Das weltliche Klösterlein (B440): Unterschied zwischen den Versionen
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==Inhalt== | |||
=== A Spaziergangseinleitung (1–55) === | |||
Die Rede beginnt mit einer Audite-Formel: Ein abentiur soll erzählt werden. Der Sprecher träumt, im Wald wilde Tiere zu finden, deutet den Traum als prophetisch und bricht auf. Über einen engen Pfad gelangt er durch einen schönen Wald zu einer Lichtung, auf der ein prächtiges Kloster steht. | |||
=== B Klosterbeschreibung (56–413) === | |||
Auf dem Torbogen liest der Sprecher eine Inschrift, die die Gründung des weltlichen Klosters auf den 9. Mai 1472 datiert. Er klopft an und wird vom Pförtner eingelassen, mit dem er eine lateinische Unterhaltung über die Besonderheiten des Klosters führt. Aus dem Münster tritt ein modisch gekleideter junger Konventuale mit Dienern, Hunden und Habicht. Der Pförtner berichtet von den 18 Konventualen, ihren geringen liturgischen Pflichten und ihren üppigen Mahlzeiten. Eine schwarz gekleidete junge Konventualin erscheint mit drei Dienerinnen; der Pförtner erklärt, es handle sich um ein Doppelkloster, in dem alle paarweise wohnen. Der Sprecher sieht die Messe, folgt den Konventualen zum reichhaltigen Mittagessen und hört eine Tischlesung über Verführungskunst und Minneleid. Danach versammelt sich die Gesellschaft im Garten zu Tanz und Gesang, später zum Abendessen. Ein Diener kommentiert den Tagesablauf: „Hier ist jeden Morgen Ostertag und jeden Abend Fastnacht.“ Weitere Beschäftigungen sind Fischen und Jagd. Einsamkeit wird mit Kerker bestraft, Abwesenheit verliebter Paare hingegen geduldet. Wer der Liebe entwachsen ist, kommt ins Spital. Der Sprecher wird durch die Gebäude geführt, begegnet dem trinkfreudigen Koch und nimmt am Abendtanz teil, erhält einen Kranz und lobt Kloster und Orden. Nach Schlaftrunk und Dessert ziehen sich die Konventualen paarweise zurück. Auch der Sprecher behauptet, mit einer Dame verheiratet zu sein, und erhält ein Zimmer. Am nächsten Morgen bittet er um Erlaubnis zu gehen und kehrt auf demselben Weg zurück. | |||
=== C Epilog (414–434) === | |||
Der Sprecher erwägt, für den Rest seines Lebens in ein solches weltliches Kloster einzutreten. Er bietet seinem Publikum an, Interessierte am nächsten Pfingstfest dorthin zu führen. Der Text endet mit einer Aufforderung zum Trinken. | |||
(Ausführliche Inhaltsbeschreibung in [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 763f.) | |||
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Aktuelle Version vom 11. März 2026, 20:35 Uhr
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Das weltliche Klösterlein (B440) | |
|---|---|
| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | 1472 |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Druck Simmern 1533/35: Hieronymus Rodler Stuttgart, Landesbibliothek: Cod. Donaueschingen 580b, S. 1147-1152 |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Lemke, Valenka: Das weltliche Klösterlein; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 763f. |
Inhalt
A Spaziergangseinleitung (1–55)
Die Rede beginnt mit einer Audite-Formel: Ein abentiur soll erzählt werden. Der Sprecher träumt, im Wald wilde Tiere zu finden, deutet den Traum als prophetisch und bricht auf. Über einen engen Pfad gelangt er durch einen schönen Wald zu einer Lichtung, auf der ein prächtiges Kloster steht.
B Klosterbeschreibung (56–413)
Auf dem Torbogen liest der Sprecher eine Inschrift, die die Gründung des weltlichen Klosters auf den 9. Mai 1472 datiert. Er klopft an und wird vom Pförtner eingelassen, mit dem er eine lateinische Unterhaltung über die Besonderheiten des Klosters führt. Aus dem Münster tritt ein modisch gekleideter junger Konventuale mit Dienern, Hunden und Habicht. Der Pförtner berichtet von den 18 Konventualen, ihren geringen liturgischen Pflichten und ihren üppigen Mahlzeiten. Eine schwarz gekleidete junge Konventualin erscheint mit drei Dienerinnen; der Pförtner erklärt, es handle sich um ein Doppelkloster, in dem alle paarweise wohnen. Der Sprecher sieht die Messe, folgt den Konventualen zum reichhaltigen Mittagessen und hört eine Tischlesung über Verführungskunst und Minneleid. Danach versammelt sich die Gesellschaft im Garten zu Tanz und Gesang, später zum Abendessen. Ein Diener kommentiert den Tagesablauf: „Hier ist jeden Morgen Ostertag und jeden Abend Fastnacht.“ Weitere Beschäftigungen sind Fischen und Jagd. Einsamkeit wird mit Kerker bestraft, Abwesenheit verliebter Paare hingegen geduldet. Wer der Liebe entwachsen ist, kommt ins Spital. Der Sprecher wird durch die Gebäude geführt, begegnet dem trinkfreudigen Koch und nimmt am Abendtanz teil, erhält einen Kranz und lobt Kloster und Orden. Nach Schlaftrunk und Dessert ziehen sich die Konventualen paarweise zurück. Auch der Sprecher behauptet, mit einer Dame verheiratet zu sein, und erhält ein Zimmer. Am nächsten Morgen bittet er um Erlaubnis zu gehen und kehrt auf demselben Weg zurück.
C Epilog (414–434)
Der Sprecher erwägt, für den Rest seines Lebens in ein solches weltliches Kloster einzutreten. Er bietet seinem Publikum an, Interessierte am nächsten Pfingstfest dorthin zu führen. Der Text endet mit einer Aufforderung zum Trinken.
(Ausführliche Inhaltsbeschreibung in Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 763f.)