Das Strohkränzlein (B225): Unterschied zwischen den Versionen

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==Inhalt==
===A Liebesklage (1–19)===
Der Sprecher beklagt, dass im aufblühenden Mai alle Menschen fröhlich zueinanderfinden, während seine Einsamkeit und sein Leid unverändert bleiben. Weder Natur noch Musik können ihn erfreuen; er fühlt sich wie eine verlöschende Kerze oder ein Schatten an der Wand und glaubt, der lange Kummer habe ihn bereits ergrauen lassen.


===B Preis der Dame (20–64)===
Er liebt eine edle Dame, deren Tugenden und Schönheit er in einer ausführlichen Kopf‑bis‑Fuß‑Beschreibung rühmt. Nur ein Makel haftet ihr an: Wer ihr nahekommt, erleidet Schmerz – so auch er selbst. Diese Erfahrung bildet den Übergang zu seiner Werbegeschichte.
===C Geschichte der Werbung (65–252)===
Er verliebt sich beim ersten Anblick, verschweigt es lange und gesteht ihr schließlich seine Liebe. Die Dame reagiert ausweichend und hält ihn mit Andeutungen hin, sodass er sich zum Narren gemacht sieht. Er bittet um ein eindeutiges Zeichen: ein grüner Kranz als Gunstbeweis oder ein Strohkranz als endgültige Abweisung. Kurz darauf erscheint sie mit einem Strohkranz auf dem Kopf und fordert ihn auf, ihn zu nehmen. Er bittet sie, den Kranz zu verbrennen, was sie sofort tut. Daraufhin verlangt er einen grünen Kranz, doch sie verweigert ihn und zweifelt an seiner Beständigkeit.
Er beteuert ausführlich seine Treue: Er liebe sie seit Jahren, würde sie für keinen Schatz der Welt aufgeben, leide unendlich unter ihrer Kälte und denke unablässig an sie. Die Dame bleibt misstrauisch und vermutet, er schwöre mehreren Frauen zugleich Treue. Er weist dies entschieden zurück und erklärt, lieber sterben zu wollen, als untreu zu sein. Schließlich stellt sie ihm in Aussicht, seine Wünsche zu erfüllen, wenn er geduldig ausharre, bis „das Wetter vorübergehe“. Er freut sich und hofft auf baldige Erhörung, möchte jedoch festhalten, dass er sein Versprechen zurückziehen dürfe, falls die Liebe erkalte, während sie an ihres gebunden bleibe. Die Dame bestätigt ihr Wort, betont aber, keinen schriftlichen Beweis liefern zu müssen. Er versichert ihr seine völlige Hingabe und besteht darauf, eines Tages für seine Treue belohnt zu werden – selbst die Hälfte dieser Belohnung wäre ihm genug.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 308-310)


[[Kategorie:Quelle Minnerede]]
[[Kategorie:Quelle Minnerede]]

Aktuelle Version vom 3. Februar 2026, 23:13 Uhr

Das Strohkränzlein (B225)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung ab 1470/71
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Berlin, Staatsbibliothek: Mgf 488, 120v-126r
Leipzig, Universitätsbibliothek: Ms. Apel 8, 251r-256r
Prag, Knihovna Národniho muzea: Cod. X A 12, 100r-104r
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Das Strohkränzlein; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 308-310

Inhalt

A Liebesklage (1–19)

Der Sprecher beklagt, dass im aufblühenden Mai alle Menschen fröhlich zueinanderfinden, während seine Einsamkeit und sein Leid unverändert bleiben. Weder Natur noch Musik können ihn erfreuen; er fühlt sich wie eine verlöschende Kerze oder ein Schatten an der Wand und glaubt, der lange Kummer habe ihn bereits ergrauen lassen.

B Preis der Dame (20–64)

Er liebt eine edle Dame, deren Tugenden und Schönheit er in einer ausführlichen Kopf‑bis‑Fuß‑Beschreibung rühmt. Nur ein Makel haftet ihr an: Wer ihr nahekommt, erleidet Schmerz – so auch er selbst. Diese Erfahrung bildet den Übergang zu seiner Werbegeschichte.

C Geschichte der Werbung (65–252)

Er verliebt sich beim ersten Anblick, verschweigt es lange und gesteht ihr schließlich seine Liebe. Die Dame reagiert ausweichend und hält ihn mit Andeutungen hin, sodass er sich zum Narren gemacht sieht. Er bittet um ein eindeutiges Zeichen: ein grüner Kranz als Gunstbeweis oder ein Strohkranz als endgültige Abweisung. Kurz darauf erscheint sie mit einem Strohkranz auf dem Kopf und fordert ihn auf, ihn zu nehmen. Er bittet sie, den Kranz zu verbrennen, was sie sofort tut. Daraufhin verlangt er einen grünen Kranz, doch sie verweigert ihn und zweifelt an seiner Beständigkeit. Er beteuert ausführlich seine Treue: Er liebe sie seit Jahren, würde sie für keinen Schatz der Welt aufgeben, leide unendlich unter ihrer Kälte und denke unablässig an sie. Die Dame bleibt misstrauisch und vermutet, er schwöre mehreren Frauen zugleich Treue. Er weist dies entschieden zurück und erklärt, lieber sterben zu wollen, als untreu zu sein. Schließlich stellt sie ihm in Aussicht, seine Wünsche zu erfüllen, wenn er geduldig ausharre, bis „das Wetter vorübergehe“. Er freut sich und hofft auf baldige Erhörung, möchte jedoch festhalten, dass er sein Versprechen zurückziehen dürfe, falls die Liebe erkalte, während sie an ihres gebunden bleibe. Die Dame bestätigt ihr Wort, betont aber, keinen schriftlichen Beweis liefern zu müssen. Er versichert ihr seine völlige Hingabe und besteht darauf, eines Tages für seine Treue belohnt zu werden – selbst die Hälfte dieser Belohnung wäre ihm genug.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 308-310)