Klage an eine harte Frau (B98)
|
Klage an eine harte Frau (B98); Karlsruher Liebesbrief III | |
|---|---|
| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Überlieferung um 1433 |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Karlsruhe, Landesbibliothek: Cod. Donaueschingen 104, 5rb-6rb |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 144f.; Zapf, Volker: Konstanzer Liebesbriefe |
Die Minnerede ist Bestandteil der Briefsammlung Konstanzer Liebesbriefe (Briefsammlung).
Inhalt
A Klage über die Zurückweisung (1–58)
Der Sprecher beklagt vor der Dame den Verlust von Glück und Hoffnung, seit sie seinen Dienst abgewiesen hat. Damit, so meint er, widerlege sie die Lehre, die Minne sei barmherzig. Vom „Dorn des Leids“ gequält, fragt er, womit er dies verdient habe, und wäre bereit, Buße zu tun. Ihre Worte hätten ihn wie eine Schwertspitze verwundet. Wenn seine Treue der Anlass ihres Zorns gewesen sei, habe ihn die Minne betrogen, die ihm beim ersten Anblick Glück versprach und ihn zum hoffnungsvollen Briefschreiben verleitete. Ihrem Rat, die Hoffnung aufzugeben, wolle er folgen – doch im Herzen bleibe er ihr treu.
B Apostrophe an das „Aldê“ (58–65)
In einem bitteren „Adieu“ fragt er, wofür seine grundlose Zurückweisung eine Strafe sein solle.
C Erhörungsbitte (66–158)
Er wendet sich erneut an die Dame, versichert seine Standhaftigkeit und gute Wünsche für sie und wirft ihr – und in einer kurzen Apostrophe auch der Minne – vor, ihn töten zu wollen. Seine Bitte um Erhörung schwankt zwischen Vorwurf, Niedergeschlagenheit und Hoffnung. Er verneigt sich tief, beklagt, statt erhoffter milti nur unmilti erfahren zu haben, hofft aber, seine Beständigkeit möge ihm einen Gruß einbringen, der den „Minnerost“ seines Herzens löscht. Im Warten auf ihre Gnade fügt er sich in sein Leid. Wäre Sterben an Kummer möglich, hätte sie ihn bereits verurteilt; darum klagt er mit Worten des Psalters. Dennoch wolle er bis zum Ende hoffen und ihr im Stillen dienen. Ohne ihren Trost müsse er den Liebestod sterben. Er bittet erneut um Gnade, denn die Liebe mache ihn krank. Schließlich erinnert er die Dame an ihre Verantwortung für ihren „Leibeigenen“ und bittet sie, ihn vor den Stricken der Minne zu schützen. Der Text endet mit einem Segenswunsch und der Bitte um Gottes Hilfe.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 144f.)