Gespräch mit einem alten Liebhaber (B205)
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Gespräch mit einem alten Liebhaber (B205) | |
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| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Überlieferung ab 1470/71 |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Prag, Knihovna Národniho muzea: Cod. X A 12, 141v-148r |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klinger, Jacob: Gespräch mit einem alten Liebhaber; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 264f. |
Inhalt
A Jagdeinleitung (1–66)
Der Sprecher geht zur Jagd, um sich von seiner Liebessehnsucht abzulenken. Sein Sperber kehrt nach einem erfolgreichen Schlag jedoch nicht zurück. Er schickt seine Knechte aus und sucht schließlich selbst im Wald. Aus Ärger will er den Vogel erschießen, hört jedoch statt der Glocke fremde Stimmen. Als er erkennt, wie aussichtslos seine Suche ist, packt ihn Angst. Das unheimliche Geschrei nähert sich und entpuppt sich als die Stimme eines grauhaarigen Mannes.
B Erstes Gespräch (67–267)
Der Alte fragt, warum der Sprecher in diesen Wald komme, in dem er selbst seit elf Jahren einsam lebe. Vor dreißig Jahren sei er von seiner Herrin ausgesandt worden, um „Beständigkeit“ zu suchen. Auf Nachfrage erklärt er, dass „Frau Minne“ ihn geschickt habe, damit er zu ihren Dienerinnen Liebe und Treue auch die Beständigkeit finde. Er wolle diese Suche bis zu seinem Tod fortsetzen und den Sprecher lobend erwähnen, falls dieser Hinweise geben könne. Der Sprecher erkundigt sich nach dem Wert und Wesen der Gesuchten, hält die Beständigkeit aber irrtümlich für eine reale Dame und fragt daher nach äußeren Merkmalen, was komisch wirkt. Der Alte reagiert irritiert und beschreibt statt äußerer Eigenschaften die Wirkungen der Beständigkeit: Sie stiftet Treue, Zusammenhalt und Geduld, bewahrt die Liebe in Abwesenheit und stärkt ritterliche Haltung in allen Ständen. Ohne sie würden selbst Könige und Ritter früh erlahmen. Anschließend schildert er die Beständigkeit als Personifikation mit wenigen körperlichen, dafür aber deutlichen symbolischen Merkmalen wie einem blauen Kleid und einer Saphirbrosche, deren Anblick Leid vertreibt. Er bekräftigt seine Entschlossenheit zur Suche und bricht das Gespräch aus Zeitgründen ab.
C Aufbruch und zweites Gespräch (268–326)
Der Alte geht fort, und der Sprecher bereut, keinen Rat erbeten zu haben. Er eilt ihm nach und fragt, wie er mit ausbleibendem Trost im Frauendienst umgehen solle. Auf die Frage, ob er seine Liebe bereits gestanden habe, schweigt er. Der Alte reagiert halb spöttisch, halb verärgert und schlägt vor, einen Liebesbrief zu verfassen, den er selbst formulieren werde. Zur Kontrolle wolle er ihn dem Sprecher vorlegen, doch dieser bittet darum, dass der Alte ihn vorlese.
D Brief (327–378)
Der gereimte Brief enthält die üblichen Elemente höfischer Minne: Bekenntnisse des Dienstes, die Erhöhung der Adressatin über alles und die Bitte um Erhörung.
E Abschied (379–398)
Der Sprecher bittet den Alten, als sein Bote zu dienen, da beide so ihrem Ziel näherkämen: Mit einer günstigen Antwort würde der Alte bei ihm die gesuchte Beständigkeit finden. Der Alte nimmt den Auftrag an, und der Sprecher hofft auf Erfolg. Der Text endet abrupt.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 264f.)