Der Minne Klaffer (Ruschart) (B234)
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Der Minne Klaffer; Der Minne Klaffer (B234); Der klaffer; Liebesstreit; Ruscharts Werbung; Ruschart überredet eine Spröde; The sweet-talking lover | |
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| AutorIn | Ruschart (in w: Perchtolt Tetzl; in i: Perchtolt Veltzc) |
| Entstehungszeit | Erste Hälfte 14. Jhd. (vgl. Glier, Ingeborg: Ruschart, Sp. 426); Überlieferung ab 1393 |
| Entstehungsort | Niederalemannischer Sprachraum (vgl. Glier, Ingeborg: Ruschart, Sp. 426) |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Fassung I:
Fassung II:
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| Ausgaben | Ridder, Klaus/Ziegeler, Hans-Joachim (Hg.): Deutsche Versnovellistik des 13. bis 15. Jahrhunderts, Band 3, S. 335-359 Schmid, Ursula (Hg.): Cod. Vindobonensis 2885, S. 504-523 Von Laßberg, Joseph (Hg.): Lieder-Saal, S. 175-194 Wolf, Norbert Richard (Hg.): Sammlung kleinerer deutscher Gedichte, 72rb-76ra |
| Übersetzungen | Ridder, Klaus/Ziegeler, Hans-Joachim (Hg.): Deutsche Versnovellistik des 13. bis 15. Jahrhunderts, Band 5, S. 323-328 |
| Forschung | Brandis, Tilo: Mittelhochdeutsche, mittelniederdeutsche und mittelniederländische Minnereden, S. 87; Glier, Ingeborg: Artes amandi, S. 211f., 338, 402; Glier, Ingeborg: Ruschart; Janota, Johannes: Orientierung durch volkssprachige Schriftlichkeit, S. 324, 341; Klingner, Jacob: Ruschart; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 338-342; Rheinheimer, Melitta: Rheinische Minnereden, S. 50f.; Ziegeler, Hans-Joachim: Erzählen im Spätmittelalter, S. 36 A. 18, 72 A. 38, 73 A. 42, 498 |
Inhalt
A Prolog (1–12)
Der Sprecher kündigt an, zum Zeitvertreib von seinen Erfahrungen mit der Hohen Minne zu berichten, insbesondere davon, wie er seiner Geliebten seine Liebesnot geklagt habe.
B Gespräch (13–746)
Der Sprecher eröffnet mit einer eindringlichen Klage: Ohne ihre Gnade könne er nicht mehr froh werden und müsse sterben; Minnepfeil und Venus hätten ihn in Not gestürzt. Er habe lange nicht den Mut gehabt, ihr sein Leid zu gestehen, liebe sie aber trotz allem. Die Dame weist ihn scharf zurück: Sie könne ihm nicht helfen, er solle nichts Unziemliches verlangen, sie kenne ihn kaum und halte seine Klage für töricht; er möge zu einfältigen Frauen gehen und sie in Ruhe lassen. Der Sprecher bittet, nicht so rasch abgewiesen zu werden, und erfleht eine Fortsetzung des Gesprächs. Die Dame gewährt dies unter der Bedingung, dass er nichts Unangenehmes sage, wolle aber eigentlich keine Zeit auf Antworten verwenden. Der Sprecher erinnert sie an höfische Pflicht zur Rede und bittet um ein Wort, das sein Herz erfreue; Schweigen stehe einer schönen Frau schlecht an. Die Dame erkennt seine rhetorische List, akzeptiert höfische Rede, lehnt aber nutzlose und langweilige Worte ab. Der Sprecher schwört, nichts Schlechtes sagen zu wollen, bittet um Nachsicht und preist sie als Sonne seiner Augen; seine Freude hänge allein an ihrem Anblick. Die Dame glaubt ihm nicht und verweist auf die Falschheit vieler Männer. Der Sprecher beteuert erneut seine Aufrichtigkeit, stellt ihre Gnade über alles und wiederholt, dass nur sie ihn retten könne. Die Dame nennt ihn einen Dummkopf und verweist darauf, dass man Liebesleid sehe; er sehe jedoch gesund aus. Der Sprecher ignoriert dies und betont erneut, dass nur ihre Gnade ihn heilen könne. Die Dame fordert ihn auf zu sagen, wie sie ihn gesund machen könne. Der Sprecher ist überwältigt und nennt Kuss, Umarmung, Nähe und Liebe als Heilmittel, bittet um Nachsicht für diese Wünsche. Die Dame weist dies als unanständig zurück und verweigert jede Gewährung. Der Sprecher verzweifelt, bittet um Überdenken und verweist auf die Möglichkeit, dass nach Leid Freude komme; er bietet ihr treuen Dienst an, wenn sie ihm Trost schenke. Die Dame erteilt eine allgemeine Lehre: Man solle aufgeben, was unerreichbar sei; wer Zorn und Trauer nähre, schade sich doppelt. Der Sprecher klagt über diesen Rat, betont seine Ohnmacht gegenüber der Minne und fleht um rechtzeitige Hilfe. Die Dame zeigt sich milder, nennt ihn ihren Geliebten und gesteht Mitleid, könne aber dennoch nichts tun. Der Sprecher fühlt sich gestärkt, betont aber die Dringlichkeit seines Begehrens, preist ihre Schönheit und bittet erneut um Rettung. Die Dame fragt nochmals, was sie tun solle, und warnt vor Sünde; sie schilt Männer, die Frauen mit Schmeichelei betrügen. Der Sprecher betont, nicht für andere Männer zu büßen, und wiederholt seine Liebe und Beständigkeit. Die Dame zweifelt, ob ein Mann wirklich beständig sein könne, da viele nach Erfüllung weiterzögen. Der Sprecher erklärt, dass wahre Herzensliebe beständig und gegenseitig sei, preist das gemeinsame Beilager und bittet um einen Kuss. Die Dame weist seine Annäherung streng zurück: Man dürfe sich nicht vergessen, besonders Frauen hätten Schaden davon; sie wolle eher sterben als sündigen. Der Sprecher behauptet, sie kenne die Minne schlecht, da sie Freude bringe, und droht ihr mit allgemeinem Hass, wenn sie sich ihr verweigere. Die Dame stimmt der Macht der Minne zu, verweist aber auf die Gefahr durch Verwandte, die ihre Ehre bedrohen würden. Der Sprecher versichert, ein heimliches Treffen garantieren zu können. Die Dame zweifelt weiterhin an seiner Beständigkeit: Nur wenn er treu sei, wolle sie ihn erhören; sonst drohten ihr Schande und Reue. Der Sprecher beschwört seine Treue und erklärt, ganz ihr zu gehören. Die Dame gibt ihre Ablehnung auf, hält seine Treue nun für erwiesen, bekennt ihm ihre innige und beständige Liebe und will sich ihm vollständig hingeben. Sie mahnt zur Wachsamkeit und Heimlichkeit und schließt mit einer Liebesformel gegenseitiger Bindung.
C Epilog (747–750)
Ein Erzähler berichtet knapp vom folgenden Liebesglück des Paares, nennt den Titel der Rede und schließt mit dem Wunsch, Gott möge vor üblem Gerede bewahren.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 339-342)