Standhaftigkeit in der Liebesqual (B208)
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Standhaftigkeit in der Liebesqual (B208) | |
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| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Überlieferung um 1464-1467 |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Nelahozeves, Fürstlich Lobkowitzische Bibliothek: R VI Fc 26, S. 409-453 |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob: Standhaftigkeit in der Liebesqual; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 269-273 |
Inhalt
A Prolog (Str. 1–9)
Der Sprecher preist die allmächtige Minne, deren Macht alle Geschöpfe umfasst und Freude und Leid untrennbar verbindet. Sehnsucht schwächt das Herz des Liebenden so sehr, dass er sich wundert, nicht zu zerbrechen. Obwohl Sehnsucht eine Krankheit sei, schenke die Minne zugleich Hoffnung. Er beschreibt sein brennendes Verlangen nach der Geliebten, das ihn wie im Feuer Agremontin verzehrt, und klagt schließlich in einer Audite-Formel über seine Qual und seine Ratlosigkeit.
B Spaziergangseinleitung und belauschte Minneklage (Str. 10–60)
Der Sprecher sucht an einem Maitag den Wald auf, in der Hoffnung, der Vogelgesang lindere sein Leid. Doch selbst der Locus amoenus vertreibt seine Trauer nicht. Er klagt laut über die Trennung von seiner Herrin und steigert sich in eine Reihe übersteigerter Bilder, die seine Sehnsucht ins Maßlose treiben: kein Löwe könne sein Leid übertönen, kein Trost sei möglich außer durch die Geliebte, deren Schönheit und Tugend er überschwänglich rühmt. Ein Blick von ihr könne unzählige Wunden heilen. Seine Qual führt ihn bis zum Identitätsverlust, sodass er nicht mehr weiß, ob er Tier oder Mensch sei.
C Streitgespräch mit der vermummten Frau Treue (Str. 61–109)
Der Sprecher bemerkt eine verhüllte Gestalt, die seine Klage belauscht hat. Sie bietet Hilfe an und verlangt einen Eid, bevor sie Rat erteilt. Als sie ihm Untreue empfiehlt und rät, die Liebe zu verteilen, weist er dies empört zurück. Sie verspottet ihn und verweist auf weltliche Freuden, doch er bleibt standhaft und bekräftigt seine Treue. Die Gestalt behauptet, die meisten Menschen folgten ihrem Rat, doch der Sprecher lehnt die „Unminne“ ab und hält an seiner Haltung fest. Schließlich gesteht sie, ihn geprüft zu haben.
D Enthüllung und Lehrgespräch (Str. 110–175)
Die Gestalt enthüllt sich als Frau Treue, deren Schönheit den Sprecher überwältigt. Sie erklärt, sie habe seine Standhaftigkeit testen wollen. Nun lobt sie seine Beständigkeit und verspricht Hilfe. Der Sprecher bittet sie, als Botin bei seiner Geliebten zu wirken und seine Sehnsucht zu übermitteln. Im Gespräch erkennt er das Wesen der Liebe als Einheit von Treue, Liebe und Minne. Er fragt nach Frau Ehre und reflektiert über die Bedeutung tugendhafter Belehrung. Frau Treue ermahnt ihn, ihrem Orden treu zu bleiben, bestätigt die Identität von Minne und Treue und verschwindet schließlich.
E Schluss (Str. 176–183)
Der Sprecher macht sich auf den Heimweg, weiterhin von Schmerz erfüllt, und bittet treue Herzen um Rat. Er wolle die Treulosen um der tugendhaften Frauen willen bessern. Abschließend erbittet er den Segen, seine Dame bald wiederzusehen, betont die Unsagbarkeit seines Leids und bekennt sich erneut zu seiner ewigen Liebe.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 269-273)