Des Spiegels Abenteuer (B465): Unterschied zwischen den Versionen
Die Seite wurde neu angelegt: „{{Infobox Einzeltext | namen = Des Spiegels Abenteuer (B465) | autorin = Herrmann von Sachsenheim | entstehungszeit = 1451/53 | entstehungsort = | auftraggeberin = | überlieferung = Berlin, Staatsbibliothek: Mgq 719, 2r-60r<br />Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 313, 75r-120v<br /> Kurzfassung: :Berlin, Staatsbibliothek: Mgq 1899, 119r-144v<br /> Fragment: :Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 696, 199…“ |
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
||
| (Eine dazwischenliegende Version desselben Benutzers wird nicht angezeigt) | |||
| Zeile 14: | Zeile 14: | ||
| ausgaben = | | ausgaben = | ||
| übersetzungen = | | übersetzungen = | ||
| forschung = [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 835-839 | | forschung = [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], Band 1, S. 835-839 | ||
}} | }} | ||
==Inhalt== | |||
===A Prolog (1–19)=== | |||
Der Text eröffnet mit einer Audite‑Formel und teilt das Publikum in „die wisen“ und „die dummen“. Der Sprecher kündigt eine kurzweilige Geschichte von der Liebe an. | |||
===B Spaziergangseinleitung (20–97)=== | |||
An einem schönen Maientag wandert der Sprecher zu einer beschatteten Quelle und findet dort eine laut klagende Frau. Die Szene ist als klassischer Locus amoenus gestaltet. | |||
===C Gespräch mit Frau Treue (98–601)=== | |||
Zunächst belauscht der Sprecher die Klage der Dame, die fürchtet, ihre Herrin werde sie schelten, und ihren Schmerz mit dem des Anfortas vergleicht. Als er sie anspricht, erkennt er eine Königin im blauen Samtmantel mit Krone und Zepter, die ihm dankt, er habe „besser gehandelt als Parzival“. Sie enthüllt, dass sie Frau Treue sei, eine der zwölf Schwestern im Dienst der Kaiserin Aventiure, die alle ihre Länder verloren haben und von Geiz, Neid‑und‑Hass, Hoffart und deren Dienern bedrängt werden. Sie wolle nun eine Klause gründen, doch bevor der Sprecher sie zu sich einladen kann, werden sie unterbrochen. | |||
===D Reise zum Venusberg (602–1339)=== | |||
Ein Zwerg in einem kleinen, funkelnden Schiff erscheint, von Frau Aventiure und Frau Minne mit Ring und Brief ausgesandt. Frau Treue erkennt ihn sofort. Der Zwerg trägt einen Spiegel, der die schönsten Jungfrauen zeigt; erst nach langen Treuebeteuerungen des Sprechers wendet er ihn „unter gar spotlich lachen und smirn“. Der Sprecher sieht seine eigene Dame, dann eine noch schönere, die ihm Herz und Verstand raubt. Er klagt wie Tristan, wird von Treue und dem Zwerg verspottet und verliert sogar die Erinnerung an seine Frau. Treue will ihn über Bord werfen, doch der Zwerg schlägt vor, ihn als Narren an den Kaiserhof zu bringen. Der Sprecher bittet um Gnade und um Hilfe, die Spiegeldame zu gewinnen. Während sie sprechen, erreichen sie das Land der Kaiserin. | |||
===E Am Hof der Kaiserin (1340–1573)=== | |||
Der Sprecher sieht ein Feld voller kostbarer Zelte, aus denen die schönsten Frauen strömen. Frau Minne begrüßt ihn zuerst, „ganz in Rot gekleidet“. Als Treue sagt, diese sei die Frau, die sein Herz gebrochen habe, verfällt er erneut in Liebesbeteuerungen. Frau Ehre drängt, ihn vor die Kaiserin zu führen. Aventiure beschuldigt ihn der Untreue, doch er bittet um Hilfe, die Spiegeldame zu gewinnen. Auf die Frage der Kaiserin, ob er bereit sei, sie zu heiraten, muss er gestehen, dass er bereits verheiratet ist — denkt aber sofort an eine mögliche päpstliche Annullierung. | |||
===F Das Buch der Liebenden (1574–1881)=== | |||
Die Damen raten ihm, in ein Buch zu schauen, das ein „Spiegel der Welt“ sei. Auf dem ersten Blatt liest er kompromittierende Frauengeschichten, auf dem zweiten neidzerfressene Alte, auf dem dritten eine kleine Schar reiner Damen — darunter seine Ehefrau. Hier erkennt er sich wieder („Er sei Ritter in Bregenz“) und liest von ihrer Trauer. Er bereut seine Untreue und schließt das Buch, womit seine Selbsterkenntnis vollendet ist. | |||
===G Prozess am Minnegericht (1882–2507)=== | |||
Gefesselt wird er vor Kaiserin Aventiure geführt, die ihn zum Tod verurteilt. Er schildert seinen Werdegang — Kind im Hofgesinde der Venus, später „publicus“ und Senator — doch Aventiure weist alles zurück. Er droht, den Vorgang „in ein karonick“ schreiben zu lassen. Frau Treue setzt ein geregeltes Verfahren durch. Aventiure trägt die Anklage vor: Ein Spiegel habe ihn betört. Die Schwestern urteilen schließlich, dass er angesichts der Weltlage nicht bestraft werden solle, da es kaum noch völlig treue Menschen gebe. Er wird freigelassen und erhält Ratschläge, u.a. von Frau Zucht und Frau Ehre, maßvoll zu leben, Gott zu ehren und Arme zu unterstützen. Frau Minne rät ihm in einer negativen Minnelehre zu wechselnden Liebschaften, was er ablehnt. | |||
===H Rückreise und Schluss (2508–2753)=== | |||
Ein Zwerg auf einem Greifen erscheint, um ihn heimzuführen; der Greif lege „zweitausend Meilen“ pro Tag zurück. Auf dem Flug erkennt der Sprecher den Ätna und den Etzelberg, bis sie wieder an der Quelle ankommen. Der Zwerg mahnt ihn an seinen Fehltritt, der Sprecher bereut und bittet sogar um den Tod. Schließlich will er den Zwerg an den Hof seiner Fürstin bringen, doch dieser lehnt ab und fliegt davon, „ein heylig lied“ singend. Schlussformel. | |||
(Ausführliche Inhaltsangabe bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], Band 1, S. 835-839) | |||
[[Kategorie:Quelle Minnerede]] | [[Kategorie:Quelle Minnerede]] | ||
Aktuelle Version vom 13. März 2026, 10:26 Uhr
|
Des Spiegels Abenteuer (B465) | |
|---|---|
| AutorIn | Herrmann von Sachsenheim |
| Entstehungszeit | 1451/53 |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Berlin, Staatsbibliothek: Mgq 719, 2r-60r Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 313, 75r-120v Kurzfassung:
Fragment:
Exzerpt:
|
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 835-839 |
Inhalt
A Prolog (1–19)
Der Text eröffnet mit einer Audite‑Formel und teilt das Publikum in „die wisen“ und „die dummen“. Der Sprecher kündigt eine kurzweilige Geschichte von der Liebe an.
B Spaziergangseinleitung (20–97)
An einem schönen Maientag wandert der Sprecher zu einer beschatteten Quelle und findet dort eine laut klagende Frau. Die Szene ist als klassischer Locus amoenus gestaltet.
C Gespräch mit Frau Treue (98–601)
Zunächst belauscht der Sprecher die Klage der Dame, die fürchtet, ihre Herrin werde sie schelten, und ihren Schmerz mit dem des Anfortas vergleicht. Als er sie anspricht, erkennt er eine Königin im blauen Samtmantel mit Krone und Zepter, die ihm dankt, er habe „besser gehandelt als Parzival“. Sie enthüllt, dass sie Frau Treue sei, eine der zwölf Schwestern im Dienst der Kaiserin Aventiure, die alle ihre Länder verloren haben und von Geiz, Neid‑und‑Hass, Hoffart und deren Dienern bedrängt werden. Sie wolle nun eine Klause gründen, doch bevor der Sprecher sie zu sich einladen kann, werden sie unterbrochen.
D Reise zum Venusberg (602–1339)
Ein Zwerg in einem kleinen, funkelnden Schiff erscheint, von Frau Aventiure und Frau Minne mit Ring und Brief ausgesandt. Frau Treue erkennt ihn sofort. Der Zwerg trägt einen Spiegel, der die schönsten Jungfrauen zeigt; erst nach langen Treuebeteuerungen des Sprechers wendet er ihn „unter gar spotlich lachen und smirn“. Der Sprecher sieht seine eigene Dame, dann eine noch schönere, die ihm Herz und Verstand raubt. Er klagt wie Tristan, wird von Treue und dem Zwerg verspottet und verliert sogar die Erinnerung an seine Frau. Treue will ihn über Bord werfen, doch der Zwerg schlägt vor, ihn als Narren an den Kaiserhof zu bringen. Der Sprecher bittet um Gnade und um Hilfe, die Spiegeldame zu gewinnen. Während sie sprechen, erreichen sie das Land der Kaiserin.
E Am Hof der Kaiserin (1340–1573)
Der Sprecher sieht ein Feld voller kostbarer Zelte, aus denen die schönsten Frauen strömen. Frau Minne begrüßt ihn zuerst, „ganz in Rot gekleidet“. Als Treue sagt, diese sei die Frau, die sein Herz gebrochen habe, verfällt er erneut in Liebesbeteuerungen. Frau Ehre drängt, ihn vor die Kaiserin zu führen. Aventiure beschuldigt ihn der Untreue, doch er bittet um Hilfe, die Spiegeldame zu gewinnen. Auf die Frage der Kaiserin, ob er bereit sei, sie zu heiraten, muss er gestehen, dass er bereits verheiratet ist — denkt aber sofort an eine mögliche päpstliche Annullierung.
F Das Buch der Liebenden (1574–1881)
Die Damen raten ihm, in ein Buch zu schauen, das ein „Spiegel der Welt“ sei. Auf dem ersten Blatt liest er kompromittierende Frauengeschichten, auf dem zweiten neidzerfressene Alte, auf dem dritten eine kleine Schar reiner Damen — darunter seine Ehefrau. Hier erkennt er sich wieder („Er sei Ritter in Bregenz“) und liest von ihrer Trauer. Er bereut seine Untreue und schließt das Buch, womit seine Selbsterkenntnis vollendet ist.
G Prozess am Minnegericht (1882–2507)
Gefesselt wird er vor Kaiserin Aventiure geführt, die ihn zum Tod verurteilt. Er schildert seinen Werdegang — Kind im Hofgesinde der Venus, später „publicus“ und Senator — doch Aventiure weist alles zurück. Er droht, den Vorgang „in ein karonick“ schreiben zu lassen. Frau Treue setzt ein geregeltes Verfahren durch. Aventiure trägt die Anklage vor: Ein Spiegel habe ihn betört. Die Schwestern urteilen schließlich, dass er angesichts der Weltlage nicht bestraft werden solle, da es kaum noch völlig treue Menschen gebe. Er wird freigelassen und erhält Ratschläge, u.a. von Frau Zucht und Frau Ehre, maßvoll zu leben, Gott zu ehren und Arme zu unterstützen. Frau Minne rät ihm in einer negativen Minnelehre zu wechselnden Liebschaften, was er ablehnt.
H Rückreise und Schluss (2508–2753)
Ein Zwerg auf einem Greifen erscheint, um ihn heimzuführen; der Greif lege „zweitausend Meilen“ pro Tag zurück. Auf dem Flug erkennt der Sprecher den Ätna und den Etzelberg, bis sie wieder an der Quelle ankommen. Der Zwerg mahnt ihn an seinen Fehltritt, der Sprecher bereut und bittet sogar um den Tod. Schließlich will er den Zwerg an den Hof seiner Fürstin bringen, doch dieser lehnt ab und fliegt davon, „ein heylig lied“ singend. Schlussformel.
(Ausführliche Inhaltsangabe bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 835-839)