Wahre Freundschaft und Liebe (B304): Unterschied zwischen den Versionen

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==Inhalt==
=== A Exordialsentenz und Explikation (1–28) ===
Der Sprecher beruft sich auf eine mündliche Quelle und formuliert eine Grundsentenz: Wie jeder süße Baum saure Wurzeln habe, so bringe auch die Minne Leid, wenn ein Freund fehle oder sich abwende. Das Bedürfnis nach einem Freund sei existenziell und lasse sich durch nichts unterdrücken.
=== B Erster Zwischentext (29–36) ===
Vier kurze Sentenzen kreisen um das Thema Beständigkeit. Sie sind durch Wiederholungen miteinander verknüpft und betonen Ausdauer, Verlässlichkeit und Beharrlichkeit.
=== C Drei Minnesprüche (37–42; 43–48; 49–53) ===
Unter Berufung auf eine schriftliche Quelle verbindet der Sprecher das Motiv der Beständigkeit mit rechter, zarter Minne und Standhaftigkeit.
Der Freund wird als „zweites Ich“ verstanden – ein alter ego im Sinne vollkommener Nähe.
Leitgedanke: Die Minne überwindet alles.
=== D Causae amoris (54–89) ===
Der Sprecher prüft mögliche Ursachen der Liebe: materiellen Nutzen, Schönheit und Adel. Entsprechend der Tradition der amicitia lehnt er alle drei als unzureichend ab und gibt allein den Tugenden den Vorrang. Schönheit, sonst oft zentral, wird ausdrücklich relativiert, gestützt durch die Berufung auf einen weisen Lehrer. Liebe solle nicht nur auf den Tugenden der Geliebten beruhen; man müsse Freunde auch ermahnen, diese Tugenden selbst zu leben.
=== E Zweiter Zwischentext (90–102) ===
Die Tugendlehre weitet sich zur Zeitklage: In anaphorischen Ausrufen beklagt der Sprecher die Verkehrung aller Werte. In weiteren anaphorischen Sätzen beschreibt er die Welt als verdorben und unsicher, die gesamte Schöpfung als aus dem Gleichgewicht geraten.
=== F Preis der Treue (103–116) ===
In direkter Anrede wendet sich der Sprecher an die Personifikationen von Untreue und Treue. Der Untreue wirft er vor, die Herrschaft an sich gerissen zu haben; der Treue bestätigt er ihre unverzichtbare Rolle in der Liebe – bis zum Tod. Die Schlussverse greifen damit das Thema der Beständigkeit aus dem ersten Zwischentext erneut auf.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 475f.)


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Aktuelle Version vom 10. Februar 2026, 21:17 Uhr

Wahre Freundschaft und Liebe (B304)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Mitte bis drittes Viertel 14. Jhd.
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Berlin, Staatsbibliothek: Mgq 284
Ausgaben Dorobantu, Julia/Klingner, Jacob/Lieb, Ludger (Hg.): Minnereden, S. 143-147
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Wahre Freundschaft und Liebe; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 475f.

Inhalt

A Exordialsentenz und Explikation (1–28)

Der Sprecher beruft sich auf eine mündliche Quelle und formuliert eine Grundsentenz: Wie jeder süße Baum saure Wurzeln habe, so bringe auch die Minne Leid, wenn ein Freund fehle oder sich abwende. Das Bedürfnis nach einem Freund sei existenziell und lasse sich durch nichts unterdrücken.

B Erster Zwischentext (29–36)

Vier kurze Sentenzen kreisen um das Thema Beständigkeit. Sie sind durch Wiederholungen miteinander verknüpft und betonen Ausdauer, Verlässlichkeit und Beharrlichkeit.

C Drei Minnesprüche (37–42; 43–48; 49–53)

Unter Berufung auf eine schriftliche Quelle verbindet der Sprecher das Motiv der Beständigkeit mit rechter, zarter Minne und Standhaftigkeit.

Der Freund wird als „zweites Ich“ verstanden – ein alter ego im Sinne vollkommener Nähe.

Leitgedanke: Die Minne überwindet alles.

D Causae amoris (54–89)

Der Sprecher prüft mögliche Ursachen der Liebe: materiellen Nutzen, Schönheit und Adel. Entsprechend der Tradition der amicitia lehnt er alle drei als unzureichend ab und gibt allein den Tugenden den Vorrang. Schönheit, sonst oft zentral, wird ausdrücklich relativiert, gestützt durch die Berufung auf einen weisen Lehrer. Liebe solle nicht nur auf den Tugenden der Geliebten beruhen; man müsse Freunde auch ermahnen, diese Tugenden selbst zu leben.

E Zweiter Zwischentext (90–102)

Die Tugendlehre weitet sich zur Zeitklage: In anaphorischen Ausrufen beklagt der Sprecher die Verkehrung aller Werte. In weiteren anaphorischen Sätzen beschreibt er die Welt als verdorben und unsicher, die gesamte Schöpfung als aus dem Gleichgewicht geraten.

F Preis der Treue (103–116)

In direkter Anrede wendet sich der Sprecher an die Personifikationen von Untreue und Treue. Der Untreue wirft er vor, die Herrschaft an sich gerissen zu haben; der Treue bestätigt er ihre unverzichtbare Rolle in der Liebe – bis zum Tod. Die Schlussverse greifen damit das Thema der Beständigkeit aus dem ersten Zwischentext erneut auf.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 475f.)