Jagdallegorie (B504): Unterschied zwischen den Versionen

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| überlieferung      = Warschau, Nationalbibliothek: Cod. 8097 III, 102ra-103vb
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==Inhalt==
=== A Rahmen (1–3) ===
Der Sprecher eröffnet mit dem Geständnis, er würde in den Wald zur Jagd gehen, wenn er dazu fähig wäre.


=== B Klage des erfolglosen Jägers (4–75) ===
Er erzählt von einem jungen Mann, der lange vergeblich mit seinen Hunden eine Hirschkuh verfolgt. Trotz Ausdauer, Treue, sorgfältiger Hundeerziehung, ausgelegter Schlingen und sogar magischer Mittel bleibt die Jagd erfolglos. Seine Hunde – Trost, Harre, Staete und Treue – gelten als die besten, doch selbst sie helfen nicht. Besonders Staete zeichne sich durch Beharrlichkeit aus, doch auch er vermag die Hirschkuh nicht zu stellen. Erschöpft und voller Leid legt sich der Jäger nieder, als ein weiser Mann erscheint, der seine Klage gehört hat.
=== C Gespräch des Jägers mit einem weisen Mann (76–152) ===
Der Weise fragt nach dem Grund seines Liegens, und der Jäger bittet ihn um Rat: Seit zehn Jahren jage er erfolglos die Hirschkuh und sei ihr verpflichtet. Der Sprecher erklärt an dieser Stelle, zufällig auf die Szene gestoßen zu sein und das Gespräch belauscht zu haben. Der Jäger nennt die Namen seiner Hunde, die zwar untadelig seien, ihn aber dennoch betrübten. Der Weise hält sie für ungeeignet und empfiehlt stattdessen Zweifel, Wankelmut und Falschheit, da diese das Wild unerbittlich bedrängten. Der Jäger weist den Rat empört zurück, lehnt solche Methoden ab und hält an seinen treuen Hunden fest, selbst wenn er weiter leiden müsse. Er verjagt den Weisen und droht ihm sogar Gewalt an.
=== D Jagd des Sprechers (153–203) ===
Auch der Sprecher verlässt den Ort und versucht, dem Rat des Weisen zu folgen. Die drei falschen Hunde findet er sofort, da sie überall anzutreffen sind. Mit ihnen nimmt er die Fährte der Hirschkuh auf, die nun – wie vorhergesagt – rasch und ohne Mühe gefangen wird.
=== E Minnegericht (204–249) ===
Der Sprecher sieht die Minne mit ihrer Gefolgschaft heranreiten und bittet in einer Selbstanklage um Urteil: Er habe mit unredlichen Hunden eine Hirschkuh gefangen, die ein aufrechter Jäger selbst in zehn Jahren nicht erlangt hätte. Die Minne überträgt das Urteil ihrem Sohn, der beschließt, der Hirschkuh die Augen auszubrechen, da sie sich von Falschheit, Wankelmut und Zweifel habe stellen lassen. Da alle das Urteil für gerecht halten, löst sich das Gericht auf.
=== F Schluss mit Auslegung und Lehre (250–316) ===
Der Sprecher wünscht, dass es allen, die sich von Falschheit statt von Beständigkeit gewinnen lassen, ergehe wie der Hirschkuh. Er verflucht sie und überantwortet sie dem Teufel, da leichtfertiges Handeln überhandgenommen habe. In einer Apostrophe fordert er Luzifer auf, ein Zelt für diese Menschen zu errichten und sie mit Stroh und Mist abzuspeisen, denn wer einen beständigen Werber zugrunde richtet, verdiene keine Ehre. Für ihre Seelen bittet er dennoch um göttliche Gnade und schließt mit der Aufforderung, die Rede mit „Amen“ zu bestätigen.
(Ausführliche Inhaltsangabe bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 945-947.)


[[Kategorie:Quelle Minnerede]]
[[Kategorie:Quelle Minnerede]]
[[Kategorie:Quelle Allegorie]]

Aktuelle Version vom 20. März 2026, 21:49 Uhr

Jagdallegorie (B504); Königsberger Jagdallegorie

AutorIn
Entstehungszeit Mitte 14. Jhd.
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Warschau, Nationalbibliothek: Cod. 8097 III, 102ra-103vb
Ausgaben Dorobantu, Julia/Klingner, Jacob/Lieb, Ludger (Hg.): Minnereden, S. 400-410
Übersetzungen
Forschung Malm, Mike: Jagdallegorie; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 945-947

Inhalt

A Rahmen (1–3)

Der Sprecher eröffnet mit dem Geständnis, er würde in den Wald zur Jagd gehen, wenn er dazu fähig wäre.

B Klage des erfolglosen Jägers (4–75)

Er erzählt von einem jungen Mann, der lange vergeblich mit seinen Hunden eine Hirschkuh verfolgt. Trotz Ausdauer, Treue, sorgfältiger Hundeerziehung, ausgelegter Schlingen und sogar magischer Mittel bleibt die Jagd erfolglos. Seine Hunde – Trost, Harre, Staete und Treue – gelten als die besten, doch selbst sie helfen nicht. Besonders Staete zeichne sich durch Beharrlichkeit aus, doch auch er vermag die Hirschkuh nicht zu stellen. Erschöpft und voller Leid legt sich der Jäger nieder, als ein weiser Mann erscheint, der seine Klage gehört hat.

C Gespräch des Jägers mit einem weisen Mann (76–152)

Der Weise fragt nach dem Grund seines Liegens, und der Jäger bittet ihn um Rat: Seit zehn Jahren jage er erfolglos die Hirschkuh und sei ihr verpflichtet. Der Sprecher erklärt an dieser Stelle, zufällig auf die Szene gestoßen zu sein und das Gespräch belauscht zu haben. Der Jäger nennt die Namen seiner Hunde, die zwar untadelig seien, ihn aber dennoch betrübten. Der Weise hält sie für ungeeignet und empfiehlt stattdessen Zweifel, Wankelmut und Falschheit, da diese das Wild unerbittlich bedrängten. Der Jäger weist den Rat empört zurück, lehnt solche Methoden ab und hält an seinen treuen Hunden fest, selbst wenn er weiter leiden müsse. Er verjagt den Weisen und droht ihm sogar Gewalt an.

D Jagd des Sprechers (153–203)

Auch der Sprecher verlässt den Ort und versucht, dem Rat des Weisen zu folgen. Die drei falschen Hunde findet er sofort, da sie überall anzutreffen sind. Mit ihnen nimmt er die Fährte der Hirschkuh auf, die nun – wie vorhergesagt – rasch und ohne Mühe gefangen wird.

E Minnegericht (204–249)

Der Sprecher sieht die Minne mit ihrer Gefolgschaft heranreiten und bittet in einer Selbstanklage um Urteil: Er habe mit unredlichen Hunden eine Hirschkuh gefangen, die ein aufrechter Jäger selbst in zehn Jahren nicht erlangt hätte. Die Minne überträgt das Urteil ihrem Sohn, der beschließt, der Hirschkuh die Augen auszubrechen, da sie sich von Falschheit, Wankelmut und Zweifel habe stellen lassen. Da alle das Urteil für gerecht halten, löst sich das Gericht auf.

F Schluss mit Auslegung und Lehre (250–316)

Der Sprecher wünscht, dass es allen, die sich von Falschheit statt von Beständigkeit gewinnen lassen, ergehe wie der Hirschkuh. Er verflucht sie und überantwortet sie dem Teufel, da leichtfertiges Handeln überhandgenommen habe. In einer Apostrophe fordert er Luzifer auf, ein Zelt für diese Menschen zu errichten und sie mit Stroh und Mist abzuspeisen, denn wer einen beständigen Werber zugrunde richtet, verdiene keine Ehre. Für ihre Seelen bittet er dennoch um göttliche Gnade und schließt mit der Aufforderung, die Rede mit „Amen“ zu bestätigen.

(Ausführliche Inhaltsangabe bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 945-947.)