Der Minne Klaffer (B243): Unterschied zwischen den Versionen
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===A Schönheitsbeschreibung=== | |||
Der Sprecher bittet um Ruhe und kündigt an, das Bild einer schönen Dame zu entwerfen. Es folgt eine teils verderbte Beschreibung nach dem A‑capite‑ad‑calcem‑Schema: Stirn, Hände mit kurzen Nägeln, Ellbogen, Hals, Brüste, Hüfte, Beine und Füße. Die Partie zwischen Bauch und Beinen bleibt unbenannt. | |||
===B Begegnung mit der Dame=== | |||
Unvermittelt setzt eine Erzählung ein: In einer sommerlichen Landschaft wird der Sprecher durch die Rufe einer Dame geweckt. Ihre Schönheit übertrifft alles, sie trägt eine Krone. Er reitet zu ihr, um sie näher zu betrachten. Ein Exempel der Nachtigall führt zu zwei Lehren: Frauen verlören alle Freude, wenn sie einen Mann wählten, der nicht lieben könne; und wer einen wohlerzogenen, wenn auch nicht reichen Mann nehme, stehe besser da als jene, die gar keinen erhielten. Der Sprecher möchte sie küssen und beginnt ein Gespräch mit Liebes- und Treueversicherungen. Sie weist ihn ab, worauf er auf seine Reisen in ihrem Dienst verweist. | |||
===C Venus‑Brief=== | |||
Nach einer Aufforderung zum Schweigen kündigt er an, das Gespräch mitzuteilen. Er rekapituliert die Begegnung und liest der Dame einen Brief vor, der als Liebesbeteuerung und Bitte um Antwort gestaltet ist und formal an einen Venus‑Brief anschließt. | |||
===D Streitgespräch=== | |||
Es folgt ein Streitgespräch in zwei Teilen. Zunächst eine schnelle Wechselrede, in der der Sprecher metaphorisch seine Liebe beklagt und die Dame seine Worte absichtlich wörtlich missversteht: Sie könne ihn nicht heilen, er solle ins Kloster gehen, er könne seine Fesseln selbst lösen. Im zweiten Teil sprechen beide in längeren Redepassagen. Die Dame antwortet mit Adynata und sprichwörtlichen Wendungen, oft mit biblischem Klang, und erklärt, er werde eher Unmögliches vollbringen, als bei ihr Erfolg haben. Er vergleicht seine vergeblichen Bemühungen mit einem Bauern, der trotz großer Mühe nichts erntet. Sie entgegnet, er wolle auf fremdem Acker pflügen, da sie ihre Liebe einem anderen gönne. Es folgen weitere Sprichwörter über misslingende Vorhaben. Er antwortet mit Bildern reifender Früchte und fordert, sie solle ihn jetzt gewähren lassen. Schließlich erklärt er, er nehme keine Rücksicht mehr auf ihre Abneigung und seine Geduld sei am Ende. | |||
===E Vergewaltigung=== | |||
Ein Erzähler übernimmt und berichtet knapp, der Jüngling habe die Dame mit Worten überwältigt, jedoch ohne ihre Zustimmung. Die folgende Szene im Garten wird als „Hintern stoßender Kampf“ umschrieben. | |||
===F Schluss=== | |||
Die Minnerede endet mit einer Autornennung als mynnen klaffer und einem Schreiberzusatz, der den Verfasser als jemand bezeichnet, der den schönen Frauen treu geblieben sei. | |||
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 360-362) | |||
[[Kategorie:Quelle Märe/Versnovelle]] | [[Kategorie:Quelle Märe/Versnovelle]] | ||
[[Kategorie:Quelle Minnerede]] | [[Kategorie:Quelle Minnerede]] | ||
Aktuelle Version vom 4. Februar 2026, 23:32 Uhr
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Der Minne Klaffer; Der Minne Klaffer (B243); Der Minnen Klaffer; The sweet-talking lover | |
|---|---|
| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Überlieferung 1430-35 |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Karlsruhe, Badische Landesbibliothek: Karlsruhe 408, 7ra-9rb [1] |
| Ausgaben | Ridder, Klaus/Ziegeler, Hans-Joachim (Hg.): Deutsche Versnovellistik des 13. bis 15. Jahrhunderts, Band 4, S. 308-317 |
| Übersetzungen | Ridder, Klaus/Ziegeler, Hans-Joachim (Hg.): Deutsche Versnovellistik des 13. bis 15. Jahrhunderts, Band 5, S. 495-497 |
| Forschung | Klingner, Jacob: Der Minnen Klaffer; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 359-362; Ziegeler, Hans-Joachim: Erzählen im Spätmittelalter, S. 36 A. 18, 72 A. 38, 73 A. 41. 42, 498 |
Inhalt
A Schönheitsbeschreibung
Der Sprecher bittet um Ruhe und kündigt an, das Bild einer schönen Dame zu entwerfen. Es folgt eine teils verderbte Beschreibung nach dem A‑capite‑ad‑calcem‑Schema: Stirn, Hände mit kurzen Nägeln, Ellbogen, Hals, Brüste, Hüfte, Beine und Füße. Die Partie zwischen Bauch und Beinen bleibt unbenannt.
B Begegnung mit der Dame
Unvermittelt setzt eine Erzählung ein: In einer sommerlichen Landschaft wird der Sprecher durch die Rufe einer Dame geweckt. Ihre Schönheit übertrifft alles, sie trägt eine Krone. Er reitet zu ihr, um sie näher zu betrachten. Ein Exempel der Nachtigall führt zu zwei Lehren: Frauen verlören alle Freude, wenn sie einen Mann wählten, der nicht lieben könne; und wer einen wohlerzogenen, wenn auch nicht reichen Mann nehme, stehe besser da als jene, die gar keinen erhielten. Der Sprecher möchte sie küssen und beginnt ein Gespräch mit Liebes- und Treueversicherungen. Sie weist ihn ab, worauf er auf seine Reisen in ihrem Dienst verweist.
C Venus‑Brief
Nach einer Aufforderung zum Schweigen kündigt er an, das Gespräch mitzuteilen. Er rekapituliert die Begegnung und liest der Dame einen Brief vor, der als Liebesbeteuerung und Bitte um Antwort gestaltet ist und formal an einen Venus‑Brief anschließt.
D Streitgespräch
Es folgt ein Streitgespräch in zwei Teilen. Zunächst eine schnelle Wechselrede, in der der Sprecher metaphorisch seine Liebe beklagt und die Dame seine Worte absichtlich wörtlich missversteht: Sie könne ihn nicht heilen, er solle ins Kloster gehen, er könne seine Fesseln selbst lösen. Im zweiten Teil sprechen beide in längeren Redepassagen. Die Dame antwortet mit Adynata und sprichwörtlichen Wendungen, oft mit biblischem Klang, und erklärt, er werde eher Unmögliches vollbringen, als bei ihr Erfolg haben. Er vergleicht seine vergeblichen Bemühungen mit einem Bauern, der trotz großer Mühe nichts erntet. Sie entgegnet, er wolle auf fremdem Acker pflügen, da sie ihre Liebe einem anderen gönne. Es folgen weitere Sprichwörter über misslingende Vorhaben. Er antwortet mit Bildern reifender Früchte und fordert, sie solle ihn jetzt gewähren lassen. Schließlich erklärt er, er nehme keine Rücksicht mehr auf ihre Abneigung und seine Geduld sei am Ende.
E Vergewaltigung
Ein Erzähler übernimmt und berichtet knapp, der Jüngling habe die Dame mit Worten überwältigt, jedoch ohne ihre Zustimmung. Die folgende Szene im Garten wird als „Hintern stoßender Kampf“ umschrieben.
F Schluss
Die Minnerede endet mit einer Autornennung als mynnen klaffer und einem Schreiberzusatz, der den Verfasser als jemand bezeichnet, der den schönen Frauen treu geblieben sei.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 360-362)