Der blinde Hausfreund

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Der blinde Hausfreund; Der Hausfreund im Bade

AutorIn Anon.
Entstehungszeit
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Dresden, Sächsische Landesbibliothek: Mscr.Dresd.M.67, 181r-186r [1]
Ausgaben Niewöhner, Heinrich (Hg.): Neues Gesamtabenteuer, S. 223-228
Ridder, Klaus/Ziegeler, Hans-Joachim (Hg.): Deutsche Versnovellistik des 13. bis 15. Jahrhunderts
Übersetzungen Ridder, Klaus/Ziegeler, Hans-Joachim (Hg.): Deutsche Versnovellistik des 13. bis 15. Jahrhunderts
Spiewok, Wolfgang (Hg.): Altdeutsches Decamerone, S. 729-735
Forschung Fischer, Hanns: Studien zur deutschen Märendichtung, S. 67; Grubmüller, Klaus: Die Ordnung, der Witz und das Chaos, S. 217, 219f.; Londner, Monika: Eheauffassung und Darstellung der Frau in der spätmittelalterlichen Märendichtung, S. 207f.; Mihm, Arend: Überlieferung und Verbreitung der Märendichtung im Spätmittelalter, S. 106; Reichlin, Susanne: Ökonomien des Begehrens, Ökonomien des Erzählens, S. 133f., 157f., 203; Schirmer, Karl-Heinz: Stil- und Motivuntersuchungen zur mittelhochdeutschen Versnovelle, S. 35ff., 52, 75f., 92, 229; Strasser, Ingrid: Vornovellistisches Erzählen, S. 142f., 170, A.975

Inhalt

Narratio

Ein Blinder, der wegen seiner künstlerischen Fähigkeiten bei einem geachteten und freigebigen Bürger als Gast gerne gesehen ist, verliebt sich in dessen Gattin und wirbt um ihre Minne. Da sie ihn von seinem Begehren nicht abbringen kann, klagt sie schließlich ihre Not dem Gatten. Um dem Blinden eine Lehre zu erteilen, heißt er seine Frau scheinbar auf dessen Wünsche eingehen, und sie verspricht ihrem Verehrer, als er wieder einmal im Hause ist, ihre Gunst. Der Blinde wird zu seinem Gastbett geführt, das vor dem Schlafgemach des Hausherrn bereitet ist. Nachdem er seinen Führer fortgeschickt hat, sucht er sich tastend den Weg in die Kemenate, ohne zu ahnen, dass ihn die Eheleute in dem hellerleuchteten Raum beobachten. Um zum Bette seiner Geliebten zu finden, geht er dem Schnarchen des Mannes nach. Doch dieser beginnt nun zu sprechen und sich über Übelkeit zu beklagen, so dass sich der Blinde niederkauern und in dieser unbequemen Stellung regungslos verharren muss, obwohl ihn die Kälte schüttelt. Dann begießt ihn der Hausherr, unter dem Vorwand, sein Wasser abschlagen zu wollen, mit einer Gießkanne. Als der Blinde sich etwas bewegt, ruft der Ehemann laut, es seien Diebe im Haus, man solle ihm ein Licht bringen. Dann packt er den Fliehenden und richtet ihn mit seinen herbeigeeilten Knechten erbärmlich zu. Schließlich lässt er den Elenden vor die Tür in den Straßenkot werfen, wo ihn am nächsten Tag sein Führer findet.

Epimythion

Wie dem Blinden soll es allen Treulosen gehen.

(Fischer, Hanns: Studien zur deutschen Märendichtung, S. 471)