Flehen um Gegenliebe (B100): Unterschied zwischen den Versionen
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===A Anklage der Minne (1–18)=== | |||
Der Sprecher wirft der Minne vor, ihr Versprechen gebrochen zu haben: Statt Liebe und Leid gerecht zu teilen, habe seine Dame die Liebe erhalten und er allein das Leid. Angesichts seiner Kränkungen bittet er die Minne, der Dame sein brennendes Herz, seine Sehnsucht und seine Treue offenzulegen. | |||
===B Anrede der Dame (19–114)=== | |||
Er versichert der Dame seine Treue. Auf ihren Einwand, er handle zu hastig, antwortet er, er diene ihr gefühlt seit „tausend Jahren“, heimlich wie öffentlich. Das Sprichwort nihil difficile amanti gelte nur für Gegeliebte – er aber trage nur Last und Schmerz. Dennoch gebe ihm die Weisheit omnia finem habent Hoffnung auf ein Ende seines Leidens, sei es durch ihre Gnade oder im Tod. Auch der Gedanke, dass „steter Tropfen den Stein höhlt“, lasse ihn hoffen, eines Tages doch erhört zu werden. Gleichzeitig fürchtet er, sie könne an seiner Aufrichtigkeit zweifeln. Er bekennt mit quasi liturgischer Ernsthaftigkeit, er würde sie – wäre er Gott – zur Gottesmutter erwählen. Und falls sie glaube, seine Worte seien leer, versichert er, alles, was er sage, sei in seinem Herzen eingeschrieben. Nur sie wohne dort, von der Minne selbst eingeschlossen und versiegelt. Da er bisher leer ausgegangen sei, sei es Zeit, dass die Minne auch ihn bedenke und Liebe und Leid ausgleiche. Er bittet die Dame um einen Gruß, um ein tröstendes Zeichen, und schließt mit dem Wunsch, Gott möge beiden den Schmerz lindern. | |||
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 146) | |||
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Aktuelle Version vom 3. Januar 2026, 23:35 Uhr
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Flehen um Gegenliebe (B100); Karlsruher Liebesbrief V | |
|---|---|
| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Überlieferung um 1433 |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Karlsruhe, Landesbibliothek: Cod. Donaueschingen 104, 6va-7rb |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 146; Zapf, Volker: Konstanzer Liebesbriefe |
Die Minnerede ist Bestandteil der Briefsammlung Konstanzer Liebesbriefe (Briefsammlung).
Inhalt
A Anklage der Minne (1–18)
Der Sprecher wirft der Minne vor, ihr Versprechen gebrochen zu haben: Statt Liebe und Leid gerecht zu teilen, habe seine Dame die Liebe erhalten und er allein das Leid. Angesichts seiner Kränkungen bittet er die Minne, der Dame sein brennendes Herz, seine Sehnsucht und seine Treue offenzulegen.
B Anrede der Dame (19–114)
Er versichert der Dame seine Treue. Auf ihren Einwand, er handle zu hastig, antwortet er, er diene ihr gefühlt seit „tausend Jahren“, heimlich wie öffentlich. Das Sprichwort nihil difficile amanti gelte nur für Gegeliebte – er aber trage nur Last und Schmerz. Dennoch gebe ihm die Weisheit omnia finem habent Hoffnung auf ein Ende seines Leidens, sei es durch ihre Gnade oder im Tod. Auch der Gedanke, dass „steter Tropfen den Stein höhlt“, lasse ihn hoffen, eines Tages doch erhört zu werden. Gleichzeitig fürchtet er, sie könne an seiner Aufrichtigkeit zweifeln. Er bekennt mit quasi liturgischer Ernsthaftigkeit, er würde sie – wäre er Gott – zur Gottesmutter erwählen. Und falls sie glaube, seine Worte seien leer, versichert er, alles, was er sage, sei in seinem Herzen eingeschrieben. Nur sie wohne dort, von der Minne selbst eingeschlossen und versiegelt. Da er bisher leer ausgegangen sei, sei es Zeit, dass die Minne auch ihn bedenke und Liebe und Leid ausgleiche. Er bittet die Dame um einen Gruß, um ein tröstendes Zeichen, und schließt mit dem Wunsch, Gott möge beiden den Schmerz lindern.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 146)