Beständigkeit und Wankelmut (B332): Unterschied zwischen den Versionen

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==Inhalt==
=== A Selbstverteidigung von Frau Minne (1–111) ===
Frau Minne tritt selbst als Ich‑Sprecherin auf und präsentiert sich als machtvolle, gelehrte, fast gottähnliche Instanz. Sie kenne alle Tugenden, habe den Kosmos durchmessen und erzeuge die Liebe in den Herzen. Ihr Ort sei die Beständigkeit; die Unbeständigkeit sei ihre Gegenspielerin.
Sie verteidigt sich gegen den Vorwurf, für die Wankelmütigkeit von Männern und Frauen verantwortlich zu sein. Im Gegenteil: Sie habe viele junge Menschen zur beständigen Minne erzogen. Wer sie dennoch beschuldige, dem entziehe sie ihr Wohlwollen.
Sie nennt sich „Meisterin der rechten Taten“ und warnt vor der „Unminne“, der Meisterin der unrechten Taten. Diese verderbe die Schafe der Minne, belohne faule Schuldner und verführe Toren, deren Herz außen Gold und innen Kupfer sei. Wer die Minne schwäche, gleiche einem Falken, der der Lockspeise entfliegt.
Falsche Minne sei ihr zuwider; wahre Minne zeige sie nur jenen, die treu und ohne Falschheit seien.
=== B Eigenschaften von Unstete und Stete (112–202) ===
Nach einer Apostrophe und einem Walther‑Zitat folgt eine lange Aufzählung der zerstörerischen Kräfte der Unbeständigkeit: Sie habe Luzifer aus dem Himmel gestürzt, führe zur Abkehr von Treue, Ehre und Gottes Geboten, verderbe den Verstand und mache selbst gute Herkunft wertlos.
Ab Vers 141 preist Frau Minne die Beständigkeit in ebenso übersteigerter Weise: Sie sei voller Tugend, erwerbe Gottes Huld, habe sogar die Inkarnation und Passion Christi ermöglicht, durch die die Unbeständigkeit besiegt worden sei.
Die Unbeständigkeit habe die Schlange veranlasst, Eva zu verführen; die Beständigkeit dagegen schmücke Jung und Alt und erklinge in den Chören der Engel. Am Ende fasst sie zusammen: Beständigkeit sei der Ursprung aller Tugenden, Unbeständigkeit die Höhle aller Bosheit.
=== C Aufforderung zur Entscheidung (203–232) ===
Frau Minne fordert verschiedene gesellschaftliche Gruppen – Fürsten, Grafen, Ritter, Jünglinge, Mädchen und Frauen – auf, sich zu entscheiden, ob sie zu ihr stehen wollen.
Sie betont erneut: Unbeständigkeit sei die Fessel der Schande, Beständigkeit das Kleid der Ehre.
Die Rede endet mit einer misogynen Wendung: Sie müsse die Männer warnen, dass Frauen offen und heimlich unbeständig seien – weil sie gegenüber unschuldigen Liebhabern eine wankelmütige Gesinnung hätten.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 505f.)


[[Kategorie:Quelle Minnerede]]
[[Kategorie:Quelle Minnerede]]

Aktuelle Version vom 10. Februar 2026, 22:13 Uhr

Beständigkeit und Wankelmut (B332)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung um 1433
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 313, 328r-332r
Karlsruhe, Landesbibliothek: Hs. Donaueschingen 104, 141rb-142va
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Beständigkeit und Wankelmut; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 505-507

Inhalt

A Selbstverteidigung von Frau Minne (1–111)

Frau Minne tritt selbst als Ich‑Sprecherin auf und präsentiert sich als machtvolle, gelehrte, fast gottähnliche Instanz. Sie kenne alle Tugenden, habe den Kosmos durchmessen und erzeuge die Liebe in den Herzen. Ihr Ort sei die Beständigkeit; die Unbeständigkeit sei ihre Gegenspielerin. Sie verteidigt sich gegen den Vorwurf, für die Wankelmütigkeit von Männern und Frauen verantwortlich zu sein. Im Gegenteil: Sie habe viele junge Menschen zur beständigen Minne erzogen. Wer sie dennoch beschuldige, dem entziehe sie ihr Wohlwollen. Sie nennt sich „Meisterin der rechten Taten“ und warnt vor der „Unminne“, der Meisterin der unrechten Taten. Diese verderbe die Schafe der Minne, belohne faule Schuldner und verführe Toren, deren Herz außen Gold und innen Kupfer sei. Wer die Minne schwäche, gleiche einem Falken, der der Lockspeise entfliegt. Falsche Minne sei ihr zuwider; wahre Minne zeige sie nur jenen, die treu und ohne Falschheit seien.

B Eigenschaften von Unstete und Stete (112–202)

Nach einer Apostrophe und einem Walther‑Zitat folgt eine lange Aufzählung der zerstörerischen Kräfte der Unbeständigkeit: Sie habe Luzifer aus dem Himmel gestürzt, führe zur Abkehr von Treue, Ehre und Gottes Geboten, verderbe den Verstand und mache selbst gute Herkunft wertlos. Ab Vers 141 preist Frau Minne die Beständigkeit in ebenso übersteigerter Weise: Sie sei voller Tugend, erwerbe Gottes Huld, habe sogar die Inkarnation und Passion Christi ermöglicht, durch die die Unbeständigkeit besiegt worden sei. Die Unbeständigkeit habe die Schlange veranlasst, Eva zu verführen; die Beständigkeit dagegen schmücke Jung und Alt und erklinge in den Chören der Engel. Am Ende fasst sie zusammen: Beständigkeit sei der Ursprung aller Tugenden, Unbeständigkeit die Höhle aller Bosheit.

C Aufforderung zur Entscheidung (203–232)

Frau Minne fordert verschiedene gesellschaftliche Gruppen – Fürsten, Grafen, Ritter, Jünglinge, Mädchen und Frauen – auf, sich zu entscheiden, ob sie zu ihr stehen wollen. Sie betont erneut: Unbeständigkeit sei die Fessel der Schande, Beständigkeit das Kleid der Ehre. Die Rede endet mit einer misogynen Wendung: Sie müsse die Männer warnen, dass Frauen offen und heimlich unbeständig seien – weil sie gegenüber unschuldigen Liebhabern eine wankelmütige Gesinnung hätten.


(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 505f.)