Der Traum (Hans Folz): Unterschied zwischen den Versionen
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In der Nacht schildert der Sprecher seine übersteigerte Sehnsucht nach der Geliebten in einer Reihe hyperbolischer Tiervergleiche: stärker als Salamander‑ und Phoenixfeuer, größer als der Durst des Hirschs, das Verlangen des Einhorns, die Sorge von Strauß, Pelikan und Henne, die Sehschärfe des Adlers und die Not des Fisches an Land. Da er ihr nicht ebenbürtig sei, sei eine Ehe unmöglich gewesen. Dennoch vertraut er auf ihre Treue und preist ihre Schönheit, die alle berühmten Frauengestalten der Literatur übertreffe. | |||
===B Traum=== | |||
In Gedanken an die Geliebte schläft er ein und beklagt später, je wieder erwacht zu sein. Er träumt, seine Kammer sei hell erleuchtet und mit goldenen Wänden geschmückt. Die Geliebte tritt ein, in blauem Atlasmantel, mit leuchtenden Augen und roten Wangen. Sie grüßt ihn, sie umarmen und küssen sich. Auf ihre Frage nach seiner Treue bittet er sie, den Mantel abzulegen; sie willigt ein, da er ihr ehrenhafte Minne zusichert. Sie spricht von der noch ausstehenden kirchlichen Sanktionierung ihres Verhältnisses und nennt ihn „trauter Gemahl“. Als sie den Mantel ablegt, beschreibt er sie ausführlich von Kopf bis Fuß, nur die Scham bleibt ausgespart. Trotz seiner Erregung betont er seine Ehre und bittet sie, zu ihm unter die Decke zu kommen. Sie fürchtet seine Begierde, verweist auf das alte Treueversprechen und will gehen. Er verlangt Erfüllung und droht mit Tod aus Liebesleid. Daraufhin will sie gewähren, zieht die Schuhe aus, und in der Liebeshitze durchfährt ihn ein kalter Schauer. Er bittet sie, sich ganz auszuziehen; sie fordert ihn auf, sich umzudrehen — in diesem Moment erwacht er und klagt seinen Schmerz. | |||
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Er schließt mit der Einsicht, dass jedes Glück von einem Augenblick zum nächsten schwinden kann, und nennt seinen Namen. | |||
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 381f.) | |||
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Aktuelle Version vom 5. Februar 2026, 20:24 Uhr
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Der Traum; Der Traum (B252) | |
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| AutorIn | Hans Folz |
| Entstehungszeit | |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Druck Nürnberg: Hans Folz, um 1488 (Exemplar: Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek: 117.7 Eth. Nr. 5) Druck Nürnberg: Peter Wagner, um 1495/96 (Exemplar: Hamburg, Universitätsbibliothek: In scrin. 229d Nr. 11) |
| Ausgaben | Fischer, Hanns (Hg.): Hans Folz. Die Reimpaarsprüche, S. 262-270 |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 381f. |
Inhalt
A Ausgangssituation
In der Nacht schildert der Sprecher seine übersteigerte Sehnsucht nach der Geliebten in einer Reihe hyperbolischer Tiervergleiche: stärker als Salamander‑ und Phoenixfeuer, größer als der Durst des Hirschs, das Verlangen des Einhorns, die Sorge von Strauß, Pelikan und Henne, die Sehschärfe des Adlers und die Not des Fisches an Land. Da er ihr nicht ebenbürtig sei, sei eine Ehe unmöglich gewesen. Dennoch vertraut er auf ihre Treue und preist ihre Schönheit, die alle berühmten Frauengestalten der Literatur übertreffe.
B Traum
In Gedanken an die Geliebte schläft er ein und beklagt später, je wieder erwacht zu sein. Er träumt, seine Kammer sei hell erleuchtet und mit goldenen Wänden geschmückt. Die Geliebte tritt ein, in blauem Atlasmantel, mit leuchtenden Augen und roten Wangen. Sie grüßt ihn, sie umarmen und küssen sich. Auf ihre Frage nach seiner Treue bittet er sie, den Mantel abzulegen; sie willigt ein, da er ihr ehrenhafte Minne zusichert. Sie spricht von der noch ausstehenden kirchlichen Sanktionierung ihres Verhältnisses und nennt ihn „trauter Gemahl“. Als sie den Mantel ablegt, beschreibt er sie ausführlich von Kopf bis Fuß, nur die Scham bleibt ausgespart. Trotz seiner Erregung betont er seine Ehre und bittet sie, zu ihm unter die Decke zu kommen. Sie fürchtet seine Begierde, verweist auf das alte Treueversprechen und will gehen. Er verlangt Erfüllung und droht mit Tod aus Liebesleid. Daraufhin will sie gewähren, zieht die Schuhe aus, und in der Liebeshitze durchfährt ihn ein kalter Schauer. Er bittet sie, sich ganz auszuziehen; sie fordert ihn auf, sich umzudrehen — in diesem Moment erwacht er und klagt seinen Schmerz.
C Epimythion
Er schließt mit der Einsicht, dass jedes Glück von einem Augenblick zum nächsten schwinden kann, und nennt seinen Namen.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 381f.)