Lob der ritterlichen Minne (B472): Unterschied zwischen den Versionen
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
||
| Zeile 11: | Zeile 11: | ||
}} | }} | ||
==Inhalt== | |||
===A Hirschjagd (1–36)=== | |||
Der Sprecher schildert eine Hirschjagd, bei der seine Hunde das Tier stellen. Da er einem frommen Einsiedler, der früher selbst ein vorbildlicher Ritter war, einen Teil der Beute bringen möchte, macht er sich mit einem Diener und einer Hirschkeule auf den Weg zu dessen Klause. | |||
===B Begegnung und Gespräch mit dem Einsiedler (37–97)=== | |||
Der Sprecher trifft den Einsiedler beim Gebet, wird jedoch dafür getadelt, ihn nur selten zu besuchen. Der Einsiedler rät ihm, die Jagd zugunsten ritterlicher Taten aufzugeben, da diese den Damen mehr imponierten und zu echter Minne führten. Der Sprecher entgegnet, dass Ritterruhm bei den Frauen kaum noch zähle und törichtes Verhalten mehr Erfolg habe. Der Einsiedler beklagt den Verlust weiblicher Urteilskraft und warnt vor falscher Rede und Lüge. | |||
===C Dreifache Tugendklage / Dreifacher Ritterpreis (98–397)=== | |||
Der Sprecher beschreibt ausführlich den Verfall ritterlicher Sitten: lautes Prahlen, falsche Schwüre, Verleumdung, übertriebene Modetorheiten, unritterliche Bewegungen, prahlerisches Auftreten und schlechte Sangeskunst. Der Einsiedler stellt dem drei idealisierte Ritterfiguren gegenüber, die durch Mut, Frauendienst und ritterliche Bewährung glänzten. Auf Nachfrage berichtet der Sprecher über Missstände im Turnierwesen wie geheime Absprachen und das gezielte Angreifen Schwächerer. Der Einsiedler antwortet mit weiteren Beispielen vorbildlicher Ritter, die sich stets ehrenhaft stellten. Schließlich beklagt er die Schwäche moderner Tjosten und preist erneut herausragende Ritter der Vergangenheit, deren Tugend unvergessen bleiben solle. Als einzigen lebenden Vertreter alten Rittertums nennt er Johann von Klingenberg. | |||
===D Absolution und Botenauftrag (398–435)=== | |||
Nach einer Klage über den allgemeinen Niedergang nimmt der Einsiedler seinen anfänglichen Tadel zurück und erklärt, dass angesichts der heutigen Turniere die Jagd tatsächlich die klügere Wahl sei. Er beauftragt den Sprecher, den Damen seine Lehre zu überbringen: Frauen seien zur Freude der Ritterschaft geschaffen, nicht für törichte Männer; wahrer ritterlicher Mut solle belohnt, prahlerisches und verleumderisches Verhalten jedoch gemieden werden. | |||
===E Schluss (436–440)=== | |||
Der Sprecher erkennt, dass es Zeit ist aufzubrechen, bittet den Einsiedler um seinen Segen und erhält ihn. Der Text endet mit einem Amen und dem Hinweis, dass die Aventiure nun zu Ende sei. | |||
(Ausführliche Inhaltsangabe bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 861-863) | |||
[[Kategorie:Quelle Minnerede]] | [[Kategorie:Quelle Minnerede]] | ||
[[Kategorie:Quelle Preisrede]] | [[Kategorie:Quelle Preisrede]] | ||
Aktuelle Version vom 13. März 2026, 10:46 Uhr
|
Lob der ritterlichen Minne (B472) | |
|---|---|
| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Vor 1348/1349 |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | München, Universitätsbibliothek: 2° ms 731, 201vb-206rb |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob: Lob der ritterlichen Minne; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 861-863 |
Inhalt
A Hirschjagd (1–36)
Der Sprecher schildert eine Hirschjagd, bei der seine Hunde das Tier stellen. Da er einem frommen Einsiedler, der früher selbst ein vorbildlicher Ritter war, einen Teil der Beute bringen möchte, macht er sich mit einem Diener und einer Hirschkeule auf den Weg zu dessen Klause.
B Begegnung und Gespräch mit dem Einsiedler (37–97)
Der Sprecher trifft den Einsiedler beim Gebet, wird jedoch dafür getadelt, ihn nur selten zu besuchen. Der Einsiedler rät ihm, die Jagd zugunsten ritterlicher Taten aufzugeben, da diese den Damen mehr imponierten und zu echter Minne führten. Der Sprecher entgegnet, dass Ritterruhm bei den Frauen kaum noch zähle und törichtes Verhalten mehr Erfolg habe. Der Einsiedler beklagt den Verlust weiblicher Urteilskraft und warnt vor falscher Rede und Lüge.
C Dreifache Tugendklage / Dreifacher Ritterpreis (98–397)
Der Sprecher beschreibt ausführlich den Verfall ritterlicher Sitten: lautes Prahlen, falsche Schwüre, Verleumdung, übertriebene Modetorheiten, unritterliche Bewegungen, prahlerisches Auftreten und schlechte Sangeskunst. Der Einsiedler stellt dem drei idealisierte Ritterfiguren gegenüber, die durch Mut, Frauendienst und ritterliche Bewährung glänzten. Auf Nachfrage berichtet der Sprecher über Missstände im Turnierwesen wie geheime Absprachen und das gezielte Angreifen Schwächerer. Der Einsiedler antwortet mit weiteren Beispielen vorbildlicher Ritter, die sich stets ehrenhaft stellten. Schließlich beklagt er die Schwäche moderner Tjosten und preist erneut herausragende Ritter der Vergangenheit, deren Tugend unvergessen bleiben solle. Als einzigen lebenden Vertreter alten Rittertums nennt er Johann von Klingenberg.
D Absolution und Botenauftrag (398–435)
Nach einer Klage über den allgemeinen Niedergang nimmt der Einsiedler seinen anfänglichen Tadel zurück und erklärt, dass angesichts der heutigen Turniere die Jagd tatsächlich die klügere Wahl sei. Er beauftragt den Sprecher, den Damen seine Lehre zu überbringen: Frauen seien zur Freude der Ritterschaft geschaffen, nicht für törichte Männer; wahrer ritterlicher Mut solle belohnt, prahlerisches und verleumderisches Verhalten jedoch gemieden werden.
E Schluss (436–440)
Der Sprecher erkennt, dass es Zeit ist aufzubrechen, bittet den Einsiedler um seinen Segen und erhält ihn. Der Text endet mit einem Amen und dem Hinweis, dass die Aventiure nun zu Ende sei.
(Ausführliche Inhaltsangabe bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 861-863)