Die goldene Fessel (B260): Unterschied zwischen den Versionen
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
||
| Zeile 11: | Zeile 11: | ||
}} | }} | ||
==Inhalt== | |||
===A Exposition=== | |||
Der Sprecher kündigt stolz an, erzählen zu wollen, wie ihn das Schicksal eines Tages von aller Not und Ungewissheit befreit habe. | |||
===B Begegnung in der Kammer=== | |||
Er geht zur Geliebten, findet ihr Haus jedoch voller Gäste, die er als grobe, frauenfeindliche Minnegegner bezeichnet. Er muss allein in einer Kammer warten, bis die Geliebte kurz erscheint, ihn umarmt und die Gäste verflucht. Um keinen Verdacht zu erregen, kehrt sie zu ihnen zurück; einige bleiben im Haus. Auf ihre Frage, ob er weiter warten wolle, schlägt er einen Spaziergang im Garten vor. | |||
===C Begegnung im Garten und Anlegen der goldenen Fessel=== | |||
Er schleicht sich heimlich in einen schönen Garten und wartet dort, bis er vor Sehnsucht wie tot am Boden liegt. Die Geliebte kommt, tröstet ihn, und Umarmungen und Küsse entschädigen ihn für sein Leid. Er betont, ihre Ehre nie gefährden zu wollen. Dann spricht sie über die Liebe und schenkt ihm eine goldene Kette mit goldenem Verschluss, die sie ihm trotz seines Widerstands an den linken Arm legt. Auf seine Frage erklärt sie die Bedeutung: Das reine Gold stehe für ausschließliche Liebe, der Verschluss für ihre Macht über sein Herz. Er bringt mehrere Einwände vor: Sie behandle ihn wie ein wildes Pferd, das man fesseln müsse; wie einen Falken, dem man Schellen und Fesseln anlegt; wie einen Jagdhund, den man mit einem beschwerten Halsband lenkt. Doch betont er zugleich, dass ihn ihre Treue längst gebunden habe und dass ihr roter Mund und ihre beständige Liebe sein höchster Lohn seien. | |||
===D Abschied=== | |||
Er will gehen, obwohl sie es für zu früh hält, um keinen Verdacht zu erregen. Auf seine Frage, wie lange er die Kette tragen solle, verweist sie auf Liebe und Treue als Maßstab. Er berichtet, dass er sie seither dauerhaft und freudig trägt, und schließt mit einem Segenswunsch für die Geliebte. | |||
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 396-398) | |||
[[Kategorie:Quelle Minnerede]] | [[Kategorie:Quelle Minnerede]] | ||
Aktuelle Version vom 5. Februar 2026, 20:36 Uhr
|
Die goldene Fessel (B260) | |
|---|---|
| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Überlieferung ab 1470/71 |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Berlin, Staatsbibliothek: Mgf 488, 131v-134v Leipzig, Universitätsbibliothek: Ms. Apel 8, 261v-264v London, British Library: Add. 24946, 96v-98v Prag, Knihovna Národniho muzea: Cod. X A 12, 108r-110v |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob: Die goldene Fessel; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 396-398 |
Inhalt
A Exposition
Der Sprecher kündigt stolz an, erzählen zu wollen, wie ihn das Schicksal eines Tages von aller Not und Ungewissheit befreit habe.
B Begegnung in der Kammer
Er geht zur Geliebten, findet ihr Haus jedoch voller Gäste, die er als grobe, frauenfeindliche Minnegegner bezeichnet. Er muss allein in einer Kammer warten, bis die Geliebte kurz erscheint, ihn umarmt und die Gäste verflucht. Um keinen Verdacht zu erregen, kehrt sie zu ihnen zurück; einige bleiben im Haus. Auf ihre Frage, ob er weiter warten wolle, schlägt er einen Spaziergang im Garten vor.
C Begegnung im Garten und Anlegen der goldenen Fessel
Er schleicht sich heimlich in einen schönen Garten und wartet dort, bis er vor Sehnsucht wie tot am Boden liegt. Die Geliebte kommt, tröstet ihn, und Umarmungen und Küsse entschädigen ihn für sein Leid. Er betont, ihre Ehre nie gefährden zu wollen. Dann spricht sie über die Liebe und schenkt ihm eine goldene Kette mit goldenem Verschluss, die sie ihm trotz seines Widerstands an den linken Arm legt. Auf seine Frage erklärt sie die Bedeutung: Das reine Gold stehe für ausschließliche Liebe, der Verschluss für ihre Macht über sein Herz. Er bringt mehrere Einwände vor: Sie behandle ihn wie ein wildes Pferd, das man fesseln müsse; wie einen Falken, dem man Schellen und Fesseln anlegt; wie einen Jagdhund, den man mit einem beschwerten Halsband lenkt. Doch betont er zugleich, dass ihn ihre Treue längst gebunden habe und dass ihr roter Mund und ihre beständige Liebe sein höchster Lohn seien.
D Abschied
Er will gehen, obwohl sie es für zu früh hält, um keinen Verdacht zu erregen. Auf seine Frage, wie lange er die Kette tragen solle, verweist sie auf Liebe und Treue als Maßstab. Er berichtet, dass er sie seither dauerhaft und freudig trägt, und schließt mit einem Segenswunsch für die Geliebte.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 396-398)