Das Zelt der Minne (B249): Unterschied zwischen den Versionen

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==Inhalt==
===A Prolog===
Der Sprecher erklärt, er könne kaum angemessen berichten, so groß sei das Glück, das ihm im Traum widerfahren sei.
===B Traum / Spaziergangseinleitung===
Im Traum wandert er durch einen wunderschönen Wald voller Vogelgesang, Blüten, Duft und Sonnenstrahlen. Die Schönheit der Natur lässt ihn an seine Geliebte denken, deren Anblick er herbeisehnt. Mutlos gelangt er zu einem Zelt, das mitten auf einer blühenden Waldwiese steht. Er sucht vergeblich nach Menschen oder Dienern und bewundert das kunstvoll gespannte, bunt gemusterte Zelt. Er umrundet es, lauscht und sucht nach einem Eingang.
===C Gespräch vor dem Zelt===
Aus der Öffnung tritt eine Jungfrau, die er kennt — die Dienerin seiner Geliebten. Sie antwortet scherzhaft ausweichend, behauptet erst, das Zelt gehöre ihr, dann, sie sei mit einer anderen Dame hier. Durch eine Umarmung bringt er sie dazu, durch Gestik zu verraten, dass seine Geliebte im Zelt ist. Erst nachdem er ehrenhaftes Verhalten verspricht, lässt sie ihn hinein.
===D Zeltinneres===
Das Innere ist ebenso prächtig wie das Äußere. Hinter einem Seidenvorhang liegt die Geliebte im Mittagschlaf. Trotz des Hinweises der Jungfrau, die Dame sei barfuß und im Unterrock, zieht der Sprecher ungeduldig den Vorhang beiseite. Beide treten ans Bett; es folgt eine kurze Beschreibung der Stoffe und eine angedeutete Schönheitsbeschreibung. Als er sich zu sehr nähert, ruft ihn die Jungfrau zurück und versteckt ihn hinter sich, um die Dame vorsichtig zu wecken.
===E Belauschtes Gespräch und Begegnung mit der Dame===
Die Dame erwacht in schlaftrunkener Anmut. Während der Sprecher verborgen bleibt, fragt die Jungfrau sie nach ihrer Liebe. Die Dame lehnt die Liebe wegen ihrer Sorgen ab, gesteht aber, dass sie einen Mann kenne, den sie gerne zu ehrenvollen Vergnügungen bei sich hätte. In einem scherzhaften Ratespiel nennt sie den Sprecher. Dieser tritt hervor; die Dame errötet, fühlt sich überrumpelt und schiebt die Schuld der Jungfrau zu. Schließlich reicht sie ihm auf deren Drängen die Hand und lässt ihn auf ihr Bett sitzen. Sie betrachten sich schweigend, bis das Lachen der beiden Frauen ihn aus seiner Erstarrung löst.
===F Würfelspiel===
Die Jungfrau schlägt ein Würfelspiel um das Recht einer Frage vor. Die Dame gewinnt alle drei Runden, zweimal mit einer angesagten Sieben. Der Sprecher protestiert gegen die Beratung zwischen Dame und Jungfrau, wird aber auf Abstand gehalten und betrachtet verzückt ihre Arme und Blicke. Schließlich fragt die Dame, ob er im vergangenen oder im aktuellen Jahr Liebe erfahren habe. Er antwortet, sie sei das Liebste, was er besitze. Sie weist dies zurück, da sie ihm nie Liebe gewährt habe. Er beklagt sein Unglück, die Jungfrau tadelt die Dame wegen ihrer Härte. Er erklärt, er habe sich mangels Dienstannahme weder als treu noch als untreu erweisen können. Ein weiteres Spiel kommt nicht zustande.
===G Halmorakel===
Der Sprecher schlägt ein Halmorakel vor; die Jungfrau hält die Halme. Die Dame greift nach demselben Halm wie er, doch durch ein Zeichen der Jungfrau lässt er ihr den Vortritt und gewinnt. Die Dame klagt, hält ihm den Mund zu, als er einen Eid fordert, und erklärt das Zeltmuster als Sinnbild ihrer Notwendigkeit, ihre wahre Haltung vor der Öffentlichkeit zu verbergen: Sie müsse Männer, die sie nicht möge, freundlich behandeln und solche, die ihr gefielen, abweisen. Die blaue Farbe des Innenzelts stehe dagegen für die Beständigkeit ihres Herzens. Auf seine inständige Bitte bekennt sie ihm schließlich ihre Liebe. Er empfindet höchste Freude, bemerkt aber ihre Scham. In einer Wendung an das Publikum betont er, sie habe aus rechter Minne gehandelt.
===H Erwachen===
Der Sprecher wird von seinem Knappen geweckt, schimpft zunächst über die Störung seiner höchsten Freude und erkennt dann, dass alles nur ein Traum war.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 375-377)


[[Kategorie:Quelle Minnerede]]
[[Kategorie:Quelle Minnerede]]

Aktuelle Version vom 5. Februar 2026, 20:58 Uhr

Das Zelt der Minne (B249)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung ab 1425
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Karlsruhe, Landesbibliothek: Hs. Donaueschingen 104, 14ra-18ra
London, British Library: Add. 10010, 167r-179r
London, British Library: Add. 24946, 158r-163r
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Das Zelt der Minne; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 374-377

Inhalt

A Prolog

Der Sprecher erklärt, er könne kaum angemessen berichten, so groß sei das Glück, das ihm im Traum widerfahren sei.

B Traum / Spaziergangseinleitung

Im Traum wandert er durch einen wunderschönen Wald voller Vogelgesang, Blüten, Duft und Sonnenstrahlen. Die Schönheit der Natur lässt ihn an seine Geliebte denken, deren Anblick er herbeisehnt. Mutlos gelangt er zu einem Zelt, das mitten auf einer blühenden Waldwiese steht. Er sucht vergeblich nach Menschen oder Dienern und bewundert das kunstvoll gespannte, bunt gemusterte Zelt. Er umrundet es, lauscht und sucht nach einem Eingang.

C Gespräch vor dem Zelt

Aus der Öffnung tritt eine Jungfrau, die er kennt — die Dienerin seiner Geliebten. Sie antwortet scherzhaft ausweichend, behauptet erst, das Zelt gehöre ihr, dann, sie sei mit einer anderen Dame hier. Durch eine Umarmung bringt er sie dazu, durch Gestik zu verraten, dass seine Geliebte im Zelt ist. Erst nachdem er ehrenhaftes Verhalten verspricht, lässt sie ihn hinein.

D Zeltinneres

Das Innere ist ebenso prächtig wie das Äußere. Hinter einem Seidenvorhang liegt die Geliebte im Mittagschlaf. Trotz des Hinweises der Jungfrau, die Dame sei barfuß und im Unterrock, zieht der Sprecher ungeduldig den Vorhang beiseite. Beide treten ans Bett; es folgt eine kurze Beschreibung der Stoffe und eine angedeutete Schönheitsbeschreibung. Als er sich zu sehr nähert, ruft ihn die Jungfrau zurück und versteckt ihn hinter sich, um die Dame vorsichtig zu wecken.

E Belauschtes Gespräch und Begegnung mit der Dame

Die Dame erwacht in schlaftrunkener Anmut. Während der Sprecher verborgen bleibt, fragt die Jungfrau sie nach ihrer Liebe. Die Dame lehnt die Liebe wegen ihrer Sorgen ab, gesteht aber, dass sie einen Mann kenne, den sie gerne zu ehrenvollen Vergnügungen bei sich hätte. In einem scherzhaften Ratespiel nennt sie den Sprecher. Dieser tritt hervor; die Dame errötet, fühlt sich überrumpelt und schiebt die Schuld der Jungfrau zu. Schließlich reicht sie ihm auf deren Drängen die Hand und lässt ihn auf ihr Bett sitzen. Sie betrachten sich schweigend, bis das Lachen der beiden Frauen ihn aus seiner Erstarrung löst.

F Würfelspiel

Die Jungfrau schlägt ein Würfelspiel um das Recht einer Frage vor. Die Dame gewinnt alle drei Runden, zweimal mit einer angesagten Sieben. Der Sprecher protestiert gegen die Beratung zwischen Dame und Jungfrau, wird aber auf Abstand gehalten und betrachtet verzückt ihre Arme und Blicke. Schließlich fragt die Dame, ob er im vergangenen oder im aktuellen Jahr Liebe erfahren habe. Er antwortet, sie sei das Liebste, was er besitze. Sie weist dies zurück, da sie ihm nie Liebe gewährt habe. Er beklagt sein Unglück, die Jungfrau tadelt die Dame wegen ihrer Härte. Er erklärt, er habe sich mangels Dienstannahme weder als treu noch als untreu erweisen können. Ein weiteres Spiel kommt nicht zustande.

G Halmorakel

Der Sprecher schlägt ein Halmorakel vor; die Jungfrau hält die Halme. Die Dame greift nach demselben Halm wie er, doch durch ein Zeichen der Jungfrau lässt er ihr den Vortritt und gewinnt. Die Dame klagt, hält ihm den Mund zu, als er einen Eid fordert, und erklärt das Zeltmuster als Sinnbild ihrer Notwendigkeit, ihre wahre Haltung vor der Öffentlichkeit zu verbergen: Sie müsse Männer, die sie nicht möge, freundlich behandeln und solche, die ihr gefielen, abweisen. Die blaue Farbe des Innenzelts stehe dagegen für die Beständigkeit ihres Herzens. Auf seine inständige Bitte bekennt sie ihm schließlich ihre Liebe. Er empfindet höchste Freude, bemerkt aber ihre Scham. In einer Wendung an das Publikum betont er, sie habe aus rechter Minne gehandelt.

H Erwachen

Der Sprecher wird von seinem Knappen geweckt, schimpft zunächst über die Störung seiner höchsten Freude und erkennt dann, dass alles nur ein Traum war.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 375-377)