige Jungfräulichkeit selbst der kostbarste Sproß, die anmutigste Blume, der hellste Glanz, die süßeste Frucht, die vorzüglichste Zierde, der lieblichste Duft und der ganze Wert der Natur und der Tugend. Zweifellos ist sie selbst der hellste Edelstein der Natur und der Tugend, unverletzbare Unschuld, himmlische Reinheit, höchste Selbstbeherrschung, vollkommener Sieg des Geistes über den Trieb, vollkommener Ruhm. Wie die duftende Rose und die rötlich schimmernde Lilie ist die heilige Jungfräulichkeit Blüte und Frucht, von deren Duft angezogen das Einhorn sanft herbeiläuft. Durch ihre Süße wird seine Wildheit bezähmt und durch ihre Reinheit legt sich ehrerbietig seine so starke Kraft voll Freude gleichsam besiegt in den glänzenden Schoß der Jungfrau. Oh Magnet von zweifellos außerordentlicher Stärke der Jungfräulichkeit, der du die Natur anziehst! Oh Saphir von wunderbarer Reinheit, der du das ganze giftige Gerede vertreibst und vernichtest! Oh Smaragd, der du von Jugendkraft glänzest, immerwährende Reinheit, Freundin unverletzbarer Unschuld, die du in keiner Weise die schädliche Verführung der Venus duldest!&amp;quot; Auf diese Worte hin verstummte betrübt der Feigenbaum.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutsche Versionen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. IV, 9 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490)&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. IV, 9, Bl. 81v-82r&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 93, Bl. 295v-298r&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Den iunckfrauen zuo lobe&amp;amp;middot;&amp;lt;br /&amp;gt;Das &amp;amp;middot;ix&amp;amp;middot; Capitel&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Junckfrowschafft ist&#039;&#039;&#039; alles lobs wert/ das zeigt an dise fabel von der Rosen und Lilien. Cap. ix.&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Junckfrawschafft ist alles lobs werdt. Von der Rosen und Lilien.&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;Die drey und nünczigst Fabel &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[109vb] EIn Rosen und auch ein Gilgen dye wuochssen miteina(n)der bey einem feygenbaum&amp;amp;middot; und do der selb feygenbaum ir schoengeferbte pletter die irer farbe gar lustige warend und suessen taw miltiklich außgusse(n) mit wolriechendem schmack in die weytte  außpraitet&amp;amp;middot; Nu(n) waren doch die rosen un(d) auch die gilgen die sellben zeit außwendiklich ires scheines und irer plue genczlich un(d) gar beraubt und gruonten beide(n)halben dannocht allein zuo iren summerfrüchten als sy die frau die frey natur kund maysteren und layten&amp;amp;middot; Darnach ward der feyge(n)baum neydiklich erwegt und sprach in hohem muot d(er) Rosen und der gilgen zuo&amp;amp;middot; Sagt mir des bit ich eüch wo seind eür su(m)mer früchtt/ wo sihet man eüer fruchtigs gepern nach so plueenreicher zeit des freüde(n)reiche(n) maien die sich bis her v(er)lauffen hatt wz mag so eitel und so gar vernichtet sein als so sich plue erzayget der doch kei(n) frucht nachvolget/ wa(n)n die natur aller weyßheit maisterin v(er)pindt mit fleyß die frucht in d(er) pluome(n)/ daru(m)be so wirt die mayenreich plue vil ee gesehen und gepüret&amp;amp;middot; Und darnach erst dye frücht verstuonden [110ra] so gar schnaell das dye straff gefaerlich waz&amp;amp;middot; Un(d) das auch sy entspra(n)g und wuochs auß nediger wurczen&amp;amp;middot; Do sprachen sy züchtiklich/ wir wissen wol das du vo(n) deins geperens wegen das kiczlig an im selber ist die aller schoenesten pluomen der maegetlichen eren williklich verlorn hast un(d) seyt du der emploeßt bist so redestu auch wz du wilt nach ganczem deym willen/ damit du dein übetmuot&amp;lt;ref&amp;gt;übermuot?&amp;lt;/ref&amp;gt; erzaigest&amp;amp;middot; Auch wilttu nit erkennen das uns die pluom die frucht ist&amp;amp;middot; Und dasselb fleüßset auß übertraeffelicher reinikeite und suessikeit d(er) weselichen listikeit/ wann unser wesen steett also das an uns beyden die pluomen die frucht un(d) die frücht der pluomer ist und seind dye beyde an in selbs ein ainigs wesen&amp;amp;middot; darumb so ist kein underschayde d(er) frucht unnd auch der pluomen in uns wesenlich/ wa(n)n seyd die gancz feüchtikeit d(er) hoenigsuessen reinikeit und wolriechenden suesikeit überflüssige in uns seynd darumb so seind die beyde dye frucht und auch die pluom ein ainiges wesen&amp;amp;middot; Und dasselb ding sage du uns ob du das wayßt wie der aller reynest und lauterest tunst der auß der erden dringet sich in die plue verschlechte/ und verwandlet&amp;amp;middot; und darjnne(n) [110rb] wechßt&amp;amp;middot; Und der sueß himeltaw das edel un(d) das scheinreich perlin das schoen in keüscheit leücht verporgenlich adelt&amp;amp;middot; Daru(m)be so mügen wir wol sein die roß auch die gilge(n) gar fruchtig pluome(n) und pluome(n) der frucht&amp;amp;middot; Od(er) haßt du nie gehoert das die tugendtt die unverhalte(n) ju(n)ckfraeulicheitt die allzeit rayn und schmackhafte ist die clarest frucht und pluome mitenand(er) ist hie niden auff d(er) erden und in de(m) hoechsten reich Auch wiß hie&amp;amp;middot; Als wenig ei(n) fruchte on frucht mag sein als wenige mag d(er) saum der junckfraeulichen reinigkeit on samen sein/ wann junckfraeuliche reinigkeyt die ist die frucht auch d(er) saume d(er) tugent und d(er) natur die niema(n)t widerwegen mag&amp;amp;middot; Si ist die hochgültest saum d(er) pringet fruchte die hundertfeltige ist&amp;amp;middot; Sy istt die freüdenreichest pluom und d(er) allerklaerest schein so er in himel und auf erd mage gesehen werden&amp;amp;middot; Sy ist die allersuessest fruchte und ein zier über all zier Sy ist der senfftes geschmache und ein riechen daz in den himel dringet&amp;amp;middot; Sy ist ein krafft unnd ein vermügen daz sich den engelen geleichet&amp;amp;middot; Der ding aller laß dych nymmer wundern seyd sy ist der teürest stain unnd der aller costlichost darzuo istt&amp;amp;middot; In der [110va] Monstra(n)cz der tugent und der natur&amp;amp;middot; Sy ist on alles verrucken gancz sy ist die hymlisch hayter&amp;amp;middot; sy ist die höchst mässigkeyt/ sy ist der syg den niemant überwindet&amp;amp;middot; sy ist der geist d(er) de(m) fleysche herrschet&amp;amp;middot; sy ist die er/ sy istt die freüd&amp;amp;middot; sy ist gelück&amp;amp;middot; sy ist sällikeit und würd&amp;amp;middot; Darumb istt junckfraeulicheit die aller saeligeste heilikeit/ seyt sy ist die pluom mitsampt der frucht als die gilge und rosen ist die des riechens kreftige seind und des scheynes reich. Dz riechen zeühet senftiklichen mit suessen kreften an sich dz stolcz und frei ainhirn wie wilde das an im selber ist das seyn hochtragender muot und scharpffer zoren gezaempt und gestillet wirt&amp;amp;middot; O junckfraeliche reinigkeit wz mag sich dir geleychen Seyd das dz wild einhyrn das muotige ist und zorns vol unnd schnaell on all maß vonn deiner lautern reinikeit genoet un(d) zwu(n)gen wirt das es sich mit ga(n)czer gir in dein schoß beschleüßt&amp;amp;middot; Un(d) darjnn nach seym luft rastet&amp;amp;middot; O saphyr des teüren gelts d(er) wundersamen reinikeit d(er) ayter und das do gift ist wievil des ist zerbricht gewaltiklich&amp;amp;middot; O gruengeferbter schmaragd d(er) immerwerenden reinikeit&amp;amp;middot; Ein lyebhaber d(er) unverruckten keüscheyt d(ie) nit [110vb] leiden mage der stinckenden unkeusch schwaches werck&amp;amp;middot; Darmit geschwaig der feigenbaum der sich der frucht der er gepare gar üppiklichen geruempt hette und ließ von seinem gloriern&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;By einem Fygen&#039;&#039;&#039;baum sin uffgangen ein Roß und Lilig/ und han ire schynbare bletter wyt ußgespreyt/ dar von auch suesser taw mit anderem wolriechendem geschmack ußgeflossen ist. Do aber der fygenbaum beraubt ist gewesen der bletter/ un(d) doch ußgesprosselt het bittere frucht/ hat er uß mißgoennu(n)g also gesproche(n). Jr han ein groß schinbare bluost gehabt/ wo sind nuon üwer frücht? Jst es nit ein torheit/ blueen on frucht? Die kluge natur hefft die frucht in die bluomen/ und der frucht halb bricht sy uß in solich lustige bluomen.&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Die unkuesche(n) verachten die jungfrowen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als die Roß und Lilg vermerckt han den grund diser red/ haben sy senfftmuetigliche gesproche(n). Wir wissen wol/ das du von hitziger begird wegen zuo der geburt hast verloren die ere der bluomen/ darumb redst du also. Du gebirst wol suesse frucht aber hast doch in der wurtzel stecken ein boese neyglicheit nach dem du die bluom verlore(n) hast. Aber wir uß gantzer reynigkeit und suessigkeit/ han die bluom für die frucht. [82r] Die bluom und frucht werde(n) in uns nit von einander gescheiden/ dan(n) uß honigsuesser reynigkeit und füchte wolriechender erhebung/ sin in uns die bluost und frucht ungeteylt worden. Jst im nit also/ der aller luterst dampff des ertrichs wechßt in bluende golt/ und der süß himmeltaw wechßt in edel gestein? Darumb sind rosen/ lilgen und bluomen bluende frücht. &amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Junckfrowschafft ist ein edel frucht.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weystu nit das die klar bluom und frucht der iunckfrowschafft/ flüßt mit reynikeit un(d) geschmack suesser tugenden? Daru(m)b ist die iungfrowschafft nymmer on bluost und frucht/ ia sy ist selbst die frucht. Also sichstu ist die heilige iungfrowschafft ein edel bluost der natur und tugent/ ein anmuetige bluom un(d) klarer schyn/ ein suesse frucht un(d) hübsche gezierd/ ein suesser geschmack und aller ding wirdig. Ja iunckfrowschafft ist ein kostbarlich edelgestein der natur un(d) der tugent/ sy ist ein unzerstoert band und ein himlische heyterkeit/ sy ist die hoechste messigkeit/ die volkummend überwindung und seygung des geists über das fleisch. Darumb wie ein wolschmeckende Roß und schynbare Lilg also ist heilige iungfrowschafft bluost un(d) frucht. Zuo irem suessen geschmack wirt lieblich gezoge(n) das Einhorn/ un(d) legt von jm alle grimmigkeit/ ia gibt sich glych gefange(n) solich geweltigs thier in den iunckfrowlichen schoß/ den(n) es allein der reynigkeit halb also ersamliche begert und ruow in jm hat. Jst nit die iungfrowschafft ein krefftiger Magnet/ der zuo jm zücht die natur? Ist sy nit ein wunderbarer Saphir/ der do vertrybt alle gifftige gespenst? Ist sy nit ein schoen gruener glitze(n)der Smaragd/ der ein liebhaber ist der unzerstoerten küscheit/ Und nit dulden mag unstetige zerstoerung gebürlicher glider?&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;white-space: pre; vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;B&#039;&#039;&#039;Ey ainem Feygenbaum sehr groß/&lt;br /&gt;
Wuochs auff ain Gilgen und ain Ros&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Dise hond ire Bletter weyt/&lt;br /&gt;
Außgebraittet in sonderheyt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Davon ain suesser Schmack zumal/&lt;br /&gt;
Lieblich davon gieng überal&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Als nun der Feygenbaum gemein/&lt;br /&gt;
Beraubet war der Bletter sein&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Yedoch Er von jm geben hett/&lt;br /&gt;
Ain bittere frucht an der stett&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sprach Er an auß mißgunnung gar/&lt;br /&gt;
Die Gilgen und die Rosen klar&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Vil Scheyn und Blue habt gehabt ir/&lt;br /&gt;
Wa seind Ewr Früchten zaigt die mir&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Es ist ain Thorhait und Unzucht/&lt;br /&gt;
Vil Blue haben und doch kain Frucht&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Die kluog Natur thuot hefften sich/&lt;br /&gt;
Jn die Frücht der Bluomen warlich&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
[296v] Hernach der Frucht halben Sy thuot/&lt;br /&gt;
Außbrechen in die Bluomen guot&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Als die Gilg und die Roß den grund/&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Die Unkeüschen verachten die Junckfrawen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
(Der Red) vermerkten zuo der stund&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Hond Sy dem Feygenbaum die wort/&lt;br /&gt;
Gar saenfft verantwurt an dem ort&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Und sprachen vorhin wissen wir/&lt;br /&gt;
Das die Bluo ist genommen dir&amp;amp;middot;&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Der Feygenbau(m) bluoet nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Von wegen deiner Begird fast/&lt;br /&gt;
Die du zuo dem Frucht bringen hast&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Darumb ist also die Red dein/&lt;br /&gt;
Du bringst wol guote Frucht so fein&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Doch in deiner Wurczel allzeit/&lt;br /&gt;
Steckt ain boese Naiglistigkeit&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Nach woellicher du hast verloren/&lt;br /&gt;
Die Edel Bluomen außerkoren&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Wir aber hond mit rainer zucht/&lt;br /&gt;
Allzeyt die Bluomen für die Frucht&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Die Bluom und die Frucht beede sander/&lt;br /&gt;
Werden bey uns nit von ainander&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Geschaiden/ Sonder überal/&lt;br /&gt;
Beysamen gefunden zumal&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Der aller beste Gschmack und Krafft/&lt;br /&gt;
Und Honig suesser rainer Safft&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Die thuond bey uns behalten wir/&lt;br /&gt;
Jn Blue und Früchten für und für&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Der aller beste dampff so klar/&lt;br /&gt;
Wechßt blueend in das Gold fürwar&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
[297r] Und des sueß Himelthaw so fein/&lt;br /&gt;
Wechßt in das klar Edel Gestain&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Darumb Rosen und Gilgen zart/&lt;br /&gt;
Seind blueend Frücht und guoter art&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Waist du nit das die klare frucht/&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalgrlosse: Junckfraschafft ist ain edle frucht&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der rainen Junckfraewlichen zucht&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Fleüßt allezeyt in jrer Jugent/&lt;br /&gt;
Darumb die Junckfrawschafft all frist/&lt;br /&gt;
Nimmer on Blue und Früchten ist&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Ja Sy ist selbst mit grossem fleyß/&lt;br /&gt;
Die Edel Frucht lieblicher weyß&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Junckfrawschafft ist vil besser noch/&lt;br /&gt;
Dann Edel Gstain kostlich und hoch&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sy ist ain unzerstoerlichs bandt/&lt;br /&gt;
Ain himelische Gab genandt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sy ist die hoechste Maessigkeit/&lt;br /&gt;
In allem Flaisch zuo aller zeit&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Wie ain schmeckende Gilgen krafft/&lt;br /&gt;
Also ist auch die Junckfrawschafft&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Zuo jrem suessen Gschmack erkoren/&lt;br /&gt;
Wirt dargezogen das Ainhoren&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Wirt von jrem Geruch bewegt/&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Man lißt/ dz des Ainhorn die ju(n)ckfrawschaft so lieb habe/ das es sein haubt in jr schoß legt/ on alle(n) schaden oder zoren&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das es sein Grimmigkait hinlegt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Ja gibt sich gefangen und bloß/&lt;br /&gt;
Der rainen Junckfraw in jr Schoß&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Dann es ain sollichen lust hat/&lt;br /&gt;
Zuo der Rainigkait fruo und spat&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
[297v] Jst nit die Junckfrawschafft so klar/&lt;br /&gt;
Ain Magnet starck und krefftig gar&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Der gegen jm zeücht für und für/&lt;br /&gt;
Jst Sy nit ain Edler Saphir&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Der da vertreibet alle Gifft/&lt;br /&gt;
Und alle boese Gspenst vergifft&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Ain glantzender Schmaragk allzeit/&lt;br /&gt;
Der liebt die unzerstoert Keüschheit&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Und das unflaetig duldet nicht/&lt;br /&gt;
So die zarten Glider zerbricht&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Morale&amp;amp;middot;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;A&#039;&#039;&#039;Uß der Fabel wirt uns bekandt/&lt;br /&gt;
Wie das ain Junckfraewlicher staedt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Die hoechste Gab auff Erden sey/&lt;br /&gt;
Ain wonung aller Tugent frey&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Wer Frawen oder Junckfraw schendt/&lt;br /&gt;
Der nimbt gwonlich ain boeses Endt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Als [Dina] Jacobs Tochter zart/&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Genesis 34&amp;amp;middot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Von (Hemors) Sun geschendet wart&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Umb dise that kamen zur Erdt/&lt;br /&gt;
All Sichemiten mit dem Schwerdt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sextus bezwang Lucretiam/&lt;br /&gt;
Des Rom in grossen schaden kam&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Seinen Vatter thet man verjagen/&lt;br /&gt;
Auch wurd Sextus darumb erschlagen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Ain Junckfraw hat nicht hoehers mehr/&lt;br /&gt;
Dann raine Junckfraewliche Ehr&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
[298r] Wer ain Junckfraw bezwingen thuot/&lt;br /&gt;
Der raubet jr das hoechste guot&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Des man weder mit Guot noch Gelt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Mag wenden in der gantzen Welt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Doctor Freydanck spricht dise wort/&lt;br /&gt;
Diser darff wagen auch ain Mordt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Woelcher Fraw oder Junckfraw zwingt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Nach besserem Er auch nit ringt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Miniaturen und gedruckte Bilder==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Cgm 254, 76v).png|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Cgm 254, 76v)&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Cgm 340, 116v).png|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Cgm 340, 116v)&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Mgf 459, 254v).png|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Mgf 459, 254v)&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Druck 1490, 109v).jpg|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Druck 1490, 109v)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Druck 1571, 296r).png|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Druck 1571, 296r)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verwandte Erzählstoffe==&lt;br /&gt;
===[[Dornbusch und Feigenbaum (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
Der Dornbusch rühmt sich vor dem Feigenbaum seiner frühen Blüte, der Feigenbaum aber weist auf seine Früchte hin, die besser seien als leere Blüten. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 81)&lt;br /&gt;
===[[Lorbeer, Ölbaum, Lärche, Palme und Feigenbaum (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
Lorbeer, Ölbaum, Lärche (Orangenbaum / Buchsbaum) und Palme erklären dem Feigenbaum, warum sie auch im Winter ihr Grün behalten. (Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, S. 480)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Quelle Fabel]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Rose,_Lilie_und_Feigenbaum_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20634</id>
		<title>Rose, Lilie und Feigenbaum (Erzählstoff)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Rose,_Lilie_und_Feigenbaum_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20634"/>
		<updated>2022-02-02T20:57:15Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: /* Deutsche Versionen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
| namen              = Rose, Lilie und Feigenbaum&lt;br /&gt;
| regest             = Der Feigenbaum fragt Rose und Lilie, warum sie Blüten aber keine Früchte tragen; sie verweisen auf ihre Jungfräulichkeit, in der es keinen Unterschied zwischen Blüte und Frucht gäbe. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 576)&lt;br /&gt;
| fassungen          = [[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. IV, 9&amp;lt;br /&amp;gt;[[Buch von der Weisheit]], Nr. IV, 9&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. IV, 9, Bl. 81v-82r&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 93, Bl. 295v-298r&lt;br /&gt;
| forschung          = [[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 576; [[Günthart, Romy (Hg.): Sebastian Münster, Spiegel der wyßheit]], Band 2, S. 134-137&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Lateinische Version (Cyrillus, Nr. IV, 9), 1. Hälfte 14. Jhd. ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die deutsche Tradition baut auf einer lateinischen Quelle auf (Cyrillus, Nr. IV, 9 ([https://archive.org/details/diebeidenltesten00grss/page/114/mode/2up Grässe, Johann Georg Theodor (Hg.): Die beiden ältesten lateinischen Fabelbücher des Mittelalters.] Tübingen 1880, S. 115f.)). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 232.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Übersetzung&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 233.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Proverbium ad laudem virginitatis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rosa et lilium iuxta ficulneam sunt exortae. Quae cum expandissent floribunda folia nitore splendentia ac rorem suavitatis manantia aromaticique odoris fragrantiam effudissent, et illa floris orbata luce acerbum in fructum pariter pullulasset, lacte quidem invidentiae pruriens, commota mox invectivam proposuit dicens: &amp;quot;Post tam amoenissimam rutilantiam floridam ubi fructus vestri intenta genitura finaliter? Sanum est quippe florere sine fructu. Ligat enim natura sagax fructum in flore et ob ipsum tam vernantissimum germinat in florem.&amp;quot; At illae mox radicem eloquii sentientes pacifica ratione dixerunt: &amp;quot;Bene scimus, quod propter pruritum generationis perdidisti gloriam floris et idcirco iam exspoliata es sie loquens; nempe fructum paris dulcissimum, sed tamen pateris in radice pruritum, quo florem amisisti, nobis autem ex plena puritate et suavitate substantiae flos ipse fructus est. Unde in nobis flos et fructus minime distinguitur, quoniam abundante nimis mellitae puritatis et odoriferae sublimitatis humore id ipsum factum est in nobis flos et fructus. Nonne vapor terrae purissimus totum floridum in aurum concrescit et ros dulcissimus caeli virginitate vernante margaritam congemmascit? Igitur rosa et lilium et flores fruetiferi et fructus floridi sunt. An nescivisti, quod virginitatis manantis puritate, aromate et suavitate virtus ipsa clarissimus flos est et fructus? Mirabile igitur germen virginitatis sine germine non est. Nunquam est fructus sine fructu, immo totus et ipse fructus est. Sic et sancta virginitas ipsum naturae et virtutis est germen pretiosissimum, flos amoenissimus et splendor clarissimus, fructus dulcissimus, decor praestantissimus, odor suavissimus, valor totus. Nimirum ipsa est naturae ac virtutis clarissima gemma, inviolata integritas, caelestina serenitas, summa temperantia, perfecta victoria spiritus super germen, gloria tota. Ut rosa igitur fragrans et lilium rutilans est sancta virginitas, flos et fructus, ad cuius quidem fragrantiam unicornis tractus suaviter currit, cuius dulcedine ferocitas mansuescit, cuius puritate eius tam valida delectata potestas quasi victa in nitido gremio virginali reverentialiter prostrata recumbit. O nimirum magnes nimiae validitatis virginitatis ad se trahens naturam! O saphirus mirabilis castitatis omnem fugans et destruens famam veneuosam! O smaragdus rutilans viriditatis, perpetua puritas, inviolatae integritatis amatrix, foetidam Veneris nullatenus patiens corruptelam!&amp;quot; Ad haec ficulnea stupefacta conticuit.&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Ein Beispiel zum Lob der Jungfräulichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Rose und eine Lilie wuchsen neben einem Feigenbaum. Diese hatten ihre Blütenblätter entfaltet, die glänzten und strahlten, über sie rann süßer Tau und sie hatten den Wohlgeruch eines aromatischen Duftes verströmt. Jener aber hatte ohne Blütenglanz zugleich eine unreife Frucht hervortreiben lassen und hielt aufgebracht bald darauf folgende Scheltrede, da er durch den Saft des Neides brannte: &amp;quot;Wo ist schließlich nach solche einem anmutigen Blütenglanz die erstrebte Nachkommenschaft eurer Frucht? Es ist freilich gescheit, ohne Frucht zu blühen. Es bindet nämlich die weise Natur die Frucht an die Blüte, und deswegen treibt sie eine so glänzende Blüte hervor.&amp;quot; Aber da jene die Quelle der Rede bemerkten, sprachen sie in friedlicher Absicht: &amp;quot;Wir wissen gut, daß du wegen der Begierde nach Nachkommenschaft die Zierde deiner Blüte verloren hast und deshalb so sprichst, weil du von jetzt an ihrer beraubt bist; du bringst freilich eine sehr süße Frucht hervor, aber dennoch duldest du an der Wurzel die Begierde, wodurch du die Blüte verloren hast; aber aufgrund der vollen Reinheit und Süße unseres Wesens ist die Blüte selbst die Frucht. Daher unterscheidet man bei uns keineswegs Blüte und Frucht, weil bei uns durch den überreich vorhandenen Pflanzensaft von überaus süßer Reinheit und wohlriechender Vorzüglichkeit gerade das zu Blüte und Frucht geworden ist. Verdichtet nicht die reinste Wärme der Erde alles Glänzende zu Gold und läßt nicht der süßeste Tau des Himmels eine Perle in Jugendlichkeit und Jungfräulichkeit entstehen? Daher sind Rose und Lilie sowohl fruchttragende Blüten als auch blühende Früchte. Wußtest du nicht, daß gerade die Tugend der Jungfräulichkeit, die sich mit Reinheit, Wohlgeruch und Süße verbreitet, die edelste Blüte und zugleich Frucht ist? Daher gibt es keinen wunderbaren Sproß der Jungfräulichkeit ohne einen Keim. Niemals gibt es eine Frucht ohne Frucht, sondern im Gegenteil ist die Frucht selbst alles. So ist auch die heilige Jungfräulichkeit selbst der kostbarste Sproß, die anmutigste Blume, der hellste Glanz, die süßeste Frucht, die vorzüglichste Zierde, der lieblichste Duft und der ganze Wert der Natur und der Tugend. Zweifellos ist sie selbst der hellste Edelstein der Natur und der Tugend, unverletzbare Unschuld, himmlische Reinheit, höchste Selbstbeherrschung, vollkommener Sieg des Geistes über den Trieb, vollkommener Ruhm. Wie die duftende Rose und die rötlich schimmernde Lilie ist die heilige Jungfräulichkeit Blüte und Frucht, von deren Duft angezogen das Einhorn sanft herbeiläuft. Durch ihre Süße wird seine Wildheit bezähmt und durch ihre Reinheit legt sich ehrerbietig seine so starke Kraft voll Freude gleichsam besiegt in den glänzenden Schoß der Jungfrau. Oh Magnet von zweifellos außerordentlicher Stärke der Jungfräulichkeit, der du die Natur anziehst! Oh Saphir von wunderbarer Reinheit, der du das ganze giftige Gerede vertreibst und vernichtest! Oh Smaragd, der du von Jugendkraft glänzest, immerwährende Reinheit, Freundin unverletzbarer Unschuld, die du in keiner Weise die schädliche Verführung der Venus duldest!&amp;quot; Auf diese Worte hin verstummte betrübt der Feigenbaum.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutsche Versionen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. IV, 9 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490)&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. IV, 9, Bl. 81v-82r&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 93, Bl. 295v-298r&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Den iunckfrauen zuo lobe&amp;amp;middot;&amp;lt;br /&amp;gt;Das &amp;amp;middot;ix&amp;amp;middot; Capitel&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Junckfrowschafft ist&#039;&#039;&#039; alles lobs wert/ das zeigt an dise fabel von der Rosen und Lilien. Cap. ix.&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Junckfrawschafft ist alles lobs werdt. Von der Rosen und Lilien.&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;Die drey und nünczigst Fabel &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[109vb] EIn Rosen und auch ein Gilgen dye wuochssen miteina(n)der bey einem feygenbaum&amp;amp;middot; und do der selb feygenbaum ir schoengeferbte pletter die irer farbe gar lustige warend und suessen taw miltiklich außgusse(n) mit wolriechendem schmack in die weytte  außpraitet&amp;amp;middot; Nu(n) waren doch die rosen un(d) auch die gilgen die sellben zeit außwendiklich ires scheines und irer plue genczlich un(d) gar beraubt und gruonten beide(n)halben dannocht allein zuo iren summerfrüchten als sy die frau die frey natur kund maysteren und layten&amp;amp;middot; Darnach ward der feyge(n)baum neydiklich erwegt und sprach in hohem muot d(er) Rosen und der gilgen zuo&amp;amp;middot; Sagt mir des bit ich eüch wo seind eür su(m)mer früchtt/ wo sihet man eüer fruchtigs gepern nach so plueenreicher zeit des freüde(n)reiche(n) maien die sich bis her v(er)lauffen hatt wz mag so eitel und so gar vernichtet sein als so sich plue erzayget der doch kei(n) frucht nachvolget/ wa(n)n die natur aller weyßheit maisterin v(er)pindt mit fleyß die frucht in d(er) pluome(n)/ daru(m)be so wirt die mayenreich plue vil ee gesehen und gepüret&amp;amp;middot; Und darnach erst dye frücht verstuonden [110ra] so gar schnaell das dye straff gefaerlich waz&amp;amp;middot; Un(d) das auch sy entspra(n)g und wuochs auß nediger wurczen&amp;amp;middot; Do sprachen sy züchtiklich/ wir wissen wol das du vo(n) deins geperens wegen das kiczlig an im selber ist die aller schoenesten pluomen der maegetlichen eren williklich verlorn hast un(d) seyt du der emploeßt bist so redestu auch wz du wilt nach ganczem deym willen/ damit du dein übetmuot&amp;lt;ref&amp;gt;übermuot?&amp;lt;/ref&amp;gt; erzaigest&amp;amp;middot; Auch wilttu nit erkennen das uns die pluom die frucht ist&amp;amp;middot; Und dasselb fleüßset aus übertraeffelicher reinikeite und suessikeit d(er) weselichen listikeit/ wann unser wesen steett also das an uns beyden die pluomen die frucht un(d) die frücht der pluomer ist und seind dye beyde an in selbs ein ainigs wesen&amp;amp;middot; darumb so ist kein underschayde d(er) frucht unnd auch der pluomen in uns wesenlich/ wa(n)n seyd die gancz feüchtikeit d(er) hoenigsuessen reinikeit und wolriechenden suesikeit überflüssige in uns seynd darumb so seind die beyde dye frucht und auch die pluom ein ainiges wesen&amp;amp;middot; Und dasselb ding sage du uns ob du das wayßt wie der aller reynest und lauterest tunst der auß der erden dringet sich in die plue verschlechte/ und verwandlet&amp;amp;middot; und darjnne(n) [110rb] wechßt&amp;amp;middot; Und der sueß himeltaw das edel un(d) das scheinreich perlin das schoen in keüscheit leücht verporgenlich adelt&amp;amp;middot; Daru(m)be so mügen wir wol sein die roß auch die gilge(n) gar fruchtig pluome(n) und pluome(n) der frucht&amp;amp;middot; Od(er) haßt du nie gehoert das die tugendtt die unverhalte(n) ju(n)ckfraeulicheitt die allzeit rayn und schmackhafte ist die clarest frucht und pluome mitenand(er) ist hie niden auff d(er) erden und in de(m) hoechsten reich Auch wiß hie&amp;amp;middot; Als wenig ei(n) fruchte on frucht mag sein als wenige mag d(er) saum der junckfraeulichen reinigkeit on samen sein/ wann junckfraeuliche reinigkeyt die ist die frucht auch d(er) saume d(er) tugent und d(er) natur die niema(n)t widerwegen mag&amp;amp;middot; Si ist die hochgültest saum d(er) pringet fruchte die hundertfeltige ist&amp;amp;middot; Sy istt die freüdenreichest pluom und d(er) allerklaerest schein so er in himel und auf erd mage gesehen werden&amp;amp;middot; Sy ist die allersuessest fruchte und ein zier über all zier Sy ist der senfftes geschmache und ein riechen daz in den himel dringet&amp;amp;middot; Sy ist ein krafft unnd ein vermügen daz sich den engelen geleichet&amp;amp;middot; Der ding aller laß dych nymmer wundern seyd sy ist der teürest stain unnd der aller costlichost darzuo istt&amp;amp;middot; In der [110va] Monstra(n)cz der tugent und der natur&amp;amp;middot; Sy ist on alles verrucken gancz sy ist die hymlisch hayter&amp;amp;middot; sy ist die höchst mässigkeyt/ sy ist der syg den niemant überwindet&amp;amp;middot; sy ist der geist d(er) de(m) fleysche herrschet&amp;amp;middot; sy ist die er/ sy istt die freüd&amp;amp;middot; sy ist gelück&amp;amp;middot; sy ist sällikeit und würd&amp;amp;middot; Darumb istt junckfraeulicheit die aller saeligeste heilikeit/ seyt sy ist die pluom mitsampt der frucht als die gilge und rosen ist die des riechens kreftige seind und des scheynes reich. Dz riechen zeühet senftiklichen mit suessen kreften an sich dz stolcz und frei ainhirn wie wilde das an im selber ist das seyn hochtragender muot und scharpffer zoren gezaempt und gestillet wirt&amp;amp;middot; O junckfraeliche reinigkeit wz mag sich dir geleychen Seyd das dz wild einhyrn das muotige ist und zorns vol unnd schnaell on all maß vonn deiner lautern reinikeit genoet un(d) zwu(n)gen wirt das es sich mit ga(n)czer gir in dein schoß beschleüßt&amp;amp;middot; Un(d) darjnn nach seym luft rastet&amp;amp;middot; O saphyr des teüren gelts d(er) wundersamen reinikeit d(er) ayter und das do gift ist wievil des ist zerbricht gewaltiklich&amp;amp;middot; O gruengeferbter schmaragd d(er) immerwerenden reinikeit&amp;amp;middot; Ein lyebhaber d(er) unverruckten keüscheyt d(ie) nit [110vb] leiden mage der stinckenden unkeusch schwaches werck&amp;amp;middot; Darmit geschwaig der feigenbaum der sich der frucht der er gepare gar üppiklichen geruempt hette und ließ von seinem gloriern&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;By einem Fygen&#039;&#039;&#039;baum sin uffgangen ein Roß und Lilig/ und han ire schynbare bletter wyt ußgespreyt/ dar von auch suesser taw mit anderem wolriechendem geschmack ußgeflossen ist. Do aber der fygenbaum beraubt ist gewesen der bletter/ un(d) doch ußgesprosselt het bittere frucht/ hat er uß mißgoennu(n)g also gesproche(n). Jr han ein groß schinbare bluost gehabt/ wo sind nuon üwer frücht? Jst es nit ein torheit/ blueen on frucht? Die kluge natur hefft die frucht in die bluomen/ und der frucht halb bricht sy uß in solich lustige bluomen.&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Die unkuesche(n) verachten die jungfrowen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als die Roß und Lilg vermerckt han den grund diser red/ haben sy senfftmuetigliche gesproche(n). Wir wissen wol/ das du von hitziger begird wegen zuo der geburt hast verloren die ere der bluomen/ darumb redst du also. Du gebirst wol suesse frucht aber hast doch in der wurtzel stecken ein boese neyglicheit nach dem du die bluom verlore(n) hast. Aber wir uß gantzer reynigkeit und suessigkeit/ han die bluom für die frucht. [82r] Die bluom und frucht werde(n) in uns nit von einander gescheiden/ dan(n) uß honigsuesser reynigkeit und füchte wolriechender erhebung/ sin in uns die bluost und frucht ungeteylt worden. Jst im nit also/ der aller luterst dampff des ertrichs wechßt in bluende golt/ und der süß himmeltaw wechßt in edel gestein? Darumb sind rosen/ lilgen und bluomen bluende frücht. &amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Junckfrowschafft ist ein edel frucht.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weystu nit das die klar bluom und frucht der iunckfrowschafft/ flüßt mit reynikeit un(d) geschmack suesser tugenden? Daru(m)b ist die iungfrowschafft nymmer on bluost und frucht/ ia sy ist selbst die frucht. Also sichstu ist die heilige iungfrowschafft ein edel bluost der natur und tugent/ ein anmuetige bluom un(d) klarer schyn/ ein suesse frucht un(d) hübsche gezierd/ ein suesser geschmack und aller ding wirdig. Ja iunckfrowschafft ist ein kostbarlich edelgestein der natur un(d) der tugent/ sy ist ein unzerstoert band und ein himlische heyterkeit/ sy ist die hoechste messigkeit/ die volkummend überwindung und seygung des geists über das fleisch. Darumb wie ein wolschmeckende Roß und schynbare Lilg also ist heilige iungfrowschafft bluost un(d) frucht. Zuo irem suessen geschmack wirt lieblich gezoge(n) das Einhorn/ un(d) legt von jm alle grimmigkeit/ ia gibt sich glych gefange(n) solich geweltigs thier in den iunckfrowlichen schoß/ den(n) es allein der reynigkeit halb also ersamliche begert und ruow in jm hat. Jst nit die iungfrowschafft ein krefftiger Magnet/ der zuo jm zücht die natur? Ist sy nit ein wunderbarer Saphir/ der do vertrybt alle gifftige gespenst? Ist sy nit ein schoen gruener glitze(n)der Smaragd/ der ein liebhaber ist der unzerstoerten küscheit/ Und nit dulden mag unstetige zerstoerung gebürlicher glider?&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;white-space: pre; vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;B&#039;&#039;&#039;Ey ainem Feygenbaum sehr groß/&lt;br /&gt;
Wuochs auff ain Gilgen und ain Ros&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Dise hond ire Bletter weyt/&lt;br /&gt;
Außgebraittet in sonderheyt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Davon ain suesser Schmack zumal/&lt;br /&gt;
Lieblich davon gieng überal&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Als nun der Feygenbaum gemein/&lt;br /&gt;
Beraubet war der Bletter sein&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Yedoch Er von jm geben hett/&lt;br /&gt;
Ain bittere frucht an der stett&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sprach Er an auß mißgunnung gar/&lt;br /&gt;
Die Gilgen und die Rosen klar&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Vil Scheyn und Blue habt gehabt ir/&lt;br /&gt;
Wa seind Ewr Früchten zaigt die mir&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Es ist ain Thorhait und Unzucht/&lt;br /&gt;
Vil Blue haben und doch kain Frucht&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Die kluog Natur thuot hefften sich/&lt;br /&gt;
Jn die Frücht der Bluomen warlich&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
[296v] Hernach der Frucht halben Sy thuot/&lt;br /&gt;
Außbrechen in die Bluomen guot&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Als die Gilg und die Roß den grund/&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Die Unkeüschen verachten die Junckfrawen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
(Der Red) vermerkten zuo der stund&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Hond Sy dem Feygenbaum die wort/&lt;br /&gt;
Gar saenfft verantwurt an dem ort&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Und sprachen vorhin wissen wir/&lt;br /&gt;
Das die Bluo ist genommen dir&amp;amp;middot;&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Der Feygenbau(m) bluoet nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Von wegen deiner Begird fast/&lt;br /&gt;
Die du zuo dem Frucht bringen hast&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Darumb ist also die Red dein/&lt;br /&gt;
Du bringst wol guote Frucht so fein&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Doch in deiner Wurczel allzeit/&lt;br /&gt;
Steckt ain boese Naiglistigkeit&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Nach woellicher du hast verloren/&lt;br /&gt;
Die Edel Bluomen außerkoren&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Wir aber hond mit rainer zucht/&lt;br /&gt;
Allzeyt die Bluomen für die Frucht&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Die Bluom und die Frucht beede sander/&lt;br /&gt;
Werden bey uns nit von ainander&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Geschaiden/ Sonder überal/&lt;br /&gt;
Beysamen gefunden zumal&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Der aller beste Gschmack und Krafft/&lt;br /&gt;
Und Honig suesser rainer Safft&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Die thuond bey uns behalten wir/&lt;br /&gt;
Jn Blue und Früchten für und für&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Der aller beste dampff so klar/&lt;br /&gt;
Wechßt blueend in das Gold fürwar&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
[297r] Und des sueß Himelthaw so fein/&lt;br /&gt;
Wechßt in das klar Edel Gestain&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Darumb Rosen und Gilgen zart/&lt;br /&gt;
Seind blueend Frücht und guoter art&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Waist du nit das die klare frucht/&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalgrlosse: Junckfraschafft ist ain edle frucht&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der rainen Junckfraewlichen zucht&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Fleüßt allezeyt in jrer Jugent/&lt;br /&gt;
Darumb die Junckfrawschafft all frist/&lt;br /&gt;
Nimmer on Blue und Früchten ist&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Ja Sy ist selbst mit grossem fleyß/&lt;br /&gt;
Die Edel Frucht lieblicher weyß&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Junckfrawschafft ist vil besser noch/&lt;br /&gt;
Dann Edel Gstain kostlich und hoch&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sy ist ain unzerstoerlichs bandt/&lt;br /&gt;
Ain himelische Gab genandt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sy ist die hoechste Maessigkeit/&lt;br /&gt;
In allem Flaisch zuo aller zeit&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Wie ain schmeckende Gilgen krafft/&lt;br /&gt;
Also ist auch die Junckfrawschafft&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Zuo jrem suessen Gschmack erkoren/&lt;br /&gt;
Wirt dargezogen das Ainhoren&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Wirt von jrem Geruch bewegt/&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Man lißt/ dz des Ainhorn die ju(n)ckfrawschaft so lieb habe/ das es sein haubt in jr schoß legt/ on alle(n) schaden oder zoren&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das es sein Grimmigkait hinlegt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Ja gibt sich gefangen und bloß/&lt;br /&gt;
Der rainen Junckfraw in jr Schoß&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Dann es ain sollichen lust hat/&lt;br /&gt;
Zuo der Rainigkait fruo und spat&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
[297v] Jst nit die Junckfrawschafft so klar/&lt;br /&gt;
Ain Magnet starck und krefftig gar&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Der gegen jm zeücht für und für/&lt;br /&gt;
Jst Sy nit ain Edler Saphir&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Der da vertreibet alle Gifft/&lt;br /&gt;
Und alle boese Gspenst vergifft&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Ain glantzender Schmaragk allzeit/&lt;br /&gt;
Der liebt die unzerstoert Keüschheit&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Und das unflaetig duldet nicht/&lt;br /&gt;
So die zarten Glider zerbricht&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Morale&amp;amp;middot;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;A&#039;&#039;&#039;Uß der Fabel wirt uns bekandt/&lt;br /&gt;
Wie das ain Junckfraewlicher staedt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Die hoechste Gab auff Erden sey/&lt;br /&gt;
Ain wonung aller Tugent frey&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Wer Frawen oder Junckfraw schendt/&lt;br /&gt;
Der nimbt gwonlich ain boeses Endt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Als [Dina] Jacobs Tochter zart/&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Genesis 34&amp;amp;middot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Von (Hemors) Sun geschendet wart&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Umb dise that kamen zur Erdt/&lt;br /&gt;
All Sichemiten mit dem Schwerdt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sextus bezwang Lucretiam/&lt;br /&gt;
Des Rom in grossen schaden kam&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Seinen Vatter thet man verjagen/&lt;br /&gt;
Auch wurd Sextus darumb erschlagen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Ain Junckfraw hat nicht hoehers mehr/&lt;br /&gt;
Dann raine Junckfraewliche Ehr&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
[298r] Wer ain Junckfraw bezwingen thuot/&lt;br /&gt;
Der raubet jr das hoechste guot&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Des man weder mit Guot noch Gelt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Mag wenden in der gantzen Welt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Doctor Freydanck spricht dise wort/&lt;br /&gt;
Diser darff wagen auch ain Mordt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Woelcher Fraw oder Junckfraw zwingt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Nach besserem Er auch nit ringt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Miniaturen und gedruckte Bilder==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Cgm 254, 76v).png|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Cgm 254, 76v)&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Cgm 340, 116v).png|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Cgm 340, 116v)&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Mgf 459, 254v).png|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Mgf 459, 254v)&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Druck 1490, 109v).jpg|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Druck 1490, 109v)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Druck 1571, 296r).png|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Druck 1571, 296r)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verwandte Erzählstoffe==&lt;br /&gt;
===[[Dornbusch und Feigenbaum (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
Der Dornbusch rühmt sich vor dem Feigenbaum seiner frühen Blüte, der Feigenbaum aber weist auf seine Früchte hin, die besser seien als leere Blüten. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 81)&lt;br /&gt;
===[[Lorbeer, Ölbaum, Lärche, Palme und Feigenbaum (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
Lorbeer, Ölbaum, Lärche (Orangenbaum / Buchsbaum) und Palme erklären dem Feigenbaum, warum sie auch im Winter ihr Grün behalten. (Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, S. 480)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Quelle Fabel]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Rose,_Lilie_und_Feigenbaum_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20633</id>
		<title>Rose, Lilie und Feigenbaum (Erzählstoff)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Rose,_Lilie_und_Feigenbaum_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20633"/>
		<updated>2022-02-02T20:35:24Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: /* Deutsche Versionen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
| namen              = Rose, Lilie und Feigenbaum&lt;br /&gt;
| regest             = Der Feigenbaum fragt Rose und Lilie, warum sie Blüten aber keine Früchte tragen; sie verweisen auf ihre Jungfräulichkeit, in der es keinen Unterschied zwischen Blüte und Frucht gäbe. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 576)&lt;br /&gt;
| fassungen          = [[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. IV, 9&amp;lt;br /&amp;gt;[[Buch von der Weisheit]], Nr. IV, 9&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. IV, 9, Bl. 81v-82r&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 93, Bl. 295v-298r&lt;br /&gt;
| forschung          = [[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 576; [[Günthart, Romy (Hg.): Sebastian Münster, Spiegel der wyßheit]], Band 2, S. 134-137&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Lateinische Version (Cyrillus, Nr. IV, 9), 1. Hälfte 14. Jhd. ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die deutsche Tradition baut auf einer lateinischen Quelle auf (Cyrillus, Nr. IV, 9 ([https://archive.org/details/diebeidenltesten00grss/page/114/mode/2up Grässe, Johann Georg Theodor (Hg.): Die beiden ältesten lateinischen Fabelbücher des Mittelalters.] Tübingen 1880, S. 115f.)). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 232.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Übersetzung&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 233.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Proverbium ad laudem virginitatis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rosa et lilium iuxta ficulneam sunt exortae. Quae cum expandissent floribunda folia nitore splendentia ac rorem suavitatis manantia aromaticique odoris fragrantiam effudissent, et illa floris orbata luce acerbum in fructum pariter pullulasset, lacte quidem invidentiae pruriens, commota mox invectivam proposuit dicens: &amp;quot;Post tam amoenissimam rutilantiam floridam ubi fructus vestri intenta genitura finaliter? Sanum est quippe florere sine fructu. Ligat enim natura sagax fructum in flore et ob ipsum tam vernantissimum germinat in florem.&amp;quot; At illae mox radicem eloquii sentientes pacifica ratione dixerunt: &amp;quot;Bene scimus, quod propter pruritum generationis perdidisti gloriam floris et idcirco iam exspoliata es sie loquens; nempe fructum paris dulcissimum, sed tamen pateris in radice pruritum, quo florem amisisti, nobis autem ex plena puritate et suavitate substantiae flos ipse fructus est. Unde in nobis flos et fructus minime distinguitur, quoniam abundante nimis mellitae puritatis et odoriferae sublimitatis humore id ipsum factum est in nobis flos et fructus. Nonne vapor terrae purissimus totum floridum in aurum concrescit et ros dulcissimus caeli virginitate vernante margaritam congemmascit? Igitur rosa et lilium et flores fruetiferi et fructus floridi sunt. An nescivisti, quod virginitatis manantis puritate, aromate et suavitate virtus ipsa clarissimus flos est et fructus? Mirabile igitur germen virginitatis sine germine non est. Nunquam est fructus sine fructu, immo totus et ipse fructus est. Sic et sancta virginitas ipsum naturae et virtutis est germen pretiosissimum, flos amoenissimus et splendor clarissimus, fructus dulcissimus, decor praestantissimus, odor suavissimus, valor totus. Nimirum ipsa est naturae ac virtutis clarissima gemma, inviolata integritas, caelestina serenitas, summa temperantia, perfecta victoria spiritus super germen, gloria tota. Ut rosa igitur fragrans et lilium rutilans est sancta virginitas, flos et fructus, ad cuius quidem fragrantiam unicornis tractus suaviter currit, cuius dulcedine ferocitas mansuescit, cuius puritate eius tam valida delectata potestas quasi victa in nitido gremio virginali reverentialiter prostrata recumbit. O nimirum magnes nimiae validitatis virginitatis ad se trahens naturam! O saphirus mirabilis castitatis omnem fugans et destruens famam veneuosam! O smaragdus rutilans viriditatis, perpetua puritas, inviolatae integritatis amatrix, foetidam Veneris nullatenus patiens corruptelam!&amp;quot; Ad haec ficulnea stupefacta conticuit.&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Ein Beispiel zum Lob der Jungfräulichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Rose und eine Lilie wuchsen neben einem Feigenbaum. Diese hatten ihre Blütenblätter entfaltet, die glänzten und strahlten, über sie rann süßer Tau und sie hatten den Wohlgeruch eines aromatischen Duftes verströmt. Jener aber hatte ohne Blütenglanz zugleich eine unreife Frucht hervortreiben lassen und hielt aufgebracht bald darauf folgende Scheltrede, da er durch den Saft des Neides brannte: &amp;quot;Wo ist schließlich nach solche einem anmutigen Blütenglanz die erstrebte Nachkommenschaft eurer Frucht? Es ist freilich gescheit, ohne Frucht zu blühen. Es bindet nämlich die weise Natur die Frucht an die Blüte, und deswegen treibt sie eine so glänzende Blüte hervor.&amp;quot; Aber da jene die Quelle der Rede bemerkten, sprachen sie in friedlicher Absicht: &amp;quot;Wir wissen gut, daß du wegen der Begierde nach Nachkommenschaft die Zierde deiner Blüte verloren hast und deshalb so sprichst, weil du von jetzt an ihrer beraubt bist; du bringst freilich eine sehr süße Frucht hervor, aber dennoch duldest du an der Wurzel die Begierde, wodurch du die Blüte verloren hast; aber aufgrund der vollen Reinheit und Süße unseres Wesens ist die Blüte selbst die Frucht. Daher unterscheidet man bei uns keineswegs Blüte und Frucht, weil bei uns durch den überreich vorhandenen Pflanzensaft von überaus süßer Reinheit und wohlriechender Vorzüglichkeit gerade das zu Blüte und Frucht geworden ist. Verdichtet nicht die reinste Wärme der Erde alles Glänzende zu Gold und läßt nicht der süßeste Tau des Himmels eine Perle in Jugendlichkeit und Jungfräulichkeit entstehen? Daher sind Rose und Lilie sowohl fruchttragende Blüten als auch blühende Früchte. Wußtest du nicht, daß gerade die Tugend der Jungfräulichkeit, die sich mit Reinheit, Wohlgeruch und Süße verbreitet, die edelste Blüte und zugleich Frucht ist? Daher gibt es keinen wunderbaren Sproß der Jungfräulichkeit ohne einen Keim. Niemals gibt es eine Frucht ohne Frucht, sondern im Gegenteil ist die Frucht selbst alles. So ist auch die heilige Jungfräulichkeit selbst der kostbarste Sproß, die anmutigste Blume, der hellste Glanz, die süßeste Frucht, die vorzüglichste Zierde, der lieblichste Duft und der ganze Wert der Natur und der Tugend. Zweifellos ist sie selbst der hellste Edelstein der Natur und der Tugend, unverletzbare Unschuld, himmlische Reinheit, höchste Selbstbeherrschung, vollkommener Sieg des Geistes über den Trieb, vollkommener Ruhm. Wie die duftende Rose und die rötlich schimmernde Lilie ist die heilige Jungfräulichkeit Blüte und Frucht, von deren Duft angezogen das Einhorn sanft herbeiläuft. Durch ihre Süße wird seine Wildheit bezähmt und durch ihre Reinheit legt sich ehrerbietig seine so starke Kraft voll Freude gleichsam besiegt in den glänzenden Schoß der Jungfrau. Oh Magnet von zweifellos außerordentlicher Stärke der Jungfräulichkeit, der du die Natur anziehst! Oh Saphir von wunderbarer Reinheit, der du das ganze giftige Gerede vertreibst und vernichtest! Oh Smaragd, der du von Jugendkraft glänzest, immerwährende Reinheit, Freundin unverletzbarer Unschuld, die du in keiner Weise die schädliche Verführung der Venus duldest!&amp;quot; Auf diese Worte hin verstummte betrübt der Feigenbaum.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutsche Versionen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. IV, 9 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490)&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. IV, 9, Bl. 81v-82r&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 93, Bl. 295v-298r&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Den iunckfrauen zuo lobe&amp;amp;middot;&amp;lt;br /&amp;gt;Das &amp;amp;middot;ix&amp;amp;middot; Capitel&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Junckfrowschafft ist&#039;&#039;&#039; alles lobs wert/ das zeigt an dise fabel von der Rosen und Lilien. Cap. ix.&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Junckfrawschafft ist alles lobs werdt. Von der Rosen und Lilien.&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;Die drey und nünczigst Fabel &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[109vb] EIn Rosen und auch ein Gilgen dye wuochssen miteina(n)der bey einem feygenbaum&amp;amp;middot; und do der selb feygenbaum ir schoengeferbte pletter die irer farbe gar lustige warend und suessen taw miltiklich außgusse(n) mit wolriechendem schmack in die weytte  außpraitet&amp;amp;middot; Nu(n) waren doch die rosen un(d) auch die gilgen die sellben zeit außwendiklich ires scheines und irer plue genczlich un(d) gar beraubt und gruonten beide(n)halben dannocht allein zuo iren summerfrüchten als sy die frau die frey natur kund maysteren und layten&amp;amp;middot; Darnach ward der feyge(n)baum neydiklich erwegt und sprach in hohem muot d(er) Rosen und der gilgen zuo&amp;amp;middot; Sagt mir des bit ich eüch wo seind eür su(m)mer früchtt/ wo sihet man eüer fruchtigs gepern nach so plueenreicher zeit des freüde(n)reiche(n) maien die sich bis her v(er)lauffen hatt wz mag so eitel und so gar vernichtet sein als so sich plue erzayget der doch kei(n) frucht nachvolget/ wa(n)n die natur aller weyßheit maisterin v(er)pindt mit fleyß die frucht in d(er) pluome(n)/ daru(m)be so wirt die mayenreich plue vil ee gesehen und gepüret&amp;amp;middot; Und darnach erst dye frücht verstuonden [110ra] so gar schnaell das dye straff gefaerlich waz&amp;amp;middot; Un(d) das auch sy entspra(n)g und wuochs auß nediger wurczen&amp;amp;middot; Do sprachen sy züchtiklich/ wir wissen wol das du vo(n) deins geperens wegen das kiczlig an im selber ist die aller schoenesten pluomen der maegetlichen eren williklich verlorn hast un(d) seyt du der emploeßt bist so redestu aus wz du wilt nach ganczem deym willen/ damit du dein übetmuot&amp;lt;ref&amp;gt;übermuot?&amp;lt;/ref&amp;gt; erzaigest&amp;amp;middot; Auch wilttu nit erkennen das uns die pluom die frucht ist&amp;amp;middot; Und dasselb fleüßset aus übertraeffelicher reinikeite und suessikeit d(er) weselichen listikeit/ wann unser wesen steett also das an uns beyden die pluomen die frucht un(d) die frücht der pluomer ist und seind dye beyde an in selbs ein ainigs wesen&amp;amp;middot; darumb so ist kein underschayde d(er) frucht unnd auch der pluomen in uns wesenlich/ wa(n)n seyd die gancz feüchtikeit d(er) hoenigsuessen reinikeit und wolriechenden suesikeit überflüssige in uns seynd darumb so seind die beyde dye frucht und auch die pluom ein ainiges wesen&amp;amp;middot; Und dasselb ding sage du uns ob du das wayßt wie der aller reynest und lauterest tunst der auß der erden dringet sich in die plue verschlechte/ und verwandlet&amp;amp;middot; und darjnne(n) [110rb] wechßt&amp;amp;middot; Und der sueß himeltaw das edel un(d) das scheinreich perlin das schoen in keüscheit leücht verporgenlich adelt&amp;amp;middot; Daru(m)be so mügen wir wol sein die roß auch die gilge(n) gar fruchtig pluome(n) und pluome(n) der frucht&amp;amp;middot; Od(er) haßt du nie gehoert das die tugendtt die unverhalte(n) ju(n)ckfraeulicheitt die allzeit rayn und schmackhafte ist die clarest frucht und pluome mitenand(er) ist hie niden auff d(er) erden und in de(m) hoechsten reich Auch wiß hie&amp;amp;middot; Als wenig ei(n) fruchte on frucht mag sein als wenige mag d(er) saum der junckfraeulichen reinigkeit on samen sein/ wann junckfraeuliche reinigkeyt die ist die frucht auch d(er) saume d(er) tugent und d(er) natur die niema(n)t widerwegen mag&amp;amp;middot; Si ist die hochgültest saum d(er) pringet fruchte die hundertfeltige ist&amp;amp;middot; Sy istt die freüdenreichest pluom und d(er) allerklaerest schein so er in himel und auf erd mage gesehen werden&amp;amp;middot; Sy ist die allersuessest fruchte und ein zier über all zier Sy ist der senfftes geschmache und ein riechen daz in den himel dringet&amp;amp;middot; Sy ist ein krafft unnd ein vermügen daz sich den engelen geleichet&amp;amp;middot; Der ding aller laß dych nymmer wundern seyd sy ist der teürest stain unnd der aller costlichost darzuo istt&amp;amp;middot; In der [110va] Monstra(n)cz der tugent und der natur&amp;amp;middot; Sy ist on alles verrucken gancz sy ist die hymlisch hayter&amp;amp;middot; sy ist die höchst mässigkeyt/ sy ist der syg den niemant überwindet&amp;amp;middot; sy ist der geist d(er) de(m) fleysche herrschet&amp;amp;middot; sy ist die er/ sy istt die freüd&amp;amp;middot; sy ist gelück&amp;amp;middot; sy ist sällikeit und würd&amp;amp;middot; Darumb istt junckfraeulicheit die aller saeligeste heilikeit/ seyt sy ist die pluom mitsampt der frucht als die gilge und rosen ist die des riechens kreftige seind und des scheynes reich. Dz riechen zeühet senftiklichen mit suessen kreften an sich dz stolcz und frei ainhirn wie wilde das an im selber ist das seyn hochtragender muot und scharpffer zoren gezaempt und gestillet wirt&amp;amp;middot; O junckfraeliche reinigkeit wz mag sich dir geleychen Seyd das dz wild einhyrn das muotige ist und zorns vol unnd schnaell on all maß vonn deiner lautern reinikeit genoet un(d) zwu(n)gen wirt das es sich mit ga(n)czer gir in dein schoß beschleüßt&amp;amp;middot; Un(d) darjnn nach seym luft rastet&amp;amp;middot; O saphyr des teüren gelts d(er) wundersamen reinikeit d(er) ayter und das do gift ist wievil des ist zerbricht gewaltiklich&amp;amp;middot; O gruengeferbter schmaragd d(er) immerwerenden reinikeit&amp;amp;middot; Ein lyebhaber d(er) unverruckten keüscheyt d(ie) nit [110vb] leiden mage der stinckenden unkeusch schwaches werck&amp;amp;middot; Darmit geschwaig der feigenbaum der sich der frucht der er gepare gar üppiklichen geruempt hette und ließ von seinem gloriern&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;By einem Fygen&#039;&#039;&#039;baum sin uffgangen ein Roß und Lilig/ und han ire schynbare bletter wyt ußgespreyt/ dar von auch suesser taw mit anderem wolriechendem geschmack ußgeflossen ist. Do aber der fygenbaum beraubt ist gewesen der bletter/ un(d) doch ußgesprosselt het bittere frucht/ hat er uß mißgoennu(n)g also gesproche(n). Jr han ein groß schinbare bluost gehabt/ wo sind nuon üwer frücht? Jst es nit ein torheit/ blueen on frucht? Die kluge natur hefft die frucht in die bluomen/ und der frucht halb bricht sy uß in solich lustige bluomen.&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Die unkuesche(n) verachten die jungfrowen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als die Roß und Lilg vermerckt han den grund diser red/ haben sy senfftmuetigliche gesproche(n). Wir wissen wol/ das du von hitziger begird wegen zuo der geburt hast verloren die ere der bluomen/ darumb redst du also. Du gebirst wol suesse frucht aber hast doch in der wurtzel stecken ein boese neyglicheit nach dem du die bluom verlore(n) hast. Aber wir uß gantzer reynigkeit und suessigkeit/ han die bluom für die frucht. [82r] Die bluom und frucht werde(n) in uns nit von einander gescheiden/ dan(n) uß honigsuesser reynigkeit und füchte wolriechender erhebung/ sin in uns die bluost und frucht ungeteylt worden. Jst im nit also/ der aller luterst dampff des ertrichs wechßt in bluende golt/ und der süß himmeltaw wechßt in edel gestein? Darumb sind rosen/ lilgen und bluomen bluende frücht. &amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Junckfrowschafft ist ein edel frucht.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weystu nit das die klar bluom und frucht der iunckfrowschafft/ flüßt mit reynikeit un(d) geschmack suesser tugenden? Daru(m)b ist die iungfrowschafft nymmer on bluost und frucht/ ia sy ist selbst die frucht. Also sichstu ist die heilige iungfrowschafft ein edel bluost der natur und tugent/ ein anmuetige bluom un(d) klarer schyn/ ein suesse frucht un(d) hübsche gezierd/ ein suesser geschmack und aller ding wirdig. Ja iunckfrowschafft ist ein kostbarlich edelgestein der natur un(d) der tugent/ sy ist ein unzerstoert band und ein himlische heyterkeit/ sy ist die hoechste messigkeit/ die volkummend überwindung und seygung des geists über das fleisch. Darumb wie ein wolschmeckende Roß und schynbare Lilg also ist heilige iungfrowschafft bluost un(d) frucht. Zuo irem suessen geschmack wirt lieblich gezoge(n) das Einhorn/ un(d) legt von jm alle grimmigkeit/ ia gibt sich glych gefange(n) solich geweltigs thier in den iunckfrowlichen schoß/ den(n) es allein der reynigkeit halb also ersamliche begert und ruow in jm hat. Jst nit die iungfrowschafft ein krefftiger Magnet/ der zuo jm zücht die natur? Ist sy nit ein wunderbarer Saphir/ der do vertrybt alle gifftige gespenst? Ist sy nit ein schoen gruener glitze(n)der Smaragd/ der ein liebhaber ist der unzerstoerten küscheit/ Und nit dulden mag unstetige zerstoerung gebürlicher glider?&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;white-space: pre; vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;B&#039;&#039;&#039;Ey ainem Feygenbaum sehr groß/&lt;br /&gt;
Wuochs auff ain Gilgen und ain Ros&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Dise hond ire Bletter weyt/&lt;br /&gt;
Außgebraittet in sonderheyt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Davon ain suesser Schmack zumal/&lt;br /&gt;
Lieblich davon gieng überal&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Als nun der Feygenbaum gemein/&lt;br /&gt;
Beraubet war der Bletter sein&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Yedoch Er von jm geben hett/&lt;br /&gt;
Ain bittere frucht an der stett&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sprach Er an auß mißgunnung gar/&lt;br /&gt;
Die Gilgen und die Rosen klar&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Vil Scheyn und Blue habt gehabt ir/&lt;br /&gt;
Wa seind Ewr Früchten zaigt die mir&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Es ist ain Thorhait und Unzucht/&lt;br /&gt;
Vil Blue haben und doch kain Frucht&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Die kluog Natur thuot hefften sich/&lt;br /&gt;
Jn die Frücht der Bluomen warlich&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
[296v] Hernach der Frucht halben Sy thuot/&lt;br /&gt;
Außbrechen in die Bluomen guot&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Als die Gilg und die Roß den grund/&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Die Unkeüschen verachten die Junckfrawen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
(Der Red) vermerkten zuo der stund&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Hond Sy dem Feygenbaum die wort/&lt;br /&gt;
Gar saenfft verantwurt an dem ort&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Und sprachen vorhin wissen wir/&lt;br /&gt;
Das die Bluo ist genommen dir&amp;amp;middot;&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Der Feygenbau(m) bluoet nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Von wegen deiner Begird fast/&lt;br /&gt;
Die du zuo dem Frucht bringen hast&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Darumb ist also die Red dein/&lt;br /&gt;
Du bringst wol guote Frucht so fein&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Doch in deiner Wurczel allzeit/&lt;br /&gt;
Steckt ain boese Naiglistigkeit&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Nach woellicher du hast verloren/&lt;br /&gt;
Die Edel Bluomen außerkoren&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Wir aber hond mit rainer zucht/&lt;br /&gt;
Allzeyt die Bluomen für die Frucht&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Die Bluom und die Frucht beede sander/&lt;br /&gt;
Werden bey uns nit von ainander&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Geschaiden/ Sonder überal/&lt;br /&gt;
Beysamen gefunden zumal&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Der aller beste Gschmack und Krafft/&lt;br /&gt;
Und Honig suesser rainer Safft&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Die thuond bey uns behalten wir/&lt;br /&gt;
Jn Blue und Früchten für und für&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Der aller beste dampff so klar/&lt;br /&gt;
Wechßt blueend in das Gold fürwar&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
[297r] Und des sueß Himelthaw so fein/&lt;br /&gt;
Wechßt in das klar Edel Gestain&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Darumb Rosen und Gilgen zart/&lt;br /&gt;
Seind blueend Frücht und guoter art&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Waist du nit das die klare frucht/&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalgrlosse: Junckfraschafft ist ain edle frucht&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der rainen Junckfraewlichen zucht&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Fleüßt allezeyt in jrer Jugent/&lt;br /&gt;
Darumb die Junckfrawschafft all frist/&lt;br /&gt;
Nimmer on Blue und Früchten ist&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Ja Sy ist selbst mit grossem fleyß/&lt;br /&gt;
Die Edel Frucht lieblicher weyß&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Junckfrawschafft ist vil besser noch/&lt;br /&gt;
Dann Edel Gstain kostlich und hoch&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sy ist ain unzerstoerlichs bandt/&lt;br /&gt;
Ain himelische Gab genandt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sy ist die hoechste Maessigkeit/&lt;br /&gt;
In allem Flaisch zuo aller zeit&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Wie ain schmeckende Gilgen krafft/&lt;br /&gt;
Also ist auch die Junckfrawschafft&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Zuo jrem suessen Gschmack erkoren/&lt;br /&gt;
Wirt dargezogen das Ainhoren&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Wirt von jrem Geruch bewegt/&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Man lißt/ dz des Ainhorn die ju(n)ckfrawschaft so lieb habe/ das es sein haubt in jr schoß legt/ on alle(n) schaden oder zoren&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das es sein Grimmigkait hinlegt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Ja gibt sich gefangen und bloß/&lt;br /&gt;
Der rainen Junckfraw in jr Schoß&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Dann es ain sollichen lust hat/&lt;br /&gt;
Zuo der Rainigkait fruo und spat&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
[297v] Jst nit die Junckfrawschafft so klar/&lt;br /&gt;
Ain Magnet starck und krefftig gar&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Der gegen jm zeücht für und für/&lt;br /&gt;
Jst Sy nit ain Edler Saphir&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Der da vertreibet alle Gifft/&lt;br /&gt;
Und alle boese Gspenst vergifft&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Ain glantzender Schmaragk allzeit/&lt;br /&gt;
Der liebt die unzerstoert Keüschheit&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Und das unflaetig duldet nicht/&lt;br /&gt;
So die zarten Glider zerbricht&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Morale&amp;amp;middot;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;A&#039;&#039;&#039;Uß der Fabel wirt uns bekandt/&lt;br /&gt;
Wie das ain Junckfraewlicher staedt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Die hoechste Gab auff Erden sey/&lt;br /&gt;
Ain wonung aller Tugent frey&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Wer Frawen oder Junckfraw schendt/&lt;br /&gt;
Der nimbt gwonlich ain boeses Endt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Als [Dina] Jacobs Tochter zart/&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Genesis 34&amp;amp;middot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Von (Hemors) Sun geschendet wart&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Umb dise that kamen zur Erdt/&lt;br /&gt;
All Sichemiten mit dem Schwerdt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sextus bezwang Lucretiam/&lt;br /&gt;
Des Rom in grossen schaden kam&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Seinen Vatter thet man verjagen/&lt;br /&gt;
Auch wurd Sextus darumb erschlagen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Ain Junckfraw hat nicht hoehers mehr/&lt;br /&gt;
Dann raine Junckfraewliche Ehr&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
[298r] Wer ain Junckfraw bezwingen thuot/&lt;br /&gt;
Der raubet jr das hoechste guot&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Des man weder mit Guot noch Gelt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Mag wenden in der gantzen Welt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Doctor Freydanck spricht dise wort/&lt;br /&gt;
Diser darff wagen auch ain Mordt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Woelcher Fraw oder Junckfraw zwingt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Nach besserem Er auch nit ringt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Miniaturen und gedruckte Bilder==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Cgm 254, 76v).png|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Cgm 254, 76v)&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Cgm 340, 116v).png|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Cgm 340, 116v)&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Mgf 459, 254v).png|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Mgf 459, 254v)&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Druck 1490, 109v).jpg|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Druck 1490, 109v)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Druck 1571, 296r).png|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Druck 1571, 296r)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verwandte Erzählstoffe==&lt;br /&gt;
===[[Dornbusch und Feigenbaum (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
Der Dornbusch rühmt sich vor dem Feigenbaum seiner frühen Blüte, der Feigenbaum aber weist auf seine Früchte hin, die besser seien als leere Blüten. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 81)&lt;br /&gt;
===[[Lorbeer, Ölbaum, Lärche, Palme und Feigenbaum (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
Lorbeer, Ölbaum, Lärche (Orangenbaum / Buchsbaum) und Palme erklären dem Feigenbaum, warum sie auch im Winter ihr Grün behalten. (Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, S. 480)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Quelle Fabel]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Rose,_Lilie_und_Feigenbaum_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20632</id>
		<title>Rose, Lilie und Feigenbaum (Erzählstoff)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Rose,_Lilie_und_Feigenbaum_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20632"/>
		<updated>2022-02-02T20:27:23Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: /* Deutsche Versionen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
| namen              = Rose, Lilie und Feigenbaum&lt;br /&gt;
| regest             = Der Feigenbaum fragt Rose und Lilie, warum sie Blüten aber keine Früchte tragen; sie verweisen auf ihre Jungfräulichkeit, in der es keinen Unterschied zwischen Blüte und Frucht gäbe. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 576)&lt;br /&gt;
| fassungen          = [[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. IV, 9&amp;lt;br /&amp;gt;[[Buch von der Weisheit]], Nr. IV, 9&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. IV, 9, Bl. 81v-82r&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 93, Bl. 295v-298r&lt;br /&gt;
| forschung          = [[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 576; [[Günthart, Romy (Hg.): Sebastian Münster, Spiegel der wyßheit]], Band 2, S. 134-137&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Lateinische Version (Cyrillus, Nr. IV, 9), 1. Hälfte 14. Jhd. ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die deutsche Tradition baut auf einer lateinischen Quelle auf (Cyrillus, Nr. IV, 9 ([https://archive.org/details/diebeidenltesten00grss/page/114/mode/2up Grässe, Johann Georg Theodor (Hg.): Die beiden ältesten lateinischen Fabelbücher des Mittelalters.] Tübingen 1880, S. 115f.)). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 232.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Übersetzung&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 233.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Proverbium ad laudem virginitatis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rosa et lilium iuxta ficulneam sunt exortae. Quae cum expandissent floribunda folia nitore splendentia ac rorem suavitatis manantia aromaticique odoris fragrantiam effudissent, et illa floris orbata luce acerbum in fructum pariter pullulasset, lacte quidem invidentiae pruriens, commota mox invectivam proposuit dicens: &amp;quot;Post tam amoenissimam rutilantiam floridam ubi fructus vestri intenta genitura finaliter? Sanum est quippe florere sine fructu. Ligat enim natura sagax fructum in flore et ob ipsum tam vernantissimum germinat in florem.&amp;quot; At illae mox radicem eloquii sentientes pacifica ratione dixerunt: &amp;quot;Bene scimus, quod propter pruritum generationis perdidisti gloriam floris et idcirco iam exspoliata es sie loquens; nempe fructum paris dulcissimum, sed tamen pateris in radice pruritum, quo florem amisisti, nobis autem ex plena puritate et suavitate substantiae flos ipse fructus est. Unde in nobis flos et fructus minime distinguitur, quoniam abundante nimis mellitae puritatis et odoriferae sublimitatis humore id ipsum factum est in nobis flos et fructus. Nonne vapor terrae purissimus totum floridum in aurum concrescit et ros dulcissimus caeli virginitate vernante margaritam congemmascit? Igitur rosa et lilium et flores fruetiferi et fructus floridi sunt. An nescivisti, quod virginitatis manantis puritate, aromate et suavitate virtus ipsa clarissimus flos est et fructus? Mirabile igitur germen virginitatis sine germine non est. Nunquam est fructus sine fructu, immo totus et ipse fructus est. Sic et sancta virginitas ipsum naturae et virtutis est germen pretiosissimum, flos amoenissimus et splendor clarissimus, fructus dulcissimus, decor praestantissimus, odor suavissimus, valor totus. Nimirum ipsa est naturae ac virtutis clarissima gemma, inviolata integritas, caelestina serenitas, summa temperantia, perfecta victoria spiritus super germen, gloria tota. Ut rosa igitur fragrans et lilium rutilans est sancta virginitas, flos et fructus, ad cuius quidem fragrantiam unicornis tractus suaviter currit, cuius dulcedine ferocitas mansuescit, cuius puritate eius tam valida delectata potestas quasi victa in nitido gremio virginali reverentialiter prostrata recumbit. O nimirum magnes nimiae validitatis virginitatis ad se trahens naturam! O saphirus mirabilis castitatis omnem fugans et destruens famam veneuosam! O smaragdus rutilans viriditatis, perpetua puritas, inviolatae integritatis amatrix, foetidam Veneris nullatenus patiens corruptelam!&amp;quot; Ad haec ficulnea stupefacta conticuit.&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Ein Beispiel zum Lob der Jungfräulichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Rose und eine Lilie wuchsen neben einem Feigenbaum. Diese hatten ihre Blütenblätter entfaltet, die glänzten und strahlten, über sie rann süßer Tau und sie hatten den Wohlgeruch eines aromatischen Duftes verströmt. Jener aber hatte ohne Blütenglanz zugleich eine unreife Frucht hervortreiben lassen und hielt aufgebracht bald darauf folgende Scheltrede, da er durch den Saft des Neides brannte: &amp;quot;Wo ist schließlich nach solche einem anmutigen Blütenglanz die erstrebte Nachkommenschaft eurer Frucht? Es ist freilich gescheit, ohne Frucht zu blühen. Es bindet nämlich die weise Natur die Frucht an die Blüte, und deswegen treibt sie eine so glänzende Blüte hervor.&amp;quot; Aber da jene die Quelle der Rede bemerkten, sprachen sie in friedlicher Absicht: &amp;quot;Wir wissen gut, daß du wegen der Begierde nach Nachkommenschaft die Zierde deiner Blüte verloren hast und deshalb so sprichst, weil du von jetzt an ihrer beraubt bist; du bringst freilich eine sehr süße Frucht hervor, aber dennoch duldest du an der Wurzel die Begierde, wodurch du die Blüte verloren hast; aber aufgrund der vollen Reinheit und Süße unseres Wesens ist die Blüte selbst die Frucht. Daher unterscheidet man bei uns keineswegs Blüte und Frucht, weil bei uns durch den überreich vorhandenen Pflanzensaft von überaus süßer Reinheit und wohlriechender Vorzüglichkeit gerade das zu Blüte und Frucht geworden ist. Verdichtet nicht die reinste Wärme der Erde alles Glänzende zu Gold und läßt nicht der süßeste Tau des Himmels eine Perle in Jugendlichkeit und Jungfräulichkeit entstehen? Daher sind Rose und Lilie sowohl fruchttragende Blüten als auch blühende Früchte. Wußtest du nicht, daß gerade die Tugend der Jungfräulichkeit, die sich mit Reinheit, Wohlgeruch und Süße verbreitet, die edelste Blüte und zugleich Frucht ist? Daher gibt es keinen wunderbaren Sproß der Jungfräulichkeit ohne einen Keim. Niemals gibt es eine Frucht ohne Frucht, sondern im Gegenteil ist die Frucht selbst alles. So ist auch die heilige Jungfräulichkeit selbst der kostbarste Sproß, die anmutigste Blume, der hellste Glanz, die süßeste Frucht, die vorzüglichste Zierde, der lieblichste Duft und der ganze Wert der Natur und der Tugend. Zweifellos ist sie selbst der hellste Edelstein der Natur und der Tugend, unverletzbare Unschuld, himmlische Reinheit, höchste Selbstbeherrschung, vollkommener Sieg des Geistes über den Trieb, vollkommener Ruhm. Wie die duftende Rose und die rötlich schimmernde Lilie ist die heilige Jungfräulichkeit Blüte und Frucht, von deren Duft angezogen das Einhorn sanft herbeiläuft. Durch ihre Süße wird seine Wildheit bezähmt und durch ihre Reinheit legt sich ehrerbietig seine so starke Kraft voll Freude gleichsam besiegt in den glänzenden Schoß der Jungfrau. Oh Magnet von zweifellos außerordentlicher Stärke der Jungfräulichkeit, der du die Natur anziehst! Oh Saphir von wunderbarer Reinheit, der du das ganze giftige Gerede vertreibst und vernichtest! Oh Smaragd, der du von Jugendkraft glänzest, immerwährende Reinheit, Freundin unverletzbarer Unschuld, die du in keiner Weise die schädliche Verführung der Venus duldest!&amp;quot; Auf diese Worte hin verstummte betrübt der Feigenbaum.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutsche Versionen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. IV, 9 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490)&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. IV, 9, Bl. 81v-82r&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 93, Bl. 295v-298r&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Den iunckfrauen zuo lobe&amp;amp;middot;&amp;lt;br /&amp;gt;Das &amp;amp;middot;ix&amp;amp;middot; Capitel&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Junckfrowschafft ist&#039;&#039;&#039; alles lobs wert/ das zeigt an dise fabel von der Rosen und Lilien. Cap. ix.&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Junckfrawschafft ist alles lobs werdt. Von der Rosen und Lilien.&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;Die drey und nünczigst Fabel &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
EIn Rosen und auch ein Gilgen dye wuochssen miteina(n)der bey einem feygenbaum&amp;amp;middot; und do der selb feygenbaum ir schoengeferbte pletter die irer farbe gar lustige warend und suessen taw miltiklich außgusse(n) mit wolriechendem schmack in die weytte  außpraitet&amp;amp;middot; Nu(n) waren doch die rosen un(d) auch die gilgen die sellben zeit außwendiklich ires scheines und irer plue genczlich un(d) gar beraubt und gruonten beide(n)halben dannocht allein zuo iren summerfrüchten als sy die frau die frey natur kund maysteren und layten&amp;amp;middot; Darnach ward der feyge(n)baum neydiklich erwegt und sprach in hohem muot d(er) Rosen und der gilgen zuo&amp;amp;middot; Sagt mir des bit ich eüch wo seind eür su(m)mer früchtt/ wo sihet man eüer fruchtigs gepern nach so plueenreicher zeit des freüde(n)reiche(n) maien die sich bis her v(er)lauffen hatt wz mag so eitel und so gar vernichtet sein als so sich plue erzayget der doch kei(n) frucht nachvolget/ wa(n)n die natur aller weyßheit maisterin v(er)pindt mit fleyß die frucht in d(er) pluome(n)/ daru(m)be so wirt die mayenreich plue vil ee gesehen und gepüret&amp;amp;middot; Und darnach erst dye frücht verstuonden so gar schnaell das dye straff gefaerlich waz&amp;amp;middot; Un(d) das auch sy entspra(n)g und wuochs auß nediger wurczen&amp;amp;middot; Do sprachen sy züchtiklich/ wir wissen wol das du vo(n) deins geperens wegen das kiczlig an im selber ist die aller schoenesten pluomen der maegetlichen eren williklich verlorn hast un(d) seyt du der emploeßt bist so redestu aus wz du wilt nach ganczem deym willen/ damit du dein übetmuot&amp;lt;ref&amp;gt;übermuot?&amp;lt;/ref&amp;gt; erzaigest&amp;amp;middot; Auch wilttu nit erkennen das uns die pluom die frucht ist&amp;amp;middot; Und dasselb fleüßset aus übertraeffelicher reinikeite und suessikeit d(er) weselichen listikeit/ wann unser wesen steett also das an uns beyden die pluomen die frucht un(d) die frücht der pluomer ist und seind dye beyde an in selbs ein ainigs wesen&amp;amp;middot; darumb so ist kein underschayde d(er) frucht unnd auch der pluomen in uns wesenlich/ wa(n)n seyd die gancz feüchtikeit d(er) hoenigsuessen reinikeit und wolriechenden suesikeit überflüssige in uns seynd darumb so seind die beyde dye frucht und auch die pluom ein ainiges wesen&amp;amp;middot; Und dasselb ding sage du uns ob du das wayßt wie der aller reynest und lauterest tunst der auß der erden dringet sich in die plue verschlechte/ und verwandlet&amp;amp;middot; und darjnne(n) wechßt&amp;amp;middot; Und der sueß himeltaw das edel un(d) das scheinreich perlin das schoen in keüscheit leücht verporgenlich adelt&amp;amp;middot; Daru(m)be so mügen wir wol sein die roß auch die gilge(n) gar fruchtig pluome(n) und pluome(n) der frucht&amp;amp;middot; Od(er) haßt du nie gehoert das die tugendtt die unverhalte(n) ju(n)ckfraeulicheitt die allzeit rayn und schmackhafte ist die clarest frucht und pluome mitenand(er) ist hie niden auff d(er) erden und in de(m) hoechsten reich Auch wiß hie&amp;amp;middot; Als wenig ei(n) fruchte on frucht mag sein als wenige mag d(er) saum der junckfraeulichen reinigkeit on samen sein/ wann junckfraeuliche reinigkeyt die ist die frucht auch d(er) saume d(er) tugent und d(er) natur die niema(n)t widerwegen mag&amp;amp;middot; Si ist die hochgültest saum d(er) pringet fruchte die hundertfeltige ist&amp;amp;middot; Sy istt die freüdenreichest pluom und d(er) allerklaerest schein so er in himel und auf erd mage gesehen werden&amp;amp;middot; Sy ist die allersuessest fruchte und ein zier über all zier Sy ist der senfftes geschmache und ein riechen daz in den himel dringet&amp;amp;middot; Sy ist ein krafft unnd ein vermügen daz sich den engelen geleichet&amp;amp;middot; Der ding aller laß dych nymmer wundern seyd sy ist der teürest stain unnd der aller costlichost darzuo istt&amp;amp;middot; In der Monstra(n)cz der tugent und der natur&amp;amp;middot; Sy ist on alles verrucken gancz sy ist die hymlisch hayter&amp;amp;middot; sy ist die höchst mässigkeyt/ sy ist der syg den niemant überwindet&amp;amp;middot; sy ist der geist d(er) de(m) fleysche herrschet&amp;amp;middot; sy ist die er/ sy istt die freüd&amp;amp;middot; sy ist gelück&amp;amp;middot; sy ist sällikeit und würd&amp;amp;middot; Darumb istt junckfraeulicheit die aller saeligeste heilikeit/ seyt sy ist die pluom mitsampt der frucht als die gilge und rosen ist die des riechens kreftige seind und des scheynes reich. Dz riechen zeühet senftiklichen mit suessen kreften an sich dz stolcz und frei ainhirn wie wilde das an im selber ist das seyn hochtragender muot und scharpffer zoren gezaempt und gestillet wirt&amp;amp;middot; O junckfraeliche reinigkeit wz mag sich dir geleychen Seyd das dz wild einhyrn das muotige ist und zorns vol unnd schnaell on all maß vonn deiner lautern reinikeit genoet un(d) zwu(n)gen wirt das es sich mit ga(n)czer gir in dein schoß beschleüßt&amp;amp;middot; Un(d) darjnn nach seym luft rastet&amp;amp;middot; O saphyr des teüren gelts d(er) wundersamen reinikeit d(er) ayter und das do gift ist wievil des ist zerbricht gewaltiklich&amp;amp;middot; O gruengeferbter schmaragd d(er) immerwerenden reinikeit&amp;amp;middot; Ein lyebhaber d(er) unverruckten keüscheyt d(ie) nit leiden mage der stinckenden unkeusch schwaches werck&amp;amp;middot; Darmit geschwaig der feigenbaum der sich der frucht der er gepare gar üppiklichen geruempt hette und ließ von seinem gloriern&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;By einem Fygen&#039;&#039;&#039;baum sin uffgangen ein Roß und Lilig/ und han ire schynbare bletter wyt ußgespreyt/ dar von auch suesser taw mit anderem wolriechendem geschmack ußgeflossen ist. Do aber der fygenbaum beraubt ist gewesen der bletter/ un(d) doch ußgesprosselt het bittere frucht/ hat er uß mißgoennu(n)g also gesproche(n). Jr han ein groß schinbare bluost gehabt/ wo sind nuon üwer frücht? Jst es nit ein torheit/ blueen on frucht? Die kluge natur hefft die frucht in die bluomen/ und der frucht halb bricht sy uß in solich lustige bluomen.&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Die unkuesche(n) verachten die jungfrowen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als die Roß und Lilg vermerckt han den grund diser red/ haben sy senfftmuetigliche gesproche(n). Wir wissen wol/ das du von hitziger begird wegen zuo der geburt hast verloren die ere der bluomen/ darumb redst du also. Du gebirst wol suesse frucht aber hast doch in der wurtzel stecken ein boese neyglicheit nach dem du die bluom verlore(n) hast. Aber wir uß gantzer reynigkeit und suessigkeit/ han die bluom für die frucht. [82r] Die bluom und frucht werde(n) in uns nit von einander gescheiden/ dan(n) uß honigsuesser reynigkeit und füchte wolriechender erhebung/ sin in uns die bluost und frucht ungeteylt worden. Jst im nit also/ der aller luterst dampff des ertrichs wechßt in bluende golt/ und der süß himmeltaw wechßt in edel gestein? Darumb sind rosen/ lilgen und bluomen bluende frücht. &amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Junckfrowschafft ist ein edel frucht.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weystu nit das die klar bluom und frucht der iunckfrowschafft/ flüßt mit reynikeit un(d) geschmack suesser tugenden? Daru(m)b ist die iungfrowschafft nymmer on bluost und frucht/ ia sy ist selbst die frucht. Also sichstu ist die heilige iungfrowschafft ein edel bluost der natur und tugent/ ein anmuetige bluom un(d) klarer schyn/ ein suesse frucht un(d) hübsche gezierd/ ein suesser geschmack und aller ding wirdig. Ja iunckfrowschafft ist ein kostbarlich edelgestein der natur un(d) der tugent/ sy ist ein unzerstoert band und ein himlische heyterkeit/ sy ist die hoechste messigkeit/ die volkummend überwindung und seygung des geists über das fleisch. Darumb wie ein wolschmeckende Roß und schynbare Lilg also ist heilige iungfrowschafft bluost un(d) frucht. Zuo irem suessen geschmack wirt lieblich gezoge(n) das Einhorn/ un(d) legt von jm alle grimmigkeit/ ia gibt sich glych gefange(n) solich geweltigs thier in den iunckfrowlichen schoß/ den(n) es allein der reynigkeit halb also ersamliche begert und ruow in jm hat. Jst nit die iungfrowschafft ein krefftiger Magnet/ der zuo jm zücht die natur? Ist sy nit ein wunderbarer Saphir/ der do vertrybt alle gifftige gespenst? Ist sy nit ein schoen gruener glitze(n)der Smaragd/ der ein liebhaber ist der unzerstoerten küscheit/ Und nit dulden mag unstetige zerstoerung gebürlicher glider?&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;white-space: pre; vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;B&#039;&#039;&#039;Ey ainem Feygenbaum sehr groß/&lt;br /&gt;
Wuochs auff ain Gilgen und ain Ros&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Dise hond ire Bletter weyt/&lt;br /&gt;
Außgebraittet in sonderheyt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Davon ain suesser Schmack zumal/&lt;br /&gt;
Lieblich davon gieng überal&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Als nun der Feygenbaum gemein/&lt;br /&gt;
Beraubet war der Bletter sein&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Yedoch Er von jm geben hett/&lt;br /&gt;
Ain bittere frucht an der stett&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sprach Er an auß mißgunnung gar/&lt;br /&gt;
Die Gilgen und die Rosen klar&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Vil Scheyn und Blue habt gehabt ir/&lt;br /&gt;
Wa seind Ewr Früchten zaigt die mir&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Es ist ain Thorhait und Unzucht/&lt;br /&gt;
Vil Blue haben und doch kain Frucht&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Die kluog Natur thuot hefften sich/&lt;br /&gt;
Jn die Frücht der Bluomen warlich&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
[296v] Hernach der Frucht halben Sy thuot/&lt;br /&gt;
Außbrechen in die Bluomen guot&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Als die Gilg und die Roß den grund/&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Die Unkeüschen verachten die Junckfrawen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
(Der Red) vermerkten zuo der stund&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Hond Sy dem Feygenbaum die wort/&lt;br /&gt;
Gar saenfft verantwurt an dem ort&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Und sprachen vorhin wissen wir/&lt;br /&gt;
Das die Bluo ist genommen dir&amp;amp;middot;&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Der Feygenbau(m) bluoet nicht.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Von wegen deiner Begird fast/&lt;br /&gt;
Die du zuo dem Frucht bringen hast&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Darumb ist also die Red dein/&lt;br /&gt;
Du bringst wol guote Frucht so fein&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Doch in deiner Wurczel allzeit/&lt;br /&gt;
Steckt ain boese Naiglistigkeit&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Nach woellicher du hast verloren/&lt;br /&gt;
Die Edel Bluomen außerkoren&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Wir aber hond mit rainer zucht/&lt;br /&gt;
Allzeyt die Bluomen für die Frucht&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Die Bluom und die Frucht beede sander/&lt;br /&gt;
Werden bey uns nit von ainander&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Geschaiden/ Sonder überal/&lt;br /&gt;
Beysamen gefunden zumal&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Der aller beste Gschmack und Krafft/&lt;br /&gt;
Und Honig suesser rainer Safft&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Die thuond bey uns behalten wir/&lt;br /&gt;
Jn Blue und Früchten für und für&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Der aller beste dampff so klar/&lt;br /&gt;
Wechßt blueend in das Gold fürwar&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
[297r] Und des sueß Himelthaw so fein/&lt;br /&gt;
Wechßt in das klar Edel Gestain&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Darumb Rosen und Gilgen zart/&lt;br /&gt;
Seind blueend Frücht und guoter art&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Waist du nit das die klare frucht/&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalgrlosse: Junckfraschafft ist ain edle frucht&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der rainen Junckfraewlichen zucht&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Fleüßt allezeyt in jrer Jugent/&lt;br /&gt;
Darumb die Junckfrawschafft all frist/&lt;br /&gt;
Nimmer on Blue und Früchten ist&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Ja Sy ist selbst mit grossem fleyß/&lt;br /&gt;
Die Edel Frucht lieblicher weyß&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Junckfrawschafft ist vil besser noch/&lt;br /&gt;
Dann Edel Gstain kostlich und hoch&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sy ist ain unzerstoerlichs bandt/&lt;br /&gt;
Ain himelische Gab genandt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sy ist die hoechste Maessigkeit/&lt;br /&gt;
In allem Flaisch zuo aller zeit&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Wie ain schmeckende Gilgen krafft/&lt;br /&gt;
Also ist auch die Junckfrawschafft&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Zuo jrem suessen Gschmack erkoren/&lt;br /&gt;
Wirt dargezogen das Ainhoren&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Wirt von jrem Geruch bewegt/&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Man lißt/ dz des Ainhorn die ju(n)ckfrawschaft so lieb habe/ das es sein haubt in jr schoß legt/ on alle(n) schaden oder zoren&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das es sein Grimmigkait hinlegt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Ja gibt sich gefangen und bloß/&lt;br /&gt;
Der rainen Junckfraw in jr Schoß&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Dann es ain sollichen lust hat/&lt;br /&gt;
Zuo der Rainigkait fruo und spat&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
[297v] Jst nit die Junckfrawschafft so klar/&lt;br /&gt;
Ain Magnet starck und krefftig gar&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Der gegen jm zeücht für und für/&lt;br /&gt;
Jst Sy nit ain Edler Saphir&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Der da vertreibet alle Gifft/&lt;br /&gt;
Und alle boese Gspenst vergifft&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Ain glantzender Schmaragk allzeit/&lt;br /&gt;
Der liebt die unzerstoert Keüschheit&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Und das unflaetig duldet nicht/&lt;br /&gt;
So die zarten Glider zerbricht&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Morale&amp;amp;middot;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;A&#039;&#039;&#039;Uß der Fabel wirt uns bekandt/&lt;br /&gt;
Wie das ain Junckfraewlicher staedt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Die hoechste Gab auff Erden sey/&lt;br /&gt;
Ain wonung aller Tugent frey&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Wer Frawen oder Junckfraw schendt/&lt;br /&gt;
Der nimbt gwonlich ain boeses Endt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Als [Dina] Jacobs Tochter zart/&amp;lt;ref&amp;gt;Marginalglosse: Genesis 34&amp;amp;middot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Von (Hemors) Sun geschendet wart&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Umb dise that kamen zur Erdt/&lt;br /&gt;
All Sichemiten mit dem Schwerdt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sextus bezwang Lucretiam/&lt;br /&gt;
Des Rom in grossen schaden kam&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Seinen Vatter thet man verjagen/&lt;br /&gt;
Auch wurd Sextus darumb erschlagen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Ain Junckfraw hat nicht hoehers mehr/&lt;br /&gt;
Dann raine Junckfraewliche Ehr&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
[298r] Wer ain Junckfraw bezwingen thuot/&lt;br /&gt;
Der raubet jr das hoechste guot&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Des man weder mit Guot noch Gelt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Mag wenden in der gantzen Welt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Doctor Freydanck spricht dise wort/&lt;br /&gt;
Diser darff wagen auch ain Mordt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Woelcher Fraw oder Junckfraw zwingt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Nach besserem Er auch nit ringt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Miniaturen und gedruckte Bilder==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Cgm 254, 76v).png|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Cgm 254, 76v)&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Cgm 340, 116v).png|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Cgm 340, 116v)&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Mgf 459, 254v).png|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Mgf 459, 254v)&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Druck 1490, 109v).jpg|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Druck 1490, 109v)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Druck 1571, 296r).png|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Druck 1571, 296r)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verwandte Erzählstoffe==&lt;br /&gt;
===[[Dornbusch und Feigenbaum (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
Der Dornbusch rühmt sich vor dem Feigenbaum seiner frühen Blüte, der Feigenbaum aber weist auf seine Früchte hin, die besser seien als leere Blüten. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 81)&lt;br /&gt;
===[[Lorbeer, Ölbaum, Lärche, Palme und Feigenbaum (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
Lorbeer, Ölbaum, Lärche (Orangenbaum / Buchsbaum) und Palme erklären dem Feigenbaum, warum sie auch im Winter ihr Grün behalten. (Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, S. 480)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Quelle Fabel]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Affe_und_Spielmann_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20610</id>
		<title>Affe und Spielmann (Erzählstoff)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Affe_und_Spielmann_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20610"/>
		<updated>2022-01-28T15:25:10Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: /* Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein), Nr. III, 12 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490) */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
| namen              = Affe und Spielmann&amp;lt;!--Möglichst alle Bezeichnungen des Stoffs, die in der Forschung gebräuchlich waren bzw. sind, in alphabetischer Reihenfolge, abgetrennt mit &amp;quot;;&amp;quot;--&amp;gt;&lt;br /&gt;
| regest             =  Der sich seiner Blöße schämende Affe erhält vom Spielmann die gewünschten Kleider, wird dafür aber angekettet und abgerichtet. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 32)&amp;lt;!--Kurzzusammenfassung des Erzählstoffs--&amp;gt;&lt;br /&gt;
| fassungen          = [[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. III, 12&amp;lt;br /&amp;gt;[[Buch von der Weisheit]], Nr. III, 11&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. III, 12&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 69&amp;lt;!--Möglichst alle Fassungen des Erzählstoffs. Bei Einzelwerken in [[Kurzzitationen]], bei Fassungen im Rahmen größerer Werke in [[Kurzzitationen]], Nr. XX, bei anonymen Handschriften und Drucken nach dem Muster: Ort, Bibliothek: Signatur, abgetrennt mit &amp;quot;&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;quot;--&amp;gt;&lt;br /&gt;
| forschung          = [[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 32f.; [[Günthart, Romy (Hg.): Sebastian Münster, Spiegel der wyßheit]], Band 2, S. 106-108&amp;lt;!--Forschungstexte zum Erzählstoff (s. Bibliographie Forschung Kleinepik), ggf. mit Seitenangaben, abgetrennt mit &amp;quot;;&amp;quot;--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Lateinische Version (Cyrillus, Nr. III, 12), 1. Hälfte 14. Jhd. ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die deutsche Tradition baut auf einer lateinischen Quelle auf (Cyrillus, Nr. III, 12 ([https://archive.org/details/diebeidenltesten00grss/page/86/mode/2up Grässe, Johann Georg Theodor (Hg.): Die beiden ältesten lateinischen Fabelbücher des Mittelalters.] Tübingen 1880, S. 87-89)). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 178-182.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Übersetzung&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 179-183.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Contra eos, qui libenter suscipiunt munera.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Cupida vestis simia, confusibiliter ut polluta cooperiret pudenda, cum cerneret histrionem ioco laetum, pluribus indumentis donatum, ut ea manu prodigalitatis effunderet, mox ad eum se contulit, et parata salutatione subiunxit: &amp;quot;Nescio certe, cuius instaurationis causa, tam in beneficiis mirae largitatis profusa, caudulam pudibundae vilitatis latibulum, nulli umquam invida cum sit totius bonitatis exundantissima fontana, mihi natura non dederit, sed reliquerit nudam, unde ad opulentum inops, ad liberalem egena, audacia necessitatis accurro.&amp;quot; Cui ille, leniori lingua vestis avidam mulcens: &amp;quot;Tibi&amp;quot;, inquit, &amp;quot;haec nuditas, amica, grande bonum est, cum sis rationabilibus conformior formata, non bestialiter cum cauda, sed arte quasi homo exornata humanis gaudeas opulentiis. Nimirum latent quosdam naturae beneficia, sed his diffusis grandi liberalitatis impetu repleta sunt omnia. Attamen quod flagitas, satis gratum babens sane do atque mellis favum, quod libenter devoras, superaddo.&amp;quot; Tunc simia laetanter susceptis beneficiis grata gratias agens ac nimis magnipendens, quod tam liberaliter ultra quam petierit, habuisset, cogitavit, ut in cuncta re sibi necessaria tam gratioso largitori inseparabiliter adhaereret. Cui dixit: &amp;quot;Satis quidem mea me naturaliter ad te imitandum proprietas inclinat, sed profusa tua magis attrahit benignitas; quamobrem, amice, si dignaris, servire sum paratus.&amp;quot; Mox ille: &amp;quot;Placet&amp;quot;, inquit, &amp;quot;mibi tam gratanter donata comitiva, magis tamen et bene conveniant iocus et berta. Verum ne quando fortassis dilectam te vagabundam raperet dulce malum et male computata libertas, dilectori largiter donanti necessaria, conjunctae dilectionis et servitutis liberae adhaerebis catena.&amp;quot; Quae inconsulte iam subacta donis acceptavit et stolida grandem libertatis rem non grandi munere aut callido commercio perdidit et mercatori mox se exhibuit captivandam. Irretitam ergo, natura dispositam, ludere quantocius eruditam, cupiditatis suae ludos protinus exposuit ac suis commodis atque oblectationibus alienis miseram servire coegit. Qua nimirum interdum magistro minus correspondente, aut ut puniret defectum aut impudico ludi ludibrio magis exsequeretur effectum, ab omnibus videndam nudabat, super hoc acetoso potus haustu maestificans. Tunc quidem luce confusionis ac tribulationis fellitae antidoto prudentiae oculis simiae restitutis, cum perciperet durioris patroni nunc irae nunc avaritiae se captivatam servire, ad cor reversa digestae rei sententiam talem dicitur protulisse: &amp;quot;O subornatum deceptivae cupiditatis hamum, letiferum munus, munerum naturalium ademptivum, gravissimum obligationis pignus, stulti et sapientis commercium minimum, maximum emptionis pretium, servitutis iugum, iniquitatis fermentum, captivitatis indicium, fomentum discordiarum, subversio civilitatum omniumque seminarium malorum, amatum venenum! Non immerito certe amica veritatis, aequitatis et pacis, cunctarum virtutum socia, divina lex susceptionem munerum iudicibus interdicens inquit Exodi XXIII: Munera etiam excaecant prudentes et pervertunt verba iustorum. Plane quidem elucidans, quod haec ipsa prudentiam fugant, iustitiam dissipant, intellectualis moralisque virtutis consistentiam vastant omnemque rectitudinis vitam necant. Revera muneribus excaecatus tam admirabilis Balaam periit, muneribus iudicialis sedes domus Iacob depravata liberis Samuelis Israhel in praeiudicium cecidit. Muneribus corrupto senatu dudum florido, sicut providerat princeps, ingravata murmuratione Romana gloria transivit. Etenim cum emptis iniquo munerum pretio datoribus legum fratricida ingratissimus et nequam praedo iustificatus fuit, tunc Iustitia recessit a Roma et converso ad eam vultu clamavit et dixit: &amp;quot;O urbem venalem et matrem tradituram, si inveniret emptorem!&amp;quot; Ob quas res nimirum, qui non parvis sapientia cultum virtutibus animum possederunt, magnis eo ipso laudibus sunt dignificati, quod magnorum maxima, maximae libertatis amore, munera contempserunt. Quantis enim titulis gloriae superfertur ille Diogenes, dum calcatis opibus regiis per medias libere accipientis voluntati expositas, raptas Asiae Macedonis Alexandri gazas pauper sed virtute opulentus incessit. Ita siquidem eo locupletior maiorque splenduit, quia plus fuit hoc ipsum, quod accipere noluit, quam id, quod ille dare disposuit aut possedit. Quantis autem certe laudationibus miris morum cultor Socrates extollitur, qui cum Archelai regis satis quidem magnis petebatur muneribus honorandus, respondisse fertur, nolle se ad eum venire, a quo acciperet beneficia, cum reddere illi paria non posset. Liber quippe esse voluit, dum ante reddere quam suscipere in spreto munere cogitavit. Quantisque similiter praeconiis curialitatis Romanus approbatur Fabricius, dum quadrantiae munus viro pauperi a Pyrrho rege oblatum virtute ditissimus renuit, magis eligens honestate civis liberi quam muneribus empti regis gloriositate potiri. Qua profecto re multo magis emicuit, dum rex admiratus spectabilem virum utique semper tonante laude super solem erexit dicens: &amp;quot;Ille est Fabricius, qui difficilius ab honestate quam sol a rectitudiue sui cursus averti potest.&amp;quot; Quid plura? Certe nil carius venditur ac perdibilius sumitur quam munus cupiditate volitum ac donatum.&amp;quot; Quibus diffinitis etsi non carne, ab avaritia tamen libera mente quievit et propter munera in captivitate permansit.&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Gegen die, die gerne Geschenke erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Affe, der sich unbedingt ein Gewand wünschte, um seine beschämend schmutzige Scham zu bedecken, sah einen Schauspieler, der sich über einen Scherz freute und mit mehreren Gewändern beschenkt worden war. Er begab sich sogleich zu ihm, damit er diese mit verschwenderischer Hand austeilte, grüßte ihn und fügte hinzu: &amp;quot;Ich weiß gewiß nicht, wegen welcher Neuerung die Natur, die mit Wohltaten so großzügig und seltsam verschwenderisch und niemals gegen irgendeinen gehässig ist, da sie die überreiche Quelle alles Guten ist, mir nicht einen kleinen Schwanz als Versteck für meine beschämende Blöße gegeben, sondern mich nackt gelassen hat. Durch Not ermutigt komme ich deshalb arm zum Reichen, bedürftig zum Großzügigen.&amp;quot; Jener besänftigte ihn, der so sehr ein Gewand begehrte, mit sanfter Zunge und sagte zu ihm: &amp;quot;Diese Blöße, mein Freund, ist für dich ein großartiges Gut, weil du den Vernuftwesen ziemlich ähnlich geschaffen worden bist, nicht auf tierische Art mit einem Schwanz, sondern durch die Kunst der Natur wie ein Mensch ausgestattet dich an menschlichem Reichtum erfreust. Zweifellos sind die Wohltaten der Natur bei einigen verborgen, aber nachdem sie ausgeschüttet worden sind, ist alles von großartigem Eifer der Freigebigkeit erfüllt. Dennoch gebe ich dir, was du verlangst, weil ich tatsächlich genügend Angenehmes habe, und ich füge noch obendrein eine Wabe mit Honig dazu, den du gerne verzehrst.&amp;quot; Da dankte der Affe freudig für die erhaltenen Wohltaten und in seiner Dankbarkeit schätzte er es allzu hoch ein, daß er auf so großzügige Weise mehr als erbeten bekommen hatte, und beabsichtigte, in der ganzen für ihn notwendigen Angelegenheit dem so gnädigen Gönner untrennbar ergeben zu sein. Er sagte zu ihm: &amp;quot;Mein ganzes Wesen neigt zwar von Natur aus dazu, dich nachzuahmen, aber deine verschwenderische Großzügigkeit zieht mich noch mehr an. Wenn es dir deshalb recht ist, mein Freund, bin ich bereit, dir zu dienen.&amp;quot; Darauf sagte jener: &amp;quot;Mir gefällt eine in dankenswerter Weise geschenkte Begleitung, dennoch mögen Scherz und Affe noch mehr und gut zusammenpassen. Aber damit nicht vielleicht irgendwann ein süßes Übel und die für schlecht gehaltene Freiheit dich, den geliebten Vagabunden, entführen kann, wirst du für den Gönner, der großzügig das Notwendige schenkt, an der Kette des Liebesbundes und der freiwilligen Knechtschaft hängen.&amp;quot; Da er schon durch die Geschenke in Abhängigkeit geraten war, stimmte er, ohne zu überlegen, zu und verlor auf törichte Weise das großartige Gut der Freiheit durch ein kleines Geschenk und einen listigen Tauschhandel und bot sich alsbald dem Kaufmann als Gefangener an. Er stellte ihn also, der von Natur aus dazu geeignet war, gefesselt sofort zur Schau, nachdem er schnellstens abgerichtet worden war, die Spiele seiner Begierde zu spielen, und er zwang den Unglücklichen seinen Bequemlichkeiten und fremden Vergnügen zu dienen. Da er zweifellos manchmal weniger mit seinem Lehrer übereinstimmte, entblößte er ihn, damit er von allen gesehen wurde, entweder um einen Fehler zu bestrafen oder um durch schamlosen Spott beim Spiel mehr Wirkung zu erreichen, und stimmte ihn überdies durch den Schluck des bitteren Getränks sehr traurig. Nachdem durch das Heilmittel der Klugheit dei Augen des Affen wiederhergestellt waren, weil das Licht die Verstörung und die gallebittere Trübsal erhellt hatte, da erkannte er, daß er als Gefangener bald dem Zorn, bald der Habgier seines immer hartherzigeren Schutzherrn diente, und soll zur Einsicht zurückgekehrt folgende Meinung der Reihe nach vorgetragen haben: &amp;quot;O, du heimlich mit täuschender Gier versehener Köder, du todbringendes Geschenk, Räuber der natürlichen Gaben, äußerst beschwerliches Pfand der Verpflichtung, kleinster Handel zwischen einem Toren und einem Weisen, höchster Kaufpreis, Joch der Knechtschaft, Gärstoff der Ungerechtigkeit, Zeichen der Gefangenschaft, Zunder für Zwietracht, Vernichtung der friedlichen Gemeinschaft, Keim aller Übel, geliebtes Gift! Zu Recht verbietet das göttliche Gesetz als Freund von Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden laut Exodus 23 den Richtern die Annahme von Geschenken, indem es sagt: Geschenke verblenden sogar die Klugen und verderben die Worte der Gerechtigkeit. Es ist völlig einleuchtend, daß gerade diese die Klugheit vertreiben, die Gerechtigkeit vernichten, die Beschaffenheit der intellektuellen und moralischen Tugend zerrütten und alles richtige Handeln im Leben töten. Der so bewundernswerte Balaam ging von Geschenken verblendet wahrhaftig zugrunde, durch Geschenke verführt fiel der Sitz der Gerichtsbarkeit des Hauses Jakob zum Nachteil Israels den Kindern Samuels zu. Nachdem der einst blühende Senat durch Geschenke bestochen worden war und das Murren sich verschlimmert hatte, verging der römische Ruhm, wie der Fürst es vorhergesehen hatte. Als nämlich der völlig unbeliebte Brudermörder, Erzschurke und Räuber freigesprochen worden war, nachdem die Gesetzgeber durch einen unangemessenen Preis der Geschenke gekauft worden waren, da verließ die Gerechtigkeit Rom, und sie soll auf es zurückblickend gesagt haben: &amp;quot;Oh käufliche Stadt, sie würde sogar ihre Mutter ausliefern, wenn sie einen Käufer fände!&amp;quot; Deswegen sind zweifellos die, die einen Charakter besaßen, der durch die Weisheit von großen Tugenden geformt war, gerade mit erheblichem Lob gewürdigt worden, weil sie aus Liebe zu dem höchsten Gut der Freiheit die größten Geschenke der Großen verachtet haben. Mit welchen ruhmvollen Bezeichnungen wird nämlich jener Diogenes überhöht, der, nachdem er den königlichen Reichtum mit Füßen getreten hatte, arm, aber reich an Tugend mitten zwischen den in Asien geraubten Schätzen des Makedonen Alexander einherging, die seinem Willen offenstanden, falls er sie annehmen wollte! So glänzte er freilich umso reicher und mehr, weil die Tatsache, daß er nichts annehmen wollte, mehr bedeutete, als das, was jener als Geschenk verteilte oder besaß. Mit welchem wunderbaren Lobreden aber wird freilich Sokrates, der Freund der guten Sitten, gerühmt, der, als er mit recht großen Geschenken des Königs Archelaos umworben wurde, um geehrt zu werden, gesagt haben soll, er wolle nicht zu ihm kommen, um Wohltaten zu empfangen, da er ihm keine gleichwertigen wiedergeben könne. Er wollte natürlich ein freier Mann sein, da er bei der Ablehnung des Geschenkes eher an das Zurückgeben als an das Annehmen dachte. Und mit welchem Lobpreis auf seine Redlichkeit wird der Römer Fabricius geehrt, der es vorzog, das Ansehen eines freien Bürgers statt der Pracht eines durch Geschenke gekauften Königs zu haben, da dieser überaus tugendreiche Mann das Geschenk eines Viertels des Königreiches ablehnte, das ihm, dem armen Mann, von König Pyrrhus angeboten worden war. Sicherlich ragte er dadurch noch mehr hervor, weil jedenfalls der König voll Bewunderung den angesehenen Mann immer übermäßig lobte und ihn über die Sonne erhob, indem er sagte: &amp;quot;Jener Fabricius kann schwerer von der Redlichkeit abgebracht werden als die Sonne von der Geradlinigkeit ihrer Bahn.&amp;quot; Was weiter? Sicherlich wird nichts teurer verkauft und zum eigenen Schaden angenommen als ein Geschenk, das aus Begierde ersehnt und gegeben worden ist.&amp;quot; Nach diesen Erklärungen fand der Affe seine Ruhe, wenn auch nicht in Hinblick auf seinen Körper, sondern weil sein Geist nun frei von Habsucht war; wegen der Geschenke aber blieb er in Gefangenschaft.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutsche Versionen==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. III, 12 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490)===&lt;br /&gt;
Wyder die dye geren gabe nemend&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das&amp;amp;middot; xii&amp;amp;middot; Capitel&amp;amp;middot; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[81rb] EIn Aff der wz des hi(n)dern teils gar ungestalt der begeret eins klaides damit er moecht sei(n) plosse scham decken&amp;amp;middot; Der sahe ein hofflichen spilman mangen hüpschen hof schimpff gar glimpflich vor aller menklich ueben / der wz hoflich geziert und geklaidt&amp;amp;middot; de(m) fueget er sich behendiklich zuo ob im der klaid(er) etwz moecht entreysen&amp;amp;middot; Den gruoßt er unnd sprache zuo im&amp;amp;middot; Fürwar ich kan nit wißsen was sach das rechter beschaiden müg gesein das dye nature die edel an ir selber ist&amp;amp;middot; und auch mit wundersamer miltikeit tausentfeltiklich begossen ist&amp;amp;middot; un(d) hie auf erden keinen dingen neidig ist gewesen&amp;amp;middot; unnd ist auch aller geitikeit ein reychflüssiger pru(n)ne /  mein so gar vergessen hatt / und mich so ploß verlassen das ich von ir nit haben mag damit ich moecht mein schwache scham bedecken&amp;amp;middot; Darumb so fleühe ich unfreyer zuo einem der gefreyett ist&amp;amp;middot; Ich jaemeriger d(er) gar dürftig&amp;lt;ref&amp;gt;dürstig?&amp;lt;/ref&amp;gt; ist zuo einem der gar reich ist mit genoeter türstikeit&amp;amp;middot; Do verstuond der spilman die begir des Affen die er zuo seinen klaidern het den waichet er mit linder zunge(n) un(d) sprach also&amp;amp;middot; Dein ploesse ist dyr ein grosse gab seyt du menschli[81va]cher creatur pist der gestalt vil nahend geleich geformet unnd gepildet / wann du hast nit vyhischen schwancz&amp;amp;middot; aber der ku(n)ßt pist du gar meisterlich nach me(n)schen art geziert&amp;amp;middot; und bist auch der über alle tier gar reych mitt den menschen&amp;amp;middot; Nu(n) moechtestt du kein hart gehaben der sich dein moecht geleichen / wann wo vernünftige synn seind da ist d(er) hoechste adel&amp;amp;middot; Waist du nit das der ein michler teil ist den wolthaett der natur auf lange zeit gar vestiklich verporgen seind / wann aber sich die selben woltat freymuetiklich außgiessend so werde(n) natürlich werck in rechten(m) sauße erfült / yedoch daz des du pitest gewer ich dich miltiklich&amp;amp;middot;  unnd mach die gab reycher wann du pitest / wann hoenigsam den yßsestu geren des gibe ich dir gar miltiklich vil mer dann dein genuegen&amp;amp;middot; Des dancket im der Aff und lobet das sere an im das er auß miltem herczen im mer versprach zegeben dann er an in begeret het&amp;amp;middot; und verpa(n)nt sich des hinwider das er die weil er lebte von einem so milten geber nymermer wolt weychen&amp;amp;middot; Un(d) mochte auch die gelübd niemandt wendige machen&amp;amp;middot; und sprach also&amp;amp;middot; Mein natürliche aigenschaft hat mich vast darzuo genayget / [81vb] das ich dir volgen&amp;amp;middot; Yedoch So zeühet mich vyl mer dein über milte guotikeit&amp;amp;middot; Darumbe meyn allerliebster freünd begerßt du des so bin ich dir zuo dienst bereite&amp;amp;middot; Do sprach der spilman zuo dez Affen&amp;amp;middot; Ein so genaemer geferte d(er) muoß mir wolgefallen&amp;amp;middot; Yedoch gefelt mir das michel bas dz ei(n) spilman und ein Aff so wol czuoeinander fuegendt&amp;amp;middot; Nun mein allerliebster Aff Seyd wir unns in freüntschaft czesamen haben verpunden so will ich dich verforgen&amp;lt;ref&amp;gt;Wohl ein Druckfehler: versorgen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;amp;middot; Nu(n) moecht sich das wol fuegen ob du dich villeicht etwa(n) froelich woltest ermaye(n) mit wol gemeßnen springen dauon dich suesses übel gar schedlich moechte begreiffen / also das dir dein frei sprünge zuo schaden moechten ko(m)men / darumb gefelt mir wie du dich mit einer schoenen ketten laseßt umbfahen / darmit du mir lieplich werdest zuogefueget&amp;amp;middot; und dich hinfür nymermer mügeßt von mir geschaiden das noettett mich dann allzeit dz ich mit dir teil mit milter hand alles dz dz ich wege pringe&amp;amp;middot; Die red gefiele de(m) affen wol / d(er) erpot sich gar on alles bedencken de(m) schalckhafte(n) kaufman williklich in sein hend und gab sich im zefahen umb ei(n) schwachen ungeleiche(n) wechssel wann freyer muot an einem teyl [82ra] gefangen seind an dem anderen ward nie geleicher wechssel Dz prueften da die milte(n) gab die im da warden verheissen&amp;amp;middot; Do er nu(n) mit der ketten nach des gaucklers willen mit sicherheyt umbfange(n) wz / da gab er im die gaglerey seiner kürczweil in kürcz zuo erkennen / der ward er palde gelert / seyt in natürlicher aigenschaft darzuo behendiklich uebete Auch noetet er den schalckhafftiklich gefangenen das er de(n) kunde(n) und den froembden hoffiern muoste und gaucklen zuo lust nach seinem willen&amp;amp;middot; Wann aber des czuo stunden des nit wol willig was daz muost er gar schnaell wid(er)pri(n)gen / thaet er des nit so ward auch er genczlich von im emploeßt und muoßt groß straich leyden / Und gab im für den hoenigs am essich und pitter gallen&amp;amp;middot; Dz pitter tranck un(d) schaemlichs laster die der Af leiden muoßt die taeten im die augen der verstentnuße auf&amp;amp;middot; und gaben im sein synn wider als ferr das er wol erkannt wie er gefangen muoßt diene(n) nu(n) dem zorn nun d(er) schwachen geytikeit seines schwaern maisters / Do grif er in sein hercz und klaget sei(n) pittres leiden / er redt mit im selber&amp;amp;middot; unnd bedacht wz sich mit unzeitigem gelück an im hete u(m)gangen&amp;amp;middot; Unnd wie auch in [82rb] v(er)heissen gab verlait heten dz er seins muotes mit fancknuß waer beraubet und sprach also&amp;amp;middot; O du verporgner und schoengezierter a(n)gel d(er) geitikeit wiewol kanstu betriege(n)&amp;amp;middot; Ich maint mir zekauffen ein deck meiner ploesse dz hate mich gefelt in scha(m) und laster Nu(n) waffen wz hab ich geta(n) mei(n) handel ist nit and(er)s dan(n) ein pfa(n)t des aller schwaeresten punds&amp;amp;middot; Ei(n) wechssel des toren mit dem weisen / das klainste gelt des groeßten kaufs&amp;amp;middot; Ein joch des schwaeresten di(n)gs&amp;amp;middot; Ein urhab d(er) poßheit Ein vingerzaigen d(er) fencknusse Ein speiß d(er) zwayunge / ein v(er)keren d(er) rechten / ein saum aller übel / ein gift d(er) waren lieb&amp;amp;middot; Als ich das verstee so ist das nit unpillich das die liebhaberin des frides und d(er) gerechtigkeit und dye gesellin aller tugent dz goetliche recht d(er) alten ee allen richtern bei d(er) wyd v(er)peut das sy nit gab nemen&amp;amp;middot; und spricht also&amp;amp;middot; Gab plenden die weysen / und v(er)kern dye wort d(er) gerechte(n)&amp;amp;middot; Auch pringe(n)t die selben rechten d(er) alten ee claerlich an den &lt;br /&gt;
tag wie die unrechte(n) gab die weißheit v(er)iagen die gerechtikeit zertrennen&amp;amp;middot; Sy v(er)wuesten d(er) vernünftigen und sitigen tugent wesenliche vestikeit und toettendtt schlaechtes unnd rechtes leben&amp;amp;middot; Waist man nit wie der [82va] weissag Balaam ward mit gabe geplendet&amp;amp;middot; unnd verdarb auch damit ewiklich&amp;amp;middot; Mit gabe so ward der sessel des gerichts des wirdigen hauses Jacob gancz und gar verrucket / da Samuelis sün von gab wegen verpoest wurden / da viel auch Israhel in kürcz darnach in schand und laster&amp;amp;middot; Mit gab so ward der pluende rat der hochgekroenten statt zuo Rom verkert und verruckt damit v(er)wandlet sich ir ere und ward gar vast genidert&amp;amp;middot; Wann sy was mit gab so geneczlich überwunden das alle recht ein unrechte wurden / wa(n)n einen d(er) seynes aygen pruoder toetter wz&amp;amp;middot; un(d) was ein mortlicher schacher de(n) machet gab gerecht in seinen sachen&amp;amp;middot; und da er von der stat sich schaiden wolt / do keret er dz angesicht wider gen der stat unnd schrei mit lauter stymm&amp;amp;middot; Es waere die gancz stat vayl un(d) all ir mueter pastharten zugen pern / und funden sy nun kauffer&amp;amp;middot; Vo(n) der sach wegen on allen zweifel seind die mit grossez lob gewirdiget dye nit mit klein tugente(n) der weißheyt iren wolgezierten muot besessen haben / sunder auch die d(er) groesten herrngab am meisten freyen muot zuo eren widersprachen und verschmaechten dye auff zenemen&amp;amp;middot; Ey wer kan das [82vb] volsagen weliches lobes unnd auch ruomes der vest held Dyogenes für keyser un(d) künig würdig sey / darumb das er die reychen gab die seinen willen czenemen in freimuetiger miltikeit des maechtigen küniges Alexandri / geopffert und gepoten worde(n) / die trat er manlich under seyne fueß&amp;amp;middot; unnd gieng in mitte durch sein reych des goldes nacket un(d) ploß&amp;amp;middot; Damit erschein er als vil reicher und auch groesser dann d(er) künig selber was / wann dz des er begerte das was groesser und wirdenreicher dann alles dz daz der künig geben unnd besiczen mocht&amp;amp;middot; Ey wie mit lobliche(n) lob wirt der wundersam liebhaber der sitten Socrates erhebt und erhoecht / wann da er von dez gewaltigen künig Archelao in künicklicher begir gar fleissikliche(n) gebeten ward das er sich zuo im fueget das wißt er im mit reycher gab nach künicklicher wirdikeit mit milter hand zedanken d(er) gab antwurt  er gar mit kurczen worten&amp;amp;middot; Er woelt zuo des nymer kommen von dem er moecht woltat und  gab aufnemen seyt er im kein gleiche gab gegeben moecht&amp;amp;middot; Auch wolt er gancz  frey sein&amp;amp;middot; und gedacht auch im er waere zuo geben geadelt unnd nicht zuo neme(n) / darumb verschmaecht [83ra] er sein gabe&amp;amp;middot; Auch wirdet d(er) edel Roemer Fabricius mit hohem lob an manger stat gepreist&amp;amp;middot; do im der künig Pirais ein fürstenthuom zuogab der pot das er and(er) vier und(er) im het&amp;amp;middot; Dz v(er)schmaecht er in freyes adels muot / wann er wz der tugent reich und erwoelt wie er wolt vil lieber ein miter statman sein dann das er pflaeg grosser würd / darzuo in gab het gemuet / damit erschein er sichtigklich als ferr das den künig sein verwundert seins staeten muotes Des lobet er in&amp;amp;middot; und erhuob sein lob über die klaren sunnen und sprach also&amp;amp;middot; Dz ist d(er) Fabricius der so staet und vest ist / daz müglich wear es traet die sunn vo(n) ire(m) lauf und v(er)wandlet den de(n)n das sich sein gerechter muot v(er)wa(n)dlet und verkert&amp;amp;middot; Wz sag ich mer es wirt nichs teürer verkauft und mit groesser verlust genommen / dann gab die geitiklich genommen und gegeben wirt&amp;amp;middot; Do das außgericht wart da nam des affen ler ein ende&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Miniaturen und gedruckte Bilder==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Affe_und_Schauspieler_(Mgf_459,_184v).png|200px|thumb|left|Affe und Schauspieler (Mgf 459, 184v)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Schauspieler (Cgm 254, 60v).png|200px|thumb|left|Affe und Schauspieler (Cgm 254, 60v)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Schauspieler (Cgm 340, 87r).png|200px|thumb|left|Affe und Schauspieler (Cgm 340, 87r)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Schauspieler (Cgm 9602, 71r).jpg|200px|thumb|left|Affe und Schauspieler (Cgm 9602, 71r)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Schauspieler (Egerton 1121, 119v).png|200px|thumb|left|Affe und Schauspieler (Egerton 1121, 119v)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Schauspieler (Druck 1490, 81r).jpg|200px|thumb|left|Affe und Schauspieler (Druck 1490, 81r)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Spielmann (Druck 1571, 237v).png|200px|thumb|left|Affe und Spielmann (Druck 1571, 237v)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verwandte Erzählstoffe==&lt;br /&gt;
===[[Affe und Fuchs I (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der selbstgefällige Fuchs spottet über den nackten Affen, der aber betont den Wert innerer Qualitäten und zählt die Nachteile äußerer Schönheit auf. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Affe und Fuchs II (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein angeketteter Affe brüstet sich mit seiner menschlichen Kleidung, wird aber vom Fuchs über seine Unfreiheit und geistige Armut aufgeklärt. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 24)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Fuchs und Affe II (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Fuchs, den er um seinen schönen Schwanz beneidet, geht der Affe auf Wanderschaft und erkennt dabei am Beispiel anderer Tiere, dass der, der etwas Besonderes besitzt, den Nachstellungen der Menschen ausgesetzt ist. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 202)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Fuchs und Affe III (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Affe bittet den Fuchs, ihm einen Teil seines langen Schwanzes zu geben, damit er seine Blöße bedecken könne; der habgierige Fuchs denkt nicht daran, mit dem Bedürftigen zu teilen. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 203)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anspielungen==&lt;br /&gt;
===Cyrillus: Speculum Sapientiae, Nr. II, 11===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 102&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Übersetzung&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 103&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|Der Fuchs versucht die Hirschkuh zu überreden, sich zum Bären zu begeben, um sich Hörner geben zu lassen, und zählt in diesem Zusammenhang die Vorzüge anderer Tiere auf:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Aut forte livoris nescia quaedam reliquit arti natura. Simia quidem suppletiva arte induitur et magisterio aurum et argentum politur.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Vgl. Affe und Spielmann: &#039;&#039;Irretitam ergo, natura dispositam, ludere quantocius eruditam, cupiditatis suae ludos protinus exposuit ac suis commodis atque oblectationibus alienis miseram servire coegit.&#039;&#039;)&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;blockquote&amp;gt;Oder aber die Natur hat neidlos der Geschicklichkeit Spielraum gegeben. Der Affe ist allerdings mit einer zusätzlichen Geschicklichkeit ausgestattet, Gold und Silber werden durch Meisterschaft geglättet.)&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Vgl. Affe und Spielmann: Er stellte ihn also, der von Natur aus dazu geeignet war, gefesselt sofort zur Schau, nachdem er schnellstens abgerichtet worden war, die Spiele seiner Begierde zu spielen, und er zwang den Unglücklichen seinen Bequemlichkeiten und fremden Vergnügen zu dienen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Cyrillus: Speculum Sapientiae, Nr. II, 20===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 122&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Übersetzung&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 123&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|Der Fuchs verspottet den Affen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;&amp;quot;Numquid naturae opulentis in te tantum defecerunt divitiae, ut debitum natibus indumentum ac nobili animae correspondentem pellem tribuere non valeret? Aut certe si te cum homine induendam arte dimiserit, hoc cum acciderit, necesse est, ut capta sis.&amp;quot;&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Hat dich der Reichtum der wohlhabenden Natur so sehr in Stich gelassen, daß sie dir die notwendige Bedeckung für dein Hinterteil und ein Fell, das einem edlen Geist ansteht, nicht geben konnte? Und wenn sie dich wie den Menschen mit der handwerklichen Geschicklichkeit, dich zu bekleiden, entlassen hätte, wärest du sicher gefangen worden, wenn dies geschehen wäre.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. II, 11===&lt;br /&gt;
Die Handlung ist analog zu Cyrill II, 11 gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Wann du sihest wol wie der ungestalt Aff vo(n) natur hinden und vornen mit maisterschaft beklaidet un(d) geziert wirt Auch werde(n) silber und gold un(d) edel gestain mit maisterschafft gepoliert und durchfein.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. II, 20===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Handlung ist analog zu Cyrill II, 20 gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ey sage mir wye werden der gar vollkommen natur überflüssige reichtu(m)b so gar gepraestenlich an dir gesehen dz sy weder deiner scham zymliche claider noch deiner claren unnd edlen sel nicht miltigklichen gegeben hat ein obdach eins rauhen pelglins des doch den beide(n) ein notdurft waer. Hat sy daz nit vermügt so ist auch sy gebraest enlich. Hat aber sy das mügen thuon un(d) hat das woellen nichtt gehebtt so ist auch sy deinem jaemerigen potich in grossez genaere neidig gewesen. Es waer dan(n) eins daran das sy synnreycher kunst verlassen het ob du vonn dem menschen soltest beklayset werden. waere dem also so waere aber genaerde dabey. wann we(n)n das an dir geschaehe so mueßtest auch du gefangen sein.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. II, 29===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Waldesel (Cgm 340, 62r).png|200px|thumb|left|Affe und Waldesel (Cgm 340, 62r)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. III, 9===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Fuchs II (Cgm 254, 57r).png|200px|thumb|left|Affe und Fuchs II (Cgm 254, 57r)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Fuchs II (Cgm 340, 81r).png|200px|thumb|left|Affe und Fuchs II (Cgm 340, 81r)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Fuchs II (Cgm 9602, 67v).jpg|200px|thumb|left|Affe und Fuchs II (Cgm 9602, 67v)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Fuchs II (Druck 1490, 76r).jpg|200px|thumb|left|Affe und Fuchs II (Druck 1490, 76r)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. II, 11===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Handlung ist analog zu Cyrill II, 11 gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Man woelt dan(n) sagen das die natur die niemant hessig ist / etwas der kluogheit verlassen hab / wie dan(n) auch der Aff sich uß kunst bekleiden kan(n) / und dz golt und silber wirt balirt uß sin(n)richeit.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. II, 20===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Handlung ist analog zu Cyrill II, 20 gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Wie kumpt es das die rych natur dir nit geben hat kleydung zuo bedecken dyn hindern / und ein hut die glich genieß wer diner edle(n) selen Oder hat sy dich dem me(n)schen verlassen von im zuo bekleidt werde(n) / so folgt daruß / das du von dem me(n)schen gefangen muost syn.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 38===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Handlung ist analog zu Cyrill II, 11 gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Das sich aus Kunst der Aff fein kan /&amp;lt;br /&amp;gt;Beklaiden / deßgleichen sicht man.&amp;lt;br /&amp;gt;Wie Gold und Silber bringt ain glantz /&amp;lt;br /&amp;gt;Auß Sinnlichhait und Kluoghait gantz.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 47===&lt;br /&gt;
Die Handlung ist analog zu Cyrill II, 20 gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Und sprach zuo jm es wundert mich /&amp;lt;br /&amp;gt;Das doch nit hat begabet dich&amp;lt;br /&amp;gt;Die kluog Natur das du mit hail / &amp;lt;br /&amp;gt;Moechtest decken dein hindren thail. &amp;lt;br /&amp;gt;Oder hat Sy es darumb thon /&amp;lt;br /&amp;gt;Das dich der Mensch beklaide schon.&amp;lt;br /&amp;gt;So volgt darauß das du mit pein /&amp;lt;br /&amp;gt;Muost des Menschen gefangner sein.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Quelle Fabel]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Affe_und_Spielmann_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20609</id>
		<title>Affe und Spielmann (Erzählstoff)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Affe_und_Spielmann_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20609"/>
		<updated>2022-01-28T15:14:02Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: /* Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein), Nr. III, 12 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490) */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
| namen              = Affe und Spielmann&amp;lt;!--Möglichst alle Bezeichnungen des Stoffs, die in der Forschung gebräuchlich waren bzw. sind, in alphabetischer Reihenfolge, abgetrennt mit &amp;quot;;&amp;quot;--&amp;gt;&lt;br /&gt;
| regest             =  Der sich seiner Blöße schämende Affe erhält vom Spielmann die gewünschten Kleider, wird dafür aber angekettet und abgerichtet. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 32)&amp;lt;!--Kurzzusammenfassung des Erzählstoffs--&amp;gt;&lt;br /&gt;
| fassungen          = [[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. III, 12&amp;lt;br /&amp;gt;[[Buch von der Weisheit]], Nr. III, 11&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. III, 12&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 69&amp;lt;!--Möglichst alle Fassungen des Erzählstoffs. Bei Einzelwerken in [[Kurzzitationen]], bei Fassungen im Rahmen größerer Werke in [[Kurzzitationen]], Nr. XX, bei anonymen Handschriften und Drucken nach dem Muster: Ort, Bibliothek: Signatur, abgetrennt mit &amp;quot;&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;quot;--&amp;gt;&lt;br /&gt;
| forschung          = [[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 32f.; [[Günthart, Romy (Hg.): Sebastian Münster, Spiegel der wyßheit]], Band 2, S. 106-108&amp;lt;!--Forschungstexte zum Erzählstoff (s. Bibliographie Forschung Kleinepik), ggf. mit Seitenangaben, abgetrennt mit &amp;quot;;&amp;quot;--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Lateinische Version (Cyrillus, Nr. III, 12), 1. Hälfte 14. Jhd. ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die deutsche Tradition baut auf einer lateinischen Quelle auf (Cyrillus, Nr. III, 12 ([https://archive.org/details/diebeidenltesten00grss/page/86/mode/2up Grässe, Johann Georg Theodor (Hg.): Die beiden ältesten lateinischen Fabelbücher des Mittelalters.] Tübingen 1880, S. 87-89)). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 178-182.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Übersetzung&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 179-183.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Contra eos, qui libenter suscipiunt munera.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Cupida vestis simia, confusibiliter ut polluta cooperiret pudenda, cum cerneret histrionem ioco laetum, pluribus indumentis donatum, ut ea manu prodigalitatis effunderet, mox ad eum se contulit, et parata salutatione subiunxit: &amp;quot;Nescio certe, cuius instaurationis causa, tam in beneficiis mirae largitatis profusa, caudulam pudibundae vilitatis latibulum, nulli umquam invida cum sit totius bonitatis exundantissima fontana, mihi natura non dederit, sed reliquerit nudam, unde ad opulentum inops, ad liberalem egena, audacia necessitatis accurro.&amp;quot; Cui ille, leniori lingua vestis avidam mulcens: &amp;quot;Tibi&amp;quot;, inquit, &amp;quot;haec nuditas, amica, grande bonum est, cum sis rationabilibus conformior formata, non bestialiter cum cauda, sed arte quasi homo exornata humanis gaudeas opulentiis. Nimirum latent quosdam naturae beneficia, sed his diffusis grandi liberalitatis impetu repleta sunt omnia. Attamen quod flagitas, satis gratum babens sane do atque mellis favum, quod libenter devoras, superaddo.&amp;quot; Tunc simia laetanter susceptis beneficiis grata gratias agens ac nimis magnipendens, quod tam liberaliter ultra quam petierit, habuisset, cogitavit, ut in cuncta re sibi necessaria tam gratioso largitori inseparabiliter adhaereret. Cui dixit: &amp;quot;Satis quidem mea me naturaliter ad te imitandum proprietas inclinat, sed profusa tua magis attrahit benignitas; quamobrem, amice, si dignaris, servire sum paratus.&amp;quot; Mox ille: &amp;quot;Placet&amp;quot;, inquit, &amp;quot;mibi tam gratanter donata comitiva, magis tamen et bene conveniant iocus et berta. Verum ne quando fortassis dilectam te vagabundam raperet dulce malum et male computata libertas, dilectori largiter donanti necessaria, conjunctae dilectionis et servitutis liberae adhaerebis catena.&amp;quot; Quae inconsulte iam subacta donis acceptavit et stolida grandem libertatis rem non grandi munere aut callido commercio perdidit et mercatori mox se exhibuit captivandam. Irretitam ergo, natura dispositam, ludere quantocius eruditam, cupiditatis suae ludos protinus exposuit ac suis commodis atque oblectationibus alienis miseram servire coegit. Qua nimirum interdum magistro minus correspondente, aut ut puniret defectum aut impudico ludi ludibrio magis exsequeretur effectum, ab omnibus videndam nudabat, super hoc acetoso potus haustu maestificans. Tunc quidem luce confusionis ac tribulationis fellitae antidoto prudentiae oculis simiae restitutis, cum perciperet durioris patroni nunc irae nunc avaritiae se captivatam servire, ad cor reversa digestae rei sententiam talem dicitur protulisse: &amp;quot;O subornatum deceptivae cupiditatis hamum, letiferum munus, munerum naturalium ademptivum, gravissimum obligationis pignus, stulti et sapientis commercium minimum, maximum emptionis pretium, servitutis iugum, iniquitatis fermentum, captivitatis indicium, fomentum discordiarum, subversio civilitatum omniumque seminarium malorum, amatum venenum! Non immerito certe amica veritatis, aequitatis et pacis, cunctarum virtutum socia, divina lex susceptionem munerum iudicibus interdicens inquit Exodi XXIII: Munera etiam excaecant prudentes et pervertunt verba iustorum. Plane quidem elucidans, quod haec ipsa prudentiam fugant, iustitiam dissipant, intellectualis moralisque virtutis consistentiam vastant omnemque rectitudinis vitam necant. Revera muneribus excaecatus tam admirabilis Balaam periit, muneribus iudicialis sedes domus Iacob depravata liberis Samuelis Israhel in praeiudicium cecidit. Muneribus corrupto senatu dudum florido, sicut providerat princeps, ingravata murmuratione Romana gloria transivit. Etenim cum emptis iniquo munerum pretio datoribus legum fratricida ingratissimus et nequam praedo iustificatus fuit, tunc Iustitia recessit a Roma et converso ad eam vultu clamavit et dixit: &amp;quot;O urbem venalem et matrem tradituram, si inveniret emptorem!&amp;quot; Ob quas res nimirum, qui non parvis sapientia cultum virtutibus animum possederunt, magnis eo ipso laudibus sunt dignificati, quod magnorum maxima, maximae libertatis amore, munera contempserunt. Quantis enim titulis gloriae superfertur ille Diogenes, dum calcatis opibus regiis per medias libere accipientis voluntati expositas, raptas Asiae Macedonis Alexandri gazas pauper sed virtute opulentus incessit. Ita siquidem eo locupletior maiorque splenduit, quia plus fuit hoc ipsum, quod accipere noluit, quam id, quod ille dare disposuit aut possedit. Quantis autem certe laudationibus miris morum cultor Socrates extollitur, qui cum Archelai regis satis quidem magnis petebatur muneribus honorandus, respondisse fertur, nolle se ad eum venire, a quo acciperet beneficia, cum reddere illi paria non posset. Liber quippe esse voluit, dum ante reddere quam suscipere in spreto munere cogitavit. Quantisque similiter praeconiis curialitatis Romanus approbatur Fabricius, dum quadrantiae munus viro pauperi a Pyrrho rege oblatum virtute ditissimus renuit, magis eligens honestate civis liberi quam muneribus empti regis gloriositate potiri. Qua profecto re multo magis emicuit, dum rex admiratus spectabilem virum utique semper tonante laude super solem erexit dicens: &amp;quot;Ille est Fabricius, qui difficilius ab honestate quam sol a rectitudiue sui cursus averti potest.&amp;quot; Quid plura? Certe nil carius venditur ac perdibilius sumitur quam munus cupiditate volitum ac donatum.&amp;quot; Quibus diffinitis etsi non carne, ab avaritia tamen libera mente quievit et propter munera in captivitate permansit.&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Gegen die, die gerne Geschenke erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Affe, der sich unbedingt ein Gewand wünschte, um seine beschämend schmutzige Scham zu bedecken, sah einen Schauspieler, der sich über einen Scherz freute und mit mehreren Gewändern beschenkt worden war. Er begab sich sogleich zu ihm, damit er diese mit verschwenderischer Hand austeilte, grüßte ihn und fügte hinzu: &amp;quot;Ich weiß gewiß nicht, wegen welcher Neuerung die Natur, die mit Wohltaten so großzügig und seltsam verschwenderisch und niemals gegen irgendeinen gehässig ist, da sie die überreiche Quelle alles Guten ist, mir nicht einen kleinen Schwanz als Versteck für meine beschämende Blöße gegeben, sondern mich nackt gelassen hat. Durch Not ermutigt komme ich deshalb arm zum Reichen, bedürftig zum Großzügigen.&amp;quot; Jener besänftigte ihn, der so sehr ein Gewand begehrte, mit sanfter Zunge und sagte zu ihm: &amp;quot;Diese Blöße, mein Freund, ist für dich ein großartiges Gut, weil du den Vernuftwesen ziemlich ähnlich geschaffen worden bist, nicht auf tierische Art mit einem Schwanz, sondern durch die Kunst der Natur wie ein Mensch ausgestattet dich an menschlichem Reichtum erfreust. Zweifellos sind die Wohltaten der Natur bei einigen verborgen, aber nachdem sie ausgeschüttet worden sind, ist alles von großartigem Eifer der Freigebigkeit erfüllt. Dennoch gebe ich dir, was du verlangst, weil ich tatsächlich genügend Angenehmes habe, und ich füge noch obendrein eine Wabe mit Honig dazu, den du gerne verzehrst.&amp;quot; Da dankte der Affe freudig für die erhaltenen Wohltaten und in seiner Dankbarkeit schätzte er es allzu hoch ein, daß er auf so großzügige Weise mehr als erbeten bekommen hatte, und beabsichtigte, in der ganzen für ihn notwendigen Angelegenheit dem so gnädigen Gönner untrennbar ergeben zu sein. Er sagte zu ihm: &amp;quot;Mein ganzes Wesen neigt zwar von Natur aus dazu, dich nachzuahmen, aber deine verschwenderische Großzügigkeit zieht mich noch mehr an. Wenn es dir deshalb recht ist, mein Freund, bin ich bereit, dir zu dienen.&amp;quot; Darauf sagte jener: &amp;quot;Mir gefällt eine in dankenswerter Weise geschenkte Begleitung, dennoch mögen Scherz und Affe noch mehr und gut zusammenpassen. Aber damit nicht vielleicht irgendwann ein süßes Übel und die für schlecht gehaltene Freiheit dich, den geliebten Vagabunden, entführen kann, wirst du für den Gönner, der großzügig das Notwendige schenkt, an der Kette des Liebesbundes und der freiwilligen Knechtschaft hängen.&amp;quot; Da er schon durch die Geschenke in Abhängigkeit geraten war, stimmte er, ohne zu überlegen, zu und verlor auf törichte Weise das großartige Gut der Freiheit durch ein kleines Geschenk und einen listigen Tauschhandel und bot sich alsbald dem Kaufmann als Gefangener an. Er stellte ihn also, der von Natur aus dazu geeignet war, gefesselt sofort zur Schau, nachdem er schnellstens abgerichtet worden war, die Spiele seiner Begierde zu spielen, und er zwang den Unglücklichen seinen Bequemlichkeiten und fremden Vergnügen zu dienen. Da er zweifellos manchmal weniger mit seinem Lehrer übereinstimmte, entblößte er ihn, damit er von allen gesehen wurde, entweder um einen Fehler zu bestrafen oder um durch schamlosen Spott beim Spiel mehr Wirkung zu erreichen, und stimmte ihn überdies durch den Schluck des bitteren Getränks sehr traurig. Nachdem durch das Heilmittel der Klugheit dei Augen des Affen wiederhergestellt waren, weil das Licht die Verstörung und die gallebittere Trübsal erhellt hatte, da erkannte er, daß er als Gefangener bald dem Zorn, bald der Habgier seines immer hartherzigeren Schutzherrn diente, und soll zur Einsicht zurückgekehrt folgende Meinung der Reihe nach vorgetragen haben: &amp;quot;O, du heimlich mit täuschender Gier versehener Köder, du todbringendes Geschenk, Räuber der natürlichen Gaben, äußerst beschwerliches Pfand der Verpflichtung, kleinster Handel zwischen einem Toren und einem Weisen, höchster Kaufpreis, Joch der Knechtschaft, Gärstoff der Ungerechtigkeit, Zeichen der Gefangenschaft, Zunder für Zwietracht, Vernichtung der friedlichen Gemeinschaft, Keim aller Übel, geliebtes Gift! Zu Recht verbietet das göttliche Gesetz als Freund von Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden laut Exodus 23 den Richtern die Annahme von Geschenken, indem es sagt: Geschenke verblenden sogar die Klugen und verderben die Worte der Gerechtigkeit. Es ist völlig einleuchtend, daß gerade diese die Klugheit vertreiben, die Gerechtigkeit vernichten, die Beschaffenheit der intellektuellen und moralischen Tugend zerrütten und alles richtige Handeln im Leben töten. Der so bewundernswerte Balaam ging von Geschenken verblendet wahrhaftig zugrunde, durch Geschenke verführt fiel der Sitz der Gerichtsbarkeit des Hauses Jakob zum Nachteil Israels den Kindern Samuels zu. Nachdem der einst blühende Senat durch Geschenke bestochen worden war und das Murren sich verschlimmert hatte, verging der römische Ruhm, wie der Fürst es vorhergesehen hatte. Als nämlich der völlig unbeliebte Brudermörder, Erzschurke und Räuber freigesprochen worden war, nachdem die Gesetzgeber durch einen unangemessenen Preis der Geschenke gekauft worden waren, da verließ die Gerechtigkeit Rom, und sie soll auf es zurückblickend gesagt haben: &amp;quot;Oh käufliche Stadt, sie würde sogar ihre Mutter ausliefern, wenn sie einen Käufer fände!&amp;quot; Deswegen sind zweifellos die, die einen Charakter besaßen, der durch die Weisheit von großen Tugenden geformt war, gerade mit erheblichem Lob gewürdigt worden, weil sie aus Liebe zu dem höchsten Gut der Freiheit die größten Geschenke der Großen verachtet haben. Mit welchen ruhmvollen Bezeichnungen wird nämlich jener Diogenes überhöht, der, nachdem er den königlichen Reichtum mit Füßen getreten hatte, arm, aber reich an Tugend mitten zwischen den in Asien geraubten Schätzen des Makedonen Alexander einherging, die seinem Willen offenstanden, falls er sie annehmen wollte! So glänzte er freilich umso reicher und mehr, weil die Tatsache, daß er nichts annehmen wollte, mehr bedeutete, als das, was jener als Geschenk verteilte oder besaß. Mit welchem wunderbaren Lobreden aber wird freilich Sokrates, der Freund der guten Sitten, gerühmt, der, als er mit recht großen Geschenken des Königs Archelaos umworben wurde, um geehrt zu werden, gesagt haben soll, er wolle nicht zu ihm kommen, um Wohltaten zu empfangen, da er ihm keine gleichwertigen wiedergeben könne. Er wollte natürlich ein freier Mann sein, da er bei der Ablehnung des Geschenkes eher an das Zurückgeben als an das Annehmen dachte. Und mit welchem Lobpreis auf seine Redlichkeit wird der Römer Fabricius geehrt, der es vorzog, das Ansehen eines freien Bürgers statt der Pracht eines durch Geschenke gekauften Königs zu haben, da dieser überaus tugendreiche Mann das Geschenk eines Viertels des Königreiches ablehnte, das ihm, dem armen Mann, von König Pyrrhus angeboten worden war. Sicherlich ragte er dadurch noch mehr hervor, weil jedenfalls der König voll Bewunderung den angesehenen Mann immer übermäßig lobte und ihn über die Sonne erhob, indem er sagte: &amp;quot;Jener Fabricius kann schwerer von der Redlichkeit abgebracht werden als die Sonne von der Geradlinigkeit ihrer Bahn.&amp;quot; Was weiter? Sicherlich wird nichts teurer verkauft und zum eigenen Schaden angenommen als ein Geschenk, das aus Begierde ersehnt und gegeben worden ist.&amp;quot; Nach diesen Erklärungen fand der Affe seine Ruhe, wenn auch nicht in Hinblick auf seinen Körper, sondern weil sein Geist nun frei von Habsucht war; wegen der Geschenke aber blieb er in Gefangenschaft.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutsche Versionen==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. III, 12 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490)===&lt;br /&gt;
Wyder die dye geren gabe nemend&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das&amp;amp;middot; xii&amp;amp;middot; Capitel&amp;amp;middot; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
EIn Aff der wz des hi(n)dern teils gar ungestalt der begeret eins klaides damit er moecht sei(n) plosse scham decken&amp;amp;middot; Der sahe ein hofflichen spilman mangen hüpschen hof schimpff gar glimpflich vor aller menklich ueben / der wz hoflich geziert und geklaidt&amp;amp;middot; de(m) fueget er sich behendiklich zuo ob im der klaid(er) etwz moecht entreysen&amp;amp;middot; Den gruoßt er unnd sprache zuo im&amp;amp;middot; Fürwar ich kan nit wißsen was sach das rechter beschaiden müg gesein das dye nature die edel an ir selber ist&amp;amp;middot; und auch mit wundersamer miltikeit tausentfeltiklich begossen ist&amp;amp;middot; un(d) hie auf erden keinen dingen neidig ist gewesen&amp;amp;middot; unnd ist auch aller geitikeit ein reychflüssiger pru(n)ne /  mein so gar vergessen hatt / und mich so ploß verlassen das ich von ir nit haben mag damit ich moecht mein schwache scham bedecken&amp;amp;middot; Darumb so fleühe ich unfreyer zuo einem der gefreyett ist&amp;amp;middot; Ich jaemeriger d(er) gar dürftig&amp;lt;ref&amp;gt;dürstig?&amp;lt;/ref&amp;gt; ist zuo einem der gar reich ist mit genoeter türstikeit&amp;amp;middot; Do verstuond der spilman die begir des Affen die er zuo seinen klaidern het den waichet er mit linder zunge(n) un(d) sprach also&amp;amp;middot; Dein ploesse ist dyr ein grosse gab seyt du menschlicher creatur pist der gestalt vil nahend geleich geformet unnd gepildet / wann du hast nit vyhischen schwancz&amp;amp;middot; aber der ku(n)ßt pist du gar meisterlich nach me(n)schen art geziert&amp;amp;middot; und bist auch der über alle tier gar reych mitt den menschen&amp;amp;middot; Nu(n) moechtestt du kein hart gehaben der sich dein moecht geleichen / wann wo vernünftige synn seind da ist d(er) hoechste adel&amp;amp;middot; Waist du nit das der ein michler teil ist den wolthaett der natur auf lange zeit gar vestiklich verporgen seind / wann aber sich die selben woltat freymuetiklich außgiessend so werde(n) natürlich werck in rechten(m) sauße erfült / yedoch daz des du pitest gewer ich dich miltiklich&amp;amp;middot;  unnd mach die gab reycher wann du pitest / wann hoenigsam den yßsestu geren des gibe ich dir gar miltiklich vil mer dann dein genuegen&amp;amp;middot; Des dancket im der Aff und lobet das sere an im das er auß miltem herczen im mer versprach zegeben dann er an in begeret het&amp;amp;middot; und verpa(n)nt sich des hinwider das er die weil er lebte von einem so milten geber nymermer wolt weychen&amp;amp;middot; Un(d) mochte auch die gelübd niemandt wendige machen&amp;amp;middot; und sprach also&amp;amp;middot; Mein natürliche aigenschaft hat mich vast darzuo genayget / das ich dir volgen&amp;amp;middot; Yedoch So zeühet mich vyl mer dein über milte guotikeit&amp;amp;middot; Darumbe meyn allerliebster freünd begerßt du des so bin ich dir zuo dienst bereite&amp;amp;middot; Do sprach der spilman zuo dez Affen&amp;amp;middot; Ein so genaemer geferte d(er) muoß mir wolgefallen&amp;amp;middot; Yedoch gefelt mir das michel bas dz ei(n) spilman und ein Aff so wol czuoeinander fuegendt&amp;amp;middot; Nun mein allerliebster Aff Seyd wir unns in freüntschaft czesamen haben verpunden so will ich dich verforgen&amp;lt;ref&amp;gt;Wohl ein Druckfehler: versorgen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;amp;middot; Nu(n) moecht sich das wol fuegen ob du dich villeicht etwa(n) froelich woltest ermaye(n) mit wol gemeßnen springen dauon dich suesses übel gar schedlich moechte begreiffen / also das dir dein frei sprünge zuo schaden moechten ko(m)men / darumb gefelt mir wie du dich mit einer schoenen ketten laseßt umbfahen / darmit du mir lieplich werdest zuogefueget&amp;amp;middot; und dich hinfür nymermer mügeßt von mir geschaiden das noettett mich dann allzeit dz ich mit dir teil mit milter hand alles dz dz ich wege pringe&amp;amp;middot; Die red gefiele de(m) affen wol / d(er) erpot sich gar on alles bedencken de(m) schalckhafte(n) kaufman williklich in sein hend und gab sich im zefahen umb ei(n) schwachen ungeleiche(n) wechssel wann freyer muot an einem teyl gefangen seind an dem anderen ward nie geleicher wechssel Dz prueften da die milte(n) gab die im da warden verheissen&amp;amp;middot; Do er nu(n) mit der ketten nach des gaucklers willen mit sicherheyt umbfange(n) wz / da gab er im die gaglerey seiner kürczweil in kürcz zuo erkennen / der ward er palde gelert / seyt in natürlicher aigenschaft darzuo behendiklich uebete Auch noetet er den schalckhafftiklich gefangenen das er de(n) kunde(n) und den froembden hoffiern muoste und gaucklen zuo lust nach seinem willen&amp;amp;middot; Wann aber des czuo stunden des nit wol willig was daz muost er gar schnaell wid(er)pri(n)gen / thaet er des nit so ward auch er genczlich von im emploeßt und muoßt groß straich leyden / Und gab im für den hoenigs am essich und pitter gallen&amp;amp;middot; Dz pitter tranck un(d) schaemlichs laster die der Af leiden muoßt die taeten im die augen der verstentnuße auf&amp;amp;middot; und gaben im sein synn wider als ferr das er wol erkannt wie er gefangen muoßt diene(n) nu(n) dem zorn nun d(er) schwachen geytikeit seines schwaern maisters / Do grif er in sein hercz und klaget sei(n) pittres leiden / er redt mit im selber&amp;amp;middot; unnd bedacht wz sich mit unzeitigem gelück an im hete u(m)gangen&amp;amp;middot; Unnd wie auch in v(er)heissen gab verlait heten dz er seins muotes mit fancknuß waer beraubet und sprach also&amp;amp;middot; O du verporgner und schoengezierter a(n)gel d(er) geitikeit wiewol kanstu betriege(n)&amp;amp;middot; Ich maint mir zekauffen ein deck meiner ploesse dz hate mich gefelt in scha(m) und laster Nu(n) waffen wz hab ich geta(n) mei(n) handel ist nit and(er)s dan(n) ein pfa(n)t des aller schwaeresten punds&amp;amp;middot; Ei(n) wechssel des toren mit dem weisen / das klainste gelt des groeßten kaufs&amp;amp;middot; Ein joch des schwaeresten di(n)gs&amp;amp;middot; Ein urhab d(er) poßheit Ein vingerzaigen d(er) fencknusse Ein speiß d(er) zwayunge / ein v(er)keren d(er) rechten / ein saum aller übel / ein gift d(er) waren lieb&amp;amp;middot; Als ich das verstee so ist das nit unpillich das die liebhaberin des frides und d(er) gerechtigkeit und dye gesellin aller tugent dz goetliche recht d(er) alten ee allen richtern bei d(er) wyd v(er)peut das sy nit gab nemen&amp;amp;middot; und spricht also&amp;amp;middot; Gab plenden die weysen / und v(er)kern dye wort d(er) gerechte(n)&amp;amp;middot; Auch pringe(n)t die selben rechten d(er) alten ee claerlich an den &lt;br /&gt;
tag wie die unrechte(n) gab die weißheit v(er)iagen die gerechtikeit zertrennen&amp;amp;middot; Sy v(er)wuesten d(er) vernünftigen und sitigen tugent wesenliche vestikeit und toettendtt schlaechtes unnd rechtes leben&amp;amp;middot; Waist man nit wie der weissag Balaam ward mit gabe geplendet&amp;amp;middot; unnd verdarb auch damit ewiklich&amp;amp;middot; Mit gabe so ward der sessel des gerichts des wirdigen hauses Jacob gancz und gar verrucket / da Samuelis sün von gab wegen verpoest wurden / da viel auch Israhel in kürcz darnach in schand und laster&amp;amp;middot; Mit gab so ward der pluende rat der hochgekroenten statt zuo Rom verkert und verruckt damit v(er)wandlet sich ir ere und ward gar vast genidert&amp;amp;middot; Wann sy was mit gab so geneczlich überwunden das alle recht ein unrechte wurden / wa(n)n einen d(er) seynes aygen pruoder toetter wz&amp;amp;middot; un(d) was ein mortlicher schacher de(n) machet gab gerecht in seinen sachen&amp;amp;middot; und da er von der stat sich schaiden wolt / do keret er dz angesicht wider gen der stat unnd schrei mit lauter stymm&amp;amp;middot; Es waere die gancz stat vayl un(d) all ir mueter pastharten zugen pern / und funden sy nun kauffer&amp;amp;middot; Vo(n) der sach wegen on allen zweifel seind die mit grossez lob gewirdiget dye nit mit klein tugente(n) der weißheyt iren wolgezierten muot besessen haben / sunder auch die d(er) groesten herrngab am meisten freyen muot zuo eren widersprachen und verschmaechten dye auff zenemen&amp;amp;middot; Ey wer kan das volsagen weliches lobes unnd auch ruomes der vest held Dyogenes für keyser un(d) künig würdig sey / darumb das er die reychen gab die seinen willen czenemen in freimuetiger miltikeit des maechtigen küniges Alexandri / geopffert und gepoten worde(n) / die trat er manlich under seyne fueß&amp;amp;middot; unnd gieng in mitte durch sein reych des goldes nacket un(d) ploß&amp;amp;middot; Damit erschein er als vil reicher und auch groesser dann d(er) künig selber was / wann dz des er begerte das was groesser und wirdenreicher dann alles dz daz der künig geben unnd besiczen mocht&amp;amp;middot; Ey wie mit lobliche(n) lob wirt der wundersam liebhaber der sitten Socrates erhebt und erhoecht / wann da er von dez gewaltigen künig Archelao in künicklicher begir gar fleissikliche(n) gebeten ward das er sich zuo im fueget das wißt er im mit reycher gab nach künicklicher wirdikeit mit milter hand zedanken d(er) gab antwurt  er gar mit kurczen worten&amp;amp;middot; Er woelt zuo des nymer kommen von dem er moecht woltat und  gab aufnemen seyt er im kein gleiche gab gegeben moecht&amp;amp;middot; Auch wolt er gancz  frey sein&amp;amp;middot; und gedacht auch im er waere zuo geben geadelt unnd nicht zuo neme(n) / darumb verschmaecht er sein gabe&amp;amp;middot; Auch wirdet d(er) edel Roemer Fabricius mit hohem lob an manger stat gepreist&amp;amp;middot; do im der künig Pirais ein fürstenthuom zuogab der pot das er and(er) vier und(er) im het&amp;amp;middot; Dz v(er)schmaecht er in freyes adels muot / wann er wz der tugent reich und erwoelt wie er wolt vil lieber ein miter statman sein dann das er pflaeg grosser würd / darzuo in gab het gemuet / damit erschein er sichtigklich als ferr das den künig sein verwundert seins staeten muotes Des lobet er in&amp;amp;middot; und erhuob sein lob über die klaren sunnen und sprach also&amp;amp;middot; Dz ist d(er) Fabricius der so staet und vest ist / daz müglich wear es traet die sunn vo(n) ire(m) lauf und v(er)wandlet den de(n)n das sich sein gerechter muot v(er)wa(n)dlet und verkert&amp;amp;middot; Wz sag ich mer es wirt nichs teürer verkauft und mit groesser verlust genommen / dann gab die geitiklich genommen und gegeben wirt&amp;amp;middot; Do das außgericht wart da nam des affen ler ein ende&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Miniaturen und gedruckte Bilder==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Affe_und_Schauspieler_(Mgf_459,_184v).png|200px|thumb|left|Affe und Schauspieler (Mgf 459, 184v)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Schauspieler (Cgm 254, 60v).png|200px|thumb|left|Affe und Schauspieler (Cgm 254, 60v)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Schauspieler (Cgm 340, 87r).png|200px|thumb|left|Affe und Schauspieler (Cgm 340, 87r)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Schauspieler (Cgm 9602, 71r).jpg|200px|thumb|left|Affe und Schauspieler (Cgm 9602, 71r)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Schauspieler (Egerton 1121, 119v).png|200px|thumb|left|Affe und Schauspieler (Egerton 1121, 119v)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Schauspieler (Druck 1490, 81r).jpg|200px|thumb|left|Affe und Schauspieler (Druck 1490, 81r)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Spielmann (Druck 1571, 237v).png|200px|thumb|left|Affe und Spielmann (Druck 1571, 237v)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verwandte Erzählstoffe==&lt;br /&gt;
===[[Affe und Fuchs I (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der selbstgefällige Fuchs spottet über den nackten Affen, der aber betont den Wert innerer Qualitäten und zählt die Nachteile äußerer Schönheit auf. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Affe und Fuchs II (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein angeketteter Affe brüstet sich mit seiner menschlichen Kleidung, wird aber vom Fuchs über seine Unfreiheit und geistige Armut aufgeklärt. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 24)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Fuchs und Affe II (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Fuchs, den er um seinen schönen Schwanz beneidet, geht der Affe auf Wanderschaft und erkennt dabei am Beispiel anderer Tiere, dass der, der etwas Besonderes besitzt, den Nachstellungen der Menschen ausgesetzt ist. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 202)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Fuchs und Affe III (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Affe bittet den Fuchs, ihm einen Teil seines langen Schwanzes zu geben, damit er seine Blöße bedecken könne; der habgierige Fuchs denkt nicht daran, mit dem Bedürftigen zu teilen. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 203)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anspielungen==&lt;br /&gt;
===Cyrillus: Speculum Sapientiae, Nr. II, 11===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 102&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Übersetzung&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 103&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|Der Fuchs versucht die Hirschkuh zu überreden, sich zum Bären zu begeben, um sich Hörner geben zu lassen, und zählt in diesem Zusammenhang die Vorzüge anderer Tiere auf:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Aut forte livoris nescia quaedam reliquit arti natura. Simia quidem suppletiva arte induitur et magisterio aurum et argentum politur.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Vgl. Affe und Spielmann: &#039;&#039;Irretitam ergo, natura dispositam, ludere quantocius eruditam, cupiditatis suae ludos protinus exposuit ac suis commodis atque oblectationibus alienis miseram servire coegit.&#039;&#039;)&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;blockquote&amp;gt;Oder aber die Natur hat neidlos der Geschicklichkeit Spielraum gegeben. Der Affe ist allerdings mit einer zusätzlichen Geschicklichkeit ausgestattet, Gold und Silber werden durch Meisterschaft geglättet.)&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Vgl. Affe und Spielmann: Er stellte ihn also, der von Natur aus dazu geeignet war, gefesselt sofort zur Schau, nachdem er schnellstens abgerichtet worden war, die Spiele seiner Begierde zu spielen, und er zwang den Unglücklichen seinen Bequemlichkeiten und fremden Vergnügen zu dienen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Cyrillus: Speculum Sapientiae, Nr. II, 20===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 122&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Übersetzung&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 123&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|Der Fuchs verspottet den Affen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;&amp;quot;Numquid naturae opulentis in te tantum defecerunt divitiae, ut debitum natibus indumentum ac nobili animae correspondentem pellem tribuere non valeret? Aut certe si te cum homine induendam arte dimiserit, hoc cum acciderit, necesse est, ut capta sis.&amp;quot;&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Hat dich der Reichtum der wohlhabenden Natur so sehr in Stich gelassen, daß sie dir die notwendige Bedeckung für dein Hinterteil und ein Fell, das einem edlen Geist ansteht, nicht geben konnte? Und wenn sie dich wie den Menschen mit der handwerklichen Geschicklichkeit, dich zu bekleiden, entlassen hätte, wärest du sicher gefangen worden, wenn dies geschehen wäre.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. II, 11===&lt;br /&gt;
Die Handlung ist analog zu Cyrill II, 11 gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Wann du sihest wol wie der ungestalt Aff vo(n) natur hinden und vornen mit maisterschaft beklaidet un(d) geziert wirt Auch werde(n) silber und gold un(d) edel gestain mit maisterschafft gepoliert und durchfein.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. II, 20===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Handlung ist analog zu Cyrill II, 20 gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ey sage mir wye werden der gar vollkommen natur überflüssige reichtu(m)b so gar gepraestenlich an dir gesehen dz sy weder deiner scham zymliche claider noch deiner claren unnd edlen sel nicht miltigklichen gegeben hat ein obdach eins rauhen pelglins des doch den beide(n) ein notdurft waer. Hat sy daz nit vermügt so ist auch sy gebraest enlich. Hat aber sy das mügen thuon un(d) hat das woellen nichtt gehebtt so ist auch sy deinem jaemerigen potich in grossez genaere neidig gewesen. Es waer dan(n) eins daran das sy synnreycher kunst verlassen het ob du vonn dem menschen soltest beklayset werden. waere dem also so waere aber genaerde dabey. wann we(n)n das an dir geschaehe so mueßtest auch du gefangen sein.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. II, 29===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Waldesel (Cgm 340, 62r).png|200px|thumb|left|Affe und Waldesel (Cgm 340, 62r)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. III, 9===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Fuchs II (Cgm 254, 57r).png|200px|thumb|left|Affe und Fuchs II (Cgm 254, 57r)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Fuchs II (Cgm 340, 81r).png|200px|thumb|left|Affe und Fuchs II (Cgm 340, 81r)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Fuchs II (Cgm 9602, 67v).jpg|200px|thumb|left|Affe und Fuchs II (Cgm 9602, 67v)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Fuchs II (Druck 1490, 76r).jpg|200px|thumb|left|Affe und Fuchs II (Druck 1490, 76r)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. II, 11===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Handlung ist analog zu Cyrill II, 11 gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Man woelt dan(n) sagen das die natur die niemant hessig ist / etwas der kluogheit verlassen hab / wie dan(n) auch der Aff sich uß kunst bekleiden kan(n) / und dz golt und silber wirt balirt uß sin(n)richeit.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. II, 20===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Handlung ist analog zu Cyrill II, 20 gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Wie kumpt es das die rych natur dir nit geben hat kleydung zuo bedecken dyn hindern / und ein hut die glich genieß wer diner edle(n) selen Oder hat sy dich dem me(n)schen verlassen von im zuo bekleidt werde(n) / so folgt daruß / das du von dem me(n)schen gefangen muost syn.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 38===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Handlung ist analog zu Cyrill II, 11 gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Das sich aus Kunst der Aff fein kan /&amp;lt;br /&amp;gt;Beklaiden / deßgleichen sicht man.&amp;lt;br /&amp;gt;Wie Gold und Silber bringt ain glantz /&amp;lt;br /&amp;gt;Auß Sinnlichhait und Kluoghait gantz.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 47===&lt;br /&gt;
Die Handlung ist analog zu Cyrill II, 20 gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Und sprach zuo jm es wundert mich /&amp;lt;br /&amp;gt;Das doch nit hat begabet dich&amp;lt;br /&amp;gt;Die kluog Natur das du mit hail / &amp;lt;br /&amp;gt;Moechtest decken dein hindren thail. &amp;lt;br /&amp;gt;Oder hat Sy es darumb thon /&amp;lt;br /&amp;gt;Das dich der Mensch beklaide schon.&amp;lt;br /&amp;gt;So volgt darauß das du mit pein /&amp;lt;br /&amp;gt;Muost des Menschen gefangner sein.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Quelle Fabel]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=B%C3%A4r,_Fuchs_und_Hirschkuh_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20607</id>
		<title>Bär, Fuchs und Hirschkuh (Erzählstoff)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=B%C3%A4r,_Fuchs_und_Hirschkuh_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20607"/>
		<updated>2022-01-28T15:08:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: /* Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein), Nr. II, 11 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490) */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
| namen              = Bär, Fuchs und Hirschkuh; Fuchs und Hindin&amp;lt;!--Möglichst alle Bezeichnungen des Stoffs, die in der Forschung gebräuchlich waren bzw. sind, in alphabetischer Reihenfolge, abgetrennt mit &amp;quot;;&amp;quot;--&amp;gt;&lt;br /&gt;
| regest             = Um dem hungrigen Bären Beute zu verschaffen, redet der Fuchs der Hirschkuh den Wunsch nach Hörnern ein, die der Bär anbringen könne; der Hirsch bringt die Hirschkuh von ihrem Wunsch ab. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 51)&amp;lt;!--Kurzzusammenfassung des Erzählstoffs--&amp;gt;&lt;br /&gt;
| fassungen          = [[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. II, 11&amp;lt;br /&amp;gt;[[Buch von der Weisheit]], Nr. II, 11&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. II, 11&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 38&amp;lt;!--Möglichst alle Fassungen des Erzählstoffs. Bei Einzelwerken in [[Kurzzitationen]], bei Fassungen im Rahmen größerer Werke in [[Kurzzitationen]], Nr. XX, bei anonymen Handschriften und Drucken nach dem Muster: Ort, Bibliothek: Signatur, abgetrennt mit &amp;quot;&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;quot;--&amp;gt;&lt;br /&gt;
| forschung          = [[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 51; [[Günthart, Romy (Hg.): Sebastian Münster, Spiegel der wyßheit]], Band 2, S. 68&amp;lt;!--Forschungstexte zum Erzählstoff (s. Bibliographie Forschung Kleinepik), ggf. mit Seitenangaben, abgetrennt mit &amp;quot;;&amp;quot;--&amp;gt;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Die Fabel enthält als Binnenerzählung des Hirschen auch die Fabel [[Bär, Wolf und Mensch (Erzählstoff)|Bär, Wolf und Mensch]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lateinische Version (Cyrillus, Nr. I, 11), 1. Hälfte 14. Jhd. ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die deutsche Tradition baut auf einer lateinischen Quelle auf (Cyrillus, Nr. II, 11 ([https://archive.org/details/diebeidenltesten00grss/page/46/mode/2up Grässe, Johann Georg Theodor (Hg.): Die beiden ältesten lateinischen Fabelbücher des Mittelalters.] Tübingen 1880, S. 46-48)). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 102-104.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Übersetzung&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 103-105.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Contra appetitum dignitatis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Latitanti urso famelico, ut praedam aliquam deglutiret, magistra fallaciae vulpes, pia impio subvenire cum putat, ad eum cervam solivagam arte doli sic conabatur afferre. &amp;quot;Nimirum&amp;quot;, inquit, &amp;quot;vultu placidam, cervice altam, pelle politam, pede validam, proportione decoram parens te formavit natura, unum tantum perfectae venustati minus est, quia cornibus cares! Neque enim certe infirmo sexui tam superba et tuta debuit armatura deesse, maxime cum eam concesserit simul vaccae. Aut forte livoris nescia quaedam reliquit arti natura. Simia quidem suppletiva arte induitur et magisterio aurum et argentum politur. Si vis ergo perfici cornu, audi monitum et imitare ductum, quoniam ad magistrum te dirigam iam expertum.&amp;quot; At illa non tam mobilitate feminea quam volens cornu sequebatur mendacem, sed pia sorte dolo captae fuit obvius cervus, qui miratus de socia dixit: &amp;quot;Quo vulpinam sequeris caudam?&amp;quot; Cui cerva: &amp;quot;Quippe tanto duce ad ursum tendo, ut sicut et tu cornibus gaudeam: An solus apparere vis superbia masculina?&amp;quot; Ad hoc ille astutus utriusque sentiens fastum et dolum, amicae compassus totum suum fundit nisum exhortatu dixitque: &amp;quot;Nempe propter cornua ursus dedit quiete virtutis auriculam. Cave, ne tu deterius amittas pellem et vitam! Ursus namque interrogatus a lupo, ut quid faciem pronam ferret, respondit: &amp;quot;Quia habeo debile caput.&amp;quot; Cui lupus ait: &amp;quot;Muni ipsum cornibus, his ergo caput armavit natura bovinum. Vade ad hominem arte dotatum et ponet.&amp;quot; Quo invento magister ait: &amp;quot;Solve pro labore, volo hoc, quod dare non noceat; si brancham peterem, non dares. Da mihi aures et nil tibi nocet!&amp;quot; Quo volente scidit eas et ferens malleum, ut perforaret cranium eius, audivit: &amp;quot;Fatuusne sum, ut perfores mihi caput?&amp;quot; Qui ait: &amp;quot;Aliter tibi cornua non ponuntur.&amp;quot; Tunc ursus abbreviatis auribus inquit: &amp;quot;Bene enim fatuus qui cornua cupit. Perdit enim, ut video, caput discretionis et aures quiete virtutis.&amp;quot; Et sic abscissis auribus sine cornibus abiit illusus. An ignores, quod, dum amittit cornua luna, fit lumine vacua et cornuta Moysi facies contuitus liberi dulcedine et velamento est privata? Illaqueatur quidem vacca per cornua aratro et bos servus sub duro iugo assidue duci solet per cornua. Non attendis, quod nulli caelestium praeter trapotam cornu pondus apponitur? Sed eo dumtaxat nos terreni gravamur. Quamobrem et ego serpentis haustu comburor interius, ut possim vetustatis pondus deponere cornu. Quid plura? Bestialitas quidem communis ostenditur aut cornu aut cauda. Depone igitur fastum et fuge cornu, ne dira te laniet ungula ursus. Quibus intellectis mox dimissa vulpe secuta est cervum.&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Gegen das Verlangen nach würdevoller Pracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Fuchs, ein Meister im Täuschen, versuchte einem hungrigen Bären, der sich versteckt hielt, um eine Beute zu verschlingen, eine allein umherstreifende Hirschkuh mit listigem Trick folgendermaßen zuzuführen, wobei er pflichtbewußt dem Bösen zu helfen glaubte. &amp;quot;Zweifellos&amp;quot;, sagte er zu ihr, &amp;quot;hat dich Mutter Natur mit friedlicher Miene, hohem Nacken, glänzendem Fell, kräftigem Fuß und schönem Ebenmaß geschaffen, nur eines fehlt der vollkommenen Schönheit, daß du kein Gehörn hast. Gewiß dürfte dem schwachen Geschlecht eine so prächtige und der Sicherheit dienende Ausrüstung nicht fehlen, zumal sie sogar der Kuh zugestanden wurde. Oder aber die Natur hat neidlos der Geschicklichkeit Spielraum gegeben. Der Affe ist allerdings mit einer zusätzlichen Geschicklichkeit ausgestattet, Gold und Silber werden durch Meisterschaft geglättet. Wenn du also durch ein Gehörn vollkommen werden willst, höre auf meine Ermahnung und folge meiner Führung, da ich dich zu einem schon erprobten Meister lenken will!&amp;quot; Jene aber folgte dem Lügner nicht so sehr aus weiblichem Leichtsinn, sondern weil sie das Gehörn haben wollte. Doch durch ein gütiges Schicksal kam ihr, die durch die List geblendet war, ein Hirsch entgegen, der über seine Gefährtin verwundert sagte: &amp;quot;Wohin folgst du diesem Fuchsschwanz?&amp;quot; Die Hirschkuh antwortete ihm: &amp;quot;Ich bin mit diesem Führer unterwegs zum Bären, damit ich mich wie auch du eines Gehörns erfreuen kann. Oder willst allein du dich mit männlichem Stolz zeigen?&amp;quot; Aus Mitleid mit seiner Freundin verwandte darauf der schlaue Hirsch, der den Hochmut und die List beider erkannte, seine ganze Kraft darauf, sie eindringlich zu ermahnen, und sagte: &amp;quot;Der Bär hat doch wegen Hörnern das kleine Ohr kampflos hergegeben. Gib acht, daß du nicht, was noch schlimmer wäre, Fell und Leben verlierst! Als der Bär nämlich vom Wolf gefragt wurde, warum er sein Gesicht so gesenkt halte, antwortete er: &amp;quot;Weil ich einen schwachen Kopf habe.&amp;quot; Der Wolf sagte zu ihm: &amp;quot;Statte ihn mit Hörnern aus, mit diesen hat doch die Natur den Kopf der Rinder versehen. Geh zum Menschen, der diese Kunst beherrscht, und er wird sie dir aufsetzen.&amp;quot; Sowie er ihn gefunden hatte, sagte der Meister: &amp;quot;Zahle für die Arbeit! Ich will das, was dir nicht schaden kann, wenn du es hergibst. Wenn ich eine Pfote verlangen würde, würdest du sie mir nicht geben. Gib mir die Ohren, das schadet dir nicht!&amp;quot; Mit dessen Einwilligung schnitt er sie ab und, als er einen Hammer brachte, um seinen Schädel zu durchbohren, hörte er ihn sagen: &amp;quot;Bin ich denn ein Dummkopf, daß du mir den Kopf durchbohren willst?&amp;quot; Er sagte: &amp;quot;Anders können dir die Hörner nicht verpaßt werden.&amp;quot; Da sagte der Bär, dem die Ohren abgeschnitten worden waren: &amp;quot;Wer Hörner haben will, ist wirklich ein Dummkopf. Er verliert nämlich, wie ich jetzt sehe, das Hauptmerkmal der Unterscheidung und kampflos die Ohren.&amp;quot; Und so ging er ohne Ohren und ohne Hörner mit Spott beladen davon. - Weißt du etwa nicht, daß, wenn der Mond seine Hörner verliert, er ohne Licht ist und daß das mit Hörnern versehene Gesicht des Moses der Faszination des freien Anblicks gerade durch die Verhüllung beraubt war? Die Kuh ist allerdings der Hörner wegen an den Pflug gefesselt und der Ochse wird gewöhnlich wie ein Sklave wegen der Hörner unablässig unter dem harten Joch geführt. Bemerkst du nicht, daß keinem Himmlischen außer der Trapota die Last eines Horns auferlegt ist? Nir wir Erdenbewohner sind damit beschwert. Deshalb brenne auch ich innerlich durch den Trank der Schlange, damit ich das Horn als alte Last abwerfen kann. Was noch: Das wilde tierische Wesen zeigt sich allgemein entweder durch das Horn oder den Schwanz. Lege deshalb deinen Hochmut ab und fliehe das Horn, damit dich nicht der Bär mit seiner schrecklichen Kralle zerreißt!&amp;quot; Als die Hirschkuh dis eingesehen hatte, schickte sie sofort den Fuchs weg und folgte dem Hirsch.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutsche Versionen==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. II, 11 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Dyse geleichnusz ist wider dye begir der wirdigkeyt&amp;amp;middot;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das&amp;amp;middot; xi&amp;amp;middot; Capitel&amp;amp;middot;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[40ra] EIn hungeriger pere lage vast v(er)borgen in seinem luoge und spoehet vaßte mit scharpffem sehen wie im ein raub moecht wyderfaren der seinem schlunde zuo heyl kaem&amp;amp;middot; Und da ein fuchß ein maister betruecklicher list de(n) unguetigen mit guetikeit zehilf wolte kommen das im grosses hungers qual etwen vil gesenfteret würd dem widerfuor ein hündt&amp;amp;middot; die in dem wald allein was an irer wayde die bestuond er mit alter meisterschaft&amp;amp;middot; und huob zuo reden mit ir an ob sy mit listikeyt de(n) pern für sein luoge moecht bri(n)gen&amp;amp;middot; und sprach also&amp;amp;middot; Fürware mich kan nit verwundern wye dich dein muotter die natur mitt lieblichem antlücz / mit aufgere[40rb]cktem halß / mit schoengestrichener haut / mit schnaelle(m) lauf / mit wolgefuegter lidmaß aller deiner gelider hat loblich un(d) preyßlich geschaffen&amp;amp;middot; Nun&amp;lt;ref&amp;gt;Wohl ein Druckfehler: nur.&amp;lt;/ref&amp;gt; ein gepraeßten liget deiner natürlichen volkommenheit noch auß das Du nit preißlich und zierlich gehürnet bist als billich waer&amp;amp;middot; Seyder doch die hirchsse(n) deiner schlacht in hohem preiß gehürnet seind Und die ungestalten kue seynd mit horen geziert unnd gewafnot das sy des sicher seind aber doch so moecht das vil wol seyn das die natur on allen neyd der hochkunstreichen maisterschafte etwas an dir zuo würcken het verlassen / Wann du sihest wol wie der ungestalt Aff vo(n) natur hinden und vornen mit maisterschaft beklaidet un(d) geziert wirt Auch werde(n) silber und gold un(d) edel gestain mit maisterschafft gepoliert und durchfein&amp;amp;middot; wiltu nun der gehürneten zier gepreyset und volkommen werden so hoer mein ler un(d) volg mir nach / wann ich dich zuo eym pern d(er) ei(n) bewaerter maister in den künste(n) ist nach ei(n) kurczen weg pringe Nu(n) wz die hünt d(er) horn begirig die begrif on als bedencke(n) leibes muotes unstaetikeit&amp;amp;middot; un(d) volgt de(m) lug prediger nach&amp;amp;middot; Nun fuegett es sich do der betrogen hünden [40va] zuo heyl das ir ein freyer hirchße an dem weg engegen drabet de(n) verwundert so ungeleicher gesellschaft&amp;amp;middot; Der sprach czuo seiner genossen Sag mir du betrogen wo lait dich der füchsisch schwa(n)cze hin oder wem volgest du nach&amp;amp;middot; Do sprach die hünt auß freyem muot&amp;amp;middot; Ich will mit im zuo eine(m) pern geen / der ist so gar ein maister das er das an mir würcken kan das ich so hoch gehürnett wird als du&amp;amp;middot; Und alls du dych der deinen freüest / also wird auch ich erfreüt&amp;amp;middot; Oder sag mir mainestu allein in unser schlacht gehürneter prangen als ein hochtragender man / wes soellen dan(n) die weib entgelten den soelliches gefert auch zymlich ist&amp;amp;middot; Die wyderred der hündin pracht de(m) hirchsen ain getreües mitleide(n) des das sy bis in den tode betrogen was / wa(n)n er was des pern un(d) des fuchß gevaerlichen listigkeit ee geinnert / und leget ganczen fleiß darzuo wie er die begirigen soellicher wirdikeit underweißt und bewaret das sy dem frayßsamen pern icht zuo handen kaem und sprach also zuo ir&amp;amp;middot; Wayßtu nit das der wuetend per sein ore(n) verlorn hat / darumb das er begeret wie er vest gehürnet würde zuo der kraft die er in natürlycher aigenschaft enpfangen het [40vb] Nun moecht sich das gar leycht fuegen das du in der begir der gehürneten wirdikeit leib und leben on alle hilf verlurest&amp;amp;middot; Hoere und laß dich weysen wie d(er) per zuo einen zeiten von dem wolf gefraget ward warumbe im das peürisch antlücz vast undersich zuo der erden hieng&amp;amp;middot; Do sprach d(er) per&amp;amp;middot; das würckt an mir kranckheit des haubts das mir gar suchtig ist&amp;amp;middot; do sprach der wolf / laß dir horen gar vestiklich darane seczen / wann dye Ochssen seind mit hoerner vast gewapnot / darumb so suoch dir einen buoch arczet der schoene horn machen ka(n) der hilft dir zuo einem zyerlichen gehürn&amp;amp;middot; Do ein maister soellichs erfunden ward der sprach zuo de(m) krancken des haubts&amp;amp;middot; Schoepff ein lon der pillich sey soellich meisterschaft zuo widerwege(n) ob du hoerliche horn auf einem gesunden haubt gewunnest&amp;amp;middot; Do sprach der per&amp;amp;middot; Ich gib dir meyner gelider weliches du voderst des ich doch nichtt gar czuo grossem schaeden naem&amp;amp;middot; Do sprach d(er) mayster baet ich dich unnd vodert an dich die klaue(n) des tuo ich nit we(n)n daz kaem dir zuo grossem un(d) merckliche(m) schaden&amp;amp;middot; Gib mir die ore(n) der bedarfest du nit und nymst ir keinen schaden&amp;amp;middot; Das taet d(er) per mit willen und mit freüden Un(d) [41ra] ließ im de(m)&amp;lt;ref&amp;gt;Ein Druckfehler: der?&amp;lt;/ref&amp;gt; maister beyde orn abschneide(n) / darumb das er im machte zway veste horen&amp;amp;middot; Doch sich nun daz vergangen het da nam der maister ein scharpffen naepper un(d) ein hamer das er im mit dem naeper das haubt durchporete und die horn mit dem hamer gar veste darinn vernuetett Do des d(er) per geinnert ward da sprach er gar trauriklich&amp;amp;middot; ich habe beyde orn v(er)lorn des hat mych meiner tu(m)mer syn verlaytet&amp;amp;middot; Nu(n) waer ich vil ein groesser thor und ließ ich mir das haubt durchporn daru(m)b das ich gehürnet würde&amp;amp;middot; Do sprach der maister&amp;amp;middot; Du mueßt das leiden wilt du gehürnet sein wol / damit ward d(er) Per seiner oren bezalt&amp;amp;middot; Darbey merck mein liebe schwester wz du tuest / od(er) wo du hi(n)geest / wa(n)n die würde d(er) du begerst braechtt dich on allen zweifel vom leben in den tod / od(er) waistu nit wenn d(er) mon gehürnet ist so ist er auch des liechtes laer / und ist auch keiner der himlischen planeten gehürnet dann d(er) Mon so er des liechtes beraubet ist&amp;amp;middot; Auch warde das gehürnet antlücz Moysi / lieplicher sueß und lustiges ansehens gancz beraubt / wann dye juden mochten in nit ansehen da er von dem berg gienge die weile und er gehürneter mit seinez [41rb] antlücz erschein&amp;amp;middot; Od(er) waystu mit das die kue mit den hoernern zuo dem tod gezogen werden unnd gehalten&amp;amp;middot; und der ochs des pfluoges knecht wirt mit de(n) hoernern an das joch gebunden darunder er gar schwaere purde taeglicher arbeit muoß trage(n)&amp;amp;middot; Auch soltest du des pillich glert sei(n) wie uns die wilde(n) thier die hoerner überladen und zuo der erden naygen / Und werden auch dick und &lt;br /&gt;
oft damit in den tod verflochte(n) un(d) verstrickt&amp;amp;middot; Waystu nit von mir wa(n)n die horn mit irer groeß all zesere beschwaeren das ich nach ler der natur mich selber inwendiges anzünde mit einer güfftigen schlange(n) die ich in mich zeühe / wa(n)n die würckt das an mir das mir die oren reysen und vo(n) dem haubt vallen&amp;amp;middot; Wz mag ich dir mer sagen dann das gemeyne zaichen eins thierische(n) gefertes vor allen zaichen gehürn un(d) la(n)g schwaencz seind&amp;amp;middot; Do des die hündt underweyset ward Do verließ sy den listigen fuchß un(d) volget dem trüen irem ratgeber dem hirchssen nach&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Miniaturen und gedruckte Bilder==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Bär,_Fuchs_und_Hirschkuh_(Cgm_254,_32r).png|200px|thumb|left|Bär, Fuchs und Hirschkuh (Cgm 254, 32r)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Datei:Bär,_Fuchs_und_Hirschkuh_(Cgm_340,_35v).png|200px|thumb|left|Bär, Fuchs und Hirschkuh (Cgm 340, 35v)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Datei:Bär,_Fuchs_und_Hirschkuh_(Cgm_9602,_37r).jpg|200px|thumb|left|Bär, Fuchs und Hirschkuh (Cgm 9602, 37r)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Datei:Bär,_Fuchs_und_Hirschkuh_(Mgf_459,_89v).png|200px|thumb|left|Bär, Fuchs und Hirschkuh (Mgf 459, 89v)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Datei:Bär, Fuchs und Hirschkuh (MS 653, 209r).jpg|200px|thumb|left|Bär, Fuchs und Hirschkuh (MS 653, 209r)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Datei:Bär, Fuchs und Hirschkuh (MS Egerton 1121, 56r).png|200px|thumb|left|Bär, Fuchs und Hirschkuh (MS Egerton 1121, 56r)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Datei:Bär,_Fuchs_und_Hirschkuh_(Druck_1490,_40r).jpg|200px|thumb|left|Bär, Fuchs und Hirschkuh (Druck 1490, 40r)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Fuchs und Hindin (Druck 1571, 140r).png|200px|thumb|left|Fuchs und Hindin (Druck 1571, 140r)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verwandte Erzählstoffe==&lt;br /&gt;
===[[Bär, Wolf und Mensch (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
Der Bär will sich auf Anraten des Wolfes von einem Menschen Hörner aufsetzen lassen und muss dafür mit dem Verlust seiner Ohren bezahlen. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 52)&lt;br /&gt;
===[[Unzufriedener Hase (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
Der unzufriedene Hase klagt Gott seine Wehrlosigkeit und erhält das erbetene Hirschgeweih; das Gewicht des Geweihs hindert ihn nun aber an der Flucht. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 295f.)&lt;br /&gt;
===[[Kamel und Jupiter (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
Das Kamel bittet Jupiter, ihm wie den Ochsen Hörner zu geben; zur Strafe für diese Unzufriedenheit mit seiner natürlichen Ausstattung nimmt ihm Jupiter auch noch die Ohren. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 383)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Quelle Fabel]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Ochse_und_Schwein_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20604</id>
		<title>Ochse und Schwein (Erzählstoff)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Ochse_und_Schwein_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20604"/>
		<updated>2022-01-28T14:50:23Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: /* Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein), Nr. I, 11 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490) */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
| namen              = Ochse und Schwein&lt;br /&gt;
| regest             = Der Ochse erklärt dem fragenden Schwein, warum er wiederkäut. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 530)&lt;br /&gt;
| fassungen          = [[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. I, 11&amp;lt;br /&amp;gt;[[Buch von der Weisheit]], Nr. I, 11&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. I, 11, Bl. 9v-10v&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], 11&lt;br /&gt;
| forschung          = [[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 530f.; [[Günthart, Romy (Hg.): Sebastian Münster, Spiegel der wyßheit]], Band 2, S. 26f.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Lateinische Version (Cyrillus, Nr. I, 11), 1. Hälfte 14. Jhd. ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die deutsche Tradition baut auf einer lateinischen Quelle auf (Cyrillus, Nr. I, 11 ([https://archive.org/details/diebeidenltesten00grss Grässe, Johann Georg Theodor (Hg.): Die beiden ältesten lateinischen Fabelbücher des Mittelalters.] Tübingen 1880, S. 16-18)). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 44-46.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Übersetzung&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 45-47.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Diligentiori ruminatione omnia digeras, priusquam agas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Post aliquantulam sumpti digestionem edulii ipsum bos retribuens faucibus cum recubans ruminaret, porcus hoc adspiciens ad eum venit et dixit: &amp;quot;Quid est quod agis, cornute?&amp;quot; Cui ille: &amp;quot;Rumino.&amp;quot; Tunc porcus: &amp;quot;Parum ante tam onerosum iugum deposuisti, ut quid modo non quiescis? Nonne semel satis est masticasse? Ad haec bos ita fertur dixisse: &amp;quot;Nimirum, frater, si ruminares, nullatenus ita sentires. Ubi quaeso situs est alimenti sensus? Nonne in faucibus? Et propter hoc quanto diligentius edulium masticamus, tanto amplius totius rei saporem percipimus et iudicialem gustum vehementius delectamus; revera molares dentes in duplo provida ob hoc natura composuit, ut masticatio maior adsit, et gustativus sensus providenter locatus est in ore, ut delectatione cibum diutius teneamus sub fauce. Quin et ruminans melius digero et alimentum in fine per amplius depuratum assumo.&amp;quot; Tunc porcus his auditis adiunxit: &amp;quot;Quis ruminare te docuit?&amp;quot; Et ille: &amp;quot;Nimirum ars illa me hoc agere erudivit in corpore, quae sapientem edocuit ruminare in mente. Cuncta namque subtili medicamine ruminat prudens quae aut dicit aut facit, propterea quidem digesta loquitur et purgata similiter operatur. Ad quid enim communicatum est homini clarum rationis consilium, et tarn carissimum concessum est illi meditationis bonum? Nonne ut his salubriter in agendis utatur? Unde praemeditationis masticatio semper praeponenda est in cunctis humanis actibus, si sapientia gubernantur, ut universa digestiora et puriora consequantur. Nec semel satis est rem agendam videre, sed necesse est eam subtiliter pluries ruminare. Sicut quattuor digestionibus cibus praecoquitur, ut deinde membris purior atque veracior tribuatur, omnis cibus, autequam animae uniatur, quattuor purgetur digestionibus. Primo vadit ad stomachum et ibi digeritur et sequestratur purum ab impuro et quod impurum est, emittitur per secessum. Deinde purum derelictum ad hepar mittitur, et ibi digeritur et fit sanguis et sequestratur purum ab impuro et impurum emittitur per urinam. Deinde derelictum purum a venis attrahitur et ibi tertio digeritur et sequestratur purum ab impuro et impurum emittitur per sudorem et sputum. Deinde purum derelictum per membra spargitur et in membris quarto digeritur et sequestratur purum ab impuro et illud impurum, quod quasi purum est, servatur in vasis spermaticis et in generatione emittitur. Purissimum autem derelictum conversum in membrorum substantiam finaliter animae copulatur factum vivum et substantia vitae. Unde nulla cibalis impuritas accedit ad animam, nisi cum quater mundificatus sit omnis cibus. Tu quidem ergo, carissime, quia non ruminas, impurius suscipis alimentum, et ob hoc divina lege iudicaris immundus.&amp;quot; Quibus auditis erubescens porcus recessit.&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Bevor du handelst, sollst du alles durch sorgfältiges Nachdenken abwägen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Schwein sah, wie ein Ochse nach kurzem Kauen der aufgenommenen Nahrung diese wieder seinem Maul zuführte und im Liegen wiederkäute; es ging näher zu ihm und sagte: &amp;quot;Was treibst du, Hornochse?&amp;quot; Jener sagte zu ihm: &amp;quot;Ich bin mit Wiederkäuen beschäftigt.&amp;quot; Darauf meinte das Schwein: &amp;quot;Eben erst hast du das so beschwerliche Joch abgelegt, warum ruhst du jetzt nicht aus? Genügt es nicht, einmal gekaut zu haben?&amp;quot; Darauf soll der Ochse folgendes gesagt haben: &amp;quot;Aber nein, mein Bruder, wenn du ein Wiederkäuer wärest, würdest du keineswegs so denken. Ich frage dich, wo ist denn das Sinnesorgan für die Nahrung angesiedelt? Doch im Maul! Je sorgfältiger wir kauen, um so mehr nehmen wir folglich den Geschmack der ganzen Sache auf und um so eindringlicher erfreut sich der urteilende Geschmacksinn; die wirklich weitsichtige Natur hat deshalb die Backenzähne doppelt angelegt, damit ein kräftiges Kauen möglich ist, und der Geschmackssinn ist absichtlich im Mund angelegt, damit wir mit Freude die Speise länger darin festhalten. Ich verdaue sogar besser, wenn ich wiederkäue und nehme schließlich eine besser gereinigte Nahrung auf.&amp;quot; Als das Schwein dieses gehört hatte, fügte es hinzu: &amp;quot;Wer hat dich das Wiederkäuen gelehrt?&amp;quot; Er gab zur Antwort: &amp;quot;Selbstverständlich hat jene Kunst mich dazu erzogen, dies in meinem Körper zu tun, die den Weisen lehrte, im Geist wiederzukäuen. Denn alles, was der Kluge sagt oder tut, kaut er mit einem feinen Wirkstoff nochmals durch. Deshalb spricht er nach reiflicher Überlegung und handelt in ähnlicher Weise lauter. Wozu ist nämlich dem Menschen das klare Planen des Verstandes gegeben und wozu ist ihm das so teure Gut des Nachdenkens gewährt worden? Doch dazu, daß er es heilsam bei seinem Tun und Handeln benutzt. Deshalb muß bei allen menschlichen Handlungen immer das &#039;Kauen&#039; der Vorüberlegung vorangestellt werden, wenn sie von der Weisheit gelenkt werden, damit alles durchdachter und reiner nachfolgt. Und es genügt nicht, eine Sache, die man zu tun hat, nur einmal zu bedenken, sondern man muß sie mehrmals gründlich überdenken. So wird eine Speise durch vier Verdauungsvorgänge vorverdaut, daß sie dann den Gliedern reiner und echter zugeführt wird, und jede Speise soll durch einen vierfachen Verdauungsvorgang gereinigt werden, bevor sie in die Lebenskraft eingeht. Zuerst kommt sie in den Magen und wird dort zerkleinert, das Reine wird vom Unreinen getrennt und das Unreine wird abgeführt. Dann wird der gereinigte Rest zur Leber transportiert und dort zerkleinert, so daß Blut entsteht, das Reine vom Unreinen getrennt und das Unreine durch den Urin ausgeschieden wird. Der gereinigte Rest wird von den Blutadern aufgenommen und dort zum dritten Mal zerkleinert, das Reine vom Unreinen getrennt und das Unreine durch Schweiß und Speichel ausgeschieden. Dann aber  verteilt sich der gereinigte Rest in den Gliedern und wird dort zum vierten Mal zerkleinert, das Reine vom Unreinen getrennt und jenes Unreine, das schon beinahe rein ist, in den Spermagefäßen aufbewahrt und bei der Zeugung ausgeschieden. Der völlig gereinigte Rest, der sich in die Substanz der Organe verwandelt hat, wird als kraftvolle Lebenssubstanz endlich in die Lebenskraft eingebunden. So gelangt kein unreines Essen in die Lebenskraft, da jede Speise viermal gereinigt wurde. Weil du aber, mein lieber Freund, kein Wiederkäuer bist, nimmst du unreine Nahrung zu dir und deswegen giltst du nach göttlichem Gesetz als unrein.&amp;quot; Als das Schwein dieses gehört hatte, zog es sich beschämt zurück.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutsche Versionen==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. I, 11 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490)===&lt;br /&gt;
Das &amp;amp;middot;xi&amp;amp;middot; Capitel Bedenck alle ding mit wolgedewtem eintrucken ee und du sy thuost&amp;amp;middot;&amp;lt;br /&amp;gt;Das &amp;amp;middot;xi&amp;amp;middot; Capitel&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;N&#039;&#039;&#039;Ach etwe vil dewung &lt;br /&gt;
der empfange(n) speyß empfalhe ei(n) Ochß die selbe(n) speise dem guomen hyn wider sy baß zekeüen&amp;amp;middot; Unnd da er siczender und ruowender eyntrucket das sahe ein schwein es lief zuo im un(d) sprach&amp;amp;middot; Du gehürneter was ist das du thuost&amp;amp;middot; Der ochß sprach&amp;amp;middot; Ich eindrucke&amp;amp;middot; Do sprach das schwein&amp;amp;middot; Du unweiser ein kleine stund vor der zeyt hastu ein schwaeres joch vo(n) dyr geleget / waru(m)b ruoest du nu(n) nit Waer des nit genuog das du das [12vb] aynest gekewt hetest&amp;amp;middot; Das verantwurt der ochs unnd sprach also&amp;amp;middot; Des nymm dir nit wund(er) / mein pruoder / wenn waer daz du eindrucktest fürwar so verstuendest du auch mei(n) eindrucke(n) ich bit dich in freüntschaft sag mir wo und an wellicher stat der tiere ist der synn der speiß geseczt / Ist er nit in dem guomen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Daru(m)be seyt er in dez guome(n) ist so wir dann die speiß ye fleissigklicher kewen so wir ye mer geschmackes des dings das wir da keüen empfahen un(d) gewynnen / auch dester mer lustes in dem koste(n)&lt;br /&gt;
Wiß fürwar das dye besichtige natur die winckel zaen mit de(n) dz kewen geschicht hat zwir allso grosse macht als die andern un(d) vodern zaen&amp;amp;middot; Daru(m)b das dz keüe(n) dest bas geschehe&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Auch hat die natur den costende(n) syn in de(n) mu(n)de geseczt / daru(m)b das wyr dye speiß dester lenger mit lust und(er) dem guomen hielten&amp;amp;middot; Nun dewe ich mein speiß destbas&amp;amp;middot; wenn sy wirt mit eindrucken mir zuo hilf wolgeleütert&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Do sprach dz schwei(n)&amp;amp;middot; wer hat dich gelert eintrucke(n)&amp;amp;middot; Der frag gab der ochß antwurt unnd sprach&amp;amp;middot; Des bis on zweifel die kunst hat mich geleret eindrucken in meinen leychnam die den weysen lert eintrucken in der sel&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
wann ain weiser [13ra] eindruckt alle ding die er redtt oder würckt mit sitigem bedencken / darumb so erdet&amp;lt;ref&amp;gt;Wohl ein Druckfehler, der auf die Vertauschung von r und e (wie bei einer r-Metathese) zurückgeht. erdet wäre zu redet zu verbessern.&amp;lt;/ref&amp;gt; er wolgedeüte wort / un(d) würckt wolgeleüterte und rain geschwu(n)gen werck&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sag mir wardurch istt dem mensche(n) verlihen clarer rat und vernunft un(d) das aller klarest guot der bedaechtnuß zuo nichten anders fürwar dann das er die heilwertiklich nücz in seinen worten und wercken&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Darumbe ist das kewüen der gedechtnuße in allen menschlichen worte(n) un(d) wercken allzeit für zuo seczen daz die beyde mit weißheit wol behuet seyen&amp;amp;middot; Auch ist des nit genuoge ob ain ding aynest besichtigklich und bedaechtiklich wirt betracht / wenn des ist ein noturft das es behendiklich dick un(d) oft werd eingedruckt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
wenn ein yeckliche speiß wirt vierfaltiklich gekocht ee und sy den gelidern warhaftiklich und wolgeleüteret empfolhen unnd geaigenot wirt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Nu(n) das du des gelert werdest so wyß das ayn yeckliche speiß mit der wir tier gespeißtt werden bedarf zuo noete(n) dz sy mit hicziger deüwung vierfeltiklychen geleütert sey ee und sy den lebentigen geysten gegebe(n) wirt unnd gaucz&amp;lt;ref&amp;gt;Ein Fehler im Druck, gaucz ist zu gancz zu verbessern.&amp;lt;/ref&amp;gt; mit inen veraynet Wann des ersten kommet dye speiß in den magen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
und in dem [13rb] wirt sy am erste(n) gedeüwet / darinn teylt sich das lauter von dez unlautern / und das daz unlautter ist wirt den natürlichen stuele(n) empfolhen mit dem nympte es seinen außgang / darnach wirtt das lauter das in dem mage(n) beleibt der lungen empfolhen Un(d) wirt darinnen verdeüet Unnd wirt da zuo pluot&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
da wirt aber dz lauter von dem unlautern geteilet / und das unlauter wirt mit dem haren außgelassen&amp;amp;middot; Darnache wirt das lauter das in d(er) lungen beliben ist von den adern an sich gezogen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
und wirt darinne(n) zuo dem driten mal gedeüet / Do wirt aber das lauter vo(n) dem unlautern geteilt&amp;amp;middot; und das unlauter wirt verlassen mitt dem schwaiß und mit dez spaichel&amp;amp;middot; darnach zuo dem vierden mal wirtt daz lauter das do überbelibe(n) ist in alle gelider geteylt / und wirdet darinnen gedeüet&amp;amp;middot; Do wirtt auch daz lautter von dem unlautern geteylt&amp;amp;middot; &lt;br /&gt;
Und dasselbig das vil nahend sam als das lautter ist das wirt behalte(n) in den vaßsen das ist der nyeren natürlicher saum / und dasselbig dz wirt mit dem wercke der natur verlassen&amp;amp;middot; &lt;br /&gt;
Aber das aller leüterst dz daselbs ist überbeliben und sich in wesenlichs wesen und stand der gelyder verkeret und auch [13va] verwandlet hat / dz wirt zuo dez jüngsten den geysten des lebens zuo gefueget mit de(m) leben un(d) dz selbig ist des lebe(n)s wesenlichs wesen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Also merck dz kei(n) unlautrikeit ko(m)pt zuo der sel der tier es sej dan(n) ein jeckliche speiß ee zuo vier malen gereiniget un(d) geleütert&amp;amp;middot; Sei d(az) aber du nit eintruckst daru(m)be so nymbstu ungeleüterte speiß i(n) d(er) du für rose(n) un(d) gilge(n) wuolest&amp;amp;middot; un(d) naschest / daru(m)b pistu mit goetliche(m) urteil der alte(n) ee ein unrein tier geurteilt un(d) v(er)dampt&amp;amp;middot; Do daz schwei(n) dz hort zohe es mit scha(n)den von der pan&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Miniaturen und gedruckte Bilder==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Cgm 254, 9v).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Cgm 254, 9v)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Cgm 9602, 10v).jpg|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Cgm 9602, 10v)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Mgf 459, 23v).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Mgf 459, 23v)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (MS 653, 174r).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (MS 653, 174r)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (MS Egerton 1121, 16r).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (MS Egerton 1121, 16r)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Druck 1490, 12v).jpg|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Druck 1490, 12v)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Druck 1571, 45v).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Druck 1571, 45v)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Quelle Fabel]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Ochse_und_Schwein_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20602</id>
		<title>Ochse und Schwein (Erzählstoff)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Ochse_und_Schwein_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20602"/>
		<updated>2022-01-28T14:44:33Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: /* Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein), Nr. I, 11 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490) */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
| namen              = Ochse und Schwein&lt;br /&gt;
| regest             = Der Ochse erklärt dem fragenden Schwein, warum er wiederkäut. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 530)&lt;br /&gt;
| fassungen          = [[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. I, 11&amp;lt;br /&amp;gt;[[Buch von der Weisheit]], Nr. I, 11&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. I, 11, Bl. 9v-10v&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], 11&lt;br /&gt;
| forschung          = [[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 530f.; [[Günthart, Romy (Hg.): Sebastian Münster, Spiegel der wyßheit]], Band 2, S. 26f.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Lateinische Version (Cyrillus, Nr. I, 11), 1. Hälfte 14. Jhd. ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die deutsche Tradition baut auf einer lateinischen Quelle auf (Cyrillus, Nr. I, 11 ([https://archive.org/details/diebeidenltesten00grss Grässe, Johann Georg Theodor (Hg.): Die beiden ältesten lateinischen Fabelbücher des Mittelalters.] Tübingen 1880, S. 16-18)). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 44-46.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Übersetzung&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 45-47.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Diligentiori ruminatione omnia digeras, priusquam agas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Post aliquantulam sumpti digestionem edulii ipsum bos retribuens faucibus cum recubans ruminaret, porcus hoc adspiciens ad eum venit et dixit: &amp;quot;Quid est quod agis, cornute?&amp;quot; Cui ille: &amp;quot;Rumino.&amp;quot; Tunc porcus: &amp;quot;Parum ante tam onerosum iugum deposuisti, ut quid modo non quiescis? Nonne semel satis est masticasse? Ad haec bos ita fertur dixisse: &amp;quot;Nimirum, frater, si ruminares, nullatenus ita sentires. Ubi quaeso situs est alimenti sensus? Nonne in faucibus? Et propter hoc quanto diligentius edulium masticamus, tanto amplius totius rei saporem percipimus et iudicialem gustum vehementius delectamus; revera molares dentes in duplo provida ob hoc natura composuit, ut masticatio maior adsit, et gustativus sensus providenter locatus est in ore, ut delectatione cibum diutius teneamus sub fauce. Quin et ruminans melius digero et alimentum in fine per amplius depuratum assumo.&amp;quot; Tunc porcus his auditis adiunxit: &amp;quot;Quis ruminare te docuit?&amp;quot; Et ille: &amp;quot;Nimirum ars illa me hoc agere erudivit in corpore, quae sapientem edocuit ruminare in mente. Cuncta namque subtili medicamine ruminat prudens quae aut dicit aut facit, propterea quidem digesta loquitur et purgata similiter operatur. Ad quid enim communicatum est homini clarum rationis consilium, et tarn carissimum concessum est illi meditationis bonum? Nonne ut his salubriter in agendis utatur? Unde praemeditationis masticatio semper praeponenda est in cunctis humanis actibus, si sapientia gubernantur, ut universa digestiora et puriora consequantur. Nec semel satis est rem agendam videre, sed necesse est eam subtiliter pluries ruminare. Sicut quattuor digestionibus cibus praecoquitur, ut deinde membris purior atque veracior tribuatur, omnis cibus, autequam animae uniatur, quattuor purgetur digestionibus. Primo vadit ad stomachum et ibi digeritur et sequestratur purum ab impuro et quod impurum est, emittitur per secessum. Deinde purum derelictum ad hepar mittitur, et ibi digeritur et fit sanguis et sequestratur purum ab impuro et impurum emittitur per urinam. Deinde derelictum purum a venis attrahitur et ibi tertio digeritur et sequestratur purum ab impuro et impurum emittitur per sudorem et sputum. Deinde purum derelictum per membra spargitur et in membris quarto digeritur et sequestratur purum ab impuro et illud impurum, quod quasi purum est, servatur in vasis spermaticis et in generatione emittitur. Purissimum autem derelictum conversum in membrorum substantiam finaliter animae copulatur factum vivum et substantia vitae. Unde nulla cibalis impuritas accedit ad animam, nisi cum quater mundificatus sit omnis cibus. Tu quidem ergo, carissime, quia non ruminas, impurius suscipis alimentum, et ob hoc divina lege iudicaris immundus.&amp;quot; Quibus auditis erubescens porcus recessit.&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Bevor du handelst, sollst du alles durch sorgfältiges Nachdenken abwägen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Schwein sah, wie ein Ochse nach kurzem Kauen der aufgenommenen Nahrung diese wieder seinem Maul zuführte und im Liegen wiederkäute; es ging näher zu ihm und sagte: &amp;quot;Was treibst du, Hornochse?&amp;quot; Jener sagte zu ihm: &amp;quot;Ich bin mit Wiederkäuen beschäftigt.&amp;quot; Darauf meinte das Schwein: &amp;quot;Eben erst hast du das so beschwerliche Joch abgelegt, warum ruhst du jetzt nicht aus? Genügt es nicht, einmal gekaut zu haben?&amp;quot; Darauf soll der Ochse folgendes gesagt haben: &amp;quot;Aber nein, mein Bruder, wenn du ein Wiederkäuer wärest, würdest du keineswegs so denken. Ich frage dich, wo ist denn das Sinnesorgan für die Nahrung angesiedelt? Doch im Maul! Je sorgfältiger wir kauen, um so mehr nehmen wir folglich den Geschmack der ganzen Sache auf und um so eindringlicher erfreut sich der urteilende Geschmacksinn; die wirklich weitsichtige Natur hat deshalb die Backenzähne doppelt angelegt, damit ein kräftiges Kauen möglich ist, und der Geschmackssinn ist absichtlich im Mund angelegt, damit wir mit Freude die Speise länger darin festhalten. Ich verdaue sogar besser, wenn ich wiederkäue und nehme schließlich eine besser gereinigte Nahrung auf.&amp;quot; Als das Schwein dieses gehört hatte, fügte es hinzu: &amp;quot;Wer hat dich das Wiederkäuen gelehrt?&amp;quot; Er gab zur Antwort: &amp;quot;Selbstverständlich hat jene Kunst mich dazu erzogen, dies in meinem Körper zu tun, die den Weisen lehrte, im Geist wiederzukäuen. Denn alles, was der Kluge sagt oder tut, kaut er mit einem feinen Wirkstoff nochmals durch. Deshalb spricht er nach reiflicher Überlegung und handelt in ähnlicher Weise lauter. Wozu ist nämlich dem Menschen das klare Planen des Verstandes gegeben und wozu ist ihm das so teure Gut des Nachdenkens gewährt worden? Doch dazu, daß er es heilsam bei seinem Tun und Handeln benutzt. Deshalb muß bei allen menschlichen Handlungen immer das &#039;Kauen&#039; der Vorüberlegung vorangestellt werden, wenn sie von der Weisheit gelenkt werden, damit alles durchdachter und reiner nachfolgt. Und es genügt nicht, eine Sache, die man zu tun hat, nur einmal zu bedenken, sondern man muß sie mehrmals gründlich überdenken. So wird eine Speise durch vier Verdauungsvorgänge vorverdaut, daß sie dann den Gliedern reiner und echter zugeführt wird, und jede Speise soll durch einen vierfachen Verdauungsvorgang gereinigt werden, bevor sie in die Lebenskraft eingeht. Zuerst kommt sie in den Magen und wird dort zerkleinert, das Reine wird vom Unreinen getrennt und das Unreine wird abgeführt. Dann wird der gereinigte Rest zur Leber transportiert und dort zerkleinert, so daß Blut entsteht, das Reine vom Unreinen getrennt und das Unreine durch den Urin ausgeschieden wird. Der gereinigte Rest wird von den Blutadern aufgenommen und dort zum dritten Mal zerkleinert, das Reine vom Unreinen getrennt und das Unreine durch Schweiß und Speichel ausgeschieden. Dann aber  verteilt sich der gereinigte Rest in den Gliedern und wird dort zum vierten Mal zerkleinert, das Reine vom Unreinen getrennt und jenes Unreine, das schon beinahe rein ist, in den Spermagefäßen aufbewahrt und bei der Zeugung ausgeschieden. Der völlig gereinigte Rest, der sich in die Substanz der Organe verwandelt hat, wird als kraftvolle Lebenssubstanz endlich in die Lebenskraft eingebunden. So gelangt kein unreines Essen in die Lebenskraft, da jede Speise viermal gereinigt wurde. Weil du aber, mein lieber Freund, kein Wiederkäuer bist, nimmst du unreine Nahrung zu dir und deswegen giltst du nach göttlichem Gesetz als unrein.&amp;quot; Als das Schwein dieses gehört hatte, zog es sich beschämt zurück.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutsche Versionen==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. I, 11 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490)===&lt;br /&gt;
Das &amp;amp;middot;xi&amp;amp;middot; Capitel Bedenck alle ding mit wolgedewtem eintrucken ee und du sy thuost&amp;amp;middot;&amp;lt;br /&amp;gt;Das &amp;amp;middot;xi&amp;amp;middot; Capitel&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;N&#039;&#039;&#039;ach etwe vil dewung &lt;br /&gt;
der empfange(n) speyß empfalhe ei(n) Ochß die selbe(n) speise dem guomen hyn wider sy baß zekeüen&amp;amp;middot; Unnd da er siczender und ruowender eyntrucket das sahe ein schwein es lief zuo im un(d) sprach&amp;amp;middot; Du gehürneter was ist das du thuost&amp;amp;middot; Der ochß sprach&amp;amp;middot; Ich eindrucke&amp;amp;middot; Do sprach das schwein&amp;amp;middot; Du unweiser ein kleine stund vor der zeyt hastu ein schwaeres joch vo(n) dyr geleget / waru(m)b ruoest du nu(n) nit Waer des nit genuog das du das aynest gekewt hetest&amp;amp;middot; Das verantwurt der ochs unnd sprach also&amp;amp;middot; Des nymm dir nit wund(er) / mein pruoder / wenn waer daz du eindrucktest fürwar so verstuendest du auch mei(n) eindrucke(n) ich bit dich in freüntschaft sag mir wo und an wellicher stat der tiere ist der synn der speiß geseczt / Ist er nit in dem guomen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Daru(m)be seyt er in dez guome(n) ist so wir dann die speiß ye fleissigklicher kewen so wir ye mer geschmackes des dings das wir da keüen empfahen un(d) gewynnen / auch dester mer lustes in dem koste(n)&lt;br /&gt;
Wiß fürwar das dye besichtige natur die winckel zaen mit de(n) dz kewen geschicht hat zwir allso grosse macht als die andern un(d) vodern zaen&amp;amp;middot; Daru(m)b das dz keüe(n) dest bas geschehe&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Auch hat die natur den costende(n) syn in de(n) mu(n)de geseczt / daru(m)b das wyr dye speiß dester lenger mit lust und(er) dem guomen hielten&amp;amp;middot; Nun dewe ich mein speiß destbas&amp;amp;middot; wenn sy wirt mit eindrucken mir zuo hilf wolgeleütert&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Do sprach dz schwei(n)&amp;amp;middot; wer hat dich gelert eintrucke(n)&amp;amp;middot; Der frag gab der ochß antwurt unnd sprach&amp;amp;middot; Des bis on zweifel die kunst hat mich geleret eindrucken in meinen leychnam die den weysen lert eintrucken in der sel&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
wann ain weiser eindruckt alle ding die er redtt oder würckt mit sitigem bedencken / darumb so erdet&amp;lt;ref&amp;gt;Wohl ein Druckfehler, der auf die Vertauschung von r und e (wie bei einer r-Metathese) zurückgeht. erdet wäre zu redet zu verbessern.&amp;lt;/ref&amp;gt; er wolgedeüte wort / un(d) würckt wolgeleüterte und rain geschwu(n)gen werck&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sag mir wardurch istt dem mensche(n) verlihen clarer rat und vernunft un(d) das aller klarest guot der bedaechtnuß zuo nichten anders fürwar dann das er die heilwertiklich nücz in seinen worten und wercken&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Darumbe ist das kewüen der gedechtnuße in allen menschlichen worte(n) un(d) wercken allzeit für zuo seczen daz die beyde mit weißheit wol behuet seyen&amp;amp;middot; Auch ist des nit genuoge ob ain ding aynest besichtigklich und bedaechtiklich wirt betracht / wenn des ist ein noturft das es behendiklich dick un(d) oft werd eingedruckt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
wenn ein yeckliche speiß wirt vierfaltiklich gekocht ee und sy den gelidern warhaftiklich und wolgeleüteret empfolhen unnd geaigenot wirt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Nu(n) das du des gelert werdest so wyß das ayn yeckliche speiß mit der wir tier gespeißtt werden bedarf zuo noete(n) dz sy mit hicziger deüwung vierfeltiklychen geleütert sey ee und sy den lebentigen geysten gegebe(n) wirt unnd gaucz&amp;lt;ref&amp;gt;Ein Fehler im Druck, gaucz ist zu gancz zu verbessern.&amp;lt;/ref&amp;gt; mit inen veraynet Wann des ersten kommet dye speiß in den magen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
und in dem wirt sy am erste(n) gedeüwet / darinn teylt sich das lauter von dez unlautern / und das daz unlautter ist wirt den natürlichen stuele(n) empfolhen mit dem nympte es seinen außgang / darnach wirtt das lauter das in dem mage(n) beleibt der lungen empfolhen Un(d) wirt darinnen verdeüet Unnd wirt da zuo pluot&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
da wirt aber dz lauter von dem unlautern geteilet / und das unlauter wirt mit dem haren außgelassen&amp;amp;middot; Darnache wirt das lauter das in d(er) lungen beliben ist von den adern an sich gezogen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
und wirt darinne(n) zuo dem driten mal gedeüet / Do wirt aber das lauter vo(n) dem unlautern geteilt&amp;amp;middot; und das unlauter wirt verlassen mitt dem schwaiß und mit dez spaichel&amp;amp;middot; darnach zuo dem vierden mal wirtt daz lauter das do überbelibe(n) ist in alle gelider geteylt / und wirdet darinnen gedeüet&amp;amp;middot; Do wirtt auch daz lautter von dem unlautern geteylt&amp;amp;middot; &lt;br /&gt;
Und dasselbig das vil nahend sam als das lautter ist das wirt behalte(n) in den vaßsen das ist der nyeren natürlicher saum / und dasselbig dz wirt mit dem wercke der natur verlassen&amp;amp;middot; &lt;br /&gt;
Aber das aller leüterst dz daselbs ist überbeliben und sich in wesenlichs wesen und stand der gelyder verkeret und auch verwandlet hat / dz wirt zuo dez jüngsten den geysten des lebens zuo gefueget mit de(m) leben un(d) dz selbig ist des lebe(n)s wesenlichs wesen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Also merck dz kei(n) unlautrikeit ko(m)pt zuo der sel der tier es sej dan(n) ein jeckliche speiß ee zuo vier malen gereiniget un(d) geleütert&amp;amp;middot; Sei d(az) aber du nit eintruckst daru(m)be so nymbstu ungeleüterte speiß i(n) d(er) du für rose(n) un(d) gilge(n) wuolest&amp;amp;middot; un(d) naschest / daru(m)b pistu mit goetliche(m) urteil der alte(n) ee ein unrein tier geurteilt un(d) v(er)dampt&amp;amp;middot; Do daz schwei(n) dz hort zohe es mit scha(n)den von der pan&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Miniaturen und gedruckte Bilder==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Cgm 254, 9v).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Cgm 254, 9v)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Cgm 9602, 10v).jpg|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Cgm 9602, 10v)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Mgf 459, 23v).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Mgf 459, 23v)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (MS 653, 174r).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (MS 653, 174r)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (MS Egerton 1121, 16r).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (MS Egerton 1121, 16r)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Druck 1490, 12v).jpg|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Druck 1490, 12v)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Druck 1571, 45v).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Druck 1571, 45v)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Quelle Fabel]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Rose,_Lilie_und_Feigenbaum_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20396</id>
		<title>Rose, Lilie und Feigenbaum (Erzählstoff)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Rose,_Lilie_und_Feigenbaum_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20396"/>
		<updated>2022-01-12T23:13:09Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: /* Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein), Nr. IV, 9 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490) */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
| namen              = Rose, Lilie und Feigenbaum&lt;br /&gt;
| regest             = Der Feigenbaum fragt Rose und Lilie, warum sie Blüten aber keine Früchte tragen; sie verweisen auf ihre Jungfräulichkeit, in der es keinen Unterschied zwischen Blüte und Frucht gäbe. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 576)&lt;br /&gt;
| fassungen          = [[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. IV, 9&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. IV, 9, Bl. 81v-82r&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 93, Bl. 295v-298r&lt;br /&gt;
| forschung          = [[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 576; [[Günthart, Romy (Hg.): Sebastian Münster, Spiegel der wyßheit]], Band 2, S. 134-137&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Lateinische Version (Cyrillus, Nr. IV, 9), 1. Hälfte 14. Jhd. ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die deutsche Tradition baut auf einer lateinischen Quelle auf (Cyrillus, Nr. IV, 9 ([https://archive.org/details/diebeidenltesten00grss/page/114/mode/2up Grässe, Johann Georg Theodor (Hg.): Die beiden ältesten lateinischen Fabelbücher des Mittelalters.] Tübingen 1880, S. 115f.)). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 232.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Übersetzung&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 233.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Proverbium ad laudem virginitatis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rosa et lilium iuxta ficulneam sunt exortae. Quae cum expandissent floribunda folia nitore splendentia ac rorem suavitatis manantia aromaticique odoris fragrantiam effudissent, et illa floris orbata luce acerbum in fructum pariter pullulasset, lacte quidem invidentiae pruriens, commota mox invectivam proposuit dicens: &amp;quot;Post tam amoenissimam rutilantiam floridam ubi fructus vestri intenta genitura finaliter? Sanum est quippe florere sine fructu. Ligat enim natura sagax fructum in flore et ob ipsum tam vernantissimum germinat in florem.&amp;quot; At illae mox radicem eloquii sentientes pacifica ratione dixerunt: &amp;quot;Bene scimus, quod propter pruritum generationis perdidisti gloriam floris et idcirco iam exspoliata es sie loquens; nempe fructum paris dulcissimum, sed tamen pateris in radice pruritum, quo florem amisisti, nobis autem ex plena puritate et suavitate substantiae flos ipse fructus est. Unde in nobis flos et fructus minime distinguitur, quoniam abundante nimis mellitae puritatis et odoriferae sublimitatis humore id ipsum factum est in nobis flos et fructus. Nonne vapor terrae purissimus totum floridum in aurum concrescit et ros dulcissimus caeli virginitate vernante margaritam congemmascit? Igitur rosa et lilium et flores fruetiferi et fructus floridi sunt. An nescivisti, quod virginitatis manantis puritate, aromate et suavitate virtus ipsa clarissimus flos est et fructus? Mirabile igitur germen virginitatis sine germine non est. Nunquam est fructus sine fructu, immo totus et ipse fructus est. Sic et sancta virginitas ipsum naturae et virtutis est germen pretiosissimum, flos amoenissimus et splendor clarissimus, fructus dulcissimus, decor praestantissimus, odor suavissimus, valor totus. Nimirum ipsa est naturae ac virtutis clarissima gemma, inviolata integritas, caelestina serenitas, summa temperantia, perfecta victoria spiritus super germen, gloria tota. Ut rosa igitur fragrans et lilium rutilans est sancta virginitas, flos et fructus, ad cuius quidem fragrantiam unicornis tractus suaviter currit, cuius dulcedine ferocitas mansuescit, cuius puritate eius tam valida delectata potestas quasi victa in nitido gremio virginali reverentialiter prostrata recumbit. O nimirum magnes nimiae validitatis virginitatis ad se trahens naturam! O saphirus mirabilis castitatis omnem fugans et destruens famam veneuosam! O smaragdus rutilans viriditatis, perpetua puritas, inviolatae integritatis amatrix, foetidam Veneris nullatenus patiens corruptelam!&amp;quot; Ad haec ficulnea stupefacta conticuit.&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Ein Beispiel zum Lob der Jungfräulichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Rose und eine Lilie wuchsen neben einem Feigenbaum. Diese hatten ihre Blütenblätter entfaltet, die glänzten und strahlten, über sie rann süßer Tau und sie hatten den Wohlgeruch eines aromatischen Duftes verströmt. Jener aber hatte ohne Blütenglanz zugleich eine unreife Frucht hervortreiben lassen und hielt aufgebracht bald darauf folgende Scheltrede, da er durch den Saft des Neides brannte: &amp;quot;Wo ist schließlich nach solche einem anmutigen Blütenglanz die erstrebte Nachkommenschaft eurer Frucht? Es ist freilich gescheit, ohne Frucht zu blühen. Es bindet nämlich die weise Natur die Frucht an die Blüte, und deswegen treibt sie eine so glänzende Blüte hervor.&amp;quot; Aber da jene die Quelle der Rede bemerkten, sprachen sie in friedlicher Absicht: &amp;quot;Wir wissen gut, daß du wegen der Begierde nach Nachkommenschaft die Zierde deiner Blüte verloren hast und deshalb so sprichst, weil du von jetzt an ihrer beraubt bist; du bringst freilich eine sehr süße Frucht hervor, aber dennoch duldest du an der Wurzel die Begierde, wodurch du die Blüte verloren hast; aber aufgrund der vollen Reinheit und Süße unseres Wesens ist die Blüte selbst die Frucht. Daher unterscheidet man bei uns keineswegs Blüte und Frucht, weil bei uns durch den überreich vorhandenen Pflanzensaft von überaus süßer Reinheit und wohlriechender Vorzüglichkeit gerade das zu Blüte und Frucht geworden ist. Verdichtet nicht die reinste Wärme der Erde alles Glänzende zu Gold und läßt nicht der süßeste Tau des Himmels eine Perle in Jugendlichkeit und Jungfräulichkeit entstehen? Daher sind Rose und Lilie sowohl fruchttragende Blüten als auch blühende Früchte. Wußtest du nicht, daß gerade die Tugend der Jungfräulichkeit, die sich mit Reinheit, Wohlgeruch und Süße verbreitet, die edelste Blüte und zugleich Frucht ist? Daher gibt es keinen wunderbaren Sproß der Jungfräulichkeit ohne einen Keim. Niemals gibt es eine Frucht ohne Frucht, sondern im Gegenteil ist die Frucht selbst alles. So ist auch die heilige Jungfräulichkeit selbst der kostbarste Sproß, die anmutigste Blume, der hellste Glanz, die süßeste Frucht, die vorzüglichste Zierde, der lieblichste Duft und der ganze Wert der Natur und der Tugend. Zweifellos ist sie selbst der hellste Edelstein der Natur und der Tugend, unverletzbare Unschuld, himmlische Reinheit, höchste Selbstbeherrschung, vollkommener Sieg des Geistes über den Trieb, vollkommener Ruhm. Wie die duftende Rose und die rötlich schimmernde Lilie ist die heilige Jungfräulichkeit Blüte und Frucht, von deren Duft angezogen das Einhorn sanft herbeiläuft. Durch ihre Süße wird seine Wildheit bezähmt und durch ihre Reinheit legt sich ehrerbietig seine so starke Kraft voll Freude gleichsam besiegt in den glänzenden Schoß der Jungfrau. Oh Magnet von zweifellos außerordentlicher Stärke der Jungfräulichkeit, der du die Natur anziehst! Oh Saphir von wunderbarer Reinheit, der du das ganze giftige Gerede vertreibst und vernichtest! Oh Smaragd, der du von Jugendkraft glänzest, immerwährende Reinheit, Freundin unverletzbarer Unschuld, die du in keiner Weise die schädliche Verführung der Venus duldest!&amp;quot; Auf diese Worte hin verstummte betrübt der Feigenbaum.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutsche Versionen==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. IV, 9 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490)===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Den iunckfrauen zuo lobe&amp;amp;middot;&amp;lt;br /&amp;gt;Das &amp;amp;middot;ix&amp;amp;middot; Capitel&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
EIn Rosen und auch ein Gilgen dye wuochssen miteina(n)der bey einem feygenbaum&amp;amp;middot; und do der selb feygenbaum ir schoengeferbte pletter die jrer farbe gar lustige warend und süssen taw miltiklich außgusse(n) mit wolriechendem schmack in die weytte  außpraitet&amp;amp;middot; Nu(n) waren doch die rosen un(d) auch die gilgen die sellben zeit außwendiklich jres scheines und jrer plue genczlich un(d) gar beraubt und gruonten beide(n)halben dannocht allein zuo jren summerfrüchten als sy die frau die frey natur kund maysteren und layten&amp;amp;middot; Darnach ward der feyge(n)baum neydiklich erwegt und sprach in hohem muot d(er) Rosen und der gilgen zuo&amp;amp;middot; Sagt mir des bit jch eüch wo seind eür su(m)mer früchtt/ wo sihet man eüer fruchtigs gepern nach so plueenreicher zeit des freüde(n)reiche(n) maien die sich bis her v(er)lauffen hatt wz mag so eitel und so gar vernichtet sein als so sich plu(e) erzayget der doch kei(n) frucht nachvolget/ wa(n)n die natur aller weyßheit maisterin v(er)pindt mit fleyß die frucht in d(er) pluome(n)/ daru(m)be so wirt die mayenreich plue vil ee gesehen und gepüret&amp;amp;middot; Und darnach erst dye frücht verstuonden so gar schnaell das dye straff gefaerlich waz&amp;amp;middot; Un(d) das auch sy entspra(n)g und wuochs auß nediger wurczen&amp;amp;middot; Do sprachen sy züchtiklich/ wir wissen wol das du vo(n) deins geperens wegen das kiczlig an jm selber ist die aller schoenesten pluomen der maegetlichen eren williklich verlorn hast un(d) seyt du der emploeßt bist so redestu aus wz du wilt nach ganczem deym willen/ damit du dein übetmuot&amp;lt;ref&amp;gt;übermuot?&amp;lt;/ref&amp;gt; erzaigest&amp;amp;middot; Auch wilttu nit erkennen das uns die pluom die frucht ist&amp;amp;middot; Und dasselb fleüßset aus übertraeffelicher reinikeite und suessikeit d(er) weselichen listikeit/ wann unser wesen steett also das an uns beyden die pluomen die frucht un(d) die frücht der pluomer ist und seind dye beyde an in selbs ein ainigs wesen&amp;amp;middot; darumb so ist kein underschayde d(er) frucht unnd auch der pluomen in uns wesenlich/ wa(n)n seyd die gancz feüchtikeit d(er) hoenigsuessen reinikeit und wolriechenden suesikeit überflüssige in uns seynd darumb so seind die beyde dye frucht und auch die pluom ein ainiges wesen&amp;amp;middot; Und dasselb ding sage du uns ob du das wayßt wie der aller reynest und lauterest tunst der auß der erden dringet sich in die plue verschlechte/ und verwandlet&amp;amp;middot; und darjnne(n) wechßt&amp;amp;middot; Und der sueß himeltaw das edel un(d) das scheinreich perlin das schoen in keüscheit leücht verporgenlich adelt&amp;amp;middot; Daru(m)be so mügen wir wol sein die roß auch die gilge(n) gar fruchtig pluome(n) und pluome(n) der frucht&amp;amp;middot; Od(er) haßt du nie gehoert das die tugendtt die unverhalte(n) ju(n)ckfraeulicheitt die allzeit rayn und schmackhafte ist die clarest frucht und pluome mitenand(er) ist hie niden auff d(er) erden und in de(m) hoechsten reich Auch wiß hie&amp;amp;middot; Als wenig ei(n) fruchte on frucht mag sein als wenige mag d(er) saum der junckfraeulichen reinigkeit on samen sein/ wann junckfraeuliche reinigkeyt die ist die frucht auch d(er) saume d(er) tugent und d(er) natur die niema(n)t widerwegen mag&amp;amp;middot; Si ist die hochgültest saum d(er) pringet fruchte die hundertfeltige ist&amp;amp;middot; Sy istt die freüdenreichest pluom und d(er) allerklaerest schein so er in himel und auf erd mage gesehen werden&amp;amp;middot; Sy ist die allersuessest fruchte und ein zier über all zier Sy ist der senfftes geschmache und ein riechen daz in den himel dringet&amp;amp;middot; Sy ist ein krafft unnd ein vermügen daz sich den engelen geleichet&amp;amp;middot; Der ding aller laß dych nymmer wundern seyd sy ist der teürest stain unnd der aller costlichost darzuo istt&amp;amp;middot; In der Monstra(n)cz der tugent und der natur&amp;amp;middot; Sy ist on alles verrucken gancz sy ist die hymlisch hayter&amp;amp;middot; sy ist die höchst mässigkeyt/ sy ist der syg den niemant überwindet&amp;amp;middot; sy ist der geist d(er) de(m) fleysche herrschet&amp;amp;middot; sy ist die er/ sy istt die freüd&amp;amp;middot; sy ist gelück&amp;amp;middot; sy ist sällikeit und würd&amp;amp;middot; Darumb istt junckfraeulicheit die aller saeligeste heilikeit/ seyt sy ist die pluom mitsampt der frucht als die gilge und rosen ist die des riechens kreftige seind und des scheynes reich. Dz riechen zeühet senftiklichen mit suessen kreften an sich dz stolcz und frei ainhirn wie wil de das an jm selber ist das seyn hochtragender muot und scharpffer zoren gezaempt und getillet wirt&amp;amp;middot; O junckfraeliche reinigkeit wz mag sich dir geleychen Seyd das dz wild einhyrn das muotige ist und zorns vol unnd schnaell on all maß vonn deiner lautern reinikeit genoet un(d) zwu(n)gen wirt das es sich mit ga(n)czer gir in dein schoß beschleüßt&amp;amp;middot; Un(d) darjnn nach seym luft rastet&amp;amp;middot; O saphyr des teüren gelts d(er) wundersamen reinikeit d(er) ayter und das do gift ist wievil des ist zerbricht gewaltiklich&amp;amp;middot; O gruengeferbter schmaragd d(er) immerwerenden reinikeit&amp;amp;middot; Ein lyebhaber d(er) unverruckten keüscheyt d(ie) nit leiden mage der stinckenden unkeusch schwaches werck&amp;amp;middot; Darmit geschwaig der feigenbaum der sich der frucht der er gepare gar üppiklichen geruempt hette und ließ von seinem gloriern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Miniaturen und gedruckte Bilder==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Cgm 254, 76v).png|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Cgm 254, 76v)&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Cgm 340, 116v).png|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Cgm 340, 116v)&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Mgf 459, 254v).png|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Mgf 459, 254v)&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Druck 1490, 109v).jpg|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Druck 1490, 109v)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Rose, Lilie und Feigenbaum (Druck 1571, 296r).png|200px|thumb|left|Rose, Lilie und Feigenbaum (Druck 1571, 296r)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verwandte Erzählstoffe==&lt;br /&gt;
===[[Dornbusch und Feigenbaum (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
Der Dornbusch rühmt sich vor dem Feigenbaum seiner frühen Blüte, der Feigenbaum aber weist auf seine Früchte hin, die besser seien als leere Blüten. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 81)&lt;br /&gt;
===[[Lorbeer, Ölbaum, Lärche, Palme und Feigenbaum (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
Lorbeer, Ölbaum, Lärche (Orangenbaum / Buchsbaum) und Palme erklären dem Feigenbaum, warum sie auch im Winter ihr Grün behalten. (Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, S. 480)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Quelle Fabel]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Affe_und_Spielmann_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20358</id>
		<title>Affe und Spielmann (Erzählstoff)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Affe_und_Spielmann_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20358"/>
		<updated>2021-12-17T10:52:21Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: /* Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein), Nr. III, 12 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490) */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
| namen              = Affe und Spielmann&amp;lt;!--Möglichst alle Bezeichnungen des Stoffs, die in der Forschung gebräuchlich waren bzw. sind, in alphabetischer Reihenfolge, abgetrennt mit &amp;quot;;&amp;quot;--&amp;gt;&lt;br /&gt;
| regest             =  Der sich seiner Blöße schämende Affe erhält vom Spielmann die gewünschten Kleider, wird dafür aber angekettet und abgerichtet. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 32)&amp;lt;!--Kurzzusammenfassung des Erzählstoffs--&amp;gt;&lt;br /&gt;
| fassungen          = [[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. III, 12&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. III, 12&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 69&amp;lt;!--Möglichst alle Fassungen des Erzählstoffs. Bei Einzelwerken in [[Kurzzitationen]], bei Fassungen im Rahmen größerer Werke in [[Kurzzitationen]], Nr. XX, bei anonymen Handschriften und Drucken nach dem Muster: Ort, Bibliothek: Signatur, abgetrennt mit &amp;quot;&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;quot;--&amp;gt;&lt;br /&gt;
| forschung          = [[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 32f.; [[Günthart, Romy (Hg.): Sebastian Münster, Spiegel der wyßheit]], Band 2, S. 106-108&amp;lt;!--Forschungstexte zum Erzählstoff (s. Bibliographie Forschung Kleinepik), ggf. mit Seitenangaben, abgetrennt mit &amp;quot;;&amp;quot;--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Lateinische Version (Cyrillus, Nr. III, 12), 1. Hälfte 14. Jhd. ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die deutsche Tradition baut auf einer lateinischen Quelle auf (Cyrillus, Nr. III, 12 ([https://archive.org/details/diebeidenltesten00grss/page/86/mode/2up Grässe, Johann Georg Theodor (Hg.): Die beiden ältesten lateinischen Fabelbücher des Mittelalters.] Tübingen 1880, S. 87-89)). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 178-182.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Übersetzung&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 179-183.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Contra eos, qui libenter suscipiunt munera.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Cupida vestis simia, confusibiliter ut polluta cooperiret pudenda, cum cerneret histrionem ioco laetum, pluribus indumentis donatum, ut ea manu prodigalitatis effunderet, mox ad eum se contulit, et parata salutatione subiunxit: &amp;quot;Nescio certe, cuius instaurationis causa, tam in beneficiis mirae largitatis profusa, caudulam pudibundae vilitatis latibulum, nulli umquam invida cum sit totius bonitatis exundantissima fontana, mihi natura non dederit, sed reliquerit nudam, unde ad opulentum inops, ad liberalem egena, audacia necessitatis accurro.&amp;quot; Cui ille, leniori lingua vestis avidam mulcens: &amp;quot;Tibi&amp;quot;, inquit, &amp;quot;haec nuditas, amica, grande bonum est, cum sis rationabilibus conformior formata, non bestialiter cum cauda, sed arte quasi homo exornata humanis gaudeas opulentiis. Nimirum latent quosdam naturae beneficia, sed his diffusis grandi liberalitatis impetu repleta sunt omnia. Attamen quod flagitas, satis gratum babens sane do atque mellis favum, quod libenter devoras, superaddo.&amp;quot; Tunc simia laetanter susceptis beneficiis grata gratias agens ac nimis magnipendens, quod tam liberaliter ultra quam petierit, habuisset, cogitavit, ut in cuncta re sibi necessaria tam gratioso largitori inseparabiliter adhaereret. Cui dixit: &amp;quot;Satis quidem mea me naturaliter ad te imitandum proprietas inclinat, sed profusa tua magis attrahit benignitas; quamobrem, amice, si dignaris, servire sum paratus.&amp;quot; Mox ille: &amp;quot;Placet&amp;quot;, inquit, &amp;quot;mibi tam gratanter donata comitiva, magis tamen et bene conveniant iocus et berta. Verum ne quando fortassis dilectam te vagabundam raperet dulce malum et male computata libertas, dilectori largiter donanti necessaria, conjunctae dilectionis et servitutis liberae adhaerebis catena.&amp;quot; Quae inconsulte iam subacta donis acceptavit et stolida grandem libertatis rem non grandi munere aut callido commercio perdidit et mercatori mox se exhibuit captivandam. Irretitam ergo, natura dispositam, ludere quantocius eruditam, cupiditatis suae ludos protinus exposuit ac suis commodis atque oblectationibus alienis miseram servire coegit. Qua nimirum interdum magistro minus correspondente, aut ut puniret defectum aut impudico ludi ludibrio magis exsequeretur effectum, ab omnibus videndam nudabat, super hoc acetoso potus haustu maestificans. Tunc quidem luce confusionis ac tribulationis fellitae antidoto prudentiae oculis simiae restitutis, cum perciperet durioris patroni nunc irae nunc avaritiae se captivatam servire, ad cor reversa digestae rei sententiam talem dicitur protulisse: &amp;quot;O subornatum deceptivae cupiditatis hamum, letiferum munus, munerum naturalium ademptivum, gravissimum obligationis pignus, stulti et sapientis commercium minimum, maximum emptionis pretium, servitutis iugum, iniquitatis fermentum, captivitatis indicium, fomentum discordiarum, subversio civilitatum omniumque seminarium malorum, amatum venenum! Non immerito certe amica veritatis, aequitatis et pacis, cunctarum virtutum socia, divina lex susceptionem munerum iudicibus interdicens inquit Exodi XXIII: Munera etiam excaecant prudentes et pervertunt verba iustorum. Plane quidem elucidans, quod haec ipsa prudentiam fugant, iustitiam dissipant, intellectualis moralisque virtutis consistentiam vastant omnemque rectitudinis vitam necant. Revera muneribus excaecatus tam admirabilis Balaam periit, muneribus iudicialis sedes domus Iacob depravata liberis Samuelis Israhel in praeiudicium cecidit. Muneribus corrupto senatu dudum florido, sicut providerat princeps, ingravata murmuratione Romana gloria transivit. Etenim cum emptis iniquo munerum pretio datoribus legum fratricida ingratissimus et nequam praedo iustificatus fuit, tunc Iustitia recessit a Roma et converso ad eam vultu clamavit et dixit: &amp;quot;O urbem venalem et matrem tradituram, si inveniret emptorem!&amp;quot; Ob quas res nimirum, qui non parvis sapientia cultum virtutibus animum possederunt, magnis eo ipso laudibus sunt dignificati, quod magnorum maxima, maximae libertatis amore, munera contempserunt. Quantis enim titulis gloriae superfertur ille Diogenes, dum calcatis opibus regiis per medias libere accipientis voluntati expositas, raptas Asiae Macedonis Alexandri gazas pauper sed virtute opulentus incessit. Ita siquidem eo locupletior maiorque splenduit, quia plus fuit hoc ipsum, quod accipere noluit, quam id, quod ille dare disposuit aut possedit. Quantis autem certe laudationibus miris morum cultor Socrates extollitur, qui cum Archelai regis satis quidem magnis petebatur muneribus honorandus, respondisse fertur, nolle se ad eum venire, a quo acciperet beneficia, cum reddere illi paria non posset. Liber quippe esse voluit, dum ante reddere quam suscipere in spreto munere cogitavit. Quantisque similiter praeconiis curialitatis Romanus approbatur Fabricius, dum quadrantiae munus viro pauperi a Pyrrho rege oblatum virtute ditissimus renuit, magis eligens honestate civis liberi quam muneribus empti regis gloriositate potiri. Qua profecto re multo magis emicuit, dum rex admiratus spectabilem virum utique semper tonante laude super solem erexit dicens: &amp;quot;Ille est Fabricius, qui difficilius ab honestate quam sol a rectitudiue sui cursus averti potest.&amp;quot; Quid plura? Certe nil carius venditur ac perdibilius sumitur quam munus cupiditate volitum ac donatum.&amp;quot; Quibus diffinitis etsi non carne, ab avaritia tamen libera mente quievit et propter munera in captivitate permansit.&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Gegen die, die gerne Geschenke erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Affe, der sich unbedingt ein Gewand wünschte, um seine beschämend schmutzige Scham zu bedecken, sah einen Schauspieler, der sich über einen Scherz freute und mit mehreren Gewändern beschenkt worden war. Er begab sich sogleich zu ihm, damit er diese mit verschwenderischer Hand austeilte, grüßte ihn und fügte hinzu: &amp;quot;Ich weiß gewiß nicht, wegen welcher Neuerung die Natur, die mit Wohltaten so großzügig und seltsam verschwenderisch und niemals gegen irgendeinen gehässig ist, da sie die überreiche Quelle alles Guten ist, mir nicht einen kleinen Schwanz als Versteck für meine beschämende Blöße gegeben, sondern mich nackt gelassen hat. Durch Not ermutigt komme ich deshalb arm zum Reichen, bedürftig zum Großzügigen.&amp;quot; Jener besänftigte ihn, der so sehr ein Gewand begehrte, mit sanfter Zunge und sagte zu ihm: &amp;quot;Diese Blöße, mein Freund, ist für dich ein großartiges Gut, weil du den Vernuftwesen ziemlich ähnlich geschaffen worden bist, nicht auf tierische Art mit einem Schwanz, sondern durch die Kunst der Natur wie ein Mensch ausgestattet dich an menschlichem Reichtum erfreust. Zweifellos sind die Wohltaten der Natur bei einigen verborgen, aber nachdem sie ausgeschüttet worden sind, ist alles von großartigem Eifer der Freigebigkeit erfüllt. Dennoch gebe ich dir, was du verlangst, weil ich tatsächlich genügend Angenehmes habe, und ich füge noch obendrein eine Wabe mit Honig dazu, den du gerne verzehrst.&amp;quot; Da dankte der Affe freudig für die erhaltenen Wohltaten und in seiner Dankbarkeit schätzte er es allzu hoch ein, daß er auf so großzügige Weise mehr als erbeten bekommen hatte, und beabsichtigte, in der ganzen für ihn notwendigen Angelegenheit dem so gnädigen Gönner untrennbar ergeben zu sein. Er sagte zu ihm: &amp;quot;Mein ganzes Wesen neigt zwar von Natur aus dazu, dich nachzuahmen, aber deine verschwenderische Großzügigkeit zieht mich noch mehr an. Wenn es dir deshalb recht ist, mein Freund, bin ich bereit, dir zu dienen.&amp;quot; Darauf sagte jener: &amp;quot;Mir gefällt eine in dankenswerter Weise geschenkte Begleitung, dennoch mögen Scherz und Affe noch mehr und gut zusammenpassen. Aber damit nicht vielleicht irgendwann ein süßes Übel und die für schlecht gehaltene Freiheit dich, den geliebten Vagabunden, entführen kann, wirst du für den Gönner, der großzügig das Notwendige schenkt, an der Kette des Liebesbundes und der freiwilligen Knechtschaft hängen.&amp;quot; Da er schon durch die Geschenke in Abhängigkeit geraten war, stimmte er, ohne zu überlegen, zu und verlor auf törichte Weise das großartige Gut der Freiheit durch ein kleines Geschenk und einen listigen Tauschhandel und bot sich alsbald dem Kaufmann als Gefangener an. Er stellte ihn also, der von Natur aus dazu geeignet war, gefesselt sofort zur Schau, nachdem er schnellstens abgerichtet worden war, die Spiele seiner Begierde zu spielen, und er zwang den Unglücklichen seinen Bequemlichkeiten und fremden Vergnügen zu dienen. Da er zweifellos manchmal weniger mit seinem Lehrer übereinstimmte, entblößte er ihn, damit er von allen gesehen wurde, entweder um einen Fehler zu bestrafen oder um durch schamlosen Spott beim Spiel mehr Wirkung zu erreichen, und stimmte ihn überdies durch den Schluck des bitteren Getränks sehr traurig. Nachdem durch das Heilmittel der Klugheit dei Augen des Affen wiederhergestellt waren, weil das Licht die Verstörung und die gallebittere Trübsal erhellt hatte, da erkannte er, daß er als Gefangener bald dem Zorn, bald der Habgier seines immer hartherzigeren Schutzherrn diente, und soll zur Einsicht zurückgekehrt folgende Meinung der Reihe nach vorgetragen haben: &amp;quot;O, du heimlich mit täuschender Gier versehener Köder, du todbringendes Geschenk, Räuber der natürlichen Gaben, äußerst beschwerliches Pfand der Verpflichtung, kleinster Handel zwischen einem Toren und einem Weisen, höchster Kaufpreis, Joch der Knechtschaft, Gärstoff der Ungerechtigkeit, Zeichen der Gefangenschaft, Zunder für Zwietracht, Vernichtung der friedlichen Gemeinschaft, Keim aller Übel, geliebtes Gift! Zu Recht verbietet das göttliche Gesetz als Freund von Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden laut Exodus 23 den Richtern die Annahme von Geschenken, indem es sagt: Geschenke verblenden sogar die Klugen und verderben die Worte der Gerechtigkeit. Es ist völlig einleuchtend, daß gerade diese die Klugheit vertreiben, die Gerechtigkeit vernichten, die Beschaffenheit der intellektuellen und moralischen Tugend zerrütten und alles richtige Handeln im Leben töten. Der so bewundernswerte Balaam ging von Geschenken verblendet wahrhaftig zugrunde, durch Geschenke verführt fiel der Sitz der Gerichtsbarkeit des Hauses Jakob zum Nachteil Israels den Kindern Samuels zu. Nachdem der einst blühende Senat durch Geschenke bestochen worden war und das Murren sich verschlimmert hatte, verging der römische Ruhm, wie der Fürst es vorhergesehen hatte. Als nämlich der völlig unbeliebte Brudermörder, Erzschurke und Räuber freigesprochen worden war, nachdem die Gesetzgeber durch einen unangemessenen Preis der Geschenke gekauft worden waren, da verließ die Gerechtigkeit Rom, und sie soll auf es zurückblickend gesagt haben: &amp;quot;Oh käufliche Stadt, sie würde sogar ihre Mutter ausliefern, wenn sie einen Käufer fände!&amp;quot; Deswegen sind zweifellos die, die einen Charakter besaßen, der durch die Weisheit von großen Tugenden geformt war, gerade mit erheblichem Lob gewürdigt worden, weil sie aus Liebe zu dem höchsten Gut der Freiheit die größten Geschenke der Großen verachtet haben. Mit welchen ruhmvollen Bezeichnungen wird nämlich jener Diogenes überhöht, der, nachdem er den königlichen Reichtum mit Füßen getreten hatte, arm, aber reich an Tugend mitten zwischen den in Asien geraubten Schätzen des Makedonen Alexander einherging, die seinem Willen offenstanden, falls er sie annehmen wollte! So glänzte er freilich umso reicher und mehr, weil die Tatsache, daß er nichts annehmen wollte, mehr bedeutete, als das, was jener als Geschenk verteilte oder besaß. Mit welchem wunderbaren Lobreden aber wird freilich Sokrates, der Freund der guten Sitten, gerühmt, der, als er mit recht großen Geschenken des Königs Archelaos umworben wurde, um geehrt zu werden, gesagt haben soll, er wolle nicht zu ihm kommen, um Wohltaten zu empfangen, da er ihm keine gleichwertigen wiedergeben könne. Er wollte natürlich ein freier Mann sein, da er bei der Ablehnung des Geschenkes eher an das Zurückgeben als an das Annehmen dachte. Und mit welchem Lobpreis auf seine Redlichkeit wird der Römer Fabricius geehrt, der es vorzog, das Ansehen eines freien Bürgers statt der Pracht eines durch Geschenke gekauften Königs zu haben, da dieser überaus tugendreiche Mann das Geschenk eines Viertels des Königreiches ablehnte, das ihm, dem armen Mann, von König Pyrrhus angeboten worden war. Sicherlich ragte er dadurch noch mehr hervor, weil jedenfalls der König voll Bewunderung den angesehenen Mann immer übermäßig lobte und ihn über die Sonne erhob, indem er sagte: &amp;quot;Jener Fabricius kann schwerer von der Redlichkeit abgebracht werden als die Sonne von der Geradlinigkeit ihrer Bahn.&amp;quot; Was weiter? Sicherlich wird nichts teurer verkauft und zum eigenen Schaden angenommen als ein Geschenk, das aus Begierde ersehnt und gegeben worden ist.&amp;quot; Nach diesen Erklärungen fand der Affe seine Ruhe, wenn auch nicht in Hinblick auf seinen Körper, sondern weil sein Geist nun frei von Habsucht war; wegen der Geschenke aber blieb er in Gefangenschaft.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutsche Versionen==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. III, 12 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490)===&lt;br /&gt;
Wyder die dye geren gabe nemend&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das XII Capitel&amp;amp;middot; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
EIn Aff der wz des hi(n)dern teils gar ungestalt der begeret eins klaides damit er moecht sei(n) plosse scham decken&amp;amp;middot; Der sahe ein hofflichen spilman mangen hüpschen hof schimpff gar glimpflich vor aller menklich ueben / der wz hoflich geziert und geklaidt&amp;amp;middot; de(m) fueget er sich behendiklich zuo ob im der klaid(er) etwz moecht entreysen&amp;amp;middot; Den gruoßt er unnd sprache zuo im&amp;amp;middot; Fürwar ich kan nit wißsen was sach das rechter beschaiden müg gesein das dye nature die edel an ir selber ist&amp;amp;middot; und auch mit wundersamer miltikeit tausentfeltiklich begossen ist&amp;amp;middot; un(d) hie auf erden keinen dingen neidig ist gewesen&amp;amp;middot; unnd ist auch aller geitikeit ein reychflüssiger pru(n)ne /  mein so gar vergessen hatt / und mich so ploß verlassen das ich von ir nit haben mag damit ich moecht mein schwache scham bedecken&amp;amp;middot; Darumb so fleühe ich unfreyer zuo einem der gefreyett ist&amp;amp;middot; Ich jaemeriger d(er) gar dürftig&amp;lt;ref&amp;gt;dürstig?&amp;lt;/ref&amp;gt; ist zuo einem der gar reich ist mit genoeter türstikeit&amp;amp;middot; Do verstuond der spilman die begir des Affen die er zuo seinen klaidern het den waichet er mit linder zunge(n) un(d) sprach also&amp;amp;middot; Dein ploesse ist dyr ein grosse gab seyt du menschlicher creatur pist der gestalt vil nahend geleich geformet unnd gepildet / wann du hast nit vyhischen schwancz&amp;amp;middot; aber der ku(n)ßt pist du gar meisterlich nach me(n)schen art geziert&amp;amp;middot; und bist auch der über alle tier gar reych mitt den menschen&amp;amp;middot; Nu(n) moechtestt du kein hart gehaben der sich dein moecht geleichen / wann wo vernünftige synn seind da ist d(er) hoechste adel&amp;amp;middot; Waist du nit das der ein michler teil ist den wolthaett der natur auf lange zeit gar vestiklich verporgen seind / wann aber sich die selben woltat freymuetiklich außgiessend so werde(n) natürlich werck in rechten(m) sauße erfült / yedoch daz des du pitest gewer ich dich miltiklich&amp;amp;middot;  unnd mach die gab reycher wann du pitest / wann hoenigsam den yßsestu geren des gibe ich dir gar miltiklich vil mer dann dein genuegen&amp;amp;middot; Des dancket im der Aff und lobet das sere an im das er auß miltem herczen im mer versprach zegeben dann er an in begeret het&amp;amp;middot; und verpa(n)nt sich des hinwider das er die weil er lebte von einem so milten geber nymermer wolt weychen&amp;amp;middot; Un(d) mochte auch die gelübd niemandt wendige machen&amp;amp;middot; und sprach also&amp;amp;middot; Mein natürliche aigenschaft hat mich vast darzuo genayget / das ich dir volgen&amp;amp;middot; Yedoch So zeühet mich vyl mer dein über milte guotikeit&amp;amp;middot; Darumbe meyn allerliebster freünd begerßt du des so bin ich dir zuo dienst bereite&amp;amp;middot; Do sprach der spilman zuo dez Affen&amp;amp;middot; Ein so genaemer geferte d(er) muoß mir wolgefallen&amp;amp;middot; Yedoch gefelt mir das michel bas dz ei(n) spilman und ein Aff so wol czuoeinander fuegendt&amp;amp;middot; Nun mein allerliebster Aff Seyd wir unns in freüntschaft czesamen haben verpunden so will ich dich verforgen&amp;lt;ref&amp;gt;Wohl ein Druckfehler: versorgen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;amp;middot; Nu(n) moecht sich das wol fuegen ob du dich villeicht etwa(n) froelich woltest ermaye(n) mit wol gemeßnen springen dauon dich suesses übel gar schedlich moechte begreiffen / also das dir dein frei sprünge zuo schaden moechten ko(m)men / darumb gefelt mir wie du dich mit einer schoenen ketten laseßt umbfahen / darmit du mir lieplich werdest zuogefueget&amp;amp;middot; und dich hinfür nymermer mügeßt von mir geschaiden das noettett mich dann allzeit dz ich mit dir teil mit milter hand alles dz dz ich wege pringe&amp;amp;middot; Die red gefiele de(m) affen wol / d(er) erpot sich gar on alles bedencken de(m) schalckhafte(n) kaufman williklich in sein hend und gab sich im zefahen umb ei(n) schwachen ungeleiche(n) wechssel wann freyer muot an einem teyl gefangen seind an dem anderen ward nie geleicher wechssel Dz prueften da die milte(n) gab die im da warden verheissen&amp;amp;middot; Do er nu(n) mit der ketten nach des gaucklers willen mit sicherheyt umbfange(n) wz / da gab er im die gaglerey seiner kürczweil in kürcz zuo erkennen / der ward er palde gelert / seyt in natürlicher aigenschaft darzuo behendiklich uebete Auch noetet er den schalckhafftiklich gefangenen das er de(n) kunde(n) und den froembden hoffiern muoste und gaucklen zuo lust nach seinem willen&amp;amp;middot; Wann aber des czuo stunden des nit wol willig was daz muost er gar schnaell wid(er)pri(n)gen / thaet er des nit so ward auch er genczlich von im emploeßt und muoßt groß straich leyden / Und gab im für den hoenigs am essich und pitter gallen&amp;amp;middot; Dz pitter tranck un(d) schaemlichs laster die der Af leiden muoßt die taeten im die augen der verstentnuße auf&amp;amp;middot; und gaben im sein synn wider als ferr das er wol erkannt wie er gefangen muoßt diene(n) nu(n) dem zorn nun d(er) schwachen geytikeit seines schwaern maisters / Do grif er in sein hercz und klaget sei(n) pittres leiden / er redt mit im selber&amp;amp;middot; unnd bedacht wz sich mit unzeitigem gelück an im hete u(m)gangen&amp;amp;middot; Unnd wie auch in v(er)heissen gab verlait heten dz er seins muotes mit fancknuß waer beraubet und sprach also&amp;amp;middot; O du verporgner und schoengezierter a(n)gel d(er) geitikeit wiewol kanstu betriege(n)&amp;amp;middot; Ich maint mir zekauffen ein deck meiner ploesse dz hate mich gefelt in scha(m) und laster Nu(n) waffen wz hab ich geta(n) mei(n) handel ist nit and(er)s dan(n) ein pfa(n)t des aller schwaeresten punds&amp;amp;middot; Ei(n) wechssel des toren mit dem weisen / das klainste gelt des groeßten kaufs&amp;amp;middot; Ein joch des schwaeresten di(n)gs&amp;amp;middot; Ein urhab d(er) poßheit Ein vingerzaigen d(er) fencknusse Ein speiß d(er) zwayunge / ein v(er)keren d(er) rechten / ein saum aller übel / ein gift d(er) waren lieb&amp;amp;middot; Als ich das verstee so ist das nit unpillich das die liebhaberin des frides und d(er) gerechtigkeit und dye gesellin aller tugent dz goetliche recht d(er) alten ee allen richtern bei d(er) wyd v(er)peut das sy nit gab nemen&amp;amp;middot; und spricht also&amp;amp;middot; Gab plenden die weysen / und v(er)kern dye wort d(er) gerechte(n)&amp;amp;middot; Auch pringe(n)t die selben rechten d(er) alten ee claerlich an den &lt;br /&gt;
tag wie die unrechte(n) gab die weißheit v(er)iagen die gerechtikeit zertrennen&amp;amp;middot; Sy v(er)wuesten d(er) vernünftigen und sitigen tugent wesenliche vestikeit und toettendtt schlaechtes unnd rechtes leben&amp;amp;middot; Waist man nit wie der weissag Balaam ward mit gabe geplendet&amp;amp;middot; unnd verdarb auch damit ewiklich&amp;amp;middot; Mit gabe so ward der sessel des gerichts des wirdigen hauses Jacob gancz und gar verrucket / da Samuelis sün von gab wegen verpoest wurden / da viel auch Israhel in kürcz darnach in schand und laster&amp;amp;middot; Mit gab so ward der pluende rat der hochgekroenten statt zuo Rom verkert und verruckt damit v(er)wandlet sich ir ere und ward gar vast genidert&amp;amp;middot; Wann sy was mit gab so geneczlich überwunden das alle recht ein unrechte wurden / wa(n)n einen d(er) seynes aygen pruoder toetter wz&amp;amp;middot; un(d) was ein mortlicher schacher de(n) machet gab gerecht in seinen sachen&amp;amp;middot; und da er von der stat sich schaiden wolt / do keret er dz angesicht wider gen der stat unnd schrei mit lauter stymm&amp;amp;middot; Es waere die gancz stat vayl un(d) all ir mueter pastharten zugen pern / und funden sy nun kauffer&amp;amp;middot; Vo(n) der sach wegen on allen zweifel seind die mit grossez lob gewirdiget dye nit mit klein tugente(n) der weißheyt iren wolgezierten muot besessen haben / sunder auch die d(er) groesten herrngab am meisten freyen muot zuo eren widersprachen und verschmaechten dye auff zenemen&amp;amp;middot; Ey wer kan das volsagen weliches lobes unnd auch ruomes der vest held Dyogenes für keyser un(d) künig würdig sey / darumb das er die reychen gab die seinen willen czenemen in freimuetiger miltikeit des maechtigen küniges Alexandri / geopffert und gepoten worde(n) / die trat er manlich under seyne fueß&amp;amp;middot; unnd gieng in mitte durch sein reych des goldes nacket un(d) ploß&amp;amp;middot; Damit erschein er als vil reicher und auch groesser dann d(er) künig selber was / wann dz des er begerte das was groesser und wirdenreicher dann alles dz daz der künig geben unnd besiczen mocht&amp;amp;middot; Ey wie mit lobliche(n) lob wirt der wundersam liebhaber der sitten Socrates erhebt und erhoecht / wann da er von dez gewaltigen künig Archelao in künicklicher begir gar fleissikliche(n) gebeten ward das er sich zuo im fueget das wißt er im mit reycher gab nach künicklicher wirdikeit mit milter hand zedanken d(er) gab antwurt  er gar mit kurczen worten&amp;amp;middot; Er woelt zuo des nymer kommen von dem er moecht woltat und  gab aufnemen seyt er im kein gleiche gab gegeben moecht&amp;amp;middot; Auch wolt er gancz  frey sein&amp;amp;middot; und gedacht auch im er waere zuo geben geadelt unnd nicht zuo neme(n) / darumb verschmaecht er sein gabe&amp;amp;middot; Auch wirdet d(er) edel Roemer Fabricius mit hohem lob an manger stat gepreist&amp;amp;middot; do im der künig Pirais ein fürstenthuom zuogab der pot das er and(er) vier und(er) im het&amp;amp;middot; Dz v(er)schmaecht er in freyes adels muot / wann er wz der tugent reich und erwoelt wie er wolt vil lieber ein miter statman sein dann das er pflaeg grosser würd / darzuo in gab het gemuet / damit erschein er sichtigklich als ferr das den künig sein verwundert seins staeten muotes Des lobet er in&amp;amp;middot; und erhuob sein lob über die klaren sunnen und sprach also&amp;amp;middot; Dz ist d(er) Fabricius der so staet und vest ist / daz müglich wear es traet die sunn vo(n) ire(m) lauf und v(er)wandlet den de(n)n das sich sein gerechter muot v(er)wa(n)dlet und verkert&amp;amp;middot; Wz sag ich mer es wirt nichs teürer verkauft und mit groesser verlust genommen / dann gab die geitiklich genommen und gegeben wirt&amp;amp;middot; Do das außgericht wart da nam des affen ler ein ende&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Miniaturen und gedruckte Bilder==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Affe_und_Schauspieler_(Mgf_459,_184v).png|200px|thumb|left|Affe und Schauspieler (Mgf 459, 184v)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Schauspieler (Cgm 254, 60v).png|200px|thumb|left|Affe und Schauspieler (Cgm 254, 60v)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Schauspieler (Cgm 340, 87r).png|200px|thumb|left|Affe und Schauspieler (Cgm 340, 87r)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Schauspieler (Cgm 9602, 71r).jpg|200px|thumb|left|Affe und Schauspieler (Cgm 9602, 71r)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Schauspieler (Egerton 1121, 119v).png|200px|thumb|left|Affe und Schauspieler (Egerton 1121, 119v)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Schauspieler (Druck 1490, 81r).jpg|200px|thumb|left|Affe und Schauspieler (Druck 1490, 81r)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Spielmann (Druck 1571, 237v).png|200px|thumb|left|Affe und Spielmann (Druck 1571, 237v)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verwandte Erzählstoffe==&lt;br /&gt;
===[[Affe und Fuchs I (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der selbstgefällige Fuchs spottet über den nackten Affen, der aber betont den Wert innerer Qualitäten und zählt die Nachteile äußerer Schönheit auf. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Affe und Fuchs II (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein angeketteter Affe brüstet sich mit seiner menschlichen Kleidung, wird aber vom Fuchs über seine Unfreiheit und geistige Armut aufgeklärt. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 24)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Fuchs und Affe II (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Fuchs, den er um seinen schönen Schwanz beneidet, geht der Affe auf Wanderschaft und erkennt dabei am Beispiel anderer Tiere, dass der, der etwas Besonderes besitzt, den Nachstellungen der Menschen ausgesetzt ist. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 202)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Fuchs und Affe III (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Affe bittet den Fuchs, ihm einen Teil seines langen Schwanzes zu geben, damit er seine Blöße bedecken könne; der habgierige Fuchs denkt nicht daran, mit dem Bedürftigen zu teilen. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 203)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anspielungen==&lt;br /&gt;
===Cyrillus: Speculum Sapientiae, Nr. II, 11===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 102&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Übersetzung&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 103&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|Der Fuchs versucht die Hirschkuh zu überreden, sich zum Bären zu begeben, um sich Hörner geben zu lassen, und zählt in diesem Zusammenhang die Vorzüge anderer Tiere auf:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Aut forte livoris nescia quaedam reliquit arti natura. Simia quidem suppletiva arte induitur et magisterio aurum et argentum politur.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Vgl. Affe und Spielmann: &#039;&#039;Irretitam ergo, natura dispositam, ludere quantocius eruditam, cupiditatis suae ludos protinus exposuit ac suis commodis atque oblectationibus alienis miseram servire coegit.&#039;&#039;)&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;blockquote&amp;gt;Oder aber die Natur hat neidlos der Geschicklichkeit Spielraum gegeben. Der Affe ist allerdings mit einer zusätzlichen Geschicklichkeit ausgestattet, Gold und Silber werden durch Meisterschaft geglättet.)&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Vgl. Affe und Spielmann: Er stellte ihn also, der von Natur aus dazu geeignet war, gefesselt sofort zur Schau, nachdem er schnellstens abgerichtet worden war, die Spiele seiner Begierde zu spielen, und er zwang den Unglücklichen seinen Bequemlichkeiten und fremden Vergnügen zu dienen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Cyrillus: Speculum Sapientiae, Nr. II, 20===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 122&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Übersetzung&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 123&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|Der Fuchs verspottet den Affen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;&amp;quot;Numquid naturae opulentis in te tantum defecerunt divitiae, ut debitum natibus indumentum ac nobili animae correspondentem pellem tribuere non valeret? Aut certe si te cum homine induendam arte dimiserit, hoc cum acciderit, necesse est, ut capta sis.&amp;quot;&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Hat dich der Reichtum der wohlhabenden Natur so sehr in Stich gelassen, daß sie dir die notwendige Bedeckung für dein Hinterteil und ein Fell, das einem edlen Geist ansteht, nicht geben konnte? Und wenn sie dich wie den Menschen mit der handwerklichen Geschicklichkeit, dich zu bekleiden, entlassen hätte, wärest du sicher gefangen worden, wenn dies geschehen wäre.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. II, 11===&lt;br /&gt;
Die Handlung ist analog zu Cyrill II, 11 gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Wann du sihest wol wie der ungestalt Aff vo(n) natur hinden und vornen mit maisterschaft beklaidet un(d) geziert wirt Auch werde(n) silber und gold un(d) edel gestain mit maisterschafft gepoliert und durchfein.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. II, 20===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Handlung ist analog zu Cyrill II, 20 gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ey sage mir wye werden der gar vollkommen natur überflüssige reichtu(m)b so gar gepraestenlich an dir gesehen dz sy weder deiner scham zymliche claider noch deiner claren unnd edlen sel nicht miltigklichen gegeben hat ein obdach eins rauhen pelglins des doch den beide(n) ein notdurft waer. Hat sy daz nit vermügt so ist auch sy gebraest enlich. Hat aber sy das mügen thuon un(d) hat das woellen nichtt gehebtt so ist auch sy deinem jaemerigen potich in grossez genaere neidig gewesen. Es waer dan(n) eins daran das sy synnreycher kunst verlassen het ob du vonn dem menschen soltest beklayset werden. waere dem also so waere aber genaerde dabey. wann we(n)n das an dir geschaehe so mueßtest auch du gefangen sein.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. II, 29===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Waldesel (Cgm 340, 62r).png|200px|thumb|left|Affe und Waldesel (Cgm 340, 62r)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. III, 9===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Fuchs II (Cgm 254, 57r).png|200px|thumb|left|Affe und Fuchs II (Cgm 254, 57r)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Fuchs II (Cgm 340, 81r).png|200px|thumb|left|Affe und Fuchs II (Cgm 340, 81r)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Fuchs II (Cgm 9602, 67v).jpg|200px|thumb|left|Affe und Fuchs II (Cgm 9602, 67v)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Fuchs II (Druck 1490, 76r).jpg|200px|thumb|left|Affe und Fuchs II (Druck 1490, 76r)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. II, 11===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Handlung ist analog zu Cyrill II, 11 gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Man woelt dan(n) sagen das die natur die niemant hessig ist / etwas der kluogheit verlassen hab / wie dan(n) auch der Aff sich uß kunst bekleiden kan(n) / und dz golt und silber wirt balirt uß sin(n)richeit.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. II, 20===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Handlung ist analog zu Cyrill II, 20 gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Wie kumpt es das die rych natur dir nit geben hat kleydung zuo bedecken dyn hindern / und ein hut die glich genieß wer diner edle(n) selen Oder hat sy dich dem me(n)schen verlassen von im zuo bekleidt werde(n) / so folgt daruß / das du von dem me(n)schen gefangen muost syn.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 38===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Handlung ist analog zu Cyrill II, 11 gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Das sich aus Kunst der Aff fein kan /&amp;lt;br /&amp;gt;Beklaiden / deßgleichen sicht man.&amp;lt;br /&amp;gt;Wie Gold und Silber bringt ain glantz /&amp;lt;br /&amp;gt;Auß Sinnlichhait und Kluoghait gantz.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 47===&lt;br /&gt;
Die Handlung ist analog zu Cyrill II, 20 gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Und sprach zuo jm es wundert mich /&amp;lt;br /&amp;gt;Das doch nit hat begabet dich&amp;lt;br /&amp;gt;Die kluog Natur das du mit hail / &amp;lt;br /&amp;gt;Moechtest decken dein hindren thail. &amp;lt;br /&amp;gt;Oder hat Sy es darumb thon /&amp;lt;br /&amp;gt;Das dich der Mensch beklaide schon.&amp;lt;br /&amp;gt;So volgt darauß das du mit pein /&amp;lt;br /&amp;gt;Muost des Menschen gefangner sein.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Quelle Fabel]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
	</entry>
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		<id>https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Affe_und_Spielmann_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20357</id>
		<title>Affe und Spielmann (Erzählstoff)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Affe_und_Spielmann_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20357"/>
		<updated>2021-12-17T10:49:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: /* Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein), Nr. III, 12 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490) */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
| namen              = Affe und Spielmann&amp;lt;!--Möglichst alle Bezeichnungen des Stoffs, die in der Forschung gebräuchlich waren bzw. sind, in alphabetischer Reihenfolge, abgetrennt mit &amp;quot;;&amp;quot;--&amp;gt;&lt;br /&gt;
| regest             =  Der sich seiner Blöße schämende Affe erhält vom Spielmann die gewünschten Kleider, wird dafür aber angekettet und abgerichtet. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 32)&amp;lt;!--Kurzzusammenfassung des Erzählstoffs--&amp;gt;&lt;br /&gt;
| fassungen          = [[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. III, 12&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. III, 12&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 69&amp;lt;!--Möglichst alle Fassungen des Erzählstoffs. Bei Einzelwerken in [[Kurzzitationen]], bei Fassungen im Rahmen größerer Werke in [[Kurzzitationen]], Nr. XX, bei anonymen Handschriften und Drucken nach dem Muster: Ort, Bibliothek: Signatur, abgetrennt mit &amp;quot;&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;quot;--&amp;gt;&lt;br /&gt;
| forschung          = [[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 32f.; [[Günthart, Romy (Hg.): Sebastian Münster, Spiegel der wyßheit]], Band 2, S. 106-108&amp;lt;!--Forschungstexte zum Erzählstoff (s. Bibliographie Forschung Kleinepik), ggf. mit Seitenangaben, abgetrennt mit &amp;quot;;&amp;quot;--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Lateinische Version (Cyrillus, Nr. III, 12), 1. Hälfte 14. Jhd. ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die deutsche Tradition baut auf einer lateinischen Quelle auf (Cyrillus, Nr. III, 12 ([https://archive.org/details/diebeidenltesten00grss/page/86/mode/2up Grässe, Johann Georg Theodor (Hg.): Die beiden ältesten lateinischen Fabelbücher des Mittelalters.] Tübingen 1880, S. 87-89)). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 178-182.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Übersetzung&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 179-183.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Contra eos, qui libenter suscipiunt munera.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Cupida vestis simia, confusibiliter ut polluta cooperiret pudenda, cum cerneret histrionem ioco laetum, pluribus indumentis donatum, ut ea manu prodigalitatis effunderet, mox ad eum se contulit, et parata salutatione subiunxit: &amp;quot;Nescio certe, cuius instaurationis causa, tam in beneficiis mirae largitatis profusa, caudulam pudibundae vilitatis latibulum, nulli umquam invida cum sit totius bonitatis exundantissima fontana, mihi natura non dederit, sed reliquerit nudam, unde ad opulentum inops, ad liberalem egena, audacia necessitatis accurro.&amp;quot; Cui ille, leniori lingua vestis avidam mulcens: &amp;quot;Tibi&amp;quot;, inquit, &amp;quot;haec nuditas, amica, grande bonum est, cum sis rationabilibus conformior formata, non bestialiter cum cauda, sed arte quasi homo exornata humanis gaudeas opulentiis. Nimirum latent quosdam naturae beneficia, sed his diffusis grandi liberalitatis impetu repleta sunt omnia. Attamen quod flagitas, satis gratum babens sane do atque mellis favum, quod libenter devoras, superaddo.&amp;quot; Tunc simia laetanter susceptis beneficiis grata gratias agens ac nimis magnipendens, quod tam liberaliter ultra quam petierit, habuisset, cogitavit, ut in cuncta re sibi necessaria tam gratioso largitori inseparabiliter adhaereret. Cui dixit: &amp;quot;Satis quidem mea me naturaliter ad te imitandum proprietas inclinat, sed profusa tua magis attrahit benignitas; quamobrem, amice, si dignaris, servire sum paratus.&amp;quot; Mox ille: &amp;quot;Placet&amp;quot;, inquit, &amp;quot;mibi tam gratanter donata comitiva, magis tamen et bene conveniant iocus et berta. Verum ne quando fortassis dilectam te vagabundam raperet dulce malum et male computata libertas, dilectori largiter donanti necessaria, conjunctae dilectionis et servitutis liberae adhaerebis catena.&amp;quot; Quae inconsulte iam subacta donis acceptavit et stolida grandem libertatis rem non grandi munere aut callido commercio perdidit et mercatori mox se exhibuit captivandam. Irretitam ergo, natura dispositam, ludere quantocius eruditam, cupiditatis suae ludos protinus exposuit ac suis commodis atque oblectationibus alienis miseram servire coegit. Qua nimirum interdum magistro minus correspondente, aut ut puniret defectum aut impudico ludi ludibrio magis exsequeretur effectum, ab omnibus videndam nudabat, super hoc acetoso potus haustu maestificans. Tunc quidem luce confusionis ac tribulationis fellitae antidoto prudentiae oculis simiae restitutis, cum perciperet durioris patroni nunc irae nunc avaritiae se captivatam servire, ad cor reversa digestae rei sententiam talem dicitur protulisse: &amp;quot;O subornatum deceptivae cupiditatis hamum, letiferum munus, munerum naturalium ademptivum, gravissimum obligationis pignus, stulti et sapientis commercium minimum, maximum emptionis pretium, servitutis iugum, iniquitatis fermentum, captivitatis indicium, fomentum discordiarum, subversio civilitatum omniumque seminarium malorum, amatum venenum! Non immerito certe amica veritatis, aequitatis et pacis, cunctarum virtutum socia, divina lex susceptionem munerum iudicibus interdicens inquit Exodi XXIII: Munera etiam excaecant prudentes et pervertunt verba iustorum. Plane quidem elucidans, quod haec ipsa prudentiam fugant, iustitiam dissipant, intellectualis moralisque virtutis consistentiam vastant omnemque rectitudinis vitam necant. Revera muneribus excaecatus tam admirabilis Balaam periit, muneribus iudicialis sedes domus Iacob depravata liberis Samuelis Israhel in praeiudicium cecidit. Muneribus corrupto senatu dudum florido, sicut providerat princeps, ingravata murmuratione Romana gloria transivit. Etenim cum emptis iniquo munerum pretio datoribus legum fratricida ingratissimus et nequam praedo iustificatus fuit, tunc Iustitia recessit a Roma et converso ad eam vultu clamavit et dixit: &amp;quot;O urbem venalem et matrem tradituram, si inveniret emptorem!&amp;quot; Ob quas res nimirum, qui non parvis sapientia cultum virtutibus animum possederunt, magnis eo ipso laudibus sunt dignificati, quod magnorum maxima, maximae libertatis amore, munera contempserunt. Quantis enim titulis gloriae superfertur ille Diogenes, dum calcatis opibus regiis per medias libere accipientis voluntati expositas, raptas Asiae Macedonis Alexandri gazas pauper sed virtute opulentus incessit. Ita siquidem eo locupletior maiorque splenduit, quia plus fuit hoc ipsum, quod accipere noluit, quam id, quod ille dare disposuit aut possedit. Quantis autem certe laudationibus miris morum cultor Socrates extollitur, qui cum Archelai regis satis quidem magnis petebatur muneribus honorandus, respondisse fertur, nolle se ad eum venire, a quo acciperet beneficia, cum reddere illi paria non posset. Liber quippe esse voluit, dum ante reddere quam suscipere in spreto munere cogitavit. Quantisque similiter praeconiis curialitatis Romanus approbatur Fabricius, dum quadrantiae munus viro pauperi a Pyrrho rege oblatum virtute ditissimus renuit, magis eligens honestate civis liberi quam muneribus empti regis gloriositate potiri. Qua profecto re multo magis emicuit, dum rex admiratus spectabilem virum utique semper tonante laude super solem erexit dicens: &amp;quot;Ille est Fabricius, qui difficilius ab honestate quam sol a rectitudiue sui cursus averti potest.&amp;quot; Quid plura? Certe nil carius venditur ac perdibilius sumitur quam munus cupiditate volitum ac donatum.&amp;quot; Quibus diffinitis etsi non carne, ab avaritia tamen libera mente quievit et propter munera in captivitate permansit.&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Gegen die, die gerne Geschenke erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Affe, der sich unbedingt ein Gewand wünschte, um seine beschämend schmutzige Scham zu bedecken, sah einen Schauspieler, der sich über einen Scherz freute und mit mehreren Gewändern beschenkt worden war. Er begab sich sogleich zu ihm, damit er diese mit verschwenderischer Hand austeilte, grüßte ihn und fügte hinzu: &amp;quot;Ich weiß gewiß nicht, wegen welcher Neuerung die Natur, die mit Wohltaten so großzügig und seltsam verschwenderisch und niemals gegen irgendeinen gehässig ist, da sie die überreiche Quelle alles Guten ist, mir nicht einen kleinen Schwanz als Versteck für meine beschämende Blöße gegeben, sondern mich nackt gelassen hat. Durch Not ermutigt komme ich deshalb arm zum Reichen, bedürftig zum Großzügigen.&amp;quot; Jener besänftigte ihn, der so sehr ein Gewand begehrte, mit sanfter Zunge und sagte zu ihm: &amp;quot;Diese Blöße, mein Freund, ist für dich ein großartiges Gut, weil du den Vernuftwesen ziemlich ähnlich geschaffen worden bist, nicht auf tierische Art mit einem Schwanz, sondern durch die Kunst der Natur wie ein Mensch ausgestattet dich an menschlichem Reichtum erfreust. Zweifellos sind die Wohltaten der Natur bei einigen verborgen, aber nachdem sie ausgeschüttet worden sind, ist alles von großartigem Eifer der Freigebigkeit erfüllt. Dennoch gebe ich dir, was du verlangst, weil ich tatsächlich genügend Angenehmes habe, und ich füge noch obendrein eine Wabe mit Honig dazu, den du gerne verzehrst.&amp;quot; Da dankte der Affe freudig für die erhaltenen Wohltaten und in seiner Dankbarkeit schätzte er es allzu hoch ein, daß er auf so großzügige Weise mehr als erbeten bekommen hatte, und beabsichtigte, in der ganzen für ihn notwendigen Angelegenheit dem so gnädigen Gönner untrennbar ergeben zu sein. Er sagte zu ihm: &amp;quot;Mein ganzes Wesen neigt zwar von Natur aus dazu, dich nachzuahmen, aber deine verschwenderische Großzügigkeit zieht mich noch mehr an. Wenn es dir deshalb recht ist, mein Freund, bin ich bereit, dir zu dienen.&amp;quot; Darauf sagte jener: &amp;quot;Mir gefällt eine in dankenswerter Weise geschenkte Begleitung, dennoch mögen Scherz und Affe noch mehr und gut zusammenpassen. Aber damit nicht vielleicht irgendwann ein süßes Übel und die für schlecht gehaltene Freiheit dich, den geliebten Vagabunden, entführen kann, wirst du für den Gönner, der großzügig das Notwendige schenkt, an der Kette des Liebesbundes und der freiwilligen Knechtschaft hängen.&amp;quot; Da er schon durch die Geschenke in Abhängigkeit geraten war, stimmte er, ohne zu überlegen, zu und verlor auf törichte Weise das großartige Gut der Freiheit durch ein kleines Geschenk und einen listigen Tauschhandel und bot sich alsbald dem Kaufmann als Gefangener an. Er stellte ihn also, der von Natur aus dazu geeignet war, gefesselt sofort zur Schau, nachdem er schnellstens abgerichtet worden war, die Spiele seiner Begierde zu spielen, und er zwang den Unglücklichen seinen Bequemlichkeiten und fremden Vergnügen zu dienen. Da er zweifellos manchmal weniger mit seinem Lehrer übereinstimmte, entblößte er ihn, damit er von allen gesehen wurde, entweder um einen Fehler zu bestrafen oder um durch schamlosen Spott beim Spiel mehr Wirkung zu erreichen, und stimmte ihn überdies durch den Schluck des bitteren Getränks sehr traurig. Nachdem durch das Heilmittel der Klugheit dei Augen des Affen wiederhergestellt waren, weil das Licht die Verstörung und die gallebittere Trübsal erhellt hatte, da erkannte er, daß er als Gefangener bald dem Zorn, bald der Habgier seines immer hartherzigeren Schutzherrn diente, und soll zur Einsicht zurückgekehrt folgende Meinung der Reihe nach vorgetragen haben: &amp;quot;O, du heimlich mit täuschender Gier versehener Köder, du todbringendes Geschenk, Räuber der natürlichen Gaben, äußerst beschwerliches Pfand der Verpflichtung, kleinster Handel zwischen einem Toren und einem Weisen, höchster Kaufpreis, Joch der Knechtschaft, Gärstoff der Ungerechtigkeit, Zeichen der Gefangenschaft, Zunder für Zwietracht, Vernichtung der friedlichen Gemeinschaft, Keim aller Übel, geliebtes Gift! Zu Recht verbietet das göttliche Gesetz als Freund von Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden laut Exodus 23 den Richtern die Annahme von Geschenken, indem es sagt: Geschenke verblenden sogar die Klugen und verderben die Worte der Gerechtigkeit. Es ist völlig einleuchtend, daß gerade diese die Klugheit vertreiben, die Gerechtigkeit vernichten, die Beschaffenheit der intellektuellen und moralischen Tugend zerrütten und alles richtige Handeln im Leben töten. Der so bewundernswerte Balaam ging von Geschenken verblendet wahrhaftig zugrunde, durch Geschenke verführt fiel der Sitz der Gerichtsbarkeit des Hauses Jakob zum Nachteil Israels den Kindern Samuels zu. Nachdem der einst blühende Senat durch Geschenke bestochen worden war und das Murren sich verschlimmert hatte, verging der römische Ruhm, wie der Fürst es vorhergesehen hatte. Als nämlich der völlig unbeliebte Brudermörder, Erzschurke und Räuber freigesprochen worden war, nachdem die Gesetzgeber durch einen unangemessenen Preis der Geschenke gekauft worden waren, da verließ die Gerechtigkeit Rom, und sie soll auf es zurückblickend gesagt haben: &amp;quot;Oh käufliche Stadt, sie würde sogar ihre Mutter ausliefern, wenn sie einen Käufer fände!&amp;quot; Deswegen sind zweifellos die, die einen Charakter besaßen, der durch die Weisheit von großen Tugenden geformt war, gerade mit erheblichem Lob gewürdigt worden, weil sie aus Liebe zu dem höchsten Gut der Freiheit die größten Geschenke der Großen verachtet haben. Mit welchen ruhmvollen Bezeichnungen wird nämlich jener Diogenes überhöht, der, nachdem er den königlichen Reichtum mit Füßen getreten hatte, arm, aber reich an Tugend mitten zwischen den in Asien geraubten Schätzen des Makedonen Alexander einherging, die seinem Willen offenstanden, falls er sie annehmen wollte! So glänzte er freilich umso reicher und mehr, weil die Tatsache, daß er nichts annehmen wollte, mehr bedeutete, als das, was jener als Geschenk verteilte oder besaß. Mit welchem wunderbaren Lobreden aber wird freilich Sokrates, der Freund der guten Sitten, gerühmt, der, als er mit recht großen Geschenken des Königs Archelaos umworben wurde, um geehrt zu werden, gesagt haben soll, er wolle nicht zu ihm kommen, um Wohltaten zu empfangen, da er ihm keine gleichwertigen wiedergeben könne. Er wollte natürlich ein freier Mann sein, da er bei der Ablehnung des Geschenkes eher an das Zurückgeben als an das Annehmen dachte. Und mit welchem Lobpreis auf seine Redlichkeit wird der Römer Fabricius geehrt, der es vorzog, das Ansehen eines freien Bürgers statt der Pracht eines durch Geschenke gekauften Königs zu haben, da dieser überaus tugendreiche Mann das Geschenk eines Viertels des Königreiches ablehnte, das ihm, dem armen Mann, von König Pyrrhus angeboten worden war. Sicherlich ragte er dadurch noch mehr hervor, weil jedenfalls der König voll Bewunderung den angesehenen Mann immer übermäßig lobte und ihn über die Sonne erhob, indem er sagte: &amp;quot;Jener Fabricius kann schwerer von der Redlichkeit abgebracht werden als die Sonne von der Geradlinigkeit ihrer Bahn.&amp;quot; Was weiter? Sicherlich wird nichts teurer verkauft und zum eigenen Schaden angenommen als ein Geschenk, das aus Begierde ersehnt und gegeben worden ist.&amp;quot; Nach diesen Erklärungen fand der Affe seine Ruhe, wenn auch nicht in Hinblick auf seinen Körper, sondern weil sein Geist nun frei von Habsucht war; wegen der Geschenke aber blieb er in Gefangenschaft.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutsche Versionen==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. III, 12 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490)===&lt;br /&gt;
Wyder die dye geren gabe nemend&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das XII Capitel&amp;amp;middot; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
EIn Aff der wz des hi(n)dern teils gar ungestalt der begeret eins klaides damit er moecht sei(n) plosse scham decken&amp;amp;middot; Der sahe ein hofflichen spilman mangen hüpschen hof schimpff gar glimpflich vor aller menklich ueben / der wz hoflich geziert und geklaidt&amp;amp;middot; de(m) fueget er sich behendiklich zuo ob im der klaid(er) etwz moecht entreysen&amp;amp;middot; Den gruoßt er unnd sprache zuo im&amp;amp;middot; Fürwar ich kan nit wißsen was sach das rechter beschaiden müg gesein das dye nature die edel an ir selber ist&amp;amp;middot; und auch mit wundersamer miltikeit tausentfeltiklich begossen ist&amp;amp;middot; un(d) hie auf erden keinen dingen neidig ist gewesen&amp;amp;middot; unnd ist auch aller geitikeit ein reychflüssiger pru(n)ne /  mein so gar vergessen hatt / und mich so ploß verlassen das ich von ir nit haben mag damit ich moecht mein schwache scham bedecken&amp;amp;middot; Darumb so fleühe ich unfreyer zuo einem der gefreyett ist&amp;amp;middot; Ich jaemeriger d(er) gar dürftig ist zuo einem der gar reich ist mit genoeter türstikeit&amp;amp;middot; Do verstuond der spilman die begir des Affen die er zuo seinen klaidern het den waichet er mit linder zunge(n) un(d) sprach also&amp;amp;middot; Dein ploesse ist dyr ein grosse gab seyt du menschlicher creatur pist der gestalt vil nahend geleich geformet unnd gepildet / wann du hast nit vyhischen schwancz&amp;amp;middot; aber der ku(n)ßt pist du gar meisterlich nach me(n)schen art geziert&amp;amp;middot; und bist auch der über alle tier gar reych mitt den menschen&amp;amp;middot; Nu(n) moechtestt du kein hart gehaben der sich dein moecht geleichen / wann wo vernünftige synn seind da ist d(er) hoechste adel&amp;amp;middot; Waist du nit das der ein michler teil ist den wolthaett der natur auf lange zeit gar vestiklich verporgen seind / wann aber sich die selben woltat freymuetiklich außgiessend so werde(n) natürlich werck in rechten(m) sauße erfült / yedoch daz des du pitest gewer ich dich miltiklich&amp;amp;middot;  unnd mach die gab reycher wann du pitest / wann hoenigsam den yßsestu geren des gibe ich dir gar miltiklich vil mer dann dein genuegen&amp;amp;middot; Des dancket im der Aff und lobet das sere an im das er auß miltem herczen im mer versprach zegeben dann er an in begeret het&amp;amp;middot; und verpa(n)nt sich des hinwider das er die weil er lebte von einem so milten geber nymermer wolt weychen&amp;amp;middot; Un(d) mochte auch die gelübd niemandt wendige machen&amp;amp;middot; und sprach also&amp;amp;middot; Mein natürliche aigenschaft hat mich vast darzuo genayget / das ich dir volgen&amp;amp;middot; Yedoch So zeühet mich vyl mer dein über milte guotikeit&amp;amp;middot; Darumbe meyn allerliebster freünd begerßt du des so bin ich dir zuo dienst bereite&amp;amp;middot; Do sprach der spilman zuo dez Affen&amp;amp;middot; Ein so genaemer geferte d(er) muoß mir wolgefallen&amp;amp;middot; Yedoch gefelt mir das michel bas dz ei(n) spilman und ein Aff so wol czuoeinander fuegendt&amp;amp;middot; Nun mein allerliebster Aff Seyd wir unns in freüntschaft czesamen haben verpunden so will ich dich verforgen&amp;lt;ref&amp;gt;Wohl ein Druckfehler: versorgen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;amp;middot; Nu(n) moecht sich das wol fuegen ob du dich villeicht etwa(n) froelich woltest ermaye(n) mit wol gemeßnen springen dauon dich suesses übel gar schedlich moechte begreiffen / also das dir dein frei sprünge zuo schaden moechten ko(m)men / darumb gefelt mir wie du dich mit einer schoenen ketten laseßt umbfahen / darmit du mir lieplich werdest zuogefueget&amp;amp;middot; und dich hinfür nymermer mügeßt von mir geschaiden das noettett mich dann allzeit dz ich mit dir teil mit milter hand alles dz dz ich wege pringe&amp;amp;middot; Die red gefiele de(m) affen wol / d(er) erpot sich gar on alles bedencken de(m) schalckhafte(n) kaufman williklich in sein hend und gab sich im zefahen umb ei(n) schwachen ungeleiche(n) wechssel wann freyer muot an einem teyl gefangen seind an dem anderen ward nie geleicher wechssel Dz prueften da die milte(n) gab die im da warden verheissen&amp;amp;middot; Do er nu(n) mit der ketten nach des gaucklers willen mit sicherheyt umbfange(n) wz / da gab er im die gaglerey seiner kürczweil in kürcz zuo erkennen / der ward er palde gelert / seyt in natürlicher aigenschaft darzuo behendiklich uebete Auch noetet er den schalckhafftiklich gefangenen das er de(n) kunde(n) und den froembden hoffiern muoste und gaucklen zuo lust nach seinem willen&amp;amp;middot; Wann aber des czuo stunden des nit wol willig was daz muost er gar schnaell wid(er)pri(n)gen / thaet er des nit so ward auch er genczlich von im emploeßt und muoßt groß straich leyden / Und gab im für den hoenigs am essich und pitter gallen&amp;amp;middot; Dz pitter tranck un(d) schaemlichs laster die der Af leiden muoßt die taeten im die augen der verstentnuße auf&amp;amp;middot; und gaben im sein synn wider als ferr das er wol erkannt wie er gefangen muoßt diene(n) nu(n) dem zorn nun d(er) schwachen geytikeit seines schwaern maisters / Do grif er in sein hercz und klaget sei(n) pittres leiden / er redt mit im selber&amp;amp;middot; unnd bedacht wz sich mit unzeitigem gelück an im hete u(m)gangen&amp;amp;middot; Unnd wie auch in v(er)heissen gab verlait heten dz er seins muotes mit fancknuß waer beraubet und sprach also&amp;amp;middot; O du verporgner und schoengezierter a(n)gel d(er) geitikeit wiewol kanstu betriege(n)&amp;amp;middot; Ich maint mir zekauffen ein deck meiner ploesse dz hate mich gefelt in scha(m) und laster Nu(n) waffen wz hab ich geta(n) mei(n) handel ist nit and(er)s dan(n) ein pfa(n)t des aller schwaeresten punds&amp;amp;middot; Ei(n) wechssel des toren mit dem weisen / das klainste gelt des groeßten kaufs&amp;amp;middot; Ein joch des schwaeresten di(n)gs&amp;amp;middot; Ein urhab d(er) poßheit Ein vingerzaigen d(er) fencknusse Ein speiß d(er) zwayunge / ein v(er)keren d(er) rechten / ein saum aller übel / ein gift d(er) waren lieb&amp;amp;middot; Als ich das verstee so ist das nit unpillich das die liebhaberin des frides und d(er) gerechtigkeit und dye gesellin aller tugent dz goetliche recht d(er) alten ee allen richtern bei d(er) wyd v(er)peut das sy nit gab nemen&amp;amp;middot; und spricht also&amp;amp;middot; Gab plenden die weysen / und v(er)kern dye wort d(er) gerechte(n)&amp;amp;middot; Auch pringe(n)t die selben rechten d(er) alten ee claerlich an den &lt;br /&gt;
tag wie die unrechte(n) gab die weißheit v(er)iagen die gerechtikeit zertrennen&amp;amp;middot; Sy v(er)wuesten d(er) vernünftigen und sitigen tugent wesenliche vestikeit und toettendtt schlaechtes unnd rechtes leben&amp;amp;middot; Waist man nit wie der weissag Balaam ward mit gabe geplendet&amp;amp;middot; unnd verdarb auch damit ewiklich&amp;amp;middot; Mit gabe so ward der sessel des gerichts des wirdigen hauses Jacob gancz und gar verrucket / da Samuelis sün von gab wegen verpoest wurden / da viel auch Israhel in kürcz darnach in schand und laster&amp;amp;middot; Mit gab so ward der pluende rat der hochgekroenten statt zuo Rom verkert und verruckt damit v(er)wandlet sich ir ere und ward gar vast genidert&amp;amp;middot; Wann sy was mit gab so geneczlich überwunden das alle recht ein unrechte wurden / wa(n)n einen d(er) seynes aygen pruoder toetter wz&amp;amp;middot; un(d) was ein mortlicher schacher de(n) machet gab gerecht in seinen sachen&amp;amp;middot; und da er von der stat sich schaiden wolt / do keret er dz angesicht wider gen der stat unnd schrei mit lauter stymm&amp;amp;middot; Es waere die gancz stat vayl un(d) all ir mueter pastharten zugen pern / und funden sy nun kauffer&amp;amp;middot; Vo(n) der sach wegen on allen zweifel seind die mit grossez lob gewirdiget dye nit mit klein tugente(n) der weißheyt iren wolgezierten muot besessen haben / sunder auch die d(er) groesten herrngab am meisten freyen muot zuo eren widersprachen und verschmaechten dye auff zenemen&amp;amp;middot; Ey wer kan das volsagen weliches lobes unnd auch ruomes der vest held Dyogenes für keyser un(d) künig würdig sey / darumb das er die reychen gab die seinen willen czenemen in freimuetiger miltikeit des maechtigen küniges Alexandri / geopffert und gepoten worde(n) / die trat er manlich under seyne fueß&amp;amp;middot; unnd gieng in mitte durch sein reych des goldes nacket un(d) ploß&amp;amp;middot; Damit erschein er als vil reicher und auch groesser dann d(er) künig selber was / wann dz des er begerte das was groesser und wirdenreicher dann alles dz daz der künig geben unnd besiczen mocht&amp;amp;middot; Ey wie mit lobliche(n) lob wirt der wundersam liebhaber der sitten Socrates erhebt und erhoecht / wann da er von dez gewaltigen künig Archelao in künicklicher begir gar fleissikliche(n) gebeten ward das er sich zuo im fueget das wißt er im mit reycher gab nach künicklicher wirdikeit mit milter hand zedanken d(er) gab antwurt  er gar mit kurczen worten&amp;amp;middot; Er woelt zuo des nymer kommen von dem er moecht woltat und  gab aufnemen seyt er im kein gleiche gab gegeben moecht&amp;amp;middot; Auch wolt er gancz  frey sein&amp;amp;middot; und gedacht auch im er waere zuo geben geadelt unnd nicht zuo neme(n) / darumb verschmaecht er sein gabe&amp;amp;middot; Auch wirdet d(er) edel Roemer Fabricius mit hohem lob an manger stat gepreist&amp;amp;middot; do im der künig Pirais ein fürstenthuom zuogab der pot das er and(er) vier und(er) im het&amp;amp;middot; Dz v(er)schmaecht er in freyes adels muot / wann er wz der tugent reich und erwoelt wie er wolt vil lieber ein miter statman sein dann das er pflaeg grosser würd / darzuo in gab het gemuet / damit erschein er sichtigklich als ferr das den künig sein verwundert seins staeten muotes Des lobet er in&amp;amp;middot; und erhuob sein lob über die klaren sunnen und sprach also&amp;amp;middot; Dz ist d(er) Fabricius der so staet und vest ist / daz müglich wear es traet die sunn vo(n) ire(m) lauf und v(er)wandlet den de(n)n das sich sein gerechter muot v(er)wa(n)dlet und verkert&amp;amp;middot; Wz sag ich mer es wirt nichs teürer verkauft und mit groesser verlust genommen / dann gab die geitiklich genommen und gegeben wirt&amp;amp;middot; Do das außgericht wart da nam des affen ler ein ende&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Miniaturen und gedruckte Bilder==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Affe_und_Schauspieler_(Mgf_459,_184v).png|200px|thumb|left|Affe und Schauspieler (Mgf 459, 184v)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Schauspieler (Cgm 254, 60v).png|200px|thumb|left|Affe und Schauspieler (Cgm 254, 60v)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Schauspieler (Cgm 340, 87r).png|200px|thumb|left|Affe und Schauspieler (Cgm 340, 87r)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Schauspieler (Cgm 9602, 71r).jpg|200px|thumb|left|Affe und Schauspieler (Cgm 9602, 71r)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Schauspieler (Egerton 1121, 119v).png|200px|thumb|left|Affe und Schauspieler (Egerton 1121, 119v)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Schauspieler (Druck 1490, 81r).jpg|200px|thumb|left|Affe und Schauspieler (Druck 1490, 81r)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Spielmann (Druck 1571, 237v).png|200px|thumb|left|Affe und Spielmann (Druck 1571, 237v)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verwandte Erzählstoffe==&lt;br /&gt;
===[[Affe und Fuchs I (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der selbstgefällige Fuchs spottet über den nackten Affen, der aber betont den Wert innerer Qualitäten und zählt die Nachteile äußerer Schönheit auf. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Affe und Fuchs II (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein angeketteter Affe brüstet sich mit seiner menschlichen Kleidung, wird aber vom Fuchs über seine Unfreiheit und geistige Armut aufgeklärt. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 24)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Fuchs und Affe II (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Fuchs, den er um seinen schönen Schwanz beneidet, geht der Affe auf Wanderschaft und erkennt dabei am Beispiel anderer Tiere, dass der, der etwas Besonderes besitzt, den Nachstellungen der Menschen ausgesetzt ist. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 202)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Fuchs und Affe III (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Affe bittet den Fuchs, ihm einen Teil seines langen Schwanzes zu geben, damit er seine Blöße bedecken könne; der habgierige Fuchs denkt nicht daran, mit dem Bedürftigen zu teilen. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 203)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anspielungen==&lt;br /&gt;
===Cyrillus: Speculum Sapientiae, Nr. II, 11===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 102&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Übersetzung&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 103&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|Der Fuchs versucht die Hirschkuh zu überreden, sich zum Bären zu begeben, um sich Hörner geben zu lassen, und zählt in diesem Zusammenhang die Vorzüge anderer Tiere auf:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Aut forte livoris nescia quaedam reliquit arti natura. Simia quidem suppletiva arte induitur et magisterio aurum et argentum politur.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Vgl. Affe und Spielmann: &#039;&#039;Irretitam ergo, natura dispositam, ludere quantocius eruditam, cupiditatis suae ludos protinus exposuit ac suis commodis atque oblectationibus alienis miseram servire coegit.&#039;&#039;)&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;blockquote&amp;gt;Oder aber die Natur hat neidlos der Geschicklichkeit Spielraum gegeben. Der Affe ist allerdings mit einer zusätzlichen Geschicklichkeit ausgestattet, Gold und Silber werden durch Meisterschaft geglättet.)&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Vgl. Affe und Spielmann: Er stellte ihn also, der von Natur aus dazu geeignet war, gefesselt sofort zur Schau, nachdem er schnellstens abgerichtet worden war, die Spiele seiner Begierde zu spielen, und er zwang den Unglücklichen seinen Bequemlichkeiten und fremden Vergnügen zu dienen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Cyrillus: Speculum Sapientiae, Nr. II, 20===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 122&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Übersetzung&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 123&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|Der Fuchs verspottet den Affen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;&amp;quot;Numquid naturae opulentis in te tantum defecerunt divitiae, ut debitum natibus indumentum ac nobili animae correspondentem pellem tribuere non valeret? Aut certe si te cum homine induendam arte dimiserit, hoc cum acciderit, necesse est, ut capta sis.&amp;quot;&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Hat dich der Reichtum der wohlhabenden Natur so sehr in Stich gelassen, daß sie dir die notwendige Bedeckung für dein Hinterteil und ein Fell, das einem edlen Geist ansteht, nicht geben konnte? Und wenn sie dich wie den Menschen mit der handwerklichen Geschicklichkeit, dich zu bekleiden, entlassen hätte, wärest du sicher gefangen worden, wenn dies geschehen wäre.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. II, 11===&lt;br /&gt;
Die Handlung ist analog zu Cyrill II, 11 gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Wann du sihest wol wie der ungestalt Aff vo(n) natur hinden und vornen mit maisterschaft beklaidet un(d) geziert wirt Auch werde(n) silber und gold un(d) edel gestain mit maisterschafft gepoliert und durchfein.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. II, 20===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Handlung ist analog zu Cyrill II, 20 gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ey sage mir wye werden der gar vollkommen natur überflüssige reichtu(m)b so gar gepraestenlich an dir gesehen dz sy weder deiner scham zymliche claider noch deiner claren unnd edlen sel nicht miltigklichen gegeben hat ein obdach eins rauhen pelglins des doch den beide(n) ein notdurft waer. Hat sy daz nit vermügt so ist auch sy gebraest enlich. Hat aber sy das mügen thuon un(d) hat das woellen nichtt gehebtt so ist auch sy deinem jaemerigen potich in grossez genaere neidig gewesen. Es waer dan(n) eins daran das sy synnreycher kunst verlassen het ob du vonn dem menschen soltest beklayset werden. waere dem also so waere aber genaerde dabey. wann we(n)n das an dir geschaehe so mueßtest auch du gefangen sein.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. II, 29===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Waldesel (Cgm 340, 62r).png|200px|thumb|left|Affe und Waldesel (Cgm 340, 62r)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. III, 9===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Fuchs II (Cgm 254, 57r).png|200px|thumb|left|Affe und Fuchs II (Cgm 254, 57r)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Fuchs II (Cgm 340, 81r).png|200px|thumb|left|Affe und Fuchs II (Cgm 340, 81r)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Fuchs II (Cgm 9602, 67v).jpg|200px|thumb|left|Affe und Fuchs II (Cgm 9602, 67v)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Fuchs II (Druck 1490, 76r).jpg|200px|thumb|left|Affe und Fuchs II (Druck 1490, 76r)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. II, 11===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Handlung ist analog zu Cyrill II, 11 gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Man woelt dan(n) sagen das die natur die niemant hessig ist / etwas der kluogheit verlassen hab / wie dan(n) auch der Aff sich uß kunst bekleiden kan(n) / und dz golt und silber wirt balirt uß sin(n)richeit.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. II, 20===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Handlung ist analog zu Cyrill II, 20 gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Wie kumpt es das die rych natur dir nit geben hat kleydung zuo bedecken dyn hindern / und ein hut die glich genieß wer diner edle(n) selen Oder hat sy dich dem me(n)schen verlassen von im zuo bekleidt werde(n) / so folgt daruß / das du von dem me(n)schen gefangen muost syn.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 38===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Handlung ist analog zu Cyrill II, 11 gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Das sich aus Kunst der Aff fein kan /&amp;lt;br /&amp;gt;Beklaiden / deßgleichen sicht man.&amp;lt;br /&amp;gt;Wie Gold und Silber bringt ain glantz /&amp;lt;br /&amp;gt;Auß Sinnlichhait und Kluoghait gantz.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 47===&lt;br /&gt;
Die Handlung ist analog zu Cyrill II, 20 gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Und sprach zuo jm es wundert mich /&amp;lt;br /&amp;gt;Das doch nit hat begabet dich&amp;lt;br /&amp;gt;Die kluog Natur das du mit hail / &amp;lt;br /&amp;gt;Moechtest decken dein hindren thail. &amp;lt;br /&amp;gt;Oder hat Sy es darumb thon /&amp;lt;br /&amp;gt;Das dich der Mensch beklaide schon.&amp;lt;br /&amp;gt;So volgt darauß das du mit pein /&amp;lt;br /&amp;gt;Muost des Menschen gefangner sein.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Quelle Fabel]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Affe_und_Spielmann_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20356</id>
		<title>Affe und Spielmann (Erzählstoff)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Affe_und_Spielmann_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20356"/>
		<updated>2021-12-17T10:46:58Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: /* Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein), Nr. III, 12 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490) */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
| namen              = Affe und Spielmann&amp;lt;!--Möglichst alle Bezeichnungen des Stoffs, die in der Forschung gebräuchlich waren bzw. sind, in alphabetischer Reihenfolge, abgetrennt mit &amp;quot;;&amp;quot;--&amp;gt;&lt;br /&gt;
| regest             =  Der sich seiner Blöße schämende Affe erhält vom Spielmann die gewünschten Kleider, wird dafür aber angekettet und abgerichtet. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 32)&amp;lt;!--Kurzzusammenfassung des Erzählstoffs--&amp;gt;&lt;br /&gt;
| fassungen          = [[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. III, 12&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. III, 12&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 69&amp;lt;!--Möglichst alle Fassungen des Erzählstoffs. Bei Einzelwerken in [[Kurzzitationen]], bei Fassungen im Rahmen größerer Werke in [[Kurzzitationen]], Nr. XX, bei anonymen Handschriften und Drucken nach dem Muster: Ort, Bibliothek: Signatur, abgetrennt mit &amp;quot;&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;quot;--&amp;gt;&lt;br /&gt;
| forschung          = [[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 32f.; [[Günthart, Romy (Hg.): Sebastian Münster, Spiegel der wyßheit]], Band 2, S. 106-108&amp;lt;!--Forschungstexte zum Erzählstoff (s. Bibliographie Forschung Kleinepik), ggf. mit Seitenangaben, abgetrennt mit &amp;quot;;&amp;quot;--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Lateinische Version (Cyrillus, Nr. III, 12), 1. Hälfte 14. Jhd. ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die deutsche Tradition baut auf einer lateinischen Quelle auf (Cyrillus, Nr. III, 12 ([https://archive.org/details/diebeidenltesten00grss/page/86/mode/2up Grässe, Johann Georg Theodor (Hg.): Die beiden ältesten lateinischen Fabelbücher des Mittelalters.] Tübingen 1880, S. 87-89)). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 178-182.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Übersetzung&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 179-183.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Contra eos, qui libenter suscipiunt munera.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Cupida vestis simia, confusibiliter ut polluta cooperiret pudenda, cum cerneret histrionem ioco laetum, pluribus indumentis donatum, ut ea manu prodigalitatis effunderet, mox ad eum se contulit, et parata salutatione subiunxit: &amp;quot;Nescio certe, cuius instaurationis causa, tam in beneficiis mirae largitatis profusa, caudulam pudibundae vilitatis latibulum, nulli umquam invida cum sit totius bonitatis exundantissima fontana, mihi natura non dederit, sed reliquerit nudam, unde ad opulentum inops, ad liberalem egena, audacia necessitatis accurro.&amp;quot; Cui ille, leniori lingua vestis avidam mulcens: &amp;quot;Tibi&amp;quot;, inquit, &amp;quot;haec nuditas, amica, grande bonum est, cum sis rationabilibus conformior formata, non bestialiter cum cauda, sed arte quasi homo exornata humanis gaudeas opulentiis. Nimirum latent quosdam naturae beneficia, sed his diffusis grandi liberalitatis impetu repleta sunt omnia. Attamen quod flagitas, satis gratum babens sane do atque mellis favum, quod libenter devoras, superaddo.&amp;quot; Tunc simia laetanter susceptis beneficiis grata gratias agens ac nimis magnipendens, quod tam liberaliter ultra quam petierit, habuisset, cogitavit, ut in cuncta re sibi necessaria tam gratioso largitori inseparabiliter adhaereret. Cui dixit: &amp;quot;Satis quidem mea me naturaliter ad te imitandum proprietas inclinat, sed profusa tua magis attrahit benignitas; quamobrem, amice, si dignaris, servire sum paratus.&amp;quot; Mox ille: &amp;quot;Placet&amp;quot;, inquit, &amp;quot;mibi tam gratanter donata comitiva, magis tamen et bene conveniant iocus et berta. Verum ne quando fortassis dilectam te vagabundam raperet dulce malum et male computata libertas, dilectori largiter donanti necessaria, conjunctae dilectionis et servitutis liberae adhaerebis catena.&amp;quot; Quae inconsulte iam subacta donis acceptavit et stolida grandem libertatis rem non grandi munere aut callido commercio perdidit et mercatori mox se exhibuit captivandam. Irretitam ergo, natura dispositam, ludere quantocius eruditam, cupiditatis suae ludos protinus exposuit ac suis commodis atque oblectationibus alienis miseram servire coegit. Qua nimirum interdum magistro minus correspondente, aut ut puniret defectum aut impudico ludi ludibrio magis exsequeretur effectum, ab omnibus videndam nudabat, super hoc acetoso potus haustu maestificans. Tunc quidem luce confusionis ac tribulationis fellitae antidoto prudentiae oculis simiae restitutis, cum perciperet durioris patroni nunc irae nunc avaritiae se captivatam servire, ad cor reversa digestae rei sententiam talem dicitur protulisse: &amp;quot;O subornatum deceptivae cupiditatis hamum, letiferum munus, munerum naturalium ademptivum, gravissimum obligationis pignus, stulti et sapientis commercium minimum, maximum emptionis pretium, servitutis iugum, iniquitatis fermentum, captivitatis indicium, fomentum discordiarum, subversio civilitatum omniumque seminarium malorum, amatum venenum! Non immerito certe amica veritatis, aequitatis et pacis, cunctarum virtutum socia, divina lex susceptionem munerum iudicibus interdicens inquit Exodi XXIII: Munera etiam excaecant prudentes et pervertunt verba iustorum. Plane quidem elucidans, quod haec ipsa prudentiam fugant, iustitiam dissipant, intellectualis moralisque virtutis consistentiam vastant omnemque rectitudinis vitam necant. Revera muneribus excaecatus tam admirabilis Balaam periit, muneribus iudicialis sedes domus Iacob depravata liberis Samuelis Israhel in praeiudicium cecidit. Muneribus corrupto senatu dudum florido, sicut providerat princeps, ingravata murmuratione Romana gloria transivit. Etenim cum emptis iniquo munerum pretio datoribus legum fratricida ingratissimus et nequam praedo iustificatus fuit, tunc Iustitia recessit a Roma et converso ad eam vultu clamavit et dixit: &amp;quot;O urbem venalem et matrem tradituram, si inveniret emptorem!&amp;quot; Ob quas res nimirum, qui non parvis sapientia cultum virtutibus animum possederunt, magnis eo ipso laudibus sunt dignificati, quod magnorum maxima, maximae libertatis amore, munera contempserunt. Quantis enim titulis gloriae superfertur ille Diogenes, dum calcatis opibus regiis per medias libere accipientis voluntati expositas, raptas Asiae Macedonis Alexandri gazas pauper sed virtute opulentus incessit. Ita siquidem eo locupletior maiorque splenduit, quia plus fuit hoc ipsum, quod accipere noluit, quam id, quod ille dare disposuit aut possedit. Quantis autem certe laudationibus miris morum cultor Socrates extollitur, qui cum Archelai regis satis quidem magnis petebatur muneribus honorandus, respondisse fertur, nolle se ad eum venire, a quo acciperet beneficia, cum reddere illi paria non posset. Liber quippe esse voluit, dum ante reddere quam suscipere in spreto munere cogitavit. Quantisque similiter praeconiis curialitatis Romanus approbatur Fabricius, dum quadrantiae munus viro pauperi a Pyrrho rege oblatum virtute ditissimus renuit, magis eligens honestate civis liberi quam muneribus empti regis gloriositate potiri. Qua profecto re multo magis emicuit, dum rex admiratus spectabilem virum utique semper tonante laude super solem erexit dicens: &amp;quot;Ille est Fabricius, qui difficilius ab honestate quam sol a rectitudiue sui cursus averti potest.&amp;quot; Quid plura? Certe nil carius venditur ac perdibilius sumitur quam munus cupiditate volitum ac donatum.&amp;quot; Quibus diffinitis etsi non carne, ab avaritia tamen libera mente quievit et propter munera in captivitate permansit.&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Gegen die, die gerne Geschenke erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Affe, der sich unbedingt ein Gewand wünschte, um seine beschämend schmutzige Scham zu bedecken, sah einen Schauspieler, der sich über einen Scherz freute und mit mehreren Gewändern beschenkt worden war. Er begab sich sogleich zu ihm, damit er diese mit verschwenderischer Hand austeilte, grüßte ihn und fügte hinzu: &amp;quot;Ich weiß gewiß nicht, wegen welcher Neuerung die Natur, die mit Wohltaten so großzügig und seltsam verschwenderisch und niemals gegen irgendeinen gehässig ist, da sie die überreiche Quelle alles Guten ist, mir nicht einen kleinen Schwanz als Versteck für meine beschämende Blöße gegeben, sondern mich nackt gelassen hat. Durch Not ermutigt komme ich deshalb arm zum Reichen, bedürftig zum Großzügigen.&amp;quot; Jener besänftigte ihn, der so sehr ein Gewand begehrte, mit sanfter Zunge und sagte zu ihm: &amp;quot;Diese Blöße, mein Freund, ist für dich ein großartiges Gut, weil du den Vernuftwesen ziemlich ähnlich geschaffen worden bist, nicht auf tierische Art mit einem Schwanz, sondern durch die Kunst der Natur wie ein Mensch ausgestattet dich an menschlichem Reichtum erfreust. Zweifellos sind die Wohltaten der Natur bei einigen verborgen, aber nachdem sie ausgeschüttet worden sind, ist alles von großartigem Eifer der Freigebigkeit erfüllt. Dennoch gebe ich dir, was du verlangst, weil ich tatsächlich genügend Angenehmes habe, und ich füge noch obendrein eine Wabe mit Honig dazu, den du gerne verzehrst.&amp;quot; Da dankte der Affe freudig für die erhaltenen Wohltaten und in seiner Dankbarkeit schätzte er es allzu hoch ein, daß er auf so großzügige Weise mehr als erbeten bekommen hatte, und beabsichtigte, in der ganzen für ihn notwendigen Angelegenheit dem so gnädigen Gönner untrennbar ergeben zu sein. Er sagte zu ihm: &amp;quot;Mein ganzes Wesen neigt zwar von Natur aus dazu, dich nachzuahmen, aber deine verschwenderische Großzügigkeit zieht mich noch mehr an. Wenn es dir deshalb recht ist, mein Freund, bin ich bereit, dir zu dienen.&amp;quot; Darauf sagte jener: &amp;quot;Mir gefällt eine in dankenswerter Weise geschenkte Begleitung, dennoch mögen Scherz und Affe noch mehr und gut zusammenpassen. Aber damit nicht vielleicht irgendwann ein süßes Übel und die für schlecht gehaltene Freiheit dich, den geliebten Vagabunden, entführen kann, wirst du für den Gönner, der großzügig das Notwendige schenkt, an der Kette des Liebesbundes und der freiwilligen Knechtschaft hängen.&amp;quot; Da er schon durch die Geschenke in Abhängigkeit geraten war, stimmte er, ohne zu überlegen, zu und verlor auf törichte Weise das großartige Gut der Freiheit durch ein kleines Geschenk und einen listigen Tauschhandel und bot sich alsbald dem Kaufmann als Gefangener an. Er stellte ihn also, der von Natur aus dazu geeignet war, gefesselt sofort zur Schau, nachdem er schnellstens abgerichtet worden war, die Spiele seiner Begierde zu spielen, und er zwang den Unglücklichen seinen Bequemlichkeiten und fremden Vergnügen zu dienen. Da er zweifellos manchmal weniger mit seinem Lehrer übereinstimmte, entblößte er ihn, damit er von allen gesehen wurde, entweder um einen Fehler zu bestrafen oder um durch schamlosen Spott beim Spiel mehr Wirkung zu erreichen, und stimmte ihn überdies durch den Schluck des bitteren Getränks sehr traurig. Nachdem durch das Heilmittel der Klugheit dei Augen des Affen wiederhergestellt waren, weil das Licht die Verstörung und die gallebittere Trübsal erhellt hatte, da erkannte er, daß er als Gefangener bald dem Zorn, bald der Habgier seines immer hartherzigeren Schutzherrn diente, und soll zur Einsicht zurückgekehrt folgende Meinung der Reihe nach vorgetragen haben: &amp;quot;O, du heimlich mit täuschender Gier versehener Köder, du todbringendes Geschenk, Räuber der natürlichen Gaben, äußerst beschwerliches Pfand der Verpflichtung, kleinster Handel zwischen einem Toren und einem Weisen, höchster Kaufpreis, Joch der Knechtschaft, Gärstoff der Ungerechtigkeit, Zeichen der Gefangenschaft, Zunder für Zwietracht, Vernichtung der friedlichen Gemeinschaft, Keim aller Übel, geliebtes Gift! Zu Recht verbietet das göttliche Gesetz als Freund von Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden laut Exodus 23 den Richtern die Annahme von Geschenken, indem es sagt: Geschenke verblenden sogar die Klugen und verderben die Worte der Gerechtigkeit. Es ist völlig einleuchtend, daß gerade diese die Klugheit vertreiben, die Gerechtigkeit vernichten, die Beschaffenheit der intellektuellen und moralischen Tugend zerrütten und alles richtige Handeln im Leben töten. Der so bewundernswerte Balaam ging von Geschenken verblendet wahrhaftig zugrunde, durch Geschenke verführt fiel der Sitz der Gerichtsbarkeit des Hauses Jakob zum Nachteil Israels den Kindern Samuels zu. Nachdem der einst blühende Senat durch Geschenke bestochen worden war und das Murren sich verschlimmert hatte, verging der römische Ruhm, wie der Fürst es vorhergesehen hatte. Als nämlich der völlig unbeliebte Brudermörder, Erzschurke und Räuber freigesprochen worden war, nachdem die Gesetzgeber durch einen unangemessenen Preis der Geschenke gekauft worden waren, da verließ die Gerechtigkeit Rom, und sie soll auf es zurückblickend gesagt haben: &amp;quot;Oh käufliche Stadt, sie würde sogar ihre Mutter ausliefern, wenn sie einen Käufer fände!&amp;quot; Deswegen sind zweifellos die, die einen Charakter besaßen, der durch die Weisheit von großen Tugenden geformt war, gerade mit erheblichem Lob gewürdigt worden, weil sie aus Liebe zu dem höchsten Gut der Freiheit die größten Geschenke der Großen verachtet haben. Mit welchen ruhmvollen Bezeichnungen wird nämlich jener Diogenes überhöht, der, nachdem er den königlichen Reichtum mit Füßen getreten hatte, arm, aber reich an Tugend mitten zwischen den in Asien geraubten Schätzen des Makedonen Alexander einherging, die seinem Willen offenstanden, falls er sie annehmen wollte! So glänzte er freilich umso reicher und mehr, weil die Tatsache, daß er nichts annehmen wollte, mehr bedeutete, als das, was jener als Geschenk verteilte oder besaß. Mit welchem wunderbaren Lobreden aber wird freilich Sokrates, der Freund der guten Sitten, gerühmt, der, als er mit recht großen Geschenken des Königs Archelaos umworben wurde, um geehrt zu werden, gesagt haben soll, er wolle nicht zu ihm kommen, um Wohltaten zu empfangen, da er ihm keine gleichwertigen wiedergeben könne. Er wollte natürlich ein freier Mann sein, da er bei der Ablehnung des Geschenkes eher an das Zurückgeben als an das Annehmen dachte. Und mit welchem Lobpreis auf seine Redlichkeit wird der Römer Fabricius geehrt, der es vorzog, das Ansehen eines freien Bürgers statt der Pracht eines durch Geschenke gekauften Königs zu haben, da dieser überaus tugendreiche Mann das Geschenk eines Viertels des Königreiches ablehnte, das ihm, dem armen Mann, von König Pyrrhus angeboten worden war. Sicherlich ragte er dadurch noch mehr hervor, weil jedenfalls der König voll Bewunderung den angesehenen Mann immer übermäßig lobte und ihn über die Sonne erhob, indem er sagte: &amp;quot;Jener Fabricius kann schwerer von der Redlichkeit abgebracht werden als die Sonne von der Geradlinigkeit ihrer Bahn.&amp;quot; Was weiter? Sicherlich wird nichts teurer verkauft und zum eigenen Schaden angenommen als ein Geschenk, das aus Begierde ersehnt und gegeben worden ist.&amp;quot; Nach diesen Erklärungen fand der Affe seine Ruhe, wenn auch nicht in Hinblick auf seinen Körper, sondern weil sein Geist nun frei von Habsucht war; wegen der Geschenke aber blieb er in Gefangenschaft.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutsche Versionen==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. III, 12 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490)===&lt;br /&gt;
Wyder die dye geren gabe nemend&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das XII Capitel&amp;amp;middot; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
EIn Aff der wz des hi(n)dern teils gar ungestalt der begeret eins klaides damit er moecht sei(n) plosse scham decken&amp;amp;middot; Der sahe ein hofflichen spilman mangen hüpschen hof schimpff gar glimpflich vor aller menklich ueben / der wz hoflich geziert und geklaidt&amp;amp;middot; de(m) fueget er sich behendiklich zuo ob im der klaid(er) etwz moecht entreysen&amp;amp;middot; Den gruoßt er unnd sprache zuo im&amp;amp;middot; Fürwar ich kan nit wißsen was sach das rechter beschaiden müg gesein das dye nature die edel an ir selber ist&amp;amp;middot; und auch mit wundersamer miltikeit tausentfeltiklich begossen ist&amp;amp;middot; un(d) hie auf erden keinen dingen neidig ist gewesen&amp;amp;middot; unnd ist auch aller geitikeit ein reychflüssiger pru(n)ne /  mein so gar vergessen hatt / und mich so ploß verlassen das ich von ir nit haben mag damit ich moecht mein schwache scham bedecken&amp;amp;middot; Darumb so fleühe ich unfreyer zuo einem der gefreyett ist&amp;amp;middot; Ich jaemeriger d(er) gar dürftig ist zuo einem der gar reich ist mit genoeter türftikeit&amp;amp;middot; Do verstuond der spilman die begir des Affen die er zuo seinen klaidern het den waichet er mit linder zunge(n) un(d) sprach also&amp;amp;middot; Dein ploesse ist dyr ein grosse gab seyt du menschlicher creatur pist der gestalt vil nahend geleich geformet unnd gepildet / wann du hast nit vyhischen schwancz&amp;amp;middot; aber der ku(n)ßt pist du gar meisterlich nach me(n)schen art geziert&amp;amp;middot; und bist auch der über alle tier gar reych mitt den menschen&amp;amp;middot; Nu(n) moechtestt du kein hart gehaben der sich dein moecht geleichen / wann wo vernünftige synn seind da ist d(er) hoechste adel&amp;amp;middot; Waist du nit das der ein michler teil ist den wolthaett der natur auf lange zeit gar vestiklich verporgen seind / wann aber sich die selben woltat freymuetiklich außgiessend so werde(n) natürlich werck in rechten(m) sauße erfült / yedoch daz des du pitest gewer ich dich miltiklich&amp;amp;middot;  unnd mach die gab reycher wann du pitest / wann hoenigsam den yßsestu geren des gibe ich dir gar miltiklich vil mer dann dein genuegen&amp;amp;middot; Des dancket im der Aff und lobet das sere an im das er auß miltem herczen im mer versprach zegeben dann er an in begeret het&amp;amp;middot; und verpa(n)nt sich des hinwider das er die weil er lebte von einem so milten geber nymermer wolt weychen&amp;amp;middot; Un(d) mochte auch die gelübd niemandt wendige machen&amp;amp;middot; und sprach also&amp;amp;middot; Mein natürliche aigenschaft hat mich vast darzuo genayget / das ich dir volgen&amp;amp;middot; Yedoch So zeühet mich vyl mer dein über milte guotikeit&amp;amp;middot; Darumbe meyn allerliebster freünd begerßt du des so bin ich dir zuo dienst bereite&amp;amp;middot; Do sprach der spilman zuo dez Affen&amp;amp;middot; Ein so genaemer geferte d(er) muoß mir wolgefallen&amp;amp;middot; Yedoch gefelt mir das michel bas dz ei(n) spilman und ein Aff so wol czuoeinander fuegendt&amp;amp;middot; Nun mein allerliebster Aff Seyd wir unns in freüntschaft czesamen haben verpunden so will ich dich verforgen&amp;lt;ref&amp;gt;Wohl ein Druckfehler: versorgen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;amp;middot; Nu(n) moecht sich das wol fuegen ob du dich villeicht etwa(n) froelich woltest ermaye(n) mit wol gemeßnen springen dauon dich suesses übel gar schedlich moechte begreiffen / also das dir dein frei sprünge zuo schaden moechten ko(m)men / darumb gefelt mir wie du dich mit einer schoenen ketten laseßt umbfahen / darmit du mir lieplich werdest zuogefueget&amp;amp;middot; und dich hinfür nymermer mügeßt von mir geschaiden das noettett mich dann allzeit dz ich mit dir teil mit milter hand alles dz dz ich wege pringe&amp;amp;middot; Die red gefiele de(m) affen wol / d(er) erpot sich gar on alles bedencken de(m) schalckhafte(n) kaufman williklich in sein hend und gab sich im zefahen umb ei(n) schwachen ungeleiche(n) wechssel wann freyer muot an einem teyl gefangen seind an dem anderen ward nie geleicher wechssel Dz prueften da die milte(n) gab die im da warden verheissen&amp;amp;middot; Do er nu(n) mit der ketten nach des gaucklers willen mit sicherheyt umbfange(n) wz / da gab er im die gaglerey seiner kürczweil in kürcz zuo erkennen / der ward er palde gelert / seyt in natürlicher aigenschaft darzuo behendiklich uebete Auch noetet er den schalckhafftiklich gefangenen das er de(n) kunde(n) und den froembden hoffiern muoste und gaucklen zuo lust nach seinem willen&amp;amp;middot; Wann aber des czuo stunden des nit wol willig was daz muost er gar schnaell wid(er)pri(n)gen / thaet er des nit so ward auch er genczlich von im emploeßt und muoßt groß straich leyden / Und gab im für den hoenigs am essich und pitter gallen&amp;amp;middot; Dz pitter tranck un(d) schaemlichs laster die der Af leiden muoßt die taeten im die augen der verstentnuße auf&amp;amp;middot; und gaben im sein synn wider als ferr das er wol erkannt wie er gefangen muoßt diene(n) nu(n) dem zorn nun d(er) schwachen geytikeit seines schwaern maisters / Do grif er in sein hercz und klaget sei(n) pittres leiden / er redt mit im selber&amp;amp;middot; unnd bedacht wz sich mit unzeitigem gelück an im hete u(m)gangen&amp;amp;middot; Unnd wie auch in v(er)heissen gab verlait heten dz er seins muotes mit fancknuß waer beraubet und sprach also&amp;amp;middot; O du verporgner und schoengezierter a(n)gel d(er) geitikeit wiewol kanstu betriege(n)&amp;amp;middot; Ich maint mir zekauffen ein deck meiner ploesse dz hate mich gefelt in scha(m) und laster Nu(n) waffen wz hab ich geta(n) mei(n) handel ist nit and(er)s dan(n) ein pfa(n)t des aller schwaeresten punds&amp;amp;middot; Ei(n) wechssel des toren mit dem weisen / das klainste gelt des groeßten kaufs&amp;amp;middot; Ein joch des schwaeresten di(n)gs&amp;amp;middot; Ein urhab d(er) poßheit Ein vingerzaigen d(er) fencknusse Ein speiß d(er) zwayunge / ein v(er)keren d(er) rechten / ein saum aller übel / ein gift d(er) waren lieb&amp;amp;middot; Als ich das verstee so ist das nit unpillich das die liebhaberin des frides und d(er) gerechtigkeit und dye gesellin aller tugent dz goetliche recht d(er) alten ee allen richtern bei d(er) wyd v(er)peut das sy nit gab nemen&amp;amp;middot; und spricht also&amp;amp;middot; Gab plenden die weysen / und v(er)kern dye wort d(er) gerechte(n)&amp;amp;middot; Auch pringe(n)t die selben rechten d(er) alten ee claerlich an den &lt;br /&gt;
tag wie die unrechte(n) gab die weißheit v(er)iagen die gerechtikeit zertrennen&amp;amp;middot; Sy v(er)wuesten d(er) vernünftigen und sitigen tugent wesenliche vestikeit und toettendtt schlaechtes unnd rechtes leben&amp;amp;middot; Waist man nit wie der weissag Balaam ward mit gabe geplendet&amp;amp;middot; unnd verdarb auch damit ewiklich&amp;amp;middot; Mit gabe so ward der sessel des gerichts des wirdigen hauses Jacob gancz und gar verrucket / da Samuelis sün von gab wegen verpoest wurden / da viel auch Israhel in kürcz darnach in schand und laster&amp;amp;middot; Mit gab so ward der pluende rat der hochgekroenten statt zuo Rom verkert und verruckt damit v(er)wandlet sich ir ere und ward gar vast genidert&amp;amp;middot; Wann sy was mit gab so geneczlich überwunden das alle recht ein unrechte wurden / wa(n)n einen d(er) seynes aygen pruoder toetter wz&amp;amp;middot; un(d) was ein mortlicher schacher de(n) machet gab gerecht in seinen sachen&amp;amp;middot; und da er von der stat sich schaiden wolt / do keret er dz angesicht wider gen der stat unnd schrei mit lauter stymm&amp;amp;middot; Es waere die gancz stat vayl un(d) all ir mueter pastharten zugen pern / und funden sy nun kauffer&amp;amp;middot; Vo(n) der sach wegen on allen zweifel seind die mit grossez lob gewirdiget dye nit mit klein tugente(n) der weißheyt iren wolgezierten muot besessen haben / sunder auch die d(er) groesten herrngab am meisten freyen muot zuo eren widersprachen und verschmaechten dye auff zenemen&amp;amp;middot; Ey wer kan das volsagen weliches lobes unnd auch ruomes der vest held Dyogenes für keyser un(d) künig würdig sey / darumb das er die reychen gab die seinen willen czenemen in freimuetiger miltikeit des maechtigen küniges Alexandri / geopffert und gepoten worde(n) / die trat er manlich under seyne fueß&amp;amp;middot; unnd gieng in mitte durch sein reych des goldes nacket un(d) ploß&amp;amp;middot; Damit erschein er als vil reicher und auch groesser dann d(er) künig selber was / wann dz des er begerte das was groesser und wirdenreicher dann alles dz daz der künig geben unnd besiczen mocht&amp;amp;middot; Ey wie mit lobliche(n) lob wirt der wundersam liebhaber der sitten Socrates erhebt und erhoecht / wann da er von dez gewaltigen künig Archelao in künicklicher begir gar fleissikliche(n) gebeten ward das er sich zuo im fueget das wißt er im mit reycher gab nach künicklicher wirdikeit mit milter hand zedanken d(er) gab antwurt  er gar mit kurczen worten&amp;amp;middot; Er woelt zuo des nymer kommen von dem er moecht woltat und  gab aufnemen seyt er im kein gleiche gab gegeben moecht&amp;amp;middot; Auch wolt er gancz  frey sein&amp;amp;middot; und gedacht auch im er waere zuo geben geadelt unnd nicht zuo neme(n) / darumb verschmaecht er sein gabe&amp;amp;middot; Auch wirdet d(er) edel Roemer Fabricius mit hohem lob an manger stat gepreist&amp;amp;middot; do im der künig Pirais ein fürstenthuom zuogab der pot das er and(er) vier und(er) im het&amp;amp;middot; Dz v(er)schmaecht er in freyes adels muot / wann er wz der tugent reich und erwoelt wie er wolt vil lieber ein miter statman sein dann das er pflaeg grosser würd / darzuo in gab het gemuet / damit erschein er sichtigklich als ferr das den künig sein verwundert seins staeten muotes Des lobet er in&amp;amp;middot; und erhuob sein lob über die klaren sunnen und sprach also&amp;amp;middot; Dz ist d(er) Fabricius der so staet und vest ist / daz müglich wear es traet die sunn vo(n) ire(m) lauf und v(er)wandlet den de(n)n das sich sein gerechter muot v(er)wa(n)dlet und verkert&amp;amp;middot; Wz sag ich mer es wirt nichs teürer verkauft und mit groesser verlust genommen / dann gab die geitiklich genommen und gegeben wirt&amp;amp;middot; Do das außgericht wart da nam des affen ler ein ende&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Miniaturen und gedruckte Bilder==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Affe_und_Schauspieler_(Mgf_459,_184v).png|200px|thumb|left|Affe und Schauspieler (Mgf 459, 184v)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Schauspieler (Cgm 254, 60v).png|200px|thumb|left|Affe und Schauspieler (Cgm 254, 60v)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Schauspieler (Cgm 340, 87r).png|200px|thumb|left|Affe und Schauspieler (Cgm 340, 87r)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Schauspieler (Cgm 9602, 71r).jpg|200px|thumb|left|Affe und Schauspieler (Cgm 9602, 71r)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Schauspieler (Egerton 1121, 119v).png|200px|thumb|left|Affe und Schauspieler (Egerton 1121, 119v)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Schauspieler (Druck 1490, 81r).jpg|200px|thumb|left|Affe und Schauspieler (Druck 1490, 81r)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Spielmann (Druck 1571, 237v).png|200px|thumb|left|Affe und Spielmann (Druck 1571, 237v)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verwandte Erzählstoffe==&lt;br /&gt;
===[[Affe und Fuchs I (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der selbstgefällige Fuchs spottet über den nackten Affen, der aber betont den Wert innerer Qualitäten und zählt die Nachteile äußerer Schönheit auf. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Affe und Fuchs II (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein angeketteter Affe brüstet sich mit seiner menschlichen Kleidung, wird aber vom Fuchs über seine Unfreiheit und geistige Armut aufgeklärt. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 24)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Fuchs und Affe II (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Fuchs, den er um seinen schönen Schwanz beneidet, geht der Affe auf Wanderschaft und erkennt dabei am Beispiel anderer Tiere, dass der, der etwas Besonderes besitzt, den Nachstellungen der Menschen ausgesetzt ist. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 202)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Fuchs und Affe III (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Affe bittet den Fuchs, ihm einen Teil seines langen Schwanzes zu geben, damit er seine Blöße bedecken könne; der habgierige Fuchs denkt nicht daran, mit dem Bedürftigen zu teilen. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 203)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anspielungen==&lt;br /&gt;
===Cyrillus: Speculum Sapientiae, Nr. II, 11===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 102&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Übersetzung&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 103&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|Der Fuchs versucht die Hirschkuh zu überreden, sich zum Bären zu begeben, um sich Hörner geben zu lassen, und zählt in diesem Zusammenhang die Vorzüge anderer Tiere auf:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Aut forte livoris nescia quaedam reliquit arti natura. Simia quidem suppletiva arte induitur et magisterio aurum et argentum politur.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Vgl. Affe und Spielmann: &#039;&#039;Irretitam ergo, natura dispositam, ludere quantocius eruditam, cupiditatis suae ludos protinus exposuit ac suis commodis atque oblectationibus alienis miseram servire coegit.&#039;&#039;)&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;blockquote&amp;gt;Oder aber die Natur hat neidlos der Geschicklichkeit Spielraum gegeben. Der Affe ist allerdings mit einer zusätzlichen Geschicklichkeit ausgestattet, Gold und Silber werden durch Meisterschaft geglättet.)&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Vgl. Affe und Spielmann: Er stellte ihn also, der von Natur aus dazu geeignet war, gefesselt sofort zur Schau, nachdem er schnellstens abgerichtet worden war, die Spiele seiner Begierde zu spielen, und er zwang den Unglücklichen seinen Bequemlichkeiten und fremden Vergnügen zu dienen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Cyrillus: Speculum Sapientiae, Nr. II, 20===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 122&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Übersetzung&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 123&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|Der Fuchs verspottet den Affen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;&amp;quot;Numquid naturae opulentis in te tantum defecerunt divitiae, ut debitum natibus indumentum ac nobili animae correspondentem pellem tribuere non valeret? Aut certe si te cum homine induendam arte dimiserit, hoc cum acciderit, necesse est, ut capta sis.&amp;quot;&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Hat dich der Reichtum der wohlhabenden Natur so sehr in Stich gelassen, daß sie dir die notwendige Bedeckung für dein Hinterteil und ein Fell, das einem edlen Geist ansteht, nicht geben konnte? Und wenn sie dich wie den Menschen mit der handwerklichen Geschicklichkeit, dich zu bekleiden, entlassen hätte, wärest du sicher gefangen worden, wenn dies geschehen wäre.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. II, 11===&lt;br /&gt;
Die Handlung ist analog zu Cyrill II, 11 gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Wann du sihest wol wie der ungestalt Aff vo(n) natur hinden und vornen mit maisterschaft beklaidet un(d) geziert wirt Auch werde(n) silber und gold un(d) edel gestain mit maisterschafft gepoliert und durchfein.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. II, 20===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Handlung ist analog zu Cyrill II, 20 gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ey sage mir wye werden der gar vollkommen natur überflüssige reichtu(m)b so gar gepraestenlich an dir gesehen dz sy weder deiner scham zymliche claider noch deiner claren unnd edlen sel nicht miltigklichen gegeben hat ein obdach eins rauhen pelglins des doch den beide(n) ein notdurft waer. Hat sy daz nit vermügt so ist auch sy gebraest enlich. Hat aber sy das mügen thuon un(d) hat das woellen nichtt gehebtt so ist auch sy deinem jaemerigen potich in grossez genaere neidig gewesen. Es waer dan(n) eins daran das sy synnreycher kunst verlassen het ob du vonn dem menschen soltest beklayset werden. waere dem also so waere aber genaerde dabey. wann we(n)n das an dir geschaehe so mueßtest auch du gefangen sein.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. II, 29===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Waldesel (Cgm 340, 62r).png|200px|thumb|left|Affe und Waldesel (Cgm 340, 62r)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. III, 9===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Fuchs II (Cgm 254, 57r).png|200px|thumb|left|Affe und Fuchs II (Cgm 254, 57r)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Fuchs II (Cgm 340, 81r).png|200px|thumb|left|Affe und Fuchs II (Cgm 340, 81r)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Fuchs II (Cgm 9602, 67v).jpg|200px|thumb|left|Affe und Fuchs II (Cgm 9602, 67v)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Fuchs II (Druck 1490, 76r).jpg|200px|thumb|left|Affe und Fuchs II (Druck 1490, 76r)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. II, 11===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Handlung ist analog zu Cyrill II, 11 gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Man woelt dan(n) sagen das die natur die niemant hessig ist / etwas der kluogheit verlassen hab / wie dan(n) auch der Aff sich uß kunst bekleiden kan(n) / und dz golt und silber wirt balirt uß sin(n)richeit.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. II, 20===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Handlung ist analog zu Cyrill II, 20 gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Wie kumpt es das die rych natur dir nit geben hat kleydung zuo bedecken dyn hindern / und ein hut die glich genieß wer diner edle(n) selen Oder hat sy dich dem me(n)schen verlassen von im zuo bekleidt werde(n) / so folgt daruß / das du von dem me(n)schen gefangen muost syn.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 38===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Handlung ist analog zu Cyrill II, 11 gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Das sich aus Kunst der Aff fein kan /&amp;lt;br /&amp;gt;Beklaiden / deßgleichen sicht man.&amp;lt;br /&amp;gt;Wie Gold und Silber bringt ain glantz /&amp;lt;br /&amp;gt;Auß Sinnlichhait und Kluoghait gantz.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 47===&lt;br /&gt;
Die Handlung ist analog zu Cyrill II, 20 gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Und sprach zuo jm es wundert mich /&amp;lt;br /&amp;gt;Das doch nit hat begabet dich&amp;lt;br /&amp;gt;Die kluog Natur das du mit hail / &amp;lt;br /&amp;gt;Moechtest decken dein hindren thail. &amp;lt;br /&amp;gt;Oder hat Sy es darumb thon /&amp;lt;br /&amp;gt;Das dich der Mensch beklaide schon.&amp;lt;br /&amp;gt;So volgt darauß das du mit pein /&amp;lt;br /&amp;gt;Muost des Menschen gefangner sein.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Quelle Fabel]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=B%C3%A4r,_Fuchs_und_Hirschkuh_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20310</id>
		<title>Bär, Fuchs und Hirschkuh (Erzählstoff)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=B%C3%A4r,_Fuchs_und_Hirschkuh_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20310"/>
		<updated>2021-12-10T20:28:58Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: /* Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein), Nr. II, 11 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490) */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
| namen              = Bär, Fuchs und Hirschkuh; Fuchs und Hindin&amp;lt;!--Möglichst alle Bezeichnungen des Stoffs, die in der Forschung gebräuchlich waren bzw. sind, in alphabetischer Reihenfolge, abgetrennt mit &amp;quot;;&amp;quot;--&amp;gt;&lt;br /&gt;
| regest             = Um dem hungrigen Bären Beute zu verschaffen, redet der Fuchs der Hirschkuh den Wunsch nach Hörnern ein, die der Bär anbringen könne; der Hirsch bringt die Hirschkuh von ihrem Wunsch ab. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 51)&amp;lt;!--Kurzzusammenfassung des Erzählstoffs--&amp;gt;&lt;br /&gt;
| fassungen          = [[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. II, 11&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. II, 11&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 38&amp;lt;!--Möglichst alle Fassungen des Erzählstoffs. Bei Einzelwerken in [[Kurzzitationen]], bei Fassungen im Rahmen größerer Werke in [[Kurzzitationen]], Nr. XX, bei anonymen Handschriften und Drucken nach dem Muster: Ort, Bibliothek: Signatur, abgetrennt mit &amp;quot;&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;quot;--&amp;gt;&lt;br /&gt;
| forschung          = [[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 51; [[Günthart, Romy (Hg.): Sebastian Münster, Spiegel der wyßheit]], Band 2, S. 68&amp;lt;!--Forschungstexte zum Erzählstoff (s. Bibliographie Forschung Kleinepik), ggf. mit Seitenangaben, abgetrennt mit &amp;quot;;&amp;quot;--&amp;gt;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Die Fabel enthält als Binnenerzählung des Hirschen auch die Fabel [[Bär, Wolf und Mensch (Erzählstoff)|Bär, Wolf und Mensch]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lateinische Version (Cyrillus, Nr. I, 11), 1. Hälfte 14. Jhd. ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die deutsche Tradition baut auf einer lateinischen Quelle auf (Cyrillus, Nr. II, 11 ([https://archive.org/details/diebeidenltesten00grss/page/46/mode/2up Grässe, Johann Georg Theodor (Hg.): Die beiden ältesten lateinischen Fabelbücher des Mittelalters.] Tübingen 1880, S. 46-48)). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 102-104.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Übersetzung&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 103-105.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Contra appetitum dignitatis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Latitanti urso famelico, ut praedam aliquam deglutiret, magistra fallaciae vulpes, pia impio subvenire cum putat, ad eum cervam solivagam arte doli sic conabatur afferre. &amp;quot;Nimirum&amp;quot;, inquit, &amp;quot;vultu placidam, cervice altam, pelle politam, pede validam, proportione decoram parens te formavit natura, unum tantum perfectae venustati minus est, quia cornibus cares! Neque enim certe infirmo sexui tam superba et tuta debuit armatura deesse, maxime cum eam concesserit simul vaccae. Aut forte livoris nescia quaedam reliquit arti natura. Simia quidem suppletiva arte induitur et magisterio aurum et argentum politur. Si vis ergo perfici cornu, audi monitum et imitare ductum, quoniam ad magistrum te dirigam iam expertum.&amp;quot; At illa non tam mobilitate feminea quam volens cornu sequebatur mendacem, sed pia sorte dolo captae fuit obvius cervus, qui miratus de socia dixit: &amp;quot;Quo vulpinam sequeris caudam?&amp;quot; Cui cerva: &amp;quot;Quippe tanto duce ad ursum tendo, ut sicut et tu cornibus gaudeam: An solus apparere vis superbia masculina?&amp;quot; Ad hoc ille astutus utriusque sentiens fastum et dolum, amicae compassus totum suum fundit nisum exhortatu dixitque: &amp;quot;Nempe propter cornua ursus dedit quiete virtutis auriculam. Cave, ne tu deterius amittas pellem et vitam! Ursus namque interrogatus a lupo, ut quid faciem pronam ferret, respondit: &amp;quot;Quia habeo debile caput.&amp;quot; Cui lupus ait: &amp;quot;Muni ipsum cornibus, his ergo caput armavit natura bovinum. Vade ad hominem arte dotatum et ponet.&amp;quot; Quo invento magister ait: &amp;quot;Solve pro labore, volo hoc, quod dare non noceat; si brancham peterem, non dares. Da mihi aures et nil tibi nocet!&amp;quot; Quo volente scidit eas et ferens malleum, ut perforaret cranium eius, audivit: &amp;quot;Fatuusne sum, ut perfores mihi caput?&amp;quot; Qui ait: &amp;quot;Aliter tibi cornua non ponuntur.&amp;quot; Tunc ursus abbreviatis auribus inquit: &amp;quot;Bene enim fatuus qui cornua cupit. Perdit enim, ut video, caput discretionis et aures quiete virtutis.&amp;quot; Et sic abscissis auribus sine cornibus abiit illusus. An ignores, quod, dum amittit cornua luna, fit lumine vacua et cornuta Moysi facies contuitus liberi dulcedine et velamento est privata? Illaqueatur quidem vacca per cornua aratro et bos servus sub duro iugo assidue duci solet per cornua. Non attendis, quod nulli caelestium praeter trapotam cornu pondus apponitur? Sed eo dumtaxat nos terreni gravamur. Quamobrem et ego serpentis haustu comburor interius, ut possim vetustatis pondus deponere cornu. Quid plura? Bestialitas quidem communis ostenditur aut cornu aut cauda. Depone igitur fastum et fuge cornu, ne dira te laniet ungula ursus. Quibus intellectis mox dimissa vulpe secuta est cervum.&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Gegen das Verlangen nach würdevoller Pracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Fuchs, ein Meister im Täuschen, versuchte einem hungrigen Bären, der sich versteckt hielt, um eine Beute zu verschlingen, eine allein umherstreifende Hirschkuh mit listigem Trick folgendermaßen zuzuführen, wobei er pflichtbewußt dem Bösen zu helfen glaubte. &amp;quot;Zweifellos&amp;quot;, sagte er zu ihr, &amp;quot;hat dich Mutter Natur mit friedlicher Miene, hohem Nacken, glänzendem Fell, kräftigem Fuß und schönem Ebenmaß geschaffen, nur eines fehlt der vollkommenen Schönheit, daß du kein Gehörn hast. Gewiß dürfte dem schwachen Geschlecht eine so prächtige und der Sicherheit dienende Ausrüstung nicht fehlen, zumal sie sogar der Kuh zugestanden wurde. Oder aber die Natur hat neidlos der Geschicklichkeit Spielraum gegeben. Der Affe ist allerdings mit einer zusätzlichen Geschicklichkeit ausgestattet, Gold und Silber werden durch Meisterschaft geglättet. Wenn du also durch ein Gehörn vollkommen werden willst, höre auf meine Ermahnung und folge meiner Führung, da ich dich zu einem schon erprobten Meister lenken will!&amp;quot; Jene aber folgte dem Lügner nicht so sehr aus weiblichem Leichtsinn, sondern weil sie das Gehörn haben wollte. Doch durch ein gütiges Schicksal kam ihr, die durch die List geblendet war, ein Hirsch entgegen, der über seine Gefährtin verwundert sagte: &amp;quot;Wohin folgst du diesem Fuchsschwanz?&amp;quot; Die Hirschkuh antwortete ihm: &amp;quot;Ich bin mit diesem Führer unterwegs zum Bären, damit ich mich wie auch du eines Gehörns erfreuen kann. Oder willst allein du dich mit männlichem Stolz zeigen?&amp;quot; Aus Mitleid mit seiner Freundin verwandte darauf der schlaue Hirsch, der den Hochmut und die List beider erkannte, seine ganze Kraft darauf, sie eindringlich zu ermahnen, und sagte: &amp;quot;Der Bär hat doch wegen Hörnern das kleine Ohr kampflos hergegeben. Gib acht, daß du nicht, was noch schlimmer wäre, Fell und Leben verlierst! Als der Bär nämlich vom Wolf gefragt wurde, warum er sein Gesicht so gesenkt halte, antwortete er: &amp;quot;Weil ich einen schwachen Kopf habe.&amp;quot; Der Wolf sagte zu ihm: &amp;quot;Statte ihn mit Hörnern aus, mit diesen hat doch die Natur den Kopf der Rinder versehen. Geh zum Menschen, der diese Kunst beherrscht, und er wird sie dir aufsetzen.&amp;quot; Sowie er ihn gefunden hatte, sagte der Meister: &amp;quot;Zahle für die Arbeit! Ich will das, was dir nicht schaden kann, wenn du es hergibst. Wenn ich eine Pfote verlangen würde, würdest du sie mir nicht geben. Gib mir die Ohren, das schadet dir nicht!&amp;quot; Mit dessen Einwilligung schnitt er sie ab und, als er einen Hammer brachte, um seinen Schädel zu durchbohren, hörte er ihn sagen: &amp;quot;Bin ich denn ein Dummkopf, daß du mir den Kopf durchbohren willst?&amp;quot; Er sagte: &amp;quot;Anders können dir die Hörner nicht verpaßt werden.&amp;quot; Da sagte der Bär, dem die Ohren abgeschnitten worden waren: &amp;quot;Wer Hörner haben will, ist wirklich ein Dummkopf. Er verliert nämlich, wie ich jetzt sehe, das Hauptmerkmal der Unterscheidung und kampflos die Ohren.&amp;quot; Und so ging er ohne Ohren und ohne Hörner mit Spott beladen davon. - Weißt du etwa nicht, daß, wenn der Mond seine Hörner verliert, er ohne Licht ist und daß das mit Hörnern versehene Gesicht des Moses der Faszination des freien Anblicks gerade durch die Verhüllung beraubt war? Die Kuh ist allerdings der Hörner wegen an den Pflug gefesselt und der Ochse wird gewöhnlich wie ein Sklave wegen der Hörner unablässig unter dem harten Joch geführt. Bemerkst du nicht, daß keinem Himmlischen außer der Trapota die Last eines Horns auferlegt ist? Nir wir Erdenbewohner sind damit beschwert. Deshalb brenne auch ich innerlich durch den Trank der Schlange, damit ich das Horn als alte Last abwerfen kann. Was noch: Das wilde tierische Wesen zeigt sich allgemein entweder durch das Horn oder den Schwanz. Lege deshalb deinen Hochmut ab und fliehe das Horn, damit dich nicht der Bär mit seiner schrecklichen Kralle zerreißt!&amp;quot; Als die Hirschkuh dis eingesehen hatte, schickte sie sofort den Fuchs weg und folgte dem Hirsch.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutsche Versionen==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. II, 11 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Dyse geleichnusz ist wider dye begir der wirdigkeyt&amp;amp;middot;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das&amp;amp;middot; XI&amp;amp;middot; Capitel&amp;amp;middot;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
AIn hungeriger pere lage vast v(er)borgen in seinem luoge und spoehet vaßte mit scharpffem sehen wie im ein raub moecht wyderfaren der seinem schlunde zuo heyl kaem&amp;amp;middot; Und da ein fuchß ein maister betruecklicher list de(n) unguetigen mit guetikeit zehilf wolte kommen das im grosses hungers qual etwen vil gesenfteret würd dem widerfuor ein hündt&amp;amp;middot; die in dem wald allein was an irer wayde die bestuond er mit alter meisterschaft&amp;amp;middot; und huob zuo reden mit ir an ob sy mit listikeyt de(n) pern für sein luoge moecht bri(n)gen&amp;amp;middot; und sprach also&amp;amp;middot; Fürware mich kan nit verwundern wye dich dein muotter die natur mitt lieblichem antlücz / mit aufgerecktem halß / mit schoengestrichener haut / mit schnaelle(m) lauf / mit wolgefuegter lidmaß aller deiner gelider hat loblich un(d) preyßlich geschaffen&amp;amp;middot; Nun&amp;lt;ref&amp;gt;Wohl ein Druckfehler: nur.&amp;lt;/ref&amp;gt; ein gepraeßten liget deiner natürlichen volkommenheit noch auß das Du nit preißlich und zierlich gehürnet bist als billich waer&amp;amp;middot; Seyder doch die hirchsse(n) deiner schlacht in hohem preiß gehürnet seind Und die ungestalten kue seynd mit horen geziert unnd gewafnot das sy des sicher seind aber doch so moecht das vil wol seyn das die natur on allen neyd der hochkunstreichen maisterschafte etwas an dir zuo würcken het verlassen / Wann du sihest wol wie der ungestalt Aff vo(n) natur hinden und vornen mit maisterschaft beklaidet un(d) geziert wirt Auch werde(n) silber und gold un(d) edel gestain mit maisterschafft gepoliert und durchfein&amp;amp;middot; wiltu nun der gehürneten zier gepreyset und volkommen werden so hoer mein ler un(d) volg mir nach / wann ich dich zuo eym pern d(er) ei(n) bewaerter maister in den künste(n) ist nach ei(n) kurczen weg pringe Nu(n) wz die hünt d(er) horn begirig die begrif on als bedencke(n) leibes muotes unstaetikeit&amp;amp;middot; un(d) volgt de(m) lug prediger nach&amp;amp;middot; Nun fuegett es sich do der betrogen hünden zuo heyl das ir ein freyer hirchße an dem weg engegen drabet de(n) verwundert so ungeleicher gesellschaft&amp;amp;middot; Der sprach czuo seiner genossen Sag mir du betrogen wo lait dich der füchsisch schwa(n)cze hin oder wem volgest du nach&amp;amp;middot; Do sprach die hünt auß freyem muot&amp;amp;middot; Ich will mit im zuo eine(m) pern geen / der ist so gar ein maister das er das an mir würcken kan das ich so hoch gehürnett wird als du&amp;amp;middot; Und alls du dych der deinen freüest / also wird auch ich erfreüt&amp;amp;middot; Oder sag mir mainestu allein in unser schlacht gehürneter prangen als ein hochtragender man / wes soellen dan(n) die weib entgelten den soelliches gefert auch zymlich ist&amp;amp;middot; Die wyderred der hündin pracht de(m) hirchsen ain getreües mitleide(n) des das sy bis in den tode betrogen was / wa(n)n er was des pern un(d) des fuchß gevaerlichen listigkeit ee geinnert / und leget ganczen fleiß darzuo wie er die begirigen soellicher wirdikeit underweißt und bewaret das sy dem frayßsamen pern icht zuo handen kaem und sprach also zuo ir&amp;amp;middot; Wayßtu nit das der wuetend per sein ore(n) verlorn hat / darumb das er begeret wie er vest gehürnet würde zuo der kraft die er in natürlycher aigenschaft enpfangen het Nun moecht sich das gar leycht fuegen das du in der begir der gehürneten wirdikeit leib und leben on alle hilf verlurest&amp;amp;middot; Hoere und laß dich weysen wie d(er) per zuo einen zeiten von dem wolf gefraget ward warumbe im das peürisch antlücz vast undersich zuo der erden hieng&amp;amp;middot; Do sprach d(er) per&amp;amp;middot; das würckt an mir kranckheit des haubts das mir gar suchtig ist&amp;amp;middot; do sprach der wolf / laß dir horen gar vestiklich darane seczen / wann dye Ochssen seind mit hoerner vast gewapnot / darumb so suoch dir einen buoch arczet der schoene horn machen ka(n) der hilft dir zuo einem zyerlichen gehürn&amp;amp;middot; Do ein maister soellichs erfunden ward der sprach zuo de(m) krancken des haubts&amp;amp;middot; Schoepff ein lon der pillich sey soellich meisterschaft zuo widerwege(n) ob du hoerliche horn auf einem gesunden haubt gewunnest&amp;amp;middot; Do sprach der per&amp;amp;middot; Ich gib dir meyner gelider weliches du voderst des ich doch nichtt gar czuo grossem schaeden naem&amp;amp;middot; Do sprach d(er) mayster baet ich dich unnd vodert an dich die klaue(n) des tuo ich nit we(n)n daz kaem dir zuo grossem un(d) merckliche(m) schaden&amp;amp;middot; Gib mir die ore(n) der bedarfest du nit und nymst ir keinen schaden&amp;amp;middot; Das taet d(er) per mit willen und mit freüden Un(d) ließ im de(m)&amp;lt;ref&amp;gt;Ein Druckfehler: der?&amp;lt;/ref&amp;gt; maister beyde orn abschneide(n) / darumb das er im machte zway veste horen&amp;amp;middot; Doch sich nun daz vergangen het da nam der maister ein scharpffen naepper un(d) ein hamer das er im mit dem naeper das haubt durchporete und die horn mit dem hamer gar veste darinn vernuetett Do des d(er) per geinnert ward da sprach er gar trauriklich&amp;amp;middot; ich habe beyde orn v(er)lorn des hat mych meiner tu(m)mer syn verlaytet&amp;amp;middot; Nu(n) waer ich vil ein groesser thor und ließ ich mir das haubt durchporn daru(m)b das ich gehürnet würde&amp;amp;middot; Do sprach der maister&amp;amp;middot; Du mueßt das leiden wilt du gehürnet sein wol / damit ward d(er) Per seiner oren bezalt&amp;amp;middot; Darbey merck mein liebe schwester wz du tuest / od(er) wo du hi(n)geest / wa(n)n die würde d(er) du begerst braechtt dich on allen zweifel vom leben in den tod / od(er) waistu nit wenn d(er) mon gehürnet ist so ist er auch des liechtes laer / und ist auch keiner der himlischen planeten gehürnet dann d(er) Mon so er des liechtes beraubet ist&amp;amp;middot; Auch warde das gehürnet antlücz Moysi / lieplicher sueß und lustiges ansehens gancz beraubt / wann dye juden mochten in nit ansehen da er von dem berg gienge die weile und er gehürneter mit seinez antlücz erschein&amp;amp;middot; Od(er) waystu mit das die kue mit den hoernern zuo dem tod gezogen werden unnd gehalten&amp;amp;middot; und der ochs des pfluoges knecht wirt mit de(n) hoernern an das joch gebunden darunder er gar schwaere purde taeglicher arbeit muoß trage(n)&amp;amp;middot; Auch soltest du des pillich glert sei(n) wie uns die wilde(n) thier die hoerner überladen und zuo der erden naygen / Und werden auch dick und &lt;br /&gt;
oft damit in den tod verflochte(n) un(d) verstrickt&amp;amp;middot; Waystu nit von mir wa(n)n die horn mit irer groeß all zesere beschwaeren das ich nach ler der natur mich selber inwendiges anzünde mit einer güfftigen schlange(n) die ich in mich zeühe / wa(n)n die würckt das an mir das mir die oren reysen und vo(n) dem haubt vallen&amp;amp;middot; Wz mag ich dir mer sagen dann das gemeyne zaichen eins thierische(n) gefertes vor allen zaichen gehürn un(d) la(n)g schwaencz seind&amp;amp;middot; Do des die hündt underweyset ward Do verließ sy den listigen fuchß un(d) volget dem trüen irem ratgeber dem hirchssen nach&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Miniaturen und gedruckte Bilder==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Bär,_Fuchs_und_Hirschkuh_(Cgm_254,_32r).png|200px|thumb|left|Bär, Fuchs und Hirschkuh (Cgm 254, 32r)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Datei:Bär,_Fuchs_und_Hirschkuh_(Cgm_340,_35v).png|200px|thumb|left|Bär, Fuchs und Hirschkuh (Cgm 340, 35v)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Datei:Bär,_Fuchs_und_Hirschkuh_(Cgm_9602,_37r).jpg|200px|thumb|left|Bär, Fuchs und Hirschkuh (Cgm 9602, 37r)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Datei:Bär,_Fuchs_und_Hirschkuh_(Mgf_459,_89v).png|200px|thumb|left|Bär, Fuchs und Hirschkuh (Mgf 459, 89v)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Datei:Bär, Fuchs und Hirschkuh (MS 653, 209r).jpg|200px|thumb|left|Bär, Fuchs und Hirschkuh (MS 653, 209r)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Datei:Bär, Fuchs und Hirschkuh (MS Egerton 1121, 56r).png|200px|thumb|left|Bär, Fuchs und Hirschkuh (MS Egerton 1121, 56r)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Datei:Bär,_Fuchs_und_Hirschkuh_(Druck_1490,_40r).jpg|200px|thumb|left|Bär, Fuchs und Hirschkuh (Druck 1490, 40r)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Fuchs und Hindin (Druck 1571, 140r).png|200px|thumb|left|Fuchs und Hindin (Druck 1571, 140r)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verwandte Erzählstoffe==&lt;br /&gt;
===[[Bär, Wolf und Mensch (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
Der Bär will sich auf Anraten des Wolfes von einem Menschen Hörner aufsetzen lassen und muss dafür mit dem Verlust seiner Ohren bezahlen. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 52)&lt;br /&gt;
===[[Unzufriedener Hase (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
Der unzufriedene Hase klagt Gott seine Wehrlosigkeit und erhält das erbetene Hirschgeweih; das Gewicht des Geweihs hindert ihn nun aber an der Flucht. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 295f.)&lt;br /&gt;
===[[Kamel und Jupiter (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
Das Kamel bittet Jupiter, ihm wie den Ochsen Hörner zu geben; zur Strafe für diese Unzufriedenheit mit seiner natürlichen Ausstattung nimmt ihm Jupiter auch noch die Ohren. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 383)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Quelle Fabel]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=B%C3%A4r,_Fuchs_und_Hirschkuh_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20309</id>
		<title>Bär, Fuchs und Hirschkuh (Erzählstoff)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=B%C3%A4r,_Fuchs_und_Hirschkuh_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20309"/>
		<updated>2021-12-10T20:27:44Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: /* Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein), Nr. II, 11 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490) */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
| namen              = Bär, Fuchs und Hirschkuh; Fuchs und Hindin&amp;lt;!--Möglichst alle Bezeichnungen des Stoffs, die in der Forschung gebräuchlich waren bzw. sind, in alphabetischer Reihenfolge, abgetrennt mit &amp;quot;;&amp;quot;--&amp;gt;&lt;br /&gt;
| regest             = Um dem hungrigen Bären Beute zu verschaffen, redet der Fuchs der Hirschkuh den Wunsch nach Hörnern ein, die der Bär anbringen könne; der Hirsch bringt die Hirschkuh von ihrem Wunsch ab. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 51)&amp;lt;!--Kurzzusammenfassung des Erzählstoffs--&amp;gt;&lt;br /&gt;
| fassungen          = [[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. II, 11&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. II, 11&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 38&amp;lt;!--Möglichst alle Fassungen des Erzählstoffs. Bei Einzelwerken in [[Kurzzitationen]], bei Fassungen im Rahmen größerer Werke in [[Kurzzitationen]], Nr. XX, bei anonymen Handschriften und Drucken nach dem Muster: Ort, Bibliothek: Signatur, abgetrennt mit &amp;quot;&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;quot;--&amp;gt;&lt;br /&gt;
| forschung          = [[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 51; [[Günthart, Romy (Hg.): Sebastian Münster, Spiegel der wyßheit]], Band 2, S. 68&amp;lt;!--Forschungstexte zum Erzählstoff (s. Bibliographie Forschung Kleinepik), ggf. mit Seitenangaben, abgetrennt mit &amp;quot;;&amp;quot;--&amp;gt;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Die Fabel enthält als Binnenerzählung des Hirschen auch die Fabel [[Bär, Wolf und Mensch (Erzählstoff)|Bär, Wolf und Mensch]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lateinische Version (Cyrillus, Nr. I, 11), 1. Hälfte 14. Jhd. ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die deutsche Tradition baut auf einer lateinischen Quelle auf (Cyrillus, Nr. II, 11 ([https://archive.org/details/diebeidenltesten00grss/page/46/mode/2up Grässe, Johann Georg Theodor (Hg.): Die beiden ältesten lateinischen Fabelbücher des Mittelalters.] Tübingen 1880, S. 46-48)). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 102-104.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Übersetzung&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 103-105.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Contra appetitum dignitatis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Latitanti urso famelico, ut praedam aliquam deglutiret, magistra fallaciae vulpes, pia impio subvenire cum putat, ad eum cervam solivagam arte doli sic conabatur afferre. &amp;quot;Nimirum&amp;quot;, inquit, &amp;quot;vultu placidam, cervice altam, pelle politam, pede validam, proportione decoram parens te formavit natura, unum tantum perfectae venustati minus est, quia cornibus cares! Neque enim certe infirmo sexui tam superba et tuta debuit armatura deesse, maxime cum eam concesserit simul vaccae. Aut forte livoris nescia quaedam reliquit arti natura. Simia quidem suppletiva arte induitur et magisterio aurum et argentum politur. Si vis ergo perfici cornu, audi monitum et imitare ductum, quoniam ad magistrum te dirigam iam expertum.&amp;quot; At illa non tam mobilitate feminea quam volens cornu sequebatur mendacem, sed pia sorte dolo captae fuit obvius cervus, qui miratus de socia dixit: &amp;quot;Quo vulpinam sequeris caudam?&amp;quot; Cui cerva: &amp;quot;Quippe tanto duce ad ursum tendo, ut sicut et tu cornibus gaudeam: An solus apparere vis superbia masculina?&amp;quot; Ad hoc ille astutus utriusque sentiens fastum et dolum, amicae compassus totum suum fundit nisum exhortatu dixitque: &amp;quot;Nempe propter cornua ursus dedit quiete virtutis auriculam. Cave, ne tu deterius amittas pellem et vitam! Ursus namque interrogatus a lupo, ut quid faciem pronam ferret, respondit: &amp;quot;Quia habeo debile caput.&amp;quot; Cui lupus ait: &amp;quot;Muni ipsum cornibus, his ergo caput armavit natura bovinum. Vade ad hominem arte dotatum et ponet.&amp;quot; Quo invento magister ait: &amp;quot;Solve pro labore, volo hoc, quod dare non noceat; si brancham peterem, non dares. Da mihi aures et nil tibi nocet!&amp;quot; Quo volente scidit eas et ferens malleum, ut perforaret cranium eius, audivit: &amp;quot;Fatuusne sum, ut perfores mihi caput?&amp;quot; Qui ait: &amp;quot;Aliter tibi cornua non ponuntur.&amp;quot; Tunc ursus abbreviatis auribus inquit: &amp;quot;Bene enim fatuus qui cornua cupit. Perdit enim, ut video, caput discretionis et aures quiete virtutis.&amp;quot; Et sic abscissis auribus sine cornibus abiit illusus. An ignores, quod, dum amittit cornua luna, fit lumine vacua et cornuta Moysi facies contuitus liberi dulcedine et velamento est privata? Illaqueatur quidem vacca per cornua aratro et bos servus sub duro iugo assidue duci solet per cornua. Non attendis, quod nulli caelestium praeter trapotam cornu pondus apponitur? Sed eo dumtaxat nos terreni gravamur. Quamobrem et ego serpentis haustu comburor interius, ut possim vetustatis pondus deponere cornu. Quid plura? Bestialitas quidem communis ostenditur aut cornu aut cauda. Depone igitur fastum et fuge cornu, ne dira te laniet ungula ursus. Quibus intellectis mox dimissa vulpe secuta est cervum.&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Gegen das Verlangen nach würdevoller Pracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Fuchs, ein Meister im Täuschen, versuchte einem hungrigen Bären, der sich versteckt hielt, um eine Beute zu verschlingen, eine allein umherstreifende Hirschkuh mit listigem Trick folgendermaßen zuzuführen, wobei er pflichtbewußt dem Bösen zu helfen glaubte. &amp;quot;Zweifellos&amp;quot;, sagte er zu ihr, &amp;quot;hat dich Mutter Natur mit friedlicher Miene, hohem Nacken, glänzendem Fell, kräftigem Fuß und schönem Ebenmaß geschaffen, nur eines fehlt der vollkommenen Schönheit, daß du kein Gehörn hast. Gewiß dürfte dem schwachen Geschlecht eine so prächtige und der Sicherheit dienende Ausrüstung nicht fehlen, zumal sie sogar der Kuh zugestanden wurde. Oder aber die Natur hat neidlos der Geschicklichkeit Spielraum gegeben. Der Affe ist allerdings mit einer zusätzlichen Geschicklichkeit ausgestattet, Gold und Silber werden durch Meisterschaft geglättet. Wenn du also durch ein Gehörn vollkommen werden willst, höre auf meine Ermahnung und folge meiner Führung, da ich dich zu einem schon erprobten Meister lenken will!&amp;quot; Jene aber folgte dem Lügner nicht so sehr aus weiblichem Leichtsinn, sondern weil sie das Gehörn haben wollte. Doch durch ein gütiges Schicksal kam ihr, die durch die List geblendet war, ein Hirsch entgegen, der über seine Gefährtin verwundert sagte: &amp;quot;Wohin folgst du diesem Fuchsschwanz?&amp;quot; Die Hirschkuh antwortete ihm: &amp;quot;Ich bin mit diesem Führer unterwegs zum Bären, damit ich mich wie auch du eines Gehörns erfreuen kann. Oder willst allein du dich mit männlichem Stolz zeigen?&amp;quot; Aus Mitleid mit seiner Freundin verwandte darauf der schlaue Hirsch, der den Hochmut und die List beider erkannte, seine ganze Kraft darauf, sie eindringlich zu ermahnen, und sagte: &amp;quot;Der Bär hat doch wegen Hörnern das kleine Ohr kampflos hergegeben. Gib acht, daß du nicht, was noch schlimmer wäre, Fell und Leben verlierst! Als der Bär nämlich vom Wolf gefragt wurde, warum er sein Gesicht so gesenkt halte, antwortete er: &amp;quot;Weil ich einen schwachen Kopf habe.&amp;quot; Der Wolf sagte zu ihm: &amp;quot;Statte ihn mit Hörnern aus, mit diesen hat doch die Natur den Kopf der Rinder versehen. Geh zum Menschen, der diese Kunst beherrscht, und er wird sie dir aufsetzen.&amp;quot; Sowie er ihn gefunden hatte, sagte der Meister: &amp;quot;Zahle für die Arbeit! Ich will das, was dir nicht schaden kann, wenn du es hergibst. Wenn ich eine Pfote verlangen würde, würdest du sie mir nicht geben. Gib mir die Ohren, das schadet dir nicht!&amp;quot; Mit dessen Einwilligung schnitt er sie ab und, als er einen Hammer brachte, um seinen Schädel zu durchbohren, hörte er ihn sagen: &amp;quot;Bin ich denn ein Dummkopf, daß du mir den Kopf durchbohren willst?&amp;quot; Er sagte: &amp;quot;Anders können dir die Hörner nicht verpaßt werden.&amp;quot; Da sagte der Bär, dem die Ohren abgeschnitten worden waren: &amp;quot;Wer Hörner haben will, ist wirklich ein Dummkopf. Er verliert nämlich, wie ich jetzt sehe, das Hauptmerkmal der Unterscheidung und kampflos die Ohren.&amp;quot; Und so ging er ohne Ohren und ohne Hörner mit Spott beladen davon. - Weißt du etwa nicht, daß, wenn der Mond seine Hörner verliert, er ohne Licht ist und daß das mit Hörnern versehene Gesicht des Moses der Faszination des freien Anblicks gerade durch die Verhüllung beraubt war? Die Kuh ist allerdings der Hörner wegen an den Pflug gefesselt und der Ochse wird gewöhnlich wie ein Sklave wegen der Hörner unablässig unter dem harten Joch geführt. Bemerkst du nicht, daß keinem Himmlischen außer der Trapota die Last eines Horns auferlegt ist? Nir wir Erdenbewohner sind damit beschwert. Deshalb brenne auch ich innerlich durch den Trank der Schlange, damit ich das Horn als alte Last abwerfen kann. Was noch: Das wilde tierische Wesen zeigt sich allgemein entweder durch das Horn oder den Schwanz. Lege deshalb deinen Hochmut ab und fliehe das Horn, damit dich nicht der Bär mit seiner schrecklichen Kralle zerreißt!&amp;quot; Als die Hirschkuh dis eingesehen hatte, schickte sie sofort den Fuchs weg und folgte dem Hirsch.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutsche Versionen==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. II, 11 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Dyse geleichnusz ist wider dye begir der wirdigkeyt&amp;amp;middot;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das&amp;amp;middot; XI&amp;amp;middot; Capitel&amp;amp;middot;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
AIn hungeriger pere lage vast v(er)borgen in seinem luoge und spoehet vaßte mit scharpffem sehen wie im ein raub moecht wyderfaren der seinem schlunde zuo heyl kaem&amp;amp;middot; Und da ein fuchß ein maister betruecklicher list de(n) unguetigen mit guetikeit zehilf wolte kommen das im grosses hungers qual etwen vil gesenfteret würd dem widerfuor ein hündt&amp;amp;middot; die in dem wald allein was an irer wayde die bestuond er mit alter meisterschaft&amp;amp;middot; und huob zuo reden mit ir an ob sy mit listikeyt de(n) pern für sein luoge moecht bri(n)gen&amp;amp;middot; und sprach also&amp;amp;middot; Fürware mich kan nit verwundern wye dich dein muotter die natur mitt lieblichem antlücz / mit aufgerecktem halß / mit schoengestrichener haut / mit schnaelle(m) lauf / mit wolgefuegter lidmaß aller deiner gelider hat loblich un(d) preyßlich geschaffen&amp;amp;middot; Nun&amp;lt;ref&amp;gt;Wohl ein Druckfehler: nur.&amp;lt;/ref&amp;gt; ein gepraeßten liget deiner natürlichen volkommenheit noch auß das Du nit preißlich und zierlich gehürnet bist als billich waer&amp;amp;middot; Seyder doch die hirchsse(n) deiner schlacht in hohem preiß gehürnet seind Und die ungestalten kue seynd mit horen geziert unnd gewafnot das sy des sicher seind aber doch so moecht das vil wol seyn das die natur on allen neyd der hochkunstreichen maisterschafte etwas an dir zuo würcken het verlassen / Wann du sihest wol wie der ungestalt Aff vo(n) natur hinden und vornen mit maisterschaft beklaidet un(d) geziert wirt Auch werde(n) silber und gold un(d) edel gestain mit maisterschafft gepoliert und durchfein&amp;amp;middot; wiltu nun der gehürneten zier gepreyset und volkommen werden so hoer mein ler un(d) volg mir nach / wann ich dich zuo eym pern d(er) ei(n) bewaerter maister in den künste(n) ist nach ei(n) kurczen weg pringe Nu(n) wz die hünt d(er) horn begirig die begrif on als bedencke(n) leibes muotes unstaetikeit&amp;amp;middot; un(d) volgt de(m) lug prediger nach&amp;amp;middot; Nun fuegett es sich do der betrogen hünden zuo heyl das ir ein freyer hirchße an dem weg engegen drabet de(n) verwundert so ungeleicher gesellschaft&amp;amp;middot; Der sprach czuo seiner genossen Sag mir du betrogen wo lait dich der füchsisch schwa(n)cze hin oder wem volgest du nach&amp;amp;middot; Do sprach die hünt auß freyem muot&amp;amp;middot; Ich will mit im zuo eine(m) pern geen / der ist so gar ein maister das er das an mir würcken kan das ich so hoch gehürnett wird als du&amp;amp;middot; Und alls du dych der deinen freüest / also wird auch ich erfreüt&amp;amp;middot; Oder sag mir mainestu allein in unser schlacht gehürneter prangen als ein hochtragender man / wes soellen dan(n) die weib entgelten den soelliches gefert auch zymlich ist&amp;amp;middot; Die wyderred der hündin pracht de(m) hirchsen ain getreües mitleide(n) des das sy bis in den tode betrogen was / wa(n)n er was des pern un(d) des fuchß gevaerlichen listigkeit ee geinnert / und leget ganczen fleiß darzuo wie er die begirigen soellicher wirdikeit underweißt und bewaret das sy dem frayßsamen pern icht zuo handen kaem und sprach also zuo ir&amp;amp;middot; Wayßtu nit das der wuetend per sein ore(n) verlorn hat / darumb das er begeret wie er vest gehürnet würde zuo der kraft die er in natürlycher aigenschaft enpfangen het Nun moecht sich das gar leycht fuegen das du in der begir der gehürneten wirdikeit leib und leben on alle hilf verlurest&amp;amp;middot; Hoere und laß dich weysen wie d(er) per zuo einen zeiten von dem wolf gefraget ward warumbe im das peürisch antlücz vast undersich zuo der erden hieng&amp;amp;middot; Do sprach d(er) per&amp;amp;middot; das würckt an mir kranckheit des haubts das mir gar suchtig ist&amp;amp;middot; do sprach der wolf / laß dir horen gar vestiklich darane seczen / wann dye Ochssen seind mit hoerner vast gewapnot / darumb so suoch dir einen buoch arczet der schoene horn machen ka(n) der hilft dir zuo einem zyerlichen gehürn&amp;amp;middot; Do ein maister soellichs erfunden ward der sprach zuo de(m) krancken des haubts&amp;amp;middot; Schoepff ein lon der pillich sey soellich meisterschaft zuo widerwege(n) ob du hoerliche horn auf einem gesunden haubt gewunnest&amp;amp;middot; Do sprach der per&amp;amp;middot; Ich gib dir meyner gelider weliches du voderst des ich doch nichtt gar czuo grossem schaeden naem&amp;amp;middot; Do sprach d(er) mayster baet ich dich unnd vodert an dich die klaue(n) des tuo ich nit we(n)n daz kaem dir zuo grossem un(d) merckliche(m) schaden&amp;amp;middot; Gib mir die ore(n) der bedarfest du nit und nymst ir keinen schaden&amp;amp;middot; Das taet d(er) per mit willen und mit freüden Un(d) ließ im de(m)&amp;lt;ref&amp;gt;Ein Druckfehler: der?&amp;lt;/ref&amp;gt; O maister beyde orn abschneide(n) / darumb das er im machte zway veste horen&amp;amp;middot; Doch sich nun daz vergangen het da nam der maister ein scharpffen naepper un(d) ein hamer das er im mit dem naeper das haubt durchporete und die horn mit dem hamer gar veste darinn vernuetett Do des d(er) per geinnert ward da sprach er gar trauriklich&amp;amp;middot; ich habe beyde orn v(er)lorn des hat mych meiner tu(m)mer syn verlaytet&amp;amp;middot; Nu(n) waer ich vil ein groesser thor und ließ ich mir das haubt durchporn daru(m)b das ich gehürnet würde&amp;amp;middot; Do sprach der maister&amp;amp;middot; Du mueßt das leiden wilt du gehürnet sein wol / damit ward d(er) Per seiner oren bezalt&amp;amp;middot; Darbey merck mein liebe schwester wz du tuest / od(er) wo du hi(n)geest / wa(n)n die würde d(er) du begerst braechtt dich on allen zweifel vom leben in den tod / od(er) waistu nit wenn d(er) mon gehürnet ist so ist er auch des liechtes laer / und ist auch keiner der himlischen planeten gehürnet dann d(er) Mon so er des liechtes beraubet ist&amp;amp;middot; Auch warde das gehürnet antlücz Moysi / lieplicher sueß und lustiges ansehens gancz beraubt / wann dye juden mochten in nit ansehen da er von dem berg gienge die weile und er gehürneter mit seinez antlücz erschein&amp;amp;middot; Od(er) waystu mit das die kue mit den hoernern zuo dem tod gezogen werden unnd gehalten&amp;amp;middot; und der ochs des pfluoges knecht wirt mit de(n) hoernern an das joch gebunden darunder er gar schwaere purde taeglicher arbeit muoß trage(n)&amp;amp;middot; Auch soltest du des pillich glert sei(n) wie uns die wilde(n) thier die hoerner überladen und zuo der erden naygen / Und werden auch dick und &lt;br /&gt;
oft damit in den tod verflochte(n) un(d) verstrickt&amp;amp;middot; Waystu nit von mir wa(n)n die horn mit irer groeß all zesere beschwaeren das ich nach ler der natur mich selber inwendiges anzünde mit einer güfftigen schlange(n) die ich in mich zeühe / wa(n)n die würckt das an mir das mir die oren reysen und vo(n) dem haubt vallen&amp;amp;middot; Wz mag ich dir mer sagen dann das gemeyne zaichen eins thierische(n) gefertes vor allen zaichen gehürn un(d) la(n)g schwaencz seind&amp;amp;middot; Do des die hündt underweyset ward Do verließ sy den listigen fuchß un(d) volget dem trüen irem ratgeber dem hirchssen nach&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Miniaturen und gedruckte Bilder==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Bär,_Fuchs_und_Hirschkuh_(Cgm_254,_32r).png|200px|thumb|left|Bär, Fuchs und Hirschkuh (Cgm 254, 32r)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Datei:Bär,_Fuchs_und_Hirschkuh_(Cgm_340,_35v).png|200px|thumb|left|Bär, Fuchs und Hirschkuh (Cgm 340, 35v)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Datei:Bär,_Fuchs_und_Hirschkuh_(Cgm_9602,_37r).jpg|200px|thumb|left|Bär, Fuchs und Hirschkuh (Cgm 9602, 37r)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Datei:Bär,_Fuchs_und_Hirschkuh_(Mgf_459,_89v).png|200px|thumb|left|Bär, Fuchs und Hirschkuh (Mgf 459, 89v)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Datei:Bär, Fuchs und Hirschkuh (MS 653, 209r).jpg|200px|thumb|left|Bär, Fuchs und Hirschkuh (MS 653, 209r)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Datei:Bär, Fuchs und Hirschkuh (MS Egerton 1121, 56r).png|200px|thumb|left|Bär, Fuchs und Hirschkuh (MS Egerton 1121, 56r)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Datei:Bär,_Fuchs_und_Hirschkuh_(Druck_1490,_40r).jpg|200px|thumb|left|Bär, Fuchs und Hirschkuh (Druck 1490, 40r)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Fuchs und Hindin (Druck 1571, 140r).png|200px|thumb|left|Fuchs und Hindin (Druck 1571, 140r)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verwandte Erzählstoffe==&lt;br /&gt;
===[[Bär, Wolf und Mensch (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
Der Bär will sich auf Anraten des Wolfes von einem Menschen Hörner aufsetzen lassen und muss dafür mit dem Verlust seiner Ohren bezahlen. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 52)&lt;br /&gt;
===[[Unzufriedener Hase (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
Der unzufriedene Hase klagt Gott seine Wehrlosigkeit und erhält das erbetene Hirschgeweih; das Gewicht des Geweihs hindert ihn nun aber an der Flucht. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 295f.)&lt;br /&gt;
===[[Kamel und Jupiter (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
Das Kamel bittet Jupiter, ihm wie den Ochsen Hörner zu geben; zur Strafe für diese Unzufriedenheit mit seiner natürlichen Ausstattung nimmt ihm Jupiter auch noch die Ohren. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 383)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Quelle Fabel]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=B%C3%A4r,_Fuchs_und_Hirschkuh_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20308</id>
		<title>Bär, Fuchs und Hirschkuh (Erzählstoff)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=B%C3%A4r,_Fuchs_und_Hirschkuh_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20308"/>
		<updated>2021-12-10T20:23:13Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: /* Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein), Nr. II, 11 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490) */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
| namen              = Bär, Fuchs und Hirschkuh; Fuchs und Hindin&amp;lt;!--Möglichst alle Bezeichnungen des Stoffs, die in der Forschung gebräuchlich waren bzw. sind, in alphabetischer Reihenfolge, abgetrennt mit &amp;quot;;&amp;quot;--&amp;gt;&lt;br /&gt;
| regest             = Um dem hungrigen Bären Beute zu verschaffen, redet der Fuchs der Hirschkuh den Wunsch nach Hörnern ein, die der Bär anbringen könne; der Hirsch bringt die Hirschkuh von ihrem Wunsch ab. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 51)&amp;lt;!--Kurzzusammenfassung des Erzählstoffs--&amp;gt;&lt;br /&gt;
| fassungen          = [[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. II, 11&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. II, 11&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 38&amp;lt;!--Möglichst alle Fassungen des Erzählstoffs. Bei Einzelwerken in [[Kurzzitationen]], bei Fassungen im Rahmen größerer Werke in [[Kurzzitationen]], Nr. XX, bei anonymen Handschriften und Drucken nach dem Muster: Ort, Bibliothek: Signatur, abgetrennt mit &amp;quot;&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;quot;--&amp;gt;&lt;br /&gt;
| forschung          = [[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 51; [[Günthart, Romy (Hg.): Sebastian Münster, Spiegel der wyßheit]], Band 2, S. 68&amp;lt;!--Forschungstexte zum Erzählstoff (s. Bibliographie Forschung Kleinepik), ggf. mit Seitenangaben, abgetrennt mit &amp;quot;;&amp;quot;--&amp;gt;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Die Fabel enthält als Binnenerzählung des Hirschen auch die Fabel [[Bär, Wolf und Mensch (Erzählstoff)|Bär, Wolf und Mensch]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lateinische Version (Cyrillus, Nr. I, 11), 1. Hälfte 14. Jhd. ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die deutsche Tradition baut auf einer lateinischen Quelle auf (Cyrillus, Nr. II, 11 ([https://archive.org/details/diebeidenltesten00grss/page/46/mode/2up Grässe, Johann Georg Theodor (Hg.): Die beiden ältesten lateinischen Fabelbücher des Mittelalters.] Tübingen 1880, S. 46-48)). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 102-104.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Übersetzung&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 103-105.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Contra appetitum dignitatis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Latitanti urso famelico, ut praedam aliquam deglutiret, magistra fallaciae vulpes, pia impio subvenire cum putat, ad eum cervam solivagam arte doli sic conabatur afferre. &amp;quot;Nimirum&amp;quot;, inquit, &amp;quot;vultu placidam, cervice altam, pelle politam, pede validam, proportione decoram parens te formavit natura, unum tantum perfectae venustati minus est, quia cornibus cares! Neque enim certe infirmo sexui tam superba et tuta debuit armatura deesse, maxime cum eam concesserit simul vaccae. Aut forte livoris nescia quaedam reliquit arti natura. Simia quidem suppletiva arte induitur et magisterio aurum et argentum politur. Si vis ergo perfici cornu, audi monitum et imitare ductum, quoniam ad magistrum te dirigam iam expertum.&amp;quot; At illa non tam mobilitate feminea quam volens cornu sequebatur mendacem, sed pia sorte dolo captae fuit obvius cervus, qui miratus de socia dixit: &amp;quot;Quo vulpinam sequeris caudam?&amp;quot; Cui cerva: &amp;quot;Quippe tanto duce ad ursum tendo, ut sicut et tu cornibus gaudeam: An solus apparere vis superbia masculina?&amp;quot; Ad hoc ille astutus utriusque sentiens fastum et dolum, amicae compassus totum suum fundit nisum exhortatu dixitque: &amp;quot;Nempe propter cornua ursus dedit quiete virtutis auriculam. Cave, ne tu deterius amittas pellem et vitam! Ursus namque interrogatus a lupo, ut quid faciem pronam ferret, respondit: &amp;quot;Quia habeo debile caput.&amp;quot; Cui lupus ait: &amp;quot;Muni ipsum cornibus, his ergo caput armavit natura bovinum. Vade ad hominem arte dotatum et ponet.&amp;quot; Quo invento magister ait: &amp;quot;Solve pro labore, volo hoc, quod dare non noceat; si brancham peterem, non dares. Da mihi aures et nil tibi nocet!&amp;quot; Quo volente scidit eas et ferens malleum, ut perforaret cranium eius, audivit: &amp;quot;Fatuusne sum, ut perfores mihi caput?&amp;quot; Qui ait: &amp;quot;Aliter tibi cornua non ponuntur.&amp;quot; Tunc ursus abbreviatis auribus inquit: &amp;quot;Bene enim fatuus qui cornua cupit. Perdit enim, ut video, caput discretionis et aures quiete virtutis.&amp;quot; Et sic abscissis auribus sine cornibus abiit illusus. An ignores, quod, dum amittit cornua luna, fit lumine vacua et cornuta Moysi facies contuitus liberi dulcedine et velamento est privata? Illaqueatur quidem vacca per cornua aratro et bos servus sub duro iugo assidue duci solet per cornua. Non attendis, quod nulli caelestium praeter trapotam cornu pondus apponitur? Sed eo dumtaxat nos terreni gravamur. Quamobrem et ego serpentis haustu comburor interius, ut possim vetustatis pondus deponere cornu. Quid plura? Bestialitas quidem communis ostenditur aut cornu aut cauda. Depone igitur fastum et fuge cornu, ne dira te laniet ungula ursus. Quibus intellectis mox dimissa vulpe secuta est cervum.&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Gegen das Verlangen nach würdevoller Pracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Fuchs, ein Meister im Täuschen, versuchte einem hungrigen Bären, der sich versteckt hielt, um eine Beute zu verschlingen, eine allein umherstreifende Hirschkuh mit listigem Trick folgendermaßen zuzuführen, wobei er pflichtbewußt dem Bösen zu helfen glaubte. &amp;quot;Zweifellos&amp;quot;, sagte er zu ihr, &amp;quot;hat dich Mutter Natur mit friedlicher Miene, hohem Nacken, glänzendem Fell, kräftigem Fuß und schönem Ebenmaß geschaffen, nur eines fehlt der vollkommenen Schönheit, daß du kein Gehörn hast. Gewiß dürfte dem schwachen Geschlecht eine so prächtige und der Sicherheit dienende Ausrüstung nicht fehlen, zumal sie sogar der Kuh zugestanden wurde. Oder aber die Natur hat neidlos der Geschicklichkeit Spielraum gegeben. Der Affe ist allerdings mit einer zusätzlichen Geschicklichkeit ausgestattet, Gold und Silber werden durch Meisterschaft geglättet. Wenn du also durch ein Gehörn vollkommen werden willst, höre auf meine Ermahnung und folge meiner Führung, da ich dich zu einem schon erprobten Meister lenken will!&amp;quot; Jene aber folgte dem Lügner nicht so sehr aus weiblichem Leichtsinn, sondern weil sie das Gehörn haben wollte. Doch durch ein gütiges Schicksal kam ihr, die durch die List geblendet war, ein Hirsch entgegen, der über seine Gefährtin verwundert sagte: &amp;quot;Wohin folgst du diesem Fuchsschwanz?&amp;quot; Die Hirschkuh antwortete ihm: &amp;quot;Ich bin mit diesem Führer unterwegs zum Bären, damit ich mich wie auch du eines Gehörns erfreuen kann. Oder willst allein du dich mit männlichem Stolz zeigen?&amp;quot; Aus Mitleid mit seiner Freundin verwandte darauf der schlaue Hirsch, der den Hochmut und die List beider erkannte, seine ganze Kraft darauf, sie eindringlich zu ermahnen, und sagte: &amp;quot;Der Bär hat doch wegen Hörnern das kleine Ohr kampflos hergegeben. Gib acht, daß du nicht, was noch schlimmer wäre, Fell und Leben verlierst! Als der Bär nämlich vom Wolf gefragt wurde, warum er sein Gesicht so gesenkt halte, antwortete er: &amp;quot;Weil ich einen schwachen Kopf habe.&amp;quot; Der Wolf sagte zu ihm: &amp;quot;Statte ihn mit Hörnern aus, mit diesen hat doch die Natur den Kopf der Rinder versehen. Geh zum Menschen, der diese Kunst beherrscht, und er wird sie dir aufsetzen.&amp;quot; Sowie er ihn gefunden hatte, sagte der Meister: &amp;quot;Zahle für die Arbeit! Ich will das, was dir nicht schaden kann, wenn du es hergibst. Wenn ich eine Pfote verlangen würde, würdest du sie mir nicht geben. Gib mir die Ohren, das schadet dir nicht!&amp;quot; Mit dessen Einwilligung schnitt er sie ab und, als er einen Hammer brachte, um seinen Schädel zu durchbohren, hörte er ihn sagen: &amp;quot;Bin ich denn ein Dummkopf, daß du mir den Kopf durchbohren willst?&amp;quot; Er sagte: &amp;quot;Anders können dir die Hörner nicht verpaßt werden.&amp;quot; Da sagte der Bär, dem die Ohren abgeschnitten worden waren: &amp;quot;Wer Hörner haben will, ist wirklich ein Dummkopf. Er verliert nämlich, wie ich jetzt sehe, das Hauptmerkmal der Unterscheidung und kampflos die Ohren.&amp;quot; Und so ging er ohne Ohren und ohne Hörner mit Spott beladen davon. - Weißt du etwa nicht, daß, wenn der Mond seine Hörner verliert, er ohne Licht ist und daß das mit Hörnern versehene Gesicht des Moses der Faszination des freien Anblicks gerade durch die Verhüllung beraubt war? Die Kuh ist allerdings der Hörner wegen an den Pflug gefesselt und der Ochse wird gewöhnlich wie ein Sklave wegen der Hörner unablässig unter dem harten Joch geführt. Bemerkst du nicht, daß keinem Himmlischen außer der Trapota die Last eines Horns auferlegt ist? Nir wir Erdenbewohner sind damit beschwert. Deshalb brenne auch ich innerlich durch den Trank der Schlange, damit ich das Horn als alte Last abwerfen kann. Was noch: Das wilde tierische Wesen zeigt sich allgemein entweder durch das Horn oder den Schwanz. Lege deshalb deinen Hochmut ab und fliehe das Horn, damit dich nicht der Bär mit seiner schrecklichen Kralle zerreißt!&amp;quot; Als die Hirschkuh dis eingesehen hatte, schickte sie sofort den Fuchs weg und folgte dem Hirsch.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutsche Versionen==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. II, 11 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Dyse geleichnusz ist wider dye begir der wirdigkeyt&amp;amp;middot;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das&amp;amp;middot; XI&amp;amp;middot; Capitel&amp;amp;middot;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
AIn hungeriger pere lage vast v(er)borgen in seinem luoge und spoehet vaßte mit scharpffem sehen wie im ein raub moecht wyderfaren der seinem schlunde zuo heyl kaem&amp;amp;middot; Und da ein fuchß ein maister betruecklicher list de(n) unguetigen mit guetikeit zehilf wolte kommen das im grosses hungers qual etwen vil gesenfteret würd dem widerfuor ein hündt&amp;amp;middot; die in dem wald allein was an irer wayde die bestuond er mit alter meisterschaft&amp;amp;middot; und huob zuo reden mit ir an ob sy mit listikeyt de(n) pern für sein luoge moecht bri(n)gen&amp;amp;middot; und sprach also&amp;amp;middot; Fürware mich kan nit verwundern wye dich dein muotter die natur mitt lieblichem antlücz / mit aufgerecktem halß / mit schoengestrichener haut / mit schnaelle(m) lauf / mit wolgefuegter lidmaß aller deiner gelider hat loblich un(d) preyßlich geschaffen&amp;amp;middot; Nun ein gepraeßten liget deiner natürlichen volkommenheit noch auß das Du nit preißlich und zierlich gehürnet bist als billich waer&amp;amp;middot; Seyder doch die hirchsse(n) deiner schlacht in hohem preiß gehürnet seind Und die ungestalten kue seynd mit horen geziert unnd gewafnot das sy des sicher seind aber doch so moecht das vil wol seyn das die natur on allen neyd der hochkunstreichen maisterschafte etwas an dir zuo würcken het verlassen / Wann du sihest wol wie der ungestalt Aff vo(n) natur hinden und vornen mit maisterschaft beklaidet un(d) geziert wirt Auch werde(n) silber und gold un(d) edel gestain mit maisterschafft gepoliert und durchfein&amp;amp;middot; wiltu nun der gehürneten zier gepreyset und volkommen werden so hoer mein ler un(d) volg mir nach / wann ich dich zuo eym pern d(er) ei(n) bewaerter maister in den künste(n) ist nach ei(n) kurczen weg pringe Nu(n) wz die hünt d(er) horn begirig die begrif on als bedencke(n) leibes muotes unstaetikeit&amp;amp;middot; un(d) volgt de(m) lug prediger nach&amp;amp;middot; Nun fuegett es sich do der betrogen hünden zuo heyl das ir ein freyer hirchße an dem weg engegen drabet de(n) verwundert so ungeleicher gesellschaft&amp;amp;middot; Der sprach czuo seiner genossen Sag mir du betrogen wo lait dich der füchsisch schwa(n)cze hin oder wem volgest du nach&amp;amp;middot; Do sprach die hünt auß freyem muot&amp;amp;middot; Ich will mit im zuo eine(m) pern geen / der ist so gar ein maister das er das an mir würcken kan das ich so hoch gehürnett wird als du&amp;amp;middot; Und alls du dych der deinen freüest / also wird auch ich erfreüt&amp;amp;middot; Oder sag mir mainestu allein in unser schlacht gehürneter prangen als ein hochtragender man / wes soellen dan(n) die weib entgelten den soelliches gefert auch zymlich ist&amp;amp;middot; Die wyderred der hündin pracht de(m) hirchsen ain getreües mitleide(n) des das sy bis in den tode betrogen was / wa(n)n er was des pern un(d) des fuchß gevaerlichen listigkeit ee geinnert / und leget ganczen fleiß darzuo wie er die begirigen soellicher wirdikeit underweißt und bewaret das sy dem frayßsamen pern icht zuo handen kaem und sprach also zuo ir&amp;amp;middot; Wayßtu nit das der wuetend per sein ore(n) verlorn hat / darumb das er begeret wie er vest gehürnet würde zuo der kraft die er in natürlycher aigenschaft enpfangen het Nun moecht sich das gar leycht fuegen das du in der begir der gehürneten wirdikeit leib und leben on alle hilf verlurest&amp;amp;middot; Hoere und laß dich weysen wie d(er) per zuo einen zeiten von dem wolf gefraget ward warumbe im das peürisch antlücz vast undersich zuo der erden hieng&amp;amp;middot; Do sprach d(er) per&amp;amp;middot; das würckt an mir kranckheit des haubts das mir gar suchtig ist&amp;amp;middot; do sprach der wolf / laß dir horen gar vestiklich darane seczen / wann dye Ochssen seind mit hoerner vast gewapnot / darumb so suoch dir einen buoch arczet der schoene horn machen ka(n) der hilft dir zuo einem zyerlichen gehürn&amp;amp;middot; Do ein maister soellichs erfunden ward der sprach zuo de(m) krancken des haubts&amp;amp;middot; Schoepff ein lon der pillich sey soellich meisterschaft zuo widerwege(n) ob du hoerliche horn auf einem gesunden haubt gewunnest&amp;amp;middot; Do sprach der per&amp;amp;middot; Ich gib dir meyner gelider weliches du voderst des ich doch nichtt gar czuo grossem schaeden naem&amp;amp;middot; Do sprach d(er) mayster baet ich dich unnd vodert an dich die klaue(n) des tuo ich nit we(n)n daz kaem dir zuo grossem un(d) merckliche(m) schaden&amp;amp;middot; Gib mir die ore(n) der bedarfest du nit und nymst ir keinen schaden&amp;amp;middot; Das taet d(er) per mit willen und mit freüden Un(d) ließ im de(m) maister beyde orn abschneide(n) / darumb das er im machte zway veste horen&amp;amp;middot; Doch sich nun daz vergangen het da nam der maister ein scharpffen naepper un(d) ein hamer das er im mit dem naeper das haubt durchporete und die horn mit dem hamer gar veste darinn vernuetett Do des d(er) per geinnert ward da sprach er gar trauriklich&amp;amp;middot; ich habe beyde orn v(er)lorn des hat mych meiner tu(m)mer syn verlaytet&amp;amp;middot; Nu(n) waer ich vil ein groesser thor und ließ ich mir das haubt durchporn daru(m)b das ich gehürnet würde&amp;amp;middot; Do sprach der maister&amp;amp;middot; Du mueßt das leiden wilt du gehürnet sein wol / damit ward d(er) Per seiner oren bezalt&amp;amp;middot; Darbey merck mein liebe schwester wz du tuest / od(er) wo du hi(n)geest / wa(n)n die würde d(er) du begerst braechtt dich on allen zweifel vom leben in den tod / od(er) waistu nit wenn d(er) mon gehürnet ist so ist er auch des liechtes laer / und ist auch keiner der himlischen planeten gehürnet dann d(er) Mon so er des liechtes beraubet ist&amp;amp;middot; Auch warde das gehürnet antlücz Moysi / lieplicher sueß und lustiges ansehens gancz beraubt / wann dye juden mochten in nit ansehen da er von dem berg gienge die weile und er gehürneter mit seinez antlücz erschein&amp;amp;middot; Od(er) waystu mit das die kue mit den hoernern zuo dem tod gezogen werden unnd gehalten&amp;amp;middot; und der ochs des pfluoges knecht wirt mit de(n) hoernern an das joch gebunden darunder er gar schwaere purde taeglicher arbeit muoß trage(n)&amp;amp;middot; Auch soltest du des pillich glert sei(n) wie uns die wilde(n) thier die hoerner überladen und zuo der erden naygen / Und werden auch dick und &lt;br /&gt;
oft damit in den tod verflochte(n) un(d) verstrickt&amp;amp;middot; Waystu nit von mir wa(n)n die horn mit irer groeß all zesere beschwaeren das ich nach ler der natur mich selber inwendiges anzünde mit einer güfftigen schlange(n) die ich in mich zeühe / wa(n)n die würckt das an mir das mir die oren reysen und vo(n) dem haubt vallen&amp;amp;middot; Wz mag ich dir mer sagen dann das gemeyne zaichen eins thierische(n) gefertes vor allen zaichen gehürn un(d) la(n)g schwaencz seind&amp;amp;middot; Do des die hündt underweyset ward Do verließ sy den listigen fuchß un(d) volget dem trüen irem ratgeber dem hirchssen nach&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Miniaturen und gedruckte Bilder==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Bär,_Fuchs_und_Hirschkuh_(Cgm_254,_32r).png|200px|thumb|left|Bär, Fuchs und Hirschkuh (Cgm 254, 32r)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Datei:Bär,_Fuchs_und_Hirschkuh_(Cgm_340,_35v).png|200px|thumb|left|Bär, Fuchs und Hirschkuh (Cgm 340, 35v)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Datei:Bär,_Fuchs_und_Hirschkuh_(Cgm_9602,_37r).jpg|200px|thumb|left|Bär, Fuchs und Hirschkuh (Cgm 9602, 37r)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Datei:Bär,_Fuchs_und_Hirschkuh_(Mgf_459,_89v).png|200px|thumb|left|Bär, Fuchs und Hirschkuh (Mgf 459, 89v)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Datei:Bär, Fuchs und Hirschkuh (MS 653, 209r).jpg|200px|thumb|left|Bär, Fuchs und Hirschkuh (MS 653, 209r)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Datei:Bär, Fuchs und Hirschkuh (MS Egerton 1121, 56r).png|200px|thumb|left|Bär, Fuchs und Hirschkuh (MS Egerton 1121, 56r)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Datei:Bär,_Fuchs_und_Hirschkuh_(Druck_1490,_40r).jpg|200px|thumb|left|Bär, Fuchs und Hirschkuh (Druck 1490, 40r)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Fuchs und Hindin (Druck 1571, 140r).png|200px|thumb|left|Fuchs und Hindin (Druck 1571, 140r)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verwandte Erzählstoffe==&lt;br /&gt;
===[[Bär, Wolf und Mensch (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
Der Bär will sich auf Anraten des Wolfes von einem Menschen Hörner aufsetzen lassen und muss dafür mit dem Verlust seiner Ohren bezahlen. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 52)&lt;br /&gt;
===[[Unzufriedener Hase (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
Der unzufriedene Hase klagt Gott seine Wehrlosigkeit und erhält das erbetene Hirschgeweih; das Gewicht des Geweihs hindert ihn nun aber an der Flucht. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 295f.)&lt;br /&gt;
===[[Kamel und Jupiter (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
Das Kamel bittet Jupiter, ihm wie den Ochsen Hörner zu geben; zur Strafe für diese Unzufriedenheit mit seiner natürlichen Ausstattung nimmt ihm Jupiter auch noch die Ohren. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 383)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Quelle Fabel]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Affe_und_Spielmann_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20307</id>
		<title>Affe und Spielmann (Erzählstoff)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Affe_und_Spielmann_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20307"/>
		<updated>2021-12-10T19:50:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: /* Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein), Nr. III, 12 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490) */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
| namen              = Affe und Spielmann&amp;lt;!--Möglichst alle Bezeichnungen des Stoffs, die in der Forschung gebräuchlich waren bzw. sind, in alphabetischer Reihenfolge, abgetrennt mit &amp;quot;;&amp;quot;--&amp;gt;&lt;br /&gt;
| regest             =  Der sich seiner Blöße schämende Affe erhält vom Spielmann die gewünschten Kleider, wird dafür aber angekettet und abgerichtet. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 32)&amp;lt;!--Kurzzusammenfassung des Erzählstoffs--&amp;gt;&lt;br /&gt;
| fassungen          = [[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. III, 12&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. III, 12&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 69&amp;lt;!--Möglichst alle Fassungen des Erzählstoffs. Bei Einzelwerken in [[Kurzzitationen]], bei Fassungen im Rahmen größerer Werke in [[Kurzzitationen]], Nr. XX, bei anonymen Handschriften und Drucken nach dem Muster: Ort, Bibliothek: Signatur, abgetrennt mit &amp;quot;&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;quot;--&amp;gt;&lt;br /&gt;
| forschung          = [[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 32f.; [[Günthart, Romy (Hg.): Sebastian Münster, Spiegel der wyßheit]], Band 2, S. 106-108&amp;lt;!--Forschungstexte zum Erzählstoff (s. Bibliographie Forschung Kleinepik), ggf. mit Seitenangaben, abgetrennt mit &amp;quot;;&amp;quot;--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Lateinische Version (Cyrillus, Nr. III, 12), 1. Hälfte 14. Jhd. ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die deutsche Tradition baut auf einer lateinischen Quelle auf (Cyrillus, Nr. III, 12 ([https://archive.org/details/diebeidenltesten00grss/page/86/mode/2up Grässe, Johann Georg Theodor (Hg.): Die beiden ältesten lateinischen Fabelbücher des Mittelalters.] Tübingen 1880, S. 87-89)). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 178-182.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Übersetzung&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 179-183.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Contra eos, qui libenter suscipiunt munera.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Cupida vestis simia, confusibiliter ut polluta cooperiret pudenda, cum cerneret histrionem ioco laetum, pluribus indumentis donatum, ut ea manu prodigalitatis effunderet, mox ad eum se contulit, et parata salutatione subiunxit: &amp;quot;Nescio certe, cuius instaurationis causa, tam in beneficiis mirae largitatis profusa, caudulam pudibundae vilitatis latibulum, nulli umquam invida cum sit totius bonitatis exundantissima fontana, mihi natura non dederit, sed reliquerit nudam, unde ad opulentum inops, ad liberalem egena, audacia necessitatis accurro.&amp;quot; Cui ille, leniori lingua vestis avidam mulcens: &amp;quot;Tibi&amp;quot;, inquit, &amp;quot;haec nuditas, amica, grande bonum est, cum sis rationabilibus conformior formata, non bestialiter cum cauda, sed arte quasi homo exornata humanis gaudeas opulentiis. Nimirum latent quosdam naturae beneficia, sed his diffusis grandi liberalitatis impetu repleta sunt omnia. Attamen quod flagitas, satis gratum babens sane do atque mellis favum, quod libenter devoras, superaddo.&amp;quot; Tunc simia laetanter susceptis beneficiis grata gratias agens ac nimis magnipendens, quod tam liberaliter ultra quam petierit, habuisset, cogitavit, ut in cuncta re sibi necessaria tam gratioso largitori inseparabiliter adhaereret. Cui dixit: &amp;quot;Satis quidem mea me naturaliter ad te imitandum proprietas inclinat, sed profusa tua magis attrahit benignitas; quamobrem, amice, si dignaris, servire sum paratus.&amp;quot; Mox ille: &amp;quot;Placet&amp;quot;, inquit, &amp;quot;mibi tam gratanter donata comitiva, magis tamen et bene conveniant iocus et berta. Verum ne quando fortassis dilectam te vagabundam raperet dulce malum et male computata libertas, dilectori largiter donanti necessaria, conjunctae dilectionis et servitutis liberae adhaerebis catena.&amp;quot; Quae inconsulte iam subacta donis acceptavit et stolida grandem libertatis rem non grandi munere aut callido commercio perdidit et mercatori mox se exhibuit captivandam. Irretitam ergo, natura dispositam, ludere quantocius eruditam, cupiditatis suae ludos protinus exposuit ac suis commodis atque oblectationibus alienis miseram servire coegit. Qua nimirum interdum magistro minus correspondente, aut ut puniret defectum aut impudico ludi ludibrio magis exsequeretur effectum, ab omnibus videndam nudabat, super hoc acetoso potus haustu maestificans. Tunc quidem luce confusionis ac tribulationis fellitae antidoto prudentiae oculis simiae restitutis, cum perciperet durioris patroni nunc irae nunc avaritiae se captivatam servire, ad cor reversa digestae rei sententiam talem dicitur protulisse: &amp;quot;O subornatum deceptivae cupiditatis hamum, letiferum munus, munerum naturalium ademptivum, gravissimum obligationis pignus, stulti et sapientis commercium minimum, maximum emptionis pretium, servitutis iugum, iniquitatis fermentum, captivitatis indicium, fomentum discordiarum, subversio civilitatum omniumque seminarium malorum, amatum venenum! Non immerito certe amica veritatis, aequitatis et pacis, cunctarum virtutum socia, divina lex susceptionem munerum iudicibus interdicens inquit Exodi XXIII: Munera etiam excaecant prudentes et pervertunt verba iustorum. Plane quidem elucidans, quod haec ipsa prudentiam fugant, iustitiam dissipant, intellectualis moralisque virtutis consistentiam vastant omnemque rectitudinis vitam necant. Revera muneribus excaecatus tam admirabilis Balaam periit, muneribus iudicialis sedes domus Iacob depravata liberis Samuelis Israhel in praeiudicium cecidit. Muneribus corrupto senatu dudum florido, sicut providerat princeps, ingravata murmuratione Romana gloria transivit. Etenim cum emptis iniquo munerum pretio datoribus legum fratricida ingratissimus et nequam praedo iustificatus fuit, tunc Iustitia recessit a Roma et converso ad eam vultu clamavit et dixit: &amp;quot;O urbem venalem et matrem tradituram, si inveniret emptorem!&amp;quot; Ob quas res nimirum, qui non parvis sapientia cultum virtutibus animum possederunt, magnis eo ipso laudibus sunt dignificati, quod magnorum maxima, maximae libertatis amore, munera contempserunt. Quantis enim titulis gloriae superfertur ille Diogenes, dum calcatis opibus regiis per medias libere accipientis voluntati expositas, raptas Asiae Macedonis Alexandri gazas pauper sed virtute opulentus incessit. Ita siquidem eo locupletior maiorque splenduit, quia plus fuit hoc ipsum, quod accipere noluit, quam id, quod ille dare disposuit aut possedit. Quantis autem certe laudationibus miris morum cultor Socrates extollitur, qui cum Archelai regis satis quidem magnis petebatur muneribus honorandus, respondisse fertur, nolle se ad eum venire, a quo acciperet beneficia, cum reddere illi paria non posset. Liber quippe esse voluit, dum ante reddere quam suscipere in spreto munere cogitavit. Quantisque similiter praeconiis curialitatis Romanus approbatur Fabricius, dum quadrantiae munus viro pauperi a Pyrrho rege oblatum virtute ditissimus renuit, magis eligens honestate civis liberi quam muneribus empti regis gloriositate potiri. Qua profecto re multo magis emicuit, dum rex admiratus spectabilem virum utique semper tonante laude super solem erexit dicens: &amp;quot;Ille est Fabricius, qui difficilius ab honestate quam sol a rectitudiue sui cursus averti potest.&amp;quot; Quid plura? Certe nil carius venditur ac perdibilius sumitur quam munus cupiditate volitum ac donatum.&amp;quot; Quibus diffinitis etsi non carne, ab avaritia tamen libera mente quievit et propter munera in captivitate permansit.&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Gegen die, die gerne Geschenke erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Affe, der sich unbedingt ein Gewand wünschte, um seine beschämend schmutzige Scham zu bedecken, sah einen Schauspieler, der sich über einen Scherz freute und mit mehreren Gewändern beschenkt worden war. Er begab sich sogleich zu ihm, damit er diese mit verschwenderischer Hand austeilte, grüßte ihn und fügte hinzu: &amp;quot;Ich weiß gewiß nicht, wegen welcher Neuerung die Natur, die mit Wohltaten so großzügig und seltsam verschwenderisch und niemals gegen irgendeinen gehässig ist, da sie die überreiche Quelle alles Guten ist, mir nicht einen kleinen Schwanz als Versteck für meine beschämende Blöße gegeben, sondern mich nackt gelassen hat. Durch Not ermutigt komme ich deshalb arm zum Reichen, bedürftig zum Großzügigen.&amp;quot; Jener besänftigte ihn, der so sehr ein Gewand begehrte, mit sanfter Zunge und sagte zu ihm: &amp;quot;Diese Blöße, mein Freund, ist für dich ein großartiges Gut, weil du den Vernuftwesen ziemlich ähnlich geschaffen worden bist, nicht auf tierische Art mit einem Schwanz, sondern durch die Kunst der Natur wie ein Mensch ausgestattet dich an menschlichem Reichtum erfreust. Zweifellos sind die Wohltaten der Natur bei einigen verborgen, aber nachdem sie ausgeschüttet worden sind, ist alles von großartigem Eifer der Freigebigkeit erfüllt. Dennoch gebe ich dir, was du verlangst, weil ich tatsächlich genügend Angenehmes habe, und ich füge noch obendrein eine Wabe mit Honig dazu, den du gerne verzehrst.&amp;quot; Da dankte der Affe freudig für die erhaltenen Wohltaten und in seiner Dankbarkeit schätzte er es allzu hoch ein, daß er auf so großzügige Weise mehr als erbeten bekommen hatte, und beabsichtigte, in der ganzen für ihn notwendigen Angelegenheit dem so gnädigen Gönner untrennbar ergeben zu sein. Er sagte zu ihm: &amp;quot;Mein ganzes Wesen neigt zwar von Natur aus dazu, dich nachzuahmen, aber deine verschwenderische Großzügigkeit zieht mich noch mehr an. Wenn es dir deshalb recht ist, mein Freund, bin ich bereit, dir zu dienen.&amp;quot; Darauf sagte jener: &amp;quot;Mir gefällt eine in dankenswerter Weise geschenkte Begleitung, dennoch mögen Scherz und Affe noch mehr und gut zusammenpassen. Aber damit nicht vielleicht irgendwann ein süßes Übel und die für schlecht gehaltene Freiheit dich, den geliebten Vagabunden, entführen kann, wirst du für den Gönner, der großzügig das Notwendige schenkt, an der Kette des Liebesbundes und der freiwilligen Knechtschaft hängen.&amp;quot; Da er schon durch die Geschenke in Abhängigkeit geraten war, stimmte er, ohne zu überlegen, zu und verlor auf törichte Weise das großartige Gut der Freiheit durch ein kleines Geschenk und einen listigen Tauschhandel und bot sich alsbald dem Kaufmann als Gefangener an. Er stellte ihn also, der von Natur aus dazu geeignet war, gefesselt sofort zur Schau, nachdem er schnellstens abgerichtet worden war, die Spiele seiner Begierde zu spielen, und er zwang den Unglücklichen seinen Bequemlichkeiten und fremden Vergnügen zu dienen. Da er zweifellos manchmal weniger mit seinem Lehrer übereinstimmte, entblößte er ihn, damit er von allen gesehen wurde, entweder um einen Fehler zu bestrafen oder um durch schamlosen Spott beim Spiel mehr Wirkung zu erreichen, und stimmte ihn überdies durch den Schluck des bitteren Getränks sehr traurig. Nachdem durch das Heilmittel der Klugheit dei Augen des Affen wiederhergestellt waren, weil das Licht die Verstörung und die gallebittere Trübsal erhellt hatte, da erkannte er, daß er als Gefangener bald dem Zorn, bald der Habgier seines immer hartherzigeren Schutzherrn diente, und soll zur Einsicht zurückgekehrt folgende Meinung der Reihe nach vorgetragen haben: &amp;quot;O, du heimlich mit täuschender Gier versehener Köder, du todbringendes Geschenk, Räuber der natürlichen Gaben, äußerst beschwerliches Pfand der Verpflichtung, kleinster Handel zwischen einem Toren und einem Weisen, höchster Kaufpreis, Joch der Knechtschaft, Gärstoff der Ungerechtigkeit, Zeichen der Gefangenschaft, Zunder für Zwietracht, Vernichtung der friedlichen Gemeinschaft, Keim aller Übel, geliebtes Gift! Zu Recht verbietet das göttliche Gesetz als Freund von Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden laut Exodus 23 den Richtern die Annahme von Geschenken, indem es sagt: Geschenke verblenden sogar die Klugen und verderben die Worte der Gerechtigkeit. Es ist völlig einleuchtend, daß gerade diese die Klugheit vertreiben, die Gerechtigkeit vernichten, die Beschaffenheit der intellektuellen und moralischen Tugend zerrütten und alles richtige Handeln im Leben töten. Der so bewundernswerte Balaam ging von Geschenken verblendet wahrhaftig zugrunde, durch Geschenke verführt fiel der Sitz der Gerichtsbarkeit des Hauses Jakob zum Nachteil Israels den Kindern Samuels zu. Nachdem der einst blühende Senat durch Geschenke bestochen worden war und das Murren sich verschlimmert hatte, verging der römische Ruhm, wie der Fürst es vorhergesehen hatte. Als nämlich der völlig unbeliebte Brudermörder, Erzschurke und Räuber freigesprochen worden war, nachdem die Gesetzgeber durch einen unangemessenen Preis der Geschenke gekauft worden waren, da verließ die Gerechtigkeit Rom, und sie soll auf es zurückblickend gesagt haben: &amp;quot;Oh käufliche Stadt, sie würde sogar ihre Mutter ausliefern, wenn sie einen Käufer fände!&amp;quot; Deswegen sind zweifellos die, die einen Charakter besaßen, der durch die Weisheit von großen Tugenden geformt war, gerade mit erheblichem Lob gewürdigt worden, weil sie aus Liebe zu dem höchsten Gut der Freiheit die größten Geschenke der Großen verachtet haben. Mit welchen ruhmvollen Bezeichnungen wird nämlich jener Diogenes überhöht, der, nachdem er den königlichen Reichtum mit Füßen getreten hatte, arm, aber reich an Tugend mitten zwischen den in Asien geraubten Schätzen des Makedonen Alexander einherging, die seinem Willen offenstanden, falls er sie annehmen wollte! So glänzte er freilich umso reicher und mehr, weil die Tatsache, daß er nichts annehmen wollte, mehr bedeutete, als das, was jener als Geschenk verteilte oder besaß. Mit welchem wunderbaren Lobreden aber wird freilich Sokrates, der Freund der guten Sitten, gerühmt, der, als er mit recht großen Geschenken des Königs Archelaos umworben wurde, um geehrt zu werden, gesagt haben soll, er wolle nicht zu ihm kommen, um Wohltaten zu empfangen, da er ihm keine gleichwertigen wiedergeben könne. Er wollte natürlich ein freier Mann sein, da er bei der Ablehnung des Geschenkes eher an das Zurückgeben als an das Annehmen dachte. Und mit welchem Lobpreis auf seine Redlichkeit wird der Römer Fabricius geehrt, der es vorzog, das Ansehen eines freien Bürgers statt der Pracht eines durch Geschenke gekauften Königs zu haben, da dieser überaus tugendreiche Mann das Geschenk eines Viertels des Königreiches ablehnte, das ihm, dem armen Mann, von König Pyrrhus angeboten worden war. Sicherlich ragte er dadurch noch mehr hervor, weil jedenfalls der König voll Bewunderung den angesehenen Mann immer übermäßig lobte und ihn über die Sonne erhob, indem er sagte: &amp;quot;Jener Fabricius kann schwerer von der Redlichkeit abgebracht werden als die Sonne von der Geradlinigkeit ihrer Bahn.&amp;quot; Was weiter? Sicherlich wird nichts teurer verkauft und zum eigenen Schaden angenommen als ein Geschenk, das aus Begierde ersehnt und gegeben worden ist.&amp;quot; Nach diesen Erklärungen fand der Affe seine Ruhe, wenn auch nicht in Hinblick auf seinen Körper, sondern weil sein Geist nun frei von Habsucht war; wegen der Geschenke aber blieb er in Gefangenschaft.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutsche Versionen==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. III, 12 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490)===&lt;br /&gt;
Wyder die dye geren gabe nemend&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das XII Capitel&amp;amp;middot; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
EIn Aff der wz des hi(n)dern teils gar ungestalt der begeret eins klaides damit er moecht sei(n) plosse scham decken&amp;amp;middot; Der sahe ein hofflichen spilman mangen hüpschen hof schimpff gar glimpflich vor aller menklich ueben / der wz hoflich geziert und geklaidt&amp;amp;middot; de(m) fueget er sich behendiklich zuo ob im der klaid(er) etwz moecht entreysen&amp;amp;middot; Den gruoßt er unnd sprache zuo im&amp;amp;middot; Fürwar ich kan nit wißsen was sach das rechter beschaiden müg gesein das dye nature die edel an ir selber ist&amp;amp;middot; und auch mit wundersamer miltikeit tausentfeltiklich begossen ist&amp;amp;middot; un(d) hie auf erden keinen dingen neidig ist gewesen&amp;amp;middot; unnd ist auch aller geitikeit ein reychflüssiger pru(n)ne /  mein so gar vergessen hatt / und mich so ploß verlassen das ich von ir nit haben mag damit ich moecht mein schwache scham bedecken&amp;amp;middot; Darumb so fleühe ich unfreyer zuo einem der gefreyett ist&amp;amp;middot; Ich jaemeriger d(er) gar dürftig ist zuo einem der gar reich ist mit genoeter türstikeit&amp;amp;middot; Do verstuond der spilman die begir des Affen die er zuo seinen klaidern het den waichet er mit linder zunge(n) un(d) sprach also&amp;amp;middot; Dein ploesse ist dyr ein grosse gab seyt du menschlicher creatur pist der gestalt vil nahend geleich geformet unnd gepildet / wann du hast nit vyhischen schwancz&amp;amp;middot; aber der ku(n)ßt pist du gar meisterlich nach me(n)schen art geziert&amp;amp;middot; und bist auch der über alle tier gar reych mitt den menschen&amp;amp;middot; Nu(n) moechtestt du kein hart gehaben der sich dein moecht geleichen / wann wo vernünftige synn seind da ist d(er) hoechste adel&amp;amp;middot; Waist du nit das der ein michler teil ist den wolthaett der natur auf lange zeit gar vestiklich verporgen seind / wann aber sich die selben woltat freymuetiklich außgiessend so werde(n) natürlich werck in rechten(m) sauße erfült / yedoch daz des du pitest gewer ich dich miltiklich&amp;amp;middot;  unnd mach die gab reycher wann du pitest / wann hoenigsam den yßsestu geren des gibe ich dir gar miltiklich vil mer dann dein genuegen&amp;amp;middot; Des dancket im der Aff und lobet das sere an im das er auß miltem herczen im mer versprach zegeben dann er an in begeret het&amp;amp;middot; und verpa(n)nt sich des hinwider das er die weil er lebte von einem so milten geber nymermer wolt weychen&amp;amp;middot; Un(d) mochte auch die gelübd niemandt wendige machen&amp;amp;middot; und sprach also&amp;amp;middot; Mein natürliche aigenschaft hat mich vast darzuo genayget / das ich dir volgen&amp;amp;middot; Yedoch So zeühet mich vyl mer dein über milte guotikeit&amp;amp;middot; Darumbe meyn allerliebster freünd begerßt du des so bin ich dir zuo dienst bereite&amp;amp;middot; Do sprach der spilman zuo dez Affen&amp;amp;middot; Ein so genaemer geferte d(er) muoß mir wolgefallen&amp;amp;middot; Yedoch gefelt mir das michel bas dz ei(n) spilman und ein Aff so wol czuoeinander fuegendt&amp;amp;middot; Nun mein allerliebster Aff Seyd wir unns in freüntschaft czesamen haben verpunden so will ich dich verforgen&amp;lt;ref&amp;gt;Wohl ein Druckfehler: versorgen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;amp;middot; Nu(n) moecht sich das wol fuegen ob du dich villeicht etwa(n) froelich woltest ermaye(n) mit wol gemeßnen springen dauon dich suesses übel gar schedlich moechte begreiffen / also das dir dein frei sprünge zuo schaden moechten ko(m)men / darumb gefelt mir wie du dich mit einer schoenen ketten laseßt umbfahen / darmit du mir lieplich werdest zuogefueget&amp;amp;middot; und dich hinfür nymermer mügeßt von mir geschaiden das noettett mich dann allzeit dz ich mit dir teil mit milter hand alles dz dz ich wege pringe&amp;amp;middot; Die red gefiele de(m) affen wol / d(er) erpot sich gar on alles bedencken de(m) schalckhafte(n) kaufman williklich in sein hend und gab sich im zefahen umb ei(n) schwachen ungeleiche(n) wechssel wann freyer muot an einem teyl gefangen seind an dem anderen ward nie geleicher wechssel Dz prueften da die milte(n) gab die im da warden verheissen&amp;amp;middot; Do er nu(n) mit der ketten nach des gaucklers willen mit sicherheyt umbfange(n) wz / da gab er im die gaglerey seiner kürczweil in kürcz zuo erkennen / der ward er palde gelert / seyt in natürlicher aigenschaft darzuo behendiklich uebete Auch noetet er den schalckhafftiklich gefangenen das er de(n) kunde(n) und den froembden hoffiern muoste und gaucklen zuo lust nach seinem willen&amp;amp;middot; Wann aber des czuo stunden des nit wol willig was daz muost er gar schnaell wid(er)pri(n)gen / thaet er des nit so ward auch er genczlich von im emploeßt und muoßt groß straich leyden / Und gab im für den hoenigs am essich und pitter gallen&amp;amp;middot; Dz pitter tranck un(d) schaemlichs laster die der Af leiden muoßt die taeten im die augen der verstentnuße auf&amp;amp;middot; und gaben im sein synn wider als ferr das er wol erkannt wie er gefangen muoßt diene(n) nu(n) dem zorn nun d(er) schwachen geytikeit seines schwaern maisters / Do grif er in sein hercz und klaget sei(n) pittres leiden / er redt mit im selber&amp;amp;middot; unnd bedacht wz sich mit unzeitigem gelück an im hete u(m)gangen&amp;amp;middot; Unnd wie auch in v(er)heissen gab verlait heten dz er seins muotes mit fancknuß waer beraubet und sprach also&amp;amp;middot; O du verporgner und schoengezierter a(n)gel d(er) geitikeit wiewol kanstu betriege(n)&amp;amp;middot; Ich maint mir zekauffen ein deck meiner ploesse dz hate mich gefelt in scha(m) und laster Nu(n) waffen wz hab ich geta(n) mei(n) handel ist nit and(er)s dan(n) ein pfa(n)t des aller schwaeresten punds&amp;amp;middot; Ei(n) wechssel des toren mit dem weisen / das klainste gelt des groeßten kaufs&amp;amp;middot; Ein joch des schwaeresten di(n)gs&amp;amp;middot; Ein urhab d(er) poßheit Ein vingerzaigen d(er) fencknusse Ein speiß d(er) zwayunge / ein v(er)keren d(er) rechten / ein saum aller übel / ein gift d(er) waren lieb&amp;amp;middot; Als ich das verstee so ist das nit unpillich das die liebhaberin des frides und d(er) gerechtigkeit und dye gesellin aller tugent dz goetliche recht d(er) alten ee allen richtern bei d(er) wyd v(er)peut das sy nit gab nemen&amp;amp;middot; und spricht also&amp;amp;middot; Gab plenden die weysen / und v(er)kern dye wort d(er) gerechte(n)&amp;amp;middot; Auch pringe(n)t die selben rechten d(er) alten ee claerlich an den &lt;br /&gt;
tag wie die unrechte(n) gab die weißheit v(er)iagen die gerechtikeit zertrennen&amp;amp;middot; Sy v(er)wuesten d(er) vernünftigen und sitigen tugent wesenliche vestikeit und toettendtt schlaechtes unnd rechtes leben&amp;amp;middot; Waist man nit wie der weissag Balaam ward mit gabe geplendet&amp;amp;middot; unnd verdarb auch damit ewiklich&amp;amp;middot; Mit gabe so ward der sessel des gerichts des wirdigen hauses Jacob gancz und gar verrucket / da Samuelis sün von gab wegen verpoest wurden / da viel auch Israhel in kürcz darnach in schand und laster&amp;amp;middot; Mit gab so ward der pluende rat der hochgekroenten statt zuo Rom verkert und verruckt damit v(er)wandlet sich ir ere und ward gar vast genidert&amp;amp;middot; Wann sy was mit gab so geneczlich überwunden das alle recht ein unrechte wurden / wa(n)n einen d(er) seynes aygen pruoder toetter wz&amp;amp;middot; un(d) was ein mortlicher schacher de(n) machet gab gerecht in seinen sachen&amp;amp;middot; und da er von der stat sich schaiden wolt / do keret er dz angesicht wider gen der stat unnd schrei mit lauter stymm&amp;amp;middot; Es waere die gancz stat vayl un(d) all ir mueter pastharten zugen pern / und funden sy nun kauffer&amp;amp;middot; Vo(n) der sach wegen on allen zweifel seind die mit grossez lob gewirdiget dye nit mit klein tugente(n) der weißheyt iren wolgezierten muot besessen haben / sunder auch die d(er) groesten herrngab am meisten freyen muot zuo eren widersprachen und verschmaechten dye auff zenemen&amp;amp;middot; Ey wer kan das volsagen weliches lobes unnd auch ruomes der vest held Dyogenes für keyser un(d) künig würdig sey / darumb das er die reychen gab die seinen willen czenemen in freimuetiger miltikeit des maechtigen küniges Alexandri / geopffert und gepoten worde(n) / die trat er manlich under seyne fueß&amp;amp;middot; unnd gieng in mitte durch sein reych des goldes nacket un(d) ploß&amp;amp;middot; Damit erschein er als vil reicher und auch groesser dann d(er) künig selber was / wann dz des er begerte das was groesser und wirdenreicher dann alles dz daz der künig geben unnd besiczen mocht&amp;amp;middot; Ey wie mit lobliche(n) lob wirt der wundersam liebhaber der sitten Socrates erhebt und erhoecht / wann da er von dez gewaltigen künig Archelao in künicklicher begir gar fleissikliche(n) gebeten ward das er sich zuo im fueget das wißt er im mit reycher gab nach künicklicher wirdikeit mit milter hand zedanken d(er) gab antwurt  er gar mit kurczen worten&amp;amp;middot; Er woelt zuo des nymer kommen von dem er moecht woltat und  gab aufnemen seyt er im kein gleiche gab gegeben moecht&amp;amp;middot; Auch wolt er gancz  frey sein&amp;amp;middot; und gedacht auch im er waere zuo geben geadelt unnd nicht zuo neme(n) / darumb verschmaecht er sein gabe&amp;amp;middot; Auch wirdet d(er) edel Roemer Fabricius mit hohem lob an manger stat gepreist&amp;amp;middot; do im der künig Pirais ein fürstenthuom zuogab der pot das er and(er) vier und(er) im het&amp;amp;middot; Dz v(er)schmaecht er in freyes adels muot / wann er wz der tugent reich und erwoelt wie er wolt vil lieber ein miter statman sein dann das er pflaeg grosser würd / darzuo in gab het gemuet / damit erschein er sichtigklich als ferr das den künig sein verwundert seins staeten muotes Des lobet er in&amp;amp;middot; und erhuob sein lob über die klaren sunnen und sprach also&amp;amp;middot; Dz ist d(er) Fabricius der so staet und vest ist / daz müglich wear es traet die sunn vo(n) ire(m) lauf und v(er)wandlet den de(n)n das sich sein gerechter muot v(er)wa(n)dlet und verkert&amp;amp;middot; Wz sag ich mer es wirt nichs teürer verkauft und mit groesser verlust genommen / dann gab die geitiklich genommen und gegeben wirt&amp;amp;middot; Do das außgericht wart da nam des affen ler ein ende&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Miniaturen und gedruckte Bilder==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Affe_und_Schauspieler_(Mgf_459,_184v).png|200px|thumb|left|Affe und Schauspieler (Mgf 459, 184v)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Schauspieler (Cgm 254, 60v).png|200px|thumb|left|Affe und Schauspieler (Cgm 254, 60v)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Schauspieler (Cgm 340, 87r).png|200px|thumb|left|Affe und Schauspieler (Cgm 340, 87r)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Schauspieler (Cgm 9602, 71r).jpg|200px|thumb|left|Affe und Schauspieler (Cgm 9602, 71r)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Schauspieler (Egerton 1121, 119v).png|200px|thumb|left|Affe und Schauspieler (Egerton 1121, 119v)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Schauspieler (Druck 1490, 81r).jpg|200px|thumb|left|Affe und Schauspieler (Druck 1490, 81r)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Spielmann (Druck 1571, 237v).png|200px|thumb|left|Affe und Spielmann (Druck 1571, 237v)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verwandte Erzählstoffe==&lt;br /&gt;
===[[Affe und Fuchs I (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der selbstgefällige Fuchs spottet über den nackten Affen, der aber betont den Wert innerer Qualitäten und zählt die Nachteile äußerer Schönheit auf. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Affe und Fuchs II (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein angeketteter Affe brüstet sich mit seiner menschlichen Kleidung, wird aber vom Fuchs über seine Unfreiheit und geistige Armut aufgeklärt. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 24)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Fuchs und Affe II (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Fuchs, den er um seinen schönen Schwanz beneidet, geht der Affe auf Wanderschaft und erkennt dabei am Beispiel anderer Tiere, dass der, der etwas Besonderes besitzt, den Nachstellungen der Menschen ausgesetzt ist. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 202)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Fuchs und Affe III (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Affe bittet den Fuchs, ihm einen Teil seines langen Schwanzes zu geben, damit er seine Blöße bedecken könne; der habgierige Fuchs denkt nicht daran, mit dem Bedürftigen zu teilen. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 203)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anspielungen==&lt;br /&gt;
===Cyrillus: Speculum Sapientiae, Nr. II, 11===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 102&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Übersetzung&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 103&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|Der Fuchs versucht die Hirschkuh zu überreden, sich zum Bären zu begeben, um sich Hörner geben zu lassen, und zählt in diesem Zusammenhang die Vorzüge anderer Tiere auf:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Aut forte livoris nescia quaedam reliquit arti natura. Simia quidem suppletiva arte induitur et magisterio aurum et argentum politur.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Vgl. Affe und Spielmann: &#039;&#039;Irretitam ergo, natura dispositam, ludere quantocius eruditam, cupiditatis suae ludos protinus exposuit ac suis commodis atque oblectationibus alienis miseram servire coegit.&#039;&#039;)&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;blockquote&amp;gt;Oder aber die Natur hat neidlos der Geschicklichkeit Spielraum gegeben. Der Affe ist allerdings mit einer zusätzlichen Geschicklichkeit ausgestattet, Gold und Silber werden durch Meisterschaft geglättet.)&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Vgl. Affe und Spielmann: Er stellte ihn also, der von Natur aus dazu geeignet war, gefesselt sofort zur Schau, nachdem er schnellstens abgerichtet worden war, die Spiele seiner Begierde zu spielen, und er zwang den Unglücklichen seinen Bequemlichkeiten und fremden Vergnügen zu dienen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Cyrillus: Speculum Sapientiae, Nr. II, 20===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 122&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Übersetzung&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 123&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|Der Fuchs verspottet den Affen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;&amp;quot;Numquid naturae opulentis in te tantum defecerunt divitiae, ut debitum natibus indumentum ac nobili animae correspondentem pellem tribuere non valeret? Aut certe si te cum homine induendam arte dimiserit, hoc cum acciderit, necesse est, ut capta sis.&amp;quot;&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Hat dich der Reichtum der wohlhabenden Natur so sehr in Stich gelassen, daß sie dir die notwendige Bedeckung für dein Hinterteil und ein Fell, das einem edlen Geist ansteht, nicht geben konnte? Und wenn sie dich wie den Menschen mit der handwerklichen Geschicklichkeit, dich zu bekleiden, entlassen hätte, wärest du sicher gefangen worden, wenn dies geschehen wäre.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. II, 11===&lt;br /&gt;
Die Handlung ist analog zu Cyrill II, 11 gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Wann du sihest wol wie der ungestalt Aff vo(n) natur hinden und vornen mit maisterschaft beklaidet un(d) geziert wirt Auch werde(n) silber und gold un(d) edel gestain mit maisterschafft gepoliert und durchfein.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. II, 20===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Handlung ist analog zu Cyrill II, 20 gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ey sage mir wye werden der gar vollkommen natur überflüssige reichtu(m)b so gar gepraestenlich an dir gesehen dz sy weder deiner scham zymliche claider noch deiner claren unnd edlen sel nicht miltigklichen gegeben hat ein obdach eins rauhen pelglins des doch den beide(n) ein notdurft waer. Hat sy daz nit vermügt so ist auch sy gebraest enlich. Hat aber sy das mügen thuon un(d) hat das woellen nichtt gehebtt so ist auch sy deinem jaemerigen potich in grossez genaere neidig gewesen. Es waer dan(n) eins daran das sy synnreycher kunst verlassen het ob du vonn dem menschen soltest beklayset werden. waere dem also so waere aber genaerde dabey. wann we(n)n das an dir geschaehe so mueßtest auch du gefangen sein.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. II, 29===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Waldesel (Cgm 340, 62r).png|200px|thumb|left|Affe und Waldesel (Cgm 340, 62r)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. III, 9===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Fuchs II (Cgm 254, 57r).png|200px|thumb|left|Affe und Fuchs II (Cgm 254, 57r)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Fuchs II (Cgm 340, 81r).png|200px|thumb|left|Affe und Fuchs II (Cgm 340, 81r)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Fuchs II (Cgm 9602, 67v).jpg|200px|thumb|left|Affe und Fuchs II (Cgm 9602, 67v)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Fuchs II (Druck 1490, 76r).jpg|200px|thumb|left|Affe und Fuchs II (Druck 1490, 76r)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. II, 11===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Handlung ist analog zu Cyrill II, 11 gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Man woelt dan(n) sagen das die natur die niemant hessig ist / etwas der kluogheit verlassen hab / wie dan(n) auch der Aff sich uß kunst bekleiden kan(n) / und dz golt und silber wirt balirt uß sin(n)richeit.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. II, 20===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Handlung ist analog zu Cyrill II, 20 gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Wie kumpt es das die rych natur dir nit geben hat kleydung zuo bedecken dyn hindern / und ein hut die glich genieß wer diner edle(n) selen Oder hat sy dich dem me(n)schen verlassen von im zuo bekleidt werde(n) / so folgt daruß / das du von dem me(n)schen gefangen muost syn.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 38===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Handlung ist analog zu Cyrill II, 11 gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Das sich aus Kunst der Aff fein kan /&amp;lt;br /&amp;gt;Beklaiden / deßgleichen sicht man.&amp;lt;br /&amp;gt;Wie Gold und Silber bringt ain glantz /&amp;lt;br /&amp;gt;Auß Sinnlichhait und Kluoghait gantz.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 47===&lt;br /&gt;
Die Handlung ist analog zu Cyrill II, 20 gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Und sprach zuo jm es wundert mich /&amp;lt;br /&amp;gt;Das doch nit hat begabet dich&amp;lt;br /&amp;gt;Die kluog Natur das du mit hail / &amp;lt;br /&amp;gt;Moechtest decken dein hindren thail. &amp;lt;br /&amp;gt;Oder hat Sy es darumb thon /&amp;lt;br /&amp;gt;Das dich der Mensch beklaide schon.&amp;lt;br /&amp;gt;So volgt darauß das du mit pein /&amp;lt;br /&amp;gt;Muost des Menschen gefangner sein.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Quelle Fabel]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Affe_und_Spielmann_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20306</id>
		<title>Affe und Spielmann (Erzählstoff)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Affe_und_Spielmann_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20306"/>
		<updated>2021-12-10T19:42:49Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: /* Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein), Nr. III, 12 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490) */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
| namen              = Affe und Spielmann&amp;lt;!--Möglichst alle Bezeichnungen des Stoffs, die in der Forschung gebräuchlich waren bzw. sind, in alphabetischer Reihenfolge, abgetrennt mit &amp;quot;;&amp;quot;--&amp;gt;&lt;br /&gt;
| regest             =  Der sich seiner Blöße schämende Affe erhält vom Spielmann die gewünschten Kleider, wird dafür aber angekettet und abgerichtet. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 32)&amp;lt;!--Kurzzusammenfassung des Erzählstoffs--&amp;gt;&lt;br /&gt;
| fassungen          = [[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. III, 12&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. III, 12&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 69&amp;lt;!--Möglichst alle Fassungen des Erzählstoffs. Bei Einzelwerken in [[Kurzzitationen]], bei Fassungen im Rahmen größerer Werke in [[Kurzzitationen]], Nr. XX, bei anonymen Handschriften und Drucken nach dem Muster: Ort, Bibliothek: Signatur, abgetrennt mit &amp;quot;&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;quot;--&amp;gt;&lt;br /&gt;
| forschung          = [[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 32f.; [[Günthart, Romy (Hg.): Sebastian Münster, Spiegel der wyßheit]], Band 2, S. 106-108&amp;lt;!--Forschungstexte zum Erzählstoff (s. Bibliographie Forschung Kleinepik), ggf. mit Seitenangaben, abgetrennt mit &amp;quot;;&amp;quot;--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Lateinische Version (Cyrillus, Nr. III, 12), 1. Hälfte 14. Jhd. ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die deutsche Tradition baut auf einer lateinischen Quelle auf (Cyrillus, Nr. III, 12 ([https://archive.org/details/diebeidenltesten00grss/page/86/mode/2up Grässe, Johann Georg Theodor (Hg.): Die beiden ältesten lateinischen Fabelbücher des Mittelalters.] Tübingen 1880, S. 87-89)). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 178-182.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Übersetzung&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 179-183.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Contra eos, qui libenter suscipiunt munera.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Cupida vestis simia, confusibiliter ut polluta cooperiret pudenda, cum cerneret histrionem ioco laetum, pluribus indumentis donatum, ut ea manu prodigalitatis effunderet, mox ad eum se contulit, et parata salutatione subiunxit: &amp;quot;Nescio certe, cuius instaurationis causa, tam in beneficiis mirae largitatis profusa, caudulam pudibundae vilitatis latibulum, nulli umquam invida cum sit totius bonitatis exundantissima fontana, mihi natura non dederit, sed reliquerit nudam, unde ad opulentum inops, ad liberalem egena, audacia necessitatis accurro.&amp;quot; Cui ille, leniori lingua vestis avidam mulcens: &amp;quot;Tibi&amp;quot;, inquit, &amp;quot;haec nuditas, amica, grande bonum est, cum sis rationabilibus conformior formata, non bestialiter cum cauda, sed arte quasi homo exornata humanis gaudeas opulentiis. Nimirum latent quosdam naturae beneficia, sed his diffusis grandi liberalitatis impetu repleta sunt omnia. Attamen quod flagitas, satis gratum babens sane do atque mellis favum, quod libenter devoras, superaddo.&amp;quot; Tunc simia laetanter susceptis beneficiis grata gratias agens ac nimis magnipendens, quod tam liberaliter ultra quam petierit, habuisset, cogitavit, ut in cuncta re sibi necessaria tam gratioso largitori inseparabiliter adhaereret. Cui dixit: &amp;quot;Satis quidem mea me naturaliter ad te imitandum proprietas inclinat, sed profusa tua magis attrahit benignitas; quamobrem, amice, si dignaris, servire sum paratus.&amp;quot; Mox ille: &amp;quot;Placet&amp;quot;, inquit, &amp;quot;mibi tam gratanter donata comitiva, magis tamen et bene conveniant iocus et berta. Verum ne quando fortassis dilectam te vagabundam raperet dulce malum et male computata libertas, dilectori largiter donanti necessaria, conjunctae dilectionis et servitutis liberae adhaerebis catena.&amp;quot; Quae inconsulte iam subacta donis acceptavit et stolida grandem libertatis rem non grandi munere aut callido commercio perdidit et mercatori mox se exhibuit captivandam. Irretitam ergo, natura dispositam, ludere quantocius eruditam, cupiditatis suae ludos protinus exposuit ac suis commodis atque oblectationibus alienis miseram servire coegit. Qua nimirum interdum magistro minus correspondente, aut ut puniret defectum aut impudico ludi ludibrio magis exsequeretur effectum, ab omnibus videndam nudabat, super hoc acetoso potus haustu maestificans. Tunc quidem luce confusionis ac tribulationis fellitae antidoto prudentiae oculis simiae restitutis, cum perciperet durioris patroni nunc irae nunc avaritiae se captivatam servire, ad cor reversa digestae rei sententiam talem dicitur protulisse: &amp;quot;O subornatum deceptivae cupiditatis hamum, letiferum munus, munerum naturalium ademptivum, gravissimum obligationis pignus, stulti et sapientis commercium minimum, maximum emptionis pretium, servitutis iugum, iniquitatis fermentum, captivitatis indicium, fomentum discordiarum, subversio civilitatum omniumque seminarium malorum, amatum venenum! Non immerito certe amica veritatis, aequitatis et pacis, cunctarum virtutum socia, divina lex susceptionem munerum iudicibus interdicens inquit Exodi XXIII: Munera etiam excaecant prudentes et pervertunt verba iustorum. Plane quidem elucidans, quod haec ipsa prudentiam fugant, iustitiam dissipant, intellectualis moralisque virtutis consistentiam vastant omnemque rectitudinis vitam necant. Revera muneribus excaecatus tam admirabilis Balaam periit, muneribus iudicialis sedes domus Iacob depravata liberis Samuelis Israhel in praeiudicium cecidit. Muneribus corrupto senatu dudum florido, sicut providerat princeps, ingravata murmuratione Romana gloria transivit. Etenim cum emptis iniquo munerum pretio datoribus legum fratricida ingratissimus et nequam praedo iustificatus fuit, tunc Iustitia recessit a Roma et converso ad eam vultu clamavit et dixit: &amp;quot;O urbem venalem et matrem tradituram, si inveniret emptorem!&amp;quot; Ob quas res nimirum, qui non parvis sapientia cultum virtutibus animum possederunt, magnis eo ipso laudibus sunt dignificati, quod magnorum maxima, maximae libertatis amore, munera contempserunt. Quantis enim titulis gloriae superfertur ille Diogenes, dum calcatis opibus regiis per medias libere accipientis voluntati expositas, raptas Asiae Macedonis Alexandri gazas pauper sed virtute opulentus incessit. Ita siquidem eo locupletior maiorque splenduit, quia plus fuit hoc ipsum, quod accipere noluit, quam id, quod ille dare disposuit aut possedit. Quantis autem certe laudationibus miris morum cultor Socrates extollitur, qui cum Archelai regis satis quidem magnis petebatur muneribus honorandus, respondisse fertur, nolle se ad eum venire, a quo acciperet beneficia, cum reddere illi paria non posset. Liber quippe esse voluit, dum ante reddere quam suscipere in spreto munere cogitavit. Quantisque similiter praeconiis curialitatis Romanus approbatur Fabricius, dum quadrantiae munus viro pauperi a Pyrrho rege oblatum virtute ditissimus renuit, magis eligens honestate civis liberi quam muneribus empti regis gloriositate potiri. Qua profecto re multo magis emicuit, dum rex admiratus spectabilem virum utique semper tonante laude super solem erexit dicens: &amp;quot;Ille est Fabricius, qui difficilius ab honestate quam sol a rectitudiue sui cursus averti potest.&amp;quot; Quid plura? Certe nil carius venditur ac perdibilius sumitur quam munus cupiditate volitum ac donatum.&amp;quot; Quibus diffinitis etsi non carne, ab avaritia tamen libera mente quievit et propter munera in captivitate permansit.&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Gegen die, die gerne Geschenke erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Affe, der sich unbedingt ein Gewand wünschte, um seine beschämend schmutzige Scham zu bedecken, sah einen Schauspieler, der sich über einen Scherz freute und mit mehreren Gewändern beschenkt worden war. Er begab sich sogleich zu ihm, damit er diese mit verschwenderischer Hand austeilte, grüßte ihn und fügte hinzu: &amp;quot;Ich weiß gewiß nicht, wegen welcher Neuerung die Natur, die mit Wohltaten so großzügig und seltsam verschwenderisch und niemals gegen irgendeinen gehässig ist, da sie die überreiche Quelle alles Guten ist, mir nicht einen kleinen Schwanz als Versteck für meine beschämende Blöße gegeben, sondern mich nackt gelassen hat. Durch Not ermutigt komme ich deshalb arm zum Reichen, bedürftig zum Großzügigen.&amp;quot; Jener besänftigte ihn, der so sehr ein Gewand begehrte, mit sanfter Zunge und sagte zu ihm: &amp;quot;Diese Blöße, mein Freund, ist für dich ein großartiges Gut, weil du den Vernuftwesen ziemlich ähnlich geschaffen worden bist, nicht auf tierische Art mit einem Schwanz, sondern durch die Kunst der Natur wie ein Mensch ausgestattet dich an menschlichem Reichtum erfreust. Zweifellos sind die Wohltaten der Natur bei einigen verborgen, aber nachdem sie ausgeschüttet worden sind, ist alles von großartigem Eifer der Freigebigkeit erfüllt. Dennoch gebe ich dir, was du verlangst, weil ich tatsächlich genügend Angenehmes habe, und ich füge noch obendrein eine Wabe mit Honig dazu, den du gerne verzehrst.&amp;quot; Da dankte der Affe freudig für die erhaltenen Wohltaten und in seiner Dankbarkeit schätzte er es allzu hoch ein, daß er auf so großzügige Weise mehr als erbeten bekommen hatte, und beabsichtigte, in der ganzen für ihn notwendigen Angelegenheit dem so gnädigen Gönner untrennbar ergeben zu sein. Er sagte zu ihm: &amp;quot;Mein ganzes Wesen neigt zwar von Natur aus dazu, dich nachzuahmen, aber deine verschwenderische Großzügigkeit zieht mich noch mehr an. Wenn es dir deshalb recht ist, mein Freund, bin ich bereit, dir zu dienen.&amp;quot; Darauf sagte jener: &amp;quot;Mir gefällt eine in dankenswerter Weise geschenkte Begleitung, dennoch mögen Scherz und Affe noch mehr und gut zusammenpassen. Aber damit nicht vielleicht irgendwann ein süßes Übel und die für schlecht gehaltene Freiheit dich, den geliebten Vagabunden, entführen kann, wirst du für den Gönner, der großzügig das Notwendige schenkt, an der Kette des Liebesbundes und der freiwilligen Knechtschaft hängen.&amp;quot; Da er schon durch die Geschenke in Abhängigkeit geraten war, stimmte er, ohne zu überlegen, zu und verlor auf törichte Weise das großartige Gut der Freiheit durch ein kleines Geschenk und einen listigen Tauschhandel und bot sich alsbald dem Kaufmann als Gefangener an. Er stellte ihn also, der von Natur aus dazu geeignet war, gefesselt sofort zur Schau, nachdem er schnellstens abgerichtet worden war, die Spiele seiner Begierde zu spielen, und er zwang den Unglücklichen seinen Bequemlichkeiten und fremden Vergnügen zu dienen. Da er zweifellos manchmal weniger mit seinem Lehrer übereinstimmte, entblößte er ihn, damit er von allen gesehen wurde, entweder um einen Fehler zu bestrafen oder um durch schamlosen Spott beim Spiel mehr Wirkung zu erreichen, und stimmte ihn überdies durch den Schluck des bitteren Getränks sehr traurig. Nachdem durch das Heilmittel der Klugheit dei Augen des Affen wiederhergestellt waren, weil das Licht die Verstörung und die gallebittere Trübsal erhellt hatte, da erkannte er, daß er als Gefangener bald dem Zorn, bald der Habgier seines immer hartherzigeren Schutzherrn diente, und soll zur Einsicht zurückgekehrt folgende Meinung der Reihe nach vorgetragen haben: &amp;quot;O, du heimlich mit täuschender Gier versehener Köder, du todbringendes Geschenk, Räuber der natürlichen Gaben, äußerst beschwerliches Pfand der Verpflichtung, kleinster Handel zwischen einem Toren und einem Weisen, höchster Kaufpreis, Joch der Knechtschaft, Gärstoff der Ungerechtigkeit, Zeichen der Gefangenschaft, Zunder für Zwietracht, Vernichtung der friedlichen Gemeinschaft, Keim aller Übel, geliebtes Gift! Zu Recht verbietet das göttliche Gesetz als Freund von Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden laut Exodus 23 den Richtern die Annahme von Geschenken, indem es sagt: Geschenke verblenden sogar die Klugen und verderben die Worte der Gerechtigkeit. Es ist völlig einleuchtend, daß gerade diese die Klugheit vertreiben, die Gerechtigkeit vernichten, die Beschaffenheit der intellektuellen und moralischen Tugend zerrütten und alles richtige Handeln im Leben töten. Der so bewundernswerte Balaam ging von Geschenken verblendet wahrhaftig zugrunde, durch Geschenke verführt fiel der Sitz der Gerichtsbarkeit des Hauses Jakob zum Nachteil Israels den Kindern Samuels zu. Nachdem der einst blühende Senat durch Geschenke bestochen worden war und das Murren sich verschlimmert hatte, verging der römische Ruhm, wie der Fürst es vorhergesehen hatte. Als nämlich der völlig unbeliebte Brudermörder, Erzschurke und Räuber freigesprochen worden war, nachdem die Gesetzgeber durch einen unangemessenen Preis der Geschenke gekauft worden waren, da verließ die Gerechtigkeit Rom, und sie soll auf es zurückblickend gesagt haben: &amp;quot;Oh käufliche Stadt, sie würde sogar ihre Mutter ausliefern, wenn sie einen Käufer fände!&amp;quot; Deswegen sind zweifellos die, die einen Charakter besaßen, der durch die Weisheit von großen Tugenden geformt war, gerade mit erheblichem Lob gewürdigt worden, weil sie aus Liebe zu dem höchsten Gut der Freiheit die größten Geschenke der Großen verachtet haben. Mit welchen ruhmvollen Bezeichnungen wird nämlich jener Diogenes überhöht, der, nachdem er den königlichen Reichtum mit Füßen getreten hatte, arm, aber reich an Tugend mitten zwischen den in Asien geraubten Schätzen des Makedonen Alexander einherging, die seinem Willen offenstanden, falls er sie annehmen wollte! So glänzte er freilich umso reicher und mehr, weil die Tatsache, daß er nichts annehmen wollte, mehr bedeutete, als das, was jener als Geschenk verteilte oder besaß. Mit welchem wunderbaren Lobreden aber wird freilich Sokrates, der Freund der guten Sitten, gerühmt, der, als er mit recht großen Geschenken des Königs Archelaos umworben wurde, um geehrt zu werden, gesagt haben soll, er wolle nicht zu ihm kommen, um Wohltaten zu empfangen, da er ihm keine gleichwertigen wiedergeben könne. Er wollte natürlich ein freier Mann sein, da er bei der Ablehnung des Geschenkes eher an das Zurückgeben als an das Annehmen dachte. Und mit welchem Lobpreis auf seine Redlichkeit wird der Römer Fabricius geehrt, der es vorzog, das Ansehen eines freien Bürgers statt der Pracht eines durch Geschenke gekauften Königs zu haben, da dieser überaus tugendreiche Mann das Geschenk eines Viertels des Königreiches ablehnte, das ihm, dem armen Mann, von König Pyrrhus angeboten worden war. Sicherlich ragte er dadurch noch mehr hervor, weil jedenfalls der König voll Bewunderung den angesehenen Mann immer übermäßig lobte und ihn über die Sonne erhob, indem er sagte: &amp;quot;Jener Fabricius kann schwerer von der Redlichkeit abgebracht werden als die Sonne von der Geradlinigkeit ihrer Bahn.&amp;quot; Was weiter? Sicherlich wird nichts teurer verkauft und zum eigenen Schaden angenommen als ein Geschenk, das aus Begierde ersehnt und gegeben worden ist.&amp;quot; Nach diesen Erklärungen fand der Affe seine Ruhe, wenn auch nicht in Hinblick auf seinen Körper, sondern weil sein Geist nun frei von Habsucht war; wegen der Geschenke aber blieb er in Gefangenschaft.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutsche Versionen==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. III, 12 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490)===&lt;br /&gt;
Wyder die dye geren gabe nemend&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das XII Capitel&amp;amp;middot; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
EIn Aff der wz des hi(n)dern teils gar ungestalt der begeret eins klaides damit er moecht sei(n) plosse scham decken&amp;amp;middot; Der sahe ein hofflichen spilman mangen hüpschen hof schimpff gar glimpflich vor aller menklich ueben / der wz hoflich geziert und geklaidt&amp;amp;middot; de(m) fueget er sich behendiklich zuo ob im der klaid(er) etwz moecht entreysen&amp;amp;middot; Den gruoßt er unnd sprache zuo im&amp;amp;middot; Fürwar ich kan nit wißsen was sach das rechter beschaiden müg gesein das dye nature die edel an ir selber ist&amp;amp;middot; und auch mit wundersamer miltikeit tausentfeltiklich begossen ist&amp;amp;middot; un(d) hie auf erden keinen dingen neidig ist gewesen&amp;amp;middot; unnd ist auch aller geitikeit ein reychflüssiger pru(n)ne /  mein so gar vergessen hatt / und mich so ploß verlassen das ich von ir nit haben mag damit ich moecht mein schwache scham bedecken&amp;amp;middot; Darumb so fleühe ich unfreyer zuo einem der gefreyett ist&amp;amp;middot; Ich jaemeriger d(er) gar dürftig ist zuo einem der gar reich ist mit genoeter türstikeit&amp;amp;middot; Do verstuond der spilman die begir des Affen die er zuo seinen klaidern het den waichet er mit linder zunge(n) un(d) sprach also&amp;amp;middot; Dein ploesse ist dyr ein grosse gab seyt du menschlicher creatur pist der gestalt vil nahend geleich geformet unnd gepildet / wann du hast nit vyhischen schwancz&amp;amp;middot; aber der ku(n)ßt pist du gar meisterlich nach me(n)schen art geziert&amp;amp;middot; und bist auch der über alle tier gar reych mitt den menschen&amp;amp;middot; Nu(n) moechtestt du kein hart gehaben der sich dein moecht geleichen / wann wo vernünftige synn seind da ist d(er) hoechste adel&amp;amp;middot; Waist du nit das der ein michler teil ist den wolthaett der natur auf lange zeit gar vestiklich verporgen seind / wann aber sich die selben woltat freymuetiklich außgiessend so werde(n) natürlich werck in rechten(m) sauße erfült / yedoch daz des du pitest gewer ich dich miltiklich&amp;amp;middot;  unnd mach die gab reycher wann du pitest / wann hoenigsam den yßsestu geren des gibe ich dir gar miltiklich vil mer dann dein genuegen&amp;amp;middot; Des dancket im der Aff und lobet das sere an im das er auß miltem herczen im mer versprach zegeben dann er an in begeret het&amp;amp;middot; und verpa(n)nt sich des hinwider das er die weil er lebte von einem so milten geber nymermer wolt weychen&amp;amp;middot; Un(d) mochte auch die gelübd niemandt wendige machen&amp;amp;middot; und sprach also&amp;amp;middot; Mein natürliche aigenschaft hat mich vast darzuo genayget / das ich dir volgen&amp;amp;middot; Yedoch So zeühet mich vyl mer dein über milte guotikeit&amp;amp;middot; Darumbe meyn allerliebster freünd begerßt du des so bin ich dir zuo dienst bereite&amp;amp;middot; Do sprach der spilman zuo dez Affen&amp;amp;middot; Ein so genaemer geferte d(er) muoß mir wolgefallen&amp;amp;middot; Yedoch gefelt mir das michel bas dz ei(n) spilman und ein Aff so wol czuoeinander fuegendt&amp;amp;middot; Nun mein allerliebster Aff Seyd wir unns in freüntschaft czesamen haben verpunden so will ich dich verforgen&amp;amp;middot; Nu(n) moecht sich das wol fuegen ob du dich villeicht etwa(n) froelich woltest ermaye(n) mit wol gemeßnen springen dauon dich suesses übel gar schedlich moechte begreiffen / also das dir dein frei sprünge zuo schaden moechten ko(m)men / darumb gefelt mir wie du dich mit einer schoenen ketten laseßt umbfahen / darmit du mir lieplich werdest zuogefueget&amp;amp;middot; und dich hinfür nymermer mügeßt von mir geschaiden das noettett mich dann allzeit dz ich mit dir teil mit milter hand alles dz dz ich wege pringe&amp;amp;middot; Die red gefiele de(m) affen wol / d(er) erpot sich gar on alles bedencken de(m) schalckhafte(n) kaufman williklich in sein hend und gab sich im zefahen umb ei(n) schwachen ungeleiche(n) wechssel wann freyer muot an einem teyl gefangen seind an dem anderen ward nie geleicher wechssel Dz prueften da die milte(n) gab die im da warden verheissen&amp;amp;middot; Do er nu(n) mit der ketten nach des gaucklers willen mit sicherheyt umbfange(n) wz / da gab er im die gaglerey seiner kürczweil in kürcz zuo erkennen / der ward er palde gelert / seyt in natürlicher aigenschaft darzuo behendiklich uebete Auch noetet er den schalckhafftiklich gefangenen das er de(n) kunde(n) und den froembden hoffiern muoste und gaucklen zuo lust nach seinem willen&amp;amp;middot; Wann aber des czuo stunden des nit wol willig was daz muost er gar schnaell wid(er)pri(n)gen / thaet er des nit so ward auch er genczlich von im emploeßt und muoßt groß straich leyden / Und gab im für den hoenigs am essich und pitter gallen&amp;amp;middot; Dz pitter tranck un(d) schaemlichs laster die der Af leiden muoßt die taeten im die augen der verstentnuße auf&amp;amp;middot; und gaben im sein synn wider als ferr das er wol erkannt wie er gefangen muoßt diene(n) nu(n) dem zorn nun d(er) schwachen geytikeit seines schwaern maisters / Do grif er in sein hercz und klaget sei(n) pittres leiden / er redt mit im selber&amp;amp;middot; unnd bedacht wz sich mit unzeitigem gelück an im hete u(m)gangen&amp;amp;middot; Unnd wie auch in v(er)heissen gab verlait heten dz er seins muotes mit fancknuß waer beraubet und sprach also&amp;amp;middot; O du verporgner und schoengezierter a(n)gel d(er) geitikeit wiewol kanstu betriege(n)&amp;amp;middot; Ich maint mir zekauffen ein deck meiner ploesse dz hate mich gefelt in scha(m) und laster Nu(n) waffen wz hab ich geta(n) mei(n) handel ist nit and(er)s dan(n) ein pfa(n)t des aller schwaeresten punds&amp;amp;middot; Ei(n) wechssel des toren mit dem weisen / das klainste gelt des groeßten kaufs&amp;amp;middot; Ein joch des schwaeresten di(n)gs&amp;amp;middot; Ein urhab d(er) poßheit Ein vingerzaigen d(er) fencknusse Ein speiß d(er) zwayunge / ein v(er)keren d(er) rechten / ein saum aller übel / ein gift d(er) waren lieb&amp;amp;middot; Als ich das verstee so ist das nit unpillich das die liebhaberin des frides und d(er) gerechtigkeit und dye gesellin aller tugent dz goetliche recht d(er) alten ee allen richtern bei d(er) wyd v(er)peut das sy nit gab nemen&amp;amp;middot; und spricht also&amp;amp;middot; Gab plenden die weysen / und v(er)kern dye wort d(er) gerechte(n)&amp;amp;middot; Auch pringe(n)t die selben rechten d(er) alten ee claerlich an den &lt;br /&gt;
tag wie die unrechte(n) gab die weißheit v(er)iagen die gerechtikeit zertrennen&amp;amp;middot; Sy v(er)wuesten d(er) vernünftigen und sitigen tugent wesenliche vestikeit und toettendtt schlaechtes unnd rechtes leben&amp;amp;middot; Waist man nit wie der weissag Balaam ward mit gabe geplendet&amp;amp;middot; unnd verdarb auch damit ewiklich&amp;amp;middot; Mit gabe so ward der sessel des gerichts des wirdigen hauses Jacob gancz und gar verrucket / da Samuelis sün von gab wegen verpoest wurden / da viel auch Israhel in kürcz darnach in schand und laster&amp;amp;middot; Mit gab so ward der pluende rat der hochgekroenten statt zuo Rom verkert und verruckt damit v(er)wandlet sich ir ere und ward gar vast genidert&amp;amp;middot; Wann sy was mit gab so geneczlich überwunden das alle recht ein unrechte wurden / wa(n)n einen d(er) seynes aygen pruoder toetter wz&amp;amp;middot; un(d) was ein mortlicher schacher de(n) machet gab gerecht in seinen sachen&amp;amp;middot; und da er von der stat sich schaiden wolt / do keret er dz angesicht wider gen der stat unnd schrei mit lauter stymm&amp;amp;middot; Es waere die gancz stat vayl un(d) all ir mueter pastharten zugen pern / und funden sy nun kauffer&amp;amp;middot; Vo(n) der sach wegen on allen zweifel seind die mit grossez lob gewirdiget dye nit mit klein tugente(n) der weißheyt iren wolgezierten muot besessen haben / sunder auch die d(er) groesten herrngab am meisten freyen muot zuo eren widersprachen und verschmaechten dye auff zenemen&amp;amp;middot; Ey wer kan das volsagen weliches lobes unnd auch ruomes der vest held Dyogenes für keyser un(d) künig würdig sey / darumb das er die reychen gab die seinen willen czenemen in freimuetiger miltikeit des maechtigen küniges Alexandri / geopffert und gepoten worde(n) / die trat er manlich under seyne fueß&amp;amp;middot; unnd gieng in mitte durch sein reych des goldes nacket un(d) ploß&amp;amp;middot; Damit erschein er als vil reicher und auch groesser dann d(er) künig selber was / wann dz des er begerte das was groesser und wirdenreicher dann alles dz daz der künig geben unnd besiczen mocht&amp;amp;middot; Ey wie mit lobliche(n) lob wirt der wundersam liebhaber der sitten Socrates erhebt und erhoecht / wann da er von dez gewaltigen künig Archelao in künicklicher begir gar fleissikliche(n) gebeten ward das er sich zuo im fueget das wißt er im mit reycher gab nach künicklicher wirdikeit mit milter hand zedanken d(er) gab antwurt  er gar mit kurczen worten&amp;amp;middot; Er woelt zuo des nymer kommen von dem er moecht woltat und  gab aufnemen seyt er im kein gleiche gab gegeben moecht&amp;amp;middot; Auch wolt er gancz  frey sein&amp;amp;middot; und gedacht auch im er waere zuo geben geadelt unnd nicht zuo neme(n) / darumb verschmaecht er sein gabe&amp;amp;middot; Auch wirdet d(er) edel Roemer Fabricius mit hohem lob an manger stat gepreist&amp;amp;middot; do im der künig Pirais ein fürstenthuom zuogab der pot das er and(er) vier und(er) im het&amp;amp;middot; Dz v(er)schmaecht er in freyes adels muot / wann er wz der tugent reich und erwoelt wie er wolt vil lieber ein miter statman sein dann das er pflaeg grosser würd / darzuo in gab het gemuet / damit erschein er sichtigklich als ferr das den künig sein verwundert seins staeten muotes Des lobet er in&amp;amp;middot; und erhuob sein lob über die klaren sunnen und sprach also&amp;amp;middot; Dz ist d(er) Fabricius der so staet und vest ist / daz müglich wear es traet die sunn vo(n) ire(m) lauf und v(er)wandlet den de(n)n das sich sein gerechter muot v(er)wa(n)dlet und verkert&amp;amp;middot; Wz sag ich mer es wirt nichs teürer verkauft und mit groesser verlust genommen / dann gab die geitiklich genommen und gegeben wirt&amp;amp;middot; Do das außgericht wart da nam des affen ler ein ende&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Miniaturen und gedruckte Bilder==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Affe_und_Schauspieler_(Mgf_459,_184v).png|200px|thumb|left|Affe und Schauspieler (Mgf 459, 184v)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Schauspieler (Cgm 254, 60v).png|200px|thumb|left|Affe und Schauspieler (Cgm 254, 60v)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Schauspieler (Cgm 340, 87r).png|200px|thumb|left|Affe und Schauspieler (Cgm 340, 87r)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Schauspieler (Cgm 9602, 71r).jpg|200px|thumb|left|Affe und Schauspieler (Cgm 9602, 71r)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Schauspieler (Egerton 1121, 119v).png|200px|thumb|left|Affe und Schauspieler (Egerton 1121, 119v)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Schauspieler (Druck 1490, 81r).jpg|200px|thumb|left|Affe und Schauspieler (Druck 1490, 81r)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Spielmann (Druck 1571, 237v).png|200px|thumb|left|Affe und Spielmann (Druck 1571, 237v)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verwandte Erzählstoffe==&lt;br /&gt;
===[[Affe und Fuchs I (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der selbstgefällige Fuchs spottet über den nackten Affen, der aber betont den Wert innerer Qualitäten und zählt die Nachteile äußerer Schönheit auf. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Affe und Fuchs II (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein angeketteter Affe brüstet sich mit seiner menschlichen Kleidung, wird aber vom Fuchs über seine Unfreiheit und geistige Armut aufgeklärt. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 24)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Fuchs und Affe II (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Fuchs, den er um seinen schönen Schwanz beneidet, geht der Affe auf Wanderschaft und erkennt dabei am Beispiel anderer Tiere, dass der, der etwas Besonderes besitzt, den Nachstellungen der Menschen ausgesetzt ist. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 202)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Fuchs und Affe III (Erzählstoff)]]===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Affe bittet den Fuchs, ihm einen Teil seines langen Schwanzes zu geben, damit er seine Blöße bedecken könne; der habgierige Fuchs denkt nicht daran, mit dem Bedürftigen zu teilen. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 203)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anspielungen==&lt;br /&gt;
===Cyrillus: Speculum Sapientiae, Nr. II, 11===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 102&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Übersetzung&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 103&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|Der Fuchs versucht die Hirschkuh zu überreden, sich zum Bären zu begeben, um sich Hörner geben zu lassen, und zählt in diesem Zusammenhang die Vorzüge anderer Tiere auf:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Aut forte livoris nescia quaedam reliquit arti natura. Simia quidem suppletiva arte induitur et magisterio aurum et argentum politur.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Vgl. Affe und Spielmann: &#039;&#039;Irretitam ergo, natura dispositam, ludere quantocius eruditam, cupiditatis suae ludos protinus exposuit ac suis commodis atque oblectationibus alienis miseram servire coegit.&#039;&#039;)&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;blockquote&amp;gt;Oder aber die Natur hat neidlos der Geschicklichkeit Spielraum gegeben. Der Affe ist allerdings mit einer zusätzlichen Geschicklichkeit ausgestattet, Gold und Silber werden durch Meisterschaft geglättet.)&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Vgl. Affe und Spielmann: Er stellte ihn also, der von Natur aus dazu geeignet war, gefesselt sofort zur Schau, nachdem er schnellstens abgerichtet worden war, die Spiele seiner Begierde zu spielen, und er zwang den Unglücklichen seinen Bequemlichkeiten und fremden Vergnügen zu dienen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Cyrillus: Speculum Sapientiae, Nr. II, 20===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 122&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Übersetzung&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 123&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|Der Fuchs verspottet den Affen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;&amp;quot;Numquid naturae opulentis in te tantum defecerunt divitiae, ut debitum natibus indumentum ac nobili animae correspondentem pellem tribuere non valeret? Aut certe si te cum homine induendam arte dimiserit, hoc cum acciderit, necesse est, ut capta sis.&amp;quot;&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Hat dich der Reichtum der wohlhabenden Natur so sehr in Stich gelassen, daß sie dir die notwendige Bedeckung für dein Hinterteil und ein Fell, das einem edlen Geist ansteht, nicht geben konnte? Und wenn sie dich wie den Menschen mit der handwerklichen Geschicklichkeit, dich zu bekleiden, entlassen hätte, wärest du sicher gefangen worden, wenn dies geschehen wäre.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. II, 11===&lt;br /&gt;
Die Handlung ist analog zu Cyrill II, 11 gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Wann du sihest wol wie der ungestalt Aff vo(n) natur hinden und vornen mit maisterschaft beklaidet un(d) geziert wirt Auch werde(n) silber und gold un(d) edel gestain mit maisterschafft gepoliert und durchfein.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. II, 20===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Handlung ist analog zu Cyrill II, 20 gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ey sage mir wye werden der gar vollkommen natur überflüssige reichtu(m)b so gar gepraestenlich an dir gesehen dz sy weder deiner scham zymliche claider noch deiner claren unnd edlen sel nicht miltigklichen gegeben hat ein obdach eins rauhen pelglins des doch den beide(n) ein notdurft waer. Hat sy daz nit vermügt so ist auch sy gebraest enlich. Hat aber sy das mügen thuon un(d) hat das woellen nichtt gehebtt so ist auch sy deinem jaemerigen potich in grossez genaere neidig gewesen. Es waer dan(n) eins daran das sy synnreycher kunst verlassen het ob du vonn dem menschen soltest beklayset werden. waere dem also so waere aber genaerde dabey. wann we(n)n das an dir geschaehe so mueßtest auch du gefangen sein.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. II, 29===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Waldesel (Cgm 340, 62r).png|200px|thumb|left|Affe und Waldesel (Cgm 340, 62r)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. III, 9===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Fuchs II (Cgm 254, 57r).png|200px|thumb|left|Affe und Fuchs II (Cgm 254, 57r)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Fuchs II (Cgm 340, 81r).png|200px|thumb|left|Affe und Fuchs II (Cgm 340, 81r)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Fuchs II (Cgm 9602, 67v).jpg|200px|thumb|left|Affe und Fuchs II (Cgm 9602, 67v)&lt;br /&gt;
Datei:Affe und Fuchs II (Druck 1490, 76r).jpg|200px|thumb|left|Affe und Fuchs II (Druck 1490, 76r)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. II, 11===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Handlung ist analog zu Cyrill II, 11 gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Man woelt dan(n) sagen das die natur die niemant hessig ist / etwas der kluogheit verlassen hab / wie dan(n) auch der Aff sich uß kunst bekleiden kan(n) / und dz golt und silber wirt balirt uß sin(n)richeit.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. II, 20===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Handlung ist analog zu Cyrill II, 20 gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Wie kumpt es das die rych natur dir nit geben hat kleydung zuo bedecken dyn hindern / und ein hut die glich genieß wer diner edle(n) selen Oder hat sy dich dem me(n)schen verlassen von im zuo bekleidt werde(n) / so folgt daruß / das du von dem me(n)schen gefangen muost syn.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 38===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Handlung ist analog zu Cyrill II, 11 gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Das sich aus Kunst der Aff fein kan /&amp;lt;br /&amp;gt;Beklaiden / deßgleichen sicht man.&amp;lt;br /&amp;gt;Wie Gold und Silber bringt ain glantz /&amp;lt;br /&amp;gt;Auß Sinnlichhait und Kluoghait gantz.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 47===&lt;br /&gt;
Die Handlung ist analog zu Cyrill II, 20 gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Und sprach zuo jm es wundert mich /&amp;lt;br /&amp;gt;Das doch nit hat begabet dich&amp;lt;br /&amp;gt;Die kluog Natur das du mit hail / &amp;lt;br /&amp;gt;Moechtest decken dein hindren thail. &amp;lt;br /&amp;gt;Oder hat Sy es darumb thon /&amp;lt;br /&amp;gt;Das dich der Mensch beklaide schon.&amp;lt;br /&amp;gt;So volgt darauß das du mit pein /&amp;lt;br /&amp;gt;Muost des Menschen gefangner sein.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Quelle Fabel]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Ochse_und_Schwein_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20297</id>
		<title>Ochse und Schwein (Erzählstoff)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Ochse_und_Schwein_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20297"/>
		<updated>2021-11-18T07:36:11Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: /* Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein), Nr. I, 11 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490) */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
| namen              = Ochse und Schwein&lt;br /&gt;
| regest             = Der Ochse erklärt dem fragenden Schwein, warum er wiederkäut. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 530)&lt;br /&gt;
| fassungen          = [[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. I, 11&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. I, 11, Bl. 9v-10v&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], 11&lt;br /&gt;
| forschung          = [[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 530f.; [[Günthart, Romy (Hg.): Sebastian Münster, Spiegel der wyßheit]], Band 2, S. 26f.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Lateinische Version (Cyrillus, Nr. I, 11), 1. Hälfte 14. Jhd. ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die deutsche Tradition baut auf einer lateinischen Quelle auf (Cyrillus, Nr. I, 11 ([https://archive.org/details/diebeidenltesten00grss Grässe, Johann Georg Theodor (Hg.): Die beiden ältesten lateinischen Fabelbücher des Mittelalters.] Tübingen 1880, S. 16-18)). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 44-46.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Übersetzung&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 45-47.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Diligentiori ruminatione omnia digeras, priusquam agas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Post aliquantulam sumpti digestionem edulii ipsum bos retribuens faucibus cum recubans ruminaret, porcus hoc adspiciens ad eum venit et dixit: &amp;quot;Quid est quod agis, cornute?&amp;quot; Cui ille: &amp;quot;Rumino.&amp;quot; Tunc porcus: &amp;quot;Parum ante tam onerosum iugum deposuisti, ut quid modo non quiescis? Nonne semel satis est masticasse? Ad haec bos ita fertur dixisse: &amp;quot;Nimirum, frater, si ruminares, nullatenus ita sentires. Ubi quaeso situs est alimenti sensus? Nonne in faucibus? Et propter hoc quanto diligentius edulium masticamus, tanto amplius totius rei saporem percipimus et iudicialem gustum vehementius delectamus; revera molares dentes in duplo provida ob hoc natura composuit, ut masticatio maior adsit, et gustativus sensus providenter locatus est in ore, ut delectatione cibum diutius teneamus sub fauce. Quin et ruminans melius digero et alimentum in fine per amplius depuratum assumo.&amp;quot; Tunc porcus his auditis adiunxit: &amp;quot;Quis ruminare te docuit?&amp;quot; Et ille: &amp;quot;Nimirum ars illa me hoc agere erudivit in corpore, quae sapientem edocuit ruminare in mente. Cuncta namque subtili medicamine ruminat prudens quae aut dicit aut facit, propterea quidem digesta loquitur et purgata similiter operatur. Ad quid enim communicatum est homini clarum rationis consilium, et tarn carissimum concessum est illi meditationis bonum? Nonne ut his salubriter in agendis utatur? Unde praemeditationis masticatio semper praeponenda est in cunctis humanis actibus, si sapientia gubernantur, ut universa digestiora et puriora consequantur. Nec semel satis est rem agendam videre, sed necesse est eam subtiliter pluries ruminare. Sicut quattuor digestionibus cibus praecoquitur, ut deinde membris purior atque veracior tribuatur, omnis cibus, autequam animae uniatur, quattuor purgetur digestionibus. Primo vadit ad stomachum et ibi digeritur et sequestratur purum ab impuro et quod impurum est, emittitur per secessum. Deinde purum derelictum ad hepar mittitur, et ibi digeritur et fit sanguis et sequestratur purum ab impuro et impurum emittitur per urinam. Deinde derelictum purum a venis attrahitur et ibi tertio digeritur et sequestratur purum ab impuro et impurum emittitur per sudorem et sputum. Deinde purum derelictum per membra spargitur et in membris quarto digeritur et sequestratur purum ab impuro et illud impurum, quod quasi purum est, servatur in vasis spermaticis et in generatione emittitur. Purissimum autem derelictum conversum in membrorum substantiam finaliter animae copulatur factum vivum et substantia vitae. Unde nulla cibalis impuritas accedit ad animam, nisi cum quater mundificatus sit omnis cibus. Tu quidem ergo, carissime, quia non ruminas, impurius suscipis alimentum, et ob hoc divina lege iudicaris immundus.&amp;quot; Quibus auditis erubescens porcus recessit.&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Bevor du handelst, sollst du alles durch sorgfältiges Nachdenken abwägen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Schwein sah, wie ein Ochse nach kurzem Kauen der aufgenommenen Nahrung diese wieder seinem Maul zuführte und im Liegen wiederkäute; es ging näher zu ihm und sagte: &amp;quot;Was treibst du, Hornochse?&amp;quot; Jener sagte zu ihm: &amp;quot;Ich bin mit Wiederkäuen beschäftigt.&amp;quot; Darauf meinte das Schwein: &amp;quot;Eben erst hast du das so beschwerliche Joch abgelegt, warum ruhst du jetzt nicht aus? Genügt es nicht, einmal gekaut zu haben?&amp;quot; Darauf soll der Ochse folgendes gesagt haben: &amp;quot;Aber nein, mein Bruder, wenn du ein Wiederkäuer wärest, würdest du keineswegs so denken. Ich frage dich, wo ist denn das Sinnesorgan für die Nahrung angesiedelt? Doch im Maul! Je sorgfältiger wir kauen, um so mehr nehmen wir folglich den Geschmack der ganzen Sache auf und um so eindringlicher erfreut sich der urteilende Geschmacksinn; die wirklich weitsichtige Natur hat deshalb die Backenzähne doppelt angelegt, damit ein kräftiges Kauen möglich ist, und der Geschmackssinn ist absichtlich im Mund angelegt, damit wir mit Freude die Speise länger darin festhalten. Ich verdaue sogar besser, wenn ich wiederkäue und nehme schließlich eine besser gereinigte Nahrung auf.&amp;quot; Als das Schwein dieses gehört hatte, fügte es hinzu: &amp;quot;Wer hat dich das Wiederkäuen gelehrt?&amp;quot; Er gab zur Antwort: &amp;quot;Selbstverständlich hat jene Kunst mich dazu erzogen, dies in meinem Körper zu tun, die den Weisen lehrte, im Geist wiederzukäuen. Denn alles, was der Kluge sagt oder tut, kaut er mit einem feinen Wirkstoff nochmals durch. Deshalb spricht er nach reiflicher Überlegung und handelt in ähnlicher Weise lauter. Wozu ist nämlich dem Menschen das klare Planen des Verstandes gegeben und wozu ist ihm das so teure Gut des Nachdenkens gewährt worden? Doch dazu, daß er es heilsam bei seinem Tun und Handeln benutzt. Deshalb muß bei allen menschlichen Handlungen immer das &#039;Kauen&#039; der Vorüberlegung vorangestellt werden, wenn sie von der Weisheit gelenkt werden, damit alles durchdachter und reiner nachfolgt. Und es genügt nicht, eine Sache, die man zu tun hat, nur einmal zu bedenken, sondern man muß sie mehrmals gründlich überdenken. So wird eine Speise durch vier Verdauungsvorgänge vorverdaut, daß sie dann den Gliedern reiner und echter zugeführt wird, und jede Speise soll durch einen vierfachen Verdauungsvorgang gereinigt werden, bevor sie in die Lebenskraft eingeht. Zuerst kommt sie in den Magen und wird dort zerkleinert, das Reine wird vom Unreinen getrennt und das Unreine wird abgeführt. Dann wird der gereinigte Rest zur Leber transportiert und dort zerkleinert, so daß Blut entsteht, das Reine vom Unreinen getrennt und das Unreine durch den Urin ausgeschieden wird. Der gereinigte Rest wird von den Blutadern aufgenommen und dort zum dritten Mal zerkleinert, das Reine vom Unreinen getrennt und das Unreine durch Schweiß und Speichel ausgeschieden. Dann aber  verteilt sich der gereinigte Rest in den Gliedern und wird dort zum vierten Mal zerkleinert, das Reine vom Unreinen getrennt und jenes Unreine, das schon beinahe rein ist, in den Spermagefäßen aufbewahrt und bei der Zeugung ausgeschieden. Der völlig gereinigte Rest, der sich in die Substanz der Organe verwandelt hat, wird als kraftvolle Lebenssubstanz endlich in die Lebenskraft eingebunden. So gelangt kein unreines Essen in die Lebenskraft, da jede Speise viermal gereinigt wurde. Weil du aber, mein lieber Freund, kein Wiederkäuer bist, nimmst du unreine Nahrung zu dir und deswegen giltst du nach göttlichem Gesetz als unrein.&amp;quot; Als das Schwein dieses gehört hatte, zog es sich beschämt zurück.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutsche Versionen==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. I, 11 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490)===&lt;br /&gt;
Das &amp;amp;middot;XI&amp;amp;middot; Capitel Bedenck alle ding mit wolgedewtem eintrucken ee und du sy thuost&amp;amp;middot;&amp;lt;br /&amp;gt;Das &amp;amp;middot;XI&amp;amp;middot; Capitel&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;N&#039;&#039;&#039;ach etwe vil dewung &lt;br /&gt;
der empfange(n) speyß empfalhe ei(n) Ochß die selbe(n) speise dem guomen hyn wider sy baß zekeüen&amp;amp;middot; Unnd da er siczender und ruowender eyntrucket das sahe ein schwein es lief zuo im un(d) sprach&amp;amp;middot; Du gehürneter was ist das du thuost&amp;amp;middot; Der ochß sprach&amp;amp;middot; Ich eindrucke&amp;amp;middot; Do sprach das schwein&amp;amp;middot; Du unweiser ein kleine stund vor der zeyt hastu ein schwaeres joch vo(n) dyr geleget / waru(m)b ruoest du nu(n) nit Waer des nit genuog das du das aynest gekewt hetest&amp;amp;middot; Das verantwurt der ochs unnd sprach also&amp;amp;middot; Des nymm dir nit wund(er) / mein pruoder / wenn waer daz du eindrucktest fürwar so verstuendest du auch mei(n) eindrucke(n) ich bit dich in freüntschaft sag mir wo und an wellicher stat der tiere ist der synn der speiß geseczt / Ist er nit in dem guomen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Daru(m)be seyt er in dez guome(n) ist so wir dann die speiß ye fleissigklicher kewen so wir ye mer geschmackes des dings das wir da keüen empfahen un(d) gewynnen / auch dester mer lustes in dem koste(n)&lt;br /&gt;
Wiß fürwar das dye besichtige natur die winckel zaen mit de(n) dz kewen geschicht hat zwir allso grosse macht als die andern un(d) vodern zaen&amp;amp;middot; Daru(m)b das dz keüe(n) dest bas geschehe&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Auch hat die natur den costende(n) syn in de(n) mu(n)de geseczt / daru(m)b das wyr dye speiß dester lenger mit lust und(er) dem guomen hielten&amp;amp;middot; Nun dewe ich mein speiß destbas&amp;amp;middot; wenn sy wirt mit eindrucken mir zuo hilf wolgeleütert&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Do sprach dz schwei(n)&amp;amp;middot; wer hat dich gelert eintrucke(n)&amp;amp;middot; Der frag gab der ochß antwurt unnd sprach&amp;amp;middot; Des bis on zweifel die kunst hat mich geleret eindrucken in meinen leychnam die den weysen lert eintrucken in der sel&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
wann ain weiser eindruckt alle ding die er redtt oder würckt mit sitigem bedencken / darumb so erdet&amp;lt;ref&amp;gt;Wohl ein Druckfehler, der auf die Vertauschung von r und e (wie bei einer r-Metathese) zurückgeht. erdet wäre zu redet zu verbessern.&amp;lt;/ref&amp;gt; er wolgedeüte wort / un(d) würckt wolgeleüterte und rain geschwu(n)gen werck&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sag mir wardurch istt dem mensche(n) verlihen clarer rat und vernunft un(d) das aller klarest guot der bedaechtnuß zuo nichten anders fürwar dann das er die heilwertiklich nücz in seinen worten und wercken&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Darumbe ist das kewüen der gedechtnuße in allen menschlichen worte(n) un(d) wercken allzeit für zuo seczen daz die beyde mit weißheit wol behuet seyen&amp;amp;middot; Auch ist des nit genuoge ob ain ding aynest besichtigklich und bedaechtiklich wirt betracht / wenn des ist ein noturft das es behendiklich dick un(d) oft werd eingedruckt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
wenn ein yeckliche speiß wirt vierfaltiklich gekocht ee und sy den gelidern warhaftiklich und wolgeleüteret empfolhen unnd geaigenot wirt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Nu(n) das du des gelert werdest so wyß das ayn yeckliche speiß mit der wir tier gespeißtt werden bedarf zuo noete(n) dz sy mit hicziger deüwung vierfeltiklychen geleütert sey ee und sy den lebentigen geysten gegebe(n) wirt unnd gaucz&amp;lt;ref&amp;gt;Ein Fehler im Druck, gaucz ist zu gancz zu verbessern.&amp;lt;/ref&amp;gt; mit inen veraynet Wann des ersten kommet dye speiß in den magen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
und in dem wirt sy am erste(n) gedeüwet / darinn teylt sich das lauter von dez unlautern / und das daz unlautter ist wirt den natürlichen stuele(n) empfolhen mit dem nympte es seinen außgang / darnach wirtt das lauter das in dem mage(n) beleibt der lungen empfolhen Un(d) wirt darinnen verdeüet Unnd wirt da zuo pluot&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
da wirt aber dz lauter von dem unlautern geteilet / und das unlauter wirt mit dem haren außgelassen&amp;amp;middot; Darnache wirt das lauter das in d(er) lungen beliben ist von den adern an sich gezogen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
und wirt darinne(n) zuo dem driten mal gedeüet / Do wirt aber das lauter vo(n) dem unlautern geteilt&amp;amp;middot; und das unlauter wirt verlassen mitt dem schwaiß und mit dez spaichel&amp;amp;middot; darnach zuo dem vierden mal wirtt daz lauter das do überbelibe(n) ist in alle gelider geteylt / und wirdet darinnen gedeüet&amp;amp;middot; Do wirtt auch daz lautter von dem unlautern geteylt&amp;amp;middot; &lt;br /&gt;
Und dasselbig das vil nahend sam als das lautter ist das wirt behalte(n) in den vaßsen das ist der nyeren natürlicher saum / und dasselbig dz wirt mit dem wercke der natur verlassen&amp;amp;middot; &lt;br /&gt;
Aber das aller leüterst dz daselbs ist überbeliben und sich in wesenlichs wesen und stand der gelyder verkeret und auch verwandlet hat / dz wirt zuo dez jüngsten den geysten des lebens zuo gefueget mit de(m) leben un(d) dz selbig ist des lebe(n)s wesenlichs wesen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Also merck dz kei(n) unlautrikeit ko(m)pt zuo der sel der tier es sej dan(n) ein jeckliche speiß ee zuo vier malen gereiniget un(d) geleütert&amp;amp;middot; Sei d(az) aber du nit eintruckst daru(m)be so nymbstu ungeleüterte speiß i(n) d(er) du für rose(n) un(d) gilge(n) wuolest&amp;amp;middot; un(d) naschest / daru(m)b pistu mit goetliche(m) urteil der alte(n) ee ein unrein tier geurteilt un(d) v(er)dampt&amp;amp;middot; Do daz schwei(n) dz hort zohe es mit scha(n)den von der pan&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Miniaturen und gedruckte Bilder==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Cgm 254, 9v).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Cgm 254, 9v)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Cgm 9602, 10v).jpg|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Cgm 9602, 10v)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Mgf 459, 23v).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Mgf 459, 23v)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (MS 653, 174r).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (MS 653, 174r)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (MS Egerton 1121, 16r).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (MS Egerton 1121, 16r)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Druck 1490, 12v).jpg|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Druck 1490, 12v)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Druck 1571, 45v).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Druck 1571, 45v)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Quelle Fabel]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Ochse_und_Schwein_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20296</id>
		<title>Ochse und Schwein (Erzählstoff)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Ochse_und_Schwein_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20296"/>
		<updated>2021-11-18T07:34:07Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: /* Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein), Nr. I, 11 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490) */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
| namen              = Ochse und Schwein&lt;br /&gt;
| regest             = Der Ochse erklärt dem fragenden Schwein, warum er wiederkäut. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 530)&lt;br /&gt;
| fassungen          = [[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. I, 11&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. I, 11, Bl. 9v-10v&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], 11&lt;br /&gt;
| forschung          = [[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 530f.; [[Günthart, Romy (Hg.): Sebastian Münster, Spiegel der wyßheit]], Band 2, S. 26f.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Lateinische Version (Cyrillus, Nr. I, 11), 1. Hälfte 14. Jhd. ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die deutsche Tradition baut auf einer lateinischen Quelle auf (Cyrillus, Nr. I, 11 ([https://archive.org/details/diebeidenltesten00grss Grässe, Johann Georg Theodor (Hg.): Die beiden ältesten lateinischen Fabelbücher des Mittelalters.] Tübingen 1880, S. 16-18)). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 44-46.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Übersetzung&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 45-47.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Diligentiori ruminatione omnia digeras, priusquam agas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Post aliquantulam sumpti digestionem edulii ipsum bos retribuens faucibus cum recubans ruminaret, porcus hoc adspiciens ad eum venit et dixit: &amp;quot;Quid est quod agis, cornute?&amp;quot; Cui ille: &amp;quot;Rumino.&amp;quot; Tunc porcus: &amp;quot;Parum ante tam onerosum iugum deposuisti, ut quid modo non quiescis? Nonne semel satis est masticasse? Ad haec bos ita fertur dixisse: &amp;quot;Nimirum, frater, si ruminares, nullatenus ita sentires. Ubi quaeso situs est alimenti sensus? Nonne in faucibus? Et propter hoc quanto diligentius edulium masticamus, tanto amplius totius rei saporem percipimus et iudicialem gustum vehementius delectamus; revera molares dentes in duplo provida ob hoc natura composuit, ut masticatio maior adsit, et gustativus sensus providenter locatus est in ore, ut delectatione cibum diutius teneamus sub fauce. Quin et ruminans melius digero et alimentum in fine per amplius depuratum assumo.&amp;quot; Tunc porcus his auditis adiunxit: &amp;quot;Quis ruminare te docuit?&amp;quot; Et ille: &amp;quot;Nimirum ars illa me hoc agere erudivit in corpore, quae sapientem edocuit ruminare in mente. Cuncta namque subtili medicamine ruminat prudens quae aut dicit aut facit, propterea quidem digesta loquitur et purgata similiter operatur. Ad quid enim communicatum est homini clarum rationis consilium, et tarn carissimum concessum est illi meditationis bonum? Nonne ut his salubriter in agendis utatur? Unde praemeditationis masticatio semper praeponenda est in cunctis humanis actibus, si sapientia gubernantur, ut universa digestiora et puriora consequantur. Nec semel satis est rem agendam videre, sed necesse est eam subtiliter pluries ruminare. Sicut quattuor digestionibus cibus praecoquitur, ut deinde membris purior atque veracior tribuatur, omnis cibus, autequam animae uniatur, quattuor purgetur digestionibus. Primo vadit ad stomachum et ibi digeritur et sequestratur purum ab impuro et quod impurum est, emittitur per secessum. Deinde purum derelictum ad hepar mittitur, et ibi digeritur et fit sanguis et sequestratur purum ab impuro et impurum emittitur per urinam. Deinde derelictum purum a venis attrahitur et ibi tertio digeritur et sequestratur purum ab impuro et impurum emittitur per sudorem et sputum. Deinde purum derelictum per membra spargitur et in membris quarto digeritur et sequestratur purum ab impuro et illud impurum, quod quasi purum est, servatur in vasis spermaticis et in generatione emittitur. Purissimum autem derelictum conversum in membrorum substantiam finaliter animae copulatur factum vivum et substantia vitae. Unde nulla cibalis impuritas accedit ad animam, nisi cum quater mundificatus sit omnis cibus. Tu quidem ergo, carissime, quia non ruminas, impurius suscipis alimentum, et ob hoc divina lege iudicaris immundus.&amp;quot; Quibus auditis erubescens porcus recessit.&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Bevor du handelst, sollst du alles durch sorgfältiges Nachdenken abwägen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Schwein sah, wie ein Ochse nach kurzem Kauen der aufgenommenen Nahrung diese wieder seinem Maul zuführte und im Liegen wiederkäute; es ging näher zu ihm und sagte: &amp;quot;Was treibst du, Hornochse?&amp;quot; Jener sagte zu ihm: &amp;quot;Ich bin mit Wiederkäuen beschäftigt.&amp;quot; Darauf meinte das Schwein: &amp;quot;Eben erst hast du das so beschwerliche Joch abgelegt, warum ruhst du jetzt nicht aus? Genügt es nicht, einmal gekaut zu haben?&amp;quot; Darauf soll der Ochse folgendes gesagt haben: &amp;quot;Aber nein, mein Bruder, wenn du ein Wiederkäuer wärest, würdest du keineswegs so denken. Ich frage dich, wo ist denn das Sinnesorgan für die Nahrung angesiedelt? Doch im Maul! Je sorgfältiger wir kauen, um so mehr nehmen wir folglich den Geschmack der ganzen Sache auf und um so eindringlicher erfreut sich der urteilende Geschmacksinn; die wirklich weitsichtige Natur hat deshalb die Backenzähne doppelt angelegt, damit ein kräftiges Kauen möglich ist, und der Geschmackssinn ist absichtlich im Mund angelegt, damit wir mit Freude die Speise länger darin festhalten. Ich verdaue sogar besser, wenn ich wiederkäue und nehme schließlich eine besser gereinigte Nahrung auf.&amp;quot; Als das Schwein dieses gehört hatte, fügte es hinzu: &amp;quot;Wer hat dich das Wiederkäuen gelehrt?&amp;quot; Er gab zur Antwort: &amp;quot;Selbstverständlich hat jene Kunst mich dazu erzogen, dies in meinem Körper zu tun, die den Weisen lehrte, im Geist wiederzukäuen. Denn alles, was der Kluge sagt oder tut, kaut er mit einem feinen Wirkstoff nochmals durch. Deshalb spricht er nach reiflicher Überlegung und handelt in ähnlicher Weise lauter. Wozu ist nämlich dem Menschen das klare Planen des Verstandes gegeben und wozu ist ihm das so teure Gut des Nachdenkens gewährt worden? Doch dazu, daß er es heilsam bei seinem Tun und Handeln benutzt. Deshalb muß bei allen menschlichen Handlungen immer das &#039;Kauen&#039; der Vorüberlegung vorangestellt werden, wenn sie von der Weisheit gelenkt werden, damit alles durchdachter und reiner nachfolgt. Und es genügt nicht, eine Sache, die man zu tun hat, nur einmal zu bedenken, sondern man muß sie mehrmals gründlich überdenken. So wird eine Speise durch vier Verdauungsvorgänge vorverdaut, daß sie dann den Gliedern reiner und echter zugeführt wird, und jede Speise soll durch einen vierfachen Verdauungsvorgang gereinigt werden, bevor sie in die Lebenskraft eingeht. Zuerst kommt sie in den Magen und wird dort zerkleinert, das Reine wird vom Unreinen getrennt und das Unreine wird abgeführt. Dann wird der gereinigte Rest zur Leber transportiert und dort zerkleinert, so daß Blut entsteht, das Reine vom Unreinen getrennt und das Unreine durch den Urin ausgeschieden wird. Der gereinigte Rest wird von den Blutadern aufgenommen und dort zum dritten Mal zerkleinert, das Reine vom Unreinen getrennt und das Unreine durch Schweiß und Speichel ausgeschieden. Dann aber  verteilt sich der gereinigte Rest in den Gliedern und wird dort zum vierten Mal zerkleinert, das Reine vom Unreinen getrennt und jenes Unreine, das schon beinahe rein ist, in den Spermagefäßen aufbewahrt und bei der Zeugung ausgeschieden. Der völlig gereinigte Rest, der sich in die Substanz der Organe verwandelt hat, wird als kraftvolle Lebenssubstanz endlich in die Lebenskraft eingebunden. So gelangt kein unreines Essen in die Lebenskraft, da jede Speise viermal gereinigt wurde. Weil du aber, mein lieber Freund, kein Wiederkäuer bist, nimmst du unreine Nahrung zu dir und deswegen giltst du nach göttlichem Gesetz als unrein.&amp;quot; Als das Schwein dieses gehört hatte, zog es sich beschämt zurück.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutsche Versionen==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. I, 11 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490)===&lt;br /&gt;
Das &amp;amp;middot;XI&amp;amp;middot; Capitel Bedenck alle ding mit wolgedewtem eintrucken ee und du sy thuost&amp;amp;middot;&amp;lt;br /&amp;gt;Das &amp;amp;middot;XI&amp;amp;middot; Capitel&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;N&#039;&#039;&#039;ach etwe vil dewung &lt;br /&gt;
der empfange(n) speyß empfalhe ei(n) Ochß die selbe(n) speise dem guomen hyn wider sy baß zekeüen&amp;amp;middot; Unnd da er siczender und ruowender eyntrucket das sahe ein schwein es lief zuo im un(d) sprach&amp;amp;middot; Du gehürneter was ist das du thuost&amp;amp;middot; Der ochß sprach&amp;amp;middot; Ich eindrucke&amp;amp;middot; Do sprach das schwein&amp;amp;middot; Du unweiser ein kleine stund vor der zeyt hastu ein schwaeres joch vo(n) dyr geleget / waru(m)b ruoest du nu(n) nit Waer des nit genuog das du das aynest gekewt hetest&amp;amp;middot; Das verantwurt der ochs unnd sprach also&amp;amp;middot; Des nymm dir nit wund(er) / mein pruoder / wenn waer daz du eindrucktest fürwar so verstuendest du auch mei(n) eindrucke(n) ich bit dich in freüntschaft sag mir wo und an wellicher stat der tiere ist der synn der speiß geseczt / Ist er nit in dem guomen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Daru(m)be seyt er in dez guome(n) ist so wir dann die speiß ye fleissigklicher kewen so wir ye mer geschmackes des dings das wir da keüen empfahen un(d) gewynnen / auch dester mer lustes in dem koste(n)&lt;br /&gt;
Wiß fürwar das dye besichtige natur die winckel zaen mit de(n) dz kewen geschicht hat zwir allso grosse macht als die andern un(d) vodern zaen&amp;amp;middot; Daru(m)b das dz keüe(n) dest bas geschehe&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Auch hat die natur den costende(n) syn in de(n) mu(n)de geseczt / daru(m)b das wyr dye speiß dester lenger mit lust und(er) dem guomen hielten&amp;amp;middot; Nun dewe ich mein speiß destbas&amp;amp;middot; wenn sy wirt mit eindrucken mir zuo hilf wolgeleütert&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Do sprach dz schwei(n)&amp;amp;middot; wer hat dich gelert eintrucke(n)&amp;amp;middot; Der frag gab der ochß antwurt unnd sprach&amp;amp;middot; Des bis on zweifel die kunst hat mich geleret eindrucken in meinen leychnam die den weysen lert eintrucken in der sel&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
wann ain weiser eindruckt alle ding die er redtt oder würckt mit sitigem bedencken / darumb so erdet&amp;lt;ref&amp;gt;Wohl ein Druckfehler, der auf die Vertauschung von r und e (wie bei einer r-Metathese) zurückgeht. erdet wäre zu redet zu verbessern.&amp;lt;/ref&amp;gt; er wolgedeüte wort / un(d) würckt wolgeleüterte und rain geschwu(n)gen werck&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sag mir wardurch istt dem mensche(n) verlihen clarer rat und vernunft un(d) das aller klarest guot der bedaechtnuß zuo nichten anders fürwar dann das er die heilwertiklich nücz in seinen worten und wercken&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Darumbe ist das kewüen der gedechtnuße in allen menschlichen worte(n) un(d) wercken allzeit für zuo seczen daz die beyde mit weißheit wol behuet seyen&amp;amp;middot; Auch ist des nit genuoge ob ain ding aynest besichtigklich und bedaechtiklich wirt betracht / wenn des ist ein noturft das es behendiklich dick un(d) oft werd eingedruckt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
wenn ein yeckliche speiß wirt vierfaltiklich gekocht ee und sy den gelidern warhaftiklich und wolgeleüteret empfolhen unnd geaigenot wirt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Nu(n) das du des gelert werdest so wyß das ayn yeckliche speiß mit der wir tier gespeißtt werden bedarf zuo noete(n) dz sy mit hicziger deüwung vierfeltiklychen geleütert sey ee und sy den lebentigen geysten gegebe(n) wirt unnd gaucz&amp;lt;ref&amp;gt;Druckfehler. gaucz wäre zu gancz zu verbessern.?&amp;lt;/ref&amp;gt; mit inen veraynet Wann des ersten kommet dye speiß in den magen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
und in dem wirt sy am erste(n) gedeüwet / darinn teylt sich das lauter von dez unlautern / und das daz unlautter ist wirt den natürlichen stuele(n) empfolhen mit dem nympte es seinen außgang / darnach wirtt das lauter das in dem mage(n) beleibt der lungen empfolhen Un(d) wirt darinnen verdeüet Unnd wirt da zuo pluot&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
da wirt aber dz lauter von dem unlautern geteilet / und das unlauter wirt mit dem haren außgelassen&amp;amp;middot; Darnache wirt das lauter das in d(er) lungen beliben ist von den adern an sich gezogen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
und wirt darinne(n) zuo dem driten mal gedeüet / Do wirt aber das lauter vo(n) dem unlautern geteilt&amp;amp;middot; und das unlauter wirt verlassen mitt dem schwaiß und mit dez spaichel&amp;amp;middot; darnach zuo dem vierden mal wirtt daz lauter das do überbelibe(n) ist in alle gelider geteylt / und wirdet darinnen gedeüet&amp;amp;middot; Do wirtt auch daz lautter von dem unlautern geteylt&amp;amp;middot; &lt;br /&gt;
Und dasselbig das vil nahend sam als das lautter ist das wirt behalte(n) in den vaßsen das ist der nyeren natürlicher saum / und dasselbig dz wirt mit dem wercke der natur verlassen&amp;amp;middot; &lt;br /&gt;
Aber das aller leüterst dz daselbs ist überbeliben und sich in wesenlichs wesen und stand der gelyder verkeret und auch verwandlet hat / dz wirt zuo dez jüngsten den geysten des lebens zuo gefueget mit de(m) leben un(d) dz selbig ist des lebe(n)s wesenlichs wesen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Also merck dz kei(n) unlautrikeit ko(m)pt zuo der sel der tier es sej dan(n) ein jeckliche speiß ee zuo vier malen gereiniget un(d) geleütert&amp;amp;middot; Sei d(az) aber du nit eintruckst daru(m)be so nymbstu ungeleüterte speiß i(n) d(er) du für rose(n) un(d) gilge(n) wuolest&amp;amp;middot; un(d) naschest / daru(m)b pistu mit goetliche(m) urteil der alte(n) ee ein unrein tier geurteilt un(d) v(er)dampt&amp;amp;middot; Do daz schwei(n) dz hort zohe es mit scha(n)den von der pan&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Miniaturen und gedruckte Bilder==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Cgm 254, 9v).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Cgm 254, 9v)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Cgm 9602, 10v).jpg|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Cgm 9602, 10v)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Mgf 459, 23v).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Mgf 459, 23v)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (MS 653, 174r).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (MS 653, 174r)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (MS Egerton 1121, 16r).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (MS Egerton 1121, 16r)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Druck 1490, 12v).jpg|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Druck 1490, 12v)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Druck 1571, 45v).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Druck 1571, 45v)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Quelle Fabel]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Ochse_und_Schwein_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20295</id>
		<title>Ochse und Schwein (Erzählstoff)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Ochse_und_Schwein_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20295"/>
		<updated>2021-11-18T07:31:54Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: /* Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein), Nr. I, 11 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490) */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
| namen              = Ochse und Schwein&lt;br /&gt;
| regest             = Der Ochse erklärt dem fragenden Schwein, warum er wiederkäut. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 530)&lt;br /&gt;
| fassungen          = [[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. I, 11&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. I, 11, Bl. 9v-10v&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], 11&lt;br /&gt;
| forschung          = [[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 530f.; [[Günthart, Romy (Hg.): Sebastian Münster, Spiegel der wyßheit]], Band 2, S. 26f.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Lateinische Version (Cyrillus, Nr. I, 11), 1. Hälfte 14. Jhd. ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die deutsche Tradition baut auf einer lateinischen Quelle auf (Cyrillus, Nr. I, 11 ([https://archive.org/details/diebeidenltesten00grss Grässe, Johann Georg Theodor (Hg.): Die beiden ältesten lateinischen Fabelbücher des Mittelalters.] Tübingen 1880, S. 16-18)). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 44-46.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
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|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Diligentiori ruminatione omnia digeras, priusquam agas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Post aliquantulam sumpti digestionem edulii ipsum bos retribuens faucibus cum recubans ruminaret, porcus hoc adspiciens ad eum venit et dixit: &amp;quot;Quid est quod agis, cornute?&amp;quot; Cui ille: &amp;quot;Rumino.&amp;quot; Tunc porcus: &amp;quot;Parum ante tam onerosum iugum deposuisti, ut quid modo non quiescis? Nonne semel satis est masticasse? Ad haec bos ita fertur dixisse: &amp;quot;Nimirum, frater, si ruminares, nullatenus ita sentires. Ubi quaeso situs est alimenti sensus? Nonne in faucibus? Et propter hoc quanto diligentius edulium masticamus, tanto amplius totius rei saporem percipimus et iudicialem gustum vehementius delectamus; revera molares dentes in duplo provida ob hoc natura composuit, ut masticatio maior adsit, et gustativus sensus providenter locatus est in ore, ut delectatione cibum diutius teneamus sub fauce. Quin et ruminans melius digero et alimentum in fine per amplius depuratum assumo.&amp;quot; Tunc porcus his auditis adiunxit: &amp;quot;Quis ruminare te docuit?&amp;quot; Et ille: &amp;quot;Nimirum ars illa me hoc agere erudivit in corpore, quae sapientem edocuit ruminare in mente. Cuncta namque subtili medicamine ruminat prudens quae aut dicit aut facit, propterea quidem digesta loquitur et purgata similiter operatur. Ad quid enim communicatum est homini clarum rationis consilium, et tarn carissimum concessum est illi meditationis bonum? Nonne ut his salubriter in agendis utatur? Unde praemeditationis masticatio semper praeponenda est in cunctis humanis actibus, si sapientia gubernantur, ut universa digestiora et puriora consequantur. Nec semel satis est rem agendam videre, sed necesse est eam subtiliter pluries ruminare. Sicut quattuor digestionibus cibus praecoquitur, ut deinde membris purior atque veracior tribuatur, omnis cibus, autequam animae uniatur, quattuor purgetur digestionibus. Primo vadit ad stomachum et ibi digeritur et sequestratur purum ab impuro et quod impurum est, emittitur per secessum. Deinde purum derelictum ad hepar mittitur, et ibi digeritur et fit sanguis et sequestratur purum ab impuro et impurum emittitur per urinam. Deinde derelictum purum a venis attrahitur et ibi tertio digeritur et sequestratur purum ab impuro et impurum emittitur per sudorem et sputum. Deinde purum derelictum per membra spargitur et in membris quarto digeritur et sequestratur purum ab impuro et illud impurum, quod quasi purum est, servatur in vasis spermaticis et in generatione emittitur. Purissimum autem derelictum conversum in membrorum substantiam finaliter animae copulatur factum vivum et substantia vitae. Unde nulla cibalis impuritas accedit ad animam, nisi cum quater mundificatus sit omnis cibus. Tu quidem ergo, carissime, quia non ruminas, impurius suscipis alimentum, et ob hoc divina lege iudicaris immundus.&amp;quot; Quibus auditis erubescens porcus recessit.&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Bevor du handelst, sollst du alles durch sorgfältiges Nachdenken abwägen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Schwein sah, wie ein Ochse nach kurzem Kauen der aufgenommenen Nahrung diese wieder seinem Maul zuführte und im Liegen wiederkäute; es ging näher zu ihm und sagte: &amp;quot;Was treibst du, Hornochse?&amp;quot; Jener sagte zu ihm: &amp;quot;Ich bin mit Wiederkäuen beschäftigt.&amp;quot; Darauf meinte das Schwein: &amp;quot;Eben erst hast du das so beschwerliche Joch abgelegt, warum ruhst du jetzt nicht aus? Genügt es nicht, einmal gekaut zu haben?&amp;quot; Darauf soll der Ochse folgendes gesagt haben: &amp;quot;Aber nein, mein Bruder, wenn du ein Wiederkäuer wärest, würdest du keineswegs so denken. Ich frage dich, wo ist denn das Sinnesorgan für die Nahrung angesiedelt? Doch im Maul! Je sorgfältiger wir kauen, um so mehr nehmen wir folglich den Geschmack der ganzen Sache auf und um so eindringlicher erfreut sich der urteilende Geschmacksinn; die wirklich weitsichtige Natur hat deshalb die Backenzähne doppelt angelegt, damit ein kräftiges Kauen möglich ist, und der Geschmackssinn ist absichtlich im Mund angelegt, damit wir mit Freude die Speise länger darin festhalten. Ich verdaue sogar besser, wenn ich wiederkäue und nehme schließlich eine besser gereinigte Nahrung auf.&amp;quot; Als das Schwein dieses gehört hatte, fügte es hinzu: &amp;quot;Wer hat dich das Wiederkäuen gelehrt?&amp;quot; Er gab zur Antwort: &amp;quot;Selbstverständlich hat jene Kunst mich dazu erzogen, dies in meinem Körper zu tun, die den Weisen lehrte, im Geist wiederzukäuen. Denn alles, was der Kluge sagt oder tut, kaut er mit einem feinen Wirkstoff nochmals durch. Deshalb spricht er nach reiflicher Überlegung und handelt in ähnlicher Weise lauter. Wozu ist nämlich dem Menschen das klare Planen des Verstandes gegeben und wozu ist ihm das so teure Gut des Nachdenkens gewährt worden? Doch dazu, daß er es heilsam bei seinem Tun und Handeln benutzt. Deshalb muß bei allen menschlichen Handlungen immer das &#039;Kauen&#039; der Vorüberlegung vorangestellt werden, wenn sie von der Weisheit gelenkt werden, damit alles durchdachter und reiner nachfolgt. Und es genügt nicht, eine Sache, die man zu tun hat, nur einmal zu bedenken, sondern man muß sie mehrmals gründlich überdenken. So wird eine Speise durch vier Verdauungsvorgänge vorverdaut, daß sie dann den Gliedern reiner und echter zugeführt wird, und jede Speise soll durch einen vierfachen Verdauungsvorgang gereinigt werden, bevor sie in die Lebenskraft eingeht. Zuerst kommt sie in den Magen und wird dort zerkleinert, das Reine wird vom Unreinen getrennt und das Unreine wird abgeführt. Dann wird der gereinigte Rest zur Leber transportiert und dort zerkleinert, so daß Blut entsteht, das Reine vom Unreinen getrennt und das Unreine durch den Urin ausgeschieden wird. Der gereinigte Rest wird von den Blutadern aufgenommen und dort zum dritten Mal zerkleinert, das Reine vom Unreinen getrennt und das Unreine durch Schweiß und Speichel ausgeschieden. Dann aber  verteilt sich der gereinigte Rest in den Gliedern und wird dort zum vierten Mal zerkleinert, das Reine vom Unreinen getrennt und jenes Unreine, das schon beinahe rein ist, in den Spermagefäßen aufbewahrt und bei der Zeugung ausgeschieden. Der völlig gereinigte Rest, der sich in die Substanz der Organe verwandelt hat, wird als kraftvolle Lebenssubstanz endlich in die Lebenskraft eingebunden. So gelangt kein unreines Essen in die Lebenskraft, da jede Speise viermal gereinigt wurde. Weil du aber, mein lieber Freund, kein Wiederkäuer bist, nimmst du unreine Nahrung zu dir und deswegen giltst du nach göttlichem Gesetz als unrein.&amp;quot; Als das Schwein dieses gehört hatte, zog es sich beschämt zurück.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutsche Versionen==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. I, 11 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490)===&lt;br /&gt;
Das &amp;amp;middot;XI&amp;amp;middot; Capitel Bedenck alle ding mit wolgedewtem eintrucken ee und du sy thuost&amp;amp;middot;&amp;lt;br /&amp;gt;Das &amp;amp;middot;XI&amp;amp;middot; Capitel&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;N&#039;&#039;&#039;ach etwe vil dewung &lt;br /&gt;
der empfange(n) speyß empfalhe ei(n) Ochß die selbe(n) speise dem guomen hyn wider sy baß zekeüen&amp;amp;middot; Unnd da er siczender und ruowender eyntrucket das sahe ein schwein es lief zuo im un(d) sprach&amp;amp;middot; Du gehürneter was ist das du thuost&amp;amp;middot; Der ochß sprach&amp;amp;middot; Ich eindrucke&amp;amp;middot; Do sprach das schwein&amp;amp;middot; Du unweiser ein kleine stund vor der zeyt hastu ein schwaeres joch vo(n) dyr geleget / waru(m)b ruoest du nu(n) nit Waer des nit genuog das du das aynest gekewt hetest&amp;amp;middot; Das verantwurt der ochs unnd sprach also&amp;amp;middot; Des nymm dir nit wund(er) / mein pruoder / wenn waer daz du eindrucktest fürwar so verstuendest du auch mei(n) eindrucke(n) ich bit dich in freüntschaft sag mir wo und an wellicher stat der tiere ist der synn der speiß geseczt / Ist er nit in dem guomen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Daru(m)be seyt er in dez guome(n) ist so wir dann die speiß ye fleissigklicher kewen so wir ye mer geschmackes des dings das wir da keüen empfahen un(d) gewynnen / auch dester mer lustes in dem koste(n)&lt;br /&gt;
Wiß fürwar das dye besichtige natur die winckel zaen mit de(n) dz kewen geschicht hat zwir allso grosse macht als die andern un(d) vodern zaen&amp;amp;middot; Daru(m)b das dz keüe(n) dest bas geschehe&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Auch hat die natur den costende(n) syn in de(n) mu(n)de geseczt / daru(m)b das wyr dye speiß dester lenger mit lust und(er) dem guomen hielten&amp;amp;middot; Nun dewe ich mein speiß destbas&amp;amp;middot; wenn sy wirt mit eindrucken mir zuo hilf wolgeleütert&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Do sprach dz schwei(n)&amp;amp;middot; wer hat dich gelert eintrucke(n)&amp;amp;middot; Der frag gab der ochß antwurt unnd sprach&amp;amp;middot; Des bis on zweifel die kunst hat mich geleret eindrucken in meinen leychnam die den weysen lert eintrucken in der sel&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
wann ain weiser eindruckt alle ding die er redtt oder würckt mit sitigem bedencken / darumb so erdet&amp;lt;ref&amp;gt;Wohl ein Druckfehler, der auf die Vertauschung von r und e (wie bei einer r-Metathese) zurückgeht. erdet wäre zu redet zu verbessern.&amp;lt;/ref&amp;gt; er wolgedeüte wort / un(d) würckt wolgeleüterte und rain geschwu(n)gen werck&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sag mir wardurch istt dem mensche(n) verlihen clarer rat und vernunft un(d) das aller klarest guot der bedaechtnuß zuo nichten anders fürwar dann das er die heilwertiklich nücz in seinen worten und wercken&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Darumbe ist das kewüen der gedechtnuße in allen menschlichen worte(n) un(d) wercken allzeit für zuo seczen daz die beyde mit weißheit wol behuet seyen&amp;amp;middot; Auch ist des nit genuoge ob ain ding aynest besichtigklich und bedaechtiklich wirt betracht / wenn des ist ein noturft das es behendiklich dick un(d) oft werd eingedruckt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
wenn ein yeckliche speiß wirt vierfaltiklich gekocht ee und sy den gelidern warhaftiklich und wolgeleüteret empfolhen unnd geaigenot wirt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Nu(n) das du des gelert werdest so wyß das ayn yeckliche speiß mit der wir tier gespeißtt werden bedarf zuo noete(n) dz sy mit hicziger deüwung vierfeltiklychen geleütert sey ee und sy den lebentigen geysten gegebe(n) wirt unnd gaucz&amp;lt;ref&amp;gt;ganz?&amp;lt;/ref&amp;gt; mit inen veraynet Wann des ersten kommet dye speiß in den magen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
und in dem wirt sy am erste(n) gedeüwet / darinn teylt sich das lauter von dez unlautern / und das daz unlautter ist wirt den natürlichen stuele(n) empfolhen mit dem nympte es seinen außgang / darnach wirtt das lauter das in dem mage(n) beleibt der lungen empfolhen Un(d) wirt darinnen verdeüet Unnd wirt da zuo pluot&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
da wirt aber dz lauter von dem unlautern geteilet / und das unlauter wirt mit dem haren außgelassen&amp;amp;middot; Darnache wirt das lauter das in d(er) lungen beliben ist von den adern an sich gezogen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
und wirt darinne(n) zuo dem driten mal gedeüet / Do wirt aber das lauter vo(n) dem unlautern geteilt&amp;amp;middot; und das unlauter wirt verlassen mitt dem schwaiß und mit dez spaichel&amp;amp;middot; darnach zuo dem vierden mal wirtt daz lauter das do überbelibe(n) ist in alle gelider geteylt / und wirdet darinnen gedeüet&amp;amp;middot; Do wirtt auch daz lautter von dem unlautern geteylt&amp;amp;middot; &lt;br /&gt;
Und dasselbig das vil nahend sam als das lautter ist das wirt behalte(n) in den vaßsen das ist der nyeren natürlicher saum / und dasselbig dz wirt mit dem wercke der natur verlassen&amp;amp;middot; &lt;br /&gt;
Aber das aller leüterst dz daselbs ist überbeliben und sich in wesenlichs wesen und stand der gelyder verkeret und auch verwandlet hat / dz wirt zuo dez jüngsten den geysten des lebens zuo gefueget mit de(m) leben un(d) dz selbig ist des lebe(n)s wesenlichs wesen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Also merck dz kei(n) unlautrikeit ko(m)pt zuo der sel der tier es sej dan(n) ein jeckliche speiß ee zuo vier malen gereiniget un(d) geleütert&amp;amp;middot; Sei d(az) aber du nit eintruckst daru(m)be so nymbstu ungeleüterte speiß i(n) d(er) du für rose(n) un(d) gilge(n) wuolest&amp;amp;middot; un(d) naschest / daru(m)b pistu mit goetliche(m) urteil der alte(n) ee ein unrein tier geurteilt un(d) v(er)dampt&amp;amp;middot; Do daz schwei(n) dz hort zohe es mit scha(n)den von der pan&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Miniaturen und gedruckte Bilder==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Cgm 254, 9v).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Cgm 254, 9v)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Cgm 9602, 10v).jpg|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Cgm 9602, 10v)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Mgf 459, 23v).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Mgf 459, 23v)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (MS 653, 174r).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (MS 653, 174r)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (MS Egerton 1121, 16r).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (MS Egerton 1121, 16r)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Druck 1490, 12v).jpg|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Druck 1490, 12v)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Druck 1571, 45v).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Druck 1571, 45v)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Quelle Fabel]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Ochse_und_Schwein_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20294</id>
		<title>Ochse und Schwein (Erzählstoff)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Ochse_und_Schwein_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20294"/>
		<updated>2021-11-18T07:22:28Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: /* Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein), Nr. I, 11 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490) */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
| namen              = Ochse und Schwein&lt;br /&gt;
| regest             = Der Ochse erklärt dem fragenden Schwein, warum er wiederkäut. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 530)&lt;br /&gt;
| fassungen          = [[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. I, 11&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. I, 11, Bl. 9v-10v&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], 11&lt;br /&gt;
| forschung          = [[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 530f.; [[Günthart, Romy (Hg.): Sebastian Münster, Spiegel der wyßheit]], Band 2, S. 26f.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Lateinische Version (Cyrillus, Nr. I, 11), 1. Hälfte 14. Jhd. ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die deutsche Tradition baut auf einer lateinischen Quelle auf (Cyrillus, Nr. I, 11 ([https://archive.org/details/diebeidenltesten00grss Grässe, Johann Georg Theodor (Hg.): Die beiden ältesten lateinischen Fabelbücher des Mittelalters.] Tübingen 1880, S. 16-18)). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 44-46.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Übersetzung&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 45-47.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Diligentiori ruminatione omnia digeras, priusquam agas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Post aliquantulam sumpti digestionem edulii ipsum bos retribuens faucibus cum recubans ruminaret, porcus hoc adspiciens ad eum venit et dixit: &amp;quot;Quid est quod agis, cornute?&amp;quot; Cui ille: &amp;quot;Rumino.&amp;quot; Tunc porcus: &amp;quot;Parum ante tam onerosum iugum deposuisti, ut quid modo non quiescis? Nonne semel satis est masticasse? Ad haec bos ita fertur dixisse: &amp;quot;Nimirum, frater, si ruminares, nullatenus ita sentires. Ubi quaeso situs est alimenti sensus? Nonne in faucibus? Et propter hoc quanto diligentius edulium masticamus, tanto amplius totius rei saporem percipimus et iudicialem gustum vehementius delectamus; revera molares dentes in duplo provida ob hoc natura composuit, ut masticatio maior adsit, et gustativus sensus providenter locatus est in ore, ut delectatione cibum diutius teneamus sub fauce. Quin et ruminans melius digero et alimentum in fine per amplius depuratum assumo.&amp;quot; Tunc porcus his auditis adiunxit: &amp;quot;Quis ruminare te docuit?&amp;quot; Et ille: &amp;quot;Nimirum ars illa me hoc agere erudivit in corpore, quae sapientem edocuit ruminare in mente. Cuncta namque subtili medicamine ruminat prudens quae aut dicit aut facit, propterea quidem digesta loquitur et purgata similiter operatur. Ad quid enim communicatum est homini clarum rationis consilium, et tarn carissimum concessum est illi meditationis bonum? Nonne ut his salubriter in agendis utatur? Unde praemeditationis masticatio semper praeponenda est in cunctis humanis actibus, si sapientia gubernantur, ut universa digestiora et puriora consequantur. Nec semel satis est rem agendam videre, sed necesse est eam subtiliter pluries ruminare. Sicut quattuor digestionibus cibus praecoquitur, ut deinde membris purior atque veracior tribuatur, omnis cibus, autequam animae uniatur, quattuor purgetur digestionibus. Primo vadit ad stomachum et ibi digeritur et sequestratur purum ab impuro et quod impurum est, emittitur per secessum. Deinde purum derelictum ad hepar mittitur, et ibi digeritur et fit sanguis et sequestratur purum ab impuro et impurum emittitur per urinam. Deinde derelictum purum a venis attrahitur et ibi tertio digeritur et sequestratur purum ab impuro et impurum emittitur per sudorem et sputum. Deinde purum derelictum per membra spargitur et in membris quarto digeritur et sequestratur purum ab impuro et illud impurum, quod quasi purum est, servatur in vasis spermaticis et in generatione emittitur. Purissimum autem derelictum conversum in membrorum substantiam finaliter animae copulatur factum vivum et substantia vitae. Unde nulla cibalis impuritas accedit ad animam, nisi cum quater mundificatus sit omnis cibus. Tu quidem ergo, carissime, quia non ruminas, impurius suscipis alimentum, et ob hoc divina lege iudicaris immundus.&amp;quot; Quibus auditis erubescens porcus recessit.&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Bevor du handelst, sollst du alles durch sorgfältiges Nachdenken abwägen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Schwein sah, wie ein Ochse nach kurzem Kauen der aufgenommenen Nahrung diese wieder seinem Maul zuführte und im Liegen wiederkäute; es ging näher zu ihm und sagte: &amp;quot;Was treibst du, Hornochse?&amp;quot; Jener sagte zu ihm: &amp;quot;Ich bin mit Wiederkäuen beschäftigt.&amp;quot; Darauf meinte das Schwein: &amp;quot;Eben erst hast du das so beschwerliche Joch abgelegt, warum ruhst du jetzt nicht aus? Genügt es nicht, einmal gekaut zu haben?&amp;quot; Darauf soll der Ochse folgendes gesagt haben: &amp;quot;Aber nein, mein Bruder, wenn du ein Wiederkäuer wärest, würdest du keineswegs so denken. Ich frage dich, wo ist denn das Sinnesorgan für die Nahrung angesiedelt? Doch im Maul! Je sorgfältiger wir kauen, um so mehr nehmen wir folglich den Geschmack der ganzen Sache auf und um so eindringlicher erfreut sich der urteilende Geschmacksinn; die wirklich weitsichtige Natur hat deshalb die Backenzähne doppelt angelegt, damit ein kräftiges Kauen möglich ist, und der Geschmackssinn ist absichtlich im Mund angelegt, damit wir mit Freude die Speise länger darin festhalten. Ich verdaue sogar besser, wenn ich wiederkäue und nehme schließlich eine besser gereinigte Nahrung auf.&amp;quot; Als das Schwein dieses gehört hatte, fügte es hinzu: &amp;quot;Wer hat dich das Wiederkäuen gelehrt?&amp;quot; Er gab zur Antwort: &amp;quot;Selbstverständlich hat jene Kunst mich dazu erzogen, dies in meinem Körper zu tun, die den Weisen lehrte, im Geist wiederzukäuen. Denn alles, was der Kluge sagt oder tut, kaut er mit einem feinen Wirkstoff nochmals durch. Deshalb spricht er nach reiflicher Überlegung und handelt in ähnlicher Weise lauter. Wozu ist nämlich dem Menschen das klare Planen des Verstandes gegeben und wozu ist ihm das so teure Gut des Nachdenkens gewährt worden? Doch dazu, daß er es heilsam bei seinem Tun und Handeln benutzt. Deshalb muß bei allen menschlichen Handlungen immer das &#039;Kauen&#039; der Vorüberlegung vorangestellt werden, wenn sie von der Weisheit gelenkt werden, damit alles durchdachter und reiner nachfolgt. Und es genügt nicht, eine Sache, die man zu tun hat, nur einmal zu bedenken, sondern man muß sie mehrmals gründlich überdenken. So wird eine Speise durch vier Verdauungsvorgänge vorverdaut, daß sie dann den Gliedern reiner und echter zugeführt wird, und jede Speise soll durch einen vierfachen Verdauungsvorgang gereinigt werden, bevor sie in die Lebenskraft eingeht. Zuerst kommt sie in den Magen und wird dort zerkleinert, das Reine wird vom Unreinen getrennt und das Unreine wird abgeführt. Dann wird der gereinigte Rest zur Leber transportiert und dort zerkleinert, so daß Blut entsteht, das Reine vom Unreinen getrennt und das Unreine durch den Urin ausgeschieden wird. Der gereinigte Rest wird von den Blutadern aufgenommen und dort zum dritten Mal zerkleinert, das Reine vom Unreinen getrennt und das Unreine durch Schweiß und Speichel ausgeschieden. Dann aber  verteilt sich der gereinigte Rest in den Gliedern und wird dort zum vierten Mal zerkleinert, das Reine vom Unreinen getrennt und jenes Unreine, das schon beinahe rein ist, in den Spermagefäßen aufbewahrt und bei der Zeugung ausgeschieden. Der völlig gereinigte Rest, der sich in die Substanz der Organe verwandelt hat, wird als kraftvolle Lebenssubstanz endlich in die Lebenskraft eingebunden. So gelangt kein unreines Essen in die Lebenskraft, da jede Speise viermal gereinigt wurde. Weil du aber, mein lieber Freund, kein Wiederkäuer bist, nimmst du unreine Nahrung zu dir und deswegen giltst du nach göttlichem Gesetz als unrein.&amp;quot; Als das Schwein dieses gehört hatte, zog es sich beschämt zurück.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutsche Versionen==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. I, 11 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490)===&lt;br /&gt;
Das &amp;amp;middot;XI&amp;amp;middot; Capitel Bedenck alle ding mit wolgedewtem eintrucken ee und du sy thuost&amp;amp;middot;&amp;lt;br /&amp;gt;Das &amp;amp;middot;XI&amp;amp;middot; Capitel&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;N&#039;&#039;&#039;ach etwe vil dewung &lt;br /&gt;
der empfange(n) speyß empfalhe ei(n) Ochß die selbe(n) speise dem guomen hyn wider sy baß zekeüen&amp;amp;middot; Unnd da er siczender und ruowender eyntrucket das sahe ein schwein es lief zuo im un(d) sprach&amp;amp;middot; Du gehürneter was ist das du thuost&amp;amp;middot; Der ochß sprach&amp;amp;middot; Ich eindrucke&amp;amp;middot; Do sprach das schwein&amp;amp;middot; Du unweiser ein kleine stund vor der zeyt hastu ein schwaeres joch vo(n) dyr geleget / waru(m)b ruoest du nu(n) nit Waer des nit genueg das du das aynest gekewt hetest&amp;amp;middot; Das verantwurt der ochs unnd sprach also&amp;amp;middot; Des nymm dir nit wund(er) / mein pruoder / wenn waer daz du eindrucktest fürwar so verstuendest du auch mei(n) eindrucke(n) ich bit dich in freüntschaft sag mir wo und an wellicher stat der tiere ist der synn der speiß geseczt / Ist er nit in dem guomen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Daru(m)be seyt er in dez guome(n) ist so wir dann die speiß ye fleissigklicher kewen so wir ye mer geschmackes des dings das wir da keüen empfahen un(d) gewynnen / auch dester mer lustes in dem koste(n)&lt;br /&gt;
Wiß fürwar das dye besichtige natur die winckel zaen mit de(n) dz kewen geschicht hat zwir allso grosse macht als die andern un(d) vodern zaen&amp;amp;middot; Daru(m)b das dz keüe(n) dest bas geschehe&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Auch hat die natur den costende(n) syn in de(n) mu(n)de geseczt / daru(m)b das wyr dye speiß dester lenger mit lust und(er) dem guomen hielten&amp;amp;middot; Nun dewe ich mein speiß destbas&amp;amp;middot; wenn sy wirt mit eindrucken mir zuo hilf wolgeleütert&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Do sprach dz schwei(n)&amp;amp;middot; wer hat dich gelert eintrucke(n)&amp;amp;middot; Der frag gab der ochß antwurt unnd sprach&amp;amp;middot; Des bis on zweifel die kunst hat mich geleret eindrucken in meinen leychnam die den weysen lert eintrucken in der sel&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
wann ain weiser eindruckt alle ding die er redtt oder würckt mit sitigem bedencken / darumb so erdet er wolgedeüte wort / un(d) würckt wolgeleüterte und rain geschwu(n)gen werck&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sag mir wardurch istt dem mensche(n) verlihen clarer rat und vernunft un(d) das aller klarest guot der bedaechtnuß zuo nichten anders fürwar dann das er die heilwertiklich nücz in seinen worten und wercken&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Darumbe ist das kewüen der gedechtnuße in allen menschlichen worte(n) un(d) wercken allzeit für zuo seczen daz die beyde mit weißheit wol behuet seyen&amp;amp;middot; Auch ist des nit genuoge ob ain ding aynest besichtigklich und bedaechtiklich wirt betracht / wenn des ist ein noturft das es behendiklich dick un(d) oft werd eingedruckt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
wenn ein yeckliche speiß wirt vierfaltiklich gekocht ee und sy den gelidern warhaftiklich und wolgeleüteret empfolhen unnd geaigenot wirt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Nu(n) das du des gelert werdest so wyß das ayn yeckliche speiß mit der wir tier gespeißtt werden bedarf zuo noete(n) dz sy mit hicziger deüwung vierfeltiklychen geleütert sey ee und sy den lebentigen geysten gegebe(n) wirt unnd gaucz&amp;lt;ref&amp;gt;ganz?&amp;lt;/ref&amp;gt; mit inen veraynet Wann des ersten kommet dye speiß in den magen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
und in dem wirt sy am erste(n) gedeüwet / darinn teylt sich das lauter von dez unlautern / und das daz unlautter ist wirt den natürlichen stuele(n) empfolhen mit dem nympte es seinen außgang / darnach wirtt das lauter das in dem mage(n) beleibt der lungen empfolhen Un(d) wirt darinnen verdeüet Unnd wirt da zuo pluot&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
da wirt aber dz lauter von dem unlautern geteilet / und das unlauter wirt mit dem haren außgelassen&amp;amp;middot; Darnache wirt das lauter das in d(er) lungen beliben ist von den adern an sich gezogen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
und wirt darinne(n) zuo dem driten mal gedeüet / Do wirt aber das lauter vo(n) dem unlautern geteilt&amp;amp;middot; und das unlauter wirt verlassen mitt dem schwaiß und mit dez spaichel&amp;amp;middot; darnach zuo dem vierden mal wirtt daz lauter das do überbelibe(n) ist in alle gelider geteylt / und wirdet darinnen gedeüet&amp;amp;middot; Do wirtt auch daz lautter von dem unlautern geteylt&amp;amp;middot; &lt;br /&gt;
Und dasselbig das vil nahend sam als das lautter ist das wirt behalte(n) in den vaßsen das ist der nyeren natürlicher saum / und dasselbig dz wirt mit dem wercke der natur verlassen&amp;amp;middot; &lt;br /&gt;
Aber das aller leüterst dz daselbs ist überbeliben und sich in wesenlichs wesen und stand der gelyder verkeret und auch verwandlet hat / dz wirt zuo dez jüngsten den geysten des lebens zuo gefueget mit de(m) leben un(d) dz selbig ist des lebe(n)s wesenlichs wesen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Also merck dz kei(n) unlautrikeit ko(m)pt zuo der sel der tier es sej dan(n) ein jeckliche speiß ee zuo vier malen gereiniget un(d) geleütert&amp;amp;middot; Sei d(az) aber du nit eintruckst daru(m)be so nymbstu ungeleüterte speiß i(n) d(er) du für rose(n) un(d) gilge(n) wuolest&amp;amp;middot; un(d) naschest / daru(m)b pistu mit goetliche(m) urteil der alte(n) ee ein unrein tier geurteilt un(d) v(er)dampt&amp;amp;middot; Do daz schwei(n) dz hort zohe es mit scha(n)den von der pan&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Miniaturen und gedruckte Bilder==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Cgm 254, 9v).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Cgm 254, 9v)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Cgm 9602, 10v).jpg|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Cgm 9602, 10v)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Mgf 459, 23v).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Mgf 459, 23v)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (MS 653, 174r).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (MS 653, 174r)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (MS Egerton 1121, 16r).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (MS Egerton 1121, 16r)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Druck 1490, 12v).jpg|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Druck 1490, 12v)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Druck 1571, 45v).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Druck 1571, 45v)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Quelle Fabel]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Ochse_und_Schwein_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20269</id>
		<title>Ochse und Schwein (Erzählstoff)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Ochse_und_Schwein_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20269"/>
		<updated>2021-11-03T15:58:24Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: /* Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein), Nr. I, 11 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490) */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
| namen              = Ochse und Schwein&lt;br /&gt;
| regest             = Der Ochse erklärt dem fragenden Schwein, warum er wiederkäut. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 530)&lt;br /&gt;
| fassungen          = [[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. I, 11&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. I, 11, Bl. 9v-10v&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], 11&lt;br /&gt;
| forschung          = [[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 530f.; [[Günthart, Romy (Hg.): Sebastian Münster, Spiegel der wyßheit]], Band 2, S. 26f.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Lateinische Version (Cyrillus, Nr. I, 11), 1. Hälfte 14. Jhd. ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die deutsche Tradition baut auf einer lateinischen Quelle auf (Cyrillus, Nr. I, 11 ([https://archive.org/details/diebeidenltesten00grss Grässe, Johann Georg Theodor (Hg.): Die beiden ältesten lateinischen Fabelbücher des Mittelalters.] Tübingen 1880, S. 16-18)). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 44-46.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Übersetzung&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 45-47.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Diligentiori ruminatione omnia digeras, priusquam agas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Post aliquantulam sumpti digestionem edulii ipsum bos retribuens faucibus cum recubans ruminaret, porcus hoc adspiciens ad eum venit et dixit: &amp;quot;Quid est quod agis, cornute?&amp;quot; Cui ille: &amp;quot;Rumino.&amp;quot; Tunc porcus: &amp;quot;Parum ante tam onerosum iugum deposuisti, ut quid modo non quiescis? Nonne semel satis est masticasse? Ad haec bos ita fertur dixisse: &amp;quot;Nimirum, frater, si ruminares, nullatenus ita sentires. Ubi quaeso situs est alimenti sensus? Nonne in faucibus? Et propter hoc quanto diligentius edulium masticamus, tanto amplius totius rei saporem percipimus et iudicialem gustum vehementius delectamus; revera molares dentes in duplo provida ob hoc natura composuit, ut masticatio maior adsit, et gustativus sensus providenter locatus est in ore, ut delectatione cibum diutius teneamus sub fauce. Quin et ruminans melius digero et alimentum in fine per amplius depuratum assumo.&amp;quot; Tunc porcus his auditis adiunxit: &amp;quot;Quis ruminare te docuit?&amp;quot; Et ille: &amp;quot;Nimirum ars illa me hoc agere erudivit in corpore, quae sapientem edocuit ruminare in mente. Cuncta namque subtili medicamine ruminat prudens quae aut dicit aut facit, propterea quidem digesta loquitur et purgata similiter operatur. Ad quid enim communicatum est homini clarum rationis consilium, et tarn carissimum concessum est illi meditationis bonum? Nonne ut his salubriter in agendis utatur? Unde praemeditationis masticatio semper praeponenda est in cunctis humanis actibus, si sapientia gubernantur, ut universa digestiora et puriora consequantur. Nec semel satis est rem agendam videre, sed necesse est eam subtiliter pluries ruminare. Sicut quattuor digestionibus cibus praecoquitur, ut deinde membris purior atque veracior tribuatur, omnis cibus, autequam animae uniatur, quattuor purgetur digestionibus. Primo vadit ad stomachum et ibi digeritur et sequestratur purum ab impuro et quod impurum est, emittitur per secessum. Deinde purum derelictum ad hepar mittitur, et ibi digeritur et fit sanguis et sequestratur purum ab impuro et impurum emittitur per urinam. Deinde derelictum purum a venis attrahitur et ibi tertio digeritur et sequestratur purum ab impuro et impurum emittitur per sudorem et sputum. Deinde purum derelictum per membra spargitur et in membris quarto digeritur et sequestratur purum ab impuro et illud impurum, quod quasi purum est, servatur in vasis spermaticis et in generatione emittitur. Purissimum autem derelictum conversum in membrorum substantiam finaliter animae copulatur factum vivum et substantia vitae. Unde nulla cibalis impuritas accedit ad animam, nisi cum quater mundificatus sit omnis cibus. Tu quidem ergo, carissime, quia non ruminas, impurius suscipis alimentum, et ob hoc divina lege iudicaris immundus.&amp;quot; Quibus auditis erubescens porcus recessit.&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Bevor du handelst, sollst du alles durch sorgfältiges Nachdenken abwägen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Schwein sah, wie ein Ochse nach kurzem Kauen der aufgenommenen Nahrung diese wieder seinem Maul zuführte und im Liegen wiederkäute; es ging näher zu ihm und sagte: &amp;quot;Was treibst du, Hornochse?&amp;quot; Jener sagte zu ihm: &amp;quot;Ich bin mit Wiederkäuen beschäftigt.&amp;quot; Darauf meinte das Schwein: &amp;quot;Eben erst hast du das so beschwerliche Joch abgelegt, warum ruhst du jetzt nicht aus? Genügt es nicht, einmal gekaut zu haben?&amp;quot; Darauf soll der Ochse folgendes gesagt haben: &amp;quot;Aber nein, mein Bruder, wenn du ein Wiederkäuer wärest, würdest du keineswegs so denken. Ich frage dich, wo ist denn das Sinnesorgan für die Nahrung angesiedelt? Doch im Maul! Je sorgfältiger wir kauen, um so mehr nehmen wir folglich den Geschmack der ganzen Sache auf und um so eindringlicher erfreut sich der urteilende Geschmacksinn; die wirklich weitsichtige Natur hat deshalb die Backenzähne doppelt angelegt, damit ein kräftiges Kauen möglich ist, und der Geschmackssinn ist absichtlich im Mund angelegt, damit wir mit Freude die Speise länger darin festhalten. Ich verdaue sogar besser, wenn ich wiederkäue und nehme schließlich eine besser gereinigte Nahrung auf.&amp;quot; Als das Schwein dieses gehört hatte, fügte es hinzu: &amp;quot;Wer hat dich das Wiederkäuen gelehrt?&amp;quot; Er gab zur Antwort: &amp;quot;Selbstverständlich hat jene Kunst mich dazu erzogen, dies in meinem Körper zu tun, die den Weisen lehrte, im Geist wiederzukäuen. Denn alles, was der Kluge sagt oder tut, kaut er mit einem feinen Wirkstoff nochmals durch. Deshalb spricht er nach reiflicher Überlegung und handelt in ähnlicher Weise lauter. Wozu ist nämlich dem Menschen das klare Planen des Verstandes gegeben und wozu ist ihm das so teure Gut des Nachdenkens gewährt worden? Doch dazu, daß er es heilsam bei seinem Tun und Handeln benutzt. Deshalb muß bei allen menschlichen Handlungen immer das &#039;Kauen&#039; der Vorüberlegung vorangestellt werden, wenn sie von der Weisheit gelenkt werden, damit alles durchdachter und reiner nachfolgt. Und es genügt nicht, eine Sache, die man zu tun hat, nur einmal zu bedenken, sondern man muß sie mehrmals gründlich überdenken. So wird eine Speise durch vier Verdauungsvorgänge vorverdaut, daß sie dann den Gliedern reiner und echter zugeführt wird, und jede Speise soll durch einen vierfachen Verdauungsvorgang gereinigt werden, bevor sie in die Lebenskraft eingeht. Zuerst kommt sie in den Magen und wird dort zerkleinert, das Reine wird vom Unreinen getrennt und das Unreine wird abgeführt. Dann wird der gereinigte Rest zur Leber transportiert und dort zerkleinert, so daß Blut entsteht, das Reine vom Unreinen getrennt und das Unreine durch den Urin ausgeschieden wird. Der gereinigte Rest wird von den Blutadern aufgenommen und dort zum dritten Mal zerkleinert, das Reine vom Unreinen getrennt und das Unreine durch Schweiß und Speichel ausgeschieden. Dann aber  verteilt sich der gereinigte Rest in den Gliedern und wird dort zum vierten Mal zerkleinert, das Reine vom Unreinen getrennt und jenes Unreine, das schon beinahe rein ist, in den Spermagefäßen aufbewahrt und bei der Zeugung ausgeschieden. Der völlig gereinigte Rest, der sich in die Substanz der Organe verwandelt hat, wird als kraftvolle Lebenssubstanz endlich in die Lebenskraft eingebunden. So gelangt kein unreines Essen in die Lebenskraft, da jede Speise viermal gereinigt wurde. Weil du aber, mein lieber Freund, kein Wiederkäuer bist, nimmst du unreine Nahrung zu dir und deswegen giltst du nach göttlichem Gesetz als unrein.&amp;quot; Als das Schwein dieses gehört hatte, zog es sich beschämt zurück.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutsche Versionen==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. I, 11 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490)===&lt;br /&gt;
Das &amp;amp;middot;XI&amp;amp;middot; Capitel Bedenck alle ding mit wolgedewtem eintrucken ee und du sy thuost&amp;amp;middot;&amp;lt;br /&amp;gt;Das &amp;amp;middot;XI&amp;amp;middot; Capitel&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;N&#039;&#039;&#039;ach etwe vil dewung &lt;br /&gt;
der empfange(n) speyß empfalhe ei(n) Ochß die selbe(n) speise dem guomen hyn wider sy baß zekeüen&amp;amp;middot; Unnd da er siczender und ruowender eyntrucket das sahe ein schwein es lief zuo im un(d) sprach&amp;amp;middot; Du gehürneter was ist das du thuost&amp;amp;middot; Der ochß sprach&amp;amp;middot; Ich eindrucke&amp;amp;middot; Do sprach das schwein&amp;amp;middot; Du unweiser ein kleine stund vor der zeyt hastu ein schwaeres joch vo(n) dyr geleget / waru(m)b ruoest du nu(n) nit Waer des nit genueg das du das aynest gekewt hetest&amp;amp;middot; Das verantwurt der ochs unnd sprach also&amp;amp;middot; Des nymm dir nit wund(er) / mein pruoder / wenn waer daz du eindrucktest fürwar so verstuendest du auch mei(n) eindrucke(n) ich bit dich in freüntschaft sag mir wo und an wellicher stat der tiere ist der synn der speiß geseczt / Ist er nit in dem guomen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Daru(m)be seyt er in dez guome(n) ist so wir dann die speiß ye fleissigklicher kewen so wir ye mer geschmackes des dings das wir da keüen empfahen un(d) gewynnen / auch dester mer lustes in dem koste(n)&lt;br /&gt;
Wiß fürwar das dye besichtige natur die winckel zaen mit de(n) dz kewen geschicht hat zwir allso grosse macht als die andern un(d) vodern zaen&amp;amp;middot; Daru(m)b das dz keüe(n) dest bas geschehe&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Auch hat die natur den costende(n) syn in de(n) mu(n)de geseczt / daru(m)b das wyr dye speiß dester lenger mit lust und(er) dem guomen hielten&amp;amp;middot; Nun dewe ich mein speiß destbas&amp;amp;middot; wenn sy wirt mit eindrucken mir zuo hilf wolgeleütert&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Do sprach dz schwei(n)&amp;amp;middot; wer hat dich gelert eintrucke(n)&amp;amp;middot; Der frag gab der ochß antwurt unnd sprach&amp;amp;middot; Des bis on zweifel die kunst hat mich geleret eindrucken in meinen leychnam die den weysen lert eintrucken in der sel&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
wann ain weiser eindruckt alle ding die er redtt oder würckt mit sitigem bedencken / darumb so erdet er wolgedeüte wort / un(d) würckt wolgeleüterte und rain geschwu(n)gen werck &amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sag mir wardurch istt dem mensche(n) verlihen clarer rat und vernunft un(d) das aller klarest guot der bedaechtnuß zuo nichten anders fürwar dann das er die heilwertiklich nücz in seinen worten und wercken&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Darumbe ist das kewüen der gedechtnuße in allen menschlichen worte(n) un(d) wercken allzeit für zuo seczen daz die beyde mit weißheit wol behuet seyen&amp;amp;middot; Auch ist des nit genuoge ob ain ding aynest besichtigklich und bedaechtiklich wirt betracht / wenn des ist ein noturft das es behendiklich dick un(d) oft werd eingedruckt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
wenn ein yeckliche speiß wirt vierfaltiklich gekocht ee und sy den gelidern warhaftiklich und wolgeleüteret empfolhen unnd geaigenot wirt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Nu(n) das du des gelert werdest so wyß das ayn yeckliche speiß mit der wir tier gespeißtt werden bedarf zuo noete(n) dz sy mit hicziger deüwung vierfeltiklychen geleütert sey ee und sy den lebentigen geysten gegebe(n) wirt unnd gaucz&amp;lt;ref&amp;gt;ganz?&amp;lt;/ref&amp;gt; mit inen veraynet Wann des ersten kommet dye speß in den magen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
und in dem wirt sy am erste(n) gedeüwet / darinn teylt sich das lauter von dez unlautern / und das daz unlautter ist wirt den natürlichen stuele(n) empfolhen mit dem nympte es seinen außgang / darnach wirtt das lauter das in dem mage(n) beleibt der lungen empfolhen Un(d) wirt darinnen verdeüet Unnd wird da zuo pluot&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
da wirt aber dz lauter von dem unlautern geteilet / und das unlauter wirt mit dem haren außgelassen&amp;amp;middot; Darnache wirt das lauter das in d(er) lungen beliben ist von den adern an sich gezogen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
und wirt darinne(n) zuo dem driten mal gedeüet / Do wirt aber das lauter vo(n) dem unlautern geteilt&amp;amp;middot; und das unlauter wirt verlassen mitt dem schwaiß und mit dez spaichel&amp;amp;middot; darnach zuo dem vierden mal wirtt daz lauter das do überbelibe(n) ist in alle gelider geteylt / und wirdet darinnen gedeüet&amp;amp;middot; Do wirtt auch daz lautter von dem unlautern geteylt&amp;amp;middot; &lt;br /&gt;
Und dasselbig das vil nahend sam als das lautter ist das wirt behalte(n) in den vaßsen das ist der nyeren natürlicher saum / und dasselbig dz wirt mit dem wercke der natur verlassen&amp;amp;middot; &lt;br /&gt;
Aber das aller leüterst dz daselbs ist überbeliben und sich in wesenlichs wesen und stand der gelyder verkeret und auch verwandlet hat / dz wirt zuo dez jüngsten den geysten des lebens zuo gefueget mit de(m) leben un(d) dz selbig ist des lebe(n)s wesenlichs wesen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Also merck dz kei(n) unlautrikeit ko(m)pt zuo der sel der tier es sej dan(n) ein jeckliche speiß ee zuo vier malen gereiniget un(d) geleütert&amp;amp;middot; Sei der aber du mit eintruckst daru(m)be so nymbstu ungeleüterte speiß i(n) d(er) du für rose(n) un(d) gilge(n) wuolest&amp;amp;middot; un(d) naschest / daru(m)b pistu mit goetliche(m) urteil der alte(n) ee ein unrein tier geurteilt un(d) v(er)dampt&amp;amp;middot; Do daz schwei(n) dz hort zohe es mit scha(n)den von der pan&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Miniaturen und gedruckte Bilder==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Cgm 254, 9v).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Cgm 254, 9v)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Cgm 9602, 10v).jpg|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Cgm 9602, 10v)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Mgf 459, 23v).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Mgf 459, 23v)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (MS 653, 174r).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (MS 653, 174r)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (MS Egerton 1121, 16r).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (MS Egerton 1121, 16r)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Druck 1490, 12v).jpg|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Druck 1490, 12v)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Druck 1571, 45v).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Druck 1571, 45v)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Quelle Fabel]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Ochse_und_Schwein_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20267</id>
		<title>Ochse und Schwein (Erzählstoff)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Ochse_und_Schwein_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20267"/>
		<updated>2021-11-03T15:56:54Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: /* Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein), Nr. I, 11 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490) */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
| namen              = Ochse und Schwein&lt;br /&gt;
| regest             = Der Ochse erklärt dem fragenden Schwein, warum er wiederkäut. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 530)&lt;br /&gt;
| fassungen          = [[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. I, 11&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. I, 11, Bl. 9v-10v&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], 11&lt;br /&gt;
| forschung          = [[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 530f.; [[Günthart, Romy (Hg.): Sebastian Münster, Spiegel der wyßheit]], Band 2, S. 26f.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Lateinische Version (Cyrillus, Nr. I, 11), 1. Hälfte 14. Jhd. ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die deutsche Tradition baut auf einer lateinischen Quelle auf (Cyrillus, Nr. I, 11 ([https://archive.org/details/diebeidenltesten00grss Grässe, Johann Georg Theodor (Hg.): Die beiden ältesten lateinischen Fabelbücher des Mittelalters.] Tübingen 1880, S. 16-18)). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 44-46.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Übersetzung&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 45-47.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Diligentiori ruminatione omnia digeras, priusquam agas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Post aliquantulam sumpti digestionem edulii ipsum bos retribuens faucibus cum recubans ruminaret, porcus hoc adspiciens ad eum venit et dixit: &amp;quot;Quid est quod agis, cornute?&amp;quot; Cui ille: &amp;quot;Rumino.&amp;quot; Tunc porcus: &amp;quot;Parum ante tam onerosum iugum deposuisti, ut quid modo non quiescis? Nonne semel satis est masticasse? Ad haec bos ita fertur dixisse: &amp;quot;Nimirum, frater, si ruminares, nullatenus ita sentires. Ubi quaeso situs est alimenti sensus? Nonne in faucibus? Et propter hoc quanto diligentius edulium masticamus, tanto amplius totius rei saporem percipimus et iudicialem gustum vehementius delectamus; revera molares dentes in duplo provida ob hoc natura composuit, ut masticatio maior adsit, et gustativus sensus providenter locatus est in ore, ut delectatione cibum diutius teneamus sub fauce. Quin et ruminans melius digero et alimentum in fine per amplius depuratum assumo.&amp;quot; Tunc porcus his auditis adiunxit: &amp;quot;Quis ruminare te docuit?&amp;quot; Et ille: &amp;quot;Nimirum ars illa me hoc agere erudivit in corpore, quae sapientem edocuit ruminare in mente. Cuncta namque subtili medicamine ruminat prudens quae aut dicit aut facit, propterea quidem digesta loquitur et purgata similiter operatur. Ad quid enim communicatum est homini clarum rationis consilium, et tarn carissimum concessum est illi meditationis bonum? Nonne ut his salubriter in agendis utatur? Unde praemeditationis masticatio semper praeponenda est in cunctis humanis actibus, si sapientia gubernantur, ut universa digestiora et puriora consequantur. Nec semel satis est rem agendam videre, sed necesse est eam subtiliter pluries ruminare. Sicut quattuor digestionibus cibus praecoquitur, ut deinde membris purior atque veracior tribuatur, omnis cibus, autequam animae uniatur, quattuor purgetur digestionibus. Primo vadit ad stomachum et ibi digeritur et sequestratur purum ab impuro et quod impurum est, emittitur per secessum. Deinde purum derelictum ad hepar mittitur, et ibi digeritur et fit sanguis et sequestratur purum ab impuro et impurum emittitur per urinam. Deinde derelictum purum a venis attrahitur et ibi tertio digeritur et sequestratur purum ab impuro et impurum emittitur per sudorem et sputum. Deinde purum derelictum per membra spargitur et in membris quarto digeritur et sequestratur purum ab impuro et illud impurum, quod quasi purum est, servatur in vasis spermaticis et in generatione emittitur. Purissimum autem derelictum conversum in membrorum substantiam finaliter animae copulatur factum vivum et substantia vitae. Unde nulla cibalis impuritas accedit ad animam, nisi cum quater mundificatus sit omnis cibus. Tu quidem ergo, carissime, quia non ruminas, impurius suscipis alimentum, et ob hoc divina lege iudicaris immundus.&amp;quot; Quibus auditis erubescens porcus recessit.&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Bevor du handelst, sollst du alles durch sorgfältiges Nachdenken abwägen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Schwein sah, wie ein Ochse nach kurzem Kauen der aufgenommenen Nahrung diese wieder seinem Maul zuführte und im Liegen wiederkäute; es ging näher zu ihm und sagte: &amp;quot;Was treibst du, Hornochse?&amp;quot; Jener sagte zu ihm: &amp;quot;Ich bin mit Wiederkäuen beschäftigt.&amp;quot; Darauf meinte das Schwein: &amp;quot;Eben erst hast du das so beschwerliche Joch abgelegt, warum ruhst du jetzt nicht aus? Genügt es nicht, einmal gekaut zu haben?&amp;quot; Darauf soll der Ochse folgendes gesagt haben: &amp;quot;Aber nein, mein Bruder, wenn du ein Wiederkäuer wärest, würdest du keineswegs so denken. Ich frage dich, wo ist denn das Sinnesorgan für die Nahrung angesiedelt? Doch im Maul! Je sorgfältiger wir kauen, um so mehr nehmen wir folglich den Geschmack der ganzen Sache auf und um so eindringlicher erfreut sich der urteilende Geschmacksinn; die wirklich weitsichtige Natur hat deshalb die Backenzähne doppelt angelegt, damit ein kräftiges Kauen möglich ist, und der Geschmackssinn ist absichtlich im Mund angelegt, damit wir mit Freude die Speise länger darin festhalten. Ich verdaue sogar besser, wenn ich wiederkäue und nehme schließlich eine besser gereinigte Nahrung auf.&amp;quot; Als das Schwein dieses gehört hatte, fügte es hinzu: &amp;quot;Wer hat dich das Wiederkäuen gelehrt?&amp;quot; Er gab zur Antwort: &amp;quot;Selbstverständlich hat jene Kunst mich dazu erzogen, dies in meinem Körper zu tun, die den Weisen lehrte, im Geist wiederzukäuen. Denn alles, was der Kluge sagt oder tut, kaut er mit einem feinen Wirkstoff nochmals durch. Deshalb spricht er nach reiflicher Überlegung und handelt in ähnlicher Weise lauter. Wozu ist nämlich dem Menschen das klare Planen des Verstandes gegeben und wozu ist ihm das so teure Gut des Nachdenkens gewährt worden? Doch dazu, daß er es heilsam bei seinem Tun und Handeln benutzt. Deshalb muß bei allen menschlichen Handlungen immer das &#039;Kauen&#039; der Vorüberlegung vorangestellt werden, wenn sie von der Weisheit gelenkt werden, damit alles durchdachter und reiner nachfolgt. Und es genügt nicht, eine Sache, die man zu tun hat, nur einmal zu bedenken, sondern man muß sie mehrmals gründlich überdenken. So wird eine Speise durch vier Verdauungsvorgänge vorverdaut, daß sie dann den Gliedern reiner und echter zugeführt wird, und jede Speise soll durch einen vierfachen Verdauungsvorgang gereinigt werden, bevor sie in die Lebenskraft eingeht. Zuerst kommt sie in den Magen und wird dort zerkleinert, das Reine wird vom Unreinen getrennt und das Unreine wird abgeführt. Dann wird der gereinigte Rest zur Leber transportiert und dort zerkleinert, so daß Blut entsteht, das Reine vom Unreinen getrennt und das Unreine durch den Urin ausgeschieden wird. Der gereinigte Rest wird von den Blutadern aufgenommen und dort zum dritten Mal zerkleinert, das Reine vom Unreinen getrennt und das Unreine durch Schweiß und Speichel ausgeschieden. Dann aber  verteilt sich der gereinigte Rest in den Gliedern und wird dort zum vierten Mal zerkleinert, das Reine vom Unreinen getrennt und jenes Unreine, das schon beinahe rein ist, in den Spermagefäßen aufbewahrt und bei der Zeugung ausgeschieden. Der völlig gereinigte Rest, der sich in die Substanz der Organe verwandelt hat, wird als kraftvolle Lebenssubstanz endlich in die Lebenskraft eingebunden. So gelangt kein unreines Essen in die Lebenskraft, da jede Speise viermal gereinigt wurde. Weil du aber, mein lieber Freund, kein Wiederkäuer bist, nimmst du unreine Nahrung zu dir und deswegen giltst du nach göttlichem Gesetz als unrein.&amp;quot; Als das Schwein dieses gehört hatte, zog es sich beschämt zurück.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutsche Versionen==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. I, 11 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490)===&lt;br /&gt;
Das &amp;amp;middot;XI&amp;amp;middot; Capitel Bedenck alle ding mit wolgedewtem eintrucken ee und du sy thuost&amp;amp;middot;&amp;lt;br /&amp;gt;Das &amp;amp;middot;XI&amp;amp;middot; Capitel&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;N&#039;&#039;&#039;ach etwe vil dewung &lt;br /&gt;
der empfange(n) speyß empfalhe ei(n) Ochß die selbe(n) speise dem guomen hyn wider sy baß zekeüen&amp;amp;middot; Unnd da er siczender und ruowender eyntrucket das sahe ein schwein es lief zuo im un(d) sprach&amp;amp;middot; Du gehürneter was ist das du thuost&amp;amp;middot; Der ochß sprach&amp;amp;middot; Ich eindrucke&amp;amp;middot; Do sprach das schwein&amp;amp;middot; Du unweiser ein kleine stund vor der zeyt hastu ein schwaeres joch vo(n) dyr geleget / waru(m)b ruoest du nu(n) nit Waer des nit genueg das du das aynest gekewt hetest&amp;amp;middot; Das verantwurt der ochs unnd sprach also&amp;amp;middot; Des nymm dir nit wund(er) / mein pruoder / wenn waer daz du eindrucktest fürwar so verstuendest du auch mei(n) eindrucke(n) ich bit dich in freüntschaft sag mir wo und an wellicher stat der tiere ist der synn der speiß geseczt / Ist er nit in dem guomen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Daru(m)be seyt er in dez guome(n) ist so wir dann die speiß ye fleissigklicher kewen so wir ye mer geschmackes des dings das wir da keüen empfahen un(d) gewynnen / auch dester mer lustes in dem koste(n)&lt;br /&gt;
Wiß fürwar das dye besichtige natur die winckel zaen mit de(n) dz kewen geschicht hat zwir allso grosse macht als die andern un(d) vodern zaen&amp;amp;middot; Daru(m)b das dz keüe(n) dest bas geschehe&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Auch hat die natur den costende(n) syn in de(n) mu(n)de geseczt / daru(m)b das wyr dye speiß dester lenger mit lust und(er) dem guomen hielten&amp;amp;middot; Nun dewe ich mein speiß destbas&amp;amp;middot; wenn sy wirt mit eindrucken mir zuo hilf wolgeleütert&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Do sprach dz schwei(n)&amp;amp;middot; wer hat dich gelert eintrucke(n)&amp;amp;middot; Der frag gab der ochß antwurt unnd sprach&amp;amp;middot; Des bis on zweifel die kunst hat mich geleret eindrucken in meinen leychnam die den weysen lert eintrucken in der sel&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
wann ain weiser eindruckt alle ding die er redtt oder würckt mit sitigem bedencken / darumb so erdet er wolgedeüte wort / un(d) würckt wolgeleüterte und rain geschwu(n)gen werck &amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sag mir wardurch istt dem mensche(n) verlihen clarer rat und vernunft un(d) das aller klarest guot der bedaechtnuß zuo nichten anders fürwar dann das er die heilwertiklich nücz in seinen worten und wercken&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Darumbe ist das kewüen der gedechtnuße in allen menschlichen worte(n) un(d) wercken allzeit für zuo seczen daz die beyde mit weißheit wol behuet seyen&amp;amp;middot; Auch ist des nit genuoge ob ain ding aynest besichtigklich und bedaechtiklich wirt betracht / wenn des ist ein noturft das es behendiklich dick un(d) oft werd eingedruckt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
wenn ein yeckliche speiß wirt vierfaltiklich gekocht ee und sy den gelidern warhaftiklich und wolgeleüteret empfolhen unnd geaigenot wirt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Nu(n) das du des gelert werdest so wyß das ayn yeckliche speiß mit der wir tier gespeißtt werden bedarf zuo noete(n) dz sy mit hicziger deüwung vierfeltiklychen geleütert sey ee und sy den lebentigen geysten gegebe(n) wirt unnd gaucz&amp;lt;ref&amp;gt;ganz?&amp;lt;/ref&amp;gt; mit inen veraynet Wann des ersten kommet dye speß in den magen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
und in dem wirt sy am erste(n) gedeüwet / darinn teylt sich das lauter von dez unlautern / und das daz unlautter ist wirt den natürlichen stuele(n) empfolhen mit dem nympte es seinen außgang / darnach wirtt das lauter das in dem mage(n) beleibt der lungen empfolhen Un(d) wirt darinnen verdeüet Unnd wird da zuo pluot&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
da wirt aber dz lauter von dem unlautern geteilet / und das unlauter wirt mit dem haren außgelassen&amp;amp;middot; Darnache wirt das lauter das in d(er) lungen beliben ist von den adern an sich gezogen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
und wirt darinne(n) zuo dem driten mal gedeüet / Do wirt aber das lauter vo(n) dem unlautern geteilt&amp;amp;middot; und das unlauter wirt verlassen mitt dem schwaiß und mit dez spaichel&amp;amp;middot; darnach zuo dem vierden mal wirtt daz lauter das do überbelibe(n) ist in alle gelider geteylt / und wirdet darinnen gedeüet&amp;amp;middot; Do wirtt auch daz lautter von dem unlautern geteylt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dasselbig das vil nahend sam als das lautter ist das wirt behalte(n) in den vaßsen das ist der nyeren natürlicher saum / und dasselbig dz wirt mit dem wercke der natur verlassen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber das aller leüterst dz daselbs ist überbeliben und sich in wesenlichs wesen und stand der gelyder verkeret und auch verwandlet hat / dz wirt zuo dez jüngsten den geysten des lebens zuo gefueget mit de(m) leben un(d) dz selbig ist des lebe(n)s wesenlichs wesen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Also merck dz kei(n) unlautrikeit ko(m)pt zuo der sel der tier es sej dan(n) ein jeckliche speiß ee zuo vier malen gereiniget un(d) geleütert&amp;amp;middot; Sei der aber du mit eintruckst daru(m)be so nymbstu ungeleüterte speiß i(n) d(er) du für rose(n) un(d) gilge(n) wuolest&amp;amp;middot; un(d) naschest / daru(m)b pistu mit goetliche(m) urteil der alte(n) ee ein unrein tier geurteilt un(d) v(er)dampt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Miniaturen und gedruckte Bilder==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Cgm 254, 9v).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Cgm 254, 9v)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Cgm 9602, 10v).jpg|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Cgm 9602, 10v)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Mgf 459, 23v).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Mgf 459, 23v)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (MS 653, 174r).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (MS 653, 174r)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (MS Egerton 1121, 16r).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (MS Egerton 1121, 16r)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Druck 1490, 12v).jpg|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Druck 1490, 12v)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Druck 1571, 45v).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Druck 1571, 45v)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Quelle Fabel]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Ochse_und_Schwein_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20266</id>
		<title>Ochse und Schwein (Erzählstoff)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Ochse_und_Schwein_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20266"/>
		<updated>2021-11-03T15:54:50Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: /* Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein), Nr. I, 11 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490) */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
| namen              = Ochse und Schwein&lt;br /&gt;
| regest             = Der Ochse erklärt dem fragenden Schwein, warum er wiederkäut. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 530)&lt;br /&gt;
| fassungen          = [[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. I, 11&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. I, 11, Bl. 9v-10v&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], 11&lt;br /&gt;
| forschung          = [[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 530f.; [[Günthart, Romy (Hg.): Sebastian Münster, Spiegel der wyßheit]], Band 2, S. 26f.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Lateinische Version (Cyrillus, Nr. I, 11), 1. Hälfte 14. Jhd. ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die deutsche Tradition baut auf einer lateinischen Quelle auf (Cyrillus, Nr. I, 11 ([https://archive.org/details/diebeidenltesten00grss Grässe, Johann Georg Theodor (Hg.): Die beiden ältesten lateinischen Fabelbücher des Mittelalters.] Tübingen 1880, S. 16-18)). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 44-46.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Übersetzung&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 45-47.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Diligentiori ruminatione omnia digeras, priusquam agas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Post aliquantulam sumpti digestionem edulii ipsum bos retribuens faucibus cum recubans ruminaret, porcus hoc adspiciens ad eum venit et dixit: &amp;quot;Quid est quod agis, cornute?&amp;quot; Cui ille: &amp;quot;Rumino.&amp;quot; Tunc porcus: &amp;quot;Parum ante tam onerosum iugum deposuisti, ut quid modo non quiescis? Nonne semel satis est masticasse? Ad haec bos ita fertur dixisse: &amp;quot;Nimirum, frater, si ruminares, nullatenus ita sentires. Ubi quaeso situs est alimenti sensus? Nonne in faucibus? Et propter hoc quanto diligentius edulium masticamus, tanto amplius totius rei saporem percipimus et iudicialem gustum vehementius delectamus; revera molares dentes in duplo provida ob hoc natura composuit, ut masticatio maior adsit, et gustativus sensus providenter locatus est in ore, ut delectatione cibum diutius teneamus sub fauce. Quin et ruminans melius digero et alimentum in fine per amplius depuratum assumo.&amp;quot; Tunc porcus his auditis adiunxit: &amp;quot;Quis ruminare te docuit?&amp;quot; Et ille: &amp;quot;Nimirum ars illa me hoc agere erudivit in corpore, quae sapientem edocuit ruminare in mente. Cuncta namque subtili medicamine ruminat prudens quae aut dicit aut facit, propterea quidem digesta loquitur et purgata similiter operatur. Ad quid enim communicatum est homini clarum rationis consilium, et tarn carissimum concessum est illi meditationis bonum? Nonne ut his salubriter in agendis utatur? Unde praemeditationis masticatio semper praeponenda est in cunctis humanis actibus, si sapientia gubernantur, ut universa digestiora et puriora consequantur. Nec semel satis est rem agendam videre, sed necesse est eam subtiliter pluries ruminare. Sicut quattuor digestionibus cibus praecoquitur, ut deinde membris purior atque veracior tribuatur, omnis cibus, autequam animae uniatur, quattuor purgetur digestionibus. Primo vadit ad stomachum et ibi digeritur et sequestratur purum ab impuro et quod impurum est, emittitur per secessum. Deinde purum derelictum ad hepar mittitur, et ibi digeritur et fit sanguis et sequestratur purum ab impuro et impurum emittitur per urinam. Deinde derelictum purum a venis attrahitur et ibi tertio digeritur et sequestratur purum ab impuro et impurum emittitur per sudorem et sputum. Deinde purum derelictum per membra spargitur et in membris quarto digeritur et sequestratur purum ab impuro et illud impurum, quod quasi purum est, servatur in vasis spermaticis et in generatione emittitur. Purissimum autem derelictum conversum in membrorum substantiam finaliter animae copulatur factum vivum et substantia vitae. Unde nulla cibalis impuritas accedit ad animam, nisi cum quater mundificatus sit omnis cibus. Tu quidem ergo, carissime, quia non ruminas, impurius suscipis alimentum, et ob hoc divina lege iudicaris immundus.&amp;quot; Quibus auditis erubescens porcus recessit.&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Bevor du handelst, sollst du alles durch sorgfältiges Nachdenken abwägen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Schwein sah, wie ein Ochse nach kurzem Kauen der aufgenommenen Nahrung diese wieder seinem Maul zuführte und im Liegen wiederkäute; es ging näher zu ihm und sagte: &amp;quot;Was treibst du, Hornochse?&amp;quot; Jener sagte zu ihm: &amp;quot;Ich bin mit Wiederkäuen beschäftigt.&amp;quot; Darauf meinte das Schwein: &amp;quot;Eben erst hast du das so beschwerliche Joch abgelegt, warum ruhst du jetzt nicht aus? Genügt es nicht, einmal gekaut zu haben?&amp;quot; Darauf soll der Ochse folgendes gesagt haben: &amp;quot;Aber nein, mein Bruder, wenn du ein Wiederkäuer wärest, würdest du keineswegs so denken. Ich frage dich, wo ist denn das Sinnesorgan für die Nahrung angesiedelt? Doch im Maul! Je sorgfältiger wir kauen, um so mehr nehmen wir folglich den Geschmack der ganzen Sache auf und um so eindringlicher erfreut sich der urteilende Geschmacksinn; die wirklich weitsichtige Natur hat deshalb die Backenzähne doppelt angelegt, damit ein kräftiges Kauen möglich ist, und der Geschmackssinn ist absichtlich im Mund angelegt, damit wir mit Freude die Speise länger darin festhalten. Ich verdaue sogar besser, wenn ich wiederkäue und nehme schließlich eine besser gereinigte Nahrung auf.&amp;quot; Als das Schwein dieses gehört hatte, fügte es hinzu: &amp;quot;Wer hat dich das Wiederkäuen gelehrt?&amp;quot; Er gab zur Antwort: &amp;quot;Selbstverständlich hat jene Kunst mich dazu erzogen, dies in meinem Körper zu tun, die den Weisen lehrte, im Geist wiederzukäuen. Denn alles, was der Kluge sagt oder tut, kaut er mit einem feinen Wirkstoff nochmals durch. Deshalb spricht er nach reiflicher Überlegung und handelt in ähnlicher Weise lauter. Wozu ist nämlich dem Menschen das klare Planen des Verstandes gegeben und wozu ist ihm das so teure Gut des Nachdenkens gewährt worden? Doch dazu, daß er es heilsam bei seinem Tun und Handeln benutzt. Deshalb muß bei allen menschlichen Handlungen immer das &#039;Kauen&#039; der Vorüberlegung vorangestellt werden, wenn sie von der Weisheit gelenkt werden, damit alles durchdachter und reiner nachfolgt. Und es genügt nicht, eine Sache, die man zu tun hat, nur einmal zu bedenken, sondern man muß sie mehrmals gründlich überdenken. So wird eine Speise durch vier Verdauungsvorgänge vorverdaut, daß sie dann den Gliedern reiner und echter zugeführt wird, und jede Speise soll durch einen vierfachen Verdauungsvorgang gereinigt werden, bevor sie in die Lebenskraft eingeht. Zuerst kommt sie in den Magen und wird dort zerkleinert, das Reine wird vom Unreinen getrennt und das Unreine wird abgeführt. Dann wird der gereinigte Rest zur Leber transportiert und dort zerkleinert, so daß Blut entsteht, das Reine vom Unreinen getrennt und das Unreine durch den Urin ausgeschieden wird. Der gereinigte Rest wird von den Blutadern aufgenommen und dort zum dritten Mal zerkleinert, das Reine vom Unreinen getrennt und das Unreine durch Schweiß und Speichel ausgeschieden. Dann aber  verteilt sich der gereinigte Rest in den Gliedern und wird dort zum vierten Mal zerkleinert, das Reine vom Unreinen getrennt und jenes Unreine, das schon beinahe rein ist, in den Spermagefäßen aufbewahrt und bei der Zeugung ausgeschieden. Der völlig gereinigte Rest, der sich in die Substanz der Organe verwandelt hat, wird als kraftvolle Lebenssubstanz endlich in die Lebenskraft eingebunden. So gelangt kein unreines Essen in die Lebenskraft, da jede Speise viermal gereinigt wurde. Weil du aber, mein lieber Freund, kein Wiederkäuer bist, nimmst du unreine Nahrung zu dir und deswegen giltst du nach göttlichem Gesetz als unrein.&amp;quot; Als das Schwein dieses gehört hatte, zog es sich beschämt zurück.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutsche Versionen==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. I, 11 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490)===&lt;br /&gt;
Das &amp;amp;middot;XI&amp;amp;middot; Capitel Bedenck alle ding mit wolgedewtem eintrucken ee und du sy thuost&amp;amp;middot;&amp;lt;br /&amp;gt;Das &amp;amp;middot;XI&amp;amp;middot; Capitel&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;N&#039;&#039;&#039;ach etwe vil dewung &lt;br /&gt;
der empfange(n) speyß empfalhe ei(n) Ochß die selbe(n) speise dem guomen hyn wider sy baß zekeüen&amp;amp;middot; Unnd da er siczender und ruowender eyntrucket das sahe ein schwein es lief zuo im un(d) sprach&amp;amp;middot; Du gehürneter was ist das du thuost&amp;amp;middot; Der ochß sprach&amp;amp;middot; Ich eindrucke&amp;amp;middot; Do sprach das schwein&amp;amp;middot; Du unweiser ein kleine stund vor der zeyt hastu ein schwaeres joch vo(n) dyr geleget / waru(m)b ruoest du nu(n) nit Waer des nit genueg das du das aynest gekewt hetest&amp;amp;middot; Das verantwurt der ochs unnd sprach also&amp;amp;middot; Des nymm dir nit wund(er) / mein pruoder / wenn waer daz du eindrucktest fürwar so verstuendest du auch mei(n) eindrucke(n) ich bit dich in freüntschaft sag mir wo und an wellicher stat der tiere ist der synn der speiß geseczt / Ist er nit in dem guomen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Daru(m)be seyt er in dez guome(n) ist so wir dann die speiß ye fleissigklicher kewen so wir ye mer geschmackes des dings das wir da keüen empfahen un(d) gewynnen / auch dester mer lustes in dem koste(n)&lt;br /&gt;
Wiß fürwar das dye besichtige natur die winckel zaen mit de(n) dz kewen geschicht hat zwir allso grosse macht als die andern un(d) vodern zaen&amp;amp;middot; Daru(m)b das dz keüe(n) dest bas geschehe&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Auch hat die natur den costende(n) syn in de(n) mu(n)de geseczt / daru(m)b das wyr dye speiß dester lenger mit lust und(er) dem guomen hielten&amp;amp;middot; Nun dewe ich mein speiß destbas&amp;amp;middot; wenn sy wirt mit eindrucken mir zuo hilf wolgeleütert&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Do sprach dz schwei(n)&amp;amp;middot; wer hat dich gelert eintrucke(n)&amp;amp;middot; Der frag gab der ochß antwurt unnd sprach&amp;amp;middot; Des bis on zweifel die kunst hat mich geleret eindrucken in meinen leychnam die den weysen lert eintrucken in der sel&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
wann ain weiser eindruckt alle ding die er redtt oder würckt mit sitigem bedencken / darumb so erdet er wolgedeüte wort / un(d) würckt wolgeleüterte und rain geschwu(n)gen werck &amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sag mir wardurch istt dem mensche(n) verlihen clarer rat und vernunft un(d) das aller klarest guot der bedaechtnuß zuo nichten anders fürwar dann das er die heilwertiklich nücz in seinen worten und wercken&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Darumbe ist das kewüen der gedechtnuße in allen menschlichen worte(n) un(d) wercken allzeit für zuo seczen daz die beyde mit weißheit wol behuet seyen&amp;amp;middot; Auch ist des nit genuoge ob ain ding aynest besichtigklich und bedaechtiklich wirt betracht / wenn des ist ein noturft das es behendiklich dick un(d) oft werd eingedruckt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
wenn ein yeckliche speiß wirt vierfaltiklich gekocht ee und sy den gelidern warhaftiklich und wolgeleüteret empfolhen unnd geaigenot wirt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Nu(n) das du des gelert werdest so wyß das ayn yeckliche speiß mit der wir tier gespeißtt werden bedarf zuo noete(n) dz sy mit hicziger deüwung vierfeltiklychen geleütert sey ee und sy den lebentigen geysten gegebe(n) wirt unnd gaucz&amp;lt;ref&amp;gt;ganz?&amp;lt;/ref&amp;gt; mit inen veraynet Wann des ersten kommet dye speß in den magen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
und in dem wirt sy am erste(n) gedeüwet / darinn teylt sich das lauter von dez unlautern / und das daz unlautter ist wirt den natürlichen stuele(n) empfolhen mit dem nympte es seinen außgang / darnach wirtt das lauter das in dem mage(n) beleibt der lungen empfolhen Un(d) wirt darinnen verdeüet Unnd wird da zuo pluot&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
da wirt aber dz lauter von dem unlautern geteilet / und das unlauter wirt mit dem haren außgelassen&amp;amp;middot; Darnache wirt das lauter das in d(er) lungen beliben ist von den adern an sich gezogen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
und wirt darinne(n) zuo dem driten mal gedeüet / Do wirt aber das lauter vo(n) dem unlautern geteilt&amp;amp;middot; und das unlauter wirt verlassen mitt dem schwaiß und mit dez spaichel&amp;amp;middot; darnach zuo dem vierden mal wirtt daz lauter das do überbelibe(n) ist in alle gelider geteylt / und wirdet darinnen gedeüet&amp;amp;middot; Do wirtt auch daz lautter von dem unlautern geteylt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dasselbig das vil nahend sam als das lautter ist das wirt behalte(n) in den vaßsen das ist der nyeren natürlicher saum / und dasselbig dz wirt mit dem wercke der natur verlassen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber das aller leüterst dz daselbs ist überbeliben und sich in wesenlichs wesen und stand der gelyder verkeret und auch verwandlet hat / dz wirt zuo dez jüngsten den geysten des lebens zuo gefueget mit de(m) leben un(d) dz selbig ist des lebe(n)s wesenlichs wesen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Also merck dz kei(n) unlautrikeit ko(m)pt zuo der sel der tier es sej dan(n) ein jeckliche speiß ee zuo vier malen gereiniget un(d) geleütert&amp;amp;middot; Sei der aber du mit eintruckst daru(m)be so nymbstu ungeleüterte speiß i(n) d(er) du für rose(n) un(d) gilge(n) wuolest&amp;amp;middot; un(d) naschest / daru(m)b pistu mit zoetliche(n) urteil der alte(n) ee ein unrein tier geurteilt un(d) v(er)dampt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Miniaturen und gedruckte Bilder==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Cgm 254, 9v).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Cgm 254, 9v)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Cgm 9602, 10v).jpg|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Cgm 9602, 10v)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Mgf 459, 23v).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Mgf 459, 23v)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (MS 653, 174r).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (MS 653, 174r)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (MS Egerton 1121, 16r).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (MS Egerton 1121, 16r)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Druck 1490, 12v).jpg|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Druck 1490, 12v)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Druck 1571, 45v).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Druck 1571, 45v)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Quelle Fabel]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Ochse_und_Schwein_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20265</id>
		<title>Ochse und Schwein (Erzählstoff)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Ochse_und_Schwein_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20265"/>
		<updated>2021-11-03T15:50:41Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: /* Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein), Nr. I, 11 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490) */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
| namen              = Ochse und Schwein&lt;br /&gt;
| regest             = Der Ochse erklärt dem fragenden Schwein, warum er wiederkäut. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 530)&lt;br /&gt;
| fassungen          = [[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. I, 11&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. I, 11, Bl. 9v-10v&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], 11&lt;br /&gt;
| forschung          = [[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 530f.; [[Günthart, Romy (Hg.): Sebastian Münster, Spiegel der wyßheit]], Band 2, S. 26f.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Lateinische Version (Cyrillus, Nr. I, 11), 1. Hälfte 14. Jhd. ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die deutsche Tradition baut auf einer lateinischen Quelle auf (Cyrillus, Nr. I, 11 ([https://archive.org/details/diebeidenltesten00grss Grässe, Johann Georg Theodor (Hg.): Die beiden ältesten lateinischen Fabelbücher des Mittelalters.] Tübingen 1880, S. 16-18)). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 44-46.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Übersetzung&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 45-47.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Diligentiori ruminatione omnia digeras, priusquam agas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Post aliquantulam sumpti digestionem edulii ipsum bos retribuens faucibus cum recubans ruminaret, porcus hoc adspiciens ad eum venit et dixit: &amp;quot;Quid est quod agis, cornute?&amp;quot; Cui ille: &amp;quot;Rumino.&amp;quot; Tunc porcus: &amp;quot;Parum ante tam onerosum iugum deposuisti, ut quid modo non quiescis? Nonne semel satis est masticasse? Ad haec bos ita fertur dixisse: &amp;quot;Nimirum, frater, si ruminares, nullatenus ita sentires. Ubi quaeso situs est alimenti sensus? Nonne in faucibus? Et propter hoc quanto diligentius edulium masticamus, tanto amplius totius rei saporem percipimus et iudicialem gustum vehementius delectamus; revera molares dentes in duplo provida ob hoc natura composuit, ut masticatio maior adsit, et gustativus sensus providenter locatus est in ore, ut delectatione cibum diutius teneamus sub fauce. Quin et ruminans melius digero et alimentum in fine per amplius depuratum assumo.&amp;quot; Tunc porcus his auditis adiunxit: &amp;quot;Quis ruminare te docuit?&amp;quot; Et ille: &amp;quot;Nimirum ars illa me hoc agere erudivit in corpore, quae sapientem edocuit ruminare in mente. Cuncta namque subtili medicamine ruminat prudens quae aut dicit aut facit, propterea quidem digesta loquitur et purgata similiter operatur. Ad quid enim communicatum est homini clarum rationis consilium, et tarn carissimum concessum est illi meditationis bonum? Nonne ut his salubriter in agendis utatur? Unde praemeditationis masticatio semper praeponenda est in cunctis humanis actibus, si sapientia gubernantur, ut universa digestiora et puriora consequantur. Nec semel satis est rem agendam videre, sed necesse est eam subtiliter pluries ruminare. Sicut quattuor digestionibus cibus praecoquitur, ut deinde membris purior atque veracior tribuatur, omnis cibus, autequam animae uniatur, quattuor purgetur digestionibus. Primo vadit ad stomachum et ibi digeritur et sequestratur purum ab impuro et quod impurum est, emittitur per secessum. Deinde purum derelictum ad hepar mittitur, et ibi digeritur et fit sanguis et sequestratur purum ab impuro et impurum emittitur per urinam. Deinde derelictum purum a venis attrahitur et ibi tertio digeritur et sequestratur purum ab impuro et impurum emittitur per sudorem et sputum. Deinde purum derelictum per membra spargitur et in membris quarto digeritur et sequestratur purum ab impuro et illud impurum, quod quasi purum est, servatur in vasis spermaticis et in generatione emittitur. Purissimum autem derelictum conversum in membrorum substantiam finaliter animae copulatur factum vivum et substantia vitae. Unde nulla cibalis impuritas accedit ad animam, nisi cum quater mundificatus sit omnis cibus. Tu quidem ergo, carissime, quia non ruminas, impurius suscipis alimentum, et ob hoc divina lege iudicaris immundus.&amp;quot; Quibus auditis erubescens porcus recessit.&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Bevor du handelst, sollst du alles durch sorgfältiges Nachdenken abwägen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Schwein sah, wie ein Ochse nach kurzem Kauen der aufgenommenen Nahrung diese wieder seinem Maul zuführte und im Liegen wiederkäute; es ging näher zu ihm und sagte: &amp;quot;Was treibst du, Hornochse?&amp;quot; Jener sagte zu ihm: &amp;quot;Ich bin mit Wiederkäuen beschäftigt.&amp;quot; Darauf meinte das Schwein: &amp;quot;Eben erst hast du das so beschwerliche Joch abgelegt, warum ruhst du jetzt nicht aus? Genügt es nicht, einmal gekaut zu haben?&amp;quot; Darauf soll der Ochse folgendes gesagt haben: &amp;quot;Aber nein, mein Bruder, wenn du ein Wiederkäuer wärest, würdest du keineswegs so denken. Ich frage dich, wo ist denn das Sinnesorgan für die Nahrung angesiedelt? Doch im Maul! Je sorgfältiger wir kauen, um so mehr nehmen wir folglich den Geschmack der ganzen Sache auf und um so eindringlicher erfreut sich der urteilende Geschmacksinn; die wirklich weitsichtige Natur hat deshalb die Backenzähne doppelt angelegt, damit ein kräftiges Kauen möglich ist, und der Geschmackssinn ist absichtlich im Mund angelegt, damit wir mit Freude die Speise länger darin festhalten. Ich verdaue sogar besser, wenn ich wiederkäue und nehme schließlich eine besser gereinigte Nahrung auf.&amp;quot; Als das Schwein dieses gehört hatte, fügte es hinzu: &amp;quot;Wer hat dich das Wiederkäuen gelehrt?&amp;quot; Er gab zur Antwort: &amp;quot;Selbstverständlich hat jene Kunst mich dazu erzogen, dies in meinem Körper zu tun, die den Weisen lehrte, im Geist wiederzukäuen. Denn alles, was der Kluge sagt oder tut, kaut er mit einem feinen Wirkstoff nochmals durch. Deshalb spricht er nach reiflicher Überlegung und handelt in ähnlicher Weise lauter. Wozu ist nämlich dem Menschen das klare Planen des Verstandes gegeben und wozu ist ihm das so teure Gut des Nachdenkens gewährt worden? Doch dazu, daß er es heilsam bei seinem Tun und Handeln benutzt. Deshalb muß bei allen menschlichen Handlungen immer das &#039;Kauen&#039; der Vorüberlegung vorangestellt werden, wenn sie von der Weisheit gelenkt werden, damit alles durchdachter und reiner nachfolgt. Und es genügt nicht, eine Sache, die man zu tun hat, nur einmal zu bedenken, sondern man muß sie mehrmals gründlich überdenken. So wird eine Speise durch vier Verdauungsvorgänge vorverdaut, daß sie dann den Gliedern reiner und echter zugeführt wird, und jede Speise soll durch einen vierfachen Verdauungsvorgang gereinigt werden, bevor sie in die Lebenskraft eingeht. Zuerst kommt sie in den Magen und wird dort zerkleinert, das Reine wird vom Unreinen getrennt und das Unreine wird abgeführt. Dann wird der gereinigte Rest zur Leber transportiert und dort zerkleinert, so daß Blut entsteht, das Reine vom Unreinen getrennt und das Unreine durch den Urin ausgeschieden wird. Der gereinigte Rest wird von den Blutadern aufgenommen und dort zum dritten Mal zerkleinert, das Reine vom Unreinen getrennt und das Unreine durch Schweiß und Speichel ausgeschieden. Dann aber  verteilt sich der gereinigte Rest in den Gliedern und wird dort zum vierten Mal zerkleinert, das Reine vom Unreinen getrennt und jenes Unreine, das schon beinahe rein ist, in den Spermagefäßen aufbewahrt und bei der Zeugung ausgeschieden. Der völlig gereinigte Rest, der sich in die Substanz der Organe verwandelt hat, wird als kraftvolle Lebenssubstanz endlich in die Lebenskraft eingebunden. So gelangt kein unreines Essen in die Lebenskraft, da jede Speise viermal gereinigt wurde. Weil du aber, mein lieber Freund, kein Wiederkäuer bist, nimmst du unreine Nahrung zu dir und deswegen giltst du nach göttlichem Gesetz als unrein.&amp;quot; Als das Schwein dieses gehört hatte, zog es sich beschämt zurück.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutsche Versionen==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. I, 11 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490)===&lt;br /&gt;
Das &amp;amp;middot;XI&amp;amp;middot; Capitel Bedenck alle ding mit wolgedewtem eintrucken ee und du sy thuost&amp;amp;middot;&amp;lt;br /&amp;gt;Das &amp;amp;middot;XI&amp;amp;middot; Capitel&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;N&#039;&#039;&#039;ach etwe vil dewung &lt;br /&gt;
der empfange(n) speyß empfalhe ei(n) Ochß die selbe(n) speise dem guomen hyn wider sy baß zekeüen&amp;amp;middot; Unnd da er siczender und ruowender eyntrucket das sahe ein schwein es lief zuo im un(d) sprach&amp;amp;middot; Du gehürneter was ist das du thuost&amp;amp;middot; Der ochß sprach&amp;amp;middot; Ich eindrucke&amp;amp;middot; Do sprach das schwein&amp;amp;middot; Du unweiser ein kleine stund vor der zeyt hastu ein schwaeres joch vo(n) dyr geleget / waru(m)b ruoest du nu(n) nit Waer des nit genueg das du das aynest gekewt hetest&amp;amp;middot; Das verantwurt der ochs unnd sprach also&amp;amp;middot; Des nymm dir nit wund(er) / mein pruoder / wenn waer daz du eindrucktest fürwar so verstuendest du auch mei(n) eindrucke(n) ich bit dich in freüntschaft sag mir wo und an wellicher stat der tiere ist der synn der speiß geseczt / Ist er nit in dem guomen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Daru(m)be seyt er in dez guome(n) ist so wir dann die speiß ye fleissigklicher kewen so wir ye mer geschmackes des dings das wir da keüen empfahen un(d) gewynnen / auch dester mer lustes in dem koste(n)&lt;br /&gt;
Wiß fürwar das dye besichtige natur die winckel zaen mit de(n) dz kewen geschicht hat zwir allso grosse macht als die andern un(d) vodern zaen&amp;amp;middot; Daru(m)b das dz keüe(n) dest bas geschehe&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Auch hat die natur den costende(n) syn in de(n) mu(n)de geseczt / daru(m)b das wyr dye speiß dester lenger mit lust und(er) dem guomen hielten&amp;amp;middot; Nun dewe ich mein speiß destbas&amp;amp;middot; wenn sy wirt mit eindrucken mir zuo hilf wolgeleütert&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Do sprach dz schwei(n)&amp;amp;middot; wer hat dich gelert eintrucke(n)&amp;amp;middot; Der frag gab der ochß antwurt unnd sprach&amp;amp;middot; Des bis on zweifel die kunst hat mich geleret eindrucken in meinen leychnam die den weysen lert eintrucken in der sel&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
wann ain weiser eindruckt alle ding die er redtt oder würckt mit sitigem bedencken / darumb so erdet er wolgedeüte wort / un(d) würckt wolgeleüterte und rain geschwu(n)gen werck &amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sag mir wardurch istt dem mensche(n) verlihen clarer rat und vernunft un(d) das aller klarest guot der bedaechtnuß zuo nichten anders fürwar dann das er die heilwertiklich nücz in seinen worten und wercken&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Darumbe ist das kewüen der gedechtnuße in allen menschlichen worte(n) un(d) wercken allzeit für zuo seczen daz die beyde mit weißheit wol behuet seyen&amp;amp;middot; Auch ist des nit genuoge ob ain ding aynest besichtigklich und bedaechtiklich wirt betracht / wenn des ist ein noturft das es behendiklich dick un(d) oft werd eingedruckt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
wenn ein yeckliche speiß wirt vierfaltiklich gekocht ee und sy den gelidern warhaftiklich und wolgeleüteret empfolhen unnd geaigenot wirt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Nu(n) das du des gelert werdest so wyß das ayn yeckliche speiß mit der wir tier gespeißtt werden bedarf zuo noete(n) dz sy mit hicziger deüwung vierfeltiklychen geleütert sey ee und sy den lebentigen geysten gegebe(n) wirt unnd gaucz&amp;lt;ref&amp;gt;ganz?&amp;lt;/ref&amp;gt; mit inen veraynet Wann des ersten kommet dye speß in den magen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
und in dem wirt sy am erste(n) gedeüwet / darinn teylt sich das lauter von dez unlautern / und das daz unlautter ist wirt den natürlichen stuele(n) empfolhen mit dem nympte es seinen außgang / darnach wirtt das lauter das in dem mage(n) beleibt der lungen empfolhen Un(d) wirt darinnen verdeüet Unnd wird da zuo pluot&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
da wirt aber dz lauter von dem unlautern geteilet / und das unlauter wirt mit dem haren außgelassen&amp;amp;middot; Darnache wirt das lauter das in d(er) lungen beliben ist von den adern an sich gezogen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
und wirt darinne(n) zuo dem driten mal gedeüet / Do wirt aber das lauter vo(n) dem unlautern geteilt&amp;amp;middot; und das unlauter wirt verlassen mitt dem schwaiß und mit dez spaichel&amp;amp;middot; darnach zuo dem vierden mal wirtt daz lauter das do überbelibe(n) ist in alle gelider geteylt / und wirdet darinnen gedeüet&amp;amp;middot; Do wirtt auch daz lautter von dem unlautern geteylt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dasselbig das vil nahend sam als das lautter ist das wirt behalte(n) in den vaßsen das ist der nyeren natürlicher saum / und dasselbig dz wirt mit dem wercke der natur verlassen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber das aller leüterst dz daselbs ist überbeliben und sich in wesenlichs wesen und stand der gelyder verkeret und auch verwandlet hat / dz wirt zuo dez jüngsten den geysten des lebens zuo gefueget mit de(m) leben un(d) dz selbig ist des lebe(n)s wesenlichs wesen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Also merck dez kei(n) unlautrikeit ko(m)pt zuo der sel der tier es sei dan(n) ein jeckliche speiß ee zuo vier malen gereiniget un(d) geleütert&amp;amp;middot; Sei der aber du mit eintruckst daru(n)de so nymbstu ungeleüterte speiß i(n) d(er) du für rose(n) un(d) gilge(n) wuolest&amp;amp;middot un(d) naschest / daru(m)b pistu mit zoetliche(n) urteil der alte(n) ee ein unrein tier geurteilt un(d) v(er)dampt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Miniaturen und gedruckte Bilder==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]]===&lt;br /&gt;
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Datei:Ochse und Schwein (Cgm 254, 9v).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Cgm 254, 9v)&lt;br /&gt;
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Datei:Ochse und Schwein (Mgf 459, 23v).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Mgf 459, 23v)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (MS 653, 174r).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (MS 653, 174r)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (MS Egerton 1121, 16r).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (MS Egerton 1121, 16r)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Druck 1490, 12v).jpg|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Druck 1490, 12v)&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]]===&lt;br /&gt;
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Datei:Ochse und Schwein (Druck 1571, 45v).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Druck 1571, 45v)&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Quelle Fabel]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Ochse_und_Schwein_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20264</id>
		<title>Ochse und Schwein (Erzählstoff)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Ochse_und_Schwein_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20264"/>
		<updated>2021-11-03T15:49:43Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: /* Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein), Nr. I, 11 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490) */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
| namen              = Ochse und Schwein&lt;br /&gt;
| regest             = Der Ochse erklärt dem fragenden Schwein, warum er wiederkäut. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 530)&lt;br /&gt;
| fassungen          = [[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. I, 11&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. I, 11, Bl. 9v-10v&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], 11&lt;br /&gt;
| forschung          = [[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 530f.; [[Günthart, Romy (Hg.): Sebastian Münster, Spiegel der wyßheit]], Band 2, S. 26f.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Lateinische Version (Cyrillus, Nr. I, 11), 1. Hälfte 14. Jhd. ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die deutsche Tradition baut auf einer lateinischen Quelle auf (Cyrillus, Nr. I, 11 ([https://archive.org/details/diebeidenltesten00grss Grässe, Johann Georg Theodor (Hg.): Die beiden ältesten lateinischen Fabelbücher des Mittelalters.] Tübingen 1880, S. 16-18)). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 44-46.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Übersetzung&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 45-47.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Diligentiori ruminatione omnia digeras, priusquam agas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Post aliquantulam sumpti digestionem edulii ipsum bos retribuens faucibus cum recubans ruminaret, porcus hoc adspiciens ad eum venit et dixit: &amp;quot;Quid est quod agis, cornute?&amp;quot; Cui ille: &amp;quot;Rumino.&amp;quot; Tunc porcus: &amp;quot;Parum ante tam onerosum iugum deposuisti, ut quid modo non quiescis? Nonne semel satis est masticasse? Ad haec bos ita fertur dixisse: &amp;quot;Nimirum, frater, si ruminares, nullatenus ita sentires. Ubi quaeso situs est alimenti sensus? Nonne in faucibus? Et propter hoc quanto diligentius edulium masticamus, tanto amplius totius rei saporem percipimus et iudicialem gustum vehementius delectamus; revera molares dentes in duplo provida ob hoc natura composuit, ut masticatio maior adsit, et gustativus sensus providenter locatus est in ore, ut delectatione cibum diutius teneamus sub fauce. Quin et ruminans melius digero et alimentum in fine per amplius depuratum assumo.&amp;quot; Tunc porcus his auditis adiunxit: &amp;quot;Quis ruminare te docuit?&amp;quot; Et ille: &amp;quot;Nimirum ars illa me hoc agere erudivit in corpore, quae sapientem edocuit ruminare in mente. Cuncta namque subtili medicamine ruminat prudens quae aut dicit aut facit, propterea quidem digesta loquitur et purgata similiter operatur. Ad quid enim communicatum est homini clarum rationis consilium, et tarn carissimum concessum est illi meditationis bonum? Nonne ut his salubriter in agendis utatur? Unde praemeditationis masticatio semper praeponenda est in cunctis humanis actibus, si sapientia gubernantur, ut universa digestiora et puriora consequantur. Nec semel satis est rem agendam videre, sed necesse est eam subtiliter pluries ruminare. Sicut quattuor digestionibus cibus praecoquitur, ut deinde membris purior atque veracior tribuatur, omnis cibus, autequam animae uniatur, quattuor purgetur digestionibus. Primo vadit ad stomachum et ibi digeritur et sequestratur purum ab impuro et quod impurum est, emittitur per secessum. Deinde purum derelictum ad hepar mittitur, et ibi digeritur et fit sanguis et sequestratur purum ab impuro et impurum emittitur per urinam. Deinde derelictum purum a venis attrahitur et ibi tertio digeritur et sequestratur purum ab impuro et impurum emittitur per sudorem et sputum. Deinde purum derelictum per membra spargitur et in membris quarto digeritur et sequestratur purum ab impuro et illud impurum, quod quasi purum est, servatur in vasis spermaticis et in generatione emittitur. Purissimum autem derelictum conversum in membrorum substantiam finaliter animae copulatur factum vivum et substantia vitae. Unde nulla cibalis impuritas accedit ad animam, nisi cum quater mundificatus sit omnis cibus. Tu quidem ergo, carissime, quia non ruminas, impurius suscipis alimentum, et ob hoc divina lege iudicaris immundus.&amp;quot; Quibus auditis erubescens porcus recessit.&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Bevor du handelst, sollst du alles durch sorgfältiges Nachdenken abwägen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Schwein sah, wie ein Ochse nach kurzem Kauen der aufgenommenen Nahrung diese wieder seinem Maul zuführte und im Liegen wiederkäute; es ging näher zu ihm und sagte: &amp;quot;Was treibst du, Hornochse?&amp;quot; Jener sagte zu ihm: &amp;quot;Ich bin mit Wiederkäuen beschäftigt.&amp;quot; Darauf meinte das Schwein: &amp;quot;Eben erst hast du das so beschwerliche Joch abgelegt, warum ruhst du jetzt nicht aus? Genügt es nicht, einmal gekaut zu haben?&amp;quot; Darauf soll der Ochse folgendes gesagt haben: &amp;quot;Aber nein, mein Bruder, wenn du ein Wiederkäuer wärest, würdest du keineswegs so denken. Ich frage dich, wo ist denn das Sinnesorgan für die Nahrung angesiedelt? Doch im Maul! Je sorgfältiger wir kauen, um so mehr nehmen wir folglich den Geschmack der ganzen Sache auf und um so eindringlicher erfreut sich der urteilende Geschmacksinn; die wirklich weitsichtige Natur hat deshalb die Backenzähne doppelt angelegt, damit ein kräftiges Kauen möglich ist, und der Geschmackssinn ist absichtlich im Mund angelegt, damit wir mit Freude die Speise länger darin festhalten. Ich verdaue sogar besser, wenn ich wiederkäue und nehme schließlich eine besser gereinigte Nahrung auf.&amp;quot; Als das Schwein dieses gehört hatte, fügte es hinzu: &amp;quot;Wer hat dich das Wiederkäuen gelehrt?&amp;quot; Er gab zur Antwort: &amp;quot;Selbstverständlich hat jene Kunst mich dazu erzogen, dies in meinem Körper zu tun, die den Weisen lehrte, im Geist wiederzukäuen. Denn alles, was der Kluge sagt oder tut, kaut er mit einem feinen Wirkstoff nochmals durch. Deshalb spricht er nach reiflicher Überlegung und handelt in ähnlicher Weise lauter. Wozu ist nämlich dem Menschen das klare Planen des Verstandes gegeben und wozu ist ihm das so teure Gut des Nachdenkens gewährt worden? Doch dazu, daß er es heilsam bei seinem Tun und Handeln benutzt. Deshalb muß bei allen menschlichen Handlungen immer das &#039;Kauen&#039; der Vorüberlegung vorangestellt werden, wenn sie von der Weisheit gelenkt werden, damit alles durchdachter und reiner nachfolgt. Und es genügt nicht, eine Sache, die man zu tun hat, nur einmal zu bedenken, sondern man muß sie mehrmals gründlich überdenken. So wird eine Speise durch vier Verdauungsvorgänge vorverdaut, daß sie dann den Gliedern reiner und echter zugeführt wird, und jede Speise soll durch einen vierfachen Verdauungsvorgang gereinigt werden, bevor sie in die Lebenskraft eingeht. Zuerst kommt sie in den Magen und wird dort zerkleinert, das Reine wird vom Unreinen getrennt und das Unreine wird abgeführt. Dann wird der gereinigte Rest zur Leber transportiert und dort zerkleinert, so daß Blut entsteht, das Reine vom Unreinen getrennt und das Unreine durch den Urin ausgeschieden wird. Der gereinigte Rest wird von den Blutadern aufgenommen und dort zum dritten Mal zerkleinert, das Reine vom Unreinen getrennt und das Unreine durch Schweiß und Speichel ausgeschieden. Dann aber  verteilt sich der gereinigte Rest in den Gliedern und wird dort zum vierten Mal zerkleinert, das Reine vom Unreinen getrennt und jenes Unreine, das schon beinahe rein ist, in den Spermagefäßen aufbewahrt und bei der Zeugung ausgeschieden. Der völlig gereinigte Rest, der sich in die Substanz der Organe verwandelt hat, wird als kraftvolle Lebenssubstanz endlich in die Lebenskraft eingebunden. So gelangt kein unreines Essen in die Lebenskraft, da jede Speise viermal gereinigt wurde. Weil du aber, mein lieber Freund, kein Wiederkäuer bist, nimmst du unreine Nahrung zu dir und deswegen giltst du nach göttlichem Gesetz als unrein.&amp;quot; Als das Schwein dieses gehört hatte, zog es sich beschämt zurück.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutsche Versionen==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. I, 11 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490)===&lt;br /&gt;
Das &amp;amp;middot;XI&amp;amp;middot; Capitel Bedenck alle ding mit wolgedewtem eintrucken ee und du sy thuost&amp;amp;middot;&amp;lt;br /&amp;gt;Das &amp;amp;middot;XI&amp;amp;middot; Capitel&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;N&#039;&#039;&#039;ach etwe vil dewung &lt;br /&gt;
der empfange(n) speyß empfalhe ei(n) Ochß die selbe(n) speise dem guomen hyn wider sy baß zekeüen&amp;amp;middot; Unnd da er siczender und ruowender eyntrucket das sahe ein schwein es lief zuo im un(d) sprach&amp;amp;middot; Du gehürneter was ist das du thuost&amp;amp;middot; Der ochß sprach&amp;amp;middot; Ich eindrucke&amp;amp;middot; Do sprach das schwein&amp;amp;middot; Du unweiser ein kleine stund vor der zeyt hastu ein schwaeres joch vo(n) dyr geleget / waru(m)b ruoest du nu(n) nit Waer des nit genueg das du das aynest gekewt hetest&amp;amp;middot; Das verantwurt der ochs unnd sprach also&amp;amp;middot; Des nymm dir nit wund(er) / mein pruoder / wenn waer daz du eindrucktest fürwar so verstuendest du auch mei(n) eindrucke(n) ich bit dich in freüntschaft sag mir wo und an wellicher stat der tiere ist der synn der speiß geseczt / Ist er nit in dem guomen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Daru(m)be seyt er in dez guome(n) ist so wir dann die speiß ye fleissigklicher kewen so wir ye mer geschmackes des dings das wir da keüen empfahen un(d) gewynnen / auch dester mer lustes in dem koste(n)&lt;br /&gt;
Wiß fürwar das dye besichtige natur die winckel zaen mit de(n) dz kewen geschicht hat zwir allso grosse macht als die andern un(d) vodern zaen&amp;amp;middot; Daru(m)b das dz keüe(n) dest bas geschehe&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Auch hat die natur den costende(n) syn in de(n) mu(n)de geseczt / daru(m)b das wyr dye speiß dester lenger mit lust und(er) dem guomen hielten&amp;amp;middot; Nun dewe ich mein speiß destbas&amp;amp;middot; wenn sy wirt mit eindrucken mir zuo hilf wolgeleütert&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Do sprach dz schwei(n)&amp;amp;middot; wer hat dich gelert eintrucke(n)&amp;amp;middot; Der frag gab der ochß antwurt unnd sprach&amp;amp;middot; Des bis on zweifel die kunst hat mich geleret eindrucken in meinen leychnam die den weysen lert eintrucken in der sel&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
wann ain weiser eindruckt alle ding die er redtt oder würckt mit sitigem bedencken / darumb so erdet er wolgedeüte wort / un(d) würckt wolgeleüterte und rain geschwu(n)gen werck &amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sag mir wardurch istt dem mensche(n) verlihen clarer rat und vernunft un(d) das aller klarest guot der bedaechtnuß zuo nichten anders fürwar dann das er die heilwertiklich nücz in seinen worten und wercken&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Darumbe ist das kewüen der gedechtnuße in allen menschlichen worte(n) un(d) wercken allzeit für zuo seczen daz die beyde mit weißheit wol behuet seyen&amp;amp;middot; Auch ist des nit genuoge ob ain ding aynest besichtigklich und bedaechtiklich wirt betracht / wenn des ist ein noturft das es behendiklich dick un(d) oft werd eingedruckt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
wenn ein yeckliche speiß wirt vierfaltiklich gekocht ee und sy den gelidern warhaftiklich und wolgeleüteret empfolhen unnd geaigenot wirt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Nu(n) das du des gelert werdest so wyß das ayn yeckliche speiß mit der wir tier gespeißtt werden bedarf zuo noete(n) dz sy mit hicziger deüwung vierfeltiklychen geleütert sey ee und sy den lebentigen geysten gegebe(n) wirt unnd gaucz&amp;lt;ref&amp;gt;ganz?&amp;lt;/ref&amp;gt; mit inen veraynet Wann des ersten kommet dye speß in den magen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
und in dem wirt sy am erste(n) gedeüwet / darinn teylt sich das lauter von dez unlautern / und das daz unlautter ist wirt den natürlichen stuele(n) empfolhen mit dem nympte es seinen außgang / darnach wirtt das lauter das in dem mage(n) beleibt der lungen empfolhen Un(d) wirt darinnen verdeüet Unnd wird da zuo pluot&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
da wirt aber dz lauter von dem unlautern geteilet / und das unlauter wirt mit dem haren außgelassen&amp;amp;middot; Darnache wirt das lauter das in d(er) lungen beliben ist von den adern an sich gezogen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
und wirt darinne(n) zuo dem driten mal gedeüet / Do wirt aber das lauter vo(n) dem unlautern geteilt&amp;amp;middot; und das unlauter wirt verlassen mitt dem schwaiß und mit dez spaichel&amp;amp;middot; darnach zuo dem vierden mal wirtt daz lauter das do überbelibe(n) ist in alle gelider geteylt / und wirdet darinnen gedeüet&amp;amp;middot; Do wirtt auch daz lautter von dem unlautern geteylt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dasselbig das vil nahend sam als das lautter ist das wirt behalte(n) in den vaßsen das ist der nyeren natürlicher saum / und dasselbig dz wirt mit dem wercke der natur verlassen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber das aller leüterst dz daselbs ist überbeliben und sich in wesenlichs wesen und stand der gelyder verkeret und auch verwandlet hat / dz wirt zuo dez jüngsten den geysten des lebens zuo gefueget mit de(m) leben un(d) dz selbig ist des lebe(n)s wesenlichs wesen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Miniaturen und gedruckte Bilder==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Cgm 254, 9v).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Cgm 254, 9v)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Cgm 9602, 10v).jpg|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Cgm 9602, 10v)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Mgf 459, 23v).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Mgf 459, 23v)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (MS 653, 174r).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (MS 653, 174r)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (MS Egerton 1121, 16r).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (MS Egerton 1121, 16r)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Druck 1490, 12v).jpg|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Druck 1490, 12v)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Druck 1571, 45v).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Druck 1571, 45v)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Quelle Fabel]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Ochse_und_Schwein_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20263</id>
		<title>Ochse und Schwein (Erzählstoff)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Ochse_und_Schwein_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=20263"/>
		<updated>2021-11-03T15:46:20Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: /* Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein), Nr. I, 11 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490) */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
| namen              = Ochse und Schwein&lt;br /&gt;
| regest             = Der Ochse erklärt dem fragenden Schwein, warum er wiederkäut. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 530)&lt;br /&gt;
| fassungen          = [[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. I, 11&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. I, 11, Bl. 9v-10v&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], 11&lt;br /&gt;
| forschung          = [[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 530f.; [[Günthart, Romy (Hg.): Sebastian Münster, Spiegel der wyßheit]], Band 2, S. 26f.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Lateinische Version (Cyrillus, Nr. I, 11), 1. Hälfte 14. Jhd. ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die deutsche Tradition baut auf einer lateinischen Quelle auf (Cyrillus, Nr. I, 11 ([https://archive.org/details/diebeidenltesten00grss Grässe, Johann Georg Theodor (Hg.): Die beiden ältesten lateinischen Fabelbücher des Mittelalters.] Tübingen 1880, S. 16-18)). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Cyrillus: Speculum Sapientiae&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 44-46.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;border-width: 1px 1px 5px 1px&amp;quot;|Übersetzung&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach [[Esser, Birgit/Blanke, Hans-Jürgen (Hg.): Speculum Sapientiae]], S. 45-47.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Diligentiori ruminatione omnia digeras, priusquam agas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Post aliquantulam sumpti digestionem edulii ipsum bos retribuens faucibus cum recubans ruminaret, porcus hoc adspiciens ad eum venit et dixit: &amp;quot;Quid est quod agis, cornute?&amp;quot; Cui ille: &amp;quot;Rumino.&amp;quot; Tunc porcus: &amp;quot;Parum ante tam onerosum iugum deposuisti, ut quid modo non quiescis? Nonne semel satis est masticasse? Ad haec bos ita fertur dixisse: &amp;quot;Nimirum, frater, si ruminares, nullatenus ita sentires. Ubi quaeso situs est alimenti sensus? Nonne in faucibus? Et propter hoc quanto diligentius edulium masticamus, tanto amplius totius rei saporem percipimus et iudicialem gustum vehementius delectamus; revera molares dentes in duplo provida ob hoc natura composuit, ut masticatio maior adsit, et gustativus sensus providenter locatus est in ore, ut delectatione cibum diutius teneamus sub fauce. Quin et ruminans melius digero et alimentum in fine per amplius depuratum assumo.&amp;quot; Tunc porcus his auditis adiunxit: &amp;quot;Quis ruminare te docuit?&amp;quot; Et ille: &amp;quot;Nimirum ars illa me hoc agere erudivit in corpore, quae sapientem edocuit ruminare in mente. Cuncta namque subtili medicamine ruminat prudens quae aut dicit aut facit, propterea quidem digesta loquitur et purgata similiter operatur. Ad quid enim communicatum est homini clarum rationis consilium, et tarn carissimum concessum est illi meditationis bonum? Nonne ut his salubriter in agendis utatur? Unde praemeditationis masticatio semper praeponenda est in cunctis humanis actibus, si sapientia gubernantur, ut universa digestiora et puriora consequantur. Nec semel satis est rem agendam videre, sed necesse est eam subtiliter pluries ruminare. Sicut quattuor digestionibus cibus praecoquitur, ut deinde membris purior atque veracior tribuatur, omnis cibus, autequam animae uniatur, quattuor purgetur digestionibus. Primo vadit ad stomachum et ibi digeritur et sequestratur purum ab impuro et quod impurum est, emittitur per secessum. Deinde purum derelictum ad hepar mittitur, et ibi digeritur et fit sanguis et sequestratur purum ab impuro et impurum emittitur per urinam. Deinde derelictum purum a venis attrahitur et ibi tertio digeritur et sequestratur purum ab impuro et impurum emittitur per sudorem et sputum. Deinde purum derelictum per membra spargitur et in membris quarto digeritur et sequestratur purum ab impuro et illud impurum, quod quasi purum est, servatur in vasis spermaticis et in generatione emittitur. Purissimum autem derelictum conversum in membrorum substantiam finaliter animae copulatur factum vivum et substantia vitae. Unde nulla cibalis impuritas accedit ad animam, nisi cum quater mundificatus sit omnis cibus. Tu quidem ergo, carissime, quia non ruminas, impurius suscipis alimentum, et ob hoc divina lege iudicaris immundus.&amp;quot; Quibus auditis erubescens porcus recessit.&lt;br /&gt;
|style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
Bevor du handelst, sollst du alles durch sorgfältiges Nachdenken abwägen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Schwein sah, wie ein Ochse nach kurzem Kauen der aufgenommenen Nahrung diese wieder seinem Maul zuführte und im Liegen wiederkäute; es ging näher zu ihm und sagte: &amp;quot;Was treibst du, Hornochse?&amp;quot; Jener sagte zu ihm: &amp;quot;Ich bin mit Wiederkäuen beschäftigt.&amp;quot; Darauf meinte das Schwein: &amp;quot;Eben erst hast du das so beschwerliche Joch abgelegt, warum ruhst du jetzt nicht aus? Genügt es nicht, einmal gekaut zu haben?&amp;quot; Darauf soll der Ochse folgendes gesagt haben: &amp;quot;Aber nein, mein Bruder, wenn du ein Wiederkäuer wärest, würdest du keineswegs so denken. Ich frage dich, wo ist denn das Sinnesorgan für die Nahrung angesiedelt? Doch im Maul! Je sorgfältiger wir kauen, um so mehr nehmen wir folglich den Geschmack der ganzen Sache auf und um so eindringlicher erfreut sich der urteilende Geschmacksinn; die wirklich weitsichtige Natur hat deshalb die Backenzähne doppelt angelegt, damit ein kräftiges Kauen möglich ist, und der Geschmackssinn ist absichtlich im Mund angelegt, damit wir mit Freude die Speise länger darin festhalten. Ich verdaue sogar besser, wenn ich wiederkäue und nehme schließlich eine besser gereinigte Nahrung auf.&amp;quot; Als das Schwein dieses gehört hatte, fügte es hinzu: &amp;quot;Wer hat dich das Wiederkäuen gelehrt?&amp;quot; Er gab zur Antwort: &amp;quot;Selbstverständlich hat jene Kunst mich dazu erzogen, dies in meinem Körper zu tun, die den Weisen lehrte, im Geist wiederzukäuen. Denn alles, was der Kluge sagt oder tut, kaut er mit einem feinen Wirkstoff nochmals durch. Deshalb spricht er nach reiflicher Überlegung und handelt in ähnlicher Weise lauter. Wozu ist nämlich dem Menschen das klare Planen des Verstandes gegeben und wozu ist ihm das so teure Gut des Nachdenkens gewährt worden? Doch dazu, daß er es heilsam bei seinem Tun und Handeln benutzt. Deshalb muß bei allen menschlichen Handlungen immer das &#039;Kauen&#039; der Vorüberlegung vorangestellt werden, wenn sie von der Weisheit gelenkt werden, damit alles durchdachter und reiner nachfolgt. Und es genügt nicht, eine Sache, die man zu tun hat, nur einmal zu bedenken, sondern man muß sie mehrmals gründlich überdenken. So wird eine Speise durch vier Verdauungsvorgänge vorverdaut, daß sie dann den Gliedern reiner und echter zugeführt wird, und jede Speise soll durch einen vierfachen Verdauungsvorgang gereinigt werden, bevor sie in die Lebenskraft eingeht. Zuerst kommt sie in den Magen und wird dort zerkleinert, das Reine wird vom Unreinen getrennt und das Unreine wird abgeführt. Dann wird der gereinigte Rest zur Leber transportiert und dort zerkleinert, so daß Blut entsteht, das Reine vom Unreinen getrennt und das Unreine durch den Urin ausgeschieden wird. Der gereinigte Rest wird von den Blutadern aufgenommen und dort zum dritten Mal zerkleinert, das Reine vom Unreinen getrennt und das Unreine durch Schweiß und Speichel ausgeschieden. Dann aber  verteilt sich der gereinigte Rest in den Gliedern und wird dort zum vierten Mal zerkleinert, das Reine vom Unreinen getrennt und jenes Unreine, das schon beinahe rein ist, in den Spermagefäßen aufbewahrt und bei der Zeugung ausgeschieden. Der völlig gereinigte Rest, der sich in die Substanz der Organe verwandelt hat, wird als kraftvolle Lebenssubstanz endlich in die Lebenskraft eingebunden. So gelangt kein unreines Essen in die Lebenskraft, da jede Speise viermal gereinigt wurde. Weil du aber, mein lieber Freund, kein Wiederkäuer bist, nimmst du unreine Nahrung zu dir und deswegen giltst du nach göttlichem Gesetz als unrein.&amp;quot; Als das Schwein dieses gehört hatte, zog es sich beschämt zurück.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Deutsche Versionen==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. I, 11 (um 1408/16, nach Druck Augsburg, 1490)===&lt;br /&gt;
Das &amp;amp;middot;XI&amp;amp;middot; Capitel Bedenck alle ding mit wolgedewtem eintrucken ee und du sy thuost&amp;amp;middot;&amp;lt;br /&amp;gt;Das &amp;amp;middot;XI&amp;amp;middot; Capitel&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;&#039;N&#039;&#039;&#039;ach etwe vil dewung &lt;br /&gt;
der empfange(n) speyß empfalhe ei(n) Ochß die selbe(n) speise dem guomen hyn wider sy baß zekeüen&amp;amp;middot; Unnd da er siczender und ruowender eyntrucket das sahe ein schwein es lief zuo im un(d) sprach&amp;amp;middot; Du gehürneter was ist das du thuost&amp;amp;middot; Der ochß sprach&amp;amp;middot; Ich eindrucke&amp;amp;middot; Do sprach das schwein&amp;amp;middot; Du unweiser ein kleine stund vor der zeyt hastu ein schwaeres joch vo(n) dyr geleget / waru(m)b ruoest du nu(n) nit Waer des nit genueg das du das aynest gekewt hetest&amp;amp;middot; Das verantwurt der ochs unnd sprach also&amp;amp;middot; Des nymm dir nit wund(er) / mein pruoder / wenn waer daz du eindrucktest fürwar so verstuendest du auch mei(n) eindrucke(n) ich bit dich in freüntschaft sag mir wo und an wellicher stat der tiere ist der synn der speiß geseczt / Ist er nit in dem guomen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Daru(m)be seyt er in dez guome(n) ist so wir dann die speiß ye fleissigklicher kewen so wir ye mer geschmackes des dings das wir da keüen empfahen un(d) gewynnen / auch dester mer lustes in dem koste(n)&lt;br /&gt;
Wiß fürwar das dye besichtige natur die winckel zaen mit de(n) dz kewen geschicht hat zwir allso grosse macht als die andern un(d) vodern zaen&amp;amp;middot; Daru(m)b das dz keüe(n) dest bas geschehe&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Auch hat die natur den costende(n) syn in de(n) mu(n)de geseczt / daru(m)b das wyr dye speiß dester lenger mit lust und(er) dem guomen hielten&amp;amp;middot; Nun dewe ich mein speiß destbas&amp;amp;middot; wenn sy wirt mit eindrucken mir zuo hilf wolgeleütert&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Do sprach dz schwei(n)&amp;amp;middot; wer hat dich gelert eintrucke(n)&amp;amp;middot; Der frag gab der ochß antwurt unnd sprach&amp;amp;middot; Des bis on zweifel die kunst hat mich geleret eindrucken in meinen leychnam die den weysen lert eintrucken in der sel&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
wann ain weiser eindruckt alle ding die er redtt oder würckt mit sitigem bedencken / darumb so erdet er wolgedeüte wort / un(d) würckt wolgeleüterte und rain geschwu(n)gen werck &amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Sag mir wardurch istt dem mensche(n) verlihen clarer rat und vernunft un(d) das aller klarest guot der bedaechtnuß zuo nichten anders fürwar dann das er die heilwertiklich nücz in seinen worten und wercken&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Darumbe ist das kewüen der gedechtnuße in allen menschlichen worte(n) un(d) wercken allzeit für zuo seczen daz die beyde mit weißheit wol behuet seyen&amp;amp;middot; Auch ist des nit genuoge ob ain ding aynest besichtigklich und bedaechtiklich wirt betracht / wenn des ist ein noturft das es behendiklich dick un(d) oft werd eingedruckt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
wenn ein yeckliche speiß wirt vierfaltiklich gekocht ee und sy den gelidern warhaftiklich und wolgeleüteret empfolhen unnd geaigenot wirt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
Nu(n) das du des gelert werdest so wyß das ayn yeckliche speiß mit der wir tier gespeißtt werden bedarf zuo noete(n) dz sy mit hicziger deüwung vierfeltiklychen geleütert sey ee und sy den lebentigen geysten gegebe(n) wirt unnd gaucz&amp;lt;ref&amp;gt;ganz?&amp;lt;/ref&amp;gt; mit inen veraynet Wann des ersten kommet dye speß in den magen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
und in dem wirt sy am erste(n) gedeüwet / darinn teylt sich das lauter von dez unlautern / und das daz unlautter ist wirt den natürlichen stuele(n) empfolhen mit dem nympte es seinen außgang / darnach wirtt das lauter das in dem mage(n) beleibt der lungen empfolhen Un(d) wirt darinnen verdeüet Unnd wird da zuo pluot&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
da wirt aber dz lauter von dem unlautern geteilet / und das unlauter wirt mit dem haren außgelassen&amp;amp;middot; Darnache wirt das lauter das in d(er) lungen beliben ist von den adern an sich gezogen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
und wirt darinne(n) zuo dem driten mal gedeüet / Do wirt aber das lauter vo(n) dem unlautern geteilt&amp;amp;middot; und das unlauter wirt verlassen mitt dem schwaiß und mit dez spaichel&amp;amp;middot; darnach zuo dem vierden mal wirtt daz lauter das do überbelibe(n) ist in alle gelider geteylt / und wirdet darinnen gedeüet&amp;amp;middot; Do wirtt auch daz lautter von dem unlautern geteylt&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dasselbig das vil nahend sam als das lautter ist das wirt behalte(n) in den vaßsen das ist der nyeren natürlicher saum / und dasselbig dz wirt mit dem wercke der natur verlassen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber das aller leüterst dz daselbs ist überbeliben und sich in wesenlichs wesen und stand der gelyder verkeret und auch verwandlet hat / dz wirt zudes jüngsten den geysten des lebens zugefuget mit de(n) leben v(o)n dz sel big ist des lebe(n)s wesenlichs wesen&amp;amp;middot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Miniaturen und gedruckte Bilder==&lt;br /&gt;
===[[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Cgm 254, 9v).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Cgm 254, 9v)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Cgm 9602, 10v).jpg|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Cgm 9602, 10v)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Mgf 459, 23v).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Mgf 459, 23v)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (MS 653, 174r).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (MS 653, 174r)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (MS Egerton 1121, 16r).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (MS Egerton 1121, 16r)&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Druck 1490, 12v).jpg|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Druck 1490, 12v)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]]===&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Ochse und Schwein (Druck 1571, 45v).png|200px|thumb|left|Ochse und Schwein (Druck 1571, 45v)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Quelle Fabel]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
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		<id>https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Spatz_und_Biene_(Erz%C3%A4hlstoff)&amp;diff=19852</id>
		<title>Spatz und Biene (Erzählstoff)</title>
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		<updated>2021-10-02T16:08:16Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Erzählstoff&lt;br /&gt;
| namen              = Spatz und Biene; Spatz und Hase&lt;br /&gt;
| regest             = Der Spatz schätzt sein Leben in Einsamkeit, doch die Biene klärt ihn über die Notwendigkeit und über die Vorzüge des Lebens in Gesellschaft auf. ([[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 613)&lt;br /&gt;
| fassungen          = [[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]], Nr. II, 7&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]], Nr. II, 7, Bl. 30v-31r&amp;lt;br /&amp;gt;[[Sprichwörter (Sebastian Franck)]], Erster Teil, Bl. 124r-v&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]], Nr. 34, Bl. 128r-130v&lt;br /&gt;
| forschung          = [[Dicke, Gerd/Grubmüller, Klaus: Die Fabeln des Mittelalters und der Frühen Neuzeit]], S. 613&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Quelle Fabel]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
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		<id>https://wiki.brevitas.org/mediawiki_1_43/index.php?title=Speculum_sapientiae_(%C3%9Cbertragungsreihe)&amp;diff=19279</id>
		<title>Speculum sapientiae (Übertragungsreihe)</title>
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		<updated>2021-09-20T20:32:56Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sylvia Jurchen: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Übertragungsreihe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| namen              = Speculum sapientiae; Cyrillusfabeln&lt;br /&gt;
| beschreibung       = Fabelsammlung jenseits der [[Äsop (Übertragungsreihe)|Äsop-Tradition]], strukturiert in vier Büchern als systematische Sittenlehre nach den Kardinalstugenden.&lt;br /&gt;
| vorlage            = Speculum sapientiae (Bonjohannes von Messina): 1337/47&lt;br /&gt;
| deutschsprachige übertragungen    = [[Buch der natürlichen Weisheit (Ulrich von Pottenstein)]]&amp;lt;br /&amp;gt;[[Buch von der Weisheit]]&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der wyßheit (Sebastian Münster)]]&amp;lt;br /&amp;gt;[[Spiegel der natürlichen weyßhait (Daniel Holzmann)]]&lt;br /&gt;
| weitere übertragungen             = Niederländische und Tschechische Fassung im 15. Jhd. (vgl. [[Zapf, Volker: Speculum sapientiae]], Sp. 1319)&lt;br /&gt;
| forschung          = [[Bodemann, Ulrike: Die Cyrillusfabeln und ihre deutsche Übersetzung durch Ulrich von Pottenstein]]; [[Zapf, Volker: Speculum sapientiae]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Quelle Fabelsammlung]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sylvia Jurchen</name></author>
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