Herz und Leib (B425): Unterschied zwischen den Versionen
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==Inhalt== | |||
===A Spaziergangseinleitung (1–48)=== | |||
Der Sprecher gelangt an einem Maienmorgen in einen idealisierten Naturraum mit Wald, Vogelgesang, Blumen, Quelle, Wiese und Hag. Vor einem von Rosen umrankten Zelt steht die schönste Frau, die er je gesehen hat: Frau Zucht. Sie begrüßt ihn freundlich, worauf ihm vor Erregung die Sinne schwinden. | |||
===B Gespräch mit den Personifikationen (49–156)=== | |||
Unter dem Gebot des Schweigens erfährt der Sprecher, dass im Zelt sechs Frauen wohnen: Venus, Liebe, Staete, Zucht, Tugend und Scham. Als sie erscheinen, überwältigt ihn ihre Schönheit und ihr Gesang, den er als himmlisch beschreibt. Danach erhebt er Klage gegen die Damen: Seine Leiden und Mühen seien ihrer Schuld, besonders die Ratschläge der Frau Liebe. Venus verteidigt sich: Wahre Liebe brauche Zeit und Beständigkeit; erst nach beharrlicher Bitte folge angemessenes Verhalten. Der Sprecher entgegnet, sein langes Warten habe ihm nur Schmerz gebracht, das Herz der Geliebten sei wie Stein. Frau Liebe versichert jedoch, sie kenne sein Herz und wisse um seine Treue. | |||
===C Streitgespräch zwischen Herz und Körper (157–300)=== | |||
Das Herz des Sprechers meldet sich zu Wort und beginnt einen Streit mit dem Körper. Es betont seine lebenslange Treue zur einen Dame, selbst über den Tod hinaus. Der Körper hält dagegen, beide seien der Macht der Dame ausgeliefert und müssten nur Qual und Zwang erwarten. Das Herz preist dagegen die belebende Kraft des Anblicks der Geliebten, ihren Mund, ihr Lachen, das es entzünde und tröste. Der Körper verweist auf Salomos Warnung vor der hohen Minne, die den Verstand raube. Das Herz hält dem entgegen, dass erst Frauenlob, Minne und Leid zu Ehre und hohem Mut führten. Der Körper beschreibt seine Qualen: Träume, Angstschweiß, Schlaflosigkeit, ständige Unruhe. Das Herz mahnt zur Einigkeit: Beide seien aneinander gebunden, wie berühmte Liebespaare der Tradition. Schließlich erkennt der Körper dies an, erklärt sich bereit, Spott und Schande zu tragen, und vergleicht seine Hoffnung auf Gnade mit dem Einhorn, das Rettung bei einer Jungfrau sucht. Er bittet die Damen um Rat im rechten Minnedienst. | |||
===D Rat der Frauen (301–332)=== | |||
Frau Liebe spricht für alle und mahnt zu Lob und Dienst. Sie nennt sieben Tugenden aus dem Minnebuch, die das Leid mindern: höfische Haltung und Beständigkeit, Treue und Wahrhaftigkeit, gute Sitte und freies Leben, maßvolle Freigebigkeit, Verschwiegenheit, Mannhaftigkeit und Tatkraft sowie gepflegte Erscheinung. | |||
===E Schluss (333–346)=== | |||
Der Sprecher verabschiedet sich mit der Bitte um Huld. Die Damen segnen ihn, doch ihre unterschiedlichen Ratschläge verwirren ihn. Er kehrt heim und schreibt das Erlebte nieder. | |||
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 706f.) | |||
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Aktuelle Version vom 26. Februar 2026, 21:35 Uhr
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Herz und Leib (B425) | |
|---|---|
| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | vor 1470/71 |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Berlin, Staatsbibliothek: Mgf 488, 159r-163v Dessau, Landesbücherei: Hs. Georg. 150.8°, 65r-71r Leipzig, Universitätsbibliothek: Ms. Apel 8288r-292v München, Staatsbibliothek: Cgm 270, 152v-158r Prag, Knihovna Nárondiho muzea: Cod. X A 12, 129v-133r |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Philipowski, Katharina: Herz und Leib; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 705-707 |
Inhalt
A Spaziergangseinleitung (1–48)
Der Sprecher gelangt an einem Maienmorgen in einen idealisierten Naturraum mit Wald, Vogelgesang, Blumen, Quelle, Wiese und Hag. Vor einem von Rosen umrankten Zelt steht die schönste Frau, die er je gesehen hat: Frau Zucht. Sie begrüßt ihn freundlich, worauf ihm vor Erregung die Sinne schwinden.
B Gespräch mit den Personifikationen (49–156)
Unter dem Gebot des Schweigens erfährt der Sprecher, dass im Zelt sechs Frauen wohnen: Venus, Liebe, Staete, Zucht, Tugend und Scham. Als sie erscheinen, überwältigt ihn ihre Schönheit und ihr Gesang, den er als himmlisch beschreibt. Danach erhebt er Klage gegen die Damen: Seine Leiden und Mühen seien ihrer Schuld, besonders die Ratschläge der Frau Liebe. Venus verteidigt sich: Wahre Liebe brauche Zeit und Beständigkeit; erst nach beharrlicher Bitte folge angemessenes Verhalten. Der Sprecher entgegnet, sein langes Warten habe ihm nur Schmerz gebracht, das Herz der Geliebten sei wie Stein. Frau Liebe versichert jedoch, sie kenne sein Herz und wisse um seine Treue.
C Streitgespräch zwischen Herz und Körper (157–300)
Das Herz des Sprechers meldet sich zu Wort und beginnt einen Streit mit dem Körper. Es betont seine lebenslange Treue zur einen Dame, selbst über den Tod hinaus. Der Körper hält dagegen, beide seien der Macht der Dame ausgeliefert und müssten nur Qual und Zwang erwarten. Das Herz preist dagegen die belebende Kraft des Anblicks der Geliebten, ihren Mund, ihr Lachen, das es entzünde und tröste. Der Körper verweist auf Salomos Warnung vor der hohen Minne, die den Verstand raube. Das Herz hält dem entgegen, dass erst Frauenlob, Minne und Leid zu Ehre und hohem Mut führten. Der Körper beschreibt seine Qualen: Träume, Angstschweiß, Schlaflosigkeit, ständige Unruhe. Das Herz mahnt zur Einigkeit: Beide seien aneinander gebunden, wie berühmte Liebespaare der Tradition. Schließlich erkennt der Körper dies an, erklärt sich bereit, Spott und Schande zu tragen, und vergleicht seine Hoffnung auf Gnade mit dem Einhorn, das Rettung bei einer Jungfrau sucht. Er bittet die Damen um Rat im rechten Minnedienst.
D Rat der Frauen (301–332)
Frau Liebe spricht für alle und mahnt zu Lob und Dienst. Sie nennt sieben Tugenden aus dem Minnebuch, die das Leid mindern: höfische Haltung und Beständigkeit, Treue und Wahrhaftigkeit, gute Sitte und freies Leben, maßvolle Freigebigkeit, Verschwiegenheit, Mannhaftigkeit und Tatkraft sowie gepflegte Erscheinung.
E Schluss (333–346)
Der Sprecher verabschiedet sich mit der Bitte um Huld. Die Damen segnen ihn, doch ihre unterschiedlichen Ratschläge verwirren ihn. Er kehrt heim und schreibt das Erlebte nieder.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 706f.)