Zweierlei Minne (Hans Folz) (B406): Unterschied zwischen den Versionen

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==Inhalt==
=== A Rahmenerzählung (1–12) ===


Der Sprecher geht durch die Stadt und bleibt stehen, als er zwei Frauen sprechen hört. Neugierig und unbemerkt lauscht er ihrem Gespräch.


[[Kategorie:Quelle Lehrrede]]
=== B Belauschtes Gespräch (13–266) ===
 
Die freche Frau fordert die stille dazu auf, über ihre Haltung zur Liebe zu sprechen. Die Stille betont Verschwiegenheit und Treue als Grundvoraussetzungen. Die Freche verspottet das als Idealismus und entwickelt eine eigene, rein nutzenorientierte Liebeslehre: Nur wohlhabende Männer seien der Mühe wert, und Liebe gebe es für sie nur gegen materielle Gegenleistung. Die Stille verurteilt dieses Verhalten als käuflich und erinnert an die Grenzen, die Alter und körperlicher Verfall setzen. Die Freche hält dagegen, dass eine feste Bindung riskant sei, da man leicht an einen geizigen Mann geraten könne.
Die Stille verflucht sie und beharrt auf Ehre und Treue, doch die Freche verteidigt ihr Prinzip als realistisch und verweist sogar auf Geistliche, die ihrer Ansicht nach ebenfalls aus finanziellen Gründen handelten. Die Stille warnt erneut vor dem Verfall der Schönheit, worauf die Freche erklärt, im Alter als Kupplerin arbeiten zu wollen – ein Gewerbe, das sie aus eigener Erfahrung kenne. Die Stille droht ihr mit göttlicher Strafe. Die Freche verweist auf reiche Frauen, die sich junge Liebhaber halten, und behauptet, Männer müssten ausgenutzt werden. Die Stille geht schließlich schweigend davon.
 
=== C Epimythion (267–285) ===
 
Der Sprecher schließt mit der Sentenz, aus verdorbener Haut werde kein guter Pelz. Junge Männer warnt er vor solchen betrügerischen Frauen, die man an Gang, Kleidung, Schuhen und Schminke erkenne. Auch Mädchen sollten sich fernhalten. Am Ende nennt er seinen Namen.
 
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 659f.)
 
[[Kategorie:Quelle Minnerede]]

Aktuelle Version vom 15. Februar 2026, 14:00 Uhr

Zweierlei Minne (B406)

AutorIn Hans Folz
Entstehungszeit Überlieferung ab 1483-1488
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Druck Nürnberg: Hans Folz, um 1485/86 (Exemplar Berlin, Staatsbibliothek: Inc. 1860)
Druck >Nürnberg: Hans Struchs, um 1520 (Exemplar: Tübingen, Universitätsbibliothek: Yg 5216 Rara)
Druck Nürnberg: Jost Gutknecht, 1521 (Exemplar: Wien, Nationalbibliothek: 22.815-A)
Ausgaben Fischer, Hanns (Hg.): Hans Folz. Die Reimpaarsprüche, S. 271-279
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 659f.

Inhalt

A Rahmenerzählung (1–12)

Der Sprecher geht durch die Stadt und bleibt stehen, als er zwei Frauen sprechen hört. Neugierig und unbemerkt lauscht er ihrem Gespräch.

B Belauschtes Gespräch (13–266)

Die freche Frau fordert die stille dazu auf, über ihre Haltung zur Liebe zu sprechen. Die Stille betont Verschwiegenheit und Treue als Grundvoraussetzungen. Die Freche verspottet das als Idealismus und entwickelt eine eigene, rein nutzenorientierte Liebeslehre: Nur wohlhabende Männer seien der Mühe wert, und Liebe gebe es für sie nur gegen materielle Gegenleistung. Die Stille verurteilt dieses Verhalten als käuflich und erinnert an die Grenzen, die Alter und körperlicher Verfall setzen. Die Freche hält dagegen, dass eine feste Bindung riskant sei, da man leicht an einen geizigen Mann geraten könne. Die Stille verflucht sie und beharrt auf Ehre und Treue, doch die Freche verteidigt ihr Prinzip als realistisch und verweist sogar auf Geistliche, die ihrer Ansicht nach ebenfalls aus finanziellen Gründen handelten. Die Stille warnt erneut vor dem Verfall der Schönheit, worauf die Freche erklärt, im Alter als Kupplerin arbeiten zu wollen – ein Gewerbe, das sie aus eigener Erfahrung kenne. Die Stille droht ihr mit göttlicher Strafe. Die Freche verweist auf reiche Frauen, die sich junge Liebhaber halten, und behauptet, Männer müssten ausgenutzt werden. Die Stille geht schließlich schweigend davon.

C Epimythion (267–285)

Der Sprecher schließt mit der Sentenz, aus verdorbener Haut werde kein guter Pelz. Junge Männer warnt er vor solchen betrügerischen Frauen, die man an Gang, Kleidung, Schuhen und Schminke erkenne. Auch Mädchen sollten sich fernhalten. Am Ende nennt er seinen Namen.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 659f.)