Liebeswerbung (B244): Unterschied zwischen den Versionen
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Der Sprecher berichtet von einem Treffen mit einer schönen Dame. Auf ein Lob ihrer Vollkommenheit und ihrer höfischen Kleidung folgt eine ausführliche Schönheitsbeschreibung von Kopf bis Fuß, einschließlich Haltung und Verhalten, die in einem Unsagbarkeitstopos endet. Ihr Anblick macht ihn vor Freude blind; er will entweder Liebeserfüllung oder den Tod finden und beschließt, ihr am nächsten Morgen seine seit einem halben Jahr unterdrückte Liebe zu gestehen. | |||
===B Werbungsgespräch=== | |||
Auf sein Geständnis, seine Dienstversicherung und die Bitte um Lohn reagiert die Dame knapp und reserviert. Es entwickelt sich eine stichische Wechselrede, in der er um Erhörung bittet, seine Liebe beteuert, sein Leid klagt und mit dem Tod droht. Sie weist alles lakonisch und spöttisch zurück, nimmt seine Bilder wörtlich und beschimpft ihn. Ein längeres Liebesbekenntnis beantwortet sie mit Prügelandrohung, die er als willkommenen „Lohn“ annimmt, was sie zum Lachen bringt. Als sie ihn auffordert, „zu suchen“, fasst er sie an der Brust und küsst sie. Er erklärt sich für geheilt, sie schimpft, erkennt aber, dass er ihre Worte wörtlich genommen und ihr damit eine Lektion erteilt hat. Beide loben einander für ihre „besonderen Sprüche“. In längeren Dialogzügen wiederholt er Bitten, Klagen und Liebesbeteuerungen, sie verweist auf die Unaufrichtigkeit der Männer, die Unmöglichkeit eines Einlassens und die Gefahr des Hofklatsches. Er betont seine Andersartigkeit, beschreibt seine wahre Liebe und bittet um Heimlichkeit. Sie zeigt sich zögerlich, deutet aber die Möglichkeit eines Einlenkens an. Nach erneuter Beschwörung seiner Treue erklärt sie ihre bisherige Härte zur Probe und kündigt Gewährung an. | |||
===C Liebeserfüllung=== | |||
Der Sprecher umarmt die Dame freudig und preist sein Glück. Sie mahnt zum Aufbruch, doch er führt sie in einen Garten zu einem Bett, wo sie ihm — so seine Darstellung — jeden Wunsch erfüllt. | |||
===D Lehre zur Liebeswerbung=== | |||
Der Sprecher erteilt dem Publikum Ratschläge zur Minnewerbung: Frauenliebe sei wertvoller als materieller Besitz; werbe höfisch, aufrichtig, geduldig, humorvoll, heimlich und beharrlich. Wer vorschnell aufgebe und sich käuflicher Minne zuwende, habe die Liebe nicht verstanden. | |||
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 363-365) | |||
[[Kategorie:Quelle Märe/Versnovelle]] | [[Kategorie:Quelle Märe/Versnovelle]] | ||
[[Kategorie:Quelle Minnerede]] | [[Kategorie:Quelle Minnerede]] | ||
Aktuelle Version vom 4. Februar 2026, 23:36 Uhr
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Liebeswerbung; Liebeswerbung (B244); Von eyme gewerbe eins vnd einer; Wooing | |
|---|---|
| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Überlieferung zweites Viertel 15. Jahrhundert |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Bremen, Staats- und Universitätsbibliothek: Msb 0042-02, 125r-136v [1] |
| Ausgaben | Dorobantu, Julia/Klingner, Jacob/Lieb, Ludger (Hg.): Minnereden, S. 329-350 Meyer, Nikolaus/Mooyer, Ernst Friedrich (Hg.): Altdeutsche Dichtungen, S. 44-51 Ridder, Klaus/Ziegeler, Hans-Joachim (Hg.): Deutsche Versnovellistik des 13. bis 15. Jahrhunderts, Band 3, S. 467-485 |
| Übersetzungen | Ridder, Klaus/Ziegeler, Hans-Joachim (Hg.): Deutsche Versnovellistik des 13. bis 15. Jahrhunderts, Band 5, S. 347-352 |
| Forschung | Klingner, Jacob: Liebeswerbung; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 363-365 |
Inhalt
A Einleitung
Der Sprecher berichtet von einem Treffen mit einer schönen Dame. Auf ein Lob ihrer Vollkommenheit und ihrer höfischen Kleidung folgt eine ausführliche Schönheitsbeschreibung von Kopf bis Fuß, einschließlich Haltung und Verhalten, die in einem Unsagbarkeitstopos endet. Ihr Anblick macht ihn vor Freude blind; er will entweder Liebeserfüllung oder den Tod finden und beschließt, ihr am nächsten Morgen seine seit einem halben Jahr unterdrückte Liebe zu gestehen.
B Werbungsgespräch
Auf sein Geständnis, seine Dienstversicherung und die Bitte um Lohn reagiert die Dame knapp und reserviert. Es entwickelt sich eine stichische Wechselrede, in der er um Erhörung bittet, seine Liebe beteuert, sein Leid klagt und mit dem Tod droht. Sie weist alles lakonisch und spöttisch zurück, nimmt seine Bilder wörtlich und beschimpft ihn. Ein längeres Liebesbekenntnis beantwortet sie mit Prügelandrohung, die er als willkommenen „Lohn“ annimmt, was sie zum Lachen bringt. Als sie ihn auffordert, „zu suchen“, fasst er sie an der Brust und küsst sie. Er erklärt sich für geheilt, sie schimpft, erkennt aber, dass er ihre Worte wörtlich genommen und ihr damit eine Lektion erteilt hat. Beide loben einander für ihre „besonderen Sprüche“. In längeren Dialogzügen wiederholt er Bitten, Klagen und Liebesbeteuerungen, sie verweist auf die Unaufrichtigkeit der Männer, die Unmöglichkeit eines Einlassens und die Gefahr des Hofklatsches. Er betont seine Andersartigkeit, beschreibt seine wahre Liebe und bittet um Heimlichkeit. Sie zeigt sich zögerlich, deutet aber die Möglichkeit eines Einlenkens an. Nach erneuter Beschwörung seiner Treue erklärt sie ihre bisherige Härte zur Probe und kündigt Gewährung an.
C Liebeserfüllung
Der Sprecher umarmt die Dame freudig und preist sein Glück. Sie mahnt zum Aufbruch, doch er führt sie in einen Garten zu einem Bett, wo sie ihm — so seine Darstellung — jeden Wunsch erfüllt.
D Lehre zur Liebeswerbung
Der Sprecher erteilt dem Publikum Ratschläge zur Minnewerbung: Frauenliebe sei wertvoller als materieller Besitz; werbe höfisch, aufrichtig, geduldig, humorvoll, heimlich und beharrlich. Wer vorschnell aufgebe und sich käuflicher Minne zuwende, habe die Liebe nicht verstanden.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 363-365)