Zurechtweisung eines unmutigen Minners (B201)

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Zurechtweisung eines unmutigen Minners (B201)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung um 1480
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Gießen, Universitätsbibliothek: 1264, 5r-7v
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Zurechtweisung eines unmutigen Minners; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 257f.

Inhalt

A Einleitung (1–45)

Der Sprecher erwacht nach einem sorgenvollen Traum, fasst neuen Mut und betritt am Morgen einen idyllischen Garten. Dort begegnet er einer jungen Frau, die traurig und allein umhergeht. Auf seine Frage berichtet sie von ihrer Liebe zu einem aufrichtigen Mann und von einem heimlichen Treffen, über das der Text anschließend abbricht.

B Streitgespräch (46–147)

Der Text setzt wieder ein, als der Geliebte der Frau ihr eine Liebeslehre erteilt: Nur ein ehrlicher, anständiger Mann verdiene ihre Zuneigung. Die Frau widerspricht heftig und kritisiert das Verhalten vieler Männer. Sie klagt, Männer würden ständig über ihre Chancen bei Frauen reden, sich gegenseitig Namen von Geliebten verraten und sich damit wie Diebe verhalten. Viele hielten mehrere Beziehungen gleichzeitig für selbstverständlich und würden sogar die höchste Frau im Reich nur dann begehren, wenn sie damit prahlen könnten. Einige seien seit Jugend maßlos und sprächen täglich mehrere Frauen an, was ihren Ruf schade. Demgegenüber, so betont sie, solle eine Frau einen schweigsamen, untadeligen Mann höher schätzen als jeden Kaiser. Sie selbst hoffe, in ihrem Geliebten einen solchen Mann gefunden zu haben, und bereut, ihn so lange geprüft zu haben. Nun sei sie bereit, seine Überlegenheit anzuerkennen.

C Abschied (148–178)

Der Sprecher wünscht der Frau alles Gute und verspricht, ihren Rat — Männer erst zu prüfen, bevor man ihnen vertraut — an andere Frauen weiterzugeben. Er bittet um Verzeihung für seine kritischen Worte und dankt für die Belehrung. Die Frau verabschiedet sich mit einer versöhnlichen Formel und einem Handschlag. Abschließend fasst der Sprecher die Lehre noch einmal zusammen und verurteilt alle, die schlecht über Frauen sprechen.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 257)