Der Minne Klaffer (B243)

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Der Minne Klaffer; Der Minne Klaffer (B243); Der Minnen Klaffer; The sweet-talking lover

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung 1430-35
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Karlsruhe, Badische Landesbibliothek: Karlsruhe 408, 7ra-9rb [1]
Ausgaben Ridder, Klaus/Ziegeler, Hans-Joachim (Hg.): Deutsche Versnovellistik des 13. bis 15. Jahrhunderts, Band 4, S. 308-317
Übersetzungen Ridder, Klaus/Ziegeler, Hans-Joachim (Hg.): Deutsche Versnovellistik des 13. bis 15. Jahrhunderts, Band 5, S. 495-497
Forschung Klingner, Jacob: Der Minnen Klaffer; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 359-362; Ziegeler, Hans-Joachim: Erzählen im Spätmittelalter, S. 36 A. 18, 72 A. 38, 73 A. 41. 42, 498

Inhalt

A Schönheitsbeschreibung

Der Sprecher bittet um Ruhe und kündigt an, das Bild einer schönen Dame zu entwerfen. Es folgt eine teils verderbte Beschreibung nach dem A‑capite‑ad‑calcem‑Schema: Stirn, Hände mit kurzen Nägeln, Ellbogen, Hals, Brüste, Hüfte, Beine und Füße. Die Partie zwischen Bauch und Beinen bleibt unbenannt.

B Begegnung mit der Dame

Unvermittelt setzt eine Erzählung ein: In einer sommerlichen Landschaft wird der Sprecher durch die Rufe einer Dame geweckt. Ihre Schönheit übertrifft alles, sie trägt eine Krone. Er reitet zu ihr, um sie näher zu betrachten. Ein Exempel der Nachtigall führt zu zwei Lehren: Frauen verlören alle Freude, wenn sie einen Mann wählten, der nicht lieben könne; und wer einen wohlerzogenen, wenn auch nicht reichen Mann nehme, stehe besser da als jene, die gar keinen erhielten. Der Sprecher möchte sie küssen und beginnt ein Gespräch mit Liebes- und Treueversicherungen. Sie weist ihn ab, worauf er auf seine Reisen in ihrem Dienst verweist.

C Venus‑Brief

Nach einer Aufforderung zum Schweigen kündigt er an, das Gespräch mitzuteilen. Er rekapituliert die Begegnung und liest der Dame einen Brief vor, der als Liebesbeteuerung und Bitte um Antwort gestaltet ist und formal an einen Venus‑Brief anschließt.

D Streitgespräch

Es folgt ein Streitgespräch in zwei Teilen. Zunächst eine schnelle Wechselrede, in der der Sprecher metaphorisch seine Liebe beklagt und die Dame seine Worte absichtlich wörtlich missversteht: Sie könne ihn nicht heilen, er solle ins Kloster gehen, er könne seine Fesseln selbst lösen. Im zweiten Teil sprechen beide in längeren Redepassagen. Die Dame antwortet mit Adynata und sprichwörtlichen Wendungen, oft mit biblischem Klang, und erklärt, er werde eher Unmögliches vollbringen, als bei ihr Erfolg haben. Er vergleicht seine vergeblichen Bemühungen mit einem Bauern, der trotz großer Mühe nichts erntet. Sie entgegnet, er wolle auf fremdem Acker pflügen, da sie ihre Liebe einem anderen gönne. Es folgen weitere Sprichwörter über misslingende Vorhaben. Er antwortet mit Bildern reifender Früchte und fordert, sie solle ihn jetzt gewähren lassen. Schließlich erklärt er, er nehme keine Rücksicht mehr auf ihre Abneigung und seine Geduld sei am Ende.

E Vergewaltigung

Ein Erzähler übernimmt und berichtet knapp, der Jüngling habe die Dame mit Worten überwältigt, jedoch ohne ihre Zustimmung. Die folgende Szene im Garten wird als „Hintern stoßender Kampf“ umschrieben.

F Schluss

Die Minnerede endet mit einer Autornennung als mynnen klaffer und einem Schreiberzusatz, der den Verfasser als jemand bezeichnet, der den schönen Frauen treu geblieben sei.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 360-362)