Die getrennten Minnereden (B215): Unterschied zwischen den Versionen

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==Inhalt==
===A Einleitung (1–30)===
Der Sprecher eröffnet mit der Beobachtung, dass der Lauf der Welt vielfältig sei, und verbindet dies mit einem Maibild: Auf einem Spaziergang findet er den Mai sogar an Burgen und steinernen Mauern und sieht einen kleinen Falken gemeinsam mit einem Reiher aufsteigen.
===B Rahmenhandlung (31–63)===
In einer erneuten Hinwendung zum Publikum berichtet der Sprecher, wie er im Vorjahr auf der Suche nach dem Mai einer schwarz gekleideten Frau begegnete. Sie klagte, seit zehn Jahren aller Freude beraubt zu sein. Nachdem er Verschwiegenheit zugesichert hatte, begann sie, ihre Liebesgeschichte zu erzählen.
===C Binnenerzählung der Frau (64–285)===
Die Frau schildert ein geselliges Beisammensein in einem Garten, bei dem sich ihr ein Ritter respektvoll näherte und um Aufnahme in ihren Dienst bat. Nach anfänglichem Zögern gab sie seiner Beharrlichkeit nach, und eine heimliche, erfüllte Liebesbeziehung begann. Trotz großer Vorsicht gelangte ein Liebesbrief an ihren Ehemann. Dieser stellte sich unwissend, täuschte einen Ausritt vor und kehrte heimlich zurück. Während sie ihren Geliebten empfing, küsste und sich schließlich mit ihm vereinte, beobachtete der Ehemann alles aus einem Versteck. Mit drei Männern stellte er das Paar zur Rede. Die Frau verteidigte die Begegnung als ehrenhaft; der Geliebte bekräftigte dies und verwies darauf, dass solche Liebesdienste seit jeher üblich seien und auch der Ehemann selbst einer anderen Dame diene. Der Ehemann begnadigte ihn um seiner eigenen Geliebten willen, zwang beide jedoch zu einem Schwur, sich nie wieder zu treffen oder miteinander zu kommunizieren. Fortan tauschten die Liebenden nur noch Blicke, und ihr Leid wurde unerträglich.
===D Fortsetzung von B (286–368)===
Der Sprecher bietet der Frau seine Hilfe an, doch sie erklärt, dass ihr Schwur jede Hoffnung ausschließe. Nur eines könne er tun: den Verräter bestrafen, der als einziger von ihrer Liebe wusste und sie verraten habe. Er trage den sprechenden Namen von Lugenstain zu Claffenvels und sei zu verfluchen. Der Sprecher versichert, ihn zu kennen, und kündigt an, ihn beim nächsten Turnier öffentlich zu schlagen, damit alle falschen Klaffer beschämt würden. Danach erkundigt sich die Frau nach seinem eigenen Leid.
===E Binnenerzählung des Sprechers (369–426)===
Der Sprecher berichtet von seiner eigenen erfüllten Liebesbeziehung zu einer weithin besungenen Dame. Öffentlich wie heimlich hätten sie einander Freude bereitet und viele Nächte miteinander verbracht. Doch nun sei sie tot. Sterbend habe sie ihm noch einen Brief geschickt und ihn zu sich gerufen, doch er habe wegen eines Botengangs nicht kommen können. In tiefem Schmerz habe er das Land verlassen. Der Text bricht an dieser Stelle ab.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 287f.)


[[Kategorie:Quelle Minnerede]]
[[Kategorie:Quelle Minnerede]]

Aktuelle Version vom 3. Februar 2026, 22:46 Uhr

Die getrennten Minnereden (B215)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit 15. Jhd.
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 270, 137r-144r
St. Pölten, Landesmuseum Niederösterreich: Inv.-Nr. S 383, 87va-94va
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 287f.; Stridde, Christine: Die getrennten Minnereden

Inhalt

A Einleitung (1–30)

Der Sprecher eröffnet mit der Beobachtung, dass der Lauf der Welt vielfältig sei, und verbindet dies mit einem Maibild: Auf einem Spaziergang findet er den Mai sogar an Burgen und steinernen Mauern und sieht einen kleinen Falken gemeinsam mit einem Reiher aufsteigen.

B Rahmenhandlung (31–63)

In einer erneuten Hinwendung zum Publikum berichtet der Sprecher, wie er im Vorjahr auf der Suche nach dem Mai einer schwarz gekleideten Frau begegnete. Sie klagte, seit zehn Jahren aller Freude beraubt zu sein. Nachdem er Verschwiegenheit zugesichert hatte, begann sie, ihre Liebesgeschichte zu erzählen.

C Binnenerzählung der Frau (64–285)

Die Frau schildert ein geselliges Beisammensein in einem Garten, bei dem sich ihr ein Ritter respektvoll näherte und um Aufnahme in ihren Dienst bat. Nach anfänglichem Zögern gab sie seiner Beharrlichkeit nach, und eine heimliche, erfüllte Liebesbeziehung begann. Trotz großer Vorsicht gelangte ein Liebesbrief an ihren Ehemann. Dieser stellte sich unwissend, täuschte einen Ausritt vor und kehrte heimlich zurück. Während sie ihren Geliebten empfing, küsste und sich schließlich mit ihm vereinte, beobachtete der Ehemann alles aus einem Versteck. Mit drei Männern stellte er das Paar zur Rede. Die Frau verteidigte die Begegnung als ehrenhaft; der Geliebte bekräftigte dies und verwies darauf, dass solche Liebesdienste seit jeher üblich seien und auch der Ehemann selbst einer anderen Dame diene. Der Ehemann begnadigte ihn um seiner eigenen Geliebten willen, zwang beide jedoch zu einem Schwur, sich nie wieder zu treffen oder miteinander zu kommunizieren. Fortan tauschten die Liebenden nur noch Blicke, und ihr Leid wurde unerträglich.

D Fortsetzung von B (286–368)

Der Sprecher bietet der Frau seine Hilfe an, doch sie erklärt, dass ihr Schwur jede Hoffnung ausschließe. Nur eines könne er tun: den Verräter bestrafen, der als einziger von ihrer Liebe wusste und sie verraten habe. Er trage den sprechenden Namen von Lugenstain zu Claffenvels und sei zu verfluchen. Der Sprecher versichert, ihn zu kennen, und kündigt an, ihn beim nächsten Turnier öffentlich zu schlagen, damit alle falschen Klaffer beschämt würden. Danach erkundigt sich die Frau nach seinem eigenen Leid.

E Binnenerzählung des Sprechers (369–426)

Der Sprecher berichtet von seiner eigenen erfüllten Liebesbeziehung zu einer weithin besungenen Dame. Öffentlich wie heimlich hätten sie einander Freude bereitet und viele Nächte miteinander verbracht. Doch nun sei sie tot. Sterbend habe sie ihm noch einen Brief geschickt und ihn zu sich gerufen, doch er habe wegen eines Botengangs nicht kommen können. In tiefem Schmerz habe er das Land verlassen. Der Text bricht an dieser Stelle ab.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 287f.)