Von treulosen Männern (B294): Unterschied zwischen den Versionen

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==Inhalt==
===A Einleitung===
Der Sprecher beginnt mit der Sentenz, dass das, was geschehen soll, rasch geschieht. Als Bestätigung erzählt er, wie er heimlich an einen Ort gelangt und dort eine Gruppe schöner, sittsamer und höfischer Damen beobachtet.


===B Belauschtes Gespräch===
Er belauscht ihre Unterhaltung. Die Frauen sprechen kunstvoll über Minne, erzählen viele Geschichten, diskutieren über Dichtung und wünschen sich neue Lieder. Eine Dame hält eine lange Klagerede: Frauen litten unter dem Unrecht der Männer und bräuchten einen Verteidiger. Sie kritisiert die Doppelmoral, die männliche Untreue duldet, weibliche Untreue aber verurteilt. Man rede ständig von der Unbeständigkeit der Frauen, verschweige aber die Unzuverlässigkeit der Männer, was die Lebensfreude der Frauen zerstöre. Sie schlägt vor, gemeinsam die treulosen Männer zu verfluchen. Eine andere Frau bittet darum, als Erste Verwünschungen äußern zu dürfen und fordert die anderen auf, diese zu ergänzen. Es gebe nichts Schlimmeres als treulose Männer; einen solchen solle man an einem Baum erhängen. Der Sprecher, der dies hört, freut sich und wünscht sich noch härtere Strafen. Nach einer langen Klage über das Leid, das böse Männer treuen Frauen zufügen, folgt ein ausführlicher Katalog von Strafen: Der treulose Mann solle in einen Sack gesteckt und in den Fluss geworfen werden; Gott solle den Wolf bestrafen, der sich als Lamm verkleidet. In litaneiartiger Form wünscht die Dame dem Treulosen Schande, Niederlagen, Verlust von Ehre, zerfallende Waffen, Unglück bei Reisen, Spott im Turnier, Misserfolge bei der Jagd, den Ruin seines Besitzes und schließlich seinen Untergang. Sie richtet ein kurzes Gebet an Venus und wünscht, niemand möge dem Treulosen glauben, alle Frauen sollten sich vor ihm ekeln und die Menschen ihn vertreiben. Die anderen Frauen stimmen ihr zu.
===C Schluss===
Die Frauen verabschieden sich höfisch voneinander. Der Sprecher verliebt sich beim Beobachten der Szene in eine der Damen, die er als die Schönste und Tugendhafteste preist. Ihr vornehmes Verhalten und ihre Beständigkeit beeindrucken ihn tief. Er wird traurig, als sie geht, und hofft, sie künftig oft sehen zu dürfen.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 456-458)


[[Kategorie:Quelle Minnerede]]
[[Kategorie:Quelle Minnerede]]

Aktuelle Version vom 6. Februar 2026, 21:34 Uhr

Von treulosen Männern (B294)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung um 1425
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Fassung I:
Karlsruhe, Landesbibliothek: Hs. Donaueschingen 104, 138vb-141rb
London, British Library: Ms. Add. 24946, 179v-184v
München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 270, 114r-119v
München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 379, 79r-86r
München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 5919, 183r-191v
Salzburg, Stiftsbibliothek St. Peter: Cod. b V 3, 83v-89r

Fassung II:

Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 313, 222v-228r
Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 355, 114r-121r
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Von treulosen Männern; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 456-458

Inhalt

A Einleitung

Der Sprecher beginnt mit der Sentenz, dass das, was geschehen soll, rasch geschieht. Als Bestätigung erzählt er, wie er heimlich an einen Ort gelangt und dort eine Gruppe schöner, sittsamer und höfischer Damen beobachtet.

B Belauschtes Gespräch

Er belauscht ihre Unterhaltung. Die Frauen sprechen kunstvoll über Minne, erzählen viele Geschichten, diskutieren über Dichtung und wünschen sich neue Lieder. Eine Dame hält eine lange Klagerede: Frauen litten unter dem Unrecht der Männer und bräuchten einen Verteidiger. Sie kritisiert die Doppelmoral, die männliche Untreue duldet, weibliche Untreue aber verurteilt. Man rede ständig von der Unbeständigkeit der Frauen, verschweige aber die Unzuverlässigkeit der Männer, was die Lebensfreude der Frauen zerstöre. Sie schlägt vor, gemeinsam die treulosen Männer zu verfluchen. Eine andere Frau bittet darum, als Erste Verwünschungen äußern zu dürfen und fordert die anderen auf, diese zu ergänzen. Es gebe nichts Schlimmeres als treulose Männer; einen solchen solle man an einem Baum erhängen. Der Sprecher, der dies hört, freut sich und wünscht sich noch härtere Strafen. Nach einer langen Klage über das Leid, das böse Männer treuen Frauen zufügen, folgt ein ausführlicher Katalog von Strafen: Der treulose Mann solle in einen Sack gesteckt und in den Fluss geworfen werden; Gott solle den Wolf bestrafen, der sich als Lamm verkleidet. In litaneiartiger Form wünscht die Dame dem Treulosen Schande, Niederlagen, Verlust von Ehre, zerfallende Waffen, Unglück bei Reisen, Spott im Turnier, Misserfolge bei der Jagd, den Ruin seines Besitzes und schließlich seinen Untergang. Sie richtet ein kurzes Gebet an Venus und wünscht, niemand möge dem Treulosen glauben, alle Frauen sollten sich vor ihm ekeln und die Menschen ihn vertreiben. Die anderen Frauen stimmen ihr zu.

C Schluss

Die Frauen verabschieden sich höfisch voneinander. Der Sprecher verliebt sich beim Beobachten der Szene in eine der Damen, die er als die Schönste und Tugendhafteste preist. Ihr vornehmes Verhalten und ihre Beständigkeit beeindrucken ihn tief. Er wird traurig, als sie geht, und hofft, sie künftig oft sehen zu dürfen.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 456-458)