Drei Hunde als Beschützer (B197): Unterschied zwischen den Versionen
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Die Sprecherin leidet unter der Junihitze und unter den Liebesfesseln, die ihr Venus im Mai auferlegt hat. Um beidem zu entkommen, sucht sie den Schatten des Waldes und nimmt drei vertraute Hunde mit. Dort denkt sie über die Ereignisse des Mai nach. | |||
===B Gespräch (34–122)=== | |||
Ein alter, ihr gut bekannter Mann erscheint. Nach dem Gruß erklärt er, er habe sie zu Hause gesucht, und fragt nach ihrem Aufenthalt im Wald. Sie sagt, sie sei vor der Sonne geflohen. Er erkundigt sich nach ihrem Mai-Erlebnis. Statt zu antworten, fragt sie nach dem Gerede der „Klaffer“, das sie verabscheut. Der Mann stimmt ihr zu und betont die Notwendigkeit von Verschwiegenheit in Liebesdingen. Schließlich fragt er erneut, ob der Mai ihr einen Geliebten gebracht habe. Da sie ihm vertraut, beginnt sie zu erzählen: Am 5. Mai sei sie in eine fröhliche Tanzgesellschaft geraten. Der Mann hakt nach, wie es ihr dort ergangen sei. | |||
===C Folge von Werbungsgesprächen (123–284)=== | |||
Die Sprecherin berichtet von mehreren Begegnungen mit einem jungen Mann. | |||
*Erstes Gespräch: Er sorgt sich, sie könne seine Gefühle nicht erwidern; sie antwortet scherzhaft. | |||
*Zweites Gespräch: Er bietet hartnäckig seinen Dienst an, den sie aus verschiedenen Gründen ablehnt. | |||
*Drittes Gespräch: Sie grüßt ihn höflich, weist aber erneut jede Hoffnung zurück und verweist auf die Mühen der Liebe. Sie rät ihm, sich einer anderen zuzuwenden. | |||
*Viertes Gespräch: Er bittet um eine liebevolle Anrede; sie lehnt ab und fordert ihn auf, sein Glück anderswo zu suchen. | |||
Seine Beharrlichkeit beunruhigt sie, da sie Gerede und göttlichen Unmut fürchtet. | |||
===D Gespräch mit dem alten Mann (285–604)=== | |||
Der Mann erkundigt sich nach Herkunft, Tugenden und Schwächen des Werbers. Die Sprecherin beschreibt ihn als adlig, angesehen, mutig, höfisch gebildet und für den Frauendienst geeignet – aber zu vertrauensselig und unvorsichtig. | |||
Der alte Mann fragt, warum sie ihn trotz dieser Vorzüge abweist. Sie hält seine Werbung für eitel und unehrlich, vermutet taktische Motive und kritisiert seine Indiskretion gegenüber seinem Knecht. | |||
Auf Nachfrage erklärt sie die symbolischen Namen ihrer drei Hunde, die ihre Abwehrhaltung verkörpern. Der alte Mann wundert sich über ihre Härte; sie begründet sie mit dem wankelmütigen Wesen des Mannes und seiner Neigung, schnell aufzugeben. Zudem störe sie seine widersprüchliche Redeweise: Anderswo kokettiere er mit anderen Frauen, vor ihr beteuere er Exklusivität. | |||
Sie wolle sich nicht ausliefern, sondern ihre Freiheit bewahren und sich an der Gesellschaft erfreuen – und an jenem Mann, der ihr wirklich gefalle und sie treu und ehrenvoll liebe. Mit ihm wolle sie eine dauerhafte Beziehung führen. | |||
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 243-246) | |||
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Version vom 1. Februar 2026, 22:13 Uhr
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Drei Hunde als Beschützer (B197) | |
|---|---|
| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | nach 1473 |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 439, 65r-79v |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Altenhöfer, Florian: Drei Hunde als Beschützer; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 243-246 |
Inhalt
A Spaziergangseinleitung (1–33)
Die Sprecherin leidet unter der Junihitze und unter den Liebesfesseln, die ihr Venus im Mai auferlegt hat. Um beidem zu entkommen, sucht sie den Schatten des Waldes und nimmt drei vertraute Hunde mit. Dort denkt sie über die Ereignisse des Mai nach.
B Gespräch (34–122)
Ein alter, ihr gut bekannter Mann erscheint. Nach dem Gruß erklärt er, er habe sie zu Hause gesucht, und fragt nach ihrem Aufenthalt im Wald. Sie sagt, sie sei vor der Sonne geflohen. Er erkundigt sich nach ihrem Mai-Erlebnis. Statt zu antworten, fragt sie nach dem Gerede der „Klaffer“, das sie verabscheut. Der Mann stimmt ihr zu und betont die Notwendigkeit von Verschwiegenheit in Liebesdingen. Schließlich fragt er erneut, ob der Mai ihr einen Geliebten gebracht habe. Da sie ihm vertraut, beginnt sie zu erzählen: Am 5. Mai sei sie in eine fröhliche Tanzgesellschaft geraten. Der Mann hakt nach, wie es ihr dort ergangen sei.
C Folge von Werbungsgesprächen (123–284)
Die Sprecherin berichtet von mehreren Begegnungen mit einem jungen Mann.
- Erstes Gespräch: Er sorgt sich, sie könne seine Gefühle nicht erwidern; sie antwortet scherzhaft.
- Zweites Gespräch: Er bietet hartnäckig seinen Dienst an, den sie aus verschiedenen Gründen ablehnt.
- Drittes Gespräch: Sie grüßt ihn höflich, weist aber erneut jede Hoffnung zurück und verweist auf die Mühen der Liebe. Sie rät ihm, sich einer anderen zuzuwenden.
- Viertes Gespräch: Er bittet um eine liebevolle Anrede; sie lehnt ab und fordert ihn auf, sein Glück anderswo zu suchen.
Seine Beharrlichkeit beunruhigt sie, da sie Gerede und göttlichen Unmut fürchtet.
D Gespräch mit dem alten Mann (285–604)
Der Mann erkundigt sich nach Herkunft, Tugenden und Schwächen des Werbers. Die Sprecherin beschreibt ihn als adlig, angesehen, mutig, höfisch gebildet und für den Frauendienst geeignet – aber zu vertrauensselig und unvorsichtig. Der alte Mann fragt, warum sie ihn trotz dieser Vorzüge abweist. Sie hält seine Werbung für eitel und unehrlich, vermutet taktische Motive und kritisiert seine Indiskretion gegenüber seinem Knecht. Auf Nachfrage erklärt sie die symbolischen Namen ihrer drei Hunde, die ihre Abwehrhaltung verkörpern. Der alte Mann wundert sich über ihre Härte; sie begründet sie mit dem wankelmütigen Wesen des Mannes und seiner Neigung, schnell aufzugeben. Zudem störe sie seine widersprüchliche Redeweise: Anderswo kokettiere er mit anderen Frauen, vor ihr beteuere er Exklusivität. Sie wolle sich nicht ausliefern, sondern ihre Freiheit bewahren und sich an der Gesellschaft erfreuen – und an jenem Mann, der ihr wirklich gefalle und sie treu und ehrenvoll liebe. Mit ihm wolle sie eine dauerhafte Beziehung führen.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 243-246)