Der Versuchung Abenteuer (B426): Unterschied zwischen den Versionen

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==Inhalt==
=== A Spaziergangseinleitung (1–20) ===
Der Sprecher gelangt abends in einen prächtigen Hag voller Blumen und Vogelgesang und fühlt sich an ein irdisches Paradies erinnert. Von Neugier getrieben, möchte er dessen Grenzen erkunden.
=== B Begegnung (21–116) ===
Eine vornehm gekleidete Dame auf einem schwarzen Pferd erscheint und lädt ihn ein, sie zu begleiten. Sie verspricht ihm eine anmutige Gesellschaft und neue Erfahrungen. Gemeinsam reiten sie zu einem strahlenden Zelt aus Gold und Edelsteinen. Die Dame weist ihn an, sich unauffällig hinter ihr zu halten, da hier die Liebe ihr Lager aufgeschlagen habe, umgeben von Weisheit, Ehre, Treue, Mäßigkeit, Beständigkeit, Scham und Zucht. Im Zelt wird die Dame von diesen Tugendgestalten begrüßt, während der Sprecher im Hintergrund bleibt und auf einem goldenen Thron die leuchtende Minne in Gestalt eines Kindes erblickt.
=== C Lehrgespräch (117–382) ===
Die Dame trägt als Botin einer unbekannten Frau die Bitte vor, das Minnekind samt Anleitung zu erhalten: wie man es ohne Leid pflegt, wie ehrenvolle Liebe gelingt und welche Regeln für wahre Liebende gelten. Nacheinander antworten die Tugenden. Weisheit betont, dass man sich nur nach gründlicher Prüfung des Partners auf Liebe einlassen solle, da geprüfte Treue ehrenvoll sei und Wankelmut früh erkannt werden müsse. Ehre erklärt, dass einem tugendhaften Mann die beständige Zuwendung der Frau genügen solle, die ihre Liebe maßvoll und nur in Worten zeige; die Frau solle nur einem Mann Liebe versprechen, um beider Ansehen zu schützen. Mäßigkeit hebt die Zurückhaltung in Worten, Gesten und Intimität hervor, damit Liebe nicht öffentlich werde und keine Situationen entstünden, in denen der Mann ungebührlich handeln könne. Beständigkeit widerspricht Ehre und betont, dass wahre Aufnahme in den Minneorden vor allem Unerschütterlichkeit verlange, da Unbeständigkeit alle Vorzüge entwerte. Scham schließt sich an und erklärt, dass nur dauerhafte Schamhaftigkeit höchstes Glück ermögliche; sie mahnt die Dame, stets so zu leben, dass sie sich keiner Verfehlung schuldig mache, und warnt vor jenen, die das Minnekind fordern, es aber wegen eigener Fehler unter Schmerzen zurückgeben müssten. Zucht soll die Lehre beschließen, erzählt jedoch stattdessen, wie sie mit Ehre und Scham Weisheit bittet, einer Dame zu erlauben, ihren Verehrer zu umarmen und zu küssen, um ihn zu ermutigen – jedoch nur unter Aufsicht und nur bei Einhaltung aller Tugendhaftigkeit; für prahlerische oder ehrlose Männer gelte dies nicht.
=== D Übergabe des Minnekindes und Abschied von den Tugenden (383–466) ===
Die Dame versichert, dass sie stets darauf achte, Liebe nur jenen zu gewähren, die sich in Ritterschaft und Frauendienst bewährt haben, und dass sie deshalb als Prüferin durch die Lande ziehe. Ehre übergibt ihr daraufhin das Kind, mahnt jedoch, seinen Besitz zu verbergen, da sonst Leid drohe. Sie reicht dem Sprecher das Kind und eine Abschrift der Lehre. Beim Abschied bittet Ehre, allen Damen ans Herz zu legen, das Kind gut zu behüten und nach den Tugenden zu erziehen, damit Ehre, Zucht und Scham ihnen beistehen. Liebe gedeihe, wenn man sie maßvoll halte und ihr nicht zu viel Macht einräume.
=== E Heimritt (467–538) ===
Auf dem Rückweg fragt der Sprecher, warum die Liebe als Kind erscheine, obwohl sie weltumspannende Macht habe. Die Dame erklärt, dass Liebe zwar den Gürtel der Ehre trage, aber derjenige, der sich ihr völlig unterwerfe, Ansehen und Besitz verliere, da er – wie ein Kind – alles für sie hingebe. Wahre, ungefährdete Liebe müsse stets mit Ehre verbunden sein und auf Mäßigkeit, Beständigkeit und Zucht bauen. Nach der Rückkehr verabschieden sie sich schmerzlich; die Dame überreicht ihm noch den Zettel mit der Lehre und die Auflage, ihn nur einem geeigneten Gefährten zu zeigen. Der Sprecher reitet freudig heim, denkt über das Wechselverhältnis von Liebe und Leid nach, und der Text endet mit der Titelnennung ''der versüechung abenttewr''.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 708-710)


[[Kategorie:Quelle Minnerede]]
[[Kategorie:Quelle Minnerede]]

Aktuelle Version vom 11. März 2026, 19:45 Uhr

Der Versuchung Abenteuer (B426)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung Mitte 15. Jhd.
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Wien, Österreichische Nationalbibliothek: 2959, 24r-34r
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Der Versuchung Abenteuer; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 708-710

Inhalt

A Spaziergangseinleitung (1–20)

Der Sprecher gelangt abends in einen prächtigen Hag voller Blumen und Vogelgesang und fühlt sich an ein irdisches Paradies erinnert. Von Neugier getrieben, möchte er dessen Grenzen erkunden.

B Begegnung (21–116)

Eine vornehm gekleidete Dame auf einem schwarzen Pferd erscheint und lädt ihn ein, sie zu begleiten. Sie verspricht ihm eine anmutige Gesellschaft und neue Erfahrungen. Gemeinsam reiten sie zu einem strahlenden Zelt aus Gold und Edelsteinen. Die Dame weist ihn an, sich unauffällig hinter ihr zu halten, da hier die Liebe ihr Lager aufgeschlagen habe, umgeben von Weisheit, Ehre, Treue, Mäßigkeit, Beständigkeit, Scham und Zucht. Im Zelt wird die Dame von diesen Tugendgestalten begrüßt, während der Sprecher im Hintergrund bleibt und auf einem goldenen Thron die leuchtende Minne in Gestalt eines Kindes erblickt.

C Lehrgespräch (117–382)

Die Dame trägt als Botin einer unbekannten Frau die Bitte vor, das Minnekind samt Anleitung zu erhalten: wie man es ohne Leid pflegt, wie ehrenvolle Liebe gelingt und welche Regeln für wahre Liebende gelten. Nacheinander antworten die Tugenden. Weisheit betont, dass man sich nur nach gründlicher Prüfung des Partners auf Liebe einlassen solle, da geprüfte Treue ehrenvoll sei und Wankelmut früh erkannt werden müsse. Ehre erklärt, dass einem tugendhaften Mann die beständige Zuwendung der Frau genügen solle, die ihre Liebe maßvoll und nur in Worten zeige; die Frau solle nur einem Mann Liebe versprechen, um beider Ansehen zu schützen. Mäßigkeit hebt die Zurückhaltung in Worten, Gesten und Intimität hervor, damit Liebe nicht öffentlich werde und keine Situationen entstünden, in denen der Mann ungebührlich handeln könne. Beständigkeit widerspricht Ehre und betont, dass wahre Aufnahme in den Minneorden vor allem Unerschütterlichkeit verlange, da Unbeständigkeit alle Vorzüge entwerte. Scham schließt sich an und erklärt, dass nur dauerhafte Schamhaftigkeit höchstes Glück ermögliche; sie mahnt die Dame, stets so zu leben, dass sie sich keiner Verfehlung schuldig mache, und warnt vor jenen, die das Minnekind fordern, es aber wegen eigener Fehler unter Schmerzen zurückgeben müssten. Zucht soll die Lehre beschließen, erzählt jedoch stattdessen, wie sie mit Ehre und Scham Weisheit bittet, einer Dame zu erlauben, ihren Verehrer zu umarmen und zu küssen, um ihn zu ermutigen – jedoch nur unter Aufsicht und nur bei Einhaltung aller Tugendhaftigkeit; für prahlerische oder ehrlose Männer gelte dies nicht.

D Übergabe des Minnekindes und Abschied von den Tugenden (383–466)

Die Dame versichert, dass sie stets darauf achte, Liebe nur jenen zu gewähren, die sich in Ritterschaft und Frauendienst bewährt haben, und dass sie deshalb als Prüferin durch die Lande ziehe. Ehre übergibt ihr daraufhin das Kind, mahnt jedoch, seinen Besitz zu verbergen, da sonst Leid drohe. Sie reicht dem Sprecher das Kind und eine Abschrift der Lehre. Beim Abschied bittet Ehre, allen Damen ans Herz zu legen, das Kind gut zu behüten und nach den Tugenden zu erziehen, damit Ehre, Zucht und Scham ihnen beistehen. Liebe gedeihe, wenn man sie maßvoll halte und ihr nicht zu viel Macht einräume.

E Heimritt (467–538)

Auf dem Rückweg fragt der Sprecher, warum die Liebe als Kind erscheine, obwohl sie weltumspannende Macht habe. Die Dame erklärt, dass Liebe zwar den Gürtel der Ehre trage, aber derjenige, der sich ihr völlig unterwerfe, Ansehen und Besitz verliere, da er – wie ein Kind – alles für sie hingebe. Wahre, ungefährdete Liebe müsse stets mit Ehre verbunden sein und auf Mäßigkeit, Beständigkeit und Zucht bauen. Nach der Rückkehr verabschieden sie sich schmerzlich; die Dame überreicht ihm noch den Zettel mit der Lehre und die Auflage, ihn nur einem geeigneten Gefährten zu zeigen. Der Sprecher reitet freudig heim, denkt über das Wechselverhältnis von Liebe und Leid nach, und der Text endet mit der Titelnennung der versüechung abenttewr.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 708-710)