Die blaue Rede (B200): Unterschied zwischen den Versionen

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==Inhalt==
===A Spaziergangseinleitung (1–61)===
Vom Liebesverlangen gequält verirrt sich der Sprecher in einen prachtvollen Maienwald. Über Tal, Wiese und Bach gelangt er auf ein Feld, wo ein Herr ein Zeltlager und eine höfische Jagdgesellschaft versammelt hat. Ein junger Mann führt ihn zu den Damen, die ihn höfisch empfangen; er verneigt sich tief.
===B Gespräch (62–383)===
Eine Dame in blauem Samt erkennt seinen Kummer, nimmt ihn bei der Hand und führt ihn zu einer Quelle. Nachdem sie Verschwiegenheit zugesichert hat, klagt er über eine Frau, die er erwählt habe, die ihm nun aber abweisend begegne. In bildreicher Sprache beschreibt er seine Freudlosigkeit.
Auf ihre Fragen preist er die Tugend, Herkunft und Erziehung der Geliebten und gesteht, seine Liebe zwar schriftlich und mündlich eröffnet, aber zu spät gehandelt zu haben. Seine Hoffnung sei zerbrochen.
Die Dame tröstet, fragt weiter und erfährt schließlich — nach langem Zögern und unter der Zusicherung ihrer Hilfe — dass die Geliebte ihre eigene Freundin sei. Der Sprecher bricht vor Aufregung kurz zusammen.
Er beklagt, nicht tot zu sein, und bereut, den Namen verraten zu haben. Die Dame bietet sich als Liebesbotin an, was ihn mit neuer Hoffnung erfüllt. Auf ihre Nachfrage gesteht er, der Geliebten nie gedient zu haben, und verfällt erneut in Klage.
Die Dame verweist auf berühmte Liebesleidende der Literatur und verspricht, bald mit der Geliebten zu sprechen. Er solle ihr einen Brief überlassen oder darauf verzichten — er vertraut ihr vollständig.
===C Essen und Aufbruch zur Jagd (384–455)===
Bei der höfischen Mahlzeit unter Bäumen ist der Sprecher ehrenvoll platziert, kann aber vor Sehnsucht kaum essen. Als die Jagd beginnt, versichert die Dame ihm nochmals ihren Botendienst und fordert ihn zu Beständigkeit auf. Dann reitet sie mit der Gesellschaft davon.
===D Schluss (456–462)===
Der Sprecher nennt sich selbst einen törichten Schwätzer und geht traurig heim, während die anderen feiern. Sein Herz bleibe im Block des Leids gefangen; auf eine Antwort der Geliebten warte er bis heute. Ende: Amen.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 254-256)


[[Kategorie:Quelle Minnerede]]
[[Kategorie:Quelle Minnerede]]

Aktuelle Version vom 1. Februar 2026, 22:26 Uhr

Die blaue Rede (B200)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung ab 1473
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 313, 384r-391v
München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 439, 20r-30v
Trier, Stadtbibliothek: 1120/128a 4°, 6r-11r
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Die blaue Rede; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 254-256

Inhalt

A Spaziergangseinleitung (1–61)

Vom Liebesverlangen gequält verirrt sich der Sprecher in einen prachtvollen Maienwald. Über Tal, Wiese und Bach gelangt er auf ein Feld, wo ein Herr ein Zeltlager und eine höfische Jagdgesellschaft versammelt hat. Ein junger Mann führt ihn zu den Damen, die ihn höfisch empfangen; er verneigt sich tief.

B Gespräch (62–383)

Eine Dame in blauem Samt erkennt seinen Kummer, nimmt ihn bei der Hand und führt ihn zu einer Quelle. Nachdem sie Verschwiegenheit zugesichert hat, klagt er über eine Frau, die er erwählt habe, die ihm nun aber abweisend begegne. In bildreicher Sprache beschreibt er seine Freudlosigkeit. Auf ihre Fragen preist er die Tugend, Herkunft und Erziehung der Geliebten und gesteht, seine Liebe zwar schriftlich und mündlich eröffnet, aber zu spät gehandelt zu haben. Seine Hoffnung sei zerbrochen. Die Dame tröstet, fragt weiter und erfährt schließlich — nach langem Zögern und unter der Zusicherung ihrer Hilfe — dass die Geliebte ihre eigene Freundin sei. Der Sprecher bricht vor Aufregung kurz zusammen. Er beklagt, nicht tot zu sein, und bereut, den Namen verraten zu haben. Die Dame bietet sich als Liebesbotin an, was ihn mit neuer Hoffnung erfüllt. Auf ihre Nachfrage gesteht er, der Geliebten nie gedient zu haben, und verfällt erneut in Klage. Die Dame verweist auf berühmte Liebesleidende der Literatur und verspricht, bald mit der Geliebten zu sprechen. Er solle ihr einen Brief überlassen oder darauf verzichten — er vertraut ihr vollständig.

C Essen und Aufbruch zur Jagd (384–455)

Bei der höfischen Mahlzeit unter Bäumen ist der Sprecher ehrenvoll platziert, kann aber vor Sehnsucht kaum essen. Als die Jagd beginnt, versichert die Dame ihm nochmals ihren Botendienst und fordert ihn zu Beständigkeit auf. Dann reitet sie mit der Gesellschaft davon.

D Schluss (456–462)

Der Sprecher nennt sich selbst einen törichten Schwätzer und geht traurig heim, während die anderen feiern. Sein Herz bleibe im Block des Leids gefangen; auf eine Antwort der Geliebten warte er bis heute. Ende: Amen.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 254-256)