Die Wahrsagebeeren (Hans Folz)

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Die Wahrsagebeeren

AutorIn Hans Folz
Entstehungszeit
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Heidelberg, UB: Cpg 109, 125r-127r [1]
Druck: Hans Folz, Nürnberg 1479 (GW 10135) (Exemplar: München, Bayerische Staatsbibliothek: Rar. 182 Nr. 4)
Druck: Hans Folz, Nürnberg um 1485/86 (GW 10168) (Exemplar: Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek: 117.7 Eth. Nr. 20)
Druck: Hans Stuchs, Nürnberg um 1520 [Exemplar Berlin verbrannt]
Ausgaben Fischer, Hanns (Hg.): Hans Folz. Die Reimpaarsprüche, S. 60-72
Übersetzungen Fischer, Hanns (Hg.): Die schönsten Schwankerzählungen des deutschen Mittelalters, S. 294-298;
Forschung Fischer, Hanns: Studien zur deutschen Märendichtung, S. 70, 98, 118, 124, 126, 238, 262

Inhalt

Narratio

Ein Abenteurer wird von einem Marktschreier, der Bisam aus Alexandrien um teures Geld verkauft, auf den Gedanken gebracht, sich auf ähnliche Weise mit so kleiner Handelsware Reichtum zu erwerben. Eines Nachts entdeckt er bei der Flohjagd, dass sich sein Darmausgang als „Bisamgrube“ nützen lasse, und versorgt sich mit Ware, die er auf der Frankfurter Messe als Wahrsagebeeren feilhält: wer eine in den Mund und danach in ein Nasenloch stecke, habe dadurch die Gabe der Prophetie erworben. Drei Juden gehen ihm auf den Leim. Um tausend Gulden kaufen sie ihrem Rabbi ein Kügelchen, damit er ihnen den Zeitpunkt der Ankunft des Messias verkünde. Unter umständlichen Zeremonien wird die Kraft der Beere vor versammelter Synagoge versucht, doch der Rabbi und nach ihm die drei Juden müssen erkennen, dass sie aus nichts als menschlichen Exkrementen besteht. Als die Betrogenen den Abenteurer beim Bürgermeister verklagen wollen, kann er nachweisen, dass er ihnen die Ware deutlich als „Dreck“ angeboten habe, sie aber trotzdem den Kauf vollzogen hätten.

Epimythion der Fassung I

Wie den Juden ergeht es vielen Kranken, die sich lieber einem Quacksalber als einem erprobten Arzt anvertrauen. Auch sie werden schändlich betrogen. Verfassersignatur.

Epimythion der Fassung II

Die Juden mögen sich am „Bisam“ satt essen. Verfassersignatur.

(Fischer, Hanns: Studien zur deutschen Märendichtung, S, 461)