Traum von erfüllter Liebe (B399): Unterschied zwischen den Versionen

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==Inhalt==
=== A Einleitung (1–19) ===
Die Sprecherin kündigt an, in Gesellschaft von einem nächtlichen Erlebnis zu berichten. Im Bett habe sie über Wesen und Wirkung der Liebe nachgedacht und bezweifelt, dass sie jene Hochstimmung verleihe, von der man sonst erzähle. Sie selbst lebe fröhlich ohne Liebhaber und halte Hingabe im Minnedienst für unvernünftig. Mit diesem Gedanken sei sie eingeschlafen.


=== B Traumeingang (20–35) ===
Im Traum gelangt sie zu einer höfischen Gesellschaft auf einer Wiese, nimmt an Tanz und Spiel teil und wird von einer alten Freundin beiseitegebeten.
=== C Gespräch mit der Freundin (36–237) ===
Die Freundin wundert sich über ihre Liebesabstinenz. Die Sprecherin verweist auf die Freude, die sie in der Gemeinschaft finde. Die Freundin hält dagegen, wahre Freude kenne man erst in der Liebe zu einem Mann, und möchte sie mit einem vorbildlichen Ritter zusammenführen. Die Sprecherin lehnt ab: Sie wolle unbezwungen leben und frei bleiben von den Leiden der Liebe. Die Freundin deutet diese Leiden als Teil eines größeren Glücks und mahnt, dass die Sprecherin damit auch das Glück möglicher Verehrer verhindere. Die Sprecherin nennt schließlich ihren wahren Grund: die Angst vor den Klaffern. Die Freundin hält dagegen, man dürfe sich von ihnen nicht abhalten lassen; heimliche Liebe sei ohnehin beglückender als offene. Die Sprecherin stimmt maßvoller Vorsicht zu, warnt aber vor Übermaß. Die Freundin ermutigt sie und offenbart, als Botin eines vorbildlichen Ritters zu kommen. Die Sprecherin zweifelt, ob ein so tugendhafter Mann nicht längst gebunden sei. Die Freundin versichert seine Aufrichtigkeit und bittet, ihm eine Probe aufzuerlegen. Die Sprecherin reagiert spöttisch, lenkt aber ein, um die Freundschaft nicht zu gefährden. Die Freundin bittet um eine tröstende Botschaft; die Sprecherin erbittet Zeit. Nach erneuter Mahnung, nicht vorschnell abzusagen, lobt die Sprecherin die Hartnäckigkeit der Freundin und fordert sie auf, zum Tanz zurückzukehren, um sich selbst Klarheit zu verschaffen. Die Freundin erwartet eine baldige Entscheidung.
=== D Begegnung mit dem Ritter (238–315) ===
Zurück in der Gesellschaft spricht der Ritter erst mit der Freundin, dann mit der Sprecherin. Sein höfisches, ernsthaftes Auftreten weckt ihre Liebe; Frau Liebe zwingt sie endgültig in ihren Dienst. Auf Drängen der Freundin gesteht sie beschämt ihre Zuneigung. Die Freundin bittet erneut um eine Botschaft für den Ritter; die Sprecherin antwortet allgemein, er könne hoffen, wenn er Herz und Gedanken einig halte. Nach Übermittlung dieser Botschaft sucht der Ritter erneut das Gespräch und fragt, wie er seinen Dienst zeigen könne. Die Sprecherin freut sich, dass sein Verhalten seinen Worten entspricht, und gesteht sich innerlich ihre wachsende Liebe. Von Aufpassern gestört, müssen sie sich trennen, doch weiß sie um die Möglichkeit weiterer Botschaften über die Freundin.
=== E Turnier (315–469) ===
Die Sprecherin denkt unablässig an den Ritter; aufkommende Zweifel zerstreut seine beständige Dienstfertigkeit. Als ein Turnier angekündigt wird, reist sie mit der Freundin dorthin. Auf dem Platz erkennt sie den Ritter, der unter allen hervorsticht und ihnen zuwinkt. Beim abendlichen Mahl und Tanz versetzt sie allein sein Anblick in Hochstimmung. Nach einer unruhigen Nacht erlebt sie den Turniermorgen: Der Ritter gehört zu den ersten, die sich rüsten, und wird allseits gelobt, was ihr Herz höher schlagen lässt. Er kämpft tapfer zu Fuß und zu Pferd. Als sein Pferd lahmt, nutzt er die Pause, um in voller Rüstung zu den Damen zu kommen. Er lehnt sich zur Sprecherin und spricht mit ihr; seine Wortkargheit stört sie nicht, da sie seine Treue erkennt. Er bekräftigt seine Hingabe, sie bestätigt seine Ernsthaftigkeit und gesteht ihm ihre ausschließliche Liebe. Auf ihre Bitte hin versichert er ihr dieselbe Beständigkeit und besiegelt seine Treue mit einem Handschlag.
=== F Erwachen (470–552) ===
Vom Treueschwur tief bewegt, erwacht die Sprecherin und erkennt, dass alles nur ein Traum war. In ihre Enttäuschung mischt sich Staunen darüber, wie groß die Freude im wachen Zustand sein müsse, wenn schon ein Traum sie so ergriffen habe. Es folgt eine Schelte der Klaffer und der Appell an alle Damen, sich von solchen Menschen fernzuhalten. Sie fragt sich, wie eine liebende Frau Schlechtes über die Liebe sagen könne, da sie sich damit selbst kritisiere. Zugleich fürchtet sie, wegen ihrer Erzählung von listigen Merkern der unrechtmäßigen Liebe bezichtigt zu werden. Ein Sprichwort scheint sich an ihr zu bewahrheiten: Seit dem Traum sage sie nichts Schlechtes mehr über die Liebe, gestehe sie anständigen Damen zu und freue sich mit Liebenden. Sie betont, keine größere Freude zu kennen als die einer anständigen Dame in der Liebe zu einem Mann – doch könne sie dies nur denken, da sie Liebe nur aus dem Traum kenne. Sie schließt mit der Warnung, ihre Lehre nicht zu verdrehen, und bekräftigt die alte Weisheit, dass nichts beständiger sei als die Liebeshoffnung von Damen und Jungfrauen.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 634-636)


[[Kategorie:Quelle Minnerede]]
[[Kategorie:Quelle Minnerede]]

Aktuelle Version vom 15. Februar 2026, 13:37 Uhr

Traum von erfüllter Liebe (B399)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung ab zweite Hälfte 15. Jahrhundert
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Berlin, Staatsbibliothek: Mgq 1899, 151v-161r
London, British Library: Add. 24946, 141r-142v
Ausgaben Dorobantu, Julia/Klingner, Jacob/Lieb, Ludger (Hg.): Minnereden, S. 371-390
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Traum von erfüllter Liebe; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 633-636

Inhalt

A Einleitung (1–19)

Die Sprecherin kündigt an, in Gesellschaft von einem nächtlichen Erlebnis zu berichten. Im Bett habe sie über Wesen und Wirkung der Liebe nachgedacht und bezweifelt, dass sie jene Hochstimmung verleihe, von der man sonst erzähle. Sie selbst lebe fröhlich ohne Liebhaber und halte Hingabe im Minnedienst für unvernünftig. Mit diesem Gedanken sei sie eingeschlafen.

B Traumeingang (20–35)

Im Traum gelangt sie zu einer höfischen Gesellschaft auf einer Wiese, nimmt an Tanz und Spiel teil und wird von einer alten Freundin beiseitegebeten.

C Gespräch mit der Freundin (36–237)

Die Freundin wundert sich über ihre Liebesabstinenz. Die Sprecherin verweist auf die Freude, die sie in der Gemeinschaft finde. Die Freundin hält dagegen, wahre Freude kenne man erst in der Liebe zu einem Mann, und möchte sie mit einem vorbildlichen Ritter zusammenführen. Die Sprecherin lehnt ab: Sie wolle unbezwungen leben und frei bleiben von den Leiden der Liebe. Die Freundin deutet diese Leiden als Teil eines größeren Glücks und mahnt, dass die Sprecherin damit auch das Glück möglicher Verehrer verhindere. Die Sprecherin nennt schließlich ihren wahren Grund: die Angst vor den Klaffern. Die Freundin hält dagegen, man dürfe sich von ihnen nicht abhalten lassen; heimliche Liebe sei ohnehin beglückender als offene. Die Sprecherin stimmt maßvoller Vorsicht zu, warnt aber vor Übermaß. Die Freundin ermutigt sie und offenbart, als Botin eines vorbildlichen Ritters zu kommen. Die Sprecherin zweifelt, ob ein so tugendhafter Mann nicht längst gebunden sei. Die Freundin versichert seine Aufrichtigkeit und bittet, ihm eine Probe aufzuerlegen. Die Sprecherin reagiert spöttisch, lenkt aber ein, um die Freundschaft nicht zu gefährden. Die Freundin bittet um eine tröstende Botschaft; die Sprecherin erbittet Zeit. Nach erneuter Mahnung, nicht vorschnell abzusagen, lobt die Sprecherin die Hartnäckigkeit der Freundin und fordert sie auf, zum Tanz zurückzukehren, um sich selbst Klarheit zu verschaffen. Die Freundin erwartet eine baldige Entscheidung.

D Begegnung mit dem Ritter (238–315)

Zurück in der Gesellschaft spricht der Ritter erst mit der Freundin, dann mit der Sprecherin. Sein höfisches, ernsthaftes Auftreten weckt ihre Liebe; Frau Liebe zwingt sie endgültig in ihren Dienst. Auf Drängen der Freundin gesteht sie beschämt ihre Zuneigung. Die Freundin bittet erneut um eine Botschaft für den Ritter; die Sprecherin antwortet allgemein, er könne hoffen, wenn er Herz und Gedanken einig halte. Nach Übermittlung dieser Botschaft sucht der Ritter erneut das Gespräch und fragt, wie er seinen Dienst zeigen könne. Die Sprecherin freut sich, dass sein Verhalten seinen Worten entspricht, und gesteht sich innerlich ihre wachsende Liebe. Von Aufpassern gestört, müssen sie sich trennen, doch weiß sie um die Möglichkeit weiterer Botschaften über die Freundin.

E Turnier (315–469)

Die Sprecherin denkt unablässig an den Ritter; aufkommende Zweifel zerstreut seine beständige Dienstfertigkeit. Als ein Turnier angekündigt wird, reist sie mit der Freundin dorthin. Auf dem Platz erkennt sie den Ritter, der unter allen hervorsticht und ihnen zuwinkt. Beim abendlichen Mahl und Tanz versetzt sie allein sein Anblick in Hochstimmung. Nach einer unruhigen Nacht erlebt sie den Turniermorgen: Der Ritter gehört zu den ersten, die sich rüsten, und wird allseits gelobt, was ihr Herz höher schlagen lässt. Er kämpft tapfer zu Fuß und zu Pferd. Als sein Pferd lahmt, nutzt er die Pause, um in voller Rüstung zu den Damen zu kommen. Er lehnt sich zur Sprecherin und spricht mit ihr; seine Wortkargheit stört sie nicht, da sie seine Treue erkennt. Er bekräftigt seine Hingabe, sie bestätigt seine Ernsthaftigkeit und gesteht ihm ihre ausschließliche Liebe. Auf ihre Bitte hin versichert er ihr dieselbe Beständigkeit und besiegelt seine Treue mit einem Handschlag.

F Erwachen (470–552)

Vom Treueschwur tief bewegt, erwacht die Sprecherin und erkennt, dass alles nur ein Traum war. In ihre Enttäuschung mischt sich Staunen darüber, wie groß die Freude im wachen Zustand sein müsse, wenn schon ein Traum sie so ergriffen habe. Es folgt eine Schelte der Klaffer und der Appell an alle Damen, sich von solchen Menschen fernzuhalten. Sie fragt sich, wie eine liebende Frau Schlechtes über die Liebe sagen könne, da sie sich damit selbst kritisiere. Zugleich fürchtet sie, wegen ihrer Erzählung von listigen Merkern der unrechtmäßigen Liebe bezichtigt zu werden. Ein Sprichwort scheint sich an ihr zu bewahrheiten: Seit dem Traum sage sie nichts Schlechtes mehr über die Liebe, gestehe sie anständigen Damen zu und freue sich mit Liebenden. Sie betont, keine größere Freude zu kennen als die einer anständigen Dame in der Liebe zu einem Mann – doch könne sie dies nur denken, da sie Liebe nur aus dem Traum kenne. Sie schließt mit der Warnung, ihre Lehre nicht zu verdrehen, und bekräftigt die alte Weisheit, dass nichts beständiger sei als die Liebeshoffnung von Damen und Jungfrauen.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 634-636)