Werbung des Freundes (B230)
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Werbung des Freundes (B230) | |
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| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Überlieferung ab 1470-75 |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 313, 366r-375v Stuttgart, Landesbibliothek: Poet. et phil. 4° 69, 203r-213r, 213v-214v |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob: Werbung des Freundes; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 319-323 |
Inhalt
A Eingangsszene (1–11)
Ein Freund lädt den Sprecher zur Jagd ein. Während sie in den Wald reiten, bittet der Freund darum, ihm nicht zu zürnen, wenn er einige persönliche Fragen stelle.
B Gespräch (12–160)
Der Freund erklärt, der gute Ruf des Sprechers sei ihm vorausgeeilt: Man schätze ihn als tugendhaft, gerecht und wohlerzogen, redegewandt und musikalisch. Da er ihn jedoch für unglücklich halte, möchte er wissen, was seinen „Freudenbruch“ verursacht habe – vielleicht ein schlimmes Erlebnis oder die Zurückweisung durch eine Dame. Er bietet vertraulichen Rat an, denn zwei Menschen verstünden mehr als einer. Der Sprecher äußert Misstrauen gegenüber Schwätzern, doch der Freund versichert absolute Verschwiegenheit. Schließlich vertraut sich der Sprecher an: Er diene seit Langem einer Dame, könne ihr seine Liebe aber nicht offenbaren. Beim Anblick der Geliebten verstumme er völlig. Obwohl sie seine Neigung längst bemerkt haben müsse, zeige sie nichts. Statt zu sprechen, grüble er nur. Eine Jungfrau habe ihm einmal gesagt, viele Liebesgeschichten scheiterten daran, dass man nicht werbe. Der Freund meint, die Dame verdiene Gottes Strafe, wenn sie seine treue Liebe nicht erwidere, und versichert erneut seine Freundschaft. Der Sprecher preist die Schönheit der Dame, die Gott ihm zum Trost geschaffen habe, doch dieser Trost verwandle sich in brennenden Schmerz. Da er ihr sein Leid nicht anders mitteilen könne, habe er ihr einen Brief geschrieben.
C Brief an die Geliebte (161–198)
Der Sprecher bittet die Dame demütig, seine langjährige Dienerschaft zu beachten. Aus Liebe habe er bisher geschwiegen, doch wünsche er nichts sehnlicher, als dass sie von seiner Hingabe erfahre. Ihre Erinnerung erfreue sein Herz. Er bittet inständig um baldige Antwort und verspricht, jeden Dienst zu leisten, den sie ihm aufträgt. Nachdem der Brief vollständig wiedergegeben ist, fordert der Freund den Sprecher auf, ihm den weiteren Verlauf zu berichten. Der Sprecher sagt dies zu.
D Hirschjagd (199–265)
Im Wald beobachten sie einen Jäger, dessen Hunde einen Hirsch verfolgen. Einer der Hunde jagt besonders eifrig. Als das Tier am Bach die Spur verliert, greifen der Sprecher und sein Freund ein. Der Sprecher schießt den Hirsch, obwohl er damit dem Jäger in die Quere kommt. Der Jäger klagt laut über das Unrecht: Man habe ihm die erfolgreiche Jagd verdorben. Der Sprecher erklärt, er erhebe keinen Anspruch auf das Tier. Doch der Jäger fürchtet den Zorn seiner Dame und bittet die beiden, ihn zur Beschwichtigung an ihren Hof zu begleiten. Sie stimmen zu.
E Hof (266–417)
Am Hof werden sie freundlich empfangen. Die Damen wirken tugendhaft und höfisch gebildet. Eine Dame bittet die Männer, näherzutreten und sich vorzustellen. Der Freund gesteht, dass sie gekommen seien, um eine Strafe zu empfangen, da der Sprecher das Wild des Jägers erlegt habe. Die Dame mildert den Vorwurf: Da sie nichts verschuldet hätten, sollten sie sich nicht sorgen. Die Damen wollten sie vielmehr entschädigen. Die Männer werden gebeten, sich zu setzen und mitzusingen. Während der Sprecher singt, verliert er sein Leid. Der Freund setzt sich zu einer Dame und erkennt sie an ihren tugendhaften Gebärden. Er verrät ihr, dass der Sprecher sie liebe und an der ständigen Entsagung fast zugrunde gehe. Er übergibt ihr den Brief und bürgt für die Treue des Sprechers. Die Damen trinken Wein und erfreuen sich an der Gesellschaft. Der Freund führt den Sprecher schließlich zu der Geliebten, die ihm die Hand reicht und das Gespräch beginnt.
F Werbungsgespräch mit der Dame, unterstützt vom Freund (418–552)
Die Dame fragt, wie er es wagen könne, sich solches Leid aufzubürden, und fürchtet, der Brief sei nur kunstvolle Rhetorik. Der Freund bittet um Gnade für den „guten Stummen“ und erklärt, dessen Herz sei ganz auf sie ausgerichtet. Die Dame gibt zu, dass ihr sein Wille längst bekannt sei, doch wisse sie nicht, ob er frei von Falschheit sei. Manche Männer zeigten Tugend nach außen, während ihr Herz Schlechtes denke; einen solchen würde sie selbst dann verachten, wenn er kaiserlichen Rang hätte. Sie verlangt, dass der Sprecher zwei Bürgen akzeptiere: den heiligen Georg für seine Treue und den heiligen Martin als Strafe, falls er schlecht von ihr rede. Wenn er sich tugendhaft verhalte, wolle sie ihn nicht nur als Diener annehmen, sondern ihm höchste Freude schenken. Breche er die Treue, werde Gott ihn strafen. Sie verspreche ihm ewige Liebe und Trost, sofern er die Bedingungen erfülle. Der Sprecher tritt vor sie, nennt sie seine höchste Herrin und hofft, durch die Annahme der Bürgen ihre Gunst zu gewinnen. Die Dame stellt einen Tugendkatalog auf: Er müsse Sittlichkeit wahren, tapfer und kühn sein und die Bürgen achten. Der Sprecher beteuert, kein Herr der Welt könne ihre Liebe erkaufen, und sie werde es nie bereuen, sich ihm anzuvertrauen.
G Minneerfüllung und Schluss (553–563)
Die Dame und der Sprecher beschließen ihre Liebe und umarmen sich. Der Freund erkennt, dass seine Hilfe nun nicht mehr nötig ist, besteigt sein Pferd und reitet heim.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 320-323)