Der wilde Mann (B397): Unterschied zwischen den Versionen

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==Inhalt==
=== A Exposition (1–11) ===
Der Sprecher berichtet von einer Traumvision, in der er mit Gefährten im Wald unterwegs war und eine schöne junge Frau sah, die eine wilde Kreatur gefesselt mit sich führte.


=== B Dialog zwischen Sprecher und Frau (12–53) ===
Da er die Frau kennt, fragt er sie nach ihrem Vorgehen und bezweifelt, dass dieser Mann je zu zähmen sei. Sie erklärt ruhig, sie liebe ihn und habe ihn lange verfolgt; nun hoffe sie, ihn so erziehen zu können, dass er trotz seiner Wildheit sanft werde. Der Sprecher hält ihre Mühe für vergeblich, da Natur kaum zu ändern sei. Die Frau widerspricht: Sie wolle ihn nicht beschimpfen, sondern mit Sanftmut zur Liebe führen und ihm zeigen, dass er ihretwegen leide. Der Sprecher meint, harte Worte würden seine Wildheit nur verstärken, doch bleibe Zähmung unmöglich. Die Frau ärgert sich über seine Einwände und ist sicher, dass sie Erfolg haben werde.
=== C Das Lied des wilden Mannes (54–70) ===
Die Frau führt den wilden Mann fort; kurz darauf hört der Sprecher ihn ein Rondeau singen, dessen Refrain bekennt, dass er einst wild war und nun in Liebesbanden gefangen sei.
=== D Reflexion des Sprechers (71–121) ===
Das Lied regt den Sprecher zu einer allegorischen Deutung seines Traums an. Er erkennt, dass die Frau recht hatte: Ein wilder Mann lasse sich eher durch Sanftheit und List als durch Härte bändigen. Wer von der Minne ergriffen werde, lege seine Wildheit ab; eine kluge Frau bezwinge das Gemüt eines Mannes leichter als eine Armee. Frauen gäben Männern hohen Mut und vertrieben Treulosigkeit. Er erinnert sich, wie froh der Mann geklungen hatte, gefangen zu sein, und wie sehr ihn Tugend und milde Rede der Frau gebunden hätten.
=== E Gespräch über den Traum (122–163) ===
Bei Tagesanbruch steht der Sprecher unruhig auf, wandert umher und bittet eine gefundene Gesellschaft um Deutung seines Traums. Eine schöne Frau erklärt, kein Mann sei so wild, dass eine Frau ihn nicht durch Bitten zähmen könne, außer er sei von Grund auf böse. Männer ohne Sinn für das Gute seien weder durch Milde noch durch Tadel zu ändern. Ein sanftmütiger Mann hingegen folge dem Rat seiner Geliebten und überwinde ihretwegen viele Schwierigkeiten.
=== F Epilog (164–172) ===
Der Sprecher kündigt an, aus seinem Gedicht zurückzutreten. Der Traum habe ihn gelehrt, dass Weiblichkeit das Innere der Männer erhelle. Wer Liebe suche, werde sie finden, und wer wahre Liebe finde, solle sein Glück preisen.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 630f.)


[[Kategorie:Quelle Minnerede]]
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Aktuelle Version vom 15. Februar 2026, 13:35 Uhr

Der wilde Mann (B397)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung 1405-1408
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Brüssel, KBR 15589-623, 95ra-95vb
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 630f.

Inhalt

A Exposition (1–11)

Der Sprecher berichtet von einer Traumvision, in der er mit Gefährten im Wald unterwegs war und eine schöne junge Frau sah, die eine wilde Kreatur gefesselt mit sich führte.

B Dialog zwischen Sprecher und Frau (12–53)

Da er die Frau kennt, fragt er sie nach ihrem Vorgehen und bezweifelt, dass dieser Mann je zu zähmen sei. Sie erklärt ruhig, sie liebe ihn und habe ihn lange verfolgt; nun hoffe sie, ihn so erziehen zu können, dass er trotz seiner Wildheit sanft werde. Der Sprecher hält ihre Mühe für vergeblich, da Natur kaum zu ändern sei. Die Frau widerspricht: Sie wolle ihn nicht beschimpfen, sondern mit Sanftmut zur Liebe führen und ihm zeigen, dass er ihretwegen leide. Der Sprecher meint, harte Worte würden seine Wildheit nur verstärken, doch bleibe Zähmung unmöglich. Die Frau ärgert sich über seine Einwände und ist sicher, dass sie Erfolg haben werde.

C Das Lied des wilden Mannes (54–70)

Die Frau führt den wilden Mann fort; kurz darauf hört der Sprecher ihn ein Rondeau singen, dessen Refrain bekennt, dass er einst wild war und nun in Liebesbanden gefangen sei.

D Reflexion des Sprechers (71–121)

Das Lied regt den Sprecher zu einer allegorischen Deutung seines Traums an. Er erkennt, dass die Frau recht hatte: Ein wilder Mann lasse sich eher durch Sanftheit und List als durch Härte bändigen. Wer von der Minne ergriffen werde, lege seine Wildheit ab; eine kluge Frau bezwinge das Gemüt eines Mannes leichter als eine Armee. Frauen gäben Männern hohen Mut und vertrieben Treulosigkeit. Er erinnert sich, wie froh der Mann geklungen hatte, gefangen zu sein, und wie sehr ihn Tugend und milde Rede der Frau gebunden hätten.

E Gespräch über den Traum (122–163)

Bei Tagesanbruch steht der Sprecher unruhig auf, wandert umher und bittet eine gefundene Gesellschaft um Deutung seines Traums. Eine schöne Frau erklärt, kein Mann sei so wild, dass eine Frau ihn nicht durch Bitten zähmen könne, außer er sei von Grund auf böse. Männer ohne Sinn für das Gute seien weder durch Milde noch durch Tadel zu ändern. Ein sanftmütiger Mann hingegen folge dem Rat seiner Geliebten und überwinde ihretwegen viele Schwierigkeiten.

F Epilog (164–172)

Der Sprecher kündigt an, aus seinem Gedicht zurückzutreten. Der Traum habe ihn gelehrt, dass Weiblichkeit das Innere der Männer erhelle. Wer Liebe suche, werde sie finden, und wer wahre Liebe finde, solle sein Glück preisen.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 630f.)