Des Labers Lehren (B204)
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Des Labers Lehren (B204); Der von Laber Lehren | |
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| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Überlieferung ab 1454 |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 270, 96r-102v München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 379, 56v-63r Salzburg, Stiftsbibliothek St. Peter: b IV 3, 65v-70v |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob: Des Labers Lehren; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 261-263 |
Inhalt
A Prolog mit Klafferschelte (1–38)
Der Sprecher wendet sich an seine Zuhörer, klagt über Armut und unerfüllte Liebe und reflektiert über die Bedeutung von Verschwiegenheit. Er habe stets versucht, als guter Gefährte Freude zu verbreiten, während viele heutige Schwätzer durch Prahlerei und Verleumdung den Ruf der Damen beschädigten. Da sein Leben zu kurz sei, um dem mit Worten und Liedern entgegenzutreten, rät er resigniert zu größter Vorsicht und dazu, nur vertrauenswürdigen Menschen etwas anzuvertrauen. Man solle auf Glück hoffen, sich aber nicht darauf verlassen, da falsche Anschuldigungen ebenso vorkämen wie ungeahndetes Fehlverhalten.
B Erzählung von höfischem Wunschleben (39–116)
Der Sprecher unterbricht seine Lehre und berichtet von einem Ausritt mit jungen Männern, bei dem sie auf eine höfische Gesellschaft aus Damen, Mädchen und Hofgesinde treffen. Die Gruppe widmet sich vollkommenen höfischen Freuden wie Tanz, Gesang und Gesprächen über die Liebe, wobei eine Dame besonders überzeugend wirkt. Der Sprecher gesteht, er würde dieses Leben allem Reichtum vorziehen, wäre es nicht moralisch bedenklich. Er vergleicht die anhaltende Freude mit einem Ort namens Utental. Beim Abschied zeigt sich, dass manche Damen trotz aller Heiterkeit Liebeskummer tragen. Ein Begleiter, der den Kummer des Sprechers bemerkt, lädt ihn ein, mit ihm heimzureiten; der Sprecher glaubt in ihm Hadamar von Laber zu erkennen, der für seine belehrenden Gespräche bekannt ist.
C Kasuistisches Lehrgespräch (117–349)
Der Sprecher fragt Hadamar, ob man besser Liebe, Gemeinschaft oder Einsamkeit wählen solle. Hadamar zögert, antwortet dann aber aus Erfahrung: Ein junger Mann solle die Liebe suchen, sich darin bewähren und das Leid geduldig tragen; solange das Schiff nicht scheitere, sei alles gut. Auf die Frage, was beim Untergang geschehe, erklärt er, dass der Überlebende an Erfahrung gewinne. Der Sprecher entgegnet, man müsse dafür schwimmen können, und stellt eine weitere Frage: ob der Beständige oder der Unbeständige besser fahre. Hadamar betont, ihm fehle hier Erfahrung, gibt aber dennoch eine Lehre: Der Unbeständige habe zwar scheinbar mehr Erfolg, müsse aber viel Energie aufwenden, um nicht aufzufliegen, verletze viele Herzen und belüge alle; daher verflucht er ihn. Stattdessen empfiehlt er Treue, Verschwiegenheit und ehrenvolles Werben, Zurückhaltung im Geständnis und höfische, maßvolle Scherze. Zeige sich die Dame freundlich, sei dem Beständigen große Freude sicher. Auf die dritte Frage, warum der Unbeständige gelobt und der Beständige verspottet werde, bestätigt Hadamar diese Verkehrung der Werte, verurteilt sie jedoch als gedankenloses Gerede und preist erneut die Beständigkeit: Wer lange gehofft habe, sei für jeden kleinen Gunsterweis dankbarer als jener, dem Zuneigung zufalle, ohne dass er sie ersehnt habe. Der Sprecher dankt, versichert seinen Dienst und bittet Hadamar, ihn über künftige Hofgesellschaften zu informieren.
D Schlussfolgerung (350–360)
Der Sprecher zieht seine Lehre: Wenn er sich einer Dame verbinde, wolle er beständig bleiben und nicht der Untreue folgen. Andere mögen anders entscheiden, doch er hofft, dass alle Liebenden sich wie er der Ehre verpflichtet fühlen.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 261-263)