Der neuen Liebe Buch (B441): Unterschied zwischen den Versionen
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==Inhalt== | |||
=== A Prolog (Invocatio) (1–67) === | |||
Der Sprecher ruft Merkur, Phoebus und die Musen an, damit sie ihm die kunstvolle Abfassung seines Gedichts ermöglichen. | |||
=== B Rahmenerzählung (68–143) === | |||
Auf herbstlicher Jagd begegnet der Sprecher einem Freund, der ihn überredet, nachts heimlich gegen die Regeln den Hirschen nachzustellen. Sie führen den Plan aus und sitzen bei Einbruch der Dunkelheit in den Bäumen, als sich ein großer Vogelschwarm über ihnen niederlässt. | |||
=== C Reflexionen über die Liebe (146–294) === | |||
Vom Brunftgeschrei der Hirsche angeregt, deutet der Sprecher deren Brunst als Gleichnis für die Unvernunft der Liebenden. Er versucht, den Ursprung der „Buhlschaft“ zu ergründen, indem er das lateinische amor etymologisch zerlegt und rückwärts als Roma deutet, was er mit Reichtum und Macht verbindet. Die deutsche liebe bleibt ungeklärt. Historisch erscheint Liebe als Kraft, die Ursprung und Ende Trojas und sogar Roms Imperium bestimmt habe. | |||
=== D Novelleneinschub „Mundus und Paulina“ (295–469) === | |||
Der Römer Mundus täuscht die verheiratete Paulina, indem er sich im Tempel als Gott Anubis ausgibt und sie so verführt. Der Betrug wird aufgedeckt; Paulina bittet ihren Mann Saturnius um den Tod, doch dieser erkennt ihre Unschuld. Kaiser Tiberius verbannt Mundus, lässt seine Helfer hinrichten und den Tempel zerstören. | |||
=== E Fortsetzung der Reflexionen über die Liebe (470–686) === | |||
Der Sprecher verzichtet auf weitere Literaturreferate über Gestalt und Waffen der Liebe und erzählt stattdessen von der Geburt des Kindes „Liebe“. Er nennt De amore des Andreas Capellanus als Quelle von dreißig Liebesregeln, ohne sie auszuführen. Anschließend referiert er eine Definition des „Buhlers“ (Capellanus, fälschlich Ovid zugeschrieben) und beginnt ein Ovid‑Referat der Verführungsstufen, das er abbricht, um nicht wie Ovid verbannt zu werden. | |||
=== F Fortsetzung der Rahmenerzählung (687–1200) === | |||
Ein fliegendes Wesen nähert sich lärmend; der Sprecher fürchtet Tod oder Teufel. Es erweist sich jedoch als alter Bekannter, der im Auftrag seines Herrn in die „Stadt der neuen Liebe“ reist. Er hinterlässt dem Sprecher ein mit Blut geschriebenes Zauberbuch, das den Weg dorthin lehrt. Der Sprecher berichtet seinem Jagdgefährten, der beschließt, selbst in die Stadt zu reisen. Nach sieben Jahren erhält der Sprecher endlich einen Brief und ein kostbar verziertes Buch mit dem Titel ''Der nüwen liebe buch''. | |||
=== G Brieftext (1201–1736) === | |||
Der Freund entschuldigt sein Schweigen und berichtet, er habe Einlass in die Stadt der neuen Liebe gefunden, obwohl dieser sonst nur jungen Menschen gewährt werde. Die Stadt, „alte Stadt“ genannt, liegt im „Jammertal“ im „Wasserland“. Über ihr thront die „Freudenburg“, Sitz eines allwissenden, allmächtigen Stadtherrn. Die Stadt ist riesig, besitzt Toranlagen und beherbergt Menschen aller Sprachen, Stände, Künste und Gewerbe. Die neue Liebe wird nur von jenen gepflegt, die „in unserem Glauben“ sind. Sie ist frei, gegenseitig, körperlich ungehindert und ohne die Leiden der Liebe in der Heimat: keine Sorgen, kein Betrug, keine Untreue, keine Schande. Ehebruch wird dennoch streng bestraft. Der Freund berichtet kurz von seiner eigenen Liebesgeschichte und verweist auf die ausführliche Darstellung im beigelegten Buch. Er bittet, den Inhalt nicht Unverständigen mitzuteilen, und lädt den Sprecher ein, ebenfalls in die Stadt zu kommen. | |||
=== H Fortsetzung der Rahmenerzählung (1737–1769) === | |||
Der Sprecher liest den gereimten Bericht sofort, will aber mit der Weitergabe warten, bis ihm weise Freunde zur Veröffentlichung raten. | |||
=== I Epilog (1770–1791) === | |||
Der Sprecher bittet das Publikum um Korrektur möglicher Fehler, dankt den Göttinnen für ihre Hilfe und nennt das Vollendungsdatum des Werkes: 1486. | |||
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung in [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 765-768) | |||
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Aktuelle Version vom 11. März 2026, 20:38 Uhr
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Der neuen Liebe Buch (B441) | |
|---|---|
| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | 1486 |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Druck: Ulm 1486/87, Konrad Dinckmut |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 765-768; Lembke, Valeska: Der neuen Liebe Buch |
Inhalt
A Prolog (Invocatio) (1–67)
Der Sprecher ruft Merkur, Phoebus und die Musen an, damit sie ihm die kunstvolle Abfassung seines Gedichts ermöglichen.
B Rahmenerzählung (68–143)
Auf herbstlicher Jagd begegnet der Sprecher einem Freund, der ihn überredet, nachts heimlich gegen die Regeln den Hirschen nachzustellen. Sie führen den Plan aus und sitzen bei Einbruch der Dunkelheit in den Bäumen, als sich ein großer Vogelschwarm über ihnen niederlässt.
C Reflexionen über die Liebe (146–294)
Vom Brunftgeschrei der Hirsche angeregt, deutet der Sprecher deren Brunst als Gleichnis für die Unvernunft der Liebenden. Er versucht, den Ursprung der „Buhlschaft“ zu ergründen, indem er das lateinische amor etymologisch zerlegt und rückwärts als Roma deutet, was er mit Reichtum und Macht verbindet. Die deutsche liebe bleibt ungeklärt. Historisch erscheint Liebe als Kraft, die Ursprung und Ende Trojas und sogar Roms Imperium bestimmt habe.
D Novelleneinschub „Mundus und Paulina“ (295–469)
Der Römer Mundus täuscht die verheiratete Paulina, indem er sich im Tempel als Gott Anubis ausgibt und sie so verführt. Der Betrug wird aufgedeckt; Paulina bittet ihren Mann Saturnius um den Tod, doch dieser erkennt ihre Unschuld. Kaiser Tiberius verbannt Mundus, lässt seine Helfer hinrichten und den Tempel zerstören.
E Fortsetzung der Reflexionen über die Liebe (470–686)
Der Sprecher verzichtet auf weitere Literaturreferate über Gestalt und Waffen der Liebe und erzählt stattdessen von der Geburt des Kindes „Liebe“. Er nennt De amore des Andreas Capellanus als Quelle von dreißig Liebesregeln, ohne sie auszuführen. Anschließend referiert er eine Definition des „Buhlers“ (Capellanus, fälschlich Ovid zugeschrieben) und beginnt ein Ovid‑Referat der Verführungsstufen, das er abbricht, um nicht wie Ovid verbannt zu werden.
F Fortsetzung der Rahmenerzählung (687–1200)
Ein fliegendes Wesen nähert sich lärmend; der Sprecher fürchtet Tod oder Teufel. Es erweist sich jedoch als alter Bekannter, der im Auftrag seines Herrn in die „Stadt der neuen Liebe“ reist. Er hinterlässt dem Sprecher ein mit Blut geschriebenes Zauberbuch, das den Weg dorthin lehrt. Der Sprecher berichtet seinem Jagdgefährten, der beschließt, selbst in die Stadt zu reisen. Nach sieben Jahren erhält der Sprecher endlich einen Brief und ein kostbar verziertes Buch mit dem Titel Der nüwen liebe buch.
G Brieftext (1201–1736)
Der Freund entschuldigt sein Schweigen und berichtet, er habe Einlass in die Stadt der neuen Liebe gefunden, obwohl dieser sonst nur jungen Menschen gewährt werde. Die Stadt, „alte Stadt“ genannt, liegt im „Jammertal“ im „Wasserland“. Über ihr thront die „Freudenburg“, Sitz eines allwissenden, allmächtigen Stadtherrn. Die Stadt ist riesig, besitzt Toranlagen und beherbergt Menschen aller Sprachen, Stände, Künste und Gewerbe. Die neue Liebe wird nur von jenen gepflegt, die „in unserem Glauben“ sind. Sie ist frei, gegenseitig, körperlich ungehindert und ohne die Leiden der Liebe in der Heimat: keine Sorgen, kein Betrug, keine Untreue, keine Schande. Ehebruch wird dennoch streng bestraft. Der Freund berichtet kurz von seiner eigenen Liebesgeschichte und verweist auf die ausführliche Darstellung im beigelegten Buch. Er bittet, den Inhalt nicht Unverständigen mitzuteilen, und lädt den Sprecher ein, ebenfalls in die Stadt zu kommen.
H Fortsetzung der Rahmenerzählung (1737–1769)
Der Sprecher liest den gereimten Bericht sofort, will aber mit der Weitergabe warten, bis ihm weise Freunde zur Veröffentlichung raten.
I Epilog (1770–1791)
Der Sprecher bittet das Publikum um Korrektur möglicher Fehler, dankt den Göttinnen für ihre Hilfe und nennt das Vollendungsdatum des Werkes: 1486.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung in Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 765-768)