Der Spiegel (Meister Altswert) (B223)

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Der Spiegel (B223)

AutorIn Meister Altswert
Entstehungszeit Überlieferung vor 1410
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 313, 216v-222v
Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 355, 106v-114r
Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 358, 67r-73r
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jakob: Meister Altswert; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 302-304

Inhalt

A Preis der Minne (1–24)

Der Sprecher richtet sich in wiederholten Anrufungen direkt an die Minne und preist ihre Fülle an Gaben: Sie schenke Freude, Trost und Kraft wie eine wunderbare Frucht. Da alles von ihrer Macht abhänge, wünsche er sich, ihr Gefährte zu sein. Die Minne bewege ihn heftig, entzünde und lösche ihn, hebe und schlage in seinem Inneren.

B Liebe und Freude (25–48)

Er bekennt, dass die Liebe sein Herz vollständig entfacht und ihm eine lange entbehrte Freude zurückgegeben habe. Wenn seine Hochstimmung anhalte, könne er ohne Leid leben. Seine Freude wachse unaufhörlich; das Wort selbst kehrt in dichter Folge wieder.

C Preis der Dame (49–88)

Der Sprecher lobt die Zucht, Scham und Maßhaltung seiner Dame. Ihre Würde und ihr Lob seien unvergleichlich. Sie erscheine ihm wie ein Gefäß voller Freude, aus dem Tugend und Glück in ihn hineinströmten. In einer kurzen Baumallegorie beschreibt er ihre Liebe als Baum, der in ihm wurzele und ihn mit seinen Zweigen umfange. Jedes ihrer Gebote wolle er erfüllen; sie trage das Zeichen vollkommener Maßhaltung.

D Traum: Geschenk des Kaufmanns (89–158)

Im Traum begegnet er auf einem Jahrmarkt einem Kaufmann, der ihm wegen seiner Tugendhaftigkeit einen kostbaren Spiegel schenkt. Dieser Spiegel offenbare stets die Wahrheit: Er lasse sich weder von äußerem Schein täuschen noch könne sich Bosheit vor ihm verbergen. Tugendhafte Menschen erschienen darin wie mit Blumen geschmückt, schlechte hingegen blass und beschmutzt. Der Kaufmann erläutert die Wirkung des Spiegels anhand eines Gleichnisses und betont, dass er ohne jede Prüfung alles sichtbar mache. Der Sprecher nimmt das Geschenk dankbar an.

E Traum: Begegnung mit der Dame (159–257)

Eine außergewöhnlich schöne Dame belauscht das Gespräch. Ihre Erscheinung wird in einer ausführlichen Kopf-bis-Fuß-Beschreibung geschildert. Sie trägt ein engelhaftes Gewand und bittet darum, in den Spiegel sehen zu dürfen, um zu erkennen, wie es um sie und den Sprecher bestellt sei. Nachdem sie lange hineingeschaut hat, betrachtet auch er sie im Spiegel und erkennt ihre vollkommene Tugendhaftigkeit, die er erneut mit einer Baumallegorie preist. Aus ihrem Blick schließt er, dass sie den Spiegel besitzen möchte, und bietet ihr diesen sowie sein gesamtes Vermögen an, wenn sie ihm ihre Gunst schenke. Als er gesteht, wie sehr ihn ein tröstliches Wort von ihr beglücken würde, läutet es zur Messe, und er erwacht.

F Anrufung der Dame (258–344)

Der Sprecher kann die Dame aus dem Traum nicht vergessen und richtet eine innige, fast gebetsartige Anrufung an sie. Licht- und Feuermetaphorik bestimmen seine Bitte, sie möge ihn erleuchten und das in ihm glimmende Feuer neu entfachen. Er beschreibt acht Hunde, die sein inneres Feuer bewachen – Sinnbilder für Tugenden wie Bedacht, Liebe, Treue und Beständigkeit. Doch nach einem neunten Hund namens Trost sehne er sich besonders, da nur dieser ihn von Kummer befreien könne. Er bittet Gott, den erfrorenen Zweig seines Glücks wieder zum Blühen zu bringen und ist bereit, alles für diesen Trost hinzugeben.

G Abschließender Preis der Dame (345–366)

Der Sprecher greift die anaphorischen Anrufungen des Anfangs wieder auf und verleiht der Dame nun alle Attribute vollkommener Tugend: hohe Herkunft, Edelmut, Würde, Aufrichtigkeit, Zucht, Liebe, Schönheit und Ehre. Er bittet um Frieden und Versöhnung und bekräftigt seine völlige Hingabe, da er sein Leben in ihre Hände gelegt habe. Die Rede endet mit der Titelnennung Der Spiegel und einem Amen.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 302-304)