Der Minnenden Zwist und Versöhnung (B233)

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Der Minnenden Zwist und Versöhnung (B233)

AutorIn
Entstehungszeit 14. Jhd.
Entstehungsort Allemannisch
AuftraggeberIn
Überlieferung Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 326, 61r-64r
München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 179, 81v-84v
Ausgaben Dorobantu, Julia/Klingner, Jacob/Lieb, Ludger (Hg.): Minnereden, S. 259-268
Übersetzungen
Forschung Klinger, Jacob: Der Minnenden Zwist und Versöhnung; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 335-337

Inhalt

A Rede des Mannes

Der Sprecher preist seine Dame, bittet um Lohn für seinen langen Dienst und legt ihr imaginierte Worte der Gewährung in den Mund. Er beteuert, dass er sie mehr liebe als jede Königin, dass ihn nichts außer dem Tod von ihr trennen könne und dass weder Aufpasser noch andere Frauen seine Treue gefährden. Angesichts ihrer Tugend wäre es töricht, wenn er durch eigene Unbeständigkeit die gemeinsame Liebe aufs Spiel setzte; ihre Zweifel bereiteten ihm tiefen Kummer.

B Antwort der Frau

Die Sprecherin gesteht ihr starkes Liebesverlangen, beklagt jedoch, dass er sie zu sehr meide und dadurch ihren Zweifel nähre, obwohl er sie heimlich treffen könnte. Sie nennt ihn ihre einzige Freude und erwartet, dass er sich um sie bemüht. Sollte sie für ihre Liebe büßen müssen, wolle sie sich bei Frau Minne beklagen. In seiner Gegenwart empfinde sie höchste Freude und keine Sorgen.

C Rechtfertigung des Mannes

Der Sprecher preist die Dame erneut und kündigt an, ihren Zweifel zu zerstreuen. Er betont, dass auch er Schaden nähme, wenn er sie vernachlässigte, da er seinen Minnelohn verlöre. Er bestätigt, dass ihn die Trennung ebenso schmerze, und versichert, ständig an sie zu denken. Ein heimliches Treffen könne er jedoch nicht arrangieren, da er fürchte, dass die Aufpasser sie bestrafen würden.

D Zweifel der Dame

Die Sprecherin hält ihm vor, den Kontakt zu sehr zu meiden, vielleicht aus mangelndem Willen. Sie kritisiert seinen Dienst, da er ihr seine Nähe verweigere, obwohl er wisse, dass sie leide. Es gebe keine unüberwindlichen Hindernisse zwischen ihnen, und bei angemessenem Verhalten könne niemand ihre Zärtlichkeiten verhindern. Auch das Gerede der Aufpasser würde sie nicht stören, wenn er nur regelmäßig zu ihr käme.

E Vorbehalte des Mannes

Der Sprecher greift ihren Ruf nach Maß auf, erklärt jedoch, dass er in ihrer Nähe jede Klugheit verliere und sie durch unbedachtes Verhalten gefährden könnte. Er bekräftigt dies mit einem Schwur: Sollte er lügen, möge ihn die Minne von aller Gewährung ausschließen.

F Insistieren der Frau

Die Sprecherin erklärt, sie würde seinen Fernbleibe‑Grund akzeptieren, wenn er tatsächlich in Sorge um sie handelte und nicht aus Unbeständigkeit. Sie fordert ihn auf, Taten zu setzen, die ihren Zweifel beseitigen, und nimmt in Kauf, dass er sich dabei versündigen könnte. Erst Beweise seiner Beständigkeit würden ihr mehr gelten als jedes Gerede.

G Eidangebot und Eidleistung

Der Sprecher bittet um mildere Worte und nimmt ihre Forderung an: Er wolle seine Treue durch das heiße Eisen und durch starke Eide beweisen. Die Sprecherin akzeptiert und spricht ihm eine Eidesformel vor, die bei Treuebruch Minnebrand und ewige Ablehnung androht. Der Sprecher bestätigt den Eid und erklärt, dass nur sie ihm je Hochstimmung schenken solle.

H Schluss

Die Sprecherin erklärt, ihn damit freigesprochen zu haben, und wolle künftig an ihn gebunden sein, bis er ihr seine Huld gewähre, was sie das ganze Jahr erfreuen würde. Der Sprecher bekräftigt abschließend, ganz ihr zu gehören, in ihrer Hand und in ihrem Willen zu stehen.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 336f.)