Werbung im Stall (Hans Folz)

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Werbung im Stall; Werbung im Stall (B245)

AutorIn Hans Folz
Entstehungszeit
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum: Hs Merkel 2° 966, 78rv
Druck: Hans Folz, Nürnberg um 1480/81 [GW 10126 [1]] (Exemplar: Kolmar, Bibliothèque de la ville: V 12641 Nr. 8
Ausgaben Fischer, Hanns (Hg.): Hans Folz. Die Reimpaarsprüche, S. 112-118
Übersetzungen
Forschung Coxon, Sebastian: Laughter and Narrative in the Later Middle Ages, S. 59; Grubmüller, Klaus: Die Ordnung, der Witz und das Chaos, S. 240, 314f.; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 365-367; Ziegeler, Hans-Joachim: Erzählen im Spätmittelalter, S. 36 A. 18, 53, 55 A. 16, 72 A. 38, 73 A. 42, 500

Inhalt

A Prolog

Der Sprecher beginnt mit einer Tacete‑Formel und kündigt kurz den Inhalt an.

B Werbungsszene

Der Sprecher grüßt eine im Stall arbeitende Magd und versichert ihr seinen Dienst. Es folgt ein Schlagabtausch in zwanzig kurzen Dialogeinheiten, in denen die Magd seine höfischen Werbungsworte bewusst missversteht und spöttisch, oft derb, kommentiert. Sie bietet ihm eine Rüstung an, rät ihm, seine Pein auf dem Misthaufen zu erleichtern, will sein „brennendes Herz“ mit Spülwasser löschen und leugnet, ein Schwert zu besitzen. Seine Bitte um „Ruhe“ versteht sie als Schweigegelübde, sein Werben nennt sie affenhaft. Als er sie zur Mäßigung mahnt, verspottet sie sein Aussehen. Er verflucht sie innerlich. Als er ihr an die Brust greift, weist sie ihn empört zurück. Auf seine erneute Liebesbeteuerung fordert sie ihn auf, ein Kalb aus dem Stall zu stoßen; sein Zögern deutet sie als widersprüchlichen Dienstbegriff. Sein Angebot, sie selbst zu „stoßen“, beantwortet sie mit Klagen über ein Alpdrücken. Sein Hinweis auf einen „Zapfen“ führt zu weiterem Spott. Er verflucht sie erneut. Schließlich erklärt er ihre Worte für ungesagt und bittet um eine Umarmung. Als sie sich mit Schlägen wehrt und fliehen will, hält er sie fest; sie zerrt ihn an den Haaren, er wirft sie nieder, und beide fallen übereinander. Nach dem Geschlechtsakt verspottet sie seine „Leistung“ und schickt ihn unehrenvoll fort. Er beschließt, nie wieder um eine Bauernmagd zu werben.

C Epimythion

Der Sprecher deutet die Erzählung allegorisch: Die Magd stehe für eine listige Frau, die sich zunächst naiv und harmlos gebe, dann aber, wenn ihr der Werbende missfalle, zur spöttischen Meisterin werde, reich an Sprichwörtern und Spott. Es folgt die Autorsignatur.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 366)