Die versuchte Treue (B194)

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Die versuchte Treue (B194)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung um 1464
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Berlin, Staatsbibliothek: Mgf. 488, 149v-156v
Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 358, 85v-94v
Leipzig, Universitätsbibliothek: Ms. Apel 8, 141v-148v
München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 270, 30v-37r
Prag, Knihovna Národniho muzea: Cod. X A 12, 122r-127v
Stuttgart, Landesbibliothek: Cod. poet. et phil. 4° 69, 288r-294v
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Die versuchte Treue; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 238-241

Inhalt

A Spaziergangseinleitung (1–29)

Der traurige Sprecher wandert an einem Bach entlang bis zu einer Quelle. Im Wasser erkennt er neben den Wolken das Spiegelbild einer Frau. Er sucht den Ursprung der Spiegelung und entdeckt eine schöne Dame, die unablässig lacht.

B Treueprobe (30–211)

Der Sprecher fragt nach dem Grund ihrer Freude. Es entwickelt sich ein langes Streitgespräch, in dem er jede ihrer Begründungen anzweifelt. Die Dame erklärt, all ihr Leid sei verflogen; sie sei so voller Freude, dass sie sie teilen müsse. Der Sprecher wundert sich, da sie allein sei. Sie entgegnet, ein vorbildlicher Ritter liebe sie treu und ehrenhaft. Der Sprecher warnt vor männlicher Unzuverlässigkeit, doch die Dame verteidigt ihren Geliebten als aufrichtig und beständig. Sie betont, er liebe nur sie, denke stets an sie und widme ihr seine Taten. Der Sprecher hält dagegen, Männer seien wankelmütig und würden sie täuschen. Die Dame weist dies empört zurück, nennt ihn einen Störenfried und erklärt, ihr Geliebter „verzaubere“ sie täglich durch seine Ritterlichkeit. Der Sprecher versucht weiter, Zweifel zu säen: Der Ritter könne in der Fremde andere Frauen treffen. Die Dame bleibt unerschütterlich. Selbst wenn ihr Geliebter überall Bewunderung finde, freue sie das nur. Seine Vorbildlichkeit sei so groß, dass sie ihn unter allen Umständen lieben müsse. Sie bekräftigt ihre Treue: Der Ritter sei in ihrem Herzen eingeschlossen, Treue und Beständigkeit seien dessen Grundpfeiler. Sie wolle ihm niemals untreu werden.

C Gespräch über die Treue (212–371)

Der Sprecher gibt sich geschlagen: Die Dame sei die standhafteste Frau, die er kenne. Er wolle ihre Beständigkeit als Beispiel für alle Männer verbreiten. Die Dame preist erneut ihren Geliebten und die gegenseitige Treue, die sie verbindet. Sie würden einander über alles stellen. Der Sprecher enthüllt nun, dass seine Einwände eine Treueprobe waren. Er lobt ihre außergewöhnliche Beständigkeit und erklärt den Ritter für glücklich, eine solche Frau zu lieben. Die Dame bestätigt, dass sie ihren Geliebten mit Recht preise. Der Sprecher stilisiert die Begegnung zum Exempel: Er habe wieder Hoffnung auf wahre Treue gewonnen und wolle diese Botschaft weitertragen. Die Dame mahnt, man solle dem Geliebten vertrauen, nicht den Feinden der Liebe. Der Sprecher erklärt seine Skepsis mit eigenen schlechten Erfahrungen. Die Dame hält dagegen: Wahre Bindung sei klar zu erkennen; sie und ihr Geliebter seien in vollkommener Einmütigkeit verbunden. Der Sprecher preist erneut ihr Glück. Die Dame lacht und fordert ihn auf, aus ihrem Beispiel zu lernen und seiner eigenen Geliebten zu vertrauen. Er nimmt den Rat an, entschuldigt seine Probe und verabschiedet sich ehrerbietig. Die Dame entlässt ihn mit dem Auftrag, die Nachricht weiterzugeben.

D Lehre (372–392)

Auf dem Heimritt zieht der Sprecher eine Lehre: Er wolle der Beständigkeit der Dame nacheifern. Wer die Geliebte wechsle, verliere Freunde; wer Treue säe, ernte Treue. Er schließt mit der Sentenz, dass gut lebt, wer den Zweifel hinter sich lässt.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 240f.)