Fluch über die ungetreuen Frauen (B290)

Aus Brevitas Wiki
Version vom 6. Februar 2026, 22:22 Uhr von Silvan Wagner (Diskussion | Beiträge)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Fluch über die ungetreuen Frauen (B290)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung um 1425
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Karlsruhe, Landesbibliothek: Hs. Donaueschingen 104, 56vb-57vb
München Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 714, 86v-91r
Ausgaben Dorobantu, Julia/Klingner, Jacob/Lieb, Ludger (Hg.): Minnereden, S. 126-135
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Fluch über die ungetreuen Frauen; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 450f.

Inhalt

A Beschreibung einer erfüllten treuen Liebe

Der Text beginnt mit einer allgemeinen Darstellung idealer Minne: Durch den Zwang der Natur und den Druck der Minne wendet sich jede ehrbare Frau irgendwann der Liebe zu. Der frei schweifende Gedanke des Mannes muss „landen“ und seine Minne dort verankern, wo er die Liebe einer passenden Frau gewinnen kann. Der Mann sucht nichts als die Freude, die auch sie sucht, verbessert sich selbst, um sie zu ehren, und bleibt ihr treu, indem er körperliche Erfüllung nur bei ihr sucht. Ein Textdefekt erschwert den Übergang zum nächsten Teil.

B Katalog von Verwünschungen

Nun tritt der Sprecher erstmals als „Ich“ hervor und kontrastiert den treuen Liebenden mit Beziehungen, die durch die Untreue der Frau zerstört werden. Solche untreuen Frauen verwünscht er in einer langen Reihe drastischer Bilder: Ehrenhafte Männer sollen sich von ihnen abwenden; Dichtern, die sie loben, solle die Kunst misslingen; ihre Burgen sollen verfallen; niemand solle für sie musizieren; ihre Kränze sollen welken, ihre Spiegel ihnen Hässlichkeit zeigen; Brunnen sollen vor ihnen versiegen, Linden ihre Blätter verlieren, Vögel ihnen nicht singen. Ihre Ohren sollen „zuwachsen“, ihre Wagenachsen brechen, ihr Besitz an Wert verlieren, ihre Gärten verdorren, ihr Schoßhündchen sie beißen und ihre Edelsteine ihre Kraft verlieren.

C Gebet zu Frau Minne

Der Sprecher betont die schädlichen Folgen weiblicher Unbeständigkeit für Männer und für die Minne selbst. Er wendet sich direkt und später gebetsartig an die „gerechte Minne“ und bittet sie, den Unbeständigen den falschen Glanz der Augen zu nehmen, ihre Röte zu bleichen, damit Männer sich nicht so leicht täuschen lassen, und sie statt heimlich zu plaudern laut reden zu lassen. Kurz fällt er wieder in den Ton der Verwünschungen zurück.

D Schluss

Der Sprecher erklärt, er könnte aus Hass weiterfluchen, wolle aber um der Maß willen abbrechen. Er hofft, keine Frau ungerecht verletzt zu haben; falls doch, wolle er dafür büßen. Abschließend richtet er eine Apostrophe an Beningna, deren Tugend ihn erfreut, von der er „süße Buße“ erhofft und auf deren Hände er bis zu seinem Lebensende warten will.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 450f.)