Des Minners Anklagen (B457): Unterschied zwischen den Versionen

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==Inhalt==
===A Streitgespräch (1–328)===
Der Sprecher klagt, dass ihn sein Liebesleid unentrinnbar quäle und sowohl Minne als auch die Schönheit der Geliebten daran schuld seien. Frau Schönheit weist die Vorwürfe zurück und betont, nur die Minne besitze die Macht, Menschen zu bezwingen, wie das Beispiel Gahmurets zeige; sie selbst habe die Geliebte nur geschmückt, damit der Sprecher ihre Treue erkenne. Der Sprecher widerspricht und beschreibt, wie die Schönheit der Dame seine Liebe entfacht habe. Schönheit nennt das Leid des Liebenden eine süße Qual und preist die Vorzüge der Geliebten. Der Sprecher beklagt weiter seine Not, und nun verteidigt sich Frau Liebe: Sie habe ihm Freude geschenkt und sei zu Unrecht verbannt worden. Der Sprecher hält dagegen, alles Leid stamme von ihr, und wirft ihr Unbeständigkeit vor. Liebe entgegnet, die Schönheit der Dame habe ihn in diese Lage gebracht. Der Sprecher gesteht, dass Minne in seinem Herzen herrschen solle, wenn sie nicht mit Schmerz verbunden wäre, und schildert die Entstehung seiner Liebe. Auf seine Frage nach ihrem Wesen beschreibt sich die Minne als edles Geschöpf Gottes mit umfassender Macht. Schönheit verspottet sie dafür, doch Liebe hält dagegen, dass wahres Liebesglück im Verborgenen entstehe und nicht vom äußeren Glanz abhänge; erneut verweist sie auf das Beispiel Gahmurets.
===B Schlichtung des Streites und Hilfeangebote (329–424)===
Der Sprecher versucht, die beiden Personifikationen zu versöhnen, und bittet sie um Hilfe bei seiner Geliebten. Schönheit bietet an, die Dame noch schöner zu machen, doch der Sprecher lehnt ab, da größere Schönheit sein Leid nur steigern würde. Liebe bietet an, der Geliebten Liebesschmerz zuzufügen, damit sie ihn erhöre, doch auch dies weist er zurück: Er wolle lieber sterben, als dass sie leiden müsse. Sein möglicher Liebestod erscheine ihm wie eine Reinigung vor Gott.
===C Werbungsgespräch (425–663)===
Die Geliebte, die seine Worte gehört hat, tritt hervor und nennt seine Rede leer und prahlerisch; ein höfischer Mann müsse auch schweigen können. Der Sprecher bittet um Verzeihung, beteuert seine Aufrichtigkeit und seine Bereitschaft, für sie zu sterben. Die Dame bleibt ungerührt und verspottet sogar seine hypothetische Todesklage. Er fleht weiter um Gnade und preist ihre engelhafte Erscheinung. Sie weist ihn zornig zurück, doch er hält an seiner Werbung fest und erklärt selbst ihren Spott für süß. Schließlich lässt sie sich auf ihn ein, verflucht treulose Männer und gesteht, dass seine Worte sie in Zwiespalt gebracht hätten; sie wolle dem Willen folgen und ihn erhören. Der Sprecher bricht in jubelnden Freudenpreis aus und schildert in litaneiartigen Formeln sein überwältigendes Glück.
===D Gespräch der Geliebten mit der Beständigkeit (664–831)===
Die Beständigkeit tadelt die Dame, sie habe zu schnell nachgegeben, was ihre Unerfahrenheit zeige. Der Sprecher verteidigt sie als tugendhaft und gütig. Beständigkeit betont, Frauen müssten zur Treue erzogen werden und sollten auf Ausschließlichkeit achten. Der Sprecher begrüßt diese Lehre und preist die Tugendhaftigkeit seiner Herrin. Die Dame entschuldigt sich und erklärt, die Liebe habe sie überwältigt. Beständigkeit erkennt ihren Irrtum, da kein Herz sich dauerhaft gegen die Liebe verschließen könne, und mahnt die Dame, ihre Ehre in der Liebe zu bewahren. Der Sprecher preist die Beständigkeit als kostbares Gewand edler Frauen und bittet um ihre Unterstützung; für ihn sei die Berührung des roten Mundes der Geliebten schon ein Paradies.
(Ausführliche Inhaltsangabe bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], Band 1, S. 807-810)


[[Kategorie:Quelle Minnerede]]
[[Kategorie:Quelle Minnerede]]

Aktuelle Version vom 13. März 2026, 10:19 Uhr

Des Minners Anklagen (B457)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung 1431
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Berlin, Staatsbibliothek: Ms. germ. oct. 186, 43r-66v
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Des Minners Anklagen; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 807-810

Inhalt

A Streitgespräch (1–328)

Der Sprecher klagt, dass ihn sein Liebesleid unentrinnbar quäle und sowohl Minne als auch die Schönheit der Geliebten daran schuld seien. Frau Schönheit weist die Vorwürfe zurück und betont, nur die Minne besitze die Macht, Menschen zu bezwingen, wie das Beispiel Gahmurets zeige; sie selbst habe die Geliebte nur geschmückt, damit der Sprecher ihre Treue erkenne. Der Sprecher widerspricht und beschreibt, wie die Schönheit der Dame seine Liebe entfacht habe. Schönheit nennt das Leid des Liebenden eine süße Qual und preist die Vorzüge der Geliebten. Der Sprecher beklagt weiter seine Not, und nun verteidigt sich Frau Liebe: Sie habe ihm Freude geschenkt und sei zu Unrecht verbannt worden. Der Sprecher hält dagegen, alles Leid stamme von ihr, und wirft ihr Unbeständigkeit vor. Liebe entgegnet, die Schönheit der Dame habe ihn in diese Lage gebracht. Der Sprecher gesteht, dass Minne in seinem Herzen herrschen solle, wenn sie nicht mit Schmerz verbunden wäre, und schildert die Entstehung seiner Liebe. Auf seine Frage nach ihrem Wesen beschreibt sich die Minne als edles Geschöpf Gottes mit umfassender Macht. Schönheit verspottet sie dafür, doch Liebe hält dagegen, dass wahres Liebesglück im Verborgenen entstehe und nicht vom äußeren Glanz abhänge; erneut verweist sie auf das Beispiel Gahmurets.

B Schlichtung des Streites und Hilfeangebote (329–424)

Der Sprecher versucht, die beiden Personifikationen zu versöhnen, und bittet sie um Hilfe bei seiner Geliebten. Schönheit bietet an, die Dame noch schöner zu machen, doch der Sprecher lehnt ab, da größere Schönheit sein Leid nur steigern würde. Liebe bietet an, der Geliebten Liebesschmerz zuzufügen, damit sie ihn erhöre, doch auch dies weist er zurück: Er wolle lieber sterben, als dass sie leiden müsse. Sein möglicher Liebestod erscheine ihm wie eine Reinigung vor Gott.

C Werbungsgespräch (425–663)

Die Geliebte, die seine Worte gehört hat, tritt hervor und nennt seine Rede leer und prahlerisch; ein höfischer Mann müsse auch schweigen können. Der Sprecher bittet um Verzeihung, beteuert seine Aufrichtigkeit und seine Bereitschaft, für sie zu sterben. Die Dame bleibt ungerührt und verspottet sogar seine hypothetische Todesklage. Er fleht weiter um Gnade und preist ihre engelhafte Erscheinung. Sie weist ihn zornig zurück, doch er hält an seiner Werbung fest und erklärt selbst ihren Spott für süß. Schließlich lässt sie sich auf ihn ein, verflucht treulose Männer und gesteht, dass seine Worte sie in Zwiespalt gebracht hätten; sie wolle dem Willen folgen und ihn erhören. Der Sprecher bricht in jubelnden Freudenpreis aus und schildert in litaneiartigen Formeln sein überwältigendes Glück.

D Gespräch der Geliebten mit der Beständigkeit (664–831)

Die Beständigkeit tadelt die Dame, sie habe zu schnell nachgegeben, was ihre Unerfahrenheit zeige. Der Sprecher verteidigt sie als tugendhaft und gütig. Beständigkeit betont, Frauen müssten zur Treue erzogen werden und sollten auf Ausschließlichkeit achten. Der Sprecher begrüßt diese Lehre und preist die Tugendhaftigkeit seiner Herrin. Die Dame entschuldigt sich und erklärt, die Liebe habe sie überwältigt. Beständigkeit erkennt ihren Irrtum, da kein Herz sich dauerhaft gegen die Liebe verschließen könne, und mahnt die Dame, ihre Ehre in der Liebe zu bewahren. Der Sprecher preist die Beständigkeit als kostbares Gewand edler Frauen und bittet um ihre Unterstützung; für ihn sei die Berührung des roten Mundes der Geliebten schon ein Paradies.

(Ausführliche Inhaltsangabe bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 807-810)