Die verfolgte Hindin (B506): Unterschied zwischen den Versionen

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==Inhalt==
=== A Jahreszeitentopos (1–9) ===
Der Sprecher beschreibt eine winterliche Landschaft, der Blätter, Vogelgesang, Blumen und Nahrung fehlen; der kalte Schnee betrübe selbst vornehme Herzen.


=== B Begegnung mit der Hirschkuh (10–102) ===
Er bricht zur Jagd auf und begegnet im Wald der schönsten Hirschkuh, die er von Kopf bis Fuß beschreibt: klare Augen, zarter Hals, feste Brust, feine Beine und Füße, ein herrlicher Körper und die Krone der Ehre auf dem Haupt. Begeistert verfolgt er ihre Sprünge, heftet ein von ihr abgetretenes Zweiglein an seinen Hut und bleibt bis zur Nacht auf ihrer Spur. In Gedanken entwirft er einen Garten der Freude, in dem er das Wild halten und ihm dienen könnte, muss aber erkennen, dass er dafür keinerlei Vorbereitung getroffen hat.
=== C Klage (103–140) ===
Auf dem leidvollen Heimweg verliert er das Zweiglein und findet es trotz verzweifelter Suche nicht wieder. Entblößt aller Freude reitet er weiter.
=== D Ratschläge der drei Personifikationen (141–182) ===
Im Wald begegnet er drei Jungfrauen – Staete, Treue und Ehre. Er klagt ihnen sein Leid, und jede gibt ihm einen Rat: Beständigkeit werde am Ende belohnt; Treue bringe Heilung; und wer nach eigener Ehre strebe und die seiner Geliebten wahre, werde Freude gewinnen. Getröstet setzt er seinen Weg fort.
=== E Ratschläge des Treuen Rates (183–252) ===
Nahe seinem Haus trifft er den alten Treuen Rat und klagt erneut. Dieser bleibt auf der Bildebene der Jagd und rät, die Hirschkuh zu vergessen, die Hochwildjagd aufzugeben und stattdessen mit Windhunden und Vögeln auf Beizjagd zu gehen. Der Sprecher versucht es, muss aber gestehen, dass ihn das Bild der Hirschkuh weiterhin verfolgt: Sie verscheuche seine Hunde und den Habicht. Der Alte rät nun, ein Bild der Hirschkuh anfertigen zu lassen und es maßvoll zu betrachten, wenn eine Begegnung unmöglich sei – und zugleich die Lehren der drei Jungfrauen zu beherzigen.
=== F Befolgung der Ratschläge (253–290) ===
Nach einer unruhigen Nacht lässt der Sprecher ein Bild der Hirschkuh anfertigen und in sein Herz setzen. Er bekräftigt, sie niemals zu vergessen und sie bis zum Lebensende im Herzen zu tragen.
=== G Schluss (291–300) ===
Er ruft Glück und Abenteuer an, ihm häufige Begegnungen mit der edlen Hirschkuh zu ermöglichen, und empfiehlt sie schließlich der Himmelskönigin Maria.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], Band 1, S. 949-951.)


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[[Kategorie:Quelle Minnerede]]
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Aktuelle Version vom 20. März 2026, 22:04 Uhr

Die verfolgte Hindin (B506)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit 14./15. Jhd.
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 439, 30v-37v
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Stridde, Christine: Die verfolgte Hindin; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 949-951

Inhalt

A Jahreszeitentopos (1–9)

Der Sprecher beschreibt eine winterliche Landschaft, der Blätter, Vogelgesang, Blumen und Nahrung fehlen; der kalte Schnee betrübe selbst vornehme Herzen.

B Begegnung mit der Hirschkuh (10–102)

Er bricht zur Jagd auf und begegnet im Wald der schönsten Hirschkuh, die er von Kopf bis Fuß beschreibt: klare Augen, zarter Hals, feste Brust, feine Beine und Füße, ein herrlicher Körper und die Krone der Ehre auf dem Haupt. Begeistert verfolgt er ihre Sprünge, heftet ein von ihr abgetretenes Zweiglein an seinen Hut und bleibt bis zur Nacht auf ihrer Spur. In Gedanken entwirft er einen Garten der Freude, in dem er das Wild halten und ihm dienen könnte, muss aber erkennen, dass er dafür keinerlei Vorbereitung getroffen hat.

C Klage (103–140)

Auf dem leidvollen Heimweg verliert er das Zweiglein und findet es trotz verzweifelter Suche nicht wieder. Entblößt aller Freude reitet er weiter.

D Ratschläge der drei Personifikationen (141–182)

Im Wald begegnet er drei Jungfrauen – Staete, Treue und Ehre. Er klagt ihnen sein Leid, und jede gibt ihm einen Rat: Beständigkeit werde am Ende belohnt; Treue bringe Heilung; und wer nach eigener Ehre strebe und die seiner Geliebten wahre, werde Freude gewinnen. Getröstet setzt er seinen Weg fort.

E Ratschläge des Treuen Rates (183–252)

Nahe seinem Haus trifft er den alten Treuen Rat und klagt erneut. Dieser bleibt auf der Bildebene der Jagd und rät, die Hirschkuh zu vergessen, die Hochwildjagd aufzugeben und stattdessen mit Windhunden und Vögeln auf Beizjagd zu gehen. Der Sprecher versucht es, muss aber gestehen, dass ihn das Bild der Hirschkuh weiterhin verfolgt: Sie verscheuche seine Hunde und den Habicht. Der Alte rät nun, ein Bild der Hirschkuh anfertigen zu lassen und es maßvoll zu betrachten, wenn eine Begegnung unmöglich sei – und zugleich die Lehren der drei Jungfrauen zu beherzigen.

F Befolgung der Ratschläge (253–290)

Nach einer unruhigen Nacht lässt der Sprecher ein Bild der Hirschkuh anfertigen und in sein Herz setzen. Er bekräftigt, sie niemals zu vergessen und sie bis zum Lebensende im Herzen zu tragen.

G Schluss (291–300)

Er ruft Glück und Abenteuer an, ihm häufige Begegnungen mit der edlen Hirschkuh zu ermöglichen, und empfiehlt sie schließlich der Himmelskönigin Maria.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 949-951.)