Frau Minne weiß Rat (B422): Unterschied zwischen den Versionen
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===A Spaziergangseinleitung (1–54)=== | |||
Der Sprecher sucht am Morgen nach lust und abenteuer und gelangt in einen idealisierten Naturraum mit Tal, Wasserfall, Quelle, Vogelgesang und Blumen, in dem er den Mai in voller Pracht erkennt. Doch die Freuden der Liebe erscheinen ihm größer, weshalb er nach Menschen Ausschau hält. Sein Weg führt ihn durch einen herrlichen Baumgarten und einen Rosenhag bis vor eine Burg mit hohen Mauern. | |||
===B Begegnung mit Frau Minne und Lehrgespräch (55–420)=== | |||
Eine in Rot gekleidete Dame tritt ihm entgegen und fragt nach seinem Anliegen. Er erkennt sie als Frau Minne, preist sie und stellt seine Frage: Wie könne es zu ungleicher Liebe kommen, die den Mann quält und die Frau verschont? Frau Minne erklärt, dies könne an übermäßiger Liebe des Mannes, an mangelnder Gegenliebe der Frau oder an einer unstatthaften Verbindung liegen. Beharrliches Werben müsse jedoch das Herz der Dame erweichen; verweigerte Gegenliebe sei Unrecht. Auf die Frage, wie man sich bei unerwidertem Dienst verhalten solle, antwortet sie, dass Zurückhaltung der Frau normal sei und sich wahre Liebe irgendwann zeige. Der Sprecher möchte wissen, wie er erkennen könne, ob die Dame seinen Dienst je belohnen werde. Frau Minne gibt konkrete Ratschläge: Er solle bald seine Liebe gestehen und seinen Dienst anbieten; dann werde er Zeichen der Zuneigung erhalten, sofern die Dame ihm gewogen sei. Sie nennt typische Anzeichen wie Erröten, Verstummen oder ein erschrecktes Herz und empfiehlt zwei Proben: die Bitte um einen Kranz und eine vorsichtige Umarmung. Lasse die Dame dies zu, sei das ein gutes Zeichen; lehne sie ab, solle er anderswo sein Glück versuchen. Weibliche Zurückhaltung sei tugendhaft und diene der Prüfung des Werbers. Der Sprecher erkennt dies an, warnt aber vor übermäßigem Zögern, das beiden schade und unwiederbringliche Gelegenheiten zerstöre. Frau Minne stimmt zu, beendet ihre Belehrung und bietet ihre Hilfe an. Daraufhin gesteht der Sprecher seine seit einem Jahr geheime Liebe, die er aus Schüchternheit nie offenbart habe. Frau Minne tadelt ihn und fordert ihn auf, Mut zu fassen. Sie verspricht, die Dame zu beeinflussen, damit sein Dienst belohnt werde. Der Sprecher freut sich, doch Frau Minne mahnt zur Geduld und bestellt ihn in acht Tagen wieder zur Burg Hoffenheil. Er verabschiedet sich dankbar. | |||
===C Termin und zweites Gespräch (421–468)=== | |||
Nach acht Tagen kehrt der Sprecher hoffnungsvoll zurück. Im Garten begegnet er einer Jungfrau, die ihm mitteilt, dass Frau Minne gestorben sei. Sie überbringt seine letzte Botschaft: Er werde zu keiner Zeit mehr Freude durch sie empfangen. Weinend verlässt sie den verzweifelten Sprecher. | |||
===D Totenklage (469–479)=== | |||
Der Sprecher beschließt, den Tod Frau Minnes bis an sein Lebensende zu beklagen und klagt Gott an, dass er Unwürdige leben lasse und ein so reines Wesen sterben müsse. Der Text endet mit der Titelangabe ''die red haist schwig und niemand sag''. | |||
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 699f.) | |||
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[[Kategorie:Quelle Allegorie]] | [[Kategorie:Quelle Allegorie]] | ||
Aktuelle Version vom 26. Februar 2026, 21:17 Uhr
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Frau Minne weiß Rat (B422) | |
|---|---|
| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Überlieferung 15. Jhd. |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 394, 48v-58r |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob: Frau Minne weiß Rat; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 698-700 |
Inhalt
A Spaziergangseinleitung (1–54)
Der Sprecher sucht am Morgen nach lust und abenteuer und gelangt in einen idealisierten Naturraum mit Tal, Wasserfall, Quelle, Vogelgesang und Blumen, in dem er den Mai in voller Pracht erkennt. Doch die Freuden der Liebe erscheinen ihm größer, weshalb er nach Menschen Ausschau hält. Sein Weg führt ihn durch einen herrlichen Baumgarten und einen Rosenhag bis vor eine Burg mit hohen Mauern.
B Begegnung mit Frau Minne und Lehrgespräch (55–420)
Eine in Rot gekleidete Dame tritt ihm entgegen und fragt nach seinem Anliegen. Er erkennt sie als Frau Minne, preist sie und stellt seine Frage: Wie könne es zu ungleicher Liebe kommen, die den Mann quält und die Frau verschont? Frau Minne erklärt, dies könne an übermäßiger Liebe des Mannes, an mangelnder Gegenliebe der Frau oder an einer unstatthaften Verbindung liegen. Beharrliches Werben müsse jedoch das Herz der Dame erweichen; verweigerte Gegenliebe sei Unrecht. Auf die Frage, wie man sich bei unerwidertem Dienst verhalten solle, antwortet sie, dass Zurückhaltung der Frau normal sei und sich wahre Liebe irgendwann zeige. Der Sprecher möchte wissen, wie er erkennen könne, ob die Dame seinen Dienst je belohnen werde. Frau Minne gibt konkrete Ratschläge: Er solle bald seine Liebe gestehen und seinen Dienst anbieten; dann werde er Zeichen der Zuneigung erhalten, sofern die Dame ihm gewogen sei. Sie nennt typische Anzeichen wie Erröten, Verstummen oder ein erschrecktes Herz und empfiehlt zwei Proben: die Bitte um einen Kranz und eine vorsichtige Umarmung. Lasse die Dame dies zu, sei das ein gutes Zeichen; lehne sie ab, solle er anderswo sein Glück versuchen. Weibliche Zurückhaltung sei tugendhaft und diene der Prüfung des Werbers. Der Sprecher erkennt dies an, warnt aber vor übermäßigem Zögern, das beiden schade und unwiederbringliche Gelegenheiten zerstöre. Frau Minne stimmt zu, beendet ihre Belehrung und bietet ihre Hilfe an. Daraufhin gesteht der Sprecher seine seit einem Jahr geheime Liebe, die er aus Schüchternheit nie offenbart habe. Frau Minne tadelt ihn und fordert ihn auf, Mut zu fassen. Sie verspricht, die Dame zu beeinflussen, damit sein Dienst belohnt werde. Der Sprecher freut sich, doch Frau Minne mahnt zur Geduld und bestellt ihn in acht Tagen wieder zur Burg Hoffenheil. Er verabschiedet sich dankbar.
C Termin und zweites Gespräch (421–468)
Nach acht Tagen kehrt der Sprecher hoffnungsvoll zurück. Im Garten begegnet er einer Jungfrau, die ihm mitteilt, dass Frau Minne gestorben sei. Sie überbringt seine letzte Botschaft: Er werde zu keiner Zeit mehr Freude durch sie empfangen. Weinend verlässt sie den verzweifelten Sprecher.
D Totenklage (469–479)
Der Sprecher beschließt, den Tod Frau Minnes bis an sein Lebensende zu beklagen und klagt Gott an, dass er Unwürdige leben lasse und ein so reines Wesen sterben müsse. Der Text endet mit der Titelangabe die red haist schwig und niemand sag.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 699f.)