Rechte Liebe (Kaltenbach) (B338): Unterschied zwischen den Versionen
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==Inhalt== | |||
=== A Prolog (1–8) === | |||
Der Sprecher beschreibt ein poetologisches Modell: Sein Herz bewege seine Sinne, und diese zwängen ihn dazu, „manch fremdes Gedicht“ zu machen. Sorgen und Grübeln treiben ihn frühmorgens aus dem Bett und zu seltsamen Gedanken und Handlungen. | |||
=== B Spaziergangseinleitung (9–24) === | |||
Er geht am Morgen spazieren. Es ist Winter, und die übliche Frühlingsmotivik ist ins Gegenteil verkehrt: keine Blumen, kahle Bäume, verstummte Vögel. Da ihn nichts erfreut, kehrt er heim – zu einer Damengesellschaft, die er kennt. | |||
=== C Minnelehre des Sprechers (25–175) === | |||
Die Damen begrüßen ihn freudig und fragen nach Abenteuern. Eine Dame stellt schließlich die zentrale Frage: „Was ist Liebe?“ | |||
Der Sprecher antwortet ausführlich und preist die Liebe und die Frauen, die in beständiger Liebe leben. Er entfaltet eine große Lehre über die rechte Minne: Sie sei treu, gegenseitig, erfüllend, freudvoll, jung erhaltend, unermüdlich und mächtig. In einer anaphorischen Reihe definiert er die „gerechte Liebe“ als beständig, tugendhaft, freudvoll und körperlich erfüllend. | |||
Dann kontrastiert er sie mit der „falschen Liebe“, ebenfalls in anaphorischen Reihen: Sie sei heuchlerisch, treulos, ehrlos, freudlos und trage das Kleid der Schande. | |||
Er warnt, dass nicht jeder lieben könne, und rät zu kluger Partnerwahl. Er beklagt das Leid unerwiderter Liebe und beschreibt die idealen Liebenden: Sie stehlen einander die Blicke wie Diebe, überhören Verleumdungen, „verblümen“ sie mit höflichen Worten und schützen so ihre Liebe. | |||
Die fragende Dame erklärt, er habe bereits eine umfassende Definition gegeben, und dankt ihm im Namen der ganzen Gesellschaft. Der Sprecher geht zufrieden fort. | |||
=== D Epilog (176–184) === | |||
Der Sprecher wendet den Liebesbegriff ins Geistliche: Er habe der Liebe eine „hohe Krone“ gegeben und wolle sie ewig preisen, da Gott aus Liebe Mensch geworden und gestorben sei. Er bittet die göttliche Liebe um Schutz vor falscher Liebe und schließt mit seiner Autorsignatur. | |||
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 518f.) | |||
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Aktuelle Version vom 10. Februar 2026, 22:33 Uhr
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Rechte Liebe (B338) | |
|---|---|
| AutorIn | Kaltenbach |
| Entstehungszeit | Überlieferung 1470/71 |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Prag, Knihovna Národniho muzea: Cod. X A 12, 220r-222v |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob: Kaltenbach; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 518f. |
Inhalt
A Prolog (1–8)
Der Sprecher beschreibt ein poetologisches Modell: Sein Herz bewege seine Sinne, und diese zwängen ihn dazu, „manch fremdes Gedicht“ zu machen. Sorgen und Grübeln treiben ihn frühmorgens aus dem Bett und zu seltsamen Gedanken und Handlungen.
B Spaziergangseinleitung (9–24)
Er geht am Morgen spazieren. Es ist Winter, und die übliche Frühlingsmotivik ist ins Gegenteil verkehrt: keine Blumen, kahle Bäume, verstummte Vögel. Da ihn nichts erfreut, kehrt er heim – zu einer Damengesellschaft, die er kennt.
C Minnelehre des Sprechers (25–175)
Die Damen begrüßen ihn freudig und fragen nach Abenteuern. Eine Dame stellt schließlich die zentrale Frage: „Was ist Liebe?“ Der Sprecher antwortet ausführlich und preist die Liebe und die Frauen, die in beständiger Liebe leben. Er entfaltet eine große Lehre über die rechte Minne: Sie sei treu, gegenseitig, erfüllend, freudvoll, jung erhaltend, unermüdlich und mächtig. In einer anaphorischen Reihe definiert er die „gerechte Liebe“ als beständig, tugendhaft, freudvoll und körperlich erfüllend. Dann kontrastiert er sie mit der „falschen Liebe“, ebenfalls in anaphorischen Reihen: Sie sei heuchlerisch, treulos, ehrlos, freudlos und trage das Kleid der Schande. Er warnt, dass nicht jeder lieben könne, und rät zu kluger Partnerwahl. Er beklagt das Leid unerwiderter Liebe und beschreibt die idealen Liebenden: Sie stehlen einander die Blicke wie Diebe, überhören Verleumdungen, „verblümen“ sie mit höflichen Worten und schützen so ihre Liebe. Die fragende Dame erklärt, er habe bereits eine umfassende Definition gegeben, und dankt ihm im Namen der ganzen Gesellschaft. Der Sprecher geht zufrieden fort.
D Epilog (176–184)
Der Sprecher wendet den Liebesbegriff ins Geistliche: Er habe der Liebe eine „hohe Krone“ gegeben und wolle sie ewig preisen, da Gott aus Liebe Mensch geworden und gestorben sei. Er bittet die göttliche Liebe um Schutz vor falscher Liebe und schließt mit seiner Autorsignatur.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 518f.)