Vom Mai (B198)
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Vom Mai (B198) | |
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| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Überlieferung ab 1459 |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Berlin, Staatsbibliothek: Mgq 1107, 111v-118v Trier, Stadtbibliothek: 1120/128a 4°, 12r-15r |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob: Vom Mai; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 246-248 |
Inhalt
A Lob des Mais (1–49)
Der Sprecher preist den Mai als unvergleichliche Jahreszeit, die den Winterkummer durch Blüte, Vogelgesang und allgemeine Freude ersetzt. Er bringe auch den Menschen neue Lebenslust, besonders bei gemeinschaftlichen Vergnügungen wie der Brunnenfahrt, die den Liebenden wie ein irdisches Paradies erscheine. In einer Apostrophe dankt der Sprecher dem Mai für diese weltweite Freude.
B Spaziergangseinleitung und Begegnung (50–120)
Der Sprecher erzählt von einem Ausritt aus Muße und eigenem Antrieb, unterbricht sich kurz für einen Prolog und setzt dann fort: Durch einen blühenden, von Vogelgesang erfüllten Wald gelangt er auf eine Wiese und folgt einem Bach bis zu dessen Quelle. Dort begegnet er einem kleinen Hund, der ihn zu einer blau gekleideten Dame unter einem Baum führt. Als er sich ihr nähern will, bellt der Hund, die Dame bemerkt ihn und grüßt; er erwidert den Gruß ehrerbietig.
C Gespräch (121–243)
Auf seine Frage, warum sie allein in der Wildnis sitze, möchte die Dame erst wissen, wie er selbst hierher gelangt sei. Sie lädt ihn zum Sitzen ein, was ihn sichtlich erfreut. Er berichtet von seinem gedankenverlorenen Ritt, den er als „Verreiten“ deutet; sie korrigiert ihn und spricht von göttlicher Fügung. Sie verspricht, ihm den Grund ihres Aufenthalts zu erklären. Der Sprecher bietet Hilfe gegen vermeintliches Unglück an, doch die Dame verneint: Der Baum an der Quelle sei ihre größte Freude, denn er blühe in ihrem Herzen. Sie gesteht lachend, dass dies seltsam wirken müsse, und kündigt eine Erklärung an.
D Binnenerzählung von der Brunnenfahrt (244–311)
Die Dame berichtet von einer längst vergangenen Brunnenfahrt im Mai, an der viele Ritter und edle Frauen teilnahmen. Sie schildert ausführlich die höfischen Spiele, Tänze und Vergnügungen und betont, dass deren Fülle kaum aufzählbar sei. Viele Paare fanden dort Trost für lange Trennungszeiten. Sie selbst ging allein zur Quelle und traf dort einen jungen Mann unter dem frisch belaubten Baum. Nach höfischem Gruß forderte sie ihn auf, sich den Festfreuden anzuschließen; er erklärte jedoch, Nachdenklichkeit habe ihn hierher geführt. Ihre Erzählung endet mit einem feierlichen „Amen“.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 247f.)