Der Maienkranz (B224): Unterschied zwischen den Versionen
(Die Seite wurde neu angelegt: „{{Infobox Einzeltext | namen = Der Maienkranz (B224) | autorin = Anon. | entstehungszeit = Überlieferung ab 1470/71 | entstehungsor…“) |
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
||
| (Eine dazwischenliegende Version desselben Benutzers wird nicht angezeigt) | |||
| Zeile 8: | Zeile 8: | ||
| ausgaben = | | ausgaben = | ||
| übersetzungen = | | übersetzungen = | ||
| forschung = [[Klingner, Jacob: Der Maienkranz]] | | forschung = [[Klingner, Jacob: Der Maienkranz]]; [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 305-308 | ||
}} | }} | ||
==Inhalt== | |||
===A Naturbeschreibung (1–105)=== | |||
Der Sprecher reitet im Mai zu einer Zusammenkunft seiner Freunde und beschreibt die sommerliche Natur in ungewöhnlich detailreicher Weise. Auf einem Anger entdeckt er einen kunstvoll angelegten Kräutergarten, umgeben von verschiedenfarbigen Lilien, in dem zahlreiche Heil- und Gewürzpflanzen wachsen. Auch den Duft der Alraune prüft er. Das Gras ist mit Rosenblättern bestreut und vom Tau durchfeuchtet. Anschließend schildert er die Tierwelt: Vögel, die in musikalisch perfekten Intervallen singen und sich um Rosenblätter streiten, sowie Hirsche, Rehe, Bären, Wildschweine, Hasen und Füchse. | |||
===B Jagdszene (106–135)=== | |||
In einer Schlucht begegnet ihm ein rotes Eichhörnchen, das er als Liebesgabe erlegen möchte. Doch das Tier entwischt ihm ständig, und er beginnt über die Beständigkeit seiner Geliebten nachzudenken. Sehnsucht und Ungewissheit plagen ihn, doch er hofft, dass am Ende die Liebe siegt. | |||
===C Beobachtung der jungen Frau (136–219)=== | |||
Er folgt kleinen Fußspuren zurück zum Kräutergarten und sieht dort eine junge Frau, die tanzend einen Rosenkranz flicht. Ihr maßvoll gestaltetes grünes Kleid trägt eine goldene Inschrift, die vor falscher Gesellschaft warnt. Eine goldene Kette mit kleinen Jagdhörnern trägt eine weitere Mahnung zur Zurückhaltung. Der Sprecher beschreibt ihre außergewöhnliche Schönheit und steigert sich in schwärmerische Fantasien über ihre Nähe und ihre Liebe. | |||
===D Gespräch über die Jagd (220–263)=== | |||
Er tritt auf sie zu, sie begrüßt ihn und fragt nach seinem Erscheinen im Garten. Sie dulde dort niemanden. Er bittet um Schutz und erklärt, er habe sich bei der Beizjagd verirrt. Sie erlaubt ihm zu bleiben und erkundigt sich nach seiner Jagdweise. Er beschreibt sein Vorgehen aus dem Verborgenen. Sie hält diese Art der Jagd für unglücklich und vergleicht sie mit einer Pflanze, die zu unpassenden Zeiten blüht. | |||
===E Das Binden des Kranzes (264–287)=== | |||
Die junge Frau fordert ihn auf, sich zu ihr zu setzen und mit ihr einen Kranz zu winden. Er reicht ihr einen Reif, den sie mit zahlreichen Kräutern und Blumen schmückt. Während er hilft, pflückt sie einen Schoß voll duftender Rosen. | |||
===F Gespräch über die Liebe (288–353)=== | |||
Sie erklärt, der Kranz sei ihre größte Freude. Der Sprecher erwidert, wahre Liebe schenke eine beständigere Freude als jede Blume. Sie wisse nicht, wo man solche Freude finde, und habe nur Schlechtes über die Liebe gehört. Er widerspricht und betont, dass echte, unverfälschte Liebe große Freude bringe. Sie zweifelt, da ein schöner, aber innerlich leerer Mann nur Schmach bringe. Er rät ihr, nicht auf äußere Reize zu achten, sondern darauf, dass ihr Herz die Liebe erkenne. Sie gesteht ihre Schüchternheit, doch er versichert, Liebe lasse sich nicht verbergen. Schließlich zeigt sie sich bereit, sich auf die Liebe einzulassen, bittet Gott um Schutz und will der Liebe folgen, wo sie sie im Herzen spürt. Er warnt sie vor unbedachtem Handeln und mahnt zur Besonnenheit. Auf ihre Bitte um abschließenden Rat empfiehlt er ihr, stets die Ehre zu bewahren. | |||
===G Schlussszene (354–358)=== | |||
Die junge Frau setzt ihm den Blumenkranz auf und bittet ihn, ihn seiner Geliebten zu bringen. Die Rede endet mit der Titelnennung Der Maienkranz und einem Segenswunsch. | |||
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 305-308) | |||
[[Kategorie:Quelle Minnerede]] | [[Kategorie:Quelle Minnerede]] | ||
Aktuelle Version vom 3. Februar 2026, 23:11 Uhr
|
Der Maienkranz (B224) | |
|---|---|
| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Überlieferung ab 1470/71 |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Berlin, Staatsbibliothek: Mgf 488, 174v-182r Leipzig, Universitätsbibliothek: Ms. Apel 8, 304v-312r Prag, Knihovna Národniho muzea: Cod. X A 12, 158r-163v |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob: Der Maienkranz; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 305-308 |
Inhalt
A Naturbeschreibung (1–105)
Der Sprecher reitet im Mai zu einer Zusammenkunft seiner Freunde und beschreibt die sommerliche Natur in ungewöhnlich detailreicher Weise. Auf einem Anger entdeckt er einen kunstvoll angelegten Kräutergarten, umgeben von verschiedenfarbigen Lilien, in dem zahlreiche Heil- und Gewürzpflanzen wachsen. Auch den Duft der Alraune prüft er. Das Gras ist mit Rosenblättern bestreut und vom Tau durchfeuchtet. Anschließend schildert er die Tierwelt: Vögel, die in musikalisch perfekten Intervallen singen und sich um Rosenblätter streiten, sowie Hirsche, Rehe, Bären, Wildschweine, Hasen und Füchse.
B Jagdszene (106–135)
In einer Schlucht begegnet ihm ein rotes Eichhörnchen, das er als Liebesgabe erlegen möchte. Doch das Tier entwischt ihm ständig, und er beginnt über die Beständigkeit seiner Geliebten nachzudenken. Sehnsucht und Ungewissheit plagen ihn, doch er hofft, dass am Ende die Liebe siegt.
C Beobachtung der jungen Frau (136–219)
Er folgt kleinen Fußspuren zurück zum Kräutergarten und sieht dort eine junge Frau, die tanzend einen Rosenkranz flicht. Ihr maßvoll gestaltetes grünes Kleid trägt eine goldene Inschrift, die vor falscher Gesellschaft warnt. Eine goldene Kette mit kleinen Jagdhörnern trägt eine weitere Mahnung zur Zurückhaltung. Der Sprecher beschreibt ihre außergewöhnliche Schönheit und steigert sich in schwärmerische Fantasien über ihre Nähe und ihre Liebe.
D Gespräch über die Jagd (220–263)
Er tritt auf sie zu, sie begrüßt ihn und fragt nach seinem Erscheinen im Garten. Sie dulde dort niemanden. Er bittet um Schutz und erklärt, er habe sich bei der Beizjagd verirrt. Sie erlaubt ihm zu bleiben und erkundigt sich nach seiner Jagdweise. Er beschreibt sein Vorgehen aus dem Verborgenen. Sie hält diese Art der Jagd für unglücklich und vergleicht sie mit einer Pflanze, die zu unpassenden Zeiten blüht.
E Das Binden des Kranzes (264–287)
Die junge Frau fordert ihn auf, sich zu ihr zu setzen und mit ihr einen Kranz zu winden. Er reicht ihr einen Reif, den sie mit zahlreichen Kräutern und Blumen schmückt. Während er hilft, pflückt sie einen Schoß voll duftender Rosen.
F Gespräch über die Liebe (288–353)
Sie erklärt, der Kranz sei ihre größte Freude. Der Sprecher erwidert, wahre Liebe schenke eine beständigere Freude als jede Blume. Sie wisse nicht, wo man solche Freude finde, und habe nur Schlechtes über die Liebe gehört. Er widerspricht und betont, dass echte, unverfälschte Liebe große Freude bringe. Sie zweifelt, da ein schöner, aber innerlich leerer Mann nur Schmach bringe. Er rät ihr, nicht auf äußere Reize zu achten, sondern darauf, dass ihr Herz die Liebe erkenne. Sie gesteht ihre Schüchternheit, doch er versichert, Liebe lasse sich nicht verbergen. Schließlich zeigt sie sich bereit, sich auf die Liebe einzulassen, bittet Gott um Schutz und will der Liebe folgen, wo sie sie im Herzen spürt. Er warnt sie vor unbedachtem Handeln und mahnt zur Besonnenheit. Auf ihre Bitte um abschließenden Rat empfiehlt er ihr, stets die Ehre zu bewahren.
G Schlussszene (354–358)
Die junge Frau setzt ihm den Blumenkranz auf und bittet ihn, ihn seiner Geliebten zu bringen. Die Rede endet mit der Titelnennung Der Maienkranz und einem Segenswunsch.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 305-308)