Schule der Minne (B433): Unterschied zwischen den Versionen
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==Inhalt== | |||
=== A Exposition (1–17) === | |||
Der Sprecher preist die Macht der Minne und erinnert sich an eine Entrückung, in der Frau Minne ihm persönlich Boten sandte. Der Beginn der Liebe sei süß gewesen, das Ende jedoch schmerzlich: Sie habe ihm ihre Reize enthüllt und ihn dadurch in ihre Gewalt gebracht. | |||
=== B Belehrung (18–470) === | |||
Der Sprecher gibt die Lehre wieder, die er von fünf personifizierten Stadien der Liebe erhielt, jede in einer eigenen Farbe. Jede Dame begrüßt ihn, bittet um seine Unterweisung, erteilt ihre Lehre in anaphorischen Reihen und nennt schließlich ihren Namen, bevor sie ihn zur nächsten führt. | |||
1. Violett (›Braun‹) (18–56): | |||
Die erste Dame, von Minne selbst gesandt, verkörpert Verschwiegenheit. Sie rät zu Schweigen, Frauenverehrung, gutem Benehmen und Abstand zu Rühmern und Klaffern. | |||
2. Grün (57–141): | |||
Die grüne Dame, umgeben von Smaragden, steht für den Beginn der Liebe. Sie warnt vor dem schwierigen Ende, rät zu Freude, Mut, Geduld und zur Prüfung der Erwählten. Es folgt ein Lob der grünen Farbe als Ursprung allen Wachstums. | |||
3. Weiß (142–254): | |||
Im weißen Zelt begegnet der Sprecher der Dame der Hoffnung und Einbildungskraft. Sie liest einen Brief vor, der das Hoffen preist, und lehrt, dass Hoffnung Bilder aus dem Nichts erschaffen könne. Sie zeigt ihm Figuren, darunter ein vollkommenes Bild seiner Geliebten, das er verinnerlichen soll. | |||
4. Rot (255–347): | |||
Die rote Dame erscheint inmitten eines feurigen Heeres. Sie lobt die Macht des Roten — Sonnenaufgang, glühende Herzen — und entzündet den Sprecher durch ihre Blicke. Sie verheißt Freude durch die Röte des Mundes der Geliebten. | |||
5. Blau (347–467): | |||
Die blaue Dame residiert in einer uneinnehmbaren Burg, die nur durch Treue zugänglich ist. Sie preist die Beständigkeit als Grundlage von Freude, Trost, Vertrauen und Freundschaft. Der Sprecher tritt in ihren Orden ein, wird gesegnet, in ein blaues Gewand gekleidet und auf einen Thron gesetzt. Sie will seine Geliebte über seine Treue unterrichten. | |||
=== C Prüfung (468–580) === | |||
Als der Sprecher nach dem Zepter greift, erscheint eine schwarze, hässliche Dame. Sie stürzt ihn vom Thron, schlägt ihn und verlangt Bürgen für sein Verhalten. Gefesselt und eingesperrt wird er geprüft: Er soll auf seine Geliebte verzichten, was er ablehnt. In einem stichomythischen Dialog versucht die schwarze Dame vergeblich, ihm die Geliebte auszureden. Schließlich beendet sie die Prüfung, lobt seine Standhaftigkeit, preist die Geliebte und befreit ihn. Der Sprecher erneuert seine Treue und schließt mit einem Segenswunsch. | |||
(Ausführliche Inhalszusammenfassung in [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 736-740) | |||
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Aktuelle Version vom 11. März 2026, 20:16 Uhr
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Schule der Minne (B433) | |
|---|---|
| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Überlieferung Ende 14. Jhd. |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Berlin, Staatsbibliothek: Mgf. 488, 332v-344v Berlin, Staatsbibliothek: Mgf. 757/50, 1r-1v Berlin, Staatsbibliothek: Mgf. 922, 4ra-7rb Berlin, Staatsbibliothek: Mgo 186, 1r-14v Gotha, Forschungsbibliothek: Cod. chart. A 985, 3vb-4ra, 4va-6vb Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 313, 251v-261r Frankfurt, Stadtarchiv, Familienarchiv: Fichard Nr. 165 Ms. 69, Gedicht Nr. 63 Karlsruhe, Landesbibliothek: Hs. Donaueschingen 104, 261ra-263vb München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 713, 99v-110v |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jakob: Schule der Minne (B433); Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 736-740 |
Inhalt
A Exposition (1–17)
Der Sprecher preist die Macht der Minne und erinnert sich an eine Entrückung, in der Frau Minne ihm persönlich Boten sandte. Der Beginn der Liebe sei süß gewesen, das Ende jedoch schmerzlich: Sie habe ihm ihre Reize enthüllt und ihn dadurch in ihre Gewalt gebracht.
B Belehrung (18–470)
Der Sprecher gibt die Lehre wieder, die er von fünf personifizierten Stadien der Liebe erhielt, jede in einer eigenen Farbe. Jede Dame begrüßt ihn, bittet um seine Unterweisung, erteilt ihre Lehre in anaphorischen Reihen und nennt schließlich ihren Namen, bevor sie ihn zur nächsten führt.
1. Violett (›Braun‹) (18–56): Die erste Dame, von Minne selbst gesandt, verkörpert Verschwiegenheit. Sie rät zu Schweigen, Frauenverehrung, gutem Benehmen und Abstand zu Rühmern und Klaffern.
2. Grün (57–141): Die grüne Dame, umgeben von Smaragden, steht für den Beginn der Liebe. Sie warnt vor dem schwierigen Ende, rät zu Freude, Mut, Geduld und zur Prüfung der Erwählten. Es folgt ein Lob der grünen Farbe als Ursprung allen Wachstums.
3. Weiß (142–254): Im weißen Zelt begegnet der Sprecher der Dame der Hoffnung und Einbildungskraft. Sie liest einen Brief vor, der das Hoffen preist, und lehrt, dass Hoffnung Bilder aus dem Nichts erschaffen könne. Sie zeigt ihm Figuren, darunter ein vollkommenes Bild seiner Geliebten, das er verinnerlichen soll.
4. Rot (255–347): Die rote Dame erscheint inmitten eines feurigen Heeres. Sie lobt die Macht des Roten — Sonnenaufgang, glühende Herzen — und entzündet den Sprecher durch ihre Blicke. Sie verheißt Freude durch die Röte des Mundes der Geliebten.
5. Blau (347–467): Die blaue Dame residiert in einer uneinnehmbaren Burg, die nur durch Treue zugänglich ist. Sie preist die Beständigkeit als Grundlage von Freude, Trost, Vertrauen und Freundschaft. Der Sprecher tritt in ihren Orden ein, wird gesegnet, in ein blaues Gewand gekleidet und auf einen Thron gesetzt. Sie will seine Geliebte über seine Treue unterrichten.
C Prüfung (468–580)
Als der Sprecher nach dem Zepter greift, erscheint eine schwarze, hässliche Dame. Sie stürzt ihn vom Thron, schlägt ihn und verlangt Bürgen für sein Verhalten. Gefesselt und eingesperrt wird er geprüft: Er soll auf seine Geliebte verzichten, was er ablehnt. In einem stichomythischen Dialog versucht die schwarze Dame vergeblich, ihm die Geliebte auszureden. Schließlich beendet sie die Prüfung, lobt seine Standhaftigkeit, preist die Geliebte und befreit ihn. Der Sprecher erneuert seine Treue und schließt mit einem Segenswunsch.
(Ausführliche Inhalszusammenfassung in Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 736-740)