Liebesgrüße (B82)

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Liebesgrüße (B82)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung erste Hälfte des 16. Jahrhunderts
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Brüssel, Königliche Bibliothek: Ms. II 144, 10r-10v (Kurzfassung); 43r-47r (Langfassung)
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Liebesgrüße; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 136-141

Inhalt

Die kurzen Reimpaar‑Grüße variieren stark, kreisen aber um klassische Motive höfischer Minne: Dienst, Treuebeteuerung, Tugendlob, Heimlichkeit, Gesprächswunsch und die Ablehnung käuflicher Liebe. Dazu treten typische Topoi wie Kaisertopos, Minnegefangenschaft, Wohnen im Herzen, Minnepfeil und Naturbilder (v. a. blühende Pflanzen). Einzelne Stücke spielen parodierend mit diesen Mustern. Religiöse Anklänge – marianische Grußformeln, Jesusminne, Paradiesvergleiche, Bibelzitate – rahmen die Sammlung, werden aber teils ironisch gebrochen (Ablass, „reine Jungfrau“ als Magd). Elemente der Brieftradition wie Brieffiktion, Gute‑Nacht‑Wünsche, Adynata und Neujahrsgrüße sind häufig. Neben überwiegend hoffnungsvollen Tönen stehen Warnungen an die Geliebte und zwei kurze Bekenntnisse enttäuschter Liebe.

1. Gruß an die Geliebte; Empfehlung an Gott, Maria und Johannes; Hoffnung auf gnädiges Sterben.
2. Gruß; sie sei Vorbild der Welt; Wunsch, ihr zu dienen und stets an sie zu denken.
3. Sie wertvoller als Gold; wie ein Diamant ins Herz geprägt.
4. Heimlicher Gruß; Wunsch nach vertrautem Gespräch, um Leid zu lindern.
5. Vergleich mit blühendem Weißdorn; Gott kenne beider Absichten.
6. Gartenbild; sie schwarz, er braun; Treuevergleich in humorvollem Ton.
7. Gruß an den „Morgenstern“; schöne Frauen dürfe man ansehen, nicht kaufen.
8. Wunsch, Jesuskind im Herzen zu tragen; als Neujahrsgruß an die Geliebte.
9. Gruß und „Brief des Herzens“; sie sei die Liebste nach Jesus und Maria.
10. Sie sei Herzparadies, Mandelzweig, Sonnenstrahl; völlige Hingabe.
11. Bitte, ihr Herz zu öffnen und sein Leid zu beachten; Botenauftrag.
12. 100.000‑facher Gute‑Nacht‑Gruß; Verwünschung der Lügner; Segen.
13. Selbst Goldberge und Weinflüsse wären ihm weniger wert als sie.
14. Wunsch, ein goldener Pfeil zu sein, der in ihr Herz sinkt.
15. Er sei einst geliebt, nun verhasst; Sentenz über unzuverlässige Freude.
16. Gruß; Frage, ob er ihr der Liebste sei; Treueversprechen.
17. Warnung vor Täuschung; er wolle treu bleiben; Liebe stehe „am Ende“.
18. Freude beim Anblick der Geliebten; Hoffnung, nicht dafür büßen zu müssen.
19. Erinnerung an seine Wahl; sie solle nun die richtige treffen.
20. Erkenntnis, dass ein anderer lieber sei; Sentenz über unsichere Wege.
21. Gruß; sie als Palmzweig und Paradies; scherzhafter Ablass für Küsse.
22. Gruß an das „Röslein“; Vorwurf der Täuschung; Bibelzitat über zwei Herren.
23. Weißdorn‑, Rosen‑ und Narzissenlob; ewiger Dienst; Warnung vor Klaffern; Neujahrsgruß.
24. Bote mit Brief; Klage über Liebe ohne Sprechen.
25. Gruß an die „fromme Magd“; derbe Morgenparodie.
26. Lob ihrer Tugend und Beständigkeit; Sehnsucht; Bitte um Antwort; Gute‑Nacht‑Gruß mit Adynaton.
27. Baum‑Metapher: ihre Liebe als süße Frucht; Wunsch nach dauernder Blüte.
28. Gruß; völlige Ausrichtung auf sie; Bitte um freundlichen Blick.
29. Sentenz über Gott, der alle Herzen kennt; Treueversprechen; Gute‑Nacht‑Gruß.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 136-141)